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Diskutiere im Thema ADHS und Psychose? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 770

    ADHS und Psychose?

    Hallo zusammen

    ich arbeite mit psychisch kranken Menschen und habe da immer wieder auch Klienten, die eine schizoaffektive Störung haben.

    Bei diesen erkenne ich sehr viele Gemeinsamkeiten,
    • Impulsivität
    • Schnell wechselnde Affekte
    • Gerechtigkeitsempfinden
    • Leben in Extremen/Schwarz-Weiß, aber mit Fähigkeit zum Differenzieren bei ausreichend Zeit
    • wenig Aufmerksamkeit
    • Gutmütigkeit
    • etc.


    Mein Halbwissen sagt, mir, dass die Diagnosen Psychose und ADHS sich ausschließen oder nur sehr unwahrscheinlich beide gleichzeitig auftreten. Gerade weil sich ja beides auf den Dopamin-Haushalt auswirkt, bin mir aber bei jedem Kontakt unsicherer, ob das stimmt.

    Wisst ihr denn da mehr?

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: ADHS und Psychose?

    Ich beobachte aehnliches bei einem Bekannten,der Abilify als Prophylaxe gehe die psychotischen Schuebe einnimmt.Er ist sehr unaufmerksam,zerstreut,dazu kaufsuechtig also auch impulsiv.
    Ich denke manchmal,MPH wuerde ihm besser helfen,hab aber keine Ahnung auf dem Gebiet.Wundere mich aber auch ueber die Ähnlicheiten zu ADHS.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 113

    AW: ADHS und Psychose?

    Eher denke ich, daß MPH die psychotischen Schübe verstärken würde, da diese typischerweise mit einem erhöhten Dopaminspiegel einhergehen.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 45

    AW: ADHS und Psychose?

    Ich kann dir sagen wie man diese Diagnose zusätzlich zu der ADS bekommt. Ich hab mal nach einer Prüfungsphase 10 Gramm Gras in 5 Tagen weggeraucht und danach bin ich etwas durchgedreht. War dann im Endeffekt nur eine kurze Zeit die ziemlich intensiv war. Hab das früh erkannt und bin zu meiner damaligen Psychologin gegangen, bei der ich einen Termin hatte. Also habe ich völlig abgedreht in meinem Zimmer verharrt und gewartet. Konnte nicht schlafen und hatte sowieso kein Zeitgefühl mehr.

    Teilweise habe ich aber etwas MPH genommen und ruhiger zu werden. Ich war der Meinung, dass es auch was gebracht hat. Runtergekommen bin ich dann mit Neuroleptikern, von dem ich dan Namen vergessen habe. Konnte nach 2 Wochen Pflege von meinen Eltern wieder zur UNI.

  5. #5
    hästkrake

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 808

    AW: ADHS und Psychose?

    Hi Oracle!
    Du sprichst ein Thema an, dass auch bei mir latent mitläuft, weil ich mit Schizophrie-Erkrankten zu tun habe.
    Ich hab bisher aber nur ein paar Schlaglichter auf das Thema gefunden.

    - Wieseo sollen sich ADHS und Psychosen ausschließen? Wer sagt das?
    Ich kann mir eher vorstellen, dass die sensiblen unter uns mehr gefährdet sind für psychotische Zustände, weil das emotionale System eh schon labil ist.
    - Ursula Davatz: ADHS und Schizophrenie stellt Hypothese auf, dass ADHS überhaupt eine Voraussetzung für schizophrene Schübe bildet. In der Absolutheit .. weiß nicht. Aber das Vorwort ist von Luc Ciompi, der Zusammenhang als Solcher scheint mir sehr einleuchtend, das Buch finde ich lohnend. Im Fachbücher-Thread hat übrigens jemand eine ausführliche Zusammenfassung zu Davatz geschrieben.
    - Walter Beerwerth beschreibt in Das kreative Chaos (S. 53), wie der Gedankenkreisel derart entgleisen kann, dass er von einer Psychose kaum noch zu unterscheiden ist. Diese Beschreibung ist so treffend, ich habe das schon erlebt in unserer Einrichtung, wie eine Frau, die lediglich eine ADHS-Diagnose hatte (die auch nachvollziehbar war) mit Zyprexa aus der Psychiatrie zurückgekommen ist. (Zum Glück war sie zu verpeilt, um es auch zu nehmen...)

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.728

    AW: ADHS und Psychose?

    oracle.kid schreibt:
    Mein Halbwissen sagt, mir, dass die Diagnosen Psychose und ADHS sich ausschließen oder nur sehr unwahrscheinlich beide gleichzeitig auftreten. Gerade weil sich ja beides auf den Dopamin-Haushalt auswirkt, bin mir aber bei jedem Kontakt unsicherer, ob das stimmt.

    Wisst ihr denn da mehr?
    Wer sagt denn dass sich Psychose und ADHS ausschließen? Das hieße doch, dass ein ADHS-ler niemals eine Psychose bekommen könnte?

    Die Frage ist halt, wie war der Betroffene vor der Psychose, und auch, wie war er in seiner Kindheit. In der akuten Phase einer Psychose werden Ärzte eh vorsichtig sein mit Stimulanzien, aber wenn die vorbei ist kann man gucken wie der Lebensweg des Betroffenen (weiblich natürlich mitgemeint) aussieht und wie ihm langfristiger geholfen werden kann.

    Ein Hinweis, dass ADHS als Grundstörung bei vielen Menschen, die an einer psychischen Störung leiden, dahinterliegt, ist für mich bspw., dass fast alle schwer psychisch Kranken starke Raucher sind.

    Ich will nicht behaupten, alle Raucher haben ADHS, aber der starke Drang, sich ein Stimulans zuzuführen (das viel schädlicher als ärtztlich verordnetes Methylphenidat), ist doch sehr auffällig.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 113

    AW: ADHS und Psychose?

    __silence__ schreibt:
    Eher denke ich, daß MPH die psychotischen Schübe verstärken würde, da diese typischerweise mit einem erhöhten Dopaminspiegel einhergehen.
    Ich bin mir da doch nicht so sicher. Habe einen Bekannten interviewt, der mal eine Psychose hatte. Falls er vorher kein ADS hatte, hat er es seither ist mein Eindruck, es gab auffällig viele Übereinstimmungen, viel mehr als mit Bordis zum Beispiel, er hat eine sehr detaillierte ADS-Symptomatik beschrieben und MPH hilft ihm wohl auch.

    Es gibt auch ein paar Threads hier, die in diese Richtung gehen. Interessant ist auch, das es schon in den 80'ern Stimmen gab, die mancher Psychose eine positive Behandlung durch MPH bescheinigten. In [1] heißt es:

    Concerning the comorbidity of ADHD and psychosis there are some reports showing that
    stimulants alone (Bellak et al. 1987, Huey et al. 1978,
    Pine et al. 1993) or in combination with antipsychotics
    (Blom & Kooij 2012, De Jong et al. 2010, Sambhi &
    Lepping 2009, Tossel et al. 2004) are beneficial, not for
    ADHD symptoms alone, but also for psychotic
    symptoms.
    L. Bellak hat bereits in den 80'ern von einer ADD Psychosis gesprochen die sich eben nicht aus dem schizophrenen Formenkreis heraus zu entwickeln scheint und diese teilweise erfolgreich mit Stimulantien behandelt, [2].

    [1] http://www.hdbp.org/psychiatria_danu...l26_no1_77.pdf
    [2] http://www.clinicalneuropsychiatry.org/pdf/06_singh.pdf

  8. #8
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 74

    AW: ADHS und Psychose?

    Also meines Wissens nach, kann man jederzeit eine Psychose bekommen, wenn man sich nur dementsprechend verhält und behandelt wird. Eine undiagnostizierte ADHS z.B.

    Ich empfehle da den Film: "Der Mieter" von Roman Polanski.

    Man ist eben anders, macht andere Erfahrungen, die Umwelt reagiert mir Unverständnis und Ablehnung bis hin zu offener oder verdeckter Feindschaft. etc.

    Die Leute sagen einem man wär ja so intelligent und man sollte doch mal was durchhalten, man fühlt sich gemobbt und gemobbt und gemobbt. Mitunter auch von den eigenen Angehörigen.

    Dann kommt noch dazu, dass ungeförderte ADHSler dazu neigen, sich in delinquenten Peergroups aufzuhalten, in denen Substanzen konsumiert werden die psychoaktiv wirken. Einfach weil es auch den Gedankenfluss beruhigt. Gefährliche Selbstmedikation. Man kennt das ja. Kompression/Dekompression

    Dann braucht es nur eine kleine weitere Kriese und jeder Psychologe/Psychiater der die Scherben dann zusammenkehren soll, ist davon überzeugt, dass man eine paranoide, mindestens episodische Psychose hat. Dummer Weise sind die Gefühle der Ablehnung, Hoffnungslosigkeit und Angst aus der Vergangenheit, aber keine Wahnvorstellungen, sondern ein Leben lang schon Realität.

    Mit dauerhaften Psychosen, die vielleicht auch einen physikalischen Ursprung haben, kenn ich mich nicht aus..

    Es gibt einen Thread über Jugenderfahrungen/Teenagerzeit, in dem ich grad gelesen hab. Kann ich nur empfehlen Der reinste Albtraum und alles klingt so ähnlich.. Paranoide Wahnvorstellungen sind eben nicht immer nur Vorstellungen. Man erhält leicht eine fasche Diagnose, denke ich.

    Ich bin kein Psychologe. Was meint ihr dazu?

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: ADHS und Psychose?

    Du würfelst da paranoid und Psychose zusammen. Das kann zusammen auftreten, das paranoide kann eine Erscheinungsform einer Psychose sein, aber es ist nicht das selbe. Eine Psychose besteht aus wahnhaften Gedanken, aber auch aus vielen weiteren Symptomen, wie Halluzination, Derealisierung, Depersonalisierung, Antriebsarmut etc etc.

    Paranoid gibt es als Persönlichkeitsstörung, als paranoide Psychose, paranoide Schizophrenie, als Ursache einer Hirnerkrankung etc. Das muss nicht mit Wahn einhergehen.
    Es kann also ein ADHSler durchaus paranoid sein, aufgrund seiner Erfahrungen, ohne eine Psychose zu haben.

    Eine Psychose wird nicht leichtfertig vergeben, und meist wird sie von mehreren Ärzten gestellt, da sie meist einen Klinikaufenthalt mit sich bringt, da Psychosen oft eigen-, aber auch fremdgefährdend sind.


    Eine Psychose geht übrigens mit Konzentrationsstörungen, Denkstörungen, sozialem Rückzug, Sprechverlangsamung etc.einher, auch danach. Das heisst nicht, das der jenige auch eine ADHS hat, er hat "nur" ebenfalls kognitive Symptome, wie es auch bei Depressionen und Stress und vielen anderen psychischen Ausnahmezuständen der Fall ist. Das heisst aber nicht, das jedem der kognitive EInschränkungen hat MPH gut tut oder hilft.

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: ADHS und Psychose?

    Es gibt sehr wohl ADHSler, die komorbide Psychosen haben. Ich habe am Ende meines Studiums 4 Monate in der Psychiatrie gearbeitet und des öfteren Psychose-Patienten nachanamnestiziert, vor allem als sie jeweils auf dem Weg der Besserung waren. Ich habe bei einigen exakt auch die von Oracle.Kid im Eröffnungspost genannten Züge:
    -Impulsivität
    -ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden
    -Unaufmerksamkeit
    -Hyperaktivität etc.
    erkennen können, also absolut charakeristische Züge von ADHS. Laut Russel Barkley ist ADHS das zentrale Thema der Psychiatrie, das bei so ziemlich allem beteiligt sein KANN.

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