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Diskutiere im Thema HSP zusätzlich zur ADHS möglich? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #21
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 1.193

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Hi rainbowberry ,

    Es gibt keine Situationen, in denen Du Dich überforderst oder mit Reizen überschwemmt fühlst?
    Sicherlich, doch meist tritt diese "Überforderung" nur ohne Medikation und in "Menschenmassen" auf...
    Dann sind es eindeutig zu viele Eindrücke, Stimmen, Gerüche, Geräusche, Farben uvw... dann wird mir regelrecht "schwummrig" und unangenehm...

    Auf Lebensmittel regiere ich auch sehr "Speziell"... xD
    "Ketschup" kann ich z.B. nicht essen ... dann bekomme ich Schweißausbrüche ^^ ... Tomaten gehen aber ohne Probleme..
    Habe es immer auf eine Fruchtsäureallergie (Essig) geschoben oder dergleichen.... doch Essig und andere Dinge lösen dieses "Unwohlgefühl" nicht aus

    Ich würde sagen ich merke sofort, wenn sich in Lebensmitteln, Stoffe befinden die nicht "gut" für den Körper sind...

    Dann noch die fehlende/eingeschränkte Reizfilterung, welche mich jedes nonverbale Signal und wie ich bereits ansprach kleinste Mikroexpressionen wahrnehmen lässt... sehr unterhaltsam xD

    Doch ich bin AD(H)S Betroffen, dass ist eben der medizinische Grund. ^^

    Ich wusste was über "HSP" angenommen wird, aber danke nochmal für das erläutern für eventuell "uninformierte" Mitleser ^^

    "HSP" ist heute (noch) ein "Phänomen", sowie z.B. der "Hyperfokus", zu welchem wiederum auch nicht jeder AD(H)S Betroffene fähig ist.

    Das "HSP" Konzept wird von "Spirituellen" Menschen wieder einmal dazu hergenommen um Ihre Produkte zu vermarkten. ^^
    Ähnlich der "Quantenforschung" diese Menschen bedienen sich gerne an etwas "ungeklärten" Themen und nutzen diese dann als "Werbekonzepte"

  2. #22
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 416

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Also wenn wir mal ehrlich sind, ist diese ganze HSPler-"Masche" doch nur Entgegenkommen fuer die AD(H)Sler, die die Diagnose Affektstoerung ablehnen.
    Verstehe ich sogar voll und ganz, bei mir hat es auch das MPH und eine Psychotherapie gebraucht, ehe ich nun ueberhaupt die Werkzeuge habe, um bewusst an diese Baustelle herangehen zu koennen.

    Der Einsicht, dass es sich z.B. bei meinem Umkippen bei Trubel um erlerntes Verhalten handelt, standen bei mir mehrere Dinge im Weg:

    Zuallererst und am Wichtigsten:

    Voreingenommenheit, die nicht einmal in Betracht zog, dass dieser Automatismus "Trubel - Ich kippe um" tatsaechlich unbewusst konditioniert, also erlernt sein koennte.
    Von dieser Voreingenommenheit lebt eine ganze Branche!

    Das Unwissen ueber verdraengte Gefuehle.

    Die Unfaehigkeit, Handlungsimpuse beobachten zu koennen, weil ich ohne MPH situativ tatsaechlich so ueberfordert war, dass ich dann gar nicht mehr achtsam sein konnte.

    Das fehlende Wissen, was Achtsamkeit ist, wie genau man Gefuehle beobachtet und erlernt sie auszuhalten.



    Die Spirale, die letztendelich zum Mechanismus Affektstoerung - von mir aus nennt es HSP - fuehrt, habe ich so verstanden:
    ----------------------------

    Unser Hirn kann all die Reize nicht filtern, kommt zuviel und/oder zu intensiv rein, dizzoziieren wir. Derealisierung/Depersonisation.

    Wenn wir "ganz wir selbst" sind, erleben wir oft, dass unser Verhalten als unangemessen bestraft wird.
    Geht los im Kindergarten:
    Jemand mit hohem sozialem Status in der Gruppe redet, wir sind gerade mit den Reizen ueberfordert, versuchen diese zu reduzieren, gucken also mit dem Kopf nach unten.
    Die Gruppe interpretiert das Abwenden unseres Kopfes als Isolationsdruck unsererseits, also als Versuch den Redner in der Gruppe abzuwerten.
    Was passiert da meistens? Wir werden dafuer abgestraft, zumeist gemobbt.

    Diesen Zusammenhang, Zuviele Reize - Schlimme Erfahrungen, konditionieren wir jahre-, ach jahrzehntelang.

    Irgendwann dann spaeter, reicht der Trigger "Zuviele Reize" und wir empfinden Panik.

    Und diese Panik wird zumeist verdraengt, d.h. man ist sich dieses Gefuehls nicht bewusst.
    Wichtig: Alle, wirklich alle reden von verdraengten Gefuehlen, aber keiner weiss wirklich, was das ist.
    Die Bewusstwerdung verdraengter Gefuehle (bei mir waren es Trauer und Hilflosigkeit) in einer Psychotherapie dauert, erfordert Mut (!) und ist einPunkt an dem viele Therapien abgebrochen werden.

    So. Weiter.
    Der Trigger "Panik" loest Handlungsimpulse aus, die ausloesenden Reize -sofort- abzustellen.
    Klar liefert unser Hirn -irgendeine- Begruendung nach - hinterher, warum wir jetzt ploetzlich *das* tun.
    Wir handeln aber eben fast nie bewusst, sondern entsprechend unserer operanden Konditionierung!

    Und bei der Affektstoerung - dem Handlungsimpuls - haben wir eben jeder eine andere Strategie entwickelt:
    Die Palette reicht von Tagtraeumen bis zu Migraene, Tics, Schmerzen, Phobien, Zwänge, Laehmungen. Ich bin halt ohnmaechtig geworden.

    Und das Wissen darum nutzt mir erstmal gar nichts, ohne MPH kippe ich um, auch wenn ich versuche achtsam zu sein.
    Ich kann nur versuchen, diesen Zusammenhang aufzubrechen, dass bestimmte Reize Gefuehle in mir ausloesen, die ich nicht aushalten - will.
    Ja, "will", denn die einzige Loesung, diese Stoerung loszuwerden, besteht darin, eine Bereitschaft zu entwickeln, sie zu ertragen.
    Und das ist eine bewusste Entscheidung.

    --------
    Und darum halte ich HSP fuer einen Hype.
    Wer sagt, er sei HSP, hat einfach ne Affektstoerung und befindet sich lt. transtheoretischem Modell im Absichtslosigkeitsstadium.
    Aufgabe der Therapeuten ist dann, eine Motivation zu entwickeln, nicht auf eine Wunderpille zu warten, sondern das eigene problematische Verhalten zu aendern.
    Ja, na gut, man muss die Leute da abholen, wo sie sich befinden.
    --------

    So. Und jetzt stelle ich fest, dass sich in meiner Beschreibung Affektstoerung und Dissoziation ganz schoen ueberschneiden.
    Da muss ich mich also irgendwo verrannt haben. Oder ist die Affektstoerung quasi wirklich eine Affekt-Handlung als Folge einer Dissoziation?

    ----

    P.S.
    Das mit dem Reden von sozial hochrangingen Personen in Gruppen und dem Nach-unten-Gucken, dieses Abgestraft-Werden von der Gruppe, das erlebe ich gerade mit MPH gerade ganz bewusst. Ich werde ja gerade auf MPH eingestellt.
    Und nicht nur Gruppen reagieren da bissig, auch einzelne Gespraechspartner. Irgendwo kann ich es ja verstehen, unsere Kultur ist quasi narzisstisch/histrionisch gepraegt, und dann kommt da jemand, der spiegelt kein bischen...


    @Brainman
    Du, ich faende es sehr hilfreich, wenn Du mal erzaehlst, wie bei dir diese Kopplung von Emotionen an bestimmte Reize aufgebrochen wurde!

  3. #23
    Gesperrt (Aufforderung zu Straftaten)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 78

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    @Brainman

    Im Grunde ging ich schon davon aus, dass Du weißt, was das ist, aber nahm die Chance zum Definieren dennoch wahr, als Du geschrieben hast "HSP-was ist das?", vorallem, weil Du es somit als Sache beschrieben hast, genauso wie jetzt im letzten Posting schonwieder, dabei handelt es sich doch um Personen. XD Wenn Du also vom "Phänomen" oder der Sache sprichst, sag lieber Hochsensibilität, denn das ist der Begriff um den es geht. "HSP ist ein Phänomen" wäre zumindest grammatikalisch falsch und wirkt auf mich irgendwie seltsam. Wenn dann "sind Personen" oder "ist, die Hochsensibilität". Soviel zur Formsache. ;D

    Wenn Du sagst, Du hast das Gefühl, Dein Körper würde merken, wenn bestimmte Dinge, die Du konsumierst, Schädlichkeiten beinhalten, dann wäre das zB einer der vielen Indizien.^^
    Es könnte natürlich noch zig andere Gründe geben, warum Du Ketchup ablehnst... so wie viele Menschen manche Dinge, besonders die das Essen betreffen, ablehnen, weil sie mal dazu gezwungen wurden etwas bestimmtes zu essen, was sie nicht wollten beispielsweise.

    Und ja, eine feine Wahrnehmung und eben die Reizfilterschwäche sind auch solche Indizien - genau eben die, weshalb Hochsensibilität mit AD(H)S verglichen wird. Aber das eine ist völlig unabhängig und in einem ganz anderen Kontext voneinander entstanden. Das eine wurde nicht von dem anderen erschlossen oder so. Hochsensibilität wurde, allein für sich selbst, an einigen Menschen beobachtet und dann als "Phänomen" bzw als Charakteristikum/Wesenskonstrukt definiert und soll absolut kein Defizit, sondern eine "besondere Eigenart" darstellen (idR sind wir es ja gewohnt, dass Eigenarten, die aus der Norm fallen, als pathologisch/fehlerhaft dargestellt werden).

    Das "HSP" Konzept wird von "Spirituellen" Menschen wieder einmal dazu hergenommen um Ihre Produkte zu vermarkten. ^^
    Ähnlich der "Quantenforschung" diese Menschen bedienen sich gerne an etwas "ungeklärten" Themen und nutzen diese dann als "Werbekonzepte"
    Okay, konzentrieren wir uns mal nur auf die Verbindung Hochsensibilität/hochsensible Personen + Esoterik: was ist daran esoterisch bzw was meinst Du in diesem Kontext mit "esoterisch"? Und von welchen Produkten redest Du zB? Erzähl mal bissie mehr, als nur so n Krümmel reinzuwerfen, Herzchen^^


    @DonBoleta

    Voreingenommenheit, die nicht einmal in Betracht zog, dass dieser Automatismus "Trubel - Ich kippe um" tatsaechlich unbewusst konditioniert, also erlernt sein koennte.
    Von dieser Voreingenommenheit lebt eine ganze Branche!
    Das ist interessant - könntest Du mehr dazu erzählen?

  4. #24
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 1.193

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    @DonBoleta

    Ich glaube ich habe mich ein wenig Undetailliert Ausgedrückt...
    Sicherlich ist es nicht möglich einen Reiz kognitiv wahrzunehmen, ohne ihm eine Bedeutung im Sinne einer Emotion beizusteuern.
    Aus der Emotion heraus entsteht ja überhaupt erst der Handlungsimpuls.

    Ich wollte damit eher nahebringen, dass ich nicht jedem Reiz volle Aufmerksamkeit zuweise und hierzu "Gefühle" entwickle.. mhhh
    Wie soll man das erklären ... man nimmt auf eine sonderbare Art "Stimmungen" auf... und fühlt sozusagen "mit" ...
    Sehr schwierig das detailliert zu erklären...

    Doch das kann durch die Medikamente eingedämmt werden ... so nimmt man eben nicht jede Laune von allen Menschen auf... ist sehr seltsam xD

  5. #25
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 416

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    rainbowberry schreibt:
    @DonBoleta

    Das ist interessant - könntest Du mehr dazu erzählen?
    Ich finde die Ergebnisse einer Google-Suche nach HSP in hoechstem Masse erschreckend - versuchen die meisten "Coaching-Anbieter" zwar mit vereinzelter Nennung von "Mitstreitern" mit akdemischen Graden Serioesitaet zu vermitteln, sind Ergebnisse von tatsaechlich wissenschaftlichen Einrichtungen oder auch nur Anbietern von Dienstleistungen, die selbst akademische Grade besitzen eher rar.

    Und die sind in ihren Ausfuehrungen weitaus weniger blumig - wenn man dazu bedenkt, dass eine der haeufigsten Komorbiditaeten bei AD(H)S eine narzisstische PS oder Akzentuierung ist, und ich mir die Liste der ja ach so tollen Faehigkeiten anschaue, wirken die anderen Seiten auf mich wie Ratten-Koeder.

    Eine aehnliche Abzocke kann man zum Thema "Vielbegabung" finden. Ich bin dem Quatsch selber mal aufgesessen, die Suche nach ADHS-Symptomen hat mich zuerst dorthin gefuehrt.

  6. #26
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 1.193

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Alleine YouTube und Amazon bieten reichlich "Esoterik" im bezog zur Hochsensibilität ...

    Coaches und sonstige "Akademie" Seiten werben mit genau diesen "Konzepten" ...

    Chakra Pics im Hintergrund ... Alles in weiß und Violett gehalten ...etc..

    Der Weg zur inneren Mitte bis Bla Bla

  7. #27
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 278

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Brainman schreibt:
    @DonBoleta

    Ich glaube ich habe mich ein wenig Undetailliert Ausgedrückt...
    Sicherlich ist es nicht möglich einen Reiz kognitiv wahrzunehmen, ohne ihm eine Bedeutung im Sinne einer Emotion beizusteuern.
    Aus der Emotion heraus entsteht ja überhaupt erst der Handlungsimpuls.

    Ich wollte damit eher nahebringen, dass ich nicht jedem Reiz volle Aufmerksamkeit zuweise und hierzu "Gefühle" entwickle.. mhhh
    Wie soll man das erklären ... man nimmt auf eine sonderbare Art "Stimmungen" auf... und fühlt sozusagen "mit" ...
    Sehr schwierig das detailliert zu erklären...

    Doch das kann durch die Medikamente eingedämmt werden ... so nimmt man eben nicht jede Laune von allen Menschen auf... ist sehr seltsam xD
    Ich kenne das. Mit Medikament kann ich mich besser und für mich funktional abgrenzen gegenüber der Erzeugung von "Mit-fühlen" (damit meine ich nicht Mitgefühl, Mitempfinden oder Empathie im positiven Sinne, sondern, dass die Gefühle oder Stimmungen anderer quasi zu mir rüberschwappen und mich beeinflussen, auch wenn mich das in meinen eigenen Gefühlen, Gedanken, Handlungen und Zielensetzungen stört irritiert, ablenkt.). Mit MPH werde ich nicht, wie ab und an geschildert, zum gefühl- und empathielosen Zombie, sondern kann klarer differenzieren "Was ist bei mir gerade los, was ist für mich wichtig, wie geht es dem anderen, und was ist im Moment für mich trotzdem oder deswegen wichtig zu tun?"

    Verständlich? Ich lasse mich sozusagen in meinem Eigenen nicht so leicht aus dem Konzept bringen, bin selbstbestimmter und trotzdem noch offen für den anderen. Meine Abgrenzung ist viel besser, das tut mir gut. Im Zweifelsfall tue ich so aus freieren Stücken etwas für andere.

    Für mich ist zur Erklärung des Orgininalzustands ohne Medikament mit übergroßer Offenheit und Beeinflussbarkeit auf Reizebene (bezogen auf Stimmungen und Gefühle) kein Konzept von Hochsensibilität notwendig, das ist für mich mit ADHS (Reizoffenheit, Ablenkbarkeit Affektlabilität, Impulsregulierung, Selbstwahrnehmung etc.) hinreichend erklärbar.
    Geändert von alice_s (31.08.2016 um 19:26 Uhr)

  8. #28
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 4

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Hallo ihr Lieben,
    es tut mir leid, dass diese Antwort etwas verspätet kommt, hab den Threat jetzt erst gefunden.

    Ich glaube von mir eine HSP in Kombination mit ADS zu sein.

    Wenn ihr nicht auf YouTube recherchiert, sondern euch an ernstzunehmende Quellen haltet, dann seht ihr, dass es noch etwas sehr neues ist und deshalb kaum erforscht.
    Klar, dass da viele Esotheriker auf den Zug aufspringen. Das heißt nicht, dass es Schwachsinn ist, im Gegenteil. Es würde viel in der ADS-Forschung klären, zb. warum die Symptome und Behandlungsergebnisse so stark variieren.

    15 - 20 % der Weltbevölkerung sollen gemäß Statistiken hochsensibel sein. Heißt, Hochsensibilität. Man ist etwas empfindsamer. Ich denke, solche Personen kennt jeder.

    HSP jedoch betrifft, wenn ich mich richtig erinnere, ca 5 - 10 % der Weltbevölkerung. Es beudeutet HYPERsensibilität.

    Der Unterschied ist, dass "nur" hochsensibel zu sein schlicht bedeutet, empfindsam zu sein, für Reize aus der Umwelt etc. Als hypersensibler Mensch nimmt man die Welt aus einer klompett anderen Perspektive wahr, weil man mehr Details, Zusammenhänge und Emotionen intuitiv erkennt, als der Durchschnittsmensch.

    HSP bedeutet, dass man stark empfindlich ist. Man kann mehr oder weniger in der Reizüberflutung stecken, die wir als ADSler ja kennen sollten, das ist aber nicht zwangsläufig der Fall, wenn das Gehirn mit der Flut an Informationen klar kommt
    .
    Tut es das nicht, entstehen ADS-Symptome, weil man eben reizüberflutet wird, aber die Ursache ist eine andere. ADSler können Informationen nicht einordnen und strukturieren, nehmen aber in der Regel nicht "mehr" war als andere. Als HSP nimmt man mehr wahr als andere. Damit meine ich nicht Esoterik-Kram wie Auren oder so einen Mist.

    Ich persönlich erfahre das im Umgang mit meinen Mitmenschen. Wenn ich mit einer Person rede, werde ich zu dieser Person. Ich versetze mich so stark in meinen Gegenüber, dass ich mich selbst vergesse und nicht entsprechend reagieren kann. Meine Persönlichkeitsentwicklung ist dadurch eingeschränkt, weil ich mich nicht als Person wahrnehme, sondern nur das, was andere empfinden. Als Element einer Kette von sozialen Geflechten.

    Wenn ich mit Menschen rede, sehe ich mehr von ihrer emotionalen Grundhaltung, Lage etc. als sie selber und verhalte mich dann komisch, weil ich weder fragen kann, was angemessen ist (sie wissen ja nicht mal, dass da etwas ist) noch selbst entscheiden kann, weil ich zu überfordet bin, mit realisieren, analysieren und entsprechend zu reagieren.

    Ich kann keine anspruchsvollen Filme gucken, weil mich das tagelang beeinträchtigen kann.

    Wenn meine Mitbewohnerin schlecht gelaunt oder traurig oder gestresst ist, bin ich es auch sofort, ohne zu wissen wieso.

    Ich spüre an schlimmen Tagen meine Organe bis dahin, dass ich merke, wie meine einzelnen Gehirnareale arbeiten (Durchblutung vielleicht?). Ich merke, wenn mir Pickel wachsen, bevor sie sichtbar sind. Wenn ich Fußpilz (ja, ekelig, ich weiß, sorry) bekomme, merke ich das auch, bevor es kommt. Ich merke, wie meine Abwehrkräfte arbeiten, wenn ich Viren (zb. Grippe) ausgesetzt bin, ohne krank zu werden.

    Wenn ich mir die Welt angucke, sehe ich nicht "meine" Welt im Sinne von sozialem Umfeld, Familie, Freunde, Job etc., sondern ich sehe ein Netz aus sozialen Verknüpfungen, Emotionen, Lebensgeschichten, Erfahrungen, Vergangenheit oder möglicher Zukunft.

    Ich weiß, das klingt superesotherisch, aber ich kann es nicht anders erklären. Ich nehme die Welt als eine riesige Kausalkette wahr, 1000 chemische Reaktionen die aufeinander und miteinaner reagieren und darauß Entwicklung, Fortschritt und Geschehnisse schaffen. Alles hängt irgendwie zusammen.

    Ich bin leider keine studierte Psychologin, deshalb kann ich das jetzt nur amateurhaft erklären, was natürlich etwas abgespacet klingt, weil ich ja nur erklären kann, wie ich das empfinde, in der Hoffnung, dass ihr euch darein versetzen könnt.

    Was ich sagen will, ist folgendes: HSP ist KEINE Mode"erkrankung" und KEIN Esotherikmist. Es ist, wie ADS, ein Teil der Persönlichkeit, die in unserer reizüberfluteten und schnellen Gesellschaft einfach stärker auffällt als früher und noch unerforscht ist.
    Ich glaube, dass ADS als Resultat aus einer Überforderung mit der eigenen Wahrnehmung entstehen kann, wenn man eine HSP ist, aber nicht zwangsläufig muss.

    Das wollte ich nur mal gesagt haben, als Antwort auf die ursprüngliche Frage und als Gegenargument auf die Vermutung, HSP sei esotherischer Humbuck.
    Für Betroffene klingt das in etwa so, wie für ADSler, wenn ihnen gesagt wird, sie seien einfach nur faul und schlecht erzogen und nähmen ihre Krankheit als vergeschobene Entschuldigung.

    Danke für so viel Fingerspitzengefühl von Menschen, die eigentlich in einer ähnlichen Lage sind. Hut ab.

    Etwas angepisste Grüße,
    La Coconut


    Achja, wenn man HSP ist ohne ADS, merkt man es vor allem daran, dass alle Symptome übereinstimmen, bis auf Konzentrations- und Merkfähiigkeitsprobleme.
    Die hat man normalerweise als HSP nicht. Man ist sehr strukturiert, ordentlich und gewissenhaft. War ich auch, bis ich 17/18 war. Dann kam die Überforderung und seit dem habe ich ganz massive Probleme in der Richtung. Nehme Medikamente und mache Therapien, die aber nur eingeschränkt helfen, weil sie auf ADS ausgerichtet sind. Es hilft gegen das ADS, aber nicht gegen die anderen Sachen. Deshalb kam ich überhaupt auf die Idee, dass da noch etwas anderes ist. ADS erklärt einfach nicht alles.
    Geändert von la_coconut (13.09.2016 um 10:05 Uhr)

  9. #29
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 278

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Hallo liebe coconut,

    Ich bin studierte Psychologin und kann dir vor diesem Hintergrund sagen, das HSP keine anerkannte diagnostische oder sonstwie abgrenzbare Entität in der Psychologie ist. Zumindest ist das der Stand der Dinge, ehrlicherweise: das galt natürlich auch für andere Konzepte, früher, die heute ganz selbstverständlich eben jenes sind.

    Schwierig ist es deshalb, weil es an sich genügend andere solche abgrenzbare Merkmalsbereiche gibt, die, mindestens in Kombination, den größten Teil des von dir Beschrieben abdecken und erklären, so dass ein neues Konzept, eine neue Bezeichnung obsolet ist. Das Prinzip ist: Keep it simple. Und selbstverständlich trotzdem gründlich/differenziert genug.

    Wertschätzende Grüße,
    alice

  10. #30
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 10

    AW: HSP zusätzlich zur ADHS möglich?

    Hallo,

    ich empfinde HSP ebenfalls als Gabe. Unter anderem gehört eine feinere Wahrnehmung dazu aber noch viele andere Fähigkeiten.

    Da mehr Reize verarbeitet werden, werden umso mehr Ressourcen verbraucht.
    Versucht man nun sich der Masse anzupassen, die einen geringeren Teil der Reize aufnehmen ist man natürlich schneller überlastet. Jedenfalls dann wenn man nicht gelernt hat damit umzugehen. Zum einen weil es kaum von klein auf gelehrt wird, zum anderen weil einige HSPler (wie ich) dies nicht als Gabe erkannten und wie die Masse leben wollten.
    Wer sich aber verbiegt, ohne sein eigenes Leben zu leben wird nun mal krank.

    Es gibt schließlich viele HSPler die gelernt haben mit ihren Gaben umzugehen und ein recht glückliches und erfolgreiches Leben führen.


    Meine Erfahrungen im persönlichen Umfeld, mit denen ich etwas zu tun habe, sind daher:
    Alle haben mehr oder weniger HSP-Talente. Wer damit nicht zurecht kommt entwickelt die ADHS-typischen Symptome.

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