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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #261
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: ADHS und Dissoziation

    habitbreaker schreibt:
    @Gnosi och ... sehe ich gar nicht so ironisch ... ich denke, wenn es auf einer Seite ein fettes Defizit gibt, muss man in erster Linie kompensieren können ... das Ding mit dem IQ ist natürlich noch aufzudröseln ... habe noch nie an "die eine Intelligenz" geglaubt... finde Gardners Multiintelligenzansatz wesentlich plausibler ... http://riorg.de/pdf-verzeichnis/Gard...0IQ_091123.pdf

    Intersannter Artikel.

    Muss etwas an Gerald Huther dabei denken.
    Alles besteht nur aus netwerken und neuronalbahn verknüpfungen welche durch viel nuntzung verstärkte netzwerke bilden welche stabiler sind uund auf die dann besser zugegriffen werden kann um problerm bzw fragestellungen zu bearbeiten.
    Somit wäre jegliche inteligenz die aus den artikeln(ich denke das die hüthersche theorie auch darein passt ,reine übungsache durch wiederholung und durch verstärkung durch gefühle bei anwendeung der enprechenden eigenschaft,bzw wennetwas mal gelingt dazu muss natürlich dann auch von erwachsene raum geschaffen werden um sich zu entfalten und solche erlebnisse zu machen.)
    Hoffe irgendwer schnallt mein kauderlwelsch wenn nicht sry...

  2. #262
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    Frage mal so zwischendurch:

    habe ich es richtig verstanden?
    Dissoziation kann unter anderem eine "Methode" sein um
    die nicht vorhandene (schlecht vorhandene) Selbstregulation zu kompensieren?
    Mit dem Unterschied das ich durch Selbstregulation bewusst verarbeite und
    die Dissoziation unverarbeitet ins unterbewusstsein abspeichert?

    sorry, bin nicht so belesen und schlau.

    ist Emoflex, der andere Weg? Zwischen schlechter Selbstregulation / Dissoziation?

    Nochmal Zwischenfrage: Ist Sport auch ein Weg die Selbstregulation zu trainieren?
    (innere Schweinehund / Zielsetzung / Durchziehen / Durchbeissen also durch den Willen
    den Impuls des Ruhen-wollens unterdrücken?)
    Geändert von Smile ( 7.04.2012 um 11:33 Uhr) Grund: sport / emoflex

  3. #263
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    @Smile, also emoflex ist, aus meiner Erfahrung, egal was, immer ein super Weg!! Ich denke mir, viele Wege führen nach Rom aber dieses ist ein ausgesprochen eleganter, lässiger, schneller und unterwegs hat man eine wunderschöne Kulisse! (ohne jetzt vorauszusetzen, dass man da unbedingt hin müsste/wollte, reisen ist ja auch schön)

    Ich mache seit anderthalb Jahren diese Selbstanwendung (ich hab zwei Veranstaltungen dazu besucht und hatte auch mehrere Sitzungen und habe dazu so zwei drei Stunden pro Woche damit verbracht, hätte auch schneller oder langsamer gehen können, mehr oder weniger zeitintensiv, also ich hatte ein dolles Geworxel glaub ich in mir und bin allgemein ein sehr, sich auch sinnloser Weise ewig in Sachen verbohrender Typ) ...und es ist ein Wahnsinn, was sich damit Happen für Happen bei mir verändert hat. Ich bin so stark geworden, selbstbewusst, immer wendiger, habe eine tolle Körperwahrnehmung, Beweglichkeit, kann immer immer mehr auf mein Gefühl hören, bin ausgeglichen, richtig belastbar, kann auch aus den blödesten Beleidigungen noch was Konstruktives ziehen, stehe Menschen gegenüber, bin von der Meinung anderer ziemlich unabhängig, bin total lebenslustig, zuversichtlich, was meine Zukunft angeht, kontaktfreudig, offen für Neues, habe so wahnsinnig viele Erinnerungen wieder, habe so viel über mich und durch mich gelernt…

    Das ist jetzt zwar eine, vielleicht „aus heiterem Himmel“ persönliche Schilderung… Aber sonst müsste ich ja die Traumata beschreiben, die ich hatte, was wirklich komisch wäre (und die weiß ich oft garnicht. Irgendwann rekonstruiere ich sie mir vielleicht mal aus meinen Erinnerungen) oder erzählen, wie ich früher war, im Vergleich zu heute… Irgendwann wird ich mich für sowas nicht mehr rechtfertigen müssen oder zensieren, eigentlich geschieht es eher noch reflexiv… Na wird sich demnächst geben.

    Also ich bin so mega glücklich einfach, ich fühl mich so gut, obwohl mein Leben garnicht danach ist (und alle Leute wundern sich, weil ich eigentlich in einer "Krise" stecken sollte hihi!). Oder doch? Heute früh hatte ich mal so das Gefühl, in einer glücklichen Welt zu sein, in der auch Elemente aus meinem Leben sind, es ist kein Zurückfallen mehr, wenn ich gleich den Frühstückstisch aufräume yippiehyayäy… Oh wie schön ist Panama!

    Ich kann nur jedem Menschen empfehlen, das auszuprobieren. Es hört sich am Anfang strange an und man glaubt es vielleicht so nicht, aber es ist super!(!!!!!!!!)

    Wie emoflex geht, stell ich mir so vor: Man hat sein Trauma als einen super starken Gegner, ein riesiges Monster meinetwegen, vor sich. Man weiß, in einem direkten Kampf wäre man ihm unterlegen, hoffnungslos (weswegen man es gemeinhin meidet). Deshalb bedient man sich einer List, man zieht dem Monster ein Kostümchen, eine Art Socke über (vorher hat man Maß genommen, was ihm passen würde). Mit der kann es nichts mehr sehen und sich auch kaum noch bewegen und kann einem nichts mehr machen. Jetzt hat man leichtes Spiel und säbelt es zack zick zack in schöne dünne Scheibchen.

    (Die kann man dann auch gut in seine kopfinternen IKEA-Regale verordnen, viel besser als so ein ganzes klobiges, vielleicht auch nur halbtotes, noch ächzendes Riesenmonster).

    ((Obwohl die Materie, aus der das Monster war, sich eher, sobald es besiegt ist, selber irgendwo einordnet, es ist eher wie in dem Bild mit den vielen kleinen Fischchen, die zusammen einen furchteinflößend großen Fisch ergeben oder eben auch nicht))

    Irgendwie gäbe es dazu noch viele Bilder, aber immer nur, einzelne Punkte beschreibend, hm, schwierig das… Jedenfalls ist emoflex toll und alle Menschen sollen das ausprobieren. Also los los los, auf auf!! Der Tag hat nur 24 Stunden! ;-)

    So. Frühstückstisch ich komme! Jetzt langsam mal...
    Und danach kommt meine Klausur, deshalb kann ich nicht mitdiskutieren, aber diese Sachen standen schon eine ganze Weile irgendwie mal an, geschrieben zu werden und gerade werd ich oft dran erinnert... Innerlich...
    Geändert von schnuppe ( 7.04.2012 um 15:03 Uhr)

  4. #264
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hm. Ich sollte zur Erklärung vielleicht noch hinzufügen, dass ich mich so allgemein in meinem Leben in eine richtige Zwickmühle gebracht hatte und deshals halt so verbissen war.

    Ich sag mal so, ich hatte zwar genug zu Essen un ein Dach über dem Kopf, aber das hat auch gewackelt... Ich lebe in einem Ort, den ich hasse, wie die Pest, obwohl ich mir das Gegenteil einzureden versuche und das sehr vehement und studiere mit einem wahnsinnigen Zeit- und Stressaufwand etwas, das nicht das richtige ist für mich.
    Als ich dann vor etwa einem Jahr so langsam auf den Trichter gekommen bin, dass ich auch so Missbrauchserfahrungen in der frühen Kindheit habe und dass das echt auf jeden einzelnen Tag in meinem Leben so wahnsinns-scheiß- Auswirkungen hat, wollte ich das unbedingt weg haben, also ich wollte unbedingt die ganze Rotze vom Tisch haben, um dann in einen anderen Ort ziehen und was anderes machen zu können, das, was ich will, was ich noch herausfindn muss, was es ist, irgendwie ein normal-schönes Leben halt.
    Ich hab mich da ultra reingesteigert und hab ein dreiviertel Jahr keine Hilfe angefordert, mich mit niemandem besprochen über das, was ich da probioere, ich hab mich auch hypnotisiert und hab alles alles mögliche in meinem Hirn zu schrauben versucht.

    Eigentlich so mehr oder weniger zeitgleich damit, also schon davon bedingt wohl, als ich etwas lockerer geworden bin, hat sich dann weiter was zu tun angefangen.

    Natürlich macht mich das kein Stück "reifer" oder so, dass ich mich selbst lieben könnte, was ich vorher nicht konnte, aber ich bin einfach belastbarer oder den Aufgaben, die das Leben an mich stellt ehe gewachsen. Ich kann demnächst umziehen. Vor ein paar Monaten war ich soweit, dass ich einen Schrank umstellen konnte in meiner jetzigen Wohnung und jetzt... ich strecke meine Fühler... ^^

    Ich empfinde diesen ganzen Kram, diese Dissoziationen, als ungeheuer schmerzvoll, so Leid schaffende Strukturen halt. Da malt einer mit Kreide Felder auf den Boden (das ist mein Gehirn) und streut Sand von oben und jeder neuer Sand (das sind die Informationen, die ich mitbekomme) trifft immer in diese Felder. Und ein bestimmter Prozentsatz trifft immer in die Felder, sind bescheuerte Wörter, "Wut", oder "Scham.
    Ich hab bestimmt 20-30mal am Tag bei irgendwelchen Gedanken die verschiedenartigsten Schamgefühle, mit Sicht kippt weg, Schweißausbruch, Bewegungslosigkeit und das ist super anstrengend.
    Oder ich bin dauernd in Zuständen, in denen es keine Gleichaltrigen gibt oder in denen ich meinen Mitmenschen für jeden zweiten Satz den sie sagen an die Gurgel will, weil sie mich an, naja, die Person halt, erinnern mit dem was sie sagen. Oder ich hab so Agressionen gegen die. Ich hab mir echt früh meine ganzen Impulse abtrainiert, so zwischen 9 und 14, damit überhaupt jemand mit mir geredet hat, (so Sprachlosigkeitsdinger hatte ich auch, nur Intonation ist gegangen beim Reden) und besitze heute multifunktionsfähige, absolut wasserdichte Schemata, nach denen ich kommunizieren kann, teilweise wie so Menuette ist das.

    Soviel dazu. Ich will halt, dass diese Sachen aufhören (schon wegen meiner Gesundheit auch) und das tun sie nach und nach. Wenn ich also sage, was ich jetzt habe, dann ist das immer im Vergleich von früher zu heute und was da passiert ist, ist Wahnsinn.

    Und ich denke, dass ich mit emoflex,und ohne, dass iche ine Therapie gemacht hätte (ich war nur bei einer Beratungsstelle ein halbes Jahr lang wöchentlich, also naja, so gut wie Th. ist das ja), relativ bald so habe, dass ich halbwegs "lebensfähig" bin (gewisse andere Stützen auch nicht mehr brauche, weniger suchtanfällig bin) und dann leg ich die Hände in den Schoß (obwohl ich heute denke, dass man diese Prozesse nicht trennen sollte, halt immer nur machen was geht, bei allem im Leben) und dass es mir gut geht, gestern ging es mir so gut, wie das letzte mal Mitte 2009. Naja, fast. Ich hab so ein weinerliches Gefühl weggekriegt, das mich, auch tagtäglich grundlos in die Knie gezwungen hat.

    Morgen werd ich dem Menschen begenen müssen, der damals... und es wird gehn. Ich weiß diese ganzen Sachen mit den Settings und nur so kann ich Kopf bewahren und geh nicht innerlich an die Decke, wenn meine Fam, sich mit dem zum Brunchen trifft. Ich weiß, dass die ihre Kreisläufe haben. Klar, sauer macht es mich, aber auf eine vergleichsweise angenehm kühle Weise, schwer zu beschreiben.

    Das Wort "Krise" regt mcih nur deshalb auf, weil ich das jetzt immer wieder zu hören gekriegt habe, ich sei in einer, oder, naja, zwei mal hat gereicht. Ich hab das Gefühl, mein Leben ist eine Art Dauerkrise (wie der Kapitalismus, und es ist keine neuartige Globalisierung oder irgendwelche Banken, die Schuld sind, nur weil man mal grad in ein Dritte Welt Land katapultiert wurde) und ausgerechnet jetzt, wo ich so halb über den Berg bin, krieg ich das zu hören und vorher darf ich nie ein Problem haben. Und als ich das gehört hab, ich sei in einer Krise, hat mein Alltag aufgehlrt zu laufen weil ich mir dann innerlich gesagt hab, es KANN garnicht gehen, dass du das und das schaffst und mir angefangen habe, allgemeine Sonderrechte rauszunehmen. Ich verstehe, dass man in Krisen sein kann (und ich wollte diesen Zustand nicht gering schätzen), nur ich bin nicht der Typ dafür.

    Naja, ich finde, das passt alles super zu ADHS und Dissoziation. So kann das sein mit Dissoziationen, oder anders halt. Wie ist es denn bei euch? Ich fand anfangs, aus meinen Erfahrungen diese "Gleichsetzung" ADHSler haben auch Dissoziationen, fast bissl pietätlos. Daher find ich es gut, hier zur Debatte noch etwas aus einem spezifischen persönlichen Blick- und Erfahrenswinkel beizutragen, was jetzt auch in die Meso- und Mikroebene geht (schöne Wörter, wa?).
    Außerdem hab ich super das Bedürfnis, das zu erzählen.




    Ein anderes gutes Beispiel für Dissozationen in meinem Alltag ist, was gestern passiert ist: Ich hab nachgedacht über Ostern und dass da irgendwas mit Vergebung war. Ich hatte im Kopf, dass an Ostern jesus gestorben und dann auferstanden war, weil ich hier, in meinem neuen Wohnort im Fernsehn mal in so eine Sendung gezappt habe, in der es darum ging, er sei garnicht tot gewesen. Ich hab über das Thema dann noch eine Weile nachgedacht, tot und dann auferstanden, über diese Metapher, aber irgendwie war da noch was. Gestern Nacht ist es mir dann eingefallen, klar, Vergebung der Sünden, am Kreuz gestorben WEGEN der Sünden (ich hoffe, hier fehlt kein Detaill), damit sie vergeben werden!!!
    Der Witz ist, dass ich in meinem früheren Wohnort jahrelang Messdienerin war und das mit Inbrunst, und ich hab die Osternachtsmessen und die Stimmung da geliebt wie nur sonstwas und generell war ich jede Woche ind er Kirche. Und dieses Thema ist ja sehr zentral im Gottesdienst (irgendwas grrrrrt da in mir, dass diese Anmerkung fast sarkastisch ist, aber ich bin ehrlich verwundert, es IST doch zentral, oder nicht????).
    Oh Gott! Ich war mit dem ADHS und den Dissos immer eine wahnsinnig verpeilte Messdienerin, das weiß ich noch, ich hab nix mitgekriegt, bin immer zur falschen Zeit zu den falschen Orten gegangen und dort dann wieder weggegangen und hab das irgendwie mit was Sakralem zu tarnen versucht (erinner mich noch, wie mich eine Freundin von damals angrinst und sagt, joah, mitten in der Messe zum Hochaltar gehn, sich verneigen udn wieder zurückgehn, das kann man schonmal machen, wau´rum auch nicht?... Und ich muss gekichert haben, weiß ich aber nicht mehr), aber das weiß ich noch...
    Das ist Dissoziation und ADHS. Bei mir. Ich erinner mich auch nicht mehr, was ich mit meinen Freunden in meinem alten Wohnort gemacht hab, ich hab sie furchtbar lieb und vermisse sie, aber sobald der Gedanke kommt, am Telefon oder per Mail mit ihnen +ber irgendwas reden zu müssen, was damals war.... Never... Hab mich bei vielen, obwohl ich mehrmals die Woche an sie denke, seit ein bis zwei Jahren nciht gemeldet. Aber vorgestern hatte ich auch schon mehr Bedürfnis oder geringere Schwierigkeit bei dem Gedanken, es doch zu tun. :-)

    Also. Das war das Wort zum Sonntag von mir. Einen schönen Tag noch!!!

    Ihr könnt ja auch mal euer Erleben schildern. Ich hoffe, ich hab hier nicht die Diskussion gesprengt... Naja gut.


    schnuppe
    Geändert von schnuppe ( 8.04.2012 um 14:11 Uhr)

  5. #265
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    DISSOZIATION - URSZENE, DANN HYPERBELARTIGER VERLAUF (?)

    Ich denke, jeder "Dissoziierer" hat so etwas wie seine persönliche Urszene der Dissoziation vor sich stehen. So unter dem Motto: Der Tag, an dem alles anfing. Das gibt es bei mir auch. Um darauf zu kommen, muss ich gar nicht lange nachdenken.

    Als Kind hatte ich neben der ADS-Problematik vor allem Probleme mit beginnenden soziophoben Tendenzen, d.h. der Schwierigkeit, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen und diese Kontakte dann auch zu halten, was fast noch schwieriger war. Ich hatte also während der Schulzeit kaum Freundschaften, eigentlich nur eine, die für mich wesentlich war. Darüber hinaus sah es mit sozialen Kontakten sehr dürftig aus.

    Durch mein Einzelkinddasein war ich an die Einsamkeit gewissermaßen gewöhnt. Heute sage ich mir, dass ich wohl sehr an meiner Kontaktarmut gelitten haben muss. Aber um gleich auf den Kern unseres Themas zu kommen – Dissoziation – ich kann heute sicher sagen, dass mir der Zustand meines Leidens als Kind nicht bewusst gewesen ist.

    Hätte mich damals jemand gefragt, ob mir etwas fehle, hätte ich das verneint. In hundert Jahren wäre ich jedenfalls nicht auf die Idee gekommen, etwa zu sagen, dass es Freunde sind, die mir fehlten. War ich damals schon, als Grundschüler im Kreislauf der Dissoziation gefangen? Es wird wohl so gewesen sein. Jedenfalls begonnen hat es in jenen frühen Jahren, vielleicht sogar schon etwas früher in Richtung Kindergartenzeit gedacht.

    Aber die Dissoziation funktioniert nicht nur in der Betrachtungsweise zu einem damaligen Zeitpunkt, sondern auch rückwärts aus heutiger Sicht. Denn intellektuell bin ich der festen Überzeugung, eine positive Kindheit gehabt zu haben, in der es mir nicht nur an nichts mangelte, sondern in der ich behütet, geliebt und gut versorgt gewesen bin.

    Wenn ich jetzt einmal versuche, meine Dissoziation auszutricksen und irgendeine Empfindung, und sei es auch nur eine Annäherung an ein Gefühl herzustellen, so fühle ich durchaus heute, dass mir damals sehr wohl etwas gefehlt hat, dass ich also als Kind durchaus gelitten habe. Bewusst ist mir das aber nicht.

    Was mir als Kind aber eigentlich zu schaffen machte, war meine Affektlabilität, vereinfacht könnte man auch sagen meine Hypersensibilität. Diese bewirkte damals, dass ich ziemlich nah am Wasser gebaut war. Also oft in Tränen ausbrach. Später, in der Pubertät beispielsweise, schon als erfahrener Dissoziierer, hatte ich es bereits so weit gebracht, dass ich überhaupt nicht mehr weinte oder weinen konnte.

    Als Kind war ich noch so hypersensibel, dass ich auf die leisesten Kränkungen, Zurücksetzungen oder Zurechtweisungen mit Weinen reagierte. Der Lehrer brauchte also beispielsweise bloß zu sagen: „Hör auf mit deinem Nachbar zu reden und konzentriere dich auf deine Arbeit!“ das genügte bereits, um bei mir einen Heulanfall zu bewirken. Damit bot ich natürlich allen eine offene Flanke dar, in die sie nun umso leichter stoßen konnten. So hat mich das „Hör auf zu heulen!“ des Lehrers erst recht gekränkt, weil er mich damit noch einmal extra an meine Hilflosigkeit erinnerte. Die Reaktion der Klassenkameraden war jeweils auch einmütig, sie fingen an zu lachen. Und natürlich spotteten sie über die „Heulsuse“, den „Waschlappen“ oder das „Mamakind“. Diese Reaktion der johlenden Masse verstörte mich naturgemäß noch mehr. Ich war schon verletzt, stellte meine Verletzung darüber hinaus auch noch zur Schau, was die anderen belustigte und sie dazu aufforderte nun erst recht in diese Kerbe zu hauen. Zur eigentlichen Verletzung kam jetzt noch die Scham, zur Schande der Spott.

    Irgendwann war es wieder einmal so weit – es muss irgendwann in der ersten Klasse gewesen sein - wo ich vielleicht wieder mit irgendetwas aufgefallen bin, sagen wir mal der Lehrer hat mich mit der vorwurfsvollen Aussage konfrontiert: „Warum hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht?“ Ein solcher Satz reichte ja, wie ich beschrieben habe, bei mir bereits aus, dass ich begann zu schluchzen, um alsbald in Tränen auszubrechen.

    Es war also bei mir wieder einmal so weit. Aber an diesem Tag nahm der Fortgang der Dinge – deshalb sprach ich oben von einer URSZENE DER DISSOZIATION - plötzlich einen anderen Verlauf. Ich fing also gerade an, mit meinen Tränen zu kämpfen, als unvermittelt vor meinem geistigen Auge das Bild der aus Schadenfreude höhnisch spottenden Mitschüler auftauchte. Ich sah bildhaft und in aller Deutlichkeit ein Erlebnis vor mir liegend, dass ich mir ersparen wollte. Ich schluckte also die Tränen herunter, rieb mir die Augen, zog den laufenden Rotz nach oben. Und tat so, als wäre überhaupt nichts geschehen, als ginge mich die Situation überhaupt nichts an, jedenfalls als ginge mir die Situation überhaupt nicht nahe. Und ich käme ausgesprochen gut mit ihr zurecht.

    Ich glaube, das ist so eine Urszene der Dissoziation, wie sie so ähnlich jedem einmal vor dem geistigen Auge steht, der sich mit dem Thema zu beschäftigen beginnt. Es gibt diese Urszene der Dissoziation, die sich nicht unbedingt an ein traumatisches Erleben knüpfen muss, aber mit der es begann, eine mit einem bestimmten Erleben verknüpfte Emotion wegzudrücken und sozusagen unausgelebt und mit dem Versuch, sie schnellstmöglich zu vergessen, unschädlich zu machen, irgendwo abzulegen, wo man sie möglichst nicht mehr findet. Und am Anfang, sozusagen zu Beginn der Dissoziationskarriere ist dieser Ablagespeicher ja noch reichlich vorhanden. Man muss sich noch nicht die Sorge machen, dass alle weggedrückten Emotionen des Nachts plötzlich als Gespenster ihre Runden im Bewusstsein drehen.

    Was mir noch wichtig scheint zu betonen, ist, dass die Dissoziation anscheinend zu Beginn eines bewussten Aktes bedarf, d.h. eines Willens, sich einer bestimmte Emotion nicht in ihrer vollen Stärke aussetzen zu WOLLEN. Und dass interessanterweise späterhin dieser Vorgang, eingeübt über die Jahre, scheinbar völlig automatisiert und selbstverständlich abläuft, also nicht mehr bewusst vollzogen werden muss.

    Sodass ein paar Jahre später etwa der 10-jährige auf dem Gymnasium auf den Vorwurf des Lehrers: „Warum hast du deine Hausaufgaben vergessen?“ allenfalls mit dem bloßen, unausgesprochenen Gedanken „Leck mich doch am Arsch“ reagiert. ABER ohne, dass an diesem Vorgang irgendeine Form von Emotion beteiligt wäre. Anders ausgedrückt wird die Dissoziation in diesem Augenblick zu einer erfolgreichen Dissoziation, weil sie ihre Funktion nunmehr vollständig erfüllt, den Betroffenen vor einer als negativ bewerteten Emotion tatsächlich zu schützen, ihn tatsächlich davor zu bewahren. Die Frage mag nur sein, ob das wirklich gelingt und nicht noch jedenfalls doch noch etwas hängen bleibt, das zwar in seiner psychischen Gewalt nicht so groß sein mag, wie die Emotion in ihrem ursprünglich befürchteten Ausmaß, das aber mit der Zeit eben doch Spuren hinterlässt.

    Ich würde damit sagen wollen, dass man sich solchermaßen auf eine Spur (der Dissoziation) gesetzt, nicht ewig vor emotionalem Schaden bewahren kann. Am Ende sowieso nicht, wenn das ganze wie eine Welle über einem zusammenschlägt und in Burn-Out, Depression und Angststörung mündet. Aber auch unterwegs auf dieser Strasse der Dissoziation nimmt der Betroffene ja schon schweren Schaden an seiner Fähigkeit zu offenem emotionalen Erleben. Da werden ja teilweise – mit zunehmendem „Spezialistentum“ in der Dissoziation – Gefühle bereits zensuriert, die sich noch gar nicht entwickelt, die sich mithin also noch gar nicht tatsächlich als Bedrohung herausgestellt haben, weil sie aufgrund bekannter Emotionen, mit denen sie assoziiert werden, in ihrer drohenden Heftigkeit erkannt, und sozusagen mit dem Label „möglicherweise unerwünscht“ gleich im Keime erstickt werden.

    Sodass wir davon ausgehen müssen, dass eine Dissoziation eine gewisse Historie hat, eine Verlaufsform. Und das sie nicht linear verläuft, sondern eher in der Gestalt einer Hyperbel. Sich also aufgrund ihrer zunehmenden Verselbstständigung und Automatisierung in ihrer Intensität, aber auch ihrem Umfang nach im Laufe der Jahre steigert. Und sich jedenfalls zu einem Problem auswächst, das nicht mehr ignoriert werden könnte, wäre es dem Betroffenen bewusst, was sich dort an ihm und mit ihm vollzieht. Gerade das ist ja aber in den allermeisten Fällen zunächst gar nicht zutreffend. Das ist ja sozusagen der Witz der Dissoziation, ihr zunächst unbewusst bleibender Verlauf.

    Die Folgen davon allerdings sind eigentlich unübersehbar, wenn man nur ein Gespür dafür hätte. Aber Dissoziierenden fehlt ja zunächst die Metaebene des Bewusstseins, von wo aus sie über ihr Bewusstsein nachdenken könnten. Der Clou der Dissoziation ist ja gerade der, dass der Betroffene dasjenige, was von seiner Person nach diesen andauernden, sich verselbständigt habenden und nunmehr automatisch ablaufenden Prozessen der Abspaltung übrig bleibt, eben für die eigene, ganze Person hält. Und die ist zunächst einmal in der eigenen Deutung immer positiv. Auch wenn eine Dissoziation eigentlich nicht ablaufen kann, ohne das Selbstwertgefühl massiv zu schädigen. Aber ein Mensch, insbesondere ein Dissoziierter schafft es ja problemlos trotz geringen Selbstwertgefühls, seine eigene Person für durchaus in Ordnung zu halten. So lange sie funktioniert, möchte man noch dazusagen. So lange die Dissoziation noch abläuft wie eine aufgezogene Spieluhr und die Persönlichkeit also noch nicht vor die Wand gefahren oder völlig aus der Bahn geworfen hat. Dem Dissoziierten fehlt sozusagen die zweite, „gesunde“ Festplatte, mit der er die von Viren befallene erste scannen und von diesen Viren anschließend befreien könnte. Er bleibt Gefangener einer unkompletten Persönlichkeit, die allerdings bis zu ihrer totalen Dysfunktionalität mitunter eine lange Zeit durchhalten kann.

    Wenn wir jetzt noch einmal zu meinem Beispiel zurückkommen. Und ich also jetzt nochmal 4 Jahre Entwicklung drauflege, vom 10-jährigen zum beginnend Pubertierenden, so könnte ich heute sagen, dass ich es in der Pubertät mit der Dissoziation bereits soweit gebracht hatte, dass ich Emotionen, die in mir wogten, schon gar nicht mehr konkret benennen konnte. D.h. ich hatte eine heftige Emotion, konnte zu diesem Zeitpunkt im Grunde aber schon nicht mehr aussagen, handelt es sich dabei nun um Wut, Zorn, Hass, Begierde oder Angst usw. Ich wusste nur, dass eine heftige Emotion da ist, die ich, um reibungslos weiterfunktionieren zu können, mit meiner bewährten Strategie irgendwie loszuwerden versuchen musste.

    Es erscheint solchermaßen völlig logisch, dass man, die Dissoziation zu Ende gedacht, irgendwann an einen Punkt kommen muss, an dem man „gefühlstechnisch“ (um diesen wunderbaren dissoziativen Begriff zu verwenden) überhaupt nicht mehr weiß, wo vorne und hinten, rechts und links, oben und unten ist. Dann ist der Punkt erreicht, in dem man in das ENDSTADIUM DER DISSOZIATION eintritt, das i. d. R. bereits von Depression, Angst oder heftigen körperlichen Reaktionen begleitet sein dürfte. Und das dadurch gekennzeichnet ist, dass in diesem Endstadium der Dissoziation dann unterschiedslos JEDES Gefühl alarmierend ist und für eine Bedrohung gehalten wird.

  6. #266
    ADLer

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.384

    AW: ADHS und Dissoziation

    .durch jeden dieser Beiträge lern ich mich ein wenig besser verstehn :o)

    erstaunlich, was sich schon allein davdurch verändert.

    DANKE


    Angela

  7. #267
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 1.096

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo Eiselein,

    was ist denn aber die Alternative der Verarbeitungsmöglichkeit?

    Also ich meine, meine Überempfindlichkeit kann ich per se erstmal nicht ändern. Wenn dann so ein Fall kommt, wo man durch eine (eigentlich) harmlose Bemerkung an den Rand der Tränen gebracht wird, wie kann man denn reagieren, wenn nicht entweder mit diesen oder halt eben dissoziativ?
    Selbst jetzt als Erwachsene kämpfe ich tagtäglich mit diesem Problem...mit dem Unterschied zu früher, dass ich heute weiß, dass das Problem nicht in der Bemerkung des Anderen liegt, und nicht jeder der eine "unnette" Bemerkung macht, mir auch was "Böses möchte". Und trotzdem ist diese Überempfindlickeit da.

    Wie wäre jetzt also der "richtige" Umgang mit dieser?

    LG Amn

  8. #268
    Ida


    ♥ ♥ ♥

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 401

    AW: ADHS und Dissoziation

    Was macht man, wenn man herausgefunden hat, warum man dissoziiert? Was macht man mit diesen ganzen Gefühlen, die dann hochkommen? Mit der Wut und der Trauer und dem "Nichtwissen" wie man das jetzt ändert?

    Ja, ich habe eine sch... Wut. Und eine tiefe Trauer, dass ich mit meinen 41 Jahren da bin wo ich jetzt bin. Und ein ganz arg hilfloses Gefühl.


    Ich habe das Bedürfnis da raus zu kommen. Endlich meine Kraft da einzusetzen wo ich sie effektiver nutzen kann. Aber wie und wo?

  9. #269
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.600

    AW: ADHS und Dissoziation

    Nun melde ich mich auch mal zu Wort

    Unterstreicht es nicht die gängige Meinung, wenn für Dissoziationen psychische Verletzungen, in Folge Traumatisierung zugrunde gelegt wird?

    Müssen es unbedingt Gefühle sein oder könnte auch etwas anderes die Tendenz für das Abspalten bzw. Verschieben begünstigen?

    Wie sieht es denn aus mit der viel unauffälliger daherkommenden Reizfilterschwäche… Jedes Geräusch, jede Bewegung, die diese Sinnesorgane aufnehmen und die sofortige Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dazu noch, dass die Informationsverarbeitung einfach anders funktioniert und deshalb das Material auch nicht zeitnah ausgewertet werden kann.

    Die erste Erinnerung dazu liegt noch vor dem Kindergartenalter an dem die Geräuschempfindlichkeit schon vorhanden war. Da hatte man noch gar keine Möglichkeit das zu interpretieren, dem Ausdruck zu verleihen. Doch die Narrenfreiheit unvermittelten Reaktion darauf hatte man noch. Auch wenn einem schon dämmerte, dass andere Menschen, denen man begegnete irgendwie anders sind.

    Im Kindergarten geht dann die Irritation los, weil noch viel mehr Reize. Ein wenig Bewegungsfreiheit war da noch gegeben und man zog sich zurück, wenn es zuviel wurde.

    Wo der Geräuschpegel insgesamt im Kindergarten noch einigermaßen gleichmäßig war, sitzt man dann in der Schule. Ruhe ist gefordert… Ruhe die jedes einzelne Geräusch um so deutlicher hervorhebt. Sei es der Bleistift des Mitschülers, der über ein Blatt Papier kratzt oder das rascheln der Kleidung, wenn sich ein anderer zu seinem Tornister bückt.

    Mittlerweile ist deutlich, dass irgendwas irgendwie anders ist. Nur was ist nicht klar. Aber erträglich ist es nicht. Und Forderungen werden auch noch an einen gestellt. Die Aufmerksamkeit zu lenken und sich entsprechend zu verhalten. Alle machen das.

    Welche Chance besteht denn, als völlig einzufrieren (und das meine ich nicht mal emotional) um wenigstens den 1000 anderen nachzueifern. Das wurde nicht mal explizit ausgesprochen. So war einfach die Umgebung, in der man lebte.

    Einfrieren, so weit, dass einem Jahre im Gedächtnis fehlen…

    Eher ein schleichender Prozess, der schon in einem Höhepunkt zur vollen Entfaltung kam. Aber im Ursprung erst mal nicht emotional besetzt.

    Ich bin bei dem, was Dissoziationen auslöst. Nicht bei dem was noch draufkommen kann durch direkte oder subtile Verletzungen.

    Sind das völlig abwegige Gedanken, dass auch sowas in eine Dissoziationskarriere führen kann?

  10. #270
    Ida


    ♥ ♥ ♥

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    Forum-Beiträge: 401

    AW: ADHS und Dissoziation

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