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  1. #1
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    Prioritäten richtig setzen

    Jahrelang habe ich wegen diesem Thema so manchen Kampf geführt. Meine Mutter und mein Bruder haben es mir schon x-mal gesagt, einige Arbeitgeber auch... und auch bei der Therapiestunde wurde es mir schon gesagt. Meine Antwort war immer dieselbe: "Es gibt kein richtiges und falsches Setzen von Prioritäten. Das kann jeder für sich selbst entscheiden wo seine Prioritäten liegen."

    Einerseits ist das schon richtig. Andererseits muss man aber auch die entsprechenden Konsequenzen tragen. Und die können durchaus gravierend sein. Jetzt bin ich 35 Jahre alt und weder beruflich noch privat so richtig zufrieden mit meinem Leben. Und ich fürchte, dass es an meiner bisherigen Lebenseinstellung liegt. Es gibt einen Spruch namens "Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen." Genau nach diesem Motto habe ich bisher NICHT gelebt. Zwar habe ich mich auf der Arbeit schon immer angestrengt, mich in der Freizeit weitergebildet und hatte auch kein Problem mit Überstunden. Aber die Prioritäten lagen ganz klar im privaten Bereich. In jüngeren Jahren war es ganz schlimm. Damals habe ich mich u. a. mit Vorgesetzten angelegt, wenn sie mir Urlaubstage nicht genehmigen wollten. Ich habe auch jahrelang nur selten Bewerbungen geschrieben, weil ich hoffte über die Zeitarbeit irgendwas zu finden. Ergebnis: Die ersten 7 Jahre im Berufsleben war ich Zeitarbeiterin. Später hatte ich zwei Festanstellungen, bin dort aber nicht lange geblieben. In der ersten Firma habe ich nach knapp einem Jahr gekündigt, was ich auch nie bereut habe (Psychoterror hoch zehn). In der zweiten Firma wurde mein befristeter Vertrag nicht verlängert, weil ich mit der Arbeit Schwierigkeiten hatte. Aber auch dort fiel das Problem mit den Prioritäten auf.

    Seit einem Jahr bin ich wieder Zeitarbeiterin und drehe mich erneut im Kreis. Ich weiß, dass die Arbeit Priorität Nr. 1 für mich haben sollte. Ich habe in den letzten 12 Monaten auch so einiges an Bewerbungen geschrieben. Und ich habe auch schon auf mehrere private Veranstaltungen verzichtet, wenn ich auf der Arbeit gebraucht wurde. Nur manchmal fällt es mir immer noch schwer, den Schweinehund zu überwinden. Z. B. surfe ich während der Arbeitszeit viel im Internet. Das ist bei uns zwar erlaubt (gerade, weil ich das Internet für berufliche Zwecke ständig brauche). Aber es kann eigentlich nicht sein, dass ich in irgendwelchen Foren poste, während ein Haufen Arbeit neben mir liegt. Freitage sind ganz schlimm. Vorgestern z. B. bin ich um 14:30 Uhr gegangen, weil ich mir am Donnerstag vorgenommen hatte, am Freitag so früh zu gehen. Dabei hätte ich noch gut 60-90 Minuten arbeiten können und wäre dann fertig gewesen. Nein, ich wollte einfach nur ins Wochenende und fertig. Die Tage zuvor waren lang und stressig, und ich hatte keinen Bock mehr. Und wenn ich mehrere Aufgaben an einem Tag bekomme, mache ich nicht immer zuerst das was Priorität hat, sondern das was mir am wenigsten aufwändig erscheint und worauf ich gerade Lust habe. Nicht richtig, ich weiß...

    Meine Prioritäten lagen früher immer auf irgendwelchen Privatveranstaltungen, Urlaubsreisen, Treffen mit Freunden sowie Partnerschaften. Die meisten Freunde von früher haben sich längst von mir zurückgezogen, viele auch deshalb weil sie nicht damit umgehen konnten, dass bei mir immer das Vergnügen vor der Arbeit kam. Und eine Beziehung hatte ich schon über 5 Jahre nicht mehr. Klar, die Männer die ich kennenlerne, erledigen immer erst ihre Pflichten (auch die ADHS-ler) bevor sie sich ins Vergnügen stürzen... die finden mich zwar sympathisch, aber als Partnerin zu unreif.

    Ich möchte bewusst etwas in meinem Leben verändern und habe bereits damit angefangen. Vom letzten Gehalt habe ich ca. 300 € in Kleidung und Friseurbesuch für die Arbeit gesteckt. Das hat mir im Nachhinein schon weh getan, weil ich lieber neue Sachen für meine Schallplattensammlung gekauft oder ´ne Reise ans Meer gemacht hätte. Aber es war die einzig vernünftige Entscheidung. Nun liegt es an mir, in Zukunft in solchen Situationen konsequenter zu agieren als bisher. Wie schafft ihr das eigentlich mit den Prioritäten auf die Dauer? Ich will und werde es jetzt packen, nicht nur kurzfristig meine Prioritäten anders zu setzen sondern auf längere Sicht. Über ein wenig Unterstützung würde ich mich sehr freuen .

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Prioritäten richtig setzen

    Hm, irgendwie verstehe ich dein Problem nicht so ganz.

    Bei mir ist es so, dass ich zwar rein theoretisch schon fest davon überzeugt bin, dass meine Arbeit eine obere Priorität in meinem Leben hat. Nicht die erste, die hat meine Gesundheit. Aber im Eifer des Gefechts vergesse ich das schonmal und mache dann was, was für die Arbeit nicht so gut ist, wie z.B. im Internet surfen. Wobei ich denke, das hat bei mir nix mit Prioritäten, sondern eher mit Ablenkbarkeit zu tun und damit, dass ich mich mit der Surferei vor unangenehmen Aufgaben drücke.
    Ich kriege dieses Problem nicht durch andere Prioritäten in den Griff, sondern durch den Einsatz von To-Do-Listen, Terminkalender und hauptsächlich mit meinem Timer.

    Wenn ich deine Beiträge lese, dann habe ich eher den Eindruck, dass du nicht so wirklich weißt, was du willst und wo du hin willst in deinem Leben.

    "Es gibt kein richtiges und falsches Setzen von Prioritäten. Das kann jeder für sich selbst entscheiden wo seine Prioritäten liegen."
    Für die Prioritäten, die mein eigenes Leben betreffen, sehe ich das auch so. In meinem Beruf ist es so, dass da einige Dinge naturgemäß Priorität haben, da kann ich nichts daran ändern bzw. entscheiden. Aber ich entscheide, ob ich in diesem Job arbeiten möchten.

    Vorgestern z. B. bin ich um 14:30 Uhr gegangen, weil ich mir am Donnerstag vorgenommen hatte, am Freitag so früh zu gehen. Dabei hätte ich noch gut 60-90 Minuten arbeiten können und wäre dann fertig gewesen. Nein, ich wollte einfach nur ins Wochenende und fertig. Die Tage zuvor waren lang und stressig, und ich hatte keinen Bock mehr. Und wenn ich mehrere Aufgaben an einem Tag bekomme, mache ich nicht immer zuerst das was Priorität hat, sondern das was mir am wenigsten aufwändig erscheint und worauf ich gerade Lust habe. Nicht richtig, ich weiß...
    Hm, ich finde das richtig so. Ich mache das auch so, dass ich mir vornehme, wann ich gehen möchte. Wenn nix dringendes anliegt, dann gehe ich auch, sogar wenn ich noch genug Arbeit habe. Ich habe eine zeitlang versucht, immer alles zu erledigen. Das hat mich an den Rand eines Burn Outs gebracht.
    Und ich mache auch oft nicht das, was oberste Priorität hat. Blöd, ich weiß. Aber auch da denke ich, dass das nicht die falschen Prioritäten sind, die kenne ich ja.

    Ich möchte bewusst etwas in meinem Leben verändern und habe bereits damit angefangen. Vom letzten Gehalt habe ich ca. 300 € in Kleidung und Friseurbesuch für die Arbeit gesteckt. Das hat mir im Nachhinein schon weh getan, weil ich lieber neue Sachen für meine Schallplattensammlung gekauft oder ´ne Reise ans Meer gemacht hätte.
    Bist du dir sicher, dass du dein Leben in diese Richtung verändern möchtest? Fühlst du dich gut dabei?
    Für mich wäre das nichts, wirklich nicht. Ich hätte die 300 Euro lieber für was ausgegeben, dass ich gerne mache oder gerne haben möchte.
    Bei mir kommt das, was du geschrieben hast, so an, als ob du dich irgendwie verbiegen möchtest.

    Wie gesagt, meine allererste Priorität in meinem Leben bin ich (ich habe keine Kinder, sonst wären es vielleicht die) bzw. meine Gesundheit. Ich schaue also, dass ich mich selber glücklich mache und dass es mir gut geht. Ich habe mich bewusst gegen eine Karriere und den damit verbundenen Stress entschieden. Und ich trage auch die Konsequenzen daraus bewusst: weniger Einkommen, weniger Prestige etc. Aber ich kenne auch die Vorteile und die überwiegen für mich.

  3. #3
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Prioritäten richtig setzen

    Hallo ihr beiden,

    also ich verstehe das so, WeißeRose:
    Du hast die Priorität im momentanen Leben auf den Job gesetzt... und du arbeitest noch für eine Zeitarbeitsfirma, was du aber ja eigentlich auch gerne verändern möchtest. Du hast im Moment keinen "Anhang" (weder Mann noch Kinder)...

    WEIL dein Hauptaugenmerk der Arbeit gilt, hast du dein Geld in Kleidung für den Job investiert, anstatt in deine Hobbies... was dir aber zu denken gibt, ob das richtig war...


    Stimmt das so???

    Ich muss sagen, wenn das stimmt, hätte ich es eher bedenklich gefunden, wenn du dein Geld für Schallplatten ausgegeben hättest... Weil wenn du dich auf dein berufliches Fortkommen konzentrieren willst und die Kleidung dafür wichtig ist, wäre es ja kontrproduktiv (im Moment) dein Geld in Hobbies zu investieren...

    Meiner Meinung nach hätte man ja das Geld in Kleidung UND einen kleinen Teil in Schallplatten investieren können... aber das spielt jetzt keine Rolle.



    Langfristige Prioritäten zu setzten halte ich für schwierig (zumindest die langfristige Konzentration auf nur eine Sache), da sich die Lebensumstände verändern und was aus heutiger Sicht vorrangig ist, kann morgen schon weniger wichtig sein. Bei mir stehen die Kinder an erster Stelle... das wird (hoffentlich) in 10 Jahren anders sein...

    Prinzipiell finde ich es gefährlich einen Lebensbereich, weit ab von allen anderen zu favorisieren. Das führt oft dazu, dass die anderen Bereiche der Art vernachlässigt werden, dass wenn der Bereich, der an Platz eins steht wegbricht, man so gut wie vor dem Nichts steht.
    Ich meine zB. die Vernachlässigung von Hobbies, Beziehungen und anderem zu gunsten des Berufes, kann fatale Folgen haben, wenn man dann den Job nicht mehr ausüben kann...Oder wenn man eine Karrierestufe erreicht hat, wo man dann auf der Stelle tritt nichts mehr weiter geht und einem auffällt, dass es noch andere Dinge im Leben geben sollte, neben dem Beruf.

    Gilt auch für meine Priorität, Kinder... nicht mehr lange und sie werden mich nicht mehr so brauchen wie jetzt... Und so, wie es Momentan läuft, werde ich dann keine erfüllende Aufgabe mehr haben... also der Sinn des Lebens wird wegbrechen...

    Bildlich gesprochen:
    Jemehr gleichstarke Säulen das eigene Leben hat, um so weniger schlimm ist es, wenn eine mal schwächelt oder wegbricht...
    Gilt übrigens auch für die Priorität Lebensgefährte... zu starke Konzentration auf eine Person, kann zur Katastrophe werden.


    Das ist allerdings nur Theorie, weil auch ich nicht im Stande bin, meine Konzentration auf verschiedene Bereiche zu verteilen... und ich fürchte mich sehr vor möglichen Konsequenzen ....

    L.G.
    happypill
    Geändert von happypill ( 7.10.2011 um 08:25 Uhr)

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Prioritäten richtig setzen

    happypill schreibt:
    Prinzipiell finde ich es gefährlich einen Lebensbereich, weit ab von allen anderen zu favorisieren. Das führt oft dazu, dass die anderen Bereiche der Art vernachlässigt werden, dass wenn der Bereich, der an Platz eins steht wegbricht, man so gut wie vor dem Nichts steht.
    Ich meine zB. die Vernachlässigung von Hobbies, Beziehungen und anderem zu gunsten des Berufes, kann fatale Folgen haben, wenn man dann den Job nicht mehr ausüben kann...Oder wenn man eine Karrierestufe erreicht hat, wo man dann auf der Stelle tritt nichts mehr weiter geht und einem auffällt, dass es noch andere Dinge im Leben geben sollte, neben dem Beruf.

    Je mehr gleichstarke Säulen das eigene Leben hat, um so weniger schlimm ist es, wenn eine mal schwächelt oder wegbricht...
    Gilt übrigens auch für die Priorität Lebensgefährte... zu starke Konzentration auf eine Person, kann zur Katastrophe werden.
    Damit bringst du es auf den Punkt! Sehr treffend formuliert.

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Prioritäten richtig setzen

    Hallo zusammen

    Es ist immer einfach zu sagen das man es verändern muss und es dann auch durchzusetzen .. ich lebe auch so erst Party und meine zeit dann alles andere ich sehe aber das es auf dauer nicht so geht.. meine Ausbildung ist derzeit meine Beziehung und ich versuche mein bestes zu geben und bin in der Schule sogar echt gut geworden.. einen Parter derzeit kann ich nicht haben den das würde mich einfach überfordern ..zudem habe ich eine kleine tochter und bin alleinerziehend das ist schon schwer genug das im gleichgewicht zu halten ..

  6. #6
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Prioritäten richtig setzen

    WeißeRose schreibt:
    Jahrelang habe ich wegen diesem Thema so manchen Kampf geführt. Meine Mutter und mein Bruder haben es mir schon x-mal gesagt, einige Arbeitgeber auch... und auch bei der Therapiestunde wurde es mir schon gesagt. Meine Antwort war immer dieselbe: "Es gibt kein richtiges und falsches Setzen von Prioritäten. Das kann jeder für sich selbst entscheiden wo seine Prioritäten liegen."

    Einerseits ist das schon richtig. Andererseits muss man aber auch die entsprechenden Konsequenzen tragen. Und die können durchaus gravierend sein. Jetzt bin ich 35 Jahre alt und weder beruflich noch privat so richtig zufrieden mit meinem Leben. Und ich fürchte, dass es an meiner bisherigen Lebenseinstellung liegt. Es gibt einen Spruch namens "Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen." Genau nach diesem Motto habe ich bisher NICHT gelebt. Zwar habe ich mich auf der Arbeit schon immer angestrengt, mich in der Freizeit weitergebildet und hatte auch kein Problem mit Überstunden. Aber die Prioritäten lagen ganz klar im privaten Bereich. In jüngeren Jahren war es ganz schlimm. Damals habe ich mich u. a. mit Vorgesetzten angelegt, wenn sie mir Urlaubstage nicht genehmigen wollten. Ich habe auch jahrelang nur selten Bewerbungen geschrieben, weil ich hoffte über die Zeitarbeit irgendwas zu finden. Ergebnis: Die ersten 7 Jahre im Berufsleben war ich Zeitarbeiterin. Später hatte ich zwei Festanstellungen, bin dort aber nicht lange geblieben. In der ersten Firma habe ich nach knapp einem Jahr gekündigt, was ich auch nie bereut habe (Psychoterror hoch zehn). In der zweiten Firma wurde mein befristeter Vertrag nicht verlängert, weil ich mit der Arbeit Schwierigkeiten hatte. Aber auch dort fiel das Problem mit den Prioritäten auf.

    Seit einem Jahr bin ich wieder Zeitarbeiterin und drehe mich erneut im Kreis. Ich weiß, dass die Arbeit Priorität Nr. 1 für mich haben sollte. Ich habe in den letzten 12 Monaten auch so einiges an Bewerbungen geschrieben. Und ich habe auch schon auf mehrere private Veranstaltungen verzichtet, wenn ich auf der Arbeit gebraucht wurde. Nur manchmal fällt es mir immer noch schwer, den Schweinehund zu überwinden. Z. B. surfe ich während der Arbeitszeit viel im Internet. Das ist bei uns zwar erlaubt (gerade, weil ich das Internet für berufliche Zwecke ständig brauche). Aber es kann eigentlich nicht sein, dass ich in irgendwelchen Foren poste, während ein Haufen Arbeit neben mir liegt. Freitage sind ganz schlimm. Vorgestern z. B. bin ich um 14:30 Uhr gegangen, weil ich mir am Donnerstag vorgenommen hatte, am Freitag so früh zu gehen. Dabei hätte ich noch gut 60-90 Minuten arbeiten können und wäre dann fertig gewesen. Nein, ich wollte einfach nur ins Wochenende und fertig. Die Tage zuvor waren lang und stressig, und ich hatte keinen Bock mehr. Und wenn ich mehrere Aufgaben an einem Tag bekomme, mache ich nicht immer zuerst das was Priorität hat, sondern das was mir am wenigsten aufwändig erscheint und worauf ich gerade Lust habe. Nicht richtig, ich weiß...

    Meine Prioritäten lagen früher immer auf irgendwelchen Privatveranstaltungen, Urlaubsreisen, Treffen mit Freunden sowie Partnerschaften. Die meisten Freunde von früher haben sich längst von mir zurückgezogen, viele auch deshalb weil sie nicht damit umgehen konnten, dass bei mir immer das Vergnügen vor der Arbeit kam. Und eine Beziehung hatte ich schon über 5 Jahre nicht mehr. Klar, die Männer die ich kennenlerne, erledigen immer erst ihre Pflichten (auch die ADHS-ler) bevor sie sich ins Vergnügen stürzen... die finden mich zwar sympathisch, aber als Partnerin zu unreif.

    Ich möchte bewusst etwas in meinem Leben verändern und habe bereits damit angefangen. Vom letzten Gehalt habe ich ca. 300 € in Kleidung und Friseurbesuch für die Arbeit gesteckt. Das hat mir im Nachhinein schon weh getan, weil ich lieber neue Sachen für meine Schallplattensammlung gekauft oder ´ne Reise ans Meer gemacht hätte. Aber es war die einzig vernünftige Entscheidung. Nun liegt es an mir, in Zukunft in solchen Situationen konsequenter zu agieren als bisher. Wie schafft ihr das eigentlich mit den Prioritäten auf die Dauer? Ich will und werde es jetzt packen, nicht nur kurzfristig meine Prioritäten anders zu setzen sondern auf längere Sicht. Über ein wenig Unterstützung würde ich mich sehr freuen .
    Ich habe da etwas hervorgehoben, da oben.
    Es fällt mir nicht leicht ruhig zu bleiben, bei diesem Beitrag.
    Ich werde es vesuchen.
    Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich selbst zu reflektieren.
    Das hast du ja schon Ansatzweise in deinem Beitrag bewiesen.
    Um es mit lapidaren Worten zu sagen: Das Leben ist kein Ponyhof!
    So, jetzt isses raus. Wenn du Unterstützung willst, dann mußt du auch diese annehmen.
    Bring deine Aktivitäten in Einklang mit dir selbst und vergeude nicht deine Energie mit Partys.
    Wenn man richtig leben will, dann sollte man nicht stets das Falsche machen.
    Achte auf dich und beobachte dich. Lerne aus Fehlern und lerne, die Fehler nicht zu wiederholen.
    Pack dich am Schopf!
    *ichmussjetzthierdiebremsezieh en*

    LG --hirnbeiß--

  7. #7
    Ist öfter hier

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    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 260

    AW: Prioritäten richtig setzen

    Das hör ich besonders oft von meiner Mutter, dass ich meine Prioritäten nicht richtig setze. Dass ich zu viel Spaß mache, dafür, dass ich mit dem Studium nich vorankomme.
    Zu viel Freund, zu viel Freunde... Ja stimmt vielleicht. Das Blöde ist, selbst wenn ich am Wochenende zu Hause bleib, würd ich vermutlich da enden, nichts zu tun.
    Ich will ja wollen... aber leider würd mich ja nur glücklich machen, Klausuren zu bestehen, nicht, zu lernen.
    Die Belohnung is wieder in zu weiter Ferne.

    Spaß haben zu wollen ist halt einfach, vernünftig zu sein, erfordert eine Selbstdisziplin, von der ich immer wieder bezweifle, dass ich sie habe.
    Gestern hab ich n paar Hausaufgaben gemacht, aber heute bin ich schon wieder dran gescheitert pünktlich aufzustehn.
    Die lähmende Angst vorm Scheitern ist ne selbsterfüllende Prophezeiung. Aber vielleicht red ich mir das auch ein um mich weiter zu verkriechen. Versuchs nicht richtig. Wer weiss das schon?

    Manche Prioritäten ergeben sich einfacher. Mitbewohner "Also seit du in der Küche nich mehr so n Chaos machst, glaub ich nich, dass du irgendwas hast" Als ich von der ADS-Testung erzählt hab... na ja, hoffe, das fällt mir nich mal aufn Kopf.
    Nachdem wir jetz n Mitbewohner haben, der noch chaotischer ist als ich, ist es einfacher, weil der Dreck von allen anderen UND mir dann zu viel wird. (Hmm vielleicht sollte ich jemanden engagieren, der mein Zimmer mehr vermüllt... )

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 237

    AW: Prioritäten richtig setzen

    Hallo,

    ich weiß zwar nicht, ob meine Antwort hierhin passt, aber ich versuche es mal.

    Ich kenne das Problem auch nur zu gut. Seine Prioritäten muß man schon richtig setzen, ansonsten erreicht man gar nichts. Am besten man macht sich eine Liste und zwingt sich dann, diese konsequent abzuarbeiten. Den inneren Schweinehund zu überwinden, ist auch für mich nicht leicht. Es gelingt mir durchaus, eine Zeitlang mal eine begonnene Sache konsequent durchzuziehen. Aber irgendwann werde ich dann wieder rückfällig. Genauso ist es, wenn ich mir eine Sache vorgenommen habe, die ich am nächsten Tag gerne erledigen möchte. Spontan überlege ich es mir doch anders, und werfe dann alles über den Haufen.

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Prioritäten richtig setzen

    Hallo zusammen,

    ich habe erst jetzt gesehen, dass ich doch noch einige Antworten auf diesen Beitrag bekommen habe.

    @Fliegenpilz: Ich möchte mich sicherlich nicht verbiegen. Auch ich habe nicht wirklich Lust, im Büro Karriere zu machen. Karriere bedeutet zwar mehr Geld, aber auch kaum Freizeit, Dauerstress und mögliche Folgen für die Gesundheit. Nein, danke. Aber ich bin seit fast 12 Jahren berufstätig und hatte während dieser Zeit gerade mal zwei Festanstellungen von jeweils einem Jahr... 1,5 Jahre lang (nicht am Stück) war ich arbeitslos und ansonsten immer nur Zeitarbeiterin – und das mit Abitur und guter Ausbildung. Mir wurde schon oft durch die Blume mangelnder Ehrgeiz vorgeworfen. Natürlich steht auch bei mir die Gesundheit an erster Stelle. Aber trotzdem wird ein gewisses Mindestmaß an Ehrgeiz verlangt, wenn du nicht immer von einer Abteilung zu anderen geschoben werden möchtest. Alles würde ich aber nicht dafür tun. Z. B. an meiner vorletzten Einsatzstelle waren viele Leute 60-80 Stunden wöchentlich im Büro, auch die Sekretärinnen – wollte ich nicht, folglich habe ich mich dort erst gar nicht beworben.

    @happypill: Nicht ganz. Ja, ich habe das Geld in die Kleidung investiert um auf der Arbeit etwas zu erreichen. Ich zweifle nicht an der Richtigkeit meiner Entscheidung – ich bin absolut überzeugt davon, dass es richtig war. Und trotzdem fuchst es mich, dass das Geld weg ist. Schicke Klamotten gehen mir nämlich sonst wo vorbei und bedeuten mir absolut GAR NICHTS. Tonträger hingegen bereiten mir eine Menge Freude.
    Ich werde mit Sicherheit nicht mein komplettes Privatleben für den Beruf aufgeben oder eine Säule zu meinem Mittelpunkt machen. Nur neige ich leider dazu, Partnerschaften, Freunden und Interessen weitaus mehr Aufmerksamkeit zu schenken als meinen Pflichten. Weil mir mein Privatleben schon immer wichtiger war als die Arbeit.

    @hirnbeiß: Ich weiß, dass das Leben kein Ponyhof ist. Haben mir meine Eltern früher auch immer gesagt, aber ich hab´ nicht auf sie gehört. Ich bereue vieles insbesondere im Bezug auf meine Finanzen. Zwar habe ich viel gearbeitet, aber das verdiente Geld auch größtenteils schnell wieder ausgegeben. Momentan bin ich im Urlaub mit meiner Mutter und habe meinen Laptop mitgenommen, damit ich hier was für den Nebenjob und mein Studium machen kann (und das tue ich auch).
    Natürlich gönne ich mir auch meine Ruhepausen und mache private Dinge wie Sightseeing, Hallenbad, Musik hören usw. Ich lese gerade ein Buch von Dieter Bohlen, den viele für einen Schwachmaten halten. Meiner Meinung nach hat er jedoch mit vielen seiner Aussagen Recht. Manche Leute fragen ihn warum er so sparsam ist und wozu er so viel Geld verdienen will, wenn er keine Ambitionen hat es auszugeben. Daraufhin schreibt er, dass Geld ihm eine ganz besondere Art von Freiheit verleiht: Nämlich die Freiheit, selbstbestimmt zu leben. Wenn ihm jemand blöd kommt, kann er es sich leisten demjenigen die Meinung sagen und muss nicht mit ihm arbeiten. Ich hingegen lasse mir auf der Arbeit leider etwas zu viel gefallen. Seit ich vor 3,5 Jahren zu Hause ausgezogen bin, ist mein Konto durchgehend im Minus, und ich kann es mir nicht leisten, keinen Job zu haben.
    Privat kann ich mich gut abgrenzen und lasse mir nichts bieten, aber auf Privatpersonen bin ich halt nicht angewiesen. Freunde und Partner kann ich mir aussuchen. Und wer mir nicht den nötigen Respekt entgegenbringt, hat in meinem Leben nichts zu suchen und wird aussortiert. Vorgesetzte kann man sich jedoch nicht aussuchen. Und wenn man von ihrem Geld abhängig ist, kann man sich auch nicht leisten, sich zu wehren wenn man von ihnen schlecht behandelt wird. Da sitzt einem ständig die Angst vor dem Jobverlust im Nacken. Einige meiner früheren Freunde haben im Laufe der Jahre mein Geldproblem erkannt und sich von mir zurückgezogen. Um ehrlich zu sein wissen in meinem jetzigen Umfeld nur noch meine Familie und mein bester Freund (aber er auch nicht alles) davon, weil ich Angst habe, dass sich die Menschen genauso zurückziehen könnten wie meine früheren Freunde.

    @DithRDreamer: Selbstdisziplin ist ein gutes Stichwort. Daran hapert es bei mir leider gewaltig. Ich gebe es offen und ehrlich zu: Es geht mir total auf die Nerven, dass ich seit meinem Auszug von zu Hause so viele Pflichten erledigen muss. Ich habe lange daheim gewohnt und war relativ unselbständig, weil meine Eltern mir (freiwillig) eine Menge abgenommen hatten. Als Schülerin musste ich nur für die Schule was tun, und als Erwachsene war meine oberste Pflicht mein Job. Nur samstags habe ich im Haushalt mitgeholfen, und wenn ich mal keine Zeit oder Lust hatte, war das kein Beinbruch.
    Als ich in der Ausbildung meine beste Freundin kennengelernt hatte, gab es vor allem in der Anfangszeit so einige Auseinandersetzungen mit uns. Ich wollte mich ständig mit ihr treffen, aber sie hatte leider sehr wenig Zeit aufgrund ihrer zahlreichen Verpflichtungen, die sie sich selbst aufgehalst hat. Ich hab´ sie damals kleine dumme Strebertussi und Mamakind genannt. Ihr Pflichtbewusstsein ging mir extrem gegen den Strich und machte sie in meinen Augen zu einer langweiligen, unattraktiven Person. Es hat mich aufgeregt, dass sie jeden Tag in den Unterricht gegangen ist, nie geschwänzt und regelmäßig ihre Hausaufgaben gemacht hat (ich hatte trotzdem viel bessere Noten als sie). Ich war eine Rebellin, sie nicht... und darum war sie meiner Ansicht nach total spießig.
    Heute sind wir immer noch befreundet, und im Berufsleben hatte sie nicht viel mehr Erfolg als ich... (aber schon mehr, muss ich gestehen). Dafür hat sie eine größere Wohnung mit schöneren Möbeln, während ich aufgrund meiner Finanzprobleme in meinem alten Kinderzimmer in einer 1-Zimmer-Bude hause, und sie hat im Gegensatz zu mir einen festen Freund.

    @astrofred: Im Jahr 2009 habe ich oft mit so einer Liste gearbeitet, das hat auch meistens sehr gut funktioniert. Nur damals hatte ich bloß einen Job und studierte noch nicht, inzwischen hab´ ich weitaus mehr Pflichten zu erledigen und muss mich selbst dazu zwingen, die Liste zu schreiben.

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