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Diskutiere im Thema Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Ich habe das große Problem, dass ich mich bei zu vielen Pflichten innerhalb eines kurzen Zeitraums überfordert fühle. Kennt das noch jemand hier? Wäre nicht überrascht, denn das ist ein klassisches Problem von Unsereiner. Sprüche von Nicht-Betroffenen á la „Man schafft alles, wenn man nur will“ können bisweilen echt nerven. Sie können es nicht verstehen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich nach fast jeder erledigten Aufgabe eine kleine Pause brauche und täglich ca. 2 Stunden nur fürs Ausruhen, Musik hören, Lesen und Surfen im Internet benötige. Viele sehen das als Faulheit. Ich würde schon gerne von morgens in der Früh bis tief in die Nacht eine Pflicht nach der anderen abklappern, so wie das in der heutigen Gesellschaft oft verlangt wird. Aber ich schaffe es meistens nicht, weil ich irgendwann total k.o. bin. Seit ich MPH nehme, geht es besser (ohne wäre ich aufgeschmissen und nur am Gähnen).

    Momentan habe ich wieder so eine Phase, in der ich am liebsten 1-2 Tage in der Woche einlegen würde, an denen ich gar nichts mache außer Rumgammeln. Aber das kann ich mir zeitlich nicht erlauben. Tagsüber habe ich meinen Vollzeitjob im Büro. Hier läuft es sehr gut. Als Zeitarbeiterin bin ich jedoch auf einen Nebenjob angewiesen. Wenn ich motiviert bin, arbeite ich nach Feierabend 3-5 Stunden zu Hause am Laptop. Oft muss ich mich aber richtig dazu zwingen, schließlich habe ich noch ein Fernstudium. Dieses macht mir zwar großen Spaß, aber derzeit habe ich große Mühe mich nach der Arbeit noch zum Lernen aufzuraffen. Im ersten Semester vor einem Jahr war ich sehr fleißig und habe die Klausur mit einem tollen Ergebnis bestanden. Aber letzten Sommer war ich arbeitslos und hatte nicht so viele andere Pflichten wie jetzt.

    Außerdem fällt es mir momentan auch sehr schwer, meine ganze Post zu lesen und meine E-Mails zu beantworten. Dauernd bekomme ich Briefe von Strom- und Heizungsanbieter, Behörden, von der Uni usw. Kommilitonen und Lehrstuhl schreiben Mails, wollen dies oder jenes wissen bzw. dass ich ihnen Unterlage xy mal zuschicke. Unterlagen sind bei mir zwar schön in der Ablage sortiert, aber trotzdem muss ich suchen bevor ich was verschicke. Und die Suche kostet mich einfach viel Kraft. Einige Mails liegen jetzt schon 2-3 Wochen bei mir unbeantwortet rum. Bei Privatmails hingegen bin ich schnell, weil sie mit weniger Aufwand verbunden sind.

    Meine Dauermüdigkeit und Wetterabhängigkeit macht mir schwer zu schaffen. Im Winter ist mit mir eh kaum was anzufangen, weil ich unter der Woche meistens schon gegen 22 Uhr müde ins Bett falle (ich stehe um 4:50 Uhr auf). Aber selbst jetzt im Sommer schaffe ich es nicht jeden Abend, bis 23 Uhr oder Mitternacht was zu tun und am nächsten Morgen so früh aufzustehen. Früher fertig werden mit den Pflichten geht nicht. Ich bin sehr langsam und trödle grundsätzlich, ich kann einfach nicht schneller.

    Mein Haushalt leidet manchmal auch darunter. Letzten Samstag habe ich Großputz gemacht, es ist alles sauber. Aber die Briefe, Papiere usw. liegen immer noch überall unaufgeräumt rum, und ich habe nach Feierabend keine Kraft mehr um was zu tun. Das Leben war schon einfacher, als ich noch bei meiner Mutter lebte. Da habe ich ihr nur am Wochenende im Haushalt geholfen und den Einkauf für sie gemacht. Unter der Woche ging ich nach Feierabend oft zum Sport und konnte mich danach meiner Musik, den Büchern und dem PC widmen. Für mich ist das einfach nur anstrengend, jeden Tag eine To-Do-Liste abarbeiten zu müssen. Wenn ich Feierabend habe, würde ich am liebsten immer sofort nach Hause fahren und am Abend einfach nur meine Freizeit genießen.

    Hat mir vielleicht jemand einen Tipp, wie ich das besser in den Griff kriegen kann?

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Hallo Weisse Rose

    Als ich deine Aufzählung, was du alles machst, gelesen habe, habe ich ziemlich gestaunt.

    Ich denke, so ein Pensum mit Vollzeitjob, Nebenjob und Studium wäre auch für einen "Normalsterblichen" ohne ADHS ein bisschen viel auf einmal und über einen längeren Zeitraum nicht durchzuhalten.

    Deswegen würde ich mir an deiner Stelle folgende Gedanken machen:

    1) Kannst du eine der Aktivitäten aufgeben? Zum Beispiel bei der Zeitarbeit mit Höchstpensum 50% arbeiten? Den Nebenjob brauchst du wahrscheinlich deshalb, weil es ein festes Einkommen ist?

    2) Kannst du dir Hilfe organisieren, z.B. eine Freundin oder Verwandte, die dir mit dem Haushalt hilft, dass du zumindest da Entlastung hast?


    Liebe Grüsse
    Morgenröte

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Hallo Morgenröte,

    vielen lieben Dank für deine Ratschläge. Leider kann ich meine Jobs weder kürzen noch ganz aufgeben, da ich finanziell auf sie angewiesen bin. Das Gehalt von der Zeitarbeitsfirma reicht gerade mal um die Grundbedürfnisse zu bezahlen, also Miete, Heizung, Strom, Lebensmittel, Monatsfahrkarte, Telefon/Internet, GEZ, Versicherung, Ratenzahlung für Laptop (ist im Juni 2012 nach 3 Jahren abbezahlt) usw. Für das Studium oder irgendwelche Freizeitaktivitäten würde von meinem Gehalt nichts mehr übrig bleiben, und an Sparen ist gar nicht zu denken. Bevor ich Mitte September bei dieser Firma angefangen habe, war ich 6 Monate arbeitslos. In dieser Zeit sind einige Schulden angefallen. Mir war nicht klar, dass ich als Arbeitslose - abgesehen von den Kosten für die Grundbedürfnisse - kein Geld ausgeben durfte, und ich hatte mich vertan. Und bei der Zeitarbeit verdiene ich um einiges weniger als in meinem festen Job, damit hätte ich die Schulden niemals abbezahlen können.

    Dummerweise hatte ich von Mitte Oktober bis Mitte April einen äußerst zeitaufwändigen Arbeitseinsatz, war jede Woche ca. 50 Stunden im Büro und saß täglich 3 Stunden in den Öffentlichen. Phasenweise stand ich kurz vor dem Burn-Out. Meinen damaligen Nebenjob habe ich irgendwann verloren, weil ich vor lauter Erschöpfung eine Mail übersehen und nicht beantwortet hatte. Im Studium habe ich letztes Semester auch nix gemacht, weil der stressige Alltag mich an den Rand des Wahnsinns brachte. Erst seit Mitte April kann ich meine Finanzen wieder auf Vordermann bringen.

    Was die Organisation im Haushalt angeht, habe ich keine Möglichkeit mir von jemandem helfen zu lassen. Freunde habe ich in unmittelbarer Nähe nicht, die wohnen alle relativ weit entfernt. Meine Mutter ist über 60, hat einen Teilzeitjob und macht nachmittags ihren eigenen Haushalt. So traurig das auch klingt, aber sie hat in ihrem Alter weitaus mehr Energie als ich mit meinen knapp 35 Jahren. Sie würde mir auf jeden Fall helfen, aber gerade von ihr will ich mir nicht helfen lassen. Sie hat mich jahrelang behandelt wie ein unmündiges Kleinkind, das nix auf die Reihe bekommt. Erst vor einem Jahr hat sich unser Verhältnis verbessert. Mein Bruder lebt mit seiner Freundin zusammen, beide arbeiten und studieren nebenher und kriegen trotzdem alles auf die Reihe. Im Gegensatz zu mir brauchen sie halt nicht jeden Tag ihre ca. 2 Stunden, in denen sie rumgammeln. Das ist der große Unterschied. Mir kommt mein Leben nur anstrengend vor, wenn ich den ganzen Tag nur Pflichten abarbeite. Ich liebe das Leben und will es genießen so gut es geht. Es nervt, ständig Verpflichtungen nachzugehen. Am liebsten würde ich für eine Weile abhauen und niemandem sagen wo ich bin... einfach nur tun und lassen was ich will und sämtlichen Pflichten aus dem Weg gehen.

  4. #4
    ADLer

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.384

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Hallo ,


    es hört sich so an , als stehst du nicht kurz vor dem Burn-out..

    Dein Akku ist leer..du wirst es kaum..nebenher aufladen können..( ist mein Gefühl)

    Aus Erfahrung weiss ich, das man es weiter versucht und versucht..man "muss ja..."

    aber irgendwann sagen Körper und Seele dann eh Stopp.

    achte bitte auf die ersten Anzeichen..

    und überleg nach der Möglich keit der Erholung/Krankschreibung auch wenn du denkst es geht nicht...

    irgendwann geht es dann auch so nicht mehr weiter..

    ich wünsch dir, das du die gute Möglichkeit der Auszeit findest.

    Angela

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Momentan stehe ich definitiv nicht vor dem Burn-Out. Das war in der Weihnachtszeit der Fall. Ich habe das große Glück, dass ich seit April nicht mehr den Dauerstress im Büro habe, und bis Mitte Oktober bleibt das auch so. Eigentlich habe ich meinen Alltag nur im ersten Jahr nach dem Auszug von zu Hause auf die Reihe bekommen. Damals hatte ich einen festen Job mit kaum Überstunden, war meistens spätestens um halb sechs zu Hause. Dort wartete nur der Haushalt auf mich. Zwar bin ich jetzt auch nicht später zu Hause und hätte locker Zeit für das Studium, aber ich brauche halt den Nebenjob, weil ich für eine Zeitarbeitsfirma arbeite. Ohne Nebenjob könnte ich mir keinerlei Freizeitaktivitäten leisten, und ohne mein Hobby wäre ich sehr traurig. Ich hoffe dass ich bald wieder eine feste Stelle habe, dann könnte ich mir wenigstens die tägliche stundenlange Arbeit vor dem Rechner sparen und mehr Zeit in Haushalt, Studium und andere Sachen investieren.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 46

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Juhu Weiße Rose,

    also erstmal Respekt, dass Du Hauptjob, plus Nebenjob, plus Studium auf die Reihe kriegst. Damit leistest Du echt viel und solltest Dich nicht schlecht fühlen, wenn Du 2 Stunden zur Erholung brauchst. Dass abends nach der Arbeit beim Studium die Konzentrationsfähigkeit leidet, ist nicht verwunderlich. Irgenwann stößt jedes Gehirn an seine Grenzen und braucht Ruhe, bei uns ADS-lern sowieso.

    Auch wenn es schwer fällt - vergleiche Dich hinsichtlich Deiner Leistungsfähigkeit nicht mit anderen wie Deinen Bruder und seiner Freundin. Ich weiß, dass ist schwer in der heutigen Leistungsgesellschaft, wo wir nur an unseren Erfolgen gemessen werden, und man immer versucht mit den anderen mitzuhalten, aber es bringt nichts.

    Es wird immer haufenweise Leute gebn die scheinbar spielend ganz viele Sachen unter einen Hut bringen, während ich nicht mal die Hälfte schaffe. Ich fühle mich deshalb auch wie ein Looser, aber ich bin nun mal nicht besonders belastbar und wenn ich mich ständig mit anderen vergleiche, so ändere ich daran nichts.


    Liebe Grüße,

    Rapunzel

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Meine größte Sorge besteht darin, dass ich wegen meiner mangelhaften Belastbarkeit Schwierigkeiten habe, einen festen Job zu finden und diesen auf die Dauer zu halten. Ich bin Mitte 30 und hatte bisher erst 2 feste Arbeitsstellen, an denen ich gerade mal 11 bzw. 12 Monate gearbeitet habe. Die erste Stelle hatte ich damals selbst gekündigt. Einerseits war ich unterfordert, was ich noch irgendwie ausgehalten hätte. Aber das extrem schlechte Arbeitsklima hat mich psychisch fertig gemacht. Wenn ich noch länger dort geblieben wäre, dann wäre aus mir ein psychisches Wrack geworden. Als ich dann in einer anderen Firma einen 1-Jahresvertrag unterschrieb, war ich mir sicher dass er verlängert wird... doch schon nach 4 Wochen musste ich zur Geschäftsleitung, weil die Leute mit mir sehr unzufrieden waren. Ich war ihnen nicht belastbar genug. Es stellte sich schnell heraus, dass ich nach dem einen Jahr keinen neuen Vertrag bekommen würde.

    Wer nicht belastbar ist, hat auf dem Arbeitsmarkt der heutigen Zeit schlechte Karten. Ich hatte auch in jüngeren Jahren schon Jobs, in denen 50 Stunden pro Woche keine Seltenheit waren. Damals hat mir das nichts ausgemacht, denn nach der Arbeit hatte ich meine Ruhe, weil sich meine Mutter um die Verpflichtungen zu Hause kümmerte. Heute habe ich auf dermaßen stressigen Arbeitsstellen Panik, dass ich danach so kaputt bin und daheim nichts mehr gebacken bekomme.

    In der Schule hatte ich ebenfalls große Probleme, weil ich nicht belastbar war. Bis zur Mittelstufe war ich eine gute Schülerin, aber die 11. Klasse hat mich total geschafft. 40 Stunden Unterricht pro Woche plus Mathe-Nachhilfe an 2 Nachmittagen war mir zu viel. Wenn ich 4 Klausuren in der Woche hatte, kam es häufig vor dass ich nur 2 oder 3 schrieb und den Rest schwänzte, weil ich überfordert war. Ich kann es nicht ab, wenn zu viele Informationen auf einen Haufen auf mich niederprasseln, da dreht sich alles in meinem Kopf... nur leider zeigen sich die meisten Menschen alles andere als verständnisvoll. Gerade auf der Arbeit musste ich mir schon einige harte Worte anhören, und meine frühere beste Freundin hat sich nach meinem Geständnis nicht belastbar zu sein für mich geschämt und komplett von mir zurückgezogen.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 46

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Hallo Weiße Rose,

    mir kommt vieles von Deinen Erzählungen bekannt vor. Ich bin auch 37 Jahre alt und kann nur auf wenige, und auch nur kurze Arbeitsverhältnisse zurückblicken, bei denen ich eigentlich auch überall eher Probleme hatte statt mich wohl zu fühlen. Ich wurde auch oft angefahren, ich solle doch mal besser aufpassen, ich würde nicht zuhören, dass mir dass doch schon gesagt wurde.

    Manchmal denke ich, ich werde nie irgendeinem Beruf gewachsen sein. Ohne meinen Mann wäre ich gar nicht überlebensfähig, und gleichzeitig macht mir diese Abhängigkeit von ihm und meine Unselbständigkeit große Angst. Was ist, wenn unsere Ehe mal auseinander geht?

    Daher kann ich Deine Sorge hinsichtlich Deines Jobs sehr gut verstehen. Du hast Existensängst, und das ist beklemmend und wirkt sich noch einmal mehr negativ auf Deine Konzentrationsfähigkeit aus. Ein dummer Teufelskreislauf.

    Hinzu kommt bei mir die ständige Frage, warum nur schaffen dass denn alle anderen, Haushalt, Kinder, Beruf unter einen Hut zu bringen?
    Es macht zwar keinen Sinn, sich mit den anderen Nicht-Adslern zu vergleichen, aber insgeheim macht man es ja doch.

    Auch bei mir ist es so, dass meine 67-Jährige Mutter mehr am Tag schafft als ich. Sie geht noch stundenweise arbeiten (ich nicht), hat einen Ausbildungsabschluß (ich nicht), betreut ihre Enkeltochter/meine Nichte seit Jahren (ich habe keine Kinder), und wenn mein Hund bei ihr in Pflege ist, so geht sie 4-5 mal am Tag mit Wuffi große Runden Gassi (ich nur 2 Runden).
    Sie ist 30 Jahre älter als ich und schafttt doppelt so viel. Über eine junge Nachbarin (ungefähr mein Alter) wundert sie sich immer, wie wenig die als Hausfrau und Mutter schafft und bezeichnet sie als faulen Menschen. Oh Gott, wenn sie nur wüßte, dass ich kein Stück besser bin. Ich bin froh, dass 400 km zwischen uns liegen, ich würde mich vor ihr noch mehr in Grund und Boden schämen.


    Was die Hausarbeit angeht: Solange nicht alles verkommen aussieht, sondern nur ein bißchen unordentlich ist, finde ich das nicht so schlimm. Deshalb solltest Du Dir kein schlechtes Gewissen einreden, denn man kann nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen.




    WeißeRose schreibt:

    In der Schule hatte ich ebenfalls große Probleme, weil ich nicht belastbar war. Bis zur Mittelstufe war ich eine gute Schülerin, aber die 11. Klasse hat mich total geschafft. 40 Stunden Unterricht pro Woche plus Mathe-Nachhilfe an 2 Nachmittagen war mir zu viel. Wenn ich 4 Klausuren in der Woche hatte, kam es häufig vor dass ich nur 2 oder 3 schrieb und den Rest schwänzte, weil ich überfordert war. Ich kann es nicht ab, wenn zu viele Informationen auf einen Haufen auf mich niederprasseln, da dreht sich alles in meinem Kopf... nur leider zeigen sich die meisten Menschen alles andere als verständnisvoll. Gerade auf der Arbeit musste ich mir schon einige harte Worte anhören, und meine frühere beste Freundin hat sich nach meinem Geständnis nicht belastbar zu sein für mich geschämt und komplett von mir zurückgezogen.
    Bei mir fingen die Probleme auch in der 11. Klasse an- totaler Leistungsabfall, ohne dass ein Arzt etwas feststellen konnte. Auf einmal wurde mir das alles zuviel, was ich sonst immer hingekriegt habe. Ich fing auch an, Klausuren zu schwänzen, indem ich krank machte. Seitdem mogele ich und plage mich durchs Leben, das doch eigentlich so schön sein könnte. Ich fühle mich auch immer sehr schnell überfordert und verstehe dann rein gar nichts mehr.

    Was Deine "Freundin" angeht, vergiß sie einfach! Sie war es nicht wert. Sie hat kein Recht auf Dich herabzusehen, nur weil Du nicht voll belastbar bist. Auch wenn Du sicher sehr enttäuscht und traurig über Ihr Verhalten bist, fühle Dich deshalb nicht minderwertig oder schlecht. Du wirst schon auf Deine Weise den richtigen Weg durch das Leben finden- ohne sie.

    LG
    Rapunzel

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    Ich hatte noch nie eine längere Partnerschaft, meine Beziehungen waren immer nur von kurzer Dauer.... habe also noch nie mit jemandem zusammen gelebt und musste immer selbst für meinen Unterhalt aufkommen. Ich würde mich aber auch unwohl fühlen, wenn ich von einem Mann finanziell abhängig wäre. Da kann ich dich sehr gut verstehen. Haustiere habe ich mir noch nie angeschafft, weil ich Angst habe mit der Verantwortung nicht klar zu kommen... aus diesem Grund habe ich auch noch nie an Kinder gedacht.

    Im Vergleich zu meiner ehemaligen Freundin fühle ich mich nicht minderwertig, denn ich habe trotz ADHS einiges mehr im Leben erreicht als sie. Deshalb hat mich ihre Reaktion so geschockt, ich hätte niemals damit gerechnet.

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 46

    AW: Ständig überfordert - was kann ich dagegen machen?

    WeißeRose schreibt:
    Haustiere habe ich mir noch nie angeschafft, weil ich Angst habe mit der Verantwortung nicht klar zu kommen... aus diesem Grund habe ich auch noch nie an Kinder gedacht.

    Im Vergleich zu meiner ehemaligen Freundin fühle ich mich nicht minderwertig, denn ich habe trotz ADHS einiges mehr im Leben erreicht als sie. Deshalb hat mich ihre Reaktion so geschockt, ich hätte niemals damit gerechnet.

    Hallo Weiße Rose,

    ich habe mich auch gegen ein Kind entschieden, weil ich Angst habe, der Verantwortung nicht gerecht werden zu können. Außerdem muß ich ja damit rechnen, meine Erkrankung auf das Kind zu vererben und wenn ich mir überlege, was ich alles so erlebt und durchgemacht habe- nein danke, das will ich meinem Kind nicht antun. Ich hätte in diesem Fall auch keine Kraft, meinem Kind die Hilfe zukommen zu lassen, die es braucht. Ich komme ja nicht mal mit mir allein zurecht.

    Da niemand von meinen Problemen weiß, kommt seit Jahren die Frage aus meinem Umfeld, warum ich kein Kind habe. Und jedesmal versuche ich mich irgendwie zu rechtfertigen. Was da manchmal an Bemerkungen oder Reaktionen zurückkam, ist einfach unverschämt von wegen "zu bequem, kann ich gar nicht verstehen, warum man keine Kinder will".


    Das Verhalten Deiner Freundin ist wirklich seltsam. Hast Du Ihr direkt gesagt, dass Du ADHS hast? Vielleicht hat sie ja vollkommen falsche Vorstellung über das Krankheitsbild und hält es für eine Geisteserkrankung, was ihr wiederum Angst macht. Vielleicht war ihre Reaktion ja nur ein Zeichen von Unsicherheit.

    LG
    Rapunzel

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