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Diskutiere im Thema Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 18

    Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hallo liebe Chaoten

    Ich möchte euch meine derzeitige Situation schildern mit der Frage, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

    Ich bin 24 Jahre alt und seit einigen Monaten in ambulanter psychatrischer Behandlung wegen Depressionen und Verdacht auf AD(H)S.
    Derzeit durchlaufe ich die komplette Diagnostik bzgl. AD(H)S, nachdem ich zunächst wegen Depressionen behandelt wurde, aber keine wirkliche Besserung durch die Medikamente aufgetreten ist. Momentan bin ich durch meine Zerfahrenheit und teilweise manischen Züge aus dem Verkehr gezogen und nicht arbeitsfähig.

    Nun der Rückblick. Als Kind war ich Einzelgänger und sehr verträumt. Schwierigkeiten in der Grundschule gab es wenig, bis auf die verträumte Art die ich hatte. Meiner Mutter zufolge war ich immer sehr ruhig und zurückhaltend, konnte mich selbst beschäftigen, auch über einen längeren Zeitraum, war teilweise wie in meiner eigenen Welt zurückgezogen. Freunde hatte ich nur einen mit dem ich mich ab und zu traf. Schwierig waren soweit ich mich erinnere nur die Hausaufgaben. Dafür brauchte ich immer Stunden und es war mit viel Ärger und Konflikten mit meiner Mutter besetzt, da ich keinen Anfang gefunden habe. Da die Noten stimmten sahen meine Eltern aber keine Grund darin mich einem Spezialisten vorzustellen, weiß ich heute.

    Erst mit dem Schulwechsel traten Probleme auf. Ich ging damals auf das Gymnasium, anfangs war alles noch okay, aber als dann die Routine kam und der Unterricht klassischer wurde (Frontalunterricht) habe ich irgendwann blockkiert. Hausaufgaben habe ich so gut wie nie gemacht, zuhause habe ich immer so getan als ob ich was mache, aber in Wirklichkeit habe ich mich immer mit was anderem beschäftigt. In der achten Klasse ging dann garnichts mehr und ich musste die Schule verlassen.
    Auf der Realschule lief es dann anfangs recht gut, irgendwie sind die letzten drei Jahre dann rumgegangen, die Noten passten auch. Ich musste nicht lernen zu Hause, der Lernstoff fiehl mir einfach zu. Hausaufgaben habe ich allemal abgeschrieben, oder Stichpunktartig aufgeschrieben. Wenn ich dann was vorlesen musste, habe ich das als Fließtext formuliert, so bin ich nicht aufgefallen. Bei Hausaufgabenkontrollen habe ich den Klassenraum unauffällig verlassen oder das abgeschriebene, oder Hausaufgaben von anderen vorgelegt.

    Nach der zehnten Klasse wechselte ich an die Erzieherschule. Das Schema wiederholte sich. Anfangs war ich stark motiviert, habe sogar Hausaufgaben gemacht und gute Noten erzielt. Nach einem Jahr verfiehl ich aber wieder in den alten trott. Die Noten blieben jedoch auf einem Mittelmaß. Ich schwänzte häufig den Unterricht. Teilweise zwei Wochen am Stück. Dies fiehl auf, aber bis zu einer Klassenkonferenz ist es nie gekommen. Ich konnte mich mit meinem Charme immer herauswinden und schlimmeres abwenden. Probleme gab es dann mit schriftlichen Ausarbeitungen, die ich zwangsläufig selber anfertigen musste. Ich habe grundsätzlich zu spät abgegeben und alles bis aufs ultimo herausgezögert, so dass ich dann zum Nachtarbeiter wurde. Aber irgendwie hat es dann geklappt.

    Zuhause war es so, dass ich in meinem Chaos versumpft bin, auch zum Leittragen meiner Mutter. Mein Zimmer war ein ewiges Konfliktthema. Ich würde fast behaupten, dass ich Messitendenzen habe. Bis zu meinem Achtzehnten Lebensjahr würde ich mich jedoch nicht als hyperaktiv bezeichnen, eher als hypoaktiv. Mein Kopf ist wie eine Achtspurige Straßenkreuzung ohne Verkehrsregelung, besser kann ich es nicht beschreiben

    Mittlerweile jedoch ist es so, dass ich auch körperlich starke Unruhe habe. Ich bin seit vier Jahren schon im Berufsleben, meine zweite Arbeitsstelle habe ich seit drei Jahren. Anfangs war alles okay, aber seit eineinhalb Jahren spitzen sich die Konflikte zu. Meine Kollegen sind genervt durch mein sprunghaftes Denken, aber vorallem durch meinen starken Bewegungsdrang, vorallem tippeln mit den Beinen und trommeln mit den Fingern. Umherlaufen beim Telefonieren... Trotzdem sagt man mir, dass man mich mag und schätzt. Das klingt sehr konträr für mich. Wie bereits geschrieben bin ich aus diesen Gründen momentan Krankgeschrieben.

    Ist es nicht eher untypisch, dass im "Alter" die Hyperaktivität zunimmt? Ich habe gelesen, dass es eigentlich weniger wird. Hat jemand ähnliche Erfahrungen.
    Ganz egal was ihr antwortet, ich gespannt auf jede Rückmeldung. Sorry, dass ich zwischendurch etwas abgeschweift bin

    Viele liebe Grüße,
    Euer Paddy

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hallo paddy

    ich kenne dein Problem nur zu gut. Obwohl ich schon älter bin leide ich bis heute noch darunter. Auch mir geht es noch immer so, daß ich beim telefonieren herumlaufe, mit den Füßen trommle oder wippe und nur sehr schwer ruhig sitzen kann. Früher habe ich mir deswegen große Sorgen gemacht, fühlte mich als nicht erwachsen, aber heute habe ich es einfach akzeptiert. Ich sage mir, wenn einer meiner Mitmenschen mit diesem Verhalten nicht zurecht kommt ist es sein Problem. Ich habe akzeptiert, daß es so ist.

    Ich denke nicht, daß sich die Hyperaktivität bei jedem im Alter legt. Sie wird höchsten weniger, was aber nicht zuletzt daran liegt, daß wir uns andere Verhaltensmuster antrainieren.

    Während meiner Therapie sollte ich Entspannungsverfahren erlernen. Diese Versuche scheiterte kläglich. Autogenes Training war für mich der reinste Horror. Auch Entspannungsverfahren nach Jakobsen halfen wenig, obwohl man dabei Muskeln anspannen darf. Aber nach 15 Minuten hatte ich immer das Gefühl mein Rücken bricht auseinander. Es traten massive Rückenschmerzen auf, die sich sofort wieder legten sobald ich mich bewegte. Ich habe ethliche Versuche hinter mir. Den Bewegungsdrang und die Anspannungen kann ich nur dadurch einiger Maßen unter Kontrolle halten, wenn ich ihm nachgebe.

    Ich denke mittlerweile gegen diesen Bewegungsdrang kann man nicht angehen, auch wenn es die anderen nervt.
    Der Bewegungsdrang gehört nunmal zu mir, er ist ein Teil von mir.

    Regelmäßiger Sport soll jedoch helfen die Anspannung - und damit den Adrenalinspiegel- abzubauen. Leider scheiterte dieser Versuch bei mir, weil ich es nicht schaffe, es auf Dauer durchzuhalten.

    Deshalb versuche es doch zu akzeptieren, anstelle es mit aller Gewalt abzustellen wollen.

    Liebe Grüße
    Karla

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hallo Karla,

    vielen Dank für deine Antwort und deine Einschätzung.

    So wie es scheint besteht für mich wenig Hoffnung, dass ich ruhiger werde, denn auch bei mir versagen Entspannungsmethoden und für Sport kann ich mich ganz schlecht motivieren. Ich kann die Hyperaktivität für mich ganz gut aushalten, nur im Beruf bekomme ich damit Probleme. Mal sehen wie das noch wird, vielleicht nimmt sie auch von ganz alleine wieder ab, ist ja schließlich auch von alleine gekommen . Momentan pausiere ich ja eh...

    LG,
    Paddy

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Weiß garnicht so recht wie ich das Gefühl beschreiben soll, das sich mir da beim lesen deiner Geschichte bildet. Deine Biografie klingt so ungefähr 1:1 wie bei mir selbst.
    Hab erst vor einigen Wochen meine AD(H)S Diagnose erfahren, und bis vor ein paar Monaten im Leben nie daran gedacht. Zum Vergleich mal ein Abriss meiner Biografie: (sorry, ist arsch-lang geworden, aber für mich war´n so viele Ähnlichkeiten echt erstaunlich - vieleicht geht´s dir ähnlich)
    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    War auch immer sehr verträumt, still, zurückhaltend. Hab mich viel mit mir selbst beschäftigt. Auch eher kontaktscheu gewesen, bis zur Grundschule nur einen Freund gehabt, dort kamen dann zwei, drei dazu. All-in-All aber keine groß auffälligen Probleme, die irgendwen veranlasst hätten, sich besonders Gedanken drüber zu machen. Hausaufgaben waren auch bei mir zu der Zeit schon immer wieder Anlaß für Konflikte, weil schnell abgedriftet bin, mit anderem beschäftigt, vor mich hingeträumt... entsprechend immer ewig gebraucht habe. Und Kopfrechnen traten schon Schwierigkeiten auf, aber wurde (wie später so oft) eher als Unwille denn Unfähigkeit mißverstanden, denn manchmal konnt ich´s ja.
    (der rote-Hass-Spruch-Faden meines Lebens: wenn du nur immer so machen würdest, wie du könntest... AAH!!)

    Dann Gymnasium, anfangs interessiert, neugierig - und sehr bald arg frustriert und gelangweilt. Bis auf "Lieblingsfächer" Kunst & Physik egentlich auf der ganzen Linie leistungs-mäßig immer mehr abgeschmiert. Hausaufgaben spätestens seit 7. konsequent garnicht mehr gemacht, oder wenn - wie du von dir beschreibst - mit so Tricksereien, wie imaginären Text vorzulesen, den man 5 min vorher ausgedacht hat, abschreiben, stichpunkte... irgendwann hatte ich immerhin gewisse Routine, rechtzeitig abzuchecken, für welche Stunden Hausaufgaben vorzueigen sind, und mir dann die Zeit in den vorigen Stunden damit vertrieben, diese Aufgaben zu machen. Laufend irgendwelchen Kram zu Hause vergessen, oder auch gern mal gleich den ganzen Schulranzen, war immer der, der beim Nachbarn mitliest, sich Papier und Stifte oder Taschenrechner ausleihen muss...

    Mein Zimmer... haha. Ja, auch bei mir gab´s deswegen regelmäßig Streit mit Eltern. Ein maßloses Chaos. Hab´s einfach nie geregelt bekommen, irgendeine Ordnung reinzubringen. Oft versucht, paarmal auch wirklich motiviert aufgeräumt. Das frustigste daran, war glaub´ich, daß ich mich danach überhaupt nicht mehr zurechgefunden hab, und nach wenigen Tagen sah´s schon fast wieder genauso aus, wie vorher. Einfach kein funktionierendes System gefunden. Irgendwann aufgegeben, und damit arrangiert, obwohl´s unbequem ist. Manchmal dacht ich mir: Soviele Winkel, in denen sich Papierstapel und Krempel auftürmt, wie bei mir, kann ein Zimmer eigentlich gar nicht haben.

    Die 10. widerholt, und dann gewechselt auf Fachoberschule. Da ist mir alles zugeflogen, war ständig bekifft, und hab nur das Nötigste gemacht, um eben so durchzukommen. War so die besonders clevere Rechnung: Arbeiten, die ich abgebe werden ne Eins - um den Abschluß zu kriegen reicht ne 3,5 - super, brauch ich ja nur die Hälfte machen. Will ich auf Nr.-sicher gehn, kann mir immer noch `n Drittel schenken. Fand dieses ganze Bewertungssystem in der Schule sowieso von vorneherein provokant entwürdigend...

    Dann erstmal Zivi - kann mich bezeichnender Weise nur sehr verschwommen an die Zeit erinnern, und dann fing auch schon bald der Terror an: Jung, "irgendwas musst du ja machen" und "wie stellst du dir das vor?" Tja, ich hatte keinen Plan. Wußte bloß, ich male und zeichne gern. Hätte eigentlich am liebsten Kunst studiert, aber das hab ich mir nicht zugetraut, (Studium per se) seitens Eltern herrschte auch der Tenor: Mach erstmal ne Ausbildung, damit bist auf der "sicheren Seite", verdienst Geld - studieren kannst ja dann immer noch. Und mir ansonsten auch von Studium (wohl nicht ganz unberechtigt) eher abgeraten, von wegen Eigenmotivation und selbsständig Lernen...

    Tja, dann bin ich so vom Zivi relativ unmotiviert in die Krankenpflege-Ausbildung geschlittert.
    War dann aber erstmal doch ganz happy, den Berufswahl-Stress hinter mir zuhaben, und hab mir vorgenommen: Diesmal richtig, Neuanfang, keinen halben Kram und so...

    Ging erstes Jahr auch ganz gut, wurde überaus motiviert und einer der beiden Kursbesten.
    Dann wurd´s mir öde, alles zu leicht, zu oberflächlich - und eigentlich interessierte es mich im Grunde sowieso nicht wirklich - der Stationsalltag war todlangweilig, und mit dem Volk, was da unterwegs war, konnt ich größtenteils auch nix anfangen. Und bald war ich wieder bei meiner vorigen Gewohnheit: Nur das allernötigste, wozu kaum was nötig war- viel Schule geschwänzt, immer zu spät...Prüfung gelangweilt runtergerissen, und das war´s. Klar, daß ich als Einziger vom Kurs, auch wenn bis zuletzt immer noch mit hervorragendem Wissen in der Schule überraschen konnte (obwohl ja nur noch selten da war) nicht übernommen wurde. Es hatte zwischenzeitlich auch paar Gespräche mit der Pflegedienstleitung gegeben, in denen mich auch immer irgendwie geschickt herauswinden konnte. Aber letztlich hieß, es wäre insgesamt nicht das, was man sich vorgestellt habe - das konnt ich dann eigentlich auch nur so erwiedern!

    Danach 5 Jahre Nachtdienste im Pflegeheim geschoben, bis ich richtig depressiv wurde, und den Job geschmissen hab.
    Es folgte noch ne kleine Eskapade in nervenzehrender Beziehung, und nachdem mir das auch nicht mehr gebracht hat, als noch `ne handfeste, kleine Traumatisierung, bin ich dann endlich mal zum Therapeuten. Da hat sich dann kürzlich der ADHS- Verdacht bestätigt.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Also von wegen ähnliche Erfahrungen: Kommt mir irgendwie Vieles sehr bekannt vor!
    Was speziell die motorische Unruhe angeht, ist bei mir auch über die Jahre eher ausgeprägter geworden. Aktuell ist mir ein Mischtypus diagnostiziert worden.
    Als Kind und Jugendlicher war ich dagegen insgesamt auch eher körperlich träge, das hibbeln der Beine und tippeln mit Füßen oder Fingern, trat allerdings auch da schon auf.

    Hab bei mir den Eindruck, daß mir ziemlich früh angewöhnt habe, ein Großteil meiner Impulse zu unterdrücken - was aber umso mehr innere Unruhe verschafft, sozusagen die 8-spurige Straßenkreutzung weiter ausbaut. Dabei hab ich in letzten Jahren die Erfahrung gemacht, daß diesbezüglich vergleichsweise entspannend sein kann, dem Bewegungsdrang, soweit problemlos möglich, ruhig mal mehr nachzugeben. Auch wenn´s total entgegen meine Gewohnheit geht, und mir ein Wenig fremd dabei vorkomme.

    Nachdem die Diagnose bei mir jetzt soweit möglich als gesichert gilt, versprech ich mir im Rahmen der gerade beginnenden Therapie natürlich einiges davon, die richtige medikamentöse Einstellung zu finden.

    Öhm, will ja keine Ängste schüren, aber - wenn´s tatsächlich ADHS ist, könnt der Ansatz "von allein gekommen, wird schon von alleine wieder weggehn" echt fatale Zeitverschwendung sein! Wenn ich nicht grad völlig schief gewickelt bin, ist die Wahrscheinlichkeit, daß ADHS "verschwindet" bestenfalls verschwindend gering, falls man nicht eher gleich von "vergiß-es" sprechen sollte...
    Geändert von wirrɟdoʞ ( 1.10.2011 um 04:57 Uhr)

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 806

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hi Paddy

    ich kann mich da nur anschliessen, ist mir ganz ähnlich ergangen ... bin auch ein mischtyp.

    wirrɟdoʞ schreibt:
    Was speziell die motorische Unruhe angeht, ist bei mir auch über die Jahre eher ausgeprägter geworden. Aktuell ist mir ein Mischtypus diagnostiziert worden.
    Als Kind und Jugendlicher war ich dagegen insgesamt auch eher körperlich träge, das hibbeln der Beine und tippeln mit Füßen oder Fingern, trat allerdings auch da schon auf.

    Hab bei mir den Eindruck, daß mir ziemlich früh angewöhnt habe, ein Großteil meiner Impulse zu unterdrücken - was aber umso mehr innere Unruhe verschafft, sozusagen die 8-spurige Straßenkreutzung weiter ausbaut. Dabei hab ich in letzten Jahren die Erfahrung gemacht, daß diesbezüglich vergleichsweise entspannend sein kann, dem Bewegungsdrang, soweit problemlos möglich, ruhig mal mehr nachzugeben. Auch wenn´s total entgegen meine Gewohnheit geht, und mir ein Wenig fremd dabei vorkomme.
    als mädchen ist man - aufgrund der aufoktruierten geschlechterrolle - halt noch viel unpassender wenn man hyperaktiv ist ... die impulsivität (kreisch- und trotzanfälle) wurde bei mir, wie auch weinerlichkeit und übergrosse scheu, schon mit drei jahren kritisiert ...

    ich habe in der schule sehr viel geträumt, was auch in meinen zeugnissen entsprechend vermerkt ist. allerdings glaube ich, dass der hyperaktive teil in mir auch deswegen nicht so auffällig war, weil ich mich da meist eher "feinmotorisch" betätigt habe (zettelchen falten, spielen mit allem möglichen, später fingernägel kauen ... kritzeln, briefchen schreiben natürlich auch). klar hatte ich da auch ausraster, die allen auf die nerven gegangen sind, aber niemand ist auf die idee gekommen, mich deswegen abzuklären (es lag ja an meinem willen, mich zu beherrschen, nicht an meinen fähigkeiten).

    zu hause aber konnte ich diese seite dann voll ausleben. ich bin sehr frei "erzogen" worden, in einem chaotischen ADHS-elternhaus aufgewachsen, auf dem land ... da war es einfach normal, dass ich (statt hausaufgaben machen, drinnen mit puppen spielen und ähnlichem) ständig draussen war, mit rumrennen, bäume besteigen, bandenkämpfen mit nachbarskindern etc. ... bei diesen wilden spielen war ich jedoch, im vergleich zu anderen kindern, eher zahm und habe genau darunter gelitten. ich wäre gerne noch viiiiiel wilder und wagemutiger gewesen, traute mich aber so manches nicht. mangelndes selbstvertrauen und der standardspruch "ich kann das nicht!" haben mich da immer gehemmt ... wurde auch viel gehänselt deswegen, und weil ich immer gleich ausrastete fanden die anderen das natürlich besonders toll!

    meine ausgesprochene hibbeligkeit, die ich ja in gewisser weise schon immer hatte, fällt eigentlich erst jetzt so krass auf. ich denke das hängt damit zusammen, dass mir die tagträume im zuge meiner depri-krise irgendwie abhanden gekommen sind. während dieser phase habe ich ja ständig nur gegrübelt, das träumen war nur noch negativ besetzt, und das ist auf dauer unaushaltbar. so habe ich mir halt andere kompensationstechniken gesucht, vermutlich. ist zumindest meine erklärung der sache.

    lg
    L

    p.s.: die gängige definition von hyperaktivität finde ich persönlich sowieso ziemlich einseitig, und zwar weil sie sich ausschliesslich auf motorische aktivität beschränkt. aus meiner sicht ist jedoch das träumen ebenso hyperaktiv, nur halt eben innerlich. eine hyperaktivität der gedanken, quasi
    Geändert von Lineli ( 1.10.2011 um 10:05 Uhr) Grund: p.s.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Ich reihe mich mal ein

    Lineli schreibt:
    meine ausgesprochene hibbeligkeit, die ich ja in gewisser weise schon immer hatte, fällt eigentlich erst jetzt so krass auf. ich denke das hängt damit zusammen, dass mir die tagträume im zuge meiner depri-krise irgendwie abhanden gekommen sind. während dieser phase habe ich ja ständig nur gegrübelt, das träumen war nur noch negativ besetzt, und das ist auf dauer unaushaltbar. so habe ich mir halt andere kompensationstechniken gesucht, vermutlich. ist zumindest meine erklärung der sache.
    Wirklich interessant! So könnte das auch bei mir der Fall sein...

    Bisher habe ich es mir immer so erklärt, dass ich durch den Auszug aus dem Elternhaus nicht mehr unter ständiger Kontrolle war und mich so mehr "entfalten" konnte.
    Wenn man mit dem Bein wackelt und dann gleich von den Eltern zu hören bekommt: "Lass das, du machst mich ganz nervös!" dann versucht man sich eben zu beherrschen.
    Denn sonst hieß es schnell: "Du bist wohl nicht ausgelastet, putz mal das Bad"^^
    Ich bin ja nicht blöd.... Habe auch schon als Kind vorgetäuscht ich würde schlafen, denn wenn ich gejammert habe, dass ich nicht einschlafen kann, gab es gleich Fernsehverbot.

    Seit ich MPH bekomme ist die motorische Unruhe aber extrem zurückgegangen. Das ist wirklich toll!
    Ich frage mich aber was der Unterschied zwischen motorischer Unruhe und Hyperaktivität ist. Denn trotz mit den Beinen wackeln, mit den Fingern trommeln, mit der Maus wild rumklicken, und ständigem am Bart/Kopf kratzen, würde ich mich immer noch als hypoaktiv beschreiben: Ständig müde und schlapp, ohne mich ausruhen und entspannen zu können, mache den ganzen Tag "nix" und bin trotzdem ko.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 806

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hi Evermind

    Evermind schreibt:
    Denn trotz mit den Beinen wackeln, mit den Fingern trommeln, mit der Maus wild rumklicken, und ständigem am Bart/Kopf kratzen, würde ich mich immer noch als hypoaktiv beschreiben: Ständig müde und schlapp, ohne mich ausruhen und entspannen zu können, mache den ganzen Tag "nix" und bin trotzdem ko.
    schwer zu sagen, aber depris machen eben auch schlapp, denke ich. ich habe ja auch den ganzen tag nur rumgehangen, mit den beinen gewackelt und meine finger abgefressen, bis ich auf die idee kam, mich z.b. auf laaaangen spaziergängen (eher im stil von walking, die mit den stöcken überhole ich immer ) abzureagieren. gartenarbeit oder ähnliches eignet sich übrigens auch ganz gut auf jeden fall hilft mir bewegung, im kopf klarer zu werden! wie auch immer, sobald ich mich konzentrieren muss, fange ich an zu zappeln, und ich denke schon, dass dies so eine art von hyperaktivität ist. und ja, mit mph wird man schon ruhiger: bei mir ist das so, als würde "jemand" die motorbremse einschalten. plötzlich ein gefühltes 1/100 an geschwindigkeit, und zwar sowohl physisch als auch mit den gedanken.

    lg
    L

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hallo,
    ich kan dich trösten mit dem Problem stehst du nicht allein da das Problem habe ich auch .
    Derzeit bin ich verträumt und Hibbelig mit innere Unruhe die echt immer schlimmer wurde als ich meine Ausbildung angefangen habe.
    Leider ist das auch echt Mein Problem bei der Ergo mich dann nicht nur auf die Behandlung zu konzentieren sondern auch noch still zu bleiben ohne auszurasten : (
    Hoffendlich verstehen das deine Kollegen und stehen dir bei und versuchen dir zu helfen .
    Ich muss sagen sie wissen zwar das ich ADHS habe aber sie wissen nicht mit mir so recht umzugehen ...sind aber echt nett und bleiben ruhig selbst wenn ich die unruhe reinbringe . ich hoffe das bald die Medikamente wirken und es besser wird : )

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 237

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hallo Paddy,

    viele deiner Probleme kann ich nachvollziehen, allerdings habe ich Hyperaktivität.

    In der Grundschule konnte ich nur schwer still sitzen und auch das Ritalin hat nichts gebracht. Zudem fiel es mir auch immer schwerer, mich zu motivieren.

    Eine neue Sache anzufangen, ist für mich kein Problem. Das Problem kommt erst dann, wenn ich diese Sache bereits über längere Zeit gemacht habe, und zur Routine wird. Dann kann es sein, daß ich die Sache zumindest auf Eis lege und längere Zeit nicht mehr mache.

    Mit den Gedanken schweife ich auch gerne ab, aber da habe ich so meine Methoden die Gedanken wieder einzufangen.

    Jetzt weiß ich nicht, wie das bei Dir aussieht. Gegen meine innere Unruhe befinde ich mich in Behandlung. Ich gehe alle 14 Tage zur Vitametik. Diese hat mir schon sehr weitergeholfen, und ich bin um vieles ruhiger.

    Ich wünsche Dir Glück und Kraft


    viele Grüße


    Astrofred

  10. #10
    Ehem. Mitglied

    Gast

    AW: Der Wandel vom Träumerchen zum Zappelphilipp

    Hallo Paddy,

    ich habe das Gefühl, dass es bei mir auch so ist.
    Ich hatte zwar einige Freunde als Kind (wobei ich da auch nie so ganz dazu gehört hab, die verschriene Pfarrerstochter eben) aber war auch viel in meiner Traumwelt, das schlug sich auch in Grundschulzeugnissen nieder...
    In den Kindergarten wollte ich nicht mehr, bzw war häufig krank meinte meine Mutti, und da sie eh zu Hause war, war ich dann nur selten mal im Kindergarten. hm.

    Aufm Gymnasium fing das dann auch an, sich zu verschlimmern mit vergessenen Hausaufgaben und Arbeitsmitteln.... und es traten dann immer mehr hyperaktive Symptome auf, ich bin z.B. oft aus dem Klassenzimmer raus gegangen, saß dann kurz im Bad rum oder bin durchs Schulhaus gelaufen... ^^
    hab sehr viel gequasselt im Unterricht...

    und das mit dem hibbelig sein und nicht still sitzen können und irgendwie tollpatschig sein und ständig leute mit ausrufen erschrecke, weil ich was verloren/vergessen hab oder nur denke ich hätte was verloren...
    ja, das scheint sich zu häufen und immer schlimmer zu werden.

    bei mir wurde vor ca. einem Jahr Mischtyp festgestellt, mein Bruder war als Kind eher der hyperaktive und ist jetz Mischtyp, ich war eher Träumerin und bin jetzt Mischtyp...

    ich glaube es ist also möglich, dass sich das verändert.

    Ist nur irgendwie beunruhigend, wenn sich alles zu verschlimmern scheint...

    und man das gefühl hat, über die 8spurige Kreuzung wird neuerdings noch ne Autobahnbrücke gebaut

    oder kommt uns das nur so vor, weil im berufsleben und wenn man erwachsen ist, allein wohnt, seinen scheiß allein komplett regeln muss, das einfach mehr auffällt?? weil es jetzt wirklich existentiell drauf ankommt, zu funktionieren?

    wenn ich mir meine eltern angucke, meine mom ist 62 und mit extremem rededrang und auch nur am rumwuseln... (sie braucht mind. ne halbe stunde, bis sie startklar ist für nen kurzen spaziergang, weil "ich muss nur noch schnell" und "wo hab ich denn jetzt" und "ach wollen wir da gleich noch" und "bin sofort da") und mein papa ist 61 und mega motorisch unterwegs, der kann absolut nicht stillsitzen, er hat schon so ne art nervöse tics und kann kaum nen kompletten spielfilm durchgucken (ich übrigens auch nicht) und ist leicht reizbar und auch wahnsinnig zerstreut.

    die beide sind für mich die besten beispiele, dass sich das mit dem alter definitiv nicht legen muss. ;-)
    ich glaube, die meisten adhs menschen setzen sich einfach damit auseinander und müssen ja wohl oder übel und wollen auch lösungen finden, das ding auszutricksen bzw. damit trotzdem ganz gut zu leben.
    demzufolge haben sie sich irgendwann damit abgefunden, vielleicht nervt es auch ab und zu (vorallem den ehepartner..) aber es werden andere dinge wichtiger, sodass man das ganze nicht mehr als so eine riesige belastung sieht wie jemand, der dabei ist, seine junge karriere dadurch zu versauen und den es entsprechend mehr belastet.

    Viele Grüße,
    syl

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