Zeige Ergebnis 1 bis 6 von 6

Diskutiere im Thema Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ... im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 28

    Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ...

    ... ist die Frage die ich mir, da ich es gewohnt bin alles kritisch zu hinterfragen, stellen muss.

    Zwar habe ich gegen die allgemein gültige Definition nichts einzuwenden, im Gegenteil. Da in einer durchweg genormten Gesellschaft eine Störung oder Krankheit die einzige Möglichkeit ist als von der Norm abweichend akzeptiert zu werden, sehe ich es als nützlich nötigenfalls eben eine Krankheit geltend machen zu können. Abgesehen davon hilft mir die gängige Definition allerdings nicht weiter.

    Seit ich denke und mich vergleiche bin ich mir als normabweichend bewußt. Als krank oder gestört habe ich mich jedoch nie empfunden, jedenfalls nicht deshalb. Den Defiziten die ich auf einer Seite aufweise weiß ich auf anderer Seite jeweils ein Benefit entgegen zu stellen, so dass eine Soll-Haben Rechnung zumindest auf Null heraus laufen würde.

    Was ist es also nun was dieser als ADS/ADHS zusammengefassten Ansammlung von Symptomen zugrunde liegt? Je tiefer ich die Grundligenden Wesenszüge, die sich fast Lehrbuchmäßig in den bekannten Symptomen äußern, in mir selbst betrachte, umso stärker wächst meine Theorie, dass diesem ADS/ADHS ein ausgebrägter, wenn überhaupt nur sehr schwer einzudämmender, Individualismus zugrunde liegt. - "Ich kann nicht wollen was ich nicht will"

    Wenn diese Theorie richtig sein sollte ist dies der Punkt, ab dem ich sie alleine nicht fortführen kann. Deshalb bitte ich Euch um Euere Hilfe.


    Der Theorie nach müssten bei Menschen, die gleiche Symptome aufweisen, bei genauerem hinsehen diese in zum Teil unterschiedlichen und wenn in gleichen Situationen auftreten von der betreffenden Person unterschiedlich begründet werden.

    z.B.: "Ich kann mich nicht auf Zahlen konzentrieren weil ..."

    Umgekehrt müssten ausgemachte Stärken in unterschiedlichen, und wenn in gleichen Gebieten auffindbar, persönlich unterschiedlich begründbar sein.

    z.B.: "Ich kann mich besonders gut auf Zahlen konzentrieren weil ..."

    Sehr wichtig sind auch soziale Einstellungen da sich hierin Individualismus von Egoismus unterscheidet.

    z.B.: "Mich interessiert die Meinung anderer sehr/wenig/gar nicht weil ..."


    Hier soll es ausdrücklich nicht um gängige, verallgemeinernde Lehrmeinung, sondern um die Aussagen und Einschätzungen wahrer Experten, nämlich "Betroffener" zu sich selbst gehen. Auch Euere eigenen Theorien oder Theorieansätze sind von Interesse um die "Individualismus-Theorie" zu kräftigen, zu verwerfen oder zu ergänzen.

    Ich Danke Euch schon jetzt für Euere Hilfe.

    Wie das Ganze auszuwerten sein soll habe ich noch keine Idee, aber ich bin ziemlich sicher das Ihr auch dabei mithelfen werdet.

    liebe Grüße

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ...

    Malaclyps schreibt:
    Je tiefer ich die Grundligenden Wesenszüge, die sich fast Lehrbuchmäßig in den bekannten Symptomen äußern, in mir selbst betrachte, umso stärker wächst meine Theorie, dass diesem ADS/ADHS ein ausgebrägter, wenn überhaupt nur sehr schwer einzudämmender, Individualismus zugrunde liegt. - "Ich kann nicht wollen was ich nicht will"

    Wenn diese Theorie richtig sein sollte ist dies der Punkt, ab dem ich sie alleine nicht fortführen kann. Deshalb bitte ich Euch um Euere Hilfe.
    Ich halte sie für richtig. Das grundlegende Problem, auf das wir hier stoßen ist - was ist der Wille überhaupt und existiert er überhaupt in freier Form? Ich denke er existiert zumindest nicht in vollkommen freier Form - wie wir anhand dieser Probleme sehen können. Denn das was wir wollen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wo wir unsere Motivation bekommen - das sind letztendlich Prozesse, die in unserem Gehirn ablaufen. Und das sind genau die Prozesse, die beim ADHSler allgemein betroffen sind. Etwas wollen und die Motivation oder den Impuls dazu zu haben, dies auch umzusetzen sind doch zwei verschiedene Dinge. Du könntest jetzt sagen, dass man dann in Wirklichkeit etwas anderes will. Das kommt ganz darauf an, was du unter "wirklichem" Willen verstehst. Wenn du damit jene Prozesse im Gehirn meinst, die Entscheidungen treffen bevor du darüber nachdenken konntest - ja, dann hast du wohl Recht. Aber genau dieser "wirkliche Wille" ist das Problem beim ADHSler. Er ist deswegen ein Problem, weil er sich nicht mit dem deckt, was sich der ADHSler wirklich wünscht.

    Ein konkretes Beispiel:
    In ADHS Patienten ist die Hemmung der Reizverarbeitung verändert im Vergleich zum Durchschnitt. Dein Gehirn sortiert bereits bevor du etwas wahrnimmst vor in wichtig - und unwichtig. Ein gutes Beispiel ist die Kleidung die du gerade (hoffentlich) trägst. Wann war dir das letzte Mal bewusst, dass du sie auf der Haut spürst? Etwa als du sie dir angezogen hast. Und jetzt wo du darüber nachdenkst spürst du sie vielleicht auch wieder. Aber - hast du dich jemals bewusst dazu entscheiden müssen, diese Wahrnehmung auszublenden? ("Das Gefühl der Kleidung auf der Haut nervt so langsam, bitte abschalten. Danke.") Das ist ein aktiver Filterungsprozess durch dein Gehirn, der dir nicht bewusst wird - wenn du so willst hat dein Gehirn bereits für dich entschieden was du willst bevor du es selbst entscheiden konntest - du willst deine Kleidung nicht die ganze Zeit wahrnehmen.

    Nun kommen wir aber zu Aspekten, die bei anderen und uns etwas verschieden funktionieren. Vielleicht kennst du den Satz "Du hörst garnicht richtig zu". Ich kenne ihn auf jeden Fall zu genüge. Nun stell dir einfach vor, du hast ein wichtiges Gespräch und dir werden Arbeitsschritte erklärt. Und ganz plötzlich entscheidet dein Gehirn für dich, dass das Gefühl deiner Kleidung viel wichtiger als alles andere ist. Stell dir vor, du würdest sofort vergessen, dass du ein Gespräch hast und dich voll und ganz darauf konzentrieren, wie intensiv sich deine Kleidung auf deinem Körper anfühlt.

    Das letztendlich ist, was in mehr oder weniger starkem Maße bei den ADHSlern passiert. Der Filter von Reizen ist im Vergleich zum Durchschnitt verändert und das hat wenig mit willentlicher Entscheidung zu tun. Wenn es bei dir nicht die Kleidung auf deiner Haut ist - so ist es vielleicht etwas anderes. Ein Gedanke, ein Geräusch, etwas das du gerade siehst. Dein Gehirn entscheidet in diesem Moment für dich, dass diese Dinge wichtiger sind - auch wenn sie objektiv betrachtet total unwichtig sind in dieser Situation, in der es darum geht, wichtige Informationen aufzunehmen. Das ist nicht zu vergleichen damit, dass du dich willentlich dazu entscheidest, dass das Gespräch langweilig ist und währenddessen abschaltest. Und hier sind wir an einem Punkt an dem man sich als Betroffener wirklich gut austauschen kann, weil man den Unterschied versteht.
    Du kannst in einer Vorlesung/einem Vortrag sitzen, entscheiden dass dir langweilig ist und schlafen oder willentlich etwas anderes machen wie dich mit deinem Nachbarn unterhalten. Aber es gibt noch die andere Situation, die "du hörst garnicht richtig zu"-Situation, in der du dich so hilflos fühlst. Denn du denkst "Ich habe doch zugehört!" Woraufhin du nur zu hören bekommst: "Ja und wieso machst du dann nicht was man dir sagt?" Und wenn es dann hart auf hart kommt bist du dir sicher, dass es nie gesagt wurde und verteidigst diesen Standpunkt vehement. Die Folge sind die entsprechenden Reibereien mit deinen Mitmenschen weil sie denken, du lügst einfach um die Schuld von dir abzuwälzen.
    Die Wahrheit jedoch ist: Man hat es dir gesagt. Und du hast wirklich nicht zugehört. Allerdings - du hast das nie freiwillig getan, dein Gehirn hat selbsttätig für dich entschieden was du willst ohne dass du es bemerken konntest. Deswegen kommt es dir so vor als wäre es nie gesagt worden - du hast den Wechsel deiner Aufmerksamkeit nie bewusst wahrgenommen. So wie du in den letzten Zeilen wieder vergessen hast, dass du noch Kleidung trägst...
    Geändert von hypocampus ( 7.08.2011 um 12:59 Uhr)

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 28

    AW: Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ...

    @hypocampus: WOW, DANKE!

    Werde auf Deine Ausführung noch genau eingehen, bin jetzt allerdings Müde. (eine Nacht Hardcore-Computing)

    Nur eines vorweg:
    Deine Ausführung lässt, wenn mich meine geistigen Kräfte jetzt noch nicht vollkommen verlassen haben, also darauf schließen, das "ADHS" uns in die Lage versetzt, bei genauer Selbstbetrachtung unseren wahren, "unverfälschten" Willen heraus zu filtern.

    Ich habe einen Werbeberuf erlernt und mich intensiv mit den Themen Medien und, milde ausgedrückt Massenbeeinflussung beschäftigt. Dazu dann später mehr ... muss meinem Kopf jetzt erst einmal Erholung gönnen ...

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ...

    An diesem simplen Beispiel mit der Kleidung kann man sehen, dass es absolut notwendig ist, das unser Gehirn auf diese Weise eine unbewusste Vorentscheidung trifft die sich einer willentlichen Kontrolle komplett entzieht. Im Endeffekt sind es unendlich viele Reize, die zu jedem Zeitpunkt auf dich einströmen. Würde jeder dieser Reize zu jedem Zeitpunkt ungewertet dein Bewusstsein erreichen, so würdest du durch die schiere Überflutung an Reizen komplett unfähig zu einer angemessenen Reaktion werden.
    Auch wenn niemand wissen kann, wie die Erlebniswelt dieser Personen wirklich aussieht - eine Situation in der das höchstwahrscheinlich so ist, ist der Autismus. Autisten fehlt diese Fähigkeit, Informationen angemessen zu filtern. Ähnlich wie den ADSlern, nur um ein vielfaches stärker. Wenn du so ein autistisches Kind beobachtest dann beschäftigt es sich stundenlang damit, einem Aufzug dabei zuzuschauen, wie er sich öffnet und schließt wenn es auf den Knopf drückt. Es sitzt scheinbar lethargisch da und starrt ins Nichts - und fängt an zu schreien wenn du es ansprichst. Ich stelle mir ihre Situation so vor, dass sie quasi alles ungefiltert in voller Intensität wahrnehmen. Ihr Bewusstsein geht in einem riesigen Sturm ungewerteter Massen an Informationen aus der Umwelt schlicht unter, sie verlieren dadurch die Fähigkeit, auf die Umwelt angemessen zu reagieren. Andererseits haben manche von Ihnen nahezu unnachvollziehbare Inselbegabungen - sie können komplexe mathematische Rechenvorgänge in unglaublich kurzer Zeit im Kopf durchführen. Niemand kann dir sagen wie genau sie das tun aber sie können es. Das scheinen demnach Fähigkeiten zu sein, die sich aus dem Gehirn scheinbar natürlicherweise ergeben. Die allermeisten Menschen jedoch haben darauf keinen Zugriff, weil all das blockiert wird um eine normale Funktionsweise zu gewährleisten. Inwieweit man diese Grenze verändern kann ist schwer zu beantworten.

    Ich sage mal einfach - wir überbewerten meiner Meinung nach zumeist die Bedeutung unserer Gedanken und dessen, was wir als "Wille" wahrnehmen. Ein ganz großer Teil unseres Verhaltens wird unabhängig von unserem Denken entschieden. Oder besser gesagt: Häufig dient unser Denken nur dem Zweck, unser Verhalten in Worte zu fassen und logisch begreifbar zu machen. Du kommst aus der Werbebranche. Dann ist dir sicherlich bewusst, dass die meisten Menschen sagen würden, dass sie nicht in einen Supermarkt gehen und das Produkt kaufen nachdem sie es in der Fernsehwerbung gesehen haben. Sie empfinden die Werbung als sinnlos und eher störend. Dann fragt man sich, wieso die Indostrie dennoch Milliarden in Werbung investiert. Ganz einfach: Es funktioniert. Obwohl die Leute das nicht denken. Man muss sich letztendlich fragen, wieso man nun CocaCola lieber kauft als Pepsi oder die no-name Cola. Die meisten würden sagen, weil sie besser schmeckt. Aber: Ist das wirklich der einzige Grund? Haben wir uns mit komplett freiem Willen dazu entschieden, dass wir die Coke lieber mögen? Diesen Gedanken noch weiter gefasst - könnte es vielleicht sogar sein, dass unsere emotionale Bewertung von Dingen, ja gar unsere ganze Sinneswahrnehmung wie zB der Geschmack Resultate eines Bewertungsmechanismus des Gehirns sind, der von uns meist nicht bewusst wahrgenommenen Prozessen abhängt? Ist es wirklich nur Zufall, dass wir oft Dinge aus unser Kindheit auch als Ewachsener mögen, das Leibgericht, das Mama immer zu besonderen Anlässen gemacht hat? Ist es Zufall, dass der Verkaufserfolg eines Produktes maßgeblich davon abhängt, wie und wie oft es in den Medien zu sehen ist?
    Wieso kocht die nette Maggi-Werbemutter ihrer Familie ein unspektakuläres Tütengericht und die ganze Familie ist happy und dankbar dafür? Ist dir auch schonmal aufgefallen, wie glücklich es Mütter machen kann, wenn sie für ihre Familie etwas gekocht hat und es ihnen schmeckt? Und wie oft sie danach fragen ob es auch schmeckt. Wie enttäuscht sie scheinen wenn man Kritik am Essen übt. Ich beobachte das so oft, dass ich mich schon fast frage, ob die Versorgung der eigenen Familie ein ganz grundlegender Urtrieb einer Frau ist mit dem sie sehr starke Emotionen verbindet. Ist Maggi nun wirklich nur verkaufsstark, weil sich alle Menschen willentlich dafür entschieden haben, dass es qualitativ sehr hochwertige Produkte sind? Oder besteht ein Teilgrund auch darin, welche Attribution die Werbung unterbewusst in der Zielgruppe erzeugt? Die Emotionen, die durch die Werbung an das Produkt geankert werden entscheiden eventuell maßgeblich über die Einschätzung der Wahrnehmung des Produktes mit. Und so ist unser Verhalten zum großen Teil vielleicht doch Resultat von Prozessen, die unserem Willen nur wenig zugänglich sind, da wir sie nicht bewusst wahrnehmen. Es gibt den freien Willen - wir können uns entscheiden etwas bestimmtes zu tun oder nicht zu tun. Was können wir mit diesem Willen jedoch anfangen, wenn unser Gehirn uns im Vorfeld Entscheidungen vorwegnimmt, weil es keine Notwendigkeit sieht, den Verstand entscheiden zu lassen?
    Geändert von hypocampus ( 7.08.2011 um 15:54 Uhr)

  5. #5
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ...

    Tja, was isses denn nu?...
    ..wenn ich die Maggi-Flasche mit der Mundspülung verwechsel..
    den Unterbodenschutz fürs Auto in den Kühlschrank stelle
    und 2011 den Steuerbescheid für 1978 auf dem Tisch liegen habe.
    Das "Egal" in meinem Kopf sagt mir, dass viele Menschen so sind wie ich.
    Also egal.
    Die Bezirkskrankenhäuser und Gefängnisse sind voll von mir.
    Die Scharen der entlassenen und unverstandenen hirnbeiß´er
    säumen meine (Alb) Träume.
    Die Frage, was es denn nu sei piekst mich doch manchmal recht heftig.
    Die Antwort in einem Spiegel zu suchen endet dann oft in einem auf dem Boden liegendem
    Bild von Lyonel Feiniger.
    Mein Zustand, zerborsten und zerfleddert, zerrupft und zersaust,-zerstört.
    Ergo summarum "Z".....
    Na ja. Ob ich mit diesem Wissen weitekomme?
    Ich stehe am Wasser, sehe mich von hinten und bin mir vollends bewußt,
    dass ich mich jeder Zeit beobachte...Magritte...Rene, du kleiner Schlingel.
    Das "Egal" auf meiner linken Schulter...

    LG --hirnbeiß--

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 28

    AW: Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ...

    Ok, also jetzt. Ausdrucken ist bei Texten mit einer solchen fülle an Informationsgehalt oft bestimmt nicht die schlechteste Idee ...^^

    hypocampus schreibt:
    ... Etwas wollen und die Motivation oder den Impuls dazu zu haben, dies auch umzusetzen sind doch zwei verschiedene Dinge. Du könntest jetzt sagen, dass man dann in Wirklichkeit etwas anderes will. ... dieser "wirkliche Wille" ist das Problem beim ADHSler. Er ist deswegen ein Problem, weil er sich nicht mit dem deckt, was sich der ADHSler wirklich wünscht. ...
    ... Worin wohl die Ursache des Symptoms des oftmaligen Beginnens und Nichtvollendens vieler Tätigkeiten und häufiger Berufswechsel zu finden ist.

    Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass wenn ich etwas wirklich will, ich dies auch umsetze. Auch, oder gerade dann, wenn dies zu Anfang Unmöglich erscheint.

    Andersherum werte ich Misserfolge oder baldigen Motivationsverlust als Erkenntnis, dass ich eben dies wohl doch nicht wirklich gewollt habe, was sich im weiteren Verlauf auf meißt verdeutlicht.


    hypocampus schreibt:
    ...

    Ein konkretes Beispiel: In ADHS Patienten ist die Hemmung der Reizverarbeitung verändert im Vergleich zum Durchschnitt. Dein Gehirn sortiert bereits bevor du etwas wahrnimmst vor in wichtig - und unwichtig. Ein gutes Beispiel ist die Kleidung die du gerade (hoffentlich) trägst. Wann war dir das letzte Mal bewusst, dass du sie auf der Haut spürst? ... - du willst deine Kleidung nicht die ganze Zeit wahrnehmen. ...


    ... Als Beispiel unbewusst selektiver Wahrnehmung sicherlich zutreffend.

    Denn meißten Menschen ist es nicht unangenehm Kleidung zu tragen, was diese Selktion zulässt. Anders als z.B. die Ausübung einer, selbst wenn nur unterbewusst als unangenehm empfundenen Tätigkeit. Der Individualismus-Theorie nach wird es einem ADHSler unmöglich sein, wenn wir von der Möglichkeit des Einsatzes von Medikamenten einmal absehen, diese Unannehmlichkeit zu verdrängen. Die einzige Möglichkeit ist das Gefühl durch Veränderung der Situation zu beseitigen.

    Unter dieser Betrachtung zeigt sich auch darin wieder die Möglichkeit, ja sogar die Notwendigkeit, die oberflächlich einprogrammierten Wünsche und Verhaltensgrundsätze zu hinterfragen und den tiefer liegenden wahren Willen zu ergründen. ...


    hypocampus schreibt:
    ...
    Nun kommen wir aber zu Aspekten, die bei anderen und uns etwas verschieden funktionieren. Vielleicht kennst du den Satz "Du hörst garnicht richtig zu". Ich kenne ihn auf jeden Fall zu genüge. Nun stell dir einfach vor, du hast ein wichtiges Gespräch und dir werden Arbeitsschritte erklärt. Und ganz plötzlich entscheidet dein Gehirn für dich, dass das Gefühl deiner Kleidung viel wichtiger als alles andere ist. ...
    ... Wer von uns kennt diesen Satz und dessen unbestreitbaren Wahrheitsgehalt nicht?^^

    Gerade hierin sehe ich die Theorie bestätigt. Nämlich wenn ich dieser Situation den genau umgekehrten Fall aus eigener Erfahrung entgegenhalte.

    In einem Gespräch dessen Inhalt und die darauf folgende Aktion wirklich interessiert, ich es also als wichtig werte, findet eben kein Abschweifen statt. Im Gegenteil. Oft fallen mir dann schon in der Vorbesprechung Möglichkeiten zur Veränderung oder Verbesserung von Abläufen auf.

    Deutet wieder darauf hin, das bei ADHSlern der wirkliche Wille stärker als jede darüber liegende Programmierung ist und sich dieser unweigerlich Ausdruck verschafft. Wenn auch nur durch Anzeigen das Nicht-Wollens. ...


    hypocampus schreibt:
    ...Denn du denkst "Ich habe doch zugehört!" ... Die Folge sind die entsprechenden Reibereien mit deinen Mitmenschen weil sie denken, du lügst einfach um die Schuld von dir abzuwälzen. Die Wahrheit jedoch ist: Man hat es dir gesagt. ...
    ... Es fällt mir mittlerweile nicht mehr schwer dies zuzugeben. ...

    "Sorry, ich hab ADHS." - Echt praktisch, Totschlagargument!^^


    hypocampus schreibt:
    ... So wie du in den letzten Zeilen wieder vergessen hast, dass du noch Kleidung trägst...
    ...

    ... Die Auswirkung von Neurodermitis sorgt dafür, dass es mir selten möglich ist Kleidung auf meiner Haut nicht wahrzunehmen, eben weil ich sie als unangenehm empfinde. Deshalb verzichte ich, vor allem zuhause weitestgehend darauf ...


    hypocampus schreibt:
    ... Im Endeffekt sind es unendlich viele Reize, die zu jedem Zeitpunkt auf dich einströmen. Würde jeder dieser Reize zu jedem Zeitpunkt ungewertet dein Bewusstsein erreichen, so würdest du durch die schiere Überflutung an Reizen komplett unfähig zu einer angemessenen Reaktion werden.

    Es kommt mir so vor als ob die Reizeinflutung bei ADHSlern stärker als bei anderen Menschen ist.

    ... Von Zeit zu Zeit fühle ich mich dann unfähig zu einer angemessenen Reaktion. Das ist der Punkt an dem ich Medikamente einsetze um mich abzuschotten und die Überflutung aufzuklären ...


    hypocampus schreibt:
    Ich sage mal einfach - wir überbewerten meiner Meinung nach zumeist die Bedeutung unserer Gedanken und dessen, was wir als "Wille" wahrnehmen. Ein ganz großer Teil unseres Verhaltens wird unabhängig von unserem Denken entschieden. Oder besser gesagt: Häufig dient unser Denken nur dem Zweck, unser Verhalten in Worte zu fassen und logisch begreifbar zu machen. ...
    ... Ich sage mal einfach - wir unterbewerten die Bedeutung unserer Gedanken.

    Wenn ich für mich feststelle, das es Umstände gibt unter denen ich absolut Leistungsfähig bin und solche unter denen ich es eben gar nicht bin und darauf schließe, dass diese Differenz von "Willen" bzw. "Nicht-Willen" herrührt, ergibt sich als logische Konsequenz für mich daraus die absolute Wichtigkeit den wahren Willen durch kritisches hinterfragen zu ergründen und sich dessen bewusst zu werden.

    hypocampus schreibt:
    ... Du kommst aus der Werbebranche. Dann ist dir sicherlich bewusst, dass die meisten Menschen sagen würden, dass sie nicht in einen Supermarkt gehen und das Produkt kaufen nachdem sie es in der Fernsehwerbung gesehen haben. ...
    ... Doch, das tun Sie!

    Was fällt wohl den meißten deutschen Verbrauchern als erstes zu "Buttermilch" ein? Würden die Menschen dies erkennen wäre die Werbung schlecht gemacht. Sich dies selbst einzugestehen ist der erste Schritt um der Manipulation auf die Schliche zu kommen.

    Die Werbung setzt Techniken ein, die mit Denen des NLP vergleichbar, jedoch ausgefeilter sind und subtil angewendet werden. Die Nutzung der aller zur Verfügung stehenden Medien im sogenannten "Marketig-Mix" sorgt dafür, dass sie jeden von uns erreicht.

    Selbst wenn ich auf die vorrangigen Massenmedien Fernsehen, Radio und Zeitung vollkommen verzichte und meinen Web-Browser mit Werbeblockern hochrüste, springt mich irgendwann an der Bushaltestelle, in der U-Bahn oder von Hauswänden ein Plakat an, im Supermarkt erwischt mich die Berieselung durch das speziell zugeschnittene "Verbraucherinformationsra dio" oder, noch viel effektiver, ich bekomme ein Gespräch mit oder bin darin einbezogen in dem Erfahrungen mit diesem oder jenem Produkt ausgetauscht werden.

    Und ... nicht nur die Produkt-Werbung tut dies ... mehr als "BILD Dir Deine-(LoL) Meinung" brauche ich dazu nicht zu sagen.^^


    hypocampus schreibt:
    ... Sie empfinden die Werbung als sinnlos und eher störend. Dann fragt man sich, wieso die Indostrie dennoch Milliarden in Werbung investiert. Ganz einfach: Es funktioniert.
    Natürlich!
    "Sie empfinden die Werbung ..." - eben deshalb.

    Werbung stellt keinen Anspruch zu gefallen. Eher im Gegenteil!
    Störende, negative Erfahrungen dringen tiefer ins Bewusstsein ein als positive, während wir gleichzeitig die Erinnerung daran mit Vorliebe verdrängen. In unserem Verhalten jedoch äußern gerade diese sich immer wieder. Unbewusst, ohne das wir uns absichtlich dazu entscheiden.

    Besonders beliebte Werbespots z.B. werden zwar jährlich ausgezeichnet, dienen aber mehr der Belustigung als dem Einfluss auf unser Kaufverhalten. Etwas mit dem wir uns gerne bewusst beschäftigen ist für die subtile Produktprävernzbildung ungeeignet.

    Ein radikaler PR-Grundsatz (auch PR ist eine Form der Werbung) besagt: "Es gibt keine gute oder schlechte PR. Es gibt nur PR."
    Auf den Bereich "Political-Correctness" ist dieser Grundsatz nicht anwendbar.


    hypocampus schreibt:
    ... Ich beobachte das so oft, dass ich mich schon fast frage, ob die Versorgung der eigenen Familie ein ganz grundlegender Urtrieb einer Frau ist mit dem sie sehr starke Emotionen verbindet. ... Oder besteht ein Teilgrund auch darin, welche Attribution die Werbung unterbewusst in der Zielgruppe erzeugt? Die Emotionen, die durch die Werbung an das Produkt geankert werden entscheiden eventuell maßgeblich über die Einschätzung der Wahrnehmung des Produktes mit. ...
    Ist so!

    Bloß entscheiden die Emotionen nicht über die Einschätzung des Produktes mit, sondern hauptsächlich.
    Mal ehrlich, wem schmecken Maggi Produkte?

    Niemanden kennt Emotionen und Präverenzen von Menschen besser als Werbepsychologen und niemand teilt die Menschheit feiner und zutreffender in Zielgruppen auf.


    hypocampus schreibt:
    ... wir können uns entscheiden etwas bestimmtes zu tun oder nicht zu tun. Was können wir mit diesem Willen jedoch anfangen, wenn unser Gehirn uns im Vorfeld Entscheidungen vorwegnimmt, weil es keine Notwendigkeit sieht, den Verstand entscheiden zu lassen?
    Ganz einfach:
    Uns diese Vorgänge und wie wir über diese Manipulierbar sind bewusst machen und daraus erkennen warum es wichtig und notwendig ist den Verstand entscheiden zu lassen.

    Andere kennen diese Vorgänge genau und kommunizieren mit uns auf ihrer Ebene um so das Denken für uns zu übernehmen.
    Geändert von Malaclyps (11.08.2011 um 16:47 Uhr)

Ähnliche Themen

  1. Dieses ständige hin und her bringt mich nicht weiter!!
    Von Giotti im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 1.11.2010, 11:51

Stichworte

Thema: Was ist eigentlich dieses ADS/ADHS Dingsbums ... im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum