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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1161
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Chaostanja schreibt:
    Also wäre dann bei einer AD(H)S (nach dem, was im Artikel steht) die Kommunikation zum Großhirn gestört? Irgendwie frage ich mich gerade, wie das Ganze zusammenpasst...
    Sehr gut sogar, denn es ist ja schon durchaus in Scans nachgewiesen worden, dass die Kommunikation im Gehirn gestört ist.
    Das fängt an auf der ebene der Synpasen und geht weiter bis hin zur fehlenden oder insuffizienten Kommunikation zwischen Gehirnarealen.
    Um auch hier mal als Beispiel Barkley zu zitieren ( der hier über eine Studie erzählt, die anderweitig gemacht wurde, also nicht von ihm, sondern von einem Spezialisten für neurologische Bildgebung):
    Sinngemäß zitiert:
    Der vordere Teil des Gehirns ist für das Ausführen zuständig, der hintere Teil des Gehirns beinhaltet das Wissen.
    ADHS hat nun, wie ein Fleischmesser, diese beiden Areale voneiander getrennt.

    Desweiteren konnten in Scans schon nachgewiesen werden, dass einige Bereiche des Gehirnes im Gegensatz zu Nichtbetroffenen gar nicht angesprochen wurden, andere dagegen mehr als bei den Nicht-ADS'lern.
    Letzteres trifft zu.B. auf die Amygdala zu, welche u.a. das Angstzentrum beherbergt.
    Wenn Menschen mit ADHS z.B. mit Situationen konfrontiert werden, in denen es um Belohnungsaufschub geht, dann wird die Amygdala aktiviert, was bedeutet, dass es dem ADS'ler Angst bereitet.

    Von der Seite der fehlerhaften Kommunikation aus betrachtet, würde ich sagen, passt das sehr gut zusammen.
    Gerade den Umstand, dass bei uns vieles über die Amygdala läuft, würde ich persönlich für eine prima Voraussetzung zu einer erhöhten Neigung zu Dissoziationen halten.

    Das ist wohlgemerkt lediglich meine Meinung, dass dem tatsächlich so ist, ... dazu wüsste ich keine Studie etc. zu benennen.
    Hätte man da mehr daten drüber, dann würde es sicherlich auch nicht diese Diskussion in Fachkreisen bzgl Dissos und Verdrängung geben.
    Aber es erscheint mir zumindest vollkommen schlüssig.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  2. #1162
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: ADHS und Dissoziation

    @Fliegerlein:
    Die folgende Darstellung versucht die weitaus komplizierteren und detaillierteren Erkenntnisse der Hirn- und Trauma-Forschung für die Allgemeinheit zugänglich zu machen und ist deshalb etwas schematisch und stark vereinfacht. Die folgenden Gehirnteile sind für das Verständnis der Trauma-Vorgänge relevant:

    1. Das Stammhirn (Thalamus) ist eine Art "Schaltzentrale", ähnlich einer Telefon-Vermittlungsstelle. Es stellt Verbindungen zwischen den ankommenden Sinnesreizen (vom Rückenmark, Sehnerv, Hörnerv, usw.) und den anderen Gehirnteilen her.
    2. Die Amygdala dient als eine Art "Vorfilter" für Sinneseindrücke, das "unwichtige" Sinneseindrücke von wichtigen (ggf. überlebenswichtigen) unterscheidet und ihnen eine Bedeutung zuordnet. Hier entstehen die grundlegenden Gefühle von Angst und Wut.
    3. Der Hippokampus erzeugt eine räumliche Karte der Umgebung (Orientierung), speichert einfache Erinnerungen, und kategorisiert die Erfahrungen ähnlich einer Skizze.
    4. Die impliziten Gedächtnisse sitzen in den evolutionsgeschichtlich älteren Teilen des Gehirns (unser "Dinosaurier-Gehirn"). Sie speichern die vor-interpretierten Sinneseindrücke aus der Amygdala und kategorisierte Erfahrungen aus dem Hippokampus weitgehend uninterpretiert. Für jeden Sinn gibt es mehrere voneinander getrennte unabhängige implizite Gedächtnisse: so gibt es beispielsweise eins für Töne und Geräusche, eins für Gerüche, für Farben und Formen, und so weiter. Die Inhalte der impliziten Gedächtnisse sind nicht zeitlich sortiert, sondern kategorischer Art wie z.B. "Heisse Herdplatte = Verbrennungsgefahr" oder "Torte = Nahrungsmittel = Speicheldrüsen aktivieren" oder "lautes Explosionsgeräusch = Lebensgefahr = sofort in Deckung werfen ohne lange nachzudenken". Es ist wichtig zu wissen, dass diese nicht-zeitliche Interpretation auf relativ niedriger Ebene stattfindet (wie bei Tieren) und einen "automatischen" Charakter hat, und dass es unabhängig vom expliziten Gedächtnis und oftmals auch unbewusst abläuft!
    5. Das Großhirn (auch Neokortex genannt) ist beim Menschen prozentual sehr viel größer als bei fast allen anderen Tieren; es ist entwicklungsgeschichtlich das Jüngste und Sitz des normalen Alltags-Bewusstseins und Alltags-Gedächtnisses. Man nennt dieses Gedächtnis auch das explizite Gedächtnis oder narratives Gedächtnis, weil es längere Szenen und Geschichten speichern und wiedergeben kann. Es ist in der Lage, längere Ketten bzw zeitliche Folgen von Ereignissen oder Sinneseindrücken zu bewerten, zu interpretieren, und ihnen einen Sinn zu geben. Das Großhirn arbeitet wesentlich langsamer als alle anderen Gehirnteile, dafür kann es aber auch wesentlich mehr (was nicht zuletzt auch den Unterschied zwischen niederen Tieren und Primaten / Mensch ausmacht).
    Demnach läuft fast alles erstmal durch die Amygdala, oder?

    Speziell das hatte ich bei meinen letzten Überlegungen im Hinterkopf und bringe das alles gerade nicht so richtig zusammen (Bin heute aber auch oft abgelenkt, weil meine Tochter mit 39 Grad Fieber zu Hause geblieben ist...)

    Ich boin gespannt, wie Du das einordnest, Fliegerlein,

    Viele liebe Grüße
    Tanja

  3. #1163
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    um nochmal kurz auf die Frage zurückzukommen, ob Dissoziationen immer traumabedingt sind:

    Ich denke nicht, dass dem so ist, eben wegen der fehlerhaften Speichervorgänge, die bei uns vorkommen.

    Es bedarf keines schwerwiegenden Ereignisses, um uns aus dem Konzept zu bringen, da reicht der Vogel, der an uns vorbeischwirrt oder sonst eine Ablenkung, während ein eigentlich wichtigerer Task weiter läuft.
    Das Gehirn bekommt alles und nichts mit, kann nicht sortieren, nicht filtern, also wird wie wild weggepackt und wer mal auf seinen ADS-typischen Schreibtisch schaut, der weiß wie sowas enden kann .
    Wir sind von Reizen überladen und das Gehirn, welches normalerweise per Autopilot seine Filter setzt und zwischen wichtig und nicht wichtig unterscheidet, gerät bei uns aus dem Tritt und schon wird ein bunter Mix aus allem, was uns umgibt abgespeichert, alles mögliche und nichts davon richtig.
    Das Endergebnis ist das gleiche, wir sind zu dem Zeitpunkt weder im Hier und jetzt, noch können wir das Gespeicherte irgendwie vernünftig abrufen.

    Wenn man diesen Vorgang allerdings als "Minitrauma" betrachtet ... ja dann wäre es schon so, dass eine Disso immer auch traumabedingt ist.

    Voll spannend oder?

    - - - Aktualisiert - - -

    Chaostanja schreibt:
    Demnach läuft fast alles erstmal durch die Amygdala, oder?
    Da sind wir fast wieder bei dem Fatalistischen ...
    (Mein Thera versucht schon seit langem, mir dieses "Schwarzweiß-Denken, also dieses sehr fatalistische Denken, das einem ADS'ler syndromtypisch zu eigen ist, etwas "abzugewöhnen", daher versuche ich auch, deutlich bewusst darauf zu achten).

    Zumindest scheint vieles darüber zu laufen.
    In meinen Augen ist das auch eine gute Erklärung dafür, dass Angsterkrankungen als Komorbidität sehr hoch im Kurs stehen.
    Auch Angst kann ein Antrieb, eine Motivation sein, aber wenn es zu viel wird, ist's eben auch wieder nicht gut.

    Von mir weiß ich, dass ich ein solcher Kandidat bin.

    Wenn das belohnungssystem nicht als Motivationshilfe hergenommen werden kann, dann sucht das Gehirn sich Alternativen.
    Angst ist eine solche.
    Auch bei Nicht-ADS'lern ist Angst oftmals ein Motivator, aber nicht nur, bzw. nicht in dem Ausmaß, wie bei uns und sie haben demgegenüber auch noch das Belohnungssystem, welches ausgleichend wirkt.
    Uns fehlt das.

    Chaostanja schreibt:
    Speziell das hatte ich bei meinen letzten Überlegungen im Hinterkopf und bringe das alles gerade nicht so richtig zusammen (Bin heute aber auch oft abgelenkt, weil meine Tochter mit 39 Grad Fieber zu Hause geblieben ist...)

    Ich boin gespannt, wie Du das einordnest, Fliegerlein,
    Du meinst die Ablenkung wg. Deiner Tochter?
    Gute Frage.
    Sehr gute sogar.
    Ich denke schon, dass da auch Angst im Spiel ist, Angst und Sorge um einen Dir sehr wichtigen Menschen, da sind die Gedanken wohl bei jedem, auch bei nicht-AdS'lern oftmals nicht da, wo sie vielleicht sein sollten, sondern bei diesem Menschen.
    Interessant wäre vielleicht, wie "vernünftig" die Angst ist und wie man damit umgehen kann.
    Ist es eine "gesunde Angst und Sorge" oder gerät man schon in Panik, so dass man an nichts anderes mehr denken kann?

    Dann stellt sich da natürlich die Frage, ob das dann dissoziativ ist oder eben einfach auch ein Mechanismus der Angst.
    Da sieht man, wie extrem komplex so etwas ist.

    Ich denke, in Deiner Situation wäre jeder abgelenkt.
    Dissoziativ wäre es vielleicht, wenn Du morgen nichts oder kaum mehr etwas davon wüsstest.

    Ich weiß, dass ich sowas mal hatte, als meine Frau eine Operation hatte.
    Mir wurde von der Stationsschwester erzählt, dass ich dort angerufen hätte und wohl auch mehr als nur in Sorge, eben panisch war und dabei auch wohl nicht unbedingt die nettesten Sachen gesagt haben soll.
    Was das war, hat sie mir nicht erzählt.
    Ich kann mich bis heute nicht daran erinnern, nicht einmal dort angerufen zu haben.
    Das dürfte wohl mit Sicherheit unter Dissoziation fallen, ich habe Null, aber auch gar keine Erinnerung daran.
    An nichts davon.

    Wenn Du morgen noch weißt, was Du so alles gemacht hast, aber eben auch sagst, "Mann, ich hab gestern echt nichts auf die Reihe bekommen" ... dann würde ich das als normale und menschliche Ablenkung betrachten, weil man eben in Sorge um sein Kind ist und das ist mehr als natürlich.

  4. #1164
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegerlein schreibt:
    Es bedarf keines schwerwiegenden Ereignisses, um uns aus dem Konzept zu bringen, da reicht der Vogel, der an uns vorbeischwirrt oder sonst eine Ablenkung, während ein eigentlich wichtigerer Task weiter läuft.
    Das Gehirn bekommt alles und nichts mit, kann nicht sortieren, nicht filtern, also wird wie wild weggepackt und wer mal auf seinen ADS-typischen Schreibtisch schaut, der weiß wie sowas enden kann .
    Wir sind von Reizen überladen und das Gehirn, welches normalerweise per Autopilot seine Filter setzt und zwischen wichtig und nicht wichtig unterscheidet, gerät bei uns aus dem Tritt und schon wird ein bunter Mix aus allem, was uns umgibt abgespeichert, alles mögliche und nichts davon richtig.
    Das Endergebnis ist das gleiche, wir sind zu dem Zeitpunkt weder im Hier und jetzt, noch können wir das Gespeicherte irgendwie vernünftig abrufen.

    Wenn man diesen Vorgang allerdings als "Minitrauma" betrachtet ... ja dann wäre es schon so, dass eine Disso immer auch traumabedingt ist.

    Voll spannend oder?
    Auf jeden Fall spannend, aber sagt Dissoziation nur aus, dass Dinge nicht gespeichert werden? Oder dass gewisse Dinge aus Selbstschutzgründen nicht gespeichert werden? Verstehst Du was ich meine? Es ist doch ein Unterschied, ob Dinge im Chaos untergehen, oder ob sie gezielt (neurologisch gesteuert) geblockt werden...

    - - - Aktualisiert - - -




    Wenn das belohnungssystem nicht als Motivationshilfe hergenommen werden kann, dann sucht das Gehirn sich Alternativen.
    Angst ist eine solche.
    Auch bei Nicht-ADS'lern ist Angst oftmals ein Motivator, aber nicht nur, bzw. nicht in dem Ausmaß, wie bei uns und sie haben demgegenüber auch noch das Belohnungssystem, welches ausgleichend wirkt.
    Uns fehlt das.
    Meine Erziehung ist wohl größtenteils über die Amygdala gelaufen, Angst vor Strafe...


    Du meinst die Ablenkung wg. Deiner Tochter?
    Gute Frage.
    Sehr gute sogar.
    Ich denke schon, dass da auch Angst im Spiel ist, Angst und Sorge um einen Dir sehr wichtigen Menschen, da sind die Gedanken wohl bei jedem, auch bei nicht-AdS'lern oftmals nicht da, wo sie vielleicht sein sollten, sondern bei diesem Menschen.
    Interessant wäre vielleicht, wie "vernünftig" die Angst ist und wie man damit umgehen kann.
    Ist es eine "gesunde Angst und Sorge" oder gerät man schon in Panik, so dass man an nichts anderes mehr denken kann?

    Dann stellt sich da natürlich die Frage, ob das dann dissoziativ ist oder eben einfach auch ein Mechanismus der Angst.
    Da sieht man, wie extrem komplex so etwas ist.

    Ich denke, in Deiner Situation wäre jeder abgelenkt.
    Dissoziativ wäre es vielleicht, wenn Du morgen nichts oder kaum mehr etwas davon wüsstest.
    Fliegerlein Du bist süß , bei 38 Grad Fieber mache ich mir jetzt nicht so großartige Sorgen um sie, das ist irgendein Fiebriger Infekt und 38 ist ja auch nicht so wirklich hoch, aber sie ist auch eine ADHS'lerin und fragt mich ständig was, erzählt plötzlich irgendwas, etc... da kommen meine Gedanken bei einem so komplexen Thema schon ziemlich durcheinander..


    Wenn Du morgen noch weißt, was Du so alles gemacht hast, aber eben auch sagst, "Mann, ich hab gestern echt nichts auf die Reihe bekommen" ... dann würde ich das als normale und menschliche Ablenkung betrachten, weil man eben in Sorge um sein Kind ist und das ist mehr als natürlich.
    Das ist wohl eher die "normale Ablenkung" durch ständiges "aus-dem-Thema-reissen"...

    LG Tanja

  5. #1165
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Chaostanja schreibt:
    Auf jeden Fall spannend, aber sagt Dissoziation nur aus, dass Dinge nicht gespeichert werden? Oder dass gewisse Dinge aus Selbstschutzgründen nicht gespeichert werden? Verstehst Du was ich meine? Es ist doch ein Unterschied, ob Dinge im Chaos untergehen, oder ob sie gezielt (neurologisch gesteuert) geblockt werden...
    Gute Frage (mal wieder )
    ich bin mir nicht sicher.
    Einerseits zählt das Ergebnis, nämlich das etwas nicht korrekt abgespeichert wurde und damit für Lücken und Probleme sorgt.
    Andererseits stellt sich natürlich schon die Frage danach, ob es da in der Ursache Unterschiede gibt, allein schon um Möglichkeiten zu finden, künftige Situationen zu entschärfen und Dissos zu vermeiden.

    Das ist so wie mit dem Nagel im Reifen, ...:
    Der Verhaltenstherapeut würde sagen:
    "Nimm den Nagel raus, flick den Reifen, dann kannste auch weiterfahren.
    Wie der Nagel da reingekommen ist, ist doch völlig wurscht, Hauptsache er wird erkannt, rausgeholt und der Reifen wird repariert."

    Das stimmt auch.
    Aber es macht auch Sinn, wenn immer und immer wieder ein Nagel im Reifen steckt, zurückzublicken und sich anzuschauen, wie denn die Nägel immer wieder da reinkommen konnte ... dann könnte es sein, dass man zu der Erkenntnis gelangt, dass die morgentliche Abkürzung über die Baustelle auf dem Weg zur Arbeit, vielleicht doch nicht so die schlaue Idee ist und man besser einen anderen Weg nimmt, auch wenn der länger ist .

    Offengestanden weiß ich nicht, ob es da eine genauere Definition gibt, die auf diesen Punkt der Unterscheidung überhaupt oder genauer eingeht.


    Meine Erziehung ist wohl größtenteils über die Amygdala gelaufen, Angst vor Strafe...
    Willkommen im Club, meine auch.
    Und ich würde vermuten, bei sehr sehr vielen ADS'lern ebenfalls.
    Zumindest bei jenen, die am Ende mit einer Diagnose und in der Krankheit landen.

    Da zeigt sich wunderschön dieser Mechanismus, der dazu führt, dass am Ende Probleme auftreten:
    Belohnungssystem funktioniert nicht, keine Reaktion des ADS'lers, also wird elternseitig, logischerweise, auf Bestrafung umgestellt.
    Ein ohnehin angeknackstes Angstzentrum wird jetzt noch mehr in Gang gesetzt und ein "unterwentwickeltes" oder "unterfunktionales" Belohnungssystem wird regelrecht kaltgestellt.
    Und schon geht die Abwärtsspirale ihren Gang und dann gehts richtig abwärts.
    Das soll kein Vorwurf gegenüber unseren Eltern sein ... denn die meisten wussten nichts von diesen Vorgängen und ihre Reaktionen sind oftmals durchaus auch logisch und bei Nicht-ADS'lern funktioniert das auch oft genug.
    Heute weiß man es besser und würde es genau gegenteilig machen.
    Dazu kommt dann natürlich, dass die Eltern nicht selten auch ADS'ler sind ... Jippiee... die sind ja auch so gut darin, vorausschauend zu agieren und Geduld zu haben.
    Soll jetzt aber auch keine rechtfertigung oder Entschuldigung sein, nur die für mich gewohnte wertneutrale Analyse eines Mechanismus, der am Ende in einer Angsterkrankung endet.


    Fliegerlein Du bist süß , bei 38 Grad Fieber mache ich mir jetzt nicht so großartige Sorgen um sie, das ist irgendein Fiebriger Infekt und 38 ist ja auch nicht so wirklich hoch, aber sie ist auch eine ADHS'lerin und fragt mich ständig was, erzählt plötzlich irgendwas, etc... da kommen meine Gedanken bei einem so komplexen Thema schon ziemlich durcheinander..
    Das ist wohl eher die "normale Ablenkung" durch ständiges "aus-dem-Thema-reissen"...
    Soviel dann zum Thema kognitive Empathie ...
    Geändert von Fliegerlein (29.04.2013 um 19:46 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  6. #1166
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 613

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ihr seid der HAMMER!!!!!

    Tolle Diskussion.

  7. #1167
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 613

    AW: ADHS und Dissoziation

    wenn es also sozusagen grundsätzlich um die Arbeit des Gehirns, seiner Kapazitäten , seines Aufbaus verbunden mit der Individualität eines jeden geht, dann erscheint Dissoziation für mich als Standard Begriff nutzbar.

    für uns Adsler ist eben wenig Kapazität im Sinne von Aufnahme gegeben, so dass wir schneller (reiz) überfluten, verbunden dann sicher auch mit vermehrter Angst. ( schaffe ich das)

    was für den einen dann Reizüberflutung wegen einkaufen ist und er damit für ne Stunde sich dissoziiert, ist für einen anderen eben eine ganz gewaltige Reizüberflutung ( lebensbedrohliche Situation = Trauma) , wo sich der dann für Jahre dissoziiert.

    ich fühle mich gerade gedisst

  8. #1168
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegerlein schreibt:
    Gute Frage (mal wieder )
    ich bin mir nicht sicher.
    Einerseits zählt das Ergebnis, nämlich das etwas nicht korrekt abgespeichert wurde und damit für Lücken und Probleme sorgt.
    Andererseits stellt sich natürlich schon die Frage danach, ob es da in der Ursache Unterschiede gibt, allein schon um Möglichkeiten zu finden, künftige Situationen zu entschärfen und Dissos zu vermeiden.
    Ich denke mal, der Unterschied in diesem Beispiel ist, dass dem einen die Reizüberflutung aufgrund "defekter Reizfilter" zugrunde liegt und dem anderen eine als "existenziell bedrohlich" empfundene Situation (Misshandlung, Missbrauch, ein schwerer Unfall....etc...etc...), das eine ist ein Defekt, das andere ist ein automatischer Schutzmechanismus, der auf der neurobiologischen Ebene abläuft und im Neokortex gar nicht in Gänze ankommt, sondern eher im impliziten Gedächtnis (als automatisiertes oder reflexartiges Verhalten) verbleibt, bzw dort der Anteil an "Speicherdaten" zu diesem "Erlebnis" höher ist, als im Großhirn. Nur das dort eben noch keine Bewertung bzw. Einordnung des Erlebten stattfindet, sondern im "Schnellverfahren" Handlungsimpulse weitergeleitet werden, die sich verfestigen können.
    (Weil das Großhirn ja komplexer arbeitet, benötigt es zur Verarbeitung mehr Zeit, als das implizite Gedächtnis (Aktion-Reaktion)

    [/QUOTE]Das ist so wie mit dem Nagel im Reifen, ...:
    Der Verhaltenstherapeut würde sagen:
    "Nimm den Nagel raus, flick den Reifen, dann kannste auch weiterfahren.
    Wie der Nagel da reingekommen ist, ist dochj völlig wurscht, Hauptsache er wird erkannt, rausgeholt und der Reifen wird repariert." [/QUOTE]

    Das ist eine Therapie der Auswirkungen, nicht der Ursachen... Wenn ich ständig Kopfschmerzen habe, helfen mir Schmerztabletten zwar temporär, aber sie ändern nichts an der Ursache der Kopfschmerzen...


    Aber es macht auch Sinn, wenn immer und immer wieder ein Nagel im Reifen steckt, zurückzublicken und sich anzuschauen, wie denn die Nägel immer wieder da reinkommen ... dann könnte es sein, dass man zu der Erkenntnis gelangt, dass die morgentliche Abkürzung über die Baustelle auf dem Weg zur Arbeit, vielleicht doch nicht so die schlaue Idee ist und man besser einen anderen Weg nimmt, auch wenn der länger ist .
    Genau, oder aber, ich führe mal ein Kopfschmerztagebuch, um den Ursachen auf die Schliche zu kommen...

    Offengestanden weiß ich nicht, ob es da eine genauere Definition gibt, die auf diesen Punkt der Unterscheidung überhaupt oder genauer eingeht.
    Schade, dass ich früher wenig Interesse an Biologie hatte, gerade in der Neurobiologie gibt es noch soviel Spannendes zu erforschen....



    Willkommen im Club, meine auch.
    Und ich würde vermuten, bei sehr sehr vielen ADS'lern ebenfalls.
    Zumindest bei jenen, die am Ende mit einer Diagnose und in der Krankheit landen.

    Da zeigt sich wunderschön dieser Mechanismus, der dazu führt, dass am Ende Probleme auftreten:
    Belohnungssystem funktioniert nicht, keine Reaktion des ADS'lers, also wird elternseitig, logischerweise, auf Bestrafung umgestellt.
    Stimmt nicht, man kann sehr wohl über Belohnung erziehen, Belohnung in Form von Werzschätzung...

    Wir hatten das mal in den PN's, ein Kind möchte seinen Eltern gefallen und reagiert entsprechend auf Wertschätzung.

    Bei AD(H)S sind Selbstverständlichkeiten eine Leistung, dies muss eben berücksichtigt werden. Ganz ohne "Bestrafung" geht es leider nicht, aber dann mehr im Sinne von Lernen aus den Konsequenzen, die natürlich vorher angekündigt werden müssen und sich idealerweise als logische Konsequenzen aus dem Verhalten ergeben. (z.B. Wenn Du Dein Zimmer nicht aufräumst, kann Deine Freundin morgen nicht zum Spielen kommen, weil hier ja gar kein Platz dafür ist.)


    Ein ohnehin angeknackstes Angstzentrum wird jetzt noch mehr in Gang gesetzt und ein "unterwentwickeltes" oder "unterfunktionales" Belohnungssystem wird regelrecht kaltgestellt.
    Und schon geht die Abwärtsspirale ihren Gang und dann gehts richtig abwärts.
    Das soll kein Vorwurf gegenüber unseren Eltern sein ... denn die meisten wussten nichts von diesen Vorgängen und ihre Reaktionen sind oftmals durchaus auch logisch und bei Nicht-ADS'lern funktioniert das auch oft genug.
    Heute weiß man es besser und würde es genau gegenteilig machen.
    Dazu kommt dann natürlich, dass die Eltern nicht selten auch ADS'ler sind ... Jippiee... die sind ja auch so gut darin, vorausschauend zu agieren und Geduld zu haben.
    Soll jetzt aber auch keine rechtfertigung oder Entschuldigung sein, nur die für mich gewohnte wertneutrale Analyse eines Mechanismus, der am Ende in einer Angsterkrankung endet.
    Also bei mir war das damals so, dass meinen Eltern gesagt wurde, ich bräuchte feste Strukturen und deutliche Grenzen (HKS-Diagnose), die wurden mir dann auch "in aller Deutlichkeit" gesetzt, natürlich kam auch die Unwissenheit dazu, die Diagnose an sich war ja damals in den frühen 80-ern schon revolutionär, aber es gab ausser der Medikation, vor der viele Eltern Angst haben, keine wirklichen Behandlungsansätze, geben sie dem Kind Koffein.... (Kaffee war als Kind ekelhaft)

    Das Problem meiner in meiner Erziehung war, dass Respekt mit Angst verwechselt wurde... Wenn ich etwas aus Angst vor Strafe mache, habe ich noch lange keinen Respekt vor dem Akteur...

    Soviel dann zum Thema kognitive Empathie ...
    Das ist etwas, dass Dich ausmacht...

    LG Tanja

  9. #1169
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Chaostanja schreibt:
    Das ist eine Therapie der Auswirkungen, nicht der Ursachen... Wenn ich ständig Kopfschmerzen habe, helfen mir Schmerztabletten zwar temporär, aber sie ändern nichts an der Ursache der Kopfschmerzen...
    Interessanter Punkt, denn grundsätzlich sehe ich es auch so, aber auch hier gibt es eine andere Seite .
    Gerade das Schmerzbeispiel ist ein sehr schönes.
    Sagen wir, jemand hat Kopfschmerzen, weil er verspannt war/ ist.
    Kann einfach mal vorkommen und da ist es egal, was der Ursprung der Verspannung war, wichtig ist jetzt erstmal, dass man über die Medikamente den Schmerz auflöst und somit den Patienten aus der Schutzhaltung herausbekommt.
    Denn macht er das nicht, bleibt er in er Schutzhaltung und der Schmerz wird zum Selbstläufer.
    Also sagt der Arzt z.B. "Drei Tage lang zweimal täglich eine Schmerztablette".
    In der Zeit hat der Muskel Zeit sich zu regenieren, die Schutzhaltung wird aufgehoben, alles normalisiert sich und danach sind die Schmerzen weg und bleiben es auch.
    Da ist eine tiefergehende Ursachenforschung egal, man hat zwar nur Auswirkungen therapiert, aber das hat auch vollkommen ausgereicht.

    In vielen Fällen reicht das auch.

    Bei anderen Fällen dagegen muss man tiefer schauen und genau schauen, denn sonst kommt der Schmerz immer und immer wieder.
    Und das kann zu einem echten Problem werden.
    Ich hab schon seit der Kindheit ein Verspannungs- Kopfschmerzproblem, das sich mittlerweile zu einer chronischen Schmerzerkrankung ausgewachsen hat.
    Dazu hab ich btw. ein gutes Buch, es heißt "Schmerz verstehen" von Butler Moseley.

    In solchen Fällen hilft eine Therapie der Auswirkungen einfach nicht mehr.
    Dennoch macht sie Sinn, zumindest in einem großen Teil der Fälle.
    Immerhin weiß ich inzwischen, warum ich die Schmerzen habe und wie sei entstehen.
    Auch etwas, das typisch für ADS'ler und auch Traumapatienten ist.
    Ständiger Alarmzustand, Angst, verkrampfte Haltungen und ich hatte auch mal was in bezug auf ADHS und haltungsschäden gelesen .., aber das krieg ich jetzt nicht mehr zusammen ...

    Genau, oder aber, ich führe mal ein Kopfschmerztagebuch, um den Ursachen auf die Schliche zu kommen...
    So isses.
    Oder suche über andere diagnostische Wege nach Ursachen.

    Stimmt nicht, man kann sehr wohl über Belohnung erziehen, Belohnung in Form von Werzschätzung...
    Ich weiß, das war mal wieder eine von meinen recht fatalistischen Aussagen.
    Aber es läuft insgesamt anders ab, als es bei einem Nicht-AS'ler der Fall wäre.

    Bei vielen ADS'ern, die keinen Krankheitswert und keine Komorbiditäten haben, ist genau das richtig gelaufen.
    Ob nun bewusst oder unbewusst ist ja egal.
    Und klar, ohne Bestrafung geht es nicht, ... nie.
    Aber das Verhältnis ist wichtig, der Zeitpunkt und und und.
    Das "normale" Schema der Erziehung funktioniert nicht oder nicht so gut.
    Natürlich haben wir ein Belohnungssystem, aber es muss anders angesprochen werden, als das sonst üblicherweise der Fall ist, das meine ich.
    Und gerade bei denen, die anschließend als Patienten in den Praxen und Kliniken landen, ist da sicherlich einiges nicht so gelaufen, dass man von einem guten ADHS-Management sprechen würde.




    Das ist etwas, dass Dich ausmacht...
    Faszinierend und verwirrend, dass mich etwas ausmacht, das ich eigentlich nicht oder nur in geringer Form habe ...

    Mir war nicht klar, nicht mal im Ansatz, dass es eine solch harmlose Ursache haben könnte.
    Ich war demnach nicht in der Lage, mich in Dich oder Deine Situation hineinzuversetzen und mir dieses Szenario vorzustellen.
    Das ist eigentlich ein Zeichen von mangelnder kognitiver Empathie .... aber die Version, süß zu sein gefällt mir irgendwie besser und nehme sie gerne an .

  10. #1170
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo,

    Wegen verdrängung ist mich etwas in sinn gekommen... Wenn freud seine theorie erstellt hatte, war unsere gesellschaft schon anders als jetzt... Es gaben einige tabu, sachen worüber man nicht redet, aber jeden wusste dass es sich gibt... Schein und gute eindruck war wichtig... War dann verdràngung ehe damals üblich als eine art, zu schweigen was nicht reinpasst? Zu lügen und gewissen verboten zu respektieren?
    Damals war selbstverwirklichung noch anders als jetzt... Menschen sind mehr als jetzt in eine unglückliche ehe ausgearrt wegen was andere sonst denken würden. Wie geht so was ohne eine gewissen dosis verdrängung?

    Nun, es hat sich geändert und ich habe der eindruck, die menschen sind sie sich und anderen nun viel ehrlicher geworden und es ist im mode gekommen, offen und ehrlich zu sein und zu reden... Es ist auch zu gute ton geworden, seine emotionen zuzuhören und aus eine miese situation ist mal sogar fast moralisch verpflichtet auszusteigen...

    lg


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