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Diskutiere im Thema Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #211
    Zotti

    Gast

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Liebe Indigiowoman,
    da bin ich deiner Meinung und auch mein Partner obwohl er ein Mann ist. Ich habe mir einige auf dieses Thema bezogene Artikel aus der EMMA kopiert.
    Die würde ich dir ja gerne zukommen lassen, doch ich weiß nicht wie.

    Es ist ja auch so, das vielen Frauen manchmal nichts anderes übrigbleibt um Geld zu verdienen, doch die meisten dieser Frauen wurden früher mißbraucht.
    Wenn es welche wirklich freiwillig machen, das gibt es auch, sind sie vielleicht sexsüchtig und wenn sie sich die Männer selber aussuchen können, kann es schon
    sein, daß es ihnen dann auch Spaß macht. Wie gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, das es irgendjemand toll findet, 20 mal am Tag von irgendwelchen Männer,
    ob nun hübsch oder nicht na ja, also wie nennt man das, besteigen lassen oder so.

    Vorstellen kann ich mir nur, das eine Domina sich abreagiert an Männern und sie hat da ja auch zu bestimmen. So jetzt telefoniere ich.

    LG Zotti

  2. #212
    Indigowoman

    Gast

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Hallo Zotti,

    das ist ja toll, das noch jemand meiner Meinung ist und es so offen sagt. Trotz Aufklärung, Spaßindustrie und angeblich sexueller Befreiung sind die tiefer liegenden Gründe für den Kauf von sexuellen Dienstleistungen immer noch ein Tabu. Man sollte es kaum für möglich halten. Irgendwie ist Sex im Denken der Allgemeinheit ein Recht des Mannes, und darüber wird nicht weiter nachgedacht. Eine Frau darf nicht offen zeigen, wenn sie ausgiebige sexuelle Erfahrungen mit verschiedenen Männern hat. Sie versucht, es geheimzuhalten. Sonst würde über sie hässlich getratscht und gelacht (von irgend welchen unbedeutenden, dümmlichen Langweilern). Der Mann kann damit prahlen, alle hören ihm zu und keiner würde auf die Idee kommen, ihn deswegen verbal anzugreifen (wer das täte, der würde als verklemmt hingestellt). Merkwürdigerweise darf auch nicht herauskommen, wenn eine Frau noch Jungfrau ist. Auch dann würde hässlich über sie geredet. Ein Mann, der mit über 30 immer noch keine sexuellen Erfahrungen hat, täte dagegen allen leid. Je nachdem, welches Geschlecht die betreffende Person hat, haben die (meisten) Leute unterschiedliche Meinungen über die-/denjenige(n). Das ist halt so, und damit basta.

    Schlimm ist nur, dass diese ganze Doppelmoral Opfer hat. Aber du, lass mal mit dem Kopieren. Ich kenne die EMMA. Lustigerweise hatte ich schon die gleiche Idee mit dem Kopieren. Habe ich auch schon verschickt. Dafür gebe ich gerne Geld aus. (Und auch für Umwelt-Anliegen.) Ich schreibe auch gern Sender und Touristikbüros mit Doppelmoral an, die auf großkötzige Art für Prostitution werben. Einmal hatte ich einer Grünen-Politikerin eine empörte Protest-Postkarte geschickt (die "Gelbe Karte" vom Verkaufsständer der Post), weil die das toll fand, dass in ihrer Stadt ein großes Bordell eröffnet hatte. Ich schrieb ihr einige Argumente gegen Prostitution und wie seltsam das ist, dass Frauen es gut finden, wenn der Körper von anderen Frauen verkauft wird. Als PS schrieb ich noch den Scherzspruch, dass es die Rote Karte gibt, sobald sie selbst ein Bordell eröffnet. Aber ey, das finde ich toll, dass dein Mann auch dagegen ist.

    Festhalten kann man mal: keine Frau findet Prostitution als Einkommensquelle gut. Und wenn das eine vor laufender Kamera behauptet, dann nur weil sie unter Druck steht. Denn garantiert guckt auch der Bordellbesitzer und einige ihrer Kunden die Talkshow an. Wird in Bordellen interviewt, stehen die ja sowieso daneben. Also kann von Freiheit keine Rede sein! Das ist ein Skandal, dass diese Männer sowas machen können und weiterhin ihr gesellschaftliches Ansehen genießen, während die Prostituierten sich nirgends blicken lassen können. Ich glaube auch nicht, dass dort ansehnliche und von der Art her angenehme Männer hingehen, denn die haben sowas ja nicht nötig. Die lernen einfach Frauen in der Freizeit kennen und haben nach Belieben Verhältnisse. Dagegen habe ich wiederum nichts, solange es in beidseitigem Einvernehmen geschieht. Bei der Prostitution kann man nicht von Beidseitigkeit sprechen. Die Frauen müssen ja eine bestimmte Anzahl von "sexuellen Dienstleistungen" machen, um neben anderen Spesen die Zimmermiete zu bezahlen. Ich habe nie geglaubt, dass man da viel verdient!

  3. #213
    Zotti

    Gast

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Hallo, eigentlich muß ich jetzt raus aus dem Internet, habe mich aber gefreut über deinen Text. Ich habe schon sehr viele Bücher diesbezüglich gelesen, obwohl es ursprünglich dann meistens um Kindesmißbrauch usw. ging, das hat aber am Ende immer mit diesem Thema auch zu tun.
    Ich habe ein Buch von Else Buschheuer, (Verrückt bleiben), da gefällt mir am besten Kapitel 19.

    Nieder mit dem Glück der Unterwerfung (Ein Kapitel nur für Frauen)

    "Warum zum Teufel bin ich nur eine Frau geworden? Ich bin verdammt, allein durch mein Geschlecht, niemals eine Freundschaft zu finden,
    weil kein Mann imstande ist, die Seele vom Körper zu trennen, weil nicht einer versteht, dass ich geliebt werden will um meines Geistes,
    meiner Begabung, oder, um noch einmal das Wort zu gebrauchen, meiner Seele willen; weil jeder erwartet, dass ich gute Gespräche,
    die Neigung eines geistreichen Mannes durch Beischlaf erkaufe. Es ist zum Kotzen!"

    Brigitte Reimann

    Danach fängt ein schönes Kapitel an, es wird alles anders herum dargestellt, also wenn die Frauen die Herrschaft hätten usw. Das kann ich aber hier nicht schreiben, oder
    ich tippe es dir in einer persönlichen PN so nach und nach mal ab.

    So jetzt muß ich aber los. Auch ich habe noch nie eine Freundschaft mit einem Mann gehabt, wo ich mir ganz sicher war, das er nicht doch was wollte. Trotzdem ich auch
    einen Partner habe. Darum bin ich so froh, das mein Freund so gerne ausgeht, ich würde niemals so oft alleine in Kneipen und Discos gehen, da wird man irgendwie immer betrachtet und angequatscht wenn man sich etwas zurecht macht. Da aber hier in meiner Stammkneipe und auch Disco die meisten wissen das ich einen Partner habe, oder ich es zumindenst weiß, fühle ich mich dadurch viel sicherer und wohler. Obwohl ich auch einige älter Männer kenne, wo ich mir sicher bin, das die nichts im Sinne haben, meistens komme ich mit 20-30 jährigen zurecht, also ich kann mit denen Gespräche führen und fühle mich wohl dabei, mit Männern und mit Frauen.

    Ach so ja, ich muß mich jetzt beeilen, hoffentlich bekommen wir jetzt keine bösen Antworten zu unserem Geschreibsel, ich warte schon drauf.

    Schönes Wochenende von Zotti

  4. #214
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 500

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    mj71 schreibt:
    Ich bin auch die auffassung dass man auf die welt viel bewirken kann, durch sein verhalten...
    Hat Gandhi auch so gesehen:

    Be the change that you wish to see in the world

    ... finde ich das Beste Zitat zum Thema. Nicht nörgeln, vormachen. Thomas Gordon (Familientherapeut) schreibt in seiner Familienkonferenz (und folgenden Werken) auch immer von 2 Formen der Autorität. 1. durch Kompetenz, Erfahrung und Kenntnisse und die 2. durch Macht, Kontrolle, Befehlsgewalt. Die erstere Lehrt nachhaltig durch ruhige Kompetenz einfach nur in Form des Vorlebens. Sehr logisch und ethischer als Halsband, Zuckerbrot und Peitsche. Ein frei geborenes Wesen kann keiner zwingen, sich zu ändern, aber Vorbild kann zu Nachahmung führen. Ob nun schlechterdings oder in die "richtige" Richtung.

  5. #215
    Kopfkino deluxe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 678

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Indigowoman schreibt:
    Was ich gern ändern würde, sind die Ansichten in unserer Gesellschaft zur Prostitution. Meiner Meinung nach gehört das total verboten und sowohl Zuhälter, Bordellbesitzer als auch die Käufer solcher "Dienstleistungen" bestraft. Prostitution verstößt gleich gegen zwei Menschenrechte: gegen das auf freie Entfaltung der Persönlichkeit nach eigener Vorstellung (die Huren werden total unter Kontrolle gehalten und unter Druck gesetzt und erpresst) und gegen das auf seelische und körperliche Unversehrtheit eines jeden Menschen (die Frauen gehen mit der Zeit alle kaputt!). Dass ein Mensch den Körper eines anderen kaufen kann, nur weil der benachteiligt ist oder aus einem ärmeren Land kommt, ist überhaupt nicht in Ordnung. Da muss sich vieles an der Einstellung der Leute ändern. Viele Männer (und leider genauso viele nichtprostituierte Frauen) glauben tatsächlich, dass ein Mann das Recht hat, zu seiner sexuellen Befriedigung den Körper eines anderen Menschen zu benutzen. Dabei kann er sich doch selbstbefriedigen.
    Der Meinung bin ich nun überhaupt nicht.
    Immerhin ist es das erwiesen älteste Gewerbe der Welt!
    Du kannst nicht alle Prostituierten in einen Topf werfen, denn es gibt genügend heutzutage, die frei anschaffen gehen.
    Der sogenannte "Lude" (Zuhälter) stirbt aus.
    Und außerdem gibt es auch sehr viele Männer, die sich prostituieren und die sind bei weitem nicht alle schwul!
    Denn auch Frauen nehmen sich ab und an gern mal einen "One-Night-Stand" und bezahlen dafür.

  6. #216
    Indigowoman

    Gast

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Hallo Zotti,

    einmal kann ich dir heute noch antworten, dann muss ich auch Schluss machen. Das Buch, von dem du redest interessiert mich. Ich werde zunächst mal in meiner Stadtbücherei nachfragen, ob die das haben (kann momentan nicht viel Geld ausgeben).

    Ich glaube, so schlimm wie das im Zitat dargestellt wird, ist das heute nicht mehr. Aber die Veränderungen sind gering und ständig in Gefahr. Auch ich bin verzweifelt, dass ich keine anderen Frauen und allgemein nur schwer andere Menschen für Freizeitunternehmungen finde (von politischen Aktionen gar nicht erst zu reden, wie z. B. mal vor einem Bordell mit Protestplakaten rumstehen oder alle Freier ansprechen - da würden sich die ansonsten engagiertesten Leute in die Hose machen vor Angst, dauerhaft Ärger zu kriegen). Würde ich stattdessen Annoncen für eine Partnerschaft aufgeben, wäre das anders. Versehentlich hatte mal eine Zeitung eine gemeinsame Unternehmungs-Annonce bei "Sie sucht ihn" eingestellt und - oh Wunder! - ich bekam plötzlich 22 Antworten. Sonst waren es immer 0 - 2. Und die an gemeinsamen Unternehmungen Interessierten wohnten immer weit weg und hatten wenig Zeit. Das ist mit der Zeit wirklich zum Kotzen!

    Die Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse kommt auch oft in der EMMA in Form von Cartoons vor - habe mich schon halbtot gelacht. Nein, Tatsache ist: in den wenigen Regionen der Welt, wo Frauen die Herrschaft haben, sind nicht automatisch alle Verhältnisse umgekehrt. Im Gegenteil, die Männer haben mehr Freiheiten (in jeder Hinsicht, auch was sie denken und fühlen dürfen) und es geht den Menschen allgemein besser (es gibt z.B. keine extrem ungleichen Geld- und Güterverteilungen) als umgekehrt Frauen in männerdominierten Gesellschaften. Bei stark patriarchalischen Ländern (Deutschland gilt als gemäßigt patriarchalisch) geht die Bevormundung sogar so weit, dass ranghohe Männer sich Gedanken über die körperlichen Gefühle der Frauen machen (nach unserem Empfinden eine unverschämte Grenzüberschreitung!) und Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung gang und gäbe sind. Zur männlichen Genitalverstümmelung (wegen der Geringfügigkeit und der geringen Auswirkungen ein sehr schlechter Vergleich) sage ich nur kurz einen Satz: Wenn die Männer wirklich was dagegen hätten, wäre sie längst abgeschafft.

    Das finde ich toll, dass du dich engagierst, Zotti. Wenn man nicht den Mund aufmacht, ändert sich nie etwas. Das ist ja eine Frechheit, dass dich Männer unverschämt angucken und anquatschen, obwohl sie wissen, dass du einen Partner hast. Jetzt habe ich was dazugelernt. Als alleinstehende Frau dachte ich immer, die Frauen mit Partner wären vor so was geschützt. Denn Männer kommen anderen Männern nicht gern in die Quere. Tipp: Sollte sich mal ein Frechdachs zu sehr an dich ranhängen, dann bitte doch einfach deinen Mann, dass er mal zu ihm geht und ihm klipp und klar sagt, dass der seine Frau in Ruhe lassen solle, da sie in einer glücklichen Partnerschaft lebe.

  7. #217
    Indigowoman

    Gast

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Gerade ist es passiert. Ich wollte Zotti antworten, und da haben sich zwei dazwischen geschoben. Ilka 1973 bezieht sich auf mich.

    Also Ilka 1973, ich habe den Eindruck, du lässt dich ganz schön von RTL, VOX und der einhelligen Werbemaschinerie der Sensationspresse beeindrucken. Man soll immer hinter die (Hochglanz-)Fassaden gucken. Prostitution ist also das älteste Gewerbe der Welt. Na und? Das heißt doch nur, dass Männer Frauen schon lange unterdrücken (seit ca. 5000 Jahren) und sich die Gesellschaft nach ihrem Gutdünken erschaffen. Mord und Diebstahl gab es auch schon immer und muss trotzdem bekämpft werden. Das ist einfach nicht annehmbar, dass die gleichen Männer, die Gesetze erlassen, verantwortliche Positionen in der Gesellschaft ausüben (und dafür Achtung verlangen), über Recht und Ordnung sprechen und andere bestrafen, die gegen ihre Regeln verstoßen, hingehen und den Körper einer (in ihrer Gesellschaft wenig geachteten) Frau für ihr Vergnügen benutzen und die sich danach schämen und verstecken muss. Oder kannst du dir vorstellen, dass eine Frau, die von Beruf Prostituierte ist, zu einer Garten-Grillfeier eingeladen wird? Diese Männer behalten ihre Achtung, ohne sich Sorgen zu machen. Denn sie gelten in der von ihnen geformten Gesellschaft nicht als schmutzig. Ist ja logisch.

    Und was die Zuhälter angeht, die sterben noch lange nicht aus. Im Gegenteil. Seit der Anerkennung der Prostitution als "normaler Beruf" im Jahre 2002 (die wenigsten Prostituierten trauen sich, sich mit ihrer wahren Berufsbezeichnung bei der Krankenversicherung anzumelden) explodieren Bordelle, Straßenstriche und Zuhälter-Ringe. Auch die Bedingungen, unter denen die Prostituierten arbeiten müssen, sind brutaler geworden. Es ist ein Milliardengeschäft mit knallharten Regeln, von dem die eigentlichen Akteure nicht profitieren, sondern andere. Das finde ich nicht romantisch im Sinne von "das älteste Gewerbe der Welt", und es ist auch weit entfernt von "freiberuflicher Tätigkeit". Vielleicht mag es sein, dass ein kleiner Prozentteil der Prostituierten sich irgendwann freimacht von ihren Zuhältern und anderen "Besitzern" und auf eigene Faust weitermacht (weil sie was anderes nicht gelernt hat und bei einem Umzug erstmal Geld braucht). Aber freiwillig in diesen Beruf hineingekommen ist keine einzige!

    Mit Schwulenstrich kann man das Prostitutionsgeschäft nicht vergleichen. Erstens werden dort nicht solche Umsätze gemacht, zweitens herrscht dort nicht so viel Kontrolle und Unterdrückung und drittens werden die betreffenden Männer in der Gesellschaft nicht auf ihre Tätigkeit reduziert (sondern höchstens als Kiffer oder Schwule angesehen).

  8. #218
    Kopfkino deluxe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 678

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Indigowoman schreibt:
    Gerade ist es passiert. Ich wollte Zotti antworten, und da haben sich zwei dazwischen geschoben. Ilka 1973 bezieht sich auf mich.

    Also Ilka 1973, ich habe den Eindruck, du lässt dich ganz schön von RTL, VOX und der einhelligen Werbemaschinerie der Sensationspresse beeindrucken. Man soll immer hinter die (Hochglanz-)Fassaden gucken. Prostitution ist also das älteste Gewerbe der Welt. Na und? Das heißt doch nur, dass Männer Frauen schon lange unterdrücken (seit ca. 5000 Jahren) und sich die Gesellschaft nach ihrem Gutdünken erschaffen. Mord und Diebstahl gab es auch schon immer und muss trotzdem bekämpft werden. Das ist einfach nicht annehmbar, dass die gleichen Männer, die Gesetze erlassen, verantwortliche Positionen in der Gesellschaft ausüben (und dafür Achtung verlangen), über Recht und Ordnung sprechen und andere bestrafen, die gegen ihre Regeln verstoßen, hingehen und den Körper einer (in ihrer Gesellschaft wenig geachteten) Frau für ihr Vergnügen benutzen und die sich danach schämen und verstecken muss. Oder kannst du dir vorstellen, dass eine Frau, die von Beruf Prostituierte ist, zu einer Garten-Grillfeier eingeladen wird? Diese Männer behalten ihre Achtung, ohne sich Sorgen zu machen. Denn sie gelten in der von ihnen geformten Gesellschaft nicht als schmutzig. Ist ja logisch.

    Und was die Zuhälter angeht, die sterben noch lange nicht aus. Im Gegenteil. Seit der Anerkennung der Prostitution als "normaler Beruf" im Jahre 2002 (die wenigsten Prostituierten trauen sich, sich mit ihrer wahren Berufsbezeichnung bei der Krankenversicherung anzumelden) explodieren Bordelle, Straßenstriche und Zuhälter-Ringe. Auch die Bedingungen, unter denen die Prostituierten arbeiten müssen, sind brutaler geworden. Es ist ein Milliardengeschäft mit knallharten Regeln, von dem die eigentlichen Akteure nicht profitieren, sondern andere. Das finde ich nicht romantisch im Sinne von "das älteste Gewerbe der Welt", und es ist auch weit entfernt von "freiberuflicher Tätigkeit". Vielleicht mag es sein, dass ein kleiner Prozentteil der Prostituierten sich irgendwann freimacht von ihren Zuhältern und anderen "Besitzern" und auf eigene Faust weitermacht (weil sie was anderes nicht gelernt hat und bei einem Umzug erstmal Geld braucht). Aber freiwillig in diesen Beruf hineingekommen ist keine einzige!

    Mit Schwulenstrich kann man das Prostitutionsgeschäft nicht vergleichen. Erstens werden dort nicht solche Umsätze gemacht, zweitens herrscht dort nicht so viel Kontrolle und Unterdrückung und drittens werden die betreffenden Männer in der Gesellschaft nicht auf ihre Tätigkeit reduziert (sondern höchstens als Kiffer oder Schwule angesehen).
    Wenn Du der Meinung bist, ich wäre so dumm, mich durch Massenmedien beeindrucken zu lassen,
    dann bleib bloß in dem Glauben.
    Ich habe meine Meinung dazu geäußert und dabei bleibe ich, PUNKT.

    Andererseits muss ich gestehen, dass durch die Einwanderung viel kriminelle Energie in diesem Gewebe entstanden ist.
    Dazu braucht man sich nur mal die altbekannten Straßenzüge in den Großstädten wie Hamburg und Frankfurt/Main anschauen.

    So, Thema für mich beendet.

  9. #219
    Indigowoman

    Gast

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    Leider merken die meisten Leute ja nicht, wie sie systematisch von den großen Meinungsmachern beeinflusst werden. Auch ich muss da höllisch aufpassen. Denn die, die das nicht gut finden, werden einfach nicht gefragt. Auf diese Weise lassen sie es so aussehen, als sei das ein "Trend", den alle gut finden. Wie auch vor kurzem mit Fetischen und Sadomaso (wieviele machen das in Wirklichkeit schon?) und neuerdings mit Tantra-Massagen (ausnahmsweise mal was harmloses, weil alle Teilnehmer damit einverstanden sind). Also ich stehe auf diese Sachen nicht, und alle anderen aus meinem näheren und weiteren Bekanntenkreis, wo dieses Thema mal kurz zur Sprache kam, auch nicht. Das scheint doch bloß Propaganda zu sein. Genauso verhält es sich auch mit den angeblich freien Huren. Aber von mir aus behalte deine Meinung, dass "das älteste Gewerbe der Welt" wichtig und nützlich für die Gesellschaft sei.

    Die in den letzten 10 Jahren entstandene kriminelle Energie im Prostitutionsgewerbe hat nicht viel mit der Einwanderung zu tun, sondern mehr mit der gesetzlichen Legalisierung. Seitdem gelten Bordelle als "Geschäfte" und die wenigen eigenständig anschaffenden Huren als "Berufstätige", so dass es für die Polizei viel schwerer geworden ist, gegen Zuhälterei und Menschenhandel vorzugehen. In ein Geschäft darf man ja ohne Durchsuchungsbefehl nicht einfach hinein (so wie sie das mit den Bordellen vorher gemacht haben), und wenn eine Frau sozialversicherungspflichtig angemeldet ist und Steuern aus ihrem Gewerbe zahlt, werden leider der Zuhälter und andere Abkassierer hinter ihr übersehen. Die einhellige Straße von Frankfurt am Main kenne ich. Oder besser gesagt das Viertel. Ich kenne leider auch die Saunaclubs in den kleineren Städten (wie Dietzenbach) drumherum. Die sind abgelegen, am Rand irgendwelcher Industriegebiete, so dass dort kriminelle Vorgänge kaum an die Öffentlichkeit dringen. Nur hatte mir vor einem halben Jahr ein Freund meines Bekannten berichtet, der spätabends noch in einem der Büros gegenüber Überstunden gemacht hatte, dass von diesem Hof, wo hinter einer Absperrung der Zugang zum Saunaclub ist, furchtbare Schreie kamen. Das ging ca. eine halbe Stunde, dass eine Frau schrecklich schrie und weinte und Männerstimmen kontrollierend auf sie einredeten. Er war leider nicht auf die Idee gekommen, die Polizei zu rufen.

  10. #220
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 266

    AW: Sensibel für gesellschaftliche Missstände - wollt ihr was ändern?

    @ Indigowoman

    Ich kann deine Bedenken und dein Engangemant sehr gut nachvollziehen. Ehrlich gesagt kenne ich mich in diesem Gewerbe nicht wirklich aus, auch die Berichteerstattung von RTL&co. ist mir fremd, da ich keine privaten Sender habe.

    Ich teile also deine Meinung, wenn du sagst, dass die Frauen, die in diesem Gewerbe ihre Dienste anbieten, mehr Schutz brauchen. Ich bin jedoch nicht der Auffassung, dass dies mit Abschaffung der Bordelle und durch Bestrafung der Bordellbesitzer erfolgen kann. Diese Vorgehensweise würde m.E. lediglich dazu führen, dass noch mehr Frauen "schwarz" und ohne jegliche gesetzliche Kontrolle anschaffen müssten. Dazu brauchst du dir nur die Länder anzuschauen, in denen Prostitution gesetzlich verboten ist. Du kannst davon ausgehen, dass die Frauen dort mehr zu leiden haben, als hier in Deutschland.

    Wenn also bei legaler Prostitution so viele Frauen misshandelt und unterdrückt werden, dann kann man auch davon ausgehen, dass bei illegaler Prostitution die Frauen erst recht unterdrückt werden. Die illegale prostitution ist also die unausweichliche Konsequenz von Tabuisierung. Denn durch letzteres ist alles mögliche gewährleistet, nur nicht der von dir geforderte Schutz der Frauen.

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