Umfrageergebnis anzeigen: Was haltet ihr von Russell Barkley?

Teilnehmer
17. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Großartig. Ein Pionier der ADHS-Forschung

    10 58,82%
  • Er hat interessante Thesen, aber bei einigen gehe ich nicht mit

    7 41,18%
  • Ein von der Pharmaindustrie finanzierter Pseudo-Experte

    0 0%
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Diskutiere im Thema Russell Barkley (ADHS-Experte) im Forum ADS ADHS Erwachsene: Umfragen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 463

    Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Hallihallo,

    ich bin jetzt erst - nach 6 Jahren Diagnose - auf Russell Barkley gestoßen. Jaja, spät, ich weiß… ich mag Ratgeberliteratur nicht so gerne und dachte, ich find alles wichtige im Internet. Jetzt fühlt es sich so an, als würde ich ADHS ein zweites Mal entdecken. Derselbe Aha-Effekt wie damals, direkt nach der Diagnose. Vor allem seine Vorträge finde ich ungemein spannend. Er ist ein unheimlich guter Redner. Ich gucke grad einen nach dem anderen auf YouTube.

    Barkley vertritt einen radikalen Standpunkt. Für ihn ist ADHS eine Krankheit, die keine positiven Attribute hat und er wehrt gegen positive Zuschreibungen. Vor allem mit der Begründung, dass es schwierig wird, Medikamente und Behandlung staatlich zu finanzieren wenn die Aktivisten gleichzeitig darauf bestehen, dass ADHS eigentlich eine Gabe und keine Krankheit sei. Egal, ich wollt die Debatte hier nicht wieder anzetteln, dafür gibt es ja einen eigenen Thread (hier https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-er...tml#post712870 ich zitier ihn dort direkt, also wenn euch grad die (schreib)Wut packt, könnt ihr dort antworten ). Er argumentiert weiterhin sehr stark auf der Kostenebene - also dass unbehandeltes ADHS den Staat und die Gesellschaft viel kostet. Das kann man kritisch sehen, aber ich verstehe „where he’s comming from“ - das ist der Argumentationsstil, der in dieser Gesellschaftsform am meisten Sinn macht.

    Wahrscheinlich schaff ich mir sein Buch auf Englisch an...

    Meine Fragen an euch:

    • Was haltet ihr ganz allgemein von ihm?
    • In einem Vortrag erzählt er, sein Zwillingsbruder habe ADHS gehabt und sei bei einem Autounfall gestorben - unter anderem, weil er an dem Tag seine Medikamente nicht genommen hat. Stimmt die Story? Hat Barkley selbst ADHS? Wenn sein Zwillingsbruder es hatte, wäre es recht wahrscheinlich angesichts des genetischen Aspekts (nicht zwingend, aber wahrscheinlicher als bei normalen Geschwistern oder nicht verwandten Personen). Manchmal sagt er in Vorträgen auch „we“, wenn er von ADHS redet, aber es ist nicht ganz klar ob er „we“ als ADHSler meint oder „we“ als ADHSler und diejenigen, die sich für sie einsetzen.
    • Wisst ihr etwas zu den Pharma-Skandalen? Ihm wurde vorgeworfen, für Pharmaunternehmen, die ADHS-Medikamente produzieren, zu werben. Einen Vortrag beginnt er ganz trocken damit, dass er alle Pharmaunternehmen auflistet, die ihm je Geld gegeben haben und witzelt, dass er somit im Interessen-Konflikt mit allem und jedem steht.

    Sein Wikipedia-Artikel: https://en.wikipedia.org/wiki/Russell_Barkley
    Vortrag, den ich grad gucke: https://www.youtube.com/watch?v=ua8Zm9STtKY
    Geändert von Persephone ( 6.07.2016 um 12:56 Uhr)

  2. #2
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.125

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Russel Barkley ist eindeutig Die Koryphäe auf dem Gebiet. Somit kann man sich drauf verlassen dass
    seine Beiträge zu Ende recherchiert sind.
    Er ist nicht der einzige Spezialist dem vorgeworfen wird dass er von der Pharmaindustrie geschmiert wird.
    Im Endeffekt wird jeder ADS-Fachmann beschuldigt der die Medikation mit mph befürwortet.

  3. #3
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 484

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Wenn man der Pharmaindustrie unterliegt ist das immer noch besser, als nichts. Die Pharmaindustrie mildert zumindest die Symptome, auch wenn die Heilung erst hinten ansteht. Und da unsere Leiden wohl eher unheilbar sind, ist jeder der mit Pharmaindustrie zusammenarbeitet ein Freund.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Russel Barkley ist mit aller Wahrscheinlichkeit ein Mensch.
    Ich habe es noch nicht persönlich überprüft, aber ich verlasse mich einfach mal darauf.

    Als Mensch ist er, ebenso wie andere Artgenossen auch, fehlbar.
    Diese Annahme muß man also auch in Bezug auf all seine Widersacher im Hinterkopf haben.

    Fest steht, daß er sehr viel über ADHS weiß und auch sehr viel an Wissen darüber vermitteln kann.
    Ich habe keine Ahnung, wann die Cousine der Nachbarin seines Schwiegersohnes gestorben ist, und ob es daran lag, daß sie ein Snickers zu wenig gegessen hat.
    Brauche ich auch nicht zu wissen, weil es für seine Expertise nicht von Belang ist.
    Sollte die Story mit seinem Bruder so stimmen, mag das einen Einfluß gehabt haben, aber es wird nicht der Grund sein, aus dem er eines Tages aufwachte und die Idee bekam ADHS-Experte zu werden.
    Sorry für die Überspitzung. Ich hoffe nur, daß damit das deutlich geworden ist, was deutlich werden sollte...

    Egal in welchem Ressort Forschung und Wissenschaft stattfinden:
    Das Geld wird am Ende immer in einem entsprechenden Markt erwirtschaftet.
    Ich gehe mal davon aus, daß Gefälligkeiten seitens der Forschung früher oder später auffliegen müssen, weil sich kein Konkurrent einen solchen Coup entgehen lassen will.
    Zudem kommt man auch in Forschung und Wissenschaft mit Versuch und Irrtum schneller voran und sicherer ans Ziel, als durch institutionelles, juritisches und bürokratisches Hin- und Herdiskutieren.
    Ohne Industrie kein Wissen über die Materie.
    Wer natürlich schlechthin industriefeindlich ist und aus Prinzip nichts glaubt, was aus solchen Kreisen verlautet, der hat allerdings dann auch einen schweren Stand...

    Barkley hat seine eigene Meinung zu verschiedenen Aspekten von ADHS, und die meisten sind sicherlich mehr als gut begründet.
    Unter anderem aufgrund der Sprachbarriere bin ich bei ihm noch nicht überall durchgestiegen, und bei manchen seiner Ansätze habe auch ich etwas Skepsis.
    Da liegt allerdings der Ball in meinem Spielfeld und nicht in seinem...
    Er ist nicht verpflichtet mir nach meinem Sinn zu reden.
    Und das ist auch gut so.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Dass Russel Barkley von der Pharmaindustrie geschmiert sein soll, ist ziemlich abwegig. Das ist nicht mehr als das übliche Geschwätz von "Pharmakritikern" verschiedenster Couleur mit ihren ganz billigen Verschwörungstheorien.

    Abseits davon muss man Barkley nicht in jeder Hinsicht zustimmen. Zum einen gibt es bei Barkley anscheinend so manches, was er öffentlich nicht sagt (So soll Barkley z.B. nicht-öffentlich der Meinung sein, dass sich das ADHS-Spektrum irgendwann mal als das zentrale Thema in der Psychiatrie überhaupt herausstellen wird.) und zum anderen kann ich auch manche von Barkley öffentlich so kommunizierte Haltungen zu ADHS nicht teilen. Z.B. Barkley´s öffentliche Negierung mit ADHS einhergehender positiver Eigenschaften und Vorteile bzw. Stärken durch ADHS und seine in der Öffentlichkeit überzogen defizit-orientierte Darstellung von ADHS widerspricht jeglicher Empirie und steht im krassen Gegensatz zu dem, was ich in den über 20 Jahren seit meiner ADHS-Diagnosestellung über ADHS persönlich erfahren und erlebt habe.

    Dennoch ist Barkley eine ganz wichtige Stimme zu ADHS von weltweitem Gewicht.
    Geändert von ChaotSchland ( 6.07.2016 um 19:54 Uhr)

  6. #6
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 484

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Mit einer differenzierten Haltung wird man auch nicht von der Masse beachtet, wird man nicht beachtet, dann wird man nicht gehört.
    Das er positive Seiten negiert, hat doch keine negativen Auswirkungen, wird aber dadurch von vielen beachtet, diskutiert .
    Wenn er irgendwann auch gute Seiten eingesteht, wird das zu noch mehr Akzeptanz seiner Person führen. Bis dahin muss dieses
    diffuse Krankheitsbild bei allen ankommen und als solches anerkannt werden.

  7. #7
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.125

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Barkley ist ein Wissenschaftler und hält sich an furztrockene Fakten. Sollte irgendwann eine oder mehrere positive Eigenschaften oder besondere Fähigkeiten NUR bei AD(H)S-Betroffenen gefunden werden , dann wird er darüber berichten.
    Geändert von Sunpirate ( 6.07.2016 um 20:33 Uhr)

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 463

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Bummel77 schreibt:
    Ich habe keine Ahnung, wann die Cousine der Nachbarin seines Schwiegersohnes gestorben ist, und ob es daran lag, daß sie ein Snickers zu wenig gegessen hat.
    Brauche ich auch nicht zu wissen, weil es für seine Expertise nicht von Belang ist.
    Sollte die Story mit seinem Bruder so stimmen, mag das einen Einfluß gehabt haben, aber es wird nicht der Grund sein, aus dem er eines Tages aufwachte und die Idee bekam ADHS-Experte zu werden.
    Sorry für die Überspitzung. Ich hoffe nur, daß damit das deutlich geworden ist, was deutlich werden sollte...
    Ehm das mit seinem Bruder erwähnt er mehrfach selbst in Vorträgen als Argument dafür, warum ADHS bisweilen eine lebensgefährliche Krankheit ist. In sofern ist diese Information nicht der Tratsch, als den du sie hier grad darstellen willst.
    Ob er selbst ADHS hat, interessiert mich deswegen, weil es meiner Ansicht nach die Sprechposition verändert. Es ändert nichts am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen, aber vielleicht an der Art, wie er zu ihnen kommt und wie man besonders steile Thesen von ihm bewertet.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Barkley hat höchstwahrscheinlich kein (manifestes) ADHS. Da jedoch mehrere enge Blutsverwandte von ihm ADHS haben bzw. hatten (letztere, weil schon verstorben), kann man davon ausgehen, dass Barkley ADHS-Gene in sich trägt und möglicherweise sogar latent bzw. subklinisch dem ADHS-Spektrum zuzurechnen ist. Dass Barkley ein manifestes ADHS hat, halte ich für komplett unwahrscheinlich, dazu ist er anscheinend viel zu funktional. Jedoch könnte es sein, dass Barkley als Kind die Diagnosekriterien für ADHS nach DSM-5 erfüllt hätte, er als Erwachsener jedoch nicht mehr die offiziellen Kriterien für "ADHS im Erwachsenenalter" erfüllt. Aber selbst, wenn Barkley als Kind die Diagnosekriterien für ADHS (gerade so) erfüllt hätte, wäre das wohl äußerst leichtgradig bei ihm gewesen.

    Im Übrigen ist das bei so vielen Koryphäen zu ADHS von weltweiter Bedeutung der Fall, dass sie Kinder, Geschwister oder sonstige engere Blutsverwandte mit ADHS haben.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Russell Barkley (ADHS-Experte)

    Ich habe Russell mal ne Mail geschrieben, die er prompt beantwortet hat. So was ist mir mit deutschen ADHS-Experten, Forenmitglieder eingeschlossen, überhaupt noch nie passiert.

    Es ging um Medikamente in Deutschland. Das war aber zu einem Zeitpunkt, in dem es kein Strattera, kein Elvanse, kein Medikinet adult, kein Attentin oder anders gesagt: so gut wie gar nix gab. Insofern hat sich der kurze Mailwechsel inhaltlich inzwischen überholt.

    Er sagte, dass er sich sicher ist, dass es in Deutschland ADHS-Experten gäbe, dass ihm aber namentlich keine bekannt seien, und dass solche sich auch nie an ihn gewandt hätten oder versucht hätten, mit ihm in Kontakt zu treten.

    Nun, wundern tut einen das nicht, da insbesondere deutsche Psychiater bekanntlich alles besser wissen und es größere Experten, als sie selbst, schon mal per definitionem gar nicht geben kann. Trotzdem, wenn ich ein ADHS-Experte wäre, wäre ich durchaus an Kontakten mit Menschen interessiert, die etwas mehr über ADHS wissen... naja, was nicht ist, kann ja noch werden... Von weltweiter Vernetzungen scheinen die deutschen Experten aber generell nichts zu halten, alles was sich ausserhalb der Lüneburger Heide oder gewisser Randbezirke der Schwäbischen Alb abspielt, scheint zu hoch für sie zu sein...

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