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Diskutiere im Thema Mein Arzt: "Sind sie überhaupt so eine Chaotin?" im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 181

    Mein Arzt: "Sind sie überhaupt so eine Chaotin?"

    Guten morgen an alle! =)

    Ich war Donnerstag bei Arzt (Neurologe), der auch Medikinet und Co. verschreibt, ADHS-Bescheinigungen für die Krakenkasse schreibt etc.
    Ich war seine letzte Patientin für den Tag und habe mich ihm zu Liebe relativ kurz gefasst - was auch kein Problem war, da ich eigentlich nur berichten wollte, dass alles besprochene gut läuft. Zum Abschluss fragte er mich: "Aber sind Sie denn überhaupt so eine Chaotin? Sie wirken eher nicht so..."
    Und eigentlich hat er Recht... ich stoße alles um und renn überall gegen (tollpatschig) und hin und wieder vergess ich was oder verplane mich - aber eher im Sinne von ich plane zu viel ein und muss dann hetzen. Aber ich vergesse eigentlich keine wichtigen Termine und Aufgaben oder Fristen, im Gegenteil, ich würde mir ja WÜNSCHEN, dass mir mal was entfällt! Ich bin total perfektionistisch, richtig anstrengend. Ohne meinen Terminplaner wäre ich aufgeschmissen und er ist voll, weil ich nichts, was mir einmal in den Kopf kam, wieder lassen kann. Alles könnte wichtig sein und wie zwanghaft renn ich dann den ganzen Dingen hinterher, die ich machen "muss". Da das auch Kleinigkeiten sind ist es oft total anstrengend. Ich KANN mir keine Pause gönnen, werde auch sofort nervös, wenn ich mittags versuche, mich nur mal ne halbe Stunde ruhig hinzusetzen und nichts zu tun außer fernsehen, Hund streicheln oder so. Totmüde fühl ich mich zwar, aber trotzdem hab ich das Gefühl dass ich doch was "sinnvolles tun müsste" statt blöde rumzusitzen. Dabei sind Pausen ja wichtig und wertvoll, aber sie machen mich alle .
    Als ich noch zu Hause gewohnt hab, war ich zumindest ziemlich unordentlich. Aber jetzt, wo ich eine eigene Wohnung hab, macht mir Unordnung regelrecht Angst, ich glaube, weil ich befürchte dass sie mir über den Kopf wächst und was die "anderen dann denken könnten"... -.- Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass ich gern äußere Ordnung schaffe, als Gegengewicht zum inneren Chaos sozusagen. Es scheint nämlich nach außen, als wäre ich sehr zuverlässig und würde alles mit Leichtigkeit regeln usw, und ich bin ja auch froh, dass ich diese Fähigkeit habe, aber leicht ist es nicht. Es ist auf andere Art anstrengend, wenn man nichts einfach mal loslassen kann und in meinem Kopf fahre ich ständig auf einer Autobahn ohne Geschwingigkeitsbegrenzung, meist noch 3-spurig, aber irgendwie ohne Standstreifen XD. Die Eindrücke am Straßenrand muss ich ALLE mitnehmen und nichts darf einfach mal unbeachtet bleiben. Es ist unglaublich viel.

    Mein Leben läuft dadurch nach außen natürlich recht gut - und vor allem schnell, wirkt Organisiert. Ich fühle mich aber öfter nah am Burnout. MPH hilft mir, aber Perfektionismus bleibt doch irgendwie.
    Mein Arzt hat das also eigentlich richtig wahrgenommen, die typische Chaotin bin ich nicht, ich hätte aber irgendwie gern ein bisschen was von ihr, so doof das klingt.

    Geht es jemandem ähnlich oder bin ich hier die Ausnahme, die trotzdem eine ADS-Diagnose hat?

    Liebste Grüße und einen schönen Tag für euch! =)
    Marie

  2. #2
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 473

    AW: Mein Arzt: "Sind sie überhaupt so eine Chaotin?"

    Liebe Sayuri,

    was soll ich sagen? Du beschreibst meine ADS, wie ich sie erlebe! (unheimlich )

    Du hast Dich gut im Griff, Verfehlungen sind nicht erlaubt, Unordnung macht Dich wahnsinnig (das Chaos ist innen, das reicht doch wohl), selbst den dämlichen Spruch habe ich schon von

    irgendeinem Doc mal bekommen!

    Hast Du auch so viele blaue Flecken auf Tischplattenhöhe?

    Autobahnfahrten sind so anstrengend...bloß keinen Fehler machen! *bibber*

    Mein Küchenschrank ist eine Post-it-Wand!

    Pausen sind für Langweiler, mein Hirn ist ständig unterfordert!

    Diese Art der Organisation habe ich mir schon von Kind an angewöhnt (mein Mädchenzimmer war ein Schlachtfeld- bis zur 1. eigenen Wohnung!)

    Gab mir Halt...heute weiß ich warum!

    Nach meinem Totalzusammenbruch (diese Lebensweise hält kein Mensch 80 Jahre lang durch) musste ich mir einiges abgewöhnen, bzw. umgewöhnen!

    LG von Melli ...und... Du hast es

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 181

    AW: Mein Arzt: "Sind sie überhaupt so eine Chaotin?"

    Hallo holzmelli,

    oh wow, das klingt ja wirklich SEHR ähnlich:

    holzmelli schreibt:

    Du hast Dich gut im Griff, Verfehlungen sind nicht erlaubt, Unordnung macht Dich wahnsinnig (das Chaos ist innen, das reicht doch wohl)

    Hast Du auch so viele blaue Flecken auf Tischplattenhöhe?
    Das unterschreib ich! Und ja, blaue Flecken hab ich, aber auch die anderen, denen ich ausversehen Dinge an den Kopf oder sonstwohin werfe, auf die Füße trete, Wassergläser auf den Schoß kippe.... x___x

    holzmelli schreibt:
    Autobahnfahrten sind so anstrengend...bloß keinen Fehler machen! *bibber*
    Ja genau - ich denk immer dass jedes blöd eingestellte Licht eine an mich gerichtete Lichthupe ist und dass ich die anderen irgendwie (keine Ahnung WIE XD) behindere. Andererseits muss ich auch beim Autofahren zig Sachen nebenbei machen und es geht mir nie schnell genug.

    holzmelli schreibt:
    Mein Küchenschrank ist eine Post-it-Wand!
    Ich hab drei verschiedene Notizblöcke mit To-Do's auf meinem Schreibtisch und einen auf dem Nachtisch. Nicht übertrieben.

    holzmelli schreibt:
    Pausen sind für Langweiler, mein Hirn ist ständig unterfordert!
    Kommt mir auch so vor, aber ich wäre doch so gern auch EINMAL Langweiler!! Also, was die Pausen betrifft ^^

    holzmelli schreibt:
    Diese Art der Organisation habe ich mir schon von Kind an angewöhnt (mein Mädchenzimmer war ein Schlachtfeld- bis zur 1. eigenen Wohnung!)

    Gab mir Halt...heute weiß ich warum!
    Hmmm, das mit der Organisation, die ich gelernt hab, habe ich meinem Arzt dann auch gesagt - sonst hätte ich mich nie so gut anpassen können in der Schule, und ich wollte ja um alles in der Welt nicht negativ auffallen...
    Und das Haltgebende ist auch total plausibel!

    holzmelli schreibt:
    Nach meinem Totalzusammenbruch (diese Lebensweise hält kein Mensch 80 Jahre lang durch) musste ich mir einiges abgewöhnen, bzw. umgewöhnen!
    Und wie hast Du das geschafft? Was ist heute anders? Ich fühl mich so gefangen in dem Hamsterrad... wie kommt man denn raus? Der "Totalzusammenbruch" klingt schlim, und steht mir sonst vermutlich auch irgendwann bevor, es schlaucht jetzt schon so sehr


    Ganz liebe Grüße und ein großes Dankeschön an Dich!! =)

  4. #4
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 473

    AW: Mein Arzt: "Sind sie überhaupt so eine Chaotin?"

    Ach, der Zusammenbruch muss ja gar nicht kommen! Mach Dich bloß nicht verrückt

    Du hast in Deinem Alter noch jede Menge Selbstheilungskräfte!

    Ob ich es nun geschafft habe, weiß ich gar nicht wirklich. War ein langer Weg; bin ja auch "schon" 40

    Erst mal musste ich "erwachsen" werden.

    Ich bekam meine Kinder mit 25 und 28, später über meinen Sohn die ADS Diagnose bekommen und da fing meine Arbeit so richtig an.

    Die letzten 20 Jahre waren gefüllt mit Übertretungen, Klappe zur falschen Zeit aufreissen, einstecken, runterschlucken und lernen, lernen,...Ich habe einen starken Partner, der mich ich-weiß-nicht-wie-oft aufgefangen hat!

    In einem anderen Thread schrieb ich zum Thema erwachsen sein, dass für mich gilt:

    -nicht mehr den Eltern gefallen wollen,
    -die Kindheit gut sein lassen und nicht mehr nachtreten, sie so akzeptieren wie sie war,
    -sich selber rausziehen, egal wo raus, dass tut nämlich niemand für einen.

    Aber, wie gesagt, das sind meine "Richtlinien".
    Ich war in 2010 so ausgebrannt, dass mir nur noch eine Reha raushalf. Mit der anschliessenden Psychotherapie (schloss sie vor 2 Wochen ab), habe ich mir neue Gewohnheiten zugelegt und vor allem akzeptiert, dass nicht ICH falschticke, sondern ganz oft die anderen!

    Mit einer Verhaltenstherapie kannst Du Techniken erlernen, mit denen Du lernst Dich nicht völlig auszubeuten!

    Am Rande der völligen Erschöpfung bin ich noch oft, aber dann lasse ich sofort alles fallen und regeneriere, auch wenn es andere verprellt.
    Ist halt so. Die, die Dich wirklich kennen und mögen, halten zu Dir.
    Den Rest kannst Du abhaken.

    LG von Melli

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