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Diskutiere im Thema Nachfahren der Jäger im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Nachfahren der Jäger

    Liebe Jäger,

    genau so ist es! Es gibt auch unter den Menschen verschiedene "Arten", Art zu sein. Das war (und ist) für die Ganzheit im Leben notwendig.
    Wir mit unserer Hirnstruktur sind die Jäger im Stamm der Menschen. Solange wir auch unsere Natur irgenwie leben können, haben wir auch keine Probleme und fallen nicht auf.
    Doch in der derzeitigen Welt wird es für unsereins immer schwerer, zu sein. Wir fallen als "nicht normal" aus der Reihe. Wir funktionieren nicht im Schema. Sofort ist es eine Erkrankung, Störung, wie auch immer, die behandelt werden muss. Wozu? Damit wir wieder in dieser Welt funktionieren. Wir sind halt diejenigen, die mit ihrer Art offensiv auffallen. Was ist mit den Sammlern, Strategen, Häuptlingen...?
    Was/Wer ist denn normal?
    Ich denke auch, dass wir auffallen sollen, damit sich etwas ändern kann. Bewegung ist Leben, Leben ist Bewegung. Die Strukturen, in denen wir leben, werden/sind zu starr, auf Kontrolle und Macht ausgerichtet.
    Sie entfernen sich vom Natürlichen. Wir sind halt keine Mitläufer, sondern Selbstläufer! ;-)

    LG Raubkatz

  2. #12
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 216

    AW: Nachfahren der Jäger

    zlatan_klaus schreibt:

    Aber wir haben eben auch tierische Seiten ins uns, denn "Die Jagdleidenschaft ist in der menschlichen Seele tief verwurzelt". Charles Dickens (Oliver Twist, 1837)

    Meiner Meinung nach sind Menschen "zivilisierte Tiere". Eine extreme Ansicht, die ich auch manchmal gerne widerlegt haben würde. Ich führe auch einen inneren Diskurs darüber. Denn sie ist nicht so romantisch wie der der Kirche, in dem wir gottesähnliche Lebewesen sind,[/B][/U]
    Ja, diese Ansicht kenne ich gut. Jedenfalls kommt es mir bei 98% aller Situationen so vor, als dass diese tierische Seite domniniere und es regt mich manchmal "tierisch" auf, wenn ich dieses aggressive und/oder sexualgesteuerte Verhalten erlebe . Aber es gibt da definitiv mehr... Selbst in einem Tier existiert mehr als all die Eigenschaften, die man, als tierisch bezeichnend, ihnen zuspricht.

    Manchmal denke ich mir, dass diese Ordnung, in der wir alle verweilen, total lächerlich ist. In der U-Bahn sitzend; jeder starrt ruhig, sinnlos und scheinbar einsam in die Luft, obwohl bei Jedem das Bedürfnis nach Interaktion vorhanden ist, welches aber schlicht unterdrückt wird.
    Man könnte sogar meinen, dass Mensch-Sein hieße, das Tier zu unterdrücken, um eben keines zu sein; jendefalls glaube ich, dass Viele dieser Ansicht sind...




    MmmBop schreibt:
    [...] aber wenn man den Stromimpuls an die richtige Stelle injiziert, dann fängst du an zu tanzen, ob du willst oder nicht. -> [B]Synapsentier!
    Das erste, was mir durch den Kopf ging war (neben einen wild tanzenden Menschen): "Will ich ausprobieren und solange trainieren, bis das nicht mehr funktioniert Bzw. wäre schon interessant zu wissen, ob man das nach einer Zeit nicht doch Steuern kann; also Ob der Wille nicht doch irgendwo/irgendwann stärker sein kann, als äußere Einflüsse.

    MmmBop schreibt:
    Naja, nur Schade das die meisten Ärzte dies offensichtlich nicht begreifen wollen. Das Medizinstudium ist ja sowieso nicht dazu gemacht freiheitlich zu denken. Lieber auf vorstrukturierten Lernwegen arbeiten... hihi. Vielleicht ham die ja auch alle ADS. Wobei...neee, da fehlt der Querdenker.
    Eigentlich müssten die ADSler vermehrt Medizin studieren (wenns nicht überwiegend so langweilig und qualvoll wäre...). Allein schon, weil sie als sehr fürsorglich, hilfbereit, empathisch und gerecht gelten > Sehr wichtige Fähigkeiten eines Arztes.

  3. #13
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Nachfahren der Jäger

    Hallo

    ohne jetzt vertieft theorien gelesen oder wissenschafliche thesen studiert zu haben, bin ich für mich
    zum schluss gekommen, dass wir also adhsler uns einfach aus der evolution heraus anders entwickelt haben.

    was bleibt sind theorien und thesen und die erkenntnis, das wir die dinge anders verarbeiten.

    da wir eigentlich von einem tier abstammen und uns weiterentwickelt haben - ist, so meine ich relativ bewiesen, doch warum
    wir z.b. von unserer gehrinmassen nur ein prozentsatz benützen oder warum die verarbeitung von den verschiedenen gehirnarealen
    anders verläuft wird erforscht.... kann man dies nicht einfach auch zur entwicklung zählen? jeder entwickelt andere stärken, andere qualitäten,
    andere existenssichernde strategien (bewusst und unbewusst).... sich der umgebung am besten anpassen?
    ev. hatten wir uns auf eine andere art angepasst als andere, was heute den unterschied macht?

    ich habe mal eine reportage gesehen, wo man die kreativität erforschte... warum können einige 1:1 abbildungen malen, andere eher abstrackt....
    gaanz interessant..... hierzu ist man der these gefolgt, dass wir um unsere sprache zu entwickeln, dies auf kosten unseres photografischen gedächnisses
    gemacht haben und diesen teil verkümmern lassen haben.... z.b. für ein affe ist es notwendig sich bildlich einzprägen wo, was ist... doch die paar laute, die
    er zur "kommunikation" braucht genügen ihm auch....

    gruss, egal woher wir abstammen.... ich glaube, dass wir uns auf anderes eingestellt hatten als die anderen.

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Nachfahren der Jäger

    Hi Zlatan,

    sorry habe erst gerade bemerkt, dass du noch mehr zu meinem Text geschrieben hattest.

    Unser Frontalhirn, das für Emotions-, Verhaltens- und Handlungskontrolle zuständig ist, hat eine Unterfunktion bzw. ist "unterentwickelt", auch unsere Reizfilterung ist gestört. Wir nehmen fast ungebremst alle Reize aus der Umgebung auf. Und sind dadurch auch leider Stressanfälliger. Jedoch ist die Kreativität dadurch erhöht. Denn im Gegensatz zum "Normalhirn", haben ADSler diffuse Denkbahnen. Wenn wir gestresst sind explodiert ein Feuerwerk der Gedanken im Kopf. Sind wir unterstimuliert haben wir eine Leere im Kopf. Durch die ständige Reizüberflutung aus der Umwelt sind wir quasi im Dauerstresszustand aus dem sich ab der frühen Kindheit Krankheiten und Anfälligkeiten ergeben können. Ich könnte jetzt noch genauer und medizinischer darauf eingehen, es ist aber leicht nachlesbar. Auch hier im Forum. Du hast ja auch dazu schon eine Quelle genannt.
    Das Problem der Reizfilterung ist meiner Meinung nach ursächlich für die meisten psychischen "Krankheiten". Wir leben heute in einer Welt, die für sensible Menschen krankmachend ist. Davon bin ich 100%ig überzeugt. Kann man sich nicht effizient abschirmen bzw. besitzt man eine gewisse Anfälligkeit, so ist man sozusagen prädispositioniert für die Entwicklung psychischer Störungen.

    Die Unterentwicklung des Frontalhirns ist jedoch kein spezifisches ADHS-Kennzeichen. Es findet sich auch bei Schizophrenie-Erkrankten.


    Für mich stellt sich die Frage, ob AD(H)S überhaupt eine Krankheit genannt werden kann, oder eben eine veraltete Systemkonfiguration ist, abgestimmt auf Jagdmechanismen die dem Überleben dienen. Diese Systemkonfiguration (ca. 20 Gene sind dafür "verantwortlich" ) ist genetisch übertragbar und deshalb auch mutiationsanfällig. Da hast du also auch da völlig Recht:
    Kein Mensch gleicht folglich einem anderen.

    Auch ich habe Zweifel an dieser Theorie. Was sollen hypoaktive ADSler dann sein?
    Dafür stellt sich für mich noch kein Erklärungsansatz. Jedoch:
    Die Theorie von Thom Hartmann geht eher um hyperaktive ADSler. Da jedoch ADS, wie schon erwähnt, genetisch bedingt ist und wie du erwähnt hast, sich anscheinend die Genetik permanent ändert, kann es sein dass hypoaktive ADSler eine nochmalige genetische Mutation haben. Vielleicht eine verzweifelte Maßnahme von hyperaktiv-machenden Genen, sich an die Gegebenheiten der Neuzeit und der Bauerngesellschaft anzupassen. Wer weiß das schon ? Schwer sowas nachzuweisen.
    Es ist bisher noch kein ADHS-spezifisches Gen entdeckt worden. Sonst wäre die Diagnose wohl heute auch einfacher und müsste sich nicht über Komplexe Fragebögen und hirnphysiologische Untersuchungen erstrecken. Es gibt bestimmte repetitive Gensequenzen, die bei allen psychischen Störungen gefunden werden und heute als Marker gewisser Anfälligkeiten gesehen werden. Man weiß, dass ADHS auf eine Art vererbt wird. In Familien, in denen ADHS gehäuft vorkommt kommen allerdings ebenso andere psychische Störungen gehäuft vor. Am markantesten ist das Auftreten der bipolaren Störung und der Schizophrenie. Demzufolge geht man heute davon aus, dass dieselbe Gensequenz dafür verantwortlich ist. Wobei ich persönlich bestreiten mag, dass es ein "krankes" Gen ist. Ich würde es vielmehr als Kreativitätsgen bezeichnen. Genie und Wahnsinn liegen bekanntermaßen eng beieinander.

    Schizophrenie und Zwänge haben relativ oft stressbedingte Ursachen. Es gibt unzählige geistige Krankheiten. Viele brechen auch oft bei sensiblen Menschen aus weil diese sich in dieser Gesellschaft und den Lebensumständen nicht erwehren können.
    Diese Krankheiten haben scheinbar keine evolutionäre Funktion.

    Aber fangen wir mal mit den Zwangskrankheiten an. Oft eine Reaktion des Gehirnes auf ungelöste Probleme.
    Also Schizophrenie wird in jedem Fall vererbt, soviel ist mittlerweile gesichert. Wobei ich den Begriff der Schizophrenie als Krankheit nicht mag. Es ist, wie oben beschrieben, eine Vulnerabilität für bestimmte Empfindungen., die mit einen hohen Kreativität und Imaginationsfähigkeit einhergehen. Allein die Tatsache, dass der Symptomkomplex der Schizophrenie so zahlreich ist, zeigt, dass man die Krankheit als solche nicht erfassen kann und heute auch immer noch nicht begriffen hat. Es ist auch unklar, warum einige Menschen vollständig "geheilt" werden können und andere lebenslang darunter "leiden". Ein Widerspruch.

    Was du über die Zwänge sagst, dem kann ich nur zustimmen. Zwänge sind in der Tat eine Möglichkeit, innere ungelöste Konflikte irgendwie abzubauen. Da ich selbst betroffen bin, kann ich von mir jedenfalls behaupten, dass dies im Bereich des Möglichen steht. Ich merke oft, dass ich meine inneren Gefühle nicht deuten kann. Mein Körper reagiert dann oft mit Bauchschmerzen oder Herzrasen und ich denke dann direkt, ich könnte krank sein. Meist sind es Freunde die mich darauf hinweisen, dass ich momentan viel Stress habe und dieser wohl eher die Ursache meiner Symptome ist und dann fällt es mir erst auf, dass ich im Grunde Angst vor etwas habe oder etc. pp..

    Generell muss man aber sagen, dass diese hirnphysiologischen Veränderungen bei den meisten psychischen Krankheiten gefunden werden. Sowohl bei Zwängen, als auch bei Schizophrenie, Autismus, der bipolaren Störung und ADHS. So finden sich bei all diesen Störungen meist erweiterte Hirnventrikel und gewisse Reduktionen an grauer Masse. Es finden sich im fMRT unterschiedliche Aktivitäten in verschiedenen Hirnbereichen.
    Wo sich wieder die Frage stellt: Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?

    Das Gehirn ist durchaus in der Lage sich umzuprogrammieren. Wenn wir unser Verhalten ändern und dies kontinuierlich, dann knüpfen sich neue synaptische Verbindungen und alte neuronale Kreise werden durchbrochen. ADHS-Kinder, die als Erwachsene keine Zeichen der Störung mehr zeigten, hatten die zuvor im MRT festgestellten Veränderungen auch nicht mehr. Ebenso hat man feststellen können, dass Essgestörte, ebenso wie bei den o.g. Störungsbildern, weiße Hirnmasse abbauen. Nach Gewichtszunahme war dieser Zustand teilweise reversibel.

    Sowas finde ich dann doch sehr interessant.

  5. #15
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Nachfahren der Jäger

    hab einen interessanten artikel gefunden:

    adhs - nomaden vrs.adhs - sesshaft geworden: (evolutionsvorteil adhs?)

    Hyperaktivität: Evolutionsvorteil ADHS - News - FOCUS Online

    gruss

  6. #16
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Nachfahren der Jäger

    Zu der Definition von "krank" kam mir gerade eine Frage in den Sinn:

    Wir wissen ja, dass wir alle, also alle Organismen auf diesem Planeten, aus einem Urtierchen entstanden sind. Durch Mutationen hat sich unser Genom ständig erweitert und es sind komplexe und differenzierte Organismen, wie z.B. der Mensch entstanden. Dies alles lässt sich durch Genanalyse zurückverfolgen.

    Nun, nehmen wir an, 2 Männer gehen nacheinander wegen einer traurigen Verstimmung zum Psychiater.

    Der Erste erzählt dem Psychiater: "Ich glaube wir sind alle Teil einer Matrix. Alles um uns herum ist Teil eines Computerprogramms. Unsere Körper leben, damit wir als Batterie Energie für die Maschinerie zur Verfügung stellen können."

    Der Zweite erzählt dem Psychiater:" Ich glaube das irgendwo im Himmel ein höheres Wesen sitzt, welches über mich wacht und auf mich aufpasst. Letztens erst hatte ich das Gefühl ein Schutzengel hat verhindert, dass ich von einem Auto überfahren werde. Wenn ich mal tot bin werde ich im Paradies sein."


    Der erste Mann erhält wahrscheinlich ein Rezept für ein hochpotentes Neuroleptikum und wird gebeten, sich in ein paar Wochen nochmal zu melden, wenn es nicht besser wird. Dem zweiten Mann wird eventuell ein leichtes Antidepressivum verordnet, damit er seine traurige Grundstimmung bekämpfen kann.

    Warum?

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Nachfahren der Jäger

    Hallo,
    ich bin mir nicht sicher, was wirklich an dieser Theorie dran ist. Die Menschen mit ADHS, die ich getroffen habe, waren von der Mentalität und überhaupt ganz anders als ich (viel impulsiver und wilder). Liegt vielleicht auch daran, dass ich die sog. Hypo-Variante habe. Bei mir liegt das Wilde sehr versteckt und blitzt nur selten durch. Aber was ich an mir selbst zu dieser These bemerke: Es gibt Menschen (meist Frauen) die mich auf der Straße schon von ganz weit weg bemerken (und ich sie auch...) manche wirken dann richtig ängstlich, wenn wir aneinander vorbei gehen, andere fühlen sich angemacht. Zur Erklärung:ich bin ein eher unscheinbarer Mittvierziger, der weder wie ein Erotomane, noch wie ein Beil schwingender Irrer wirkt, deshalb ist es rätselhaft. Auch die betroffenen Menschen konnten nicht erklären, warum sie so reagieren (ich habe ein paar gefragt) -bis auf eine junge Frau, die mir sagte, ich hätte einen sehr starren Blick, den sie schon von weitem wahrgenommen hat. Ich schätze, dass ist wohl eine Art unbewusstes Hyperfokussieren oder so..., denn wenn ich durch die Stadt gehe, nehme ich alles eher als einen Audiobrei mit ganz vielen optischen Reizen wahr und konzentriere mich auch nicht auf einzelne Menschen oder Gegenstände. Es sind Bewegungen und Blicke, die ich ungewollt und unbewußt sehr stark wahrnehme.Da reagiere ich dann reflexartig und irgendwie hat diese Situation dann tatsächlich etwas von "Jäger und Antiolope" im übertragenen Sinn. Ich habe nicht solche Fantasien, wie einige von euch das geäußert haben. Ich bin nicht auf der Suche nach einer Frau und will auch nicht jagen oder durch den Wald streifen und so, auch wenn der Bürojob nervt und mich nicht aussfüllt, die Stadt ebenso, aber ich habe mich damit ganz gut arrangiert. Ich fahre allerdings sehr viel (fast schon exzessiv) Fahrrad und bin oft sehr unruhig (was Leute die mich nicht gut kennen häufig als nervös oder angespannt wahrnehmen und auch missdeuten - vieleicht ist das auch noch eine Komponente zu s.o.).
    Liebe Grüße
    Philips

  8. #18
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: Nachfahren der Jäger

    Lieber Philips,

    Nur zu gut kann ich deine Lage nachvollziehen. Was mich am meisten stört ist meine fehlende Selbstwahrnehmung. Ich bin ca. 1,90m groß und war schon immer eins der sportlichsten Kinder in der Schule. Ich brauchte schon immer den Kick, sonst war ich "traurig". Ich wusste jedoch nie woran es lag, denn wie bei den meisten anderen manifesitiert sich das Bild eines "Normalos" als Ideal.
    Bei mir wurde ADS vermutet, aber ich selbst habe es nie ernst genommen. Bzw. ich wurde nicht darüber aufgeklärt wie schwerwiegend es sein kann.
    Ich dachte es sei eine einfache Unfähigkeit sich länger zu konzentrieren. Durch das Gymnasium kam ich auch so, aber mit so viel Krach... Das tut mir heute noch Weh, wenn ich weiß dass vieles einfach so unnötig war. Und warum es so war. Durch Aufarbeitung von Momenten kann ich besser damit umgehen.

    Ich bin einer um umgänglichsten Menschen wenn ich entspannt bin.
    Bin ich reizüberflutet dann werden meine Mimik und Gestik ziemlich aggressiv, leider nehme ich das selbst nicht wahr. Ein Mädchen meinte mal zu mir ich hätte eine extreme Ausstrahlung. Was nicht unbedingt gut oder schlecht ist.

    Geht es mir gut, strahle ich das auch. Geht es mir schlecht auch.
    Ich muss ganz ehrlich sagen dass, als ich mit Freunden in meiner Pubertät auf Festen abends unterwegs war, ich ziemlich schnell von den Menschenmassen reizüberflutet war. Wobei es abends noch geht. Ich denke in der Nacht sogar einfach schneller und besser.
    Aufjedenfall wurde ich sehr oft auf Festen dumm angemacht. Ich wusste jedoch nie
    Das hat mich schon derbe verunsichert.

    Es ist wie ein Teufelskreis.


    Ich gehe Abends weg -> Irgendwann bin ich reizüberflutet -> Ich nehme mich selbst nicht mehr wahr, weil die Reize von außen so viele sind -> Mein Gehirn reagiert aggressiv auf diese Überflutung -> meine Ausstrahlung wird negativ -> Andere Menschen fühlen sich non-verbal total angemacht bzw. feindselig gegenüber mir -> ich weiß nicht wieso, weil ich mich selbst nicht "sehe" -> ich bin verzweifelt und rede mir ein es liegt an meinem Äußeren auftreten Kleidung usw.


    Ich habe dann gemerkt, dass mich eine Stimulanz wie zum Beispiel Alkohol mich beruhigt und "klar" macht. Daraufhin trat genau der gegensätzliche Kreislauf ein. Ich war entspannt und die Leute haben mich sehr gemocht. Krass nur, dass ich eigentlich überhaupt keinen Plan hatte warum sie mich mochten oder wie vorher hassten. Das machte mich lange Zeit echt verzweifelt.

    Ich denke Frauen sind noch empfänglicher für solche Blicke.
    Wenn ein sensibler Jäger des Dschungels durch die Menschenmassen der Stadt zieht, fühlt er sich zu tiefst bedroht. Darauf folgen aggressive Verhaltensweisen die sich dem Verstand entziehen können: Böse Blicke, eine aggressive Körperhaltung, Mimik und Gestik zum Kampf bereit... eigentlich Verteidigungseinstellung einer überforderten Systemkonfiguration...

    WIr Menschen nehmen sooo vieles unbewusst wahr. Die Kommunikation alleine läuft über soviele Faktoren und es kommt sehr oft vor, dass manche nebenher sagen "Den mag ich nicht, ich weiß aber nicht wieso!"... Es liegt daran dass wir aufgrund unserer Hirnstrukturen auch Tierische Seiten ins uns haben. Zum Beispiel das Reptilienhirn, das nicht umsonst so heißt, weil es für Ur-Ängste verantwortlich ist. Oder dafür dass du immer in der Bib schaust wer an deinem Tisch vorbeigeht und ihn als möglichen Angreifer musterst. Wir interpretieren das oft als pure Neugierigkeit, dabei wird das unbewusst gesteuert...

    Es gibt Abende an denen ich immernoch ziemlich dumm angemacht werde. ich weiß aber nun woran es liegt. Deswegen versuche ich mich bestmöglich fürs abendliche weggehen vorzubereiten.

    Karnevalsonntag war einer der besten Tage in diesem Jahr.
    Ich habe mir morgens gedacht:

    "Heute abend wird gefeiert. Damit ich auch eine positive Ausstrahlung habe und ausgeglichen wirke, muss ich dafür was tun". Die Folge war,

    Ich bin 1 Stunde am "Alt-Rhein" spaziert. Eine wunderschöne Naturlandschaft. Ganz alleine.
    Darauf bin ich 1 Stunde gejoggt. Und auf dem Rückweg bin ich aus Spaß einem Schwarm Enten "jagend" hinterhergerannt. Wie ein Raubtier. Hört sich dumm an, aber das war der Beste abend meines Lebens. Ich hatte so eine positive Ausstrahlung, ich muss sagen die Frauen haben das auch als erstes gemerkt

    Daraufhin wusste ich. Ich funktioniere anders. Durch das Fernsehen und die Schule bekommen wir jedoch Norm-Bilder eingebläuet:

    "Der brave Büroarbeiter der brav seine Arbeit tut und geregelt lebt."

    Ich habe mich davon gelöst. Ich weiß mein inneres Tier, meine tiefsten Bedürfnisse können so nicht befriedigt werden. Ich will einfach keinen Bürojob und keinen Computer den ganzen Tag. Ich würde dabei untergehen. Wir sind zivilisierte Menschen, deswegen müssen wir darauf aber auch achten was unsere Bedürfnisse sind.

    Ich schwimme nun sehr viel, jogge, laufe und versuche meine Bedürfnisse dadurch so gut wie möglich zu decken. Manchmal aber möchte ich einfach alleine durch den Wald ziehen und wie ein UR-Mensch Wildschweine jagen ...

    Hört sich total verrückt an, aber die Jagdleidenschaft ist sicher groß in ADSlern. Ich erinnere mich noch daran wie mein Kollege ein paar Feldhasen hinterhergerannt ist, mit so einer Dynamik das war witzig, aber auch komisch, denn er wusste instinktiv wie er sich zu bewegen hatte und hätte sich auch einen fangen können!
    Wir lieben aber Tiere und mir liegt nichts anderes mehr als im Einklang mit der Natur zu leben.

    Ich denke auch wir benutzen unser ganzes Gehirn.
    Die Frage ist bewusst oder unbewusst.


    Bewusst benutzen wir nicht viel da wir auch garnicht wissen wie wir an bestimmte Ressourcen kommen. Vielleicht sollte man das in der Schule lehren, wie man mehr benutzen kann. Es ist halt auch die Art und Weise wie wir das Benutzen unseres Verstandes erlernen. Heutzutage wird einem die Kreativität in der Schule ziemlich ausgeschlagen. Es gewinnt meistens der, der stupide auswendig lernen kann. Dadurch verlieren wir schon auf grund der Schule große Teile unserer Fähigkeiten. Und unserer "Ur-Fähigkeiten"... Ich denke es wäre theoretisch möglich zu sagen warum man jemanden auf "den ersten Blick" nicht mag, wenn man gelernt hat. diese Informationen ab zu rufen.

    Zu MmmBop,

    Was krank ist, das wird, wie schon erwähnt, nach der Norm bewertet. Was rausfällt aus fast "vorgegebenen" Denkformen, wird oft so definiert.


    Ich leide unter keinem Weltschmerz, den haben wir Deutsche grundlegend stärker als andere Nationalitäten, jedoch bin ich ein wenig traurig darüber dass man gleich immer abgestempelt wird. In den USA wird ADS viel mehr diskutiert und aber auch toleriert. Es liegt vielleicht auch daran dass ein Großteil der damaligen Einwanderer, risikofreudige Menschen waren die gerne Neues entdecken wollten. Mit dem Risiko garnicht über Ellis Island reinzukommen!
    Ein Ur-Großvater von mir ist sogar selbst in die USA und hat dort als deutscher "Gastarbeiter" in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gearbeitet. Eines Tages ist er Impulsiv und aus großer Heimweh einfach wieder auf ein Schiff in die Heimat gegangen. Man muss nur mal in seiner eigenen Familie schauen, man findet 100% jemanden der mit einem die gleiche Eigenschaften teilt. Meistens haben diese Menschen nie verstanden warum sie "anders" sind. Viele haben deswegen auch mehr oder wenig gescheitertes Leben.

    Aber schon alleine wenn einer von diesen, diesen Beitrag sich durchliest und einiges in sich wiedererkennen kann, so ist ihm meiner Ansicht ein wenig geholfen. Denn mit Sicherheit setzt er sich dann damit auseinander und hat ein neues Bild von sich.

    Denn was "wahr" ist und was nicht, weiß keiner so genau.....
    Geändert von zlatan_klaus (12.06.2011 um 22:47 Uhr)

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