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Diskutiere im Thema Tagesablauf strukturieren - wie? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 46

    Tagesablauf strukturieren - wie?

    Juhu,

    ich habe erst in 3 Monaten einen Termin wegen einer ADS- Testung. Auch wenn damit noch keine Diagnose feststeht, würde ich gern schon mal was an meinem chaotischen Tagesablauf ändern. Irgendwie lebe ich so strukturlos durch den Tag und habe abends nicht das Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben. Vieles bleibt liegen, auch verschiebe ich gerne Sachen von heute auf morgen, und dann geraten sie vollends in Vergessenheit


    Ich hatte auch schon mehrfach versucht, mir Tages- und Wochenpläne aufzustellen, aber irgendwie waren die alle zu ehrgeizig und umfangreich, so dass ich die nicht erfüllen konnte, mich schnell nicht mehr daran gehalten habe und danach noch frustrierter war.


    Habt Ihr irgendwelche Tipps, Grundsätze, wie Ihr Euern Alltag als ADSler besser auf die Reihe kriegt?

    LG
    Rapunzel

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 24

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    Fang mit kleinen Schritten an.

    Z.B. morgenliches BEWUSSTES Ritual.

    Aufstehen, Kaffekochen etc etc.

    Je mehr organisation du dir antrainierst, desto einfacher wird der Tagesablauf.

    Bei mir jedenfalls.

    Wie sehr mir die mittlerweile unbewussten Rituale bei meinem Tagesablauf helfen merke ich daran, wenn er sich mal aus irgendwelchen Gruenden aendert, wie zum Beispiel; Handwerker kommt bevor ich zur Arbeit gehe. Dann ist der ganze Tag fuer mich gelaufen.

    Versuche nicht dein ganzes Leben von heute auf morgen komplett durch zu organisieren. Das wird nix.

    Die Kleinigkeiten machen mir das Leben einfacher.

    Rechnungen/banking mach ich IMMER einen Tag nachdem mein Gehalt auf's Konto eingeht. Wenn ich es aus irgendwelchen Gruenden mal nicht mache, mach ich's gar nicht.

    Ich arbeite seit Jahren dran und bin noch lange nicht da wo ich sein will. Aber es wird immer besser.

    "Kleine Schritte" ist fuer mich die Zauberformel.

    LG
    Ela

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 59

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    So geht es mir leider auch. Rechnungen, Mahnungen...erst zur allerletzten Frist krieg ich meinen Hintern hoch und unternehme was.
    Telefongespräche führen, selbst wenn sie wichtig sind, ist ein Horror. Meist warte ich darauf, dass sich jemand bei mir meldet.

    Zum Thema Haushalt: Ich weiß genau was zu machen ist, aber ich sag mir meist: mach ich später...oder ich bekomme es nicht geregelt, mit was ich über haupt anfangen soll und schieb es wieder auf...

    Ich habe gemerkt, dass ich mir damit noch mehr Druck mache, weil es zeitlich meist nicht mehr hinhaut, alles erledigt zu bekommen.

    Listen haben mir bisher auch nichts gebracht. Was an einem Tag nicht erledigt wurde, wurde auf den nächsten geschoben, und von dort auf den übernächsten...

    Leider weiß ich auch nicht, wie ich etwas ändern könnte.

    Was wollte ich eigentlich sagen?? Ach ja, eigentlich nur, dass du mit dem Problem nicht allein dastehst.

    LG

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 46

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    Sandy79 schreibt:
    .

    Was wollte ich eigentlich sagen?? Ach ja, eigentlich nur, dass du mit dem Problem nicht allein dastehst.

    LG

    Juhu,

    muß jetzt sehr schmunzeln - das geht mir auch oft in Gesprächen so, das ich vergesse, worauf ich eigentlich hinaus wollte.


    Ja, mir geht es auch so, das eine unvorhergesehene Änderung im Tagesablauf für mich eine kleine Katastrophe darstellt. Ich fühle mich dann wie aus der Bahn geworfen, oft auch überfordert und kriege andere Sachen nicht mehr auf die Reihe. Dann muß ich mir immer anhören, ich sei nicht belastbar. Stimmt auch- nur wie soll ich es ändern.


    Gutes Beispiel ist diese Wochenende: Da müssen wir kurzerhand am Samstag zu einer Beerdigung 400km weit Richtung Süden fahren. Dafür aber ein Konzert, zu dem wir mit Freunden hinwollten ausfallen lassen. Ach, und da wir schon mal unten bei der Verwandtschaft sind wegen der Beerdigung, können wir gleich noch mal 1 Stunde weiter zu dem Cousin um die Ecke fahren am Sonntag, weil der ja seinen 40. Geburtstag feiert.Letzteres war eigentlich gar nicht geplant, sondern hat mein Mann so spontan mit seinem Bruder entschieden..

    Ich habe eigentlich nix auszustehen. Der Verstorbene tut mir leid, dass er aus dem Leben geschieden ist, stand mir aber emotional nicht so nahe. Und klar geht man aus Respekt vor dem Toten zu der Beerdigung des angeheirateten Onkels. Auch der Cousin, der 40 wird, ist ein netter Kerl.

    Nur war das bis vor einigen Tagen so alles noch nicht peplant, und außerdem werde ich vom Wochenendablauf von meinem Mann vor vollendete Tatsachen gestellt.
    Das ärgert mich tierisch, und meine Laune ist seit Samstag schlecht. Ich fühle mich auch überrumpelt und bevormundet. Und muß mir wieder mal anhören, ich sei nicht belastbar.


    Kennt Ihr ähnliche Situationen? Sorry, dass ich hier so ausführlich wurde, mußte nur mal Dampf ablassen.

    LG

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 32

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    irgendwie kommt mir das alles mehr als bekannt vor.....vor allem diese blöde *Aufschieberitis *

    LG

    Bonga

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    hallo rapunzel

    bin auch dran - ratgeber um ratgeber gelesen (obwohl in einem der hinweis auf adhs kam) -
    mit adhs muss man sich dem ganzen "anders" stellen
    - in der theorie, weiss ich, wie es zu funktionieren hätte - aber praktisch umsetzen?!?
    - lies dich hier mal im forum durch - habe für mich schon viele gute tipps bekommen (die eieruhr finde ich super)

    bei mir sind es verschiede dinge, mit denen ich es mir schwer mache.
    - motivation / anfangen / belohnung
    - wenn ich anfange: dran bleiben / nacheinander abarbeiten / nicht zu perfekt
    - nicht verkomplizieren: einfach halten (z.b. eine grundordnung / nicht im chaos eine ecke bis in jedes detail perfekt)
    - struktur, ich habe gemerkt, dass ich je mehr struktur von aussen kommt (schulstunden kinder / arbeitszeiten job), es mir
    besser geht.
    - zeit, ich habe ein sehr schlechtes zeitgefühl - ich kann sie mir schlecht einteilen oder ich vergesse sie ganz.
    - wichtigkeit: prioritäten setzen... ??.... irgendwie ist alles wichtig oder gleich unwichtig?

    leider habe ich noch keinen weg gefunden eine gewisse kontinuität in meinem alltag zu finden - dafür bin ich flexibel ;-)

    betrf. flexibel: wochenende verplant - ich habe früher solche sachen mit links mitgemacht - mal spontan da hin, dann spontan ausgeholfen (bis zur arbeit auf abruf)
    - das musste ich stoppen, da es soweit ging - dass ich nur noch reagierte und nicht mehr selbstständig agierte. heute sage ich häufiger mal nein, wie soll ich auch meinen tag
    planen können wenn ich immer nur für andere dinge erledige? - klar, eine beerdigung ist sicherlich nicht planbar - für sowas muss platz sein. - aber ich kann dich verstehen.

    lg smile
    Geändert von Smile (16.08.2011 um 12:51 Uhr)

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 46

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    Smile schreibt:
    hallo rapunzel



    bei mir sind es verschiede dinge, mit denen ich es mir schwer mache.
    - motivation / anfangen / belohnung
    - wenn ich anfange: dran bleiben / nacheinander abarbeiten / nicht zu perfekt
    - nicht verkomplizieren: einfach halten (z.b. eine grundordnung / nicht im chaos eine ecke bis in jedes detail perfekt)
    - struktur, ich habe gemerkt, dass ich je mehr struktur von aussen kommt (schulstunden kinder / arbeitszeiten job), es mir
    besser geht.
    - zeit, ich habe ein sehr schlechtes zeitgefühl - ich kann sie mir schlecht einteilen oder ich vergesse sie ganz.
    - wichtigkeit: prioritäten setzen... ??.... irgendwie ist alles wichtig oder gleich unwichtig?



    lg smile

    Hallo smile,

    ja, genau das sind auch meine Baustellen.

    Ich tue mich schwer damit überhaupt erst anzufangen. Und wenn ich dann anfange, soll es auch perfekt sein, so dass ich zwar eine Sache sehr ordentlich erledigt habe, für die anderen Sachen aber keine Zeit mehr bleibt. Dann bin ich wieder frustriert, nicht alles geschafft zu haben.

    Mir geht es auch so, dass wenn ich von außen zeitlichen Druck bekomme, ich irgendwie mehr schaffe, als wenn ich den ganzen Tag frei habe und entsprechend viel Zeit und Spielraum habe, Dinge zu erledigen. Im Grunde genommen ist es so, dass je mehr freie Zeit ich haben, desto weniger schaffe ich auch. Eigentlich paradox.

    Mein Zeitgefühl ist auch sehr schlecht- ich schiebe Dinge ja immer gern auf (mache ich heute abend bzw. morgen etc.) und stelle dann regelmäßig fest, dass die Zeit knapp wird. Dann gerate ich wieder in Streß, der Puls rast, und ich nehme mir fest vor, beim nächsten Mal früher anzufangen. Leider bleibt es bei diesem Vorsatz..... .


    LG
    Rapunzel

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    Mir hat das Flylady-Prinzip sehr geholfen bzw. es hilft mir immer noch sehr. Einfach mal bei Google Flylady eingeben, dann kommst du zu der Homepage. Das ist dort alles kostenlos, allerdings auf englisch.

    Ich habe in einem anderen Thread schonmal was geschrieben, wie ich das mit dem Anfangen etc. mache. Ich kopiere es mal:

    Was mir hilft:

    1. Ich schreibe mir alles auf, was erledigt werden muss. Sehr detailliert und wenn möglich schreibe ich mir hinter jede Aufgabe, wie lange ich wohl dafür brauchen werde.

    2. Ich überlege mir, was mir am wichtigsten ist. Was muss unbedingt dringend erledigt werden und was hat noch etwas Zeit? Wenn du dabei Probleme hast, dann frag einen Freund oder in der Arbeit einen Kollegen. Ich gehe ab und an meine Pläne mit anderen durch. Hilfreich ist auch die Frage: Was würde passieren, wenn ich X nicht sofort mache? Was passiert, wenn ich X überhaupt nicht mache?
    Bei diesem Schritt ist es auch wichtig, sich zu überlegen, was man selber will und was andere von einem wollen. Ich habe einige Dinge aus meinen Plänen gestrichen, weil ich gemerkt habe, dass ich das eigentlich gar nicht machen will, sondern dass ich damit nur Erwarten erfülle würde, die andere an mich stellen. Ich selber bleibe dabei auf der Strecke.

    3. Ich nehme drei Blätter. Die beschrifte ich jeweils mit "Kurzfristiges", "Mittelfristiges", "Langfristiges". Die Aufgaben, die ich machen möchte, schreiben ich dann nach den gesetzten Prioritäten da rein.

    4. Ich unterteile die Aufgaben in möglichst kurze Zeitintervalle. Wichtig ist: Der Zeitablauf darf nicht zu lange sein. Die einzelnen Aufgaben sollten in möglichst kurze Zeitintervalle unterteilt werden.
    Ein Mensch mit ADHS ist "zeitblind". D.h. je länger die Konsequenz bzw. die Motivation hinter dem Ereignis stehen, desto schwächer wirkt sie. Das ist schon bei normalen Menschen so, bei ADHSlern ist das um einiges verstärkt. Wenn ich z.B. den ganzen Tag Zeit habe, die Küche aufzuräumen, weil der Mann meiner Träume abends zum essen vorbeikommt, dann könnt ihr sicher sein, dass ich meinen Hintern erst gegen Nachmittag hochkriege. Vorher denke ich immer, ochja, ich habe ja noch genügend Zeit, das mache ich später... Die Konsequenz wird mir erst dann bewusst, wenn sie greifbar ist. Genauso ist es mit der Motivation auch.

    Dazu kommt noch die Tatsache, dass es mir unglaublich schwer fällt, solche "Großprojekte" in Angriff zu nehmen. Beim Küche aufräumen, weiß ich oft nicht, wo ich anfangen soll. Und daher fällt es mir auch schwer anzufangen, weil es mir zu kompliziert ist. Ich sehe nur einen riesengroßen Berg. Und ich bin schon oft genug an diesen Bergen in meinem Leben gescheitert.
    Daher ist es wichtig, dass ich diesen Berg in Kleinstschritte unterteile. Z.B. räume ich erstmal den Tisch ab. Um mir die Hürde des Anfangens so gering wie möglich zu machen, stelle ich mir eine Eieruhr auf 5 Minuten und sage mir, dass ich jetzt diese 5 Minuten den Tisch abräume. Das ist eine überschaubare Zeit und 5 Minuten sind nicht viel. Die Aufgabe ist klar definiert und innerhalb des Zeitraums zu schaffen. Wenn der Tisch dann frei ist, fühle ich mich gut, weil ich immerhin DAS geschafft habe. Meine Motivation stellt sich langsam ein.
    Sorry, ich habe noch nichts gefunden, um mich fürs Putzen zu motivieren. Wie ich es drehe und wende, ich finde es ätzend.

    Außerdem schaffe ich es, mich innerhalb dieses kurzen Zeitraums nur auf diese eine Sache zu konzentrieren. Bei längeren Zeiträumen fällt mir das schwer und dann fange ich tausend Dinge an und bringe nichts zuende.

    Wenn ich erstmal eine Sache hinbekomme habe, fühle ich mich nicht mehr ganz so schlecht. Und das motiviert mich dann, weiter zu machen. Ich habe was geschafft und ich will noch mehr schaffen!


    Um meine zu erledigenden Aufgaben in Angriff zu nehmen, habe ich zwei unterschiedliche Vorgehensweisen:

    a) Ich erstelle mir einen Tagesplan. Wichtig: Pausen einplanen, lange Pausen. Und Pufferzeiten.

    b) Ich entscheide spontan, was ich mache. Einzige Regel: Ich muss hauptsächlich Aufgaben aus dem dem "Kurzfristigen" Blatt erledigen. Ich darf aber auch Aufgaben von den anderen Zettel machen, wenn mir gerade danach ist.

    Weiter ist für mich der gekonnte Umgang mit negativen Gedanken wichtig. Diese kommen bei mir immer wieder. Die Stimmen, die mir sagen, dass ich eh nix auf die Reihe kriege, dass ich mal wieder viel zu spät dran bin, dass ich nie was durchhalte, der ewige Versager bin, etc. Die werden immer wieder kommen und sie sind wichtig. Sie halten mich in der Spur und bewahren mich vorm Größenwahn. Wenn ich ihnen allerdings zuviel Macht über mich und mein Leben gebe, befinde ich mich auf dem besten Weg in eine Depression.

    Daher habe ich auch positive Gedanken etabliert. Anfangs habe ich sie mir aufgeschrieben, damit ich sie nicht vergesse. Ich habe nette Briefe und Postkarten, Zeitungsartikel etc. aufgehoben, in denen was positives zu mir steht. Wenn mir mal wieder der Gedanke ans Aufgeben kommt udn mir jegliche Kraft zum Weitermachen fehlt und mich die negative Stimme (du schaffst es nicht, du hälst nie was durch...) in meinem Kopf quält, dann hole ich eine Sache raus, die ich schon geschafft habe. Bei einem schwierigen Fall im Büro ist es die Dankesmail einer Kundin, bei der ich einen schwieirgen Fall gelöst habe. Ich habe es also schon geschafft, ich kann es also wieder schaffen! Mittlerweile brauche ich kaum noch Briefe und Postkarten. Die positiven Erlebnisse kann ich bei Bedarf abrufen. Es gelingt mir nicht immer gleich gut. Und es ist schwer. Aber es ist machbar und es ist ein verdammt tolles Gefühl, wenn man stolz auf sich selber ist und sein kann!

    Für mich kommt die Motivation daher direkt aus der Erledigung der Sache. Wenn ich ein Großprojekt abgeschlossen habe, dann gönne ich mir dafür ab und an was. Ein neues Buch, ein Hörspiel, etc. Aber mir persönlich sind diese Belohnungen viel zu weit weg von der Sache als dass sie für mich wirklich als Belohnung wirken könnten.

    Außerdem erlaube ich mir bewusst schlechte Tage. Jeder hat sie. Sie sind kein Weltuntergang. Und ja, ich darf mich manchmal absolut besch.... fühlen und böse auf die ganze Welt sein. Und an solchen Tagen ist es erlaubt, dass ich wenig hinbekomme. Was ich mir selber nicht erlaube, ist, dass ich an solchen Tagen nichts hinbekomme. Ich brauche am Tag mindestens eine Sache, die ihc geschafft habe. Und wenn ich nur fünf Minuten den Müll runtergebracht habe. Das ist wichtig für meine Achtung vor mir selber.


    Diese Vorgehensweise ist sicher nicht für jeden geeignet. Manches kann man abwandeln und so gestalten, dass es für einen selber passt. Mir hilft das so. Es ist mein ganz persönlicher Weg, der zwar etwas holprig ist, aber der auch ziemlich sonnig und im Grünen ist und er bringt mich ans Ziel.

    Außerdem habe ich für einige Dinge mittlerweile feste Tage bzw. Tageszeiten geschaffen. Mittwochs oder Donnerstags (je nachdem wie meine Freizeitgestaltung es zulässt) wasche ich die Wäsche und am Wochenende wird sie gebügelt und eingeräumt. Dann habe ich noch eine Morgenroutine und eine Abendroutine. Das hilft mir schon sehr, Struktur in meinen Alltag zu bekommen und nicht im Chaos unterzugehen.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    Rapunzel123 schreibt:
    Mir geht es auch so, dass wenn ich von außen zeitlichen Druck bekomme, ich irgendwie mehr schaffe, als wenn ich den ganzen Tag frei habe und entsprechend viel Zeit und Spielraum habe, Dinge zu erledigen. Im Grunde genommen ist es so, dass je mehr freie Zeit ich haben, desto weniger schaffe ich auch. Eigentlich paradox.
    So paradox ist das gar nicht. Ich habe genau dasselbe Problem: je mehr Zeit ich habe, desto weniger kriege ich auf die Reihe. Klar, weil ich dann auch Zeit für eine ganze Menge anderer Sachen habe, das Wichtige wird verschoben, denn der Tag ist ja noch lang... Ich schaffe es immer wieder, an einem Tag, an dem ich eigentlich nichts anderes vorhabe, überhaupt nicht zu lernen (oder um das schlechte Gewissen zu beruhigen, eine Stunde vorm Zu-Bett-Gehen), während ich an Tagen, an denen ich Mittag auf Arbeit sein muss, vorher noch zwei Stunden zum Lernen komme.

    Die letzten drei Wochen, hatte ich auf Anraten meiner Verhaltenstherapeutin auch mit Wochenplänen gearbeitet, und muss sagen, dass es mir tatsächlich geholfen hat. Wichtig ist aber, dass man sich nicht zuviel vornimmt, oder zu sehr durchplant. Sonst ist das Scheitern vorprogrammiert und anschließend ist man noch frustrierter und fühlt sich immer mehr als Versager. Das Ganze darf auch nicht in zwanghaftes Verhalten ausarten, denn das hat mit strukturiertem Verhalten auch nichts zu tun (wenn ich nicht alles mache wie geplant, bricht Chaos aus...). Außerdem sollte man den Wochenplan eher als Rahmen benutzen, als Strukturgerüst, damit noch genügend Raum für Flexibiltät bleibt. Und dass auch mal etwas dazwischen kommen kann und der Plan dann umgeworfen werden muss, plant man besser auch gleich mit ein, damit man anschließend nicht wieder in Selbstvorwürfen versinkt.

    Auch ist es hilfreich, wenn man sich aufschreibt, was man am nächsten Tag erledigen will oder muss. Was man auf jeden Fall vermeiden sollte, ist Unverbindlickeit. Dann passiert meist gar nichts. Dagegen wirken eben solche Pläne. Hat man sich vorgenommen, etwas bestimmtes zu einer bestimten Zeit zu tun (z.B. morgen früh putze ich gleich nach dem Aufstehen die Fenster), dann ist der Druck schon viel größer, weil man sich eher verpflichtet fühlt, als wenn man sich sagt "morgen müsste ich mal die Fenster putzen".

    Naja, und wie Fliegenpilz ganz richtig geschrieben hat, nicht nur auf das Negative konzentrieren, auf das, was man falsch gemacht hat. Lieber gucken, was ist heute gut gelaufen. Irgendetwas gibt es eigentlich immer. Nur sieht man das meistens nicht. Und schlechte Tage kommen eben immer mal wieder vor (bei jedem), das zu akzeptieren ist besser als sich tagelang davon herunterziehen zu lassen.

    Eingeschliffene Verhaltensweisen zu ändern, ist extrem schwierig und anstrengend. Aber anders geht es nicht, wenn man nicht weiter dort herumdümpeln will, wo man gerade ist. Das sage ich mir jeden Tag selbst, um mit den zahlreichen Rückschlägen fertig zu werden, die unvermeidlich sind. Wenn ich mal wieder total frustriert bin, weil irgendwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgenommen hatte, dann frage ich mich: "Was ist die Alternative?", schaue nach hinten und denke: , "nee dann doch lieber weiter vorwärts".


    Liebe Grüße
    Bobbchen

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Tagesablauf strukturieren - wie?

    Bobbchen schreibt:
    . Was man auf jeden Fall vermeiden sollte, ist Unverbindlickeit. Dann passiert meist gar nichts. Dagegen wirken eben solche Pläne. Hat man sich vorgenommen, etwas bestimmtes zu einer bestimten Zeit zu tun (z.B. morgen früh putze ich gleich nach dem Aufstehen die Fenster), dann ist der Druck schon viel größer, weil man sich eher verpflichtet fühlt, als wenn man sich sagt "morgen müsste ich mal die Fenster putzen".
    Ohja, das ist ein guter Tip. Man darf sich aber nicht zuviel vornehmen. Lieber wenige Sachen, die man dann aber auch erledigt. Man kann es sich z.B. aufschreiben. Ich klebe mir ab und an Post-Its hin. Die sind schön bunt und so vergesse ich es nicht und mich nervt das Post-It, aber abmachen geht erst, wenn ich es erledigt habe.

    Und man braucht Geduld, auch wenns schwer fällt. Ich sage mir immer wieder, wenn ich total down bin, weil ich den Eindruck habe, dass nix voran geht, dass ich fast 30 Jahre im Chaos gelebt habe und dass es daher auch eine Weile dauern wird bis ich da raus bin.

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