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Diskutiere im Thema Fluch oder Seegen? Leben zwischen Extremen im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 92

    Frage Fluch oder Seegen? Leben zwischen Extremen

    Es gibt es schon seit längerer Zeit ein bestimmtes Interessengebiet, das mich sehr fasziniert und auch mein ganzes Interesse einfordert.
    Thema Psychologie/Psychiatrie und Psychotherapie und auch speziell ADS/ADHS usw.

    Eigentlich sollte ich mich freuen. Wenn man wie ich, eine Ausbildung in so einem Bereich macht, dann sollte man sich auch möglichst lange dafür interessieren.

    Aber so extrem kenn ich das von mir normalerweise nicht. Normalerweise wechseln sich meine Interessen öfter mal ab und ich hab auch mehrere Interessen gleichzeitig.

    So wurde es früher zumindest nie Langweilig.
    Aber jetzt bin ich schon so lange an ein und dem gleichen Thema dran, das mich das schon fast etwas erschreckt hat.
    Erst habe ich mir gedacht, das kann doch nur gut sein. Endlich mal ein Thema was zu Dir gehört.
    Aber ich habe Mittlerweile das Problem, das mich das zu stark und zu lange interessiert.
    Ich hab fast alle sonstigen Interessen verloren.
    Einige wenige Sachen gibt es noch, die nach wie vor wichtig sind. Aber wie gesagt, nur noch sehr wenige.

    Das macht mir nicht nur bei meiner Alltagsgestalltung, sondern auch bei Gesprächen mit meinen Mitmenschen zu schaffen.
    Auch meine Familie und mein Partner sind davon betroffen.
    Egal mit wem ich rede, ich finde Gespräche Mittlerweile meist nur noch dann interessant, wenn es auch um das Thema geht.

    Früher habe ich mich auch gerne über meine Tiere unterhallten oder über sonstige Themen. Aber momentan bezieht sich mein Fokus sehr stark, fast nur noch in diese Richtung.
    Einerseits macht es mir ja Spaß, andererseits fehlen mir so aber auch andere Gesprächsthemen und Interessen, die es mir ermöglichen, mich mit anderen Leuten abzugeben.

    Ich habe in meiner letzten Beziehung alle Freunde verloren
    Und wann immer ich versuche, mir meinen Freundeskreis wieder etwas aufzubauen, dann ist mir dieses Problem auch hierbei ein Hindernis.
    Ich finde nicht oft jemanden, der auf der gleichen Welle funkt und auch noch die gleichen Interessen hat.
    Kurzum, dieser „Scheiß Filter“ macht mir Mittlerweile auch beim Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen Probleme.

    Diese Extreme Art von Hyperfokus wird mir langsam lästig oder besser gesagt, es kotz mich langsam an.

    Fluch oder Segen?

    So, und jetzt wird’s etwas kompliziert.
    So langsam schleicht sich wieder eine Motivationsmangel+ Null Bock-Phase an.
    Es ist nicht so, das mich das Thema nicht mehr interessiert, es wird nur langsam etwas eintönig und Langweilig, sich ständig mit den gleichen Dingen zu beschäftigen.
    Aber was soll ich sagen, ich hab anderer Seitz aber auch keine Lust und auch keinen Spaß mehr daran, mich mit etwas was anderem zu beschäftigen. Und für meine Ausbildung kommt mir dieser Motivationsmangel auch nicht gerade gelegen.

    Uns so sitze ich in letzter Zeit immer öfter mit dieser inneren, langweiligen Leere da, und weiß nicht, mit was ich sie füllen soll. bzw.wie ich mich dazu motivieren soll, sie zu füllen.

    Neulich habe ich mich mal wieder mit meinem Kumpel getroffen und wir hätten auch jede Menge Zeug zum Fach- simplen gehabt. Nur hatte ich dummerweise keine Motivation, mich über mein Lieblingsthema zu unterhalten. Aber andere Themen hätte mein Fokus nicht zugelassen.

    Was soll ich tun?
    Ich bin hin und her gerissen, zwischen zwei Extremen, deren Entscheidung ich nicht bewusst steuern kann.

    Leider wurde so ein Mischpult noch nicht erfunden, das zur richtigen Zeit, das richtige Interesse und auch in der richtigen Dosierung, zusammen mischt.

    Ich weiß auch noch nicht mal, welche Antworten ich mir von Euch darauf erhoffe.
    Schreibt einfach mal, was ihr darüber denkt, ob es Euch ähnlich geht oder was Ihr machen würdet.

    LG Irrlicht

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Fluch oder Seegen? Leben zwischen Extremen

    hallo,

    also, ich wäre froh, wenn mich mal ein Gebiet längere Zeit intressieren,
    faszinieren, motivieren würde.
    Auch fände ich es nicht schlimm, wenn meine unglaubliche Anzahl von
    Intressen sich zumindest zeitweise reduzierten.

    Ich bin mir ganz sicher, dass sich Dein Hyperfokussieren (falls dieser
    Begriff hier überhaupt angebracht ist) bald auch wieder legen wird, und
    sich damit das Verhältnis zwischen Deinen Intressen ausgleicht.


    Bis dahin solltest Du nicht soviel grübeln, sondern Deine Ausbildung
    zum Ende bringen

    Das Du im Moment wohl eine Art Durchhänger hast, ist völlig normal,
    das erwischt jeden mindestens einmal während einer Ausbildung, eines
    Studiums.
    Ich spreche da aus Erfahrung.

    Mach weiter, freue Dich darüber, dass Du eine Art von Berufung gefunden
    hast, und alles Gute für Dich!
    deroptimist

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Fluch oder Seegen? Leben zwischen Extremen

    Hallo Irrlicht,

    deine Rede könnte 100%ig von mir kommen. Bis zum Ende meines Biologie-Studiums ging es mir ähnlich, dass ich ein recht ausgewogenes Interesse an vielen Dingen hatte, einen großen Bekanntenkreis aufgebaut, Hobbys usw. Meine Regel war: Bloß niemals wieder in einer Sache überehrgeizig werden, immer schön locker bleiben, lieber viel Ausgleich zum Studium suchen.

    Leider war es mit diesem Vorsatz schnell vorbei, nachdem ich auf den Kanaren gelandet bin. Für einen gerade fertig studierten Biologen ein gefundenes Fressen. Habe das Hobby zum Beruf gemacht und alles andere vergessen. Meine Sozialkontakte engten sich immer mehr auf das berufliche Umfeld ein. In diesem Bereich war ich gut und bekam viel Bestätigung. Außerhalb meines gewohnten Umfelds reagierten Menschen plötzlich immer merkwürdiger auf mich. Es war, als wenn man komplett aneinander vorbeiredete. Schließlich bemerkte ich, dass ich überhaupt nicht mehr fähig war abzuschalten. Sobald ich mir vorgenommen hatte, für zwei Wochen mal eine Pause von allen beruflichen Dingen zu machen, ging es mir sofort schlecht, da ich mit meiner Zeit nichts mehr anzufangen wußte. Im Laufe meiner Promotion wurde es dann noch extremer, ich war abwechselnd im Hyperfokus mit 16h-Arbeitstagen, oder in totalen Durchhängephasen mit depressiver Verstimmung, bis ich endlich einsah, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

    Die Fähigkeit, sich so sehr in eine Sache hineinzuknien und alles andere auszublenden ist wirklich nichts anderes als "Fluch und Segen zugleich". Viele Leute bewundern und beneiden das, andere betrachten es mit Argwohn und können es keineswegs nachvollziehen. Häufig führt es auf Dauer zu Konflikten, da man selbst immer mehr Pflichten vergißt bzw. auf die lange Bank schiebt, sein soziales Umfeld vernachlässigt oder auf deren Unverständnis total überreizt reagiert. Wenn man dann auf einmal abstürzt, ist kaum noch jemand da, der einen auffängt (Im sozialen Arbeitsumfeld, wo man zuvor besser war als andere, tut dies mit Sicherheit keiner - für die ist man eher ein gefundenes Fressen).

    Wahrscheinlich bemerkst du inzwischen ein deutliches Stopp-Schild. Einerseits ist es gut, sich auf ein bestimmtes Ziel zu konzentrieren und das in beruflichen Erfolg umzusetzen, es somit zur Lebensgrundlage zu machen. Unsere Gesellschaft schreit mehr nach Experten, statt nach Allroundern. Grundsätzlich gilt: Je mehr Engagement in einer Sache, desto besser. Andererseits ist für uns ADHSler eine große Fallstricke gegeben: Wenn man zu sehr und andauernd auf ein bestimmtes Ziel fokussiert, stellt sich bald eine gewisse Betriebsblindheit ein, sodaß der ganze Fortschritt ins Stocken gerät. Es gibt dann einfach viel zu viele Dinge, die man nicht mehr sieht und viele Chancen, an denen man blind vorbeiläuft.
    So paradox es klingt: Nicht zu überehrgeizig sein und längere Unterbrechungen in Kauf zu nehmen (in denen man sich z.B. um soziales Umfeld kümmert oder exzessiv feiern geht) führt meiner Erfahrung nach schneller zum Erfolg.

    Und schließlich: Man lebt doch nicht um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben!

    LG
    Camisinho

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