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Diskutiere im Thema Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    Schon seit ich denken kann, gerate ich immer wieder in Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Dabei bin ich weder schüchtern noch ungern unter Leuten, ganz im Gegenteil... ich fühle mich wohl, wenn es um mich herum schön lebhaft ist. Doch leider gehe ich vielen Menschen schnell auf die Nerven, weshalb ich sowohl beruflich als auch privat Probleme habe.

    Ich bin über 30, habe beruflich aber noch nicht viel hinbekommen. Nach dem Abi und der Ausbildung habe ich zwar die meiste Zeit gearbeitet, davon allerdings nur 2 Jahre in Festanstellung. Ich habe insgesamt 8 Jahre Zeitarbeit hinter mir und wohl noch einiges vor mir, denn das Thema ist nach wie vor aktuell. Meine Arbeitszeugnisse waren bisher alle sehr gut, und ich bin mir sicher dass es nicht an meinen Qualifikationen liegt.

    Mein Bruder hat mir gestern in einem Gespräch bestätigt, was ich insgeheim schon vermutet hatte: Er ist felsenfest davon überzeugt, dass meine menschliche Seite das Problem ist. Mit mir kommen in der Tat nicht viele Leute auf die Dauer aus. Zwar habe ich Freunde und Bekannte, aber die meisten wohnen gar nicht hier in der Gegend. Ich habe ein Hobby, welches ich sehr intensiv ausübe und das schon seit Jahren. Ich habe bei den Treffen der Gleichgesinnten viele Menschen kennengelernt, die mich total gern haben und sich immer wieder freuen, wenn ich dabei bin. Ich gehöre dort fest dazu, werde von niemandem ausgegrenzt, und es entstehen immer wieder tolle Gespräche.

    Mein Problem ist, dass ich mich nur mit Menschen unterhalten kann, die ähnliche Interessen haben wie ich. Bei Menschen mit ganz anderen Interessen fällt mir oft nichts Passendes ein. Entweder schlafe ich beim Zuhören gelangweilt fast ein oder sage spontan aus dem Impuls heraus irgendwas, so nach dem Motto Hauptsache was gesagt... und bereue das schon 2 Sekunden später, weil es oft gar nicht in den Kontext passt. Außerdem falle ich ständig den Leuten ins Wort, sowohl auf der Arbeit als auch privat. Mein Bruder meint auch, dass meine Stimme, Mimik und Gestik unheimlich anstrengend sein können.

    Ich bin oft traurig, weil ich mehrere Jahre Berufserfahrung in einem Großunternehmen habe und mir wünsche, dort endlich eine Festanstellung zu finden. Außerdem habe ich fast keine richtige Freundin mehr. Eigentlich habe ich nur noch eine Frau in meinem Alter, mit der ich seit Jahren Kontakt habe... aber sie hatte schon immer sehr selten Zeit gehabt. Alle anderen Freunde und Bekannten sind Männer. Dabei hätte ich so gerne eine Freundin, mit der ich mich auf einen Kaffee treffen und meine Interessen teilen kann. Ich habe überwiegend männliche Interessen und kann mit vielen typischen Frauenthemen nichts anfangen, aber meine einzige Freundin hat auch ganz andere Interessen als ich und akzeptiert mich trotzdem wie ich bin.

    Ich habe schon so einiges versucht, die Mädels auf der Arbeit wollte ich kontaktieren, habe Leute ausm Netz getroffen usw... mehr als 1x wollte sich keine mehr mit mir treffen. Dabei finde ich mich ganz gut, so wie ich bin.. nur leider kommt meine Art oft nicht gut an .

    Kann man etwas dagegen unternehmen? Gibt es Möglichkeiten, den richtigen Umgang mit Menschen zu lernen?

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 352

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    Hallo Rose,

    da fällt mit ganz spontan eine Therapie Form für chronische Depressionen ein. CBASP, dort geht es auch darum, als chron, Depressiver verlernt man die Wirkung von einem selber auf andere und kann auch die Rückkopplung nicht mehr richtig deuten. Durch diese Therapie erlarnt man wieder welche Wirkung man auf andere hat und wie man in Situationen wieder agieren kann. dabei gibt es Hilfsmittel wie der Kiesler-Kreis (ein Instrument zur Verdeutlichung der eigenen Stimmung und Ausstrahlung) und der Situationsanalyse.
    Diese Therapie wird bei chronischen depressionen anfewendet und mir hat das sehr viel geholfen. Ich kann mir auch denken (bzw. bin mir sicher) das solche Instrumente auch "generell" im zwischenmenschlichen Bereich nützen. Google doch einfach mal danach...

    Viele Grüße

    Tom

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 36

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    Hallo Rose!

    Ich kenne Dein Probelm zur Genüge;
    ich bin zwar nicht so gern unter Menschen, schon überhaupt nicht wenn es Fremde sind,
    aber wenn ich beruflich mit anderen Menschen sprechen soll,
    gehts mir wir Dir, mir fällt nichts passendes ein bzw. weiß ich nicht worüber ich mit denen reden soll,
    sofern sie nicht eines meiner Interessen teilen und ich schaue dann auf den Boden oder Löcher in die Luft,
    und bin mit meinen 'Gedanken ganz woanders. Quasi eine Small-Talk-Unfähigkeit!

    Ich glaube der Lösungsansatz von meinem Psychologen könnte Dir da ev. auch weiterhelfen:
    Er hat mir geraten, das zu üben! Einfach beim Einkaufen, Spazierengehen, in Bars usw.
    immer wieder mal jemanden anzusprechen, und wenns nur wegen der Uhrzeit ist, oder wegen Feuer für die Zigarette,
    oder in einem Laden sich viele verschiedene Modelle des gesuchten Gegenstands zeigen lassen,
    daß man sozusagen einen kleinen Small Talk anfängt. Und die Basis is da ja das Gesuchte,
    also isses Dir vermutlich nicht ganz egal und Du kannst drüber reden!

    Ich bin zwar immer noch ungern unter Menschen bzw. meide Sie wos nur geht,
    aber wenns sein muß, habe ich mir durch diese "Übung" einen kleinen aber feinen Small-Talk-Wortschatz angesammelt,
    der sich fast immer und überall einsetzen bzw. anwenden läßt.


    Liebe Grüße,
    Dauman

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    @Tom: Vielen lieben Dank für deinen Tipp. Ich bin seit Oktober letzten Jahres in Therapie. Um genau zu sein mache ich eine Gruppentherapie bei einer Psychologin in einem ADHS-Zentrum. In der Gruppe fällt es mir nicht so schwer, anderen zuzuhören und mich in einem ordentlichen Maße selbst einzubringen. Ich falle den Leuten auch nur selten ins Wort. Langweilig ist es auch nicht, denn wir haben alle ein Thema, das uns verbindet - ADHS.
    Nach Meinung meiner Psychologin bin ich auch nicht depressiv. Ich habe 1-2 schlechte Tage im Monat, aber sowohl sie als auch ich sind davon überzeugt dass ich nicht an Depressionen leide.

    @Dauman: Du hast es auf den Punkt gebracht - Small-Talk-Unfähigkeit passt zu mir wie die Faust aufs Auge. Mit mir kann man sich stundenlang über Themen unterhalten, die mich interessieren. Ich bin auch ein guter Gesprächspartner in ernsthaften Angelegenheiten, aber lockeren Small Talk krieg´ ich kaum gebacken. Ich habe übrigens kein Problem damit, jemanden auf der Straße nach dem Weg zu fragen oder um Feuer zu bitten. Es fällt mir auch nicht schwer, die Verkäuferinnen im Supermarkt nach einem Produkt zu fragen, welches ich auf Anhieb nicht finde. Geht alles prima.

    Allerdings handelt es sich dabei um Fremde, die ich in der Regel nie wieder oder nur sehr selten zu Gesicht bekomme. Es gibt jedoch auch Menschen, mit denen man gezwungenerweise öfter zu tun hat und mit denen man auf die Dauer auskommen muss - wie z. B. Arbeitskollegen. Einmal pro Woche treffe ich mich mit 3 Sekretärinnen aus den Parallelabteilungen meines Unternehmens zwecks Austausch über aktuelle Themen. Wir verbringen dann eine halbe Stunde miteinander, und dabei wird auch viel Small Talk betrieben und über Privates gesprochen. Alle 3 Frauen sind ungefähr in meinem Alter und wirklich nett, aber man merkt schon, dass ich nicht so ganz zur Truppe gehöre wie der Rest. Eine von ihnen hat mir gestern offen gesagt, dass sie keine Umarmung zur Begrüßung mit mir wünscht, weil sie nicht so viel Nähe zu mir möchte. Ich bin froh über ihre Ehrlichkeit, mache mir aber natürlich auch Gedanken über die Gründe. Ich bin erst 7 Wochen hier, aber eine dieser 3 Kolleginnen ist auch nur 1 Woche länger hier als ich und wurde vom Rest schon nach wenigen Tagen immer zur Begrüßung umarmt (also auch von der Frau, die das bei mir nicht will).

    Ob am Telefon oder unter 4 Augen: Tatsache ist, ich halte das nicht aus wenn eine andere Person lange am Stück redet. Das überfordert mich total, und ich falle der Person dann automatisch unbewusst ins Wort. Ich merke auch, dass viele Menschen das stört, aber ich kann es mir schlecht abgewöhnen. In meinem Freundeskreis hält sich das stark in Grenzen... klar, die Leute reden ja auch über interessante Themen. Bei diesen Sekretärinnen-Treffs aber rutscht mir ständig was raus, wenn ich eigentlich meinen Mund halten sollte. Oder ich schaue in die andere Richtung, höre nicht mehr zu und träume vor mich hin. Ich weiß auch gar nicht, worüber mit Ausnahme von der Arbeit ich mit ihnen reden soll, obwohl sie echt sympathisch sind.

    Langes Zuhören ist für mich eine Zumutung. Ich bin froh, dass ich nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht habe und jetzt zusätzlich zur Arbeit ein Fernstudium absolviere. Vorlesungen wären für mich die Hölle, da müsste ich den ganzen Tag stundenlang ruhig sein und anderen Leuten zuhören... grausame Vorstellung! Ich bin auch schon immer Betriebsversammlungen aus dem Weg gegangen und habe gerne freiwillig Telefondienst für teilnehmende Kollegen gemacht, während sie bei der Versammlung waren - nur um dem stundenlangen Zuhören aus dem Weg zu gehen. Ich bin auch schon mal bei so einer Versammlung richtig eingeschlafen.

    Was mir auch auffällt: Wenn ein Mensch von Anfang an mir gegenüber eine distanzierte Haltung hat, bin ich total verkrampft. In meiner Familie waren die Menschen immer sehr offen und herzlich, und ich kann mit distanziertem Verhalten absolut nicht umgehen und gebe in ihrer Gegenwart oft unpassende Kommentare ab, weil ich eben verkrampft bin. Oder ich sage gar nichts und gehe ihnen aus dem Weg.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217
    WeißeRose schreibt:
    ...... auf den Punkt gebracht - Small-Talk-Unfähigkeit passt zu mir ....
    Du, wenn Dich das begeistern könnte wär es vllt. ein guter Tip Dich mal mit Rethorik (Kunst der schönen Rede u. a. auch der Small Talk) und / oder Dialektik (Kunst der überzeugenden Rede) zu befassen?!

    Da lernt mal viel und manchmal überraschendes über verbale und auch nonverbale Kommunikationsmechanismen von Menschen.

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  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    Ich finde mich in einigen von W-Roses Beschreibungen wieder und ein befreundeter Student schlug mir ebenfalls vor, soetwas zu lernen. Ihm hatte das wohl viel gebracht als er sich auf die Präsentationen und Vorträge im Studium vorbereitete.

    Ich habe aber gleich zu Beginn als ich in diese Hörbücher reinschnupperte, eine ungute Erinnerung an Schulungen für Verkaufsgespräche am Telefon oder Versicherungsvertreter oder Aboverkäufer.

    Diese Art liegt mir gar nicht.

    Ich frage aus Interesse nach Hintergründen eines anderen Menschen,...wenn ich mich jetzt in die "so lerne ich mit Menschen überzeugend zu reden" Nummer reinlese, käme ich mir später in einem guten Gespräch wie ein Betrüger vor.

    Ähnlich geht es mir ja schon, durch meine Empathie im Alltag, wenn ich nervöse oder ängstliche Menschen treffe und mitfühle, oder ihr leigentlich kaum merkliches Zurückschrecken oder Zittern trotzdem bemerke: Ich bin sofort selbst verunsichert.

    Ich glaube (nicht weiss, ich gebs ja zu) das mich das nicht weiterbringt.

    Mehr erhoffe ich da von innerer Ruhe für mich und eine gewisse "laisser faire" (machen lassen) Haltung bezüglich der anderen Menschen ohne ständig Kopfkino zu haben, welches mich verunsichert.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    ja, innere Ruhe ist da (bei uns ja generell) eine wichtige Geschichte, aber man muß ja über das, was man lernen will immer auch zuerst ein bißchen etwas wissen (Fakten u. Informationen) und davon verstehen (Veriefen), es dann üben und so letztlich zur Routine (unterbweusstes Funktionieren) führen.
    Ich fange oft mit Googeln nach den Schlüsselbegriffen an, z. B.: Jesuitendialektik, Rethorik, Kommunikationstechnik u. s. w. und dabei natürlich aufpassen, daß Du nicht immer wieder nur an Kursanbieter für Verkäuferschulungen und so gerätst!! )

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    WeißeRose schreibt:
    Schon seit ich denken kann, gerate ich immer wieder in Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Dabei bin ich weder schüchtern noch ungern unter Leuten, ganz im Gegenteil... ich fühle mich wohl, wenn es um mich herum schön lebhaft ist. Doch leider gehe ich vielen Menschen schnell auf die Nerven, weshalb ich sowohl beruflich als auch privat Probleme habe.
    Zum Nerven gehören immer zwei Personen: Die Eine, die scheinbar nervt und die Andere, die genervt ist.

    Du kannst nicht imnmer beeinflussen, ob deine Persönlichkeit auf andere Ablehnung hervorruft. Es gibt eine Menge Menschen, die schlicht unfair sind und andere Personen nach dümmlichen Merkmalen einsortieren. Davon brauchst du dir aber nichts anzunehmen. Du solltest dich auch nicht selbst verleugnen und krampfhaft anzupassen versuchen. Denn das ist unnatürlich und bewirkt bei dir diese innere Anspannung, die sich dann in irgendwelchen unpassenden Reaktionen entladen kann oder dir deine Ausstrahlung, deine Natürlichkeit raubt.

    Um Anpassung und Selbstverleugnung dreht sich in gesellschaftlicher Runde oft ziemlich viel. Ein tiefer See unbewußt agierter und detailliert austarierter sozialer Bestimmungen, gegen die man nur verstoßen KANN, wenn man das nicht mit in die Wiege gelegt bekommen hat, oder auch nur einfach ein Aussenseiter im Sinne eines seltenen Wesenstypen ist. Fremdartigkeit ist für viele Menschen etwas sehr negatives und befremdliche Menschen werden sehr oft automatisch abgelehnt. Das hat mit den Betroffenen oft wenig zu tun. Meistens mehr mit denen, die Ablehnen, was sie nicht kennen oder nicht akzeptieren können bzw. wollen. Alleine schon deshalb, weil der überwiegende Mainstream mit tief verwurzelten Angsttrieben auf Anpassung bis zur Selbstverleugnung getrimmt ist. Jeder, der diesen Regeln dann nicht ebenso angepasst ist, oder gegen einzelne Bestandteile des Systems der Attraktivität oder Ideal-Persönlichkeit verstößt, wird ausgegrenzt. Mal mehr, mal weniger. Die Betroffenen können dann rudern wie sie wollen, sie werden das nicht ändern können.

    WeißeRose schreibt:

    Ich bin über 30, habe beruflich aber noch nicht viel hinbekommen. Nach dem Abi und der Ausbildung habe ich zwar die meiste Zeit gearbeitet, davon allerdings nur 2 Jahre in Festanstellung. Ich habe insgesamt 8 Jahre Zeitarbeit hinter mir und wohl noch einiges vor mir, denn das Thema ist nach wie vor aktuell. Meine Arbeitszeugnisse waren bisher alle sehr gut, und ich bin mir sicher dass es nicht an meinen Qualifikationen liegt.
    ..
    Mein Bruder hat mir gestern in einem Gespräch bestätigt, was ich insgeheim schon vermutet hatte: Er ist felsenfest davon überzeugt, dass meine menschliche Seite das Problem ist...
    ..
    Ich bin oft traurig, weil ich mehrere Jahre Berufserfahrung in einem Großunternehmen habe und mir wünsche, dort endlich eine Festanstellung zu finden.
    Trenne zwei Dinge: Deine menschlichen Probleme und die beruflichen. Da seine hat mit dem anderen letztlich nichts oder nur wenig zu tun.

    Zeitarbeiter können nicht alle aufsteigen, das ist ein Unternehmermärchen, das sie gerne erzählen. Das ist die Karotte, damit alle Zeitarbeitnehmer sich 125%ig anstrengen, damit dann einige vielleicht für das Unternehmen übernommen werden können.

    Zeitarbeiter sind im Regelfall dafür da, damit das Unternehmen NICHT fest Angestellte hat. Zu glauben, das eine Festanstellung nach einiger Zeit winken würde, ist unrealistisch. Die Warscheinlichkeit ist äußerst gering, sämtliche Beteuerungen in diese Richtung sind nichts als Zuckerbrotpeitschenhiebe.

    Es hat vielleicht mit deiner Art zu tun, denn ach Personalchefs sind Menschen, die denselben Problemen unterliegen, die ich im ersten Absatz schilderte. Oft sogar noch mehr und in noch verschärfterer Form.



    WeißeRose schreibt:
    Dabei finde ich mich ganz gut, so wie ich bin.. nur leider kommt meine Art oft nicht gut an .
    Kann man etwas dagegen unternehmen? Gibt es Möglichkeiten, den richtigen Umgang mit Menschen zu lernen?
    Warum möchtest du dringend etwas unternehmen? Ich lebe auch ohne diese oberflächlichen und oft sinnlosen Sozialstrukturen. Wieviel kann man von Menschen erwarten, die eigentlich nicht an einem interessiert sind? Denen man erst wohlgefällig zu Kreuze kriechen muss? Die deine Besonderheiten nicht akzeptieren wollen, mit deiner Art nicht zurecht kommen?
    Du würdest letztich nur geduldet werden, wenn du mit krampfhafter Anpassung irgendwo aufgenommen würdest.

    Du scheinst ja kein Selbstwertproblem zu haben und deine Selbstwahrnehmung scheint auch in Ordnung.
    Ich verstehe dich so, das du letzten Endes die Sehnsucht hast eine Freundin zu finden, Anerkennung im sozialen zu bekommen, dabei zu sein. Das sind natürliche Bedürfnisse des Menschen, der letztlich ein soziales Wesen ist.

    Es ändert aber nichts daran, das man nicht auch alleine "sein Ding" machen kann und dann, wenn man für sich zufrieden sein kann, auch wenn man seine Einsamkeit und das Alleinsein, das "ungeteilte Erleben" mit Erfolg führen kann, wenn man sich nicht verbiegt um Anerkennung durch eine Form der Bestechung zu erhalten, dann werden auch andere sehen, das sie bei einem etwas lernen können. Das man ihnen etwas geben kann und sie werden Interesse entwickeln.
    Vielleicht ist das für Frauen nicht so einfach wie für Männer. Ich möchte es trotzdem empfehlen, das du einfach mehr du Selbst sein solltest. Aufrichtig, ehrlich. Kommuniziere deine Mitmenschen, das du anders bist, das du das weißt. Sag ihnen das du manchmal komischen Stuß redest, sie das aber nicht ernst nehmen müssten.

    Bekunde echtes Interesse an deinen Mitmenschen. Frage viel wie es anderen geht und interessiere dich wirklich dafür, wie es so ist. Frage nach echten Hintergründen und lass Smalltalk links liegen. Sei hilfsbereit, aber nicht naiv aufopfernd. Bekunde Mitgefühl, versetze dich gedanklich in die Situation der Anderen.

    Auf dieser Ebene wird dein Draht zu deinen Mitmenschen besser werden. Das passiert auch unabhängig davon, ob man besondere soziale Kontakte privat fest etablieren kann.

    Diese "Sozialer-Umgang-Lernen" oder "Smalltalk-Lernen" halte ich für falsch. Man betrügt sich und andere. Ich gehe heute hin und sage den Leuten einfach: Smalltalk liegt mir nicht. Damit ist das Thema durch. Wenn es einem nicht gefällt, das ich immer nur still herumsitze und er darüber lästert, frage ich nur über welches Thema er denn reden wolle. Dann erzähle ich zu dem Thema und nach wenigen Minuten Monolog sind die meisten froh wenn ich wieder Fresse halte .

    Aber wenn jemand etwas relativ genau wissen möchte, kommt es häufiger vor, das er dann bewußt zu mir kommt und fragt. Ich kann dann oft schnell und überdurchschnittlich detailliert antworten.

    Was ich sagen möchte: Sei du selbst. Alles andere ist nur die Akzeptanz des Falschen. Selbst dann, wenn du das richtige willst: Ein schmerzliches Bedürfniss erfüllen. Aber durch diese erlernte Oberflächlichkeit im sozialen Umgang oder Smalltalk entsteht nicht ein vertieftes Beziehungsgeflecht und auch keine echte Sozialstruktur. Es ist einfach nur ein Anstrich, den sich die meisten geben.
    Wirkliche Verbundenheit fängt in deinem eigenen Herzen an, indem du dich selbst so annimmst, wie du bist, ohne deine Bedürfnisse, Schwächen und Stärken zu leugnen. Und aus dieser korrekten Selbstwahrnehmung können wir auch anderen Menschen ihre Bedürfnisse, Schwächen und Stärken zubilligen. Daraus entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit, die auf Menschlichkeit basiert. Diese hat keine oberflächlichen Showacts nötig, sie ist tief verwurzelt und kann die Diskrepanz von Sollen und defizitärem Sein ertragen.


    Nun wirds schon fast Filosofisch. Ich hoffe ich konnte etwas sinnvolles für dich beitragen. Sonst kannst mir ja den Fisch wieder um die Ohren hauen .


    Alles Gute dir und verbieg dich nicht, sondern bleibe wie du bist. Oberflächlichen Mainstream haben wir schon genug. Charaktermenschen gibt es zu wenig.

    Es kommt nicht auf die soziale Technik an, sondern das man sich selbst und seine Mitmenschen wirklich mag. Dann klappt das alles auch, selbst dann, wenn es nicht so läuft, wie man sich das wünscht.
    Meiner Meinung nach sollte man sich fern halten von all dem Lerngedöhnse sozialer Techniken, weil das letztlich nur eine billige Manipulation ist.

    MFG
    Geändert von Sinnstifter (24.07.2012 um 14:50 Uhr)

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Wie kann ich den richtigen Umgang mit Menschen erlernen?

    manusch schreibt:
    Du, wenn Dich das begeistern könnte wär es vllt. ein guter Tip Dich mal mit Rethorik (Kunst der schönen Rede u. a. auch der Small Talk) und / oder Dialektik (Kunst der überzeugenden Rede) zu befassen?!
    Gibts in dem Bereich irgendwelche hilfreichen Links oder Bücher, die in Bibliotheken lungern, die du mir nennen könntest?
    Smalltalk-Rhetorik kann ich überhaupt nicht, dafür sind meine Sätze bisweilen mindestens so lang wie beim Immanuel K.
    Würde mich zwar interessieren, aber Geld für irgendwelche "Lehrbücher", welche im Zweifel meist eher Leerbücher sind, möchte ich nicht...

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217
    Wotemer schreibt:
    Gibts in dem Bereich irgendwelche hilfreichen Links oder Bücher, die in Bibliotheken lungern, die du mir nennen könntest?
    Sorry, sowas hab ich leider nicht aus dem Ärmel auf der Liste u. ist auch immer schwierig das passende für jemanden anderes zu empfelen. Guck doch mal bei Dr. Google bißchen nach dien entsprechenden Schlagworten! Da findest Du immer was, direkt zum gatis Lesen.
    Tip: Beim Suchen "hinterfragend" denken, z. B. Geschichte der ..... Begründer des ... u. s. w. das führt meist zu interessanten Erkenntnissen.

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