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  1. #1
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    Kein Tag ist bei ADHSlern wie der andere

    Hallo Zusammen, irgendwo in einem ADHS-Ratgeber habe ich mal gelesen, dass sich viele ADHSler keinen Tag wie am anderen fühlen.

    Da kann ich heute im Vergleich zu gestern ein Lied von singen! Gestern war alles wunderbar. Heute, nicht erstaunlich, wo Tiefdruckwetter herrscht, bin ich physisch und psychisch völlig matschig.

    Schon ohne die Reaktionen der Umwelt kann man bei solchem Gefühlschaos als Kind und Jugendlicher doch nur unsicher und selbstzweifelnd werden, was? Das sage ich mir heute als schon lange Erwachsene, die das trotz Medis und Therapien dennoch erlebt.

    Nicht mehr stündlich und dauernd, sondern tageweise. Aber das ist auch noch der Hammer. Meine Emotionen teilen mir heute zu absolut der gleichen Lebenssituation von gestern mit, dass heute Hektik, Hetze, Zeitdruck, Unstimmigkeiten und Stress herrschen, wo gestern Frieden, Freude, Liebe und Genuss war.

    Gestern war ich so klar im Koppe, heute könnte ich dauernd nur im Kreis laufen.

    Das ist doch wohl ätzend!

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Kein Tag wie der andere

    Mir ist schon lange vor meiner Diagnose an mir aufgefallen, dass sich meine Stimmung stündlich ändert. Ich habe das schon lange als Teil meines Selbsts akzeptiert.

    OK, es hat den Nachteil, dass ich mich über eine Sache beim ersten mal mehr, später dann weniger aufrege, oder meine Meinung über eine Situation sich innerhalb einer kurzen Zeit sich ändern kann, sprich: die Reaktion auf eine Situation ist sehr von meinem akuten emotionalen Empfinden abhängig. Aber genau dadurch, dass ich keinen stabile emotionalen Zustand KENNE, kann ich die gleiche Sache aus mehreren Perspektiven betrachten, und ich hab auch deshalb (vermute ich) einen sehr differentierten Blick auf die Welt.

    Vielleicht hilft gerade dieser instabilen Seelenzustand, sich vor einer eingefahrenen Meinungsbildung zu schützen, und vielleicht sind gerade deshalb ADHS'ler bzw. Menschen mit ähnlicher Hardware oftmals "besondere" Menschen, sprich anders, weil die Welt eben anders betrachtet wird.

    Also nicht nur technisch, durch die offeneren Reizfilter, sondern eben durch die emotionale Bewertung, die eben differentierter ist.


    Ich meien auch, dass gerade die großen Philosophen alles andere als seelisch stabile Menschen waren.


    Eischränkend möchte ich noch erwähnen, dass ab einem gewissen Grad an emotionaler Instabilität das Leben sicher alles andere als angenehm wird und der positive Effekt eines solchen Gemütszustandes mehr und mehr schwindet.

    Ein ADHS-diagnostizierer Freund von mir hat z.B. das Problem, dass er sich nicht sicher ist, ob eine Meinung von ihm wirklich seine eigene ist, da er höchst selbstunsicher ist. Also führt seine seelische Instabilität und seine Selbstunsicherheit hier zu einem vielleicht typischen ADHS Problemen.

    TROTZDEM gehört er für mich zu den interessantesten (und differentiert denkensten) Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte.

  3. #3
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Kein Tag wie der andere

    Diese emotionale Differenziertheit ist mir aber auf die Dauer des Lebens irgendwann mal zu anstrengend geworden.

    Aber jetzt, wo sie eben durch Medis viel viel stabiler ist, merke ich erstmal, dass ich auch nicht unbedingt meine echte Meinung zu den Dingen kenne, wenn die heute so ist und morgen schon das Gegenteil. Wer weiß also, was von all meinen Vorschäden aus Kindheit und Jugend weniger mit den Leuten als mit meiner Labilität und Verletzbarkeit zu tun hatte?

    Heute merke ich auch, dass ich früher meist zwischen Euphorie/Aufgekratztsein und Depri/Angst hin und her schwankte und die meisten Leut langweilig fand. Hat sich auch mehr Richtung Zwischentöne verändert durch die Medis und Therapien.

    Also, frag mich derzeit nicht, was normal ist, keine Ahnung.

    LG Maggy

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Kein Tag wie der andere

    Ich glaub wenn man die schlimmen Spitzen (eventuell unterstützt durch Therapie & Medis) weit genug abmildern kann, lässt es sich mit dem Typ Hirn wie wir ihn haben gut leben.

    Normalität ist eine Illusion der Massen.
    Ich will gar nicht wissen was in den Leuten vorgeht die sich normal schimpfen und den ganzen Tag damit beschäftigt sind, einen Schein aufrecht zu erhalten.

    Jedem das seine, "normal" sein hat auch den Vorteil, sich keine eigenen Gedanken machen zu müssen. Mehr oder weniger.

    Ich bin froh, nicht "normal" zu sein, auch wenn das heißt von einer Krise in die nächste zu schlittern.

    Ich wünsch dir viel Erfolg, deine Mitte zu finden, ist schwer genug...

  5. #5
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Kein Tag ist bei ADHSlern wie der andere

    Naja, alles, was mir nicht unerträglichen Leidensdruck beschert oder so nervig ist wie der extreme Stimmungswechsel gestern, ist für mich o.k., denn bei mir stimmt es, wie ich bei dir in den Infos zu deinem Wohnort so treffend finde: "In meinem Kopf". Da ist es nicht nur am lebendigsten, sondern da bin ich auch am meisten, stimmt schon.

    Ich habe ja seltsamerweise für eine ADHSlerin eine besondere soziale Begabung, so dass ich viele Freunde und Bekannte habe. Viele Normalos auch. Und der Unterschied von deren Leben und meinem ist nicht, dass die weniger Macken haben oder weniger Baustellen, sondern dass die sich weniger dagegen wehren.

    Wieoft ich schon gedacht habe bei Normalos:" Wenn ich so gestresst und fertig mein Gesicht im Spiegel sehe wie der mir da jetzt gegenüber aussieht, dann bin ich schon im Burnout."

    Also, ich empfinde alles viel extremer halt als Normalos und bin immer völlig erstaunt, was die sich bieten und gefallen lassen.

    Meine Mitte finde ich am besten in Gebetsmeditationen, aber an Tagen, wo ich schrecklich überreizt bin, klappt es dann auch nicht, meistens aber schon.
    LG Maggy!

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: Kein Tag ist bei ADHSlern wie der andere

    also mein Leben ist nicht gerade abwechslungsreich

    Außerdem: Wenn wirklich jeder Tag anders ist, ist es doch auch immer das gleiche

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Kein Tag wie der andere

    Maggy schreibt:
    Aber jetzt, wo sie eben durch Medis viel viel stabiler ist, merke ich erstmal, dass ich auch nicht unbedingt meine echte Meinung zu den Dingen kenne, wenn die heute so ist und morgen schon das Gegenteil. Wer weiß also, was von all meinen Vorschäden aus Kindheit und Jugend weniger mit den Leuten als mit meiner Labilität und Verletzbarkeit zu tun hatte?
    Ich glaube nicht, dass es eine "echte" Meinung zu irgendwas gibt bzw. denke ich, dass es sinnvoll ist, dass man seine Meinung ändern kann, wenn sich z.B. die Umstände ändern oder eben wenn man selber sich ändert.

    Zur Verletzbarkeit und Labilität: Das sind zwei Eigenschaften von dir. Und andere Menschen, dich nicht gut genug kennen, laufen schnell Gefahr, dass sie dich verletzten. Daher denke ich, dass die "Realität" irgendwo dazwischen liegt. Es liegt wahrscheinlich ein stückweit an den Leuten, die dich nicht kennen und eben an deiner Verletzbarkeit.
    Wichtig finde ich die Erkenntnis darüber. Also, dass ich weiß, wie ich ticke. Dass ich eben labil und verletzlich bin. Und dass mich daher Andere sehr schnell verletzen können und dass es für andere schwer ist, mit mir klarzukommen, weil ich eben so labil bin. Und da hilft mir dann die Tatsache, dass meine Meinung über was ständig wechselt und ich die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann.
    Wenn mein Chef heute was zu mir sagt, was mich fast zum Heulen bringt, weil ich heute generell einen miesen Tag habe. Dann kann es sein, dass ich das morgen (wenn meine Sonne wieder scheint), schon wieder ganz anders sehe und merke, dass ich überreagiert habe.

    Meine ständig wechselnde Sicht der Dinge gleicht ein bisschen meine Verletzbarkeit und Labilität aus.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Kein Tag ist bei ADHSlern wie der andere

    Vielleicht müssen sie sich auch gegen weniger wehren, denn wer mehr verträgt, schreitet eben erst bei erreichen seines entsprechend höheren persönlichen Limits ein.

    Mein Limit ist auch sehr niedrig, nur neige ich ständig dazu, ständig an meine Grenzen zu gehen (leider bis ins schadhafte), wobei ich eben auch gleichzeitig lerne, besser damit umzugehen... hoffe ich zumindest


    Ich habe noch zu wenig von dir gehört um das beurteilen zu können, aber beschäftige dich mal mit Hochsensitivität (HS), da gibts ein paar wenige gute Bücher dazu. Ich denke ist nicht mal so ungewöhnlich für AD(H)S'ler, also die Kombination von beidem.

    Ach, und ich glaube das ist nicht mal so untypisch, dass ADHS'ler sich mit ungewöhnlich vielen Leuten verstehen. Ich denke das kommt von der oft zugrundeliegenden Kreativität (gerade in Gesprächssituationen), oft vielfältigen Interessen und ein feines Gespür für das Gegenüber. Und den Hang zu neuem oder so... ach is ja auch egal

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