Zeige Ergebnis 1 bis 5 von 5

Diskutiere im Thema Depression - wie kann die Therapie weitergehen? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 97

    Depression - wie kann die Therapie weitergehen?

    Hallo zusammen,

    ich brauche mal Euren Rat. Es geht um meine Depression und was ich mit meiner Ärztin besprechen kann, um damit weiterzumachen. Der ADHS-Spezialist sagte, dass ich mich für ADHS an ihn, für die Depression weiter an die Ärztin wenden soll. Ich hätte ja gern alles aus einer Hand, aber er macht das wohl nicht und sie verschreibt mangels Erfahrung kein MPH.

    Nun bin ich seit wenigen Wochen offiziell ADHSler und werde medikamentös mit MPH behandelt. In den Jahren zuvor lautete die Diagnose meiner Neurologin/Psychiaterin "larvierte Depression". Im ADHS-Befund wurde "eine rezidiverende Depressive Störung, aktuell remittiert" als Komorbidität angegeben. Mit "remittiert" meint man wohl, dass sich insbesondere meine Tagesmüdigkeit gebessert hat, seit ich in den letzen sechs Monaten Elontril eingenommen habe.

    Jedenfalls bin ich damals überhaupt erst zu irgendeinem Arzt gegangen, weil ich merkte, dass mit meiner Konzentration kräftig was nicht stimmt. Ich fühlte mich quasi nie ausgeschlafen und frisch, hatte eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, gegen die ich nur schwer ankämpfen konnte und ich konnte mich in Gedanken verlieren, was mich von der Arbeit abhielt. Außerdem habe ich motorische Unruhe gezeigt. Ich hatte mir angewöhnt, nicht mit den Füßen zu wippen, weil das auffällig ist. Stattdessen bewege ich ständig meine Zehen. Es gab auch ein ständig andauerndes "dunkles, schweres" Gefühl im vorderen Bereich meines Kopfs, fast so als läge ein gewisses Gewicht drauf.

    Als ich daraufhin die Diagnose Depression bekam, war ich ziemlich überrascht, denn ich hatte bis dahin das klischeehafte Bild davon im Kopf, dass man ständig traurig ist und vielleicht noch suizidale Gedanken hat. Ich konnte auch nicht genau sagen, seitwann die jeweiligen Symptome da sind - abgesehen von Zerstreutheit, Unkonzentriertheit und so - die gab's immer. Jedenfalls wurden dann alle möglichen Mittel probiert: Cipralex mit Mirtazapin, dann Venlafaxin+Trimipramin, Venlafaxin und niedrig dosiertes Risperidon und schließlich Elontril.

    Die Wirkung der Antidepressiva war jeweils etwa so:

    • Ich ärgere mich rückblickend über das Absetzen von Cipralex+Mirtazapin. Nach vielleicht zwei Wochen sagte ich meiner Ärztin, dass ich mich davon "fahrig" fühle. Ich glaube aber jetzt, dass sich meine Tagesmüdigkeit durch die Medikamente nur etwas anders angefühlt hat und ich mich nicht mehr oder weniger konzentrieren konnte als vorher.
    • Beim Venlafaxin habe ich kaum was gespürt, höchstens eine ganz subtile Dämpfung, die mir aber auch nicht geholfen hat. In Kombi mit Risperidon stärkere Dämpfung, unangenehm, daher abgesetzt.
    • Trimipramin bekam ich zur Nacht. Wenn ich die Tablette schon genommen hatte und nicht direkt schlafen konnte weil ich mit meiner Frau noch über irgendwas gequatscht habe, dann kam es mir nach Übergehen der einsetzenden Müdigkeit so vor, als sei mein Kopf viel klarer und/oder leichter. Ich habe das aber nie weiter getestet, das Schlafbedürfnis war zu groß und am nächsten Morgen war von der Wirkung auch nichts mehr da. Es wurde dann auch abgesetzt.
    • Zuletzt habe ich das Elontril abgesetzt - vor etwa drei Wochen. Die Nebenwirkung des starken Schwitzens war sozial kaum zu ertragen. Es ist nicht lustig beim Einkaufen auszusehen als würde man grad ne Dusche nehmen . So konnte ich auch kaum mal meine Frau knuddeln. Außerdem hat das Methylphenidat die Tagesmüdigkeit noch besser in den Griff bekommen.


    Zum MPH:

    Ich nehme Medikinet adult 20-20-0 und darf bis auf 40-40-0 oder 40-20-20 hochgehen, will aber noch mindestens ne Woche abwarten, bevor ich etwas ändere. Ich glaube, das werde ich sogar noch weit länger beobachten. Was ich bislang vom MPH spüre ist, dass ich bei Arbeiten den roten Faden länger halten kann. Am ersten Tag war mein Kopf klarer, es hat sich der Eindruck des plastischeren Sehens eingestellt, ich fühlte mich leichter und ich war hellwach. Das dunkle Gefühl in meinem Kopf war weg. Das war aber nur am ersten Tag so. Nun ist die Wirkung eigentlich "nur", dass ich den ganzen Tag über wach bin und leichter in nen Arbeitsfluss komme, wenn ich mich wirklich zusammenreiße.

    Zur Frage:

    Die restlichen Symptome schreibe ich also erstmal der Depression zu. Ich würde Euch jetzt gern einige ganz konkrete Fragen stellen, aber mir fällt das gerade schwer, ich weiß einfach nicht, wie das jetzt weitergehen kann.


    1. Mich interessiert daher, wie Ihr das einschätzt was sagt Eure Erfahrung?
    2. Macht es beispielsweise Sinn mal zu fragen, ob man die Kombi Cipralex+Mirtazapin nochmal probiert?
    3. Man sagte mir in der ADHS-Ambulanz, dass Atomoxetin auch eine Variante wäre, aber MPH wirkt erstmal ganz gut und ich habe viel drüber gehört - auch vom Arzt -, dass dort Schwitzen als Nebenwirkung auch wieder ganz oben steht.
    4. Was denkt Ihr, wie die Ärztin an die Sache herangeht?


    LG,

    Kokyo

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Depression - wie kann die Therapie weitergehen?

    Gegenwärtig remittiert heisst, das du gegenwärtig keine Depression hast. Rezidivierende Depressionen kennzeichnen sich durch Phasen aus, die auch vollständig wieder zurück gehen (remittieren). Das aber immer wieder.

    Ob du wieder Antidepressiva brauchst würde ich abwarten, ob wieder eine Depression kommt. Eine Therapie ist auf jeden Fall sowohl beim ADHS als auch bei Depressionen sehr sehr sinnvoll und hilfreich.

    Wie meinst du das wie die Ärztin rangeht? Wie geht sie denn ran? Von den Medis und auch in der Reihenfolge ist erstmal nichts negatives auffällig.

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Depression - wie kann die Therapie weitergehen?

    Gegenwärtig remittiert heisst, das du gegenwärtig keine Depression hast. Rezidivierende Depressionen kennzeichnen sich durch Phasen aus, die auch vollständig wieder zurück gehen (remittieren). Das aber immer wieder.

    Ob du wieder Antidepressiva brauchst würde ich abwarten, ob wieder eine Depression kommt. Eine Therapie ist auf jeden Fall sowohl beim ADHS als auch bei Depressionen sehr sehr sinnvoll und hilfreich.
    Das ist ja das Ding. Ich habe noch Symptome, von denen man mir sagte, dass sie von der Depression kommen - meine Bauernschläue sagt mir also, dass sie nicht weg ist. Und wenn wir schon all diese an Antidespressiva ohne Erfolg gegen diese Symptome probiert haben, wie geht es weiter? Ich kenne die Optionen nicht und weiß nicht, was nun vielleicht auf mich zu kommt und was die Ärztin tun wird.

    Ich würde gern noch hinzufügen, dass die verbleibenden Symptome nicht schwerwiegend sind, ich habe mich einfach dran gewöhnt. Sie trüben die Lebensfreude aber schon ein Stück weit.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Depression - wie kann die Therapie weitergehen?

    Wenn die Depression ggw remittiert ist, dann hast du zum Zeitpunkt der Diagnostik zumindest für den Diagnostiker keine gehabt. Ob du nun eine hast oder nicht wird hier keiner beurteilen können.

    Es wird auch keiner wissen was deine Ärztin vorhat, keiner kann hier hellsehen

    Es kann sein das Antidepressiva mit MPH besser wirken, es kann sein das Strattera allein am besten ist, es kann auch sein, das nichts wirkt, oder auch das du nur meinst es wirkt nichts. Eschen auch sein das du gar keine Depression hast, sondern etwas anderes und die Medis deswegen nicht wirken. Keiner weiss das. Du solltest mit deiner Ärztin besprechen was du willst, was du nicht willst und wie ihr das realisieren könnt.

    Nochmal, Medikamente allein helfen meist weder bei Depressionen noch bei ADHS.

  5. #5
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 457

    AW: Depression - wie kann die Therapie weitergehen?

    Hi Kokyo,

    da haben wir gerade die gleichen Diagnosen und Medikationen bekommen. Ich zappele auch nicht herum, sondern kralle mit den Haenden und druecke mit den Zehen, Kraftwirkung spueren eben.
    Habe auch gerade mein Elontril abgesetzt -gehabt- weil ich gemerkt habe, dass das Stimmungstief vorbei ist.
    Da hat das Medikament aber auch wundervoll geholfen, bei mir in Verbindung mit dem Stimmungs-Stabilisator Lamotrigin als Off Label Behandlung in niedrigster Dosis.
    Bei mir kam allerdings noch Alkohol (2Fl. Rotwein am Tag) dazu und da faengt wie bei einem Stock die Depression an einem Ende an und hoert am anderen Ende mit der Sucht auf. Ein Ding.
    Die meisten Menschen haben von Depression ein voellig verzerrtes Bild, ich z.B. war -dauernd- auf Partys, habe gefeiert bis in den Morgen.
    Schon paradox: Habe mich so sehr nach Gesellschaft gesehnt, sie aber nicht ausgehalten, ohne mich zu betaeuben.
    Elontril und vor allem das Lamotrigin haben da schonmal ganz gut geholfen, auch wenn ich nach dem Klinikaufenthalt erstmal tiefer als jemals zuvor abgestuerzt war, weil ich dort eine Liebesbeziehung mit einem ADHS-Maedel begann, das dort wegen einer Abhaengigkeit von Speed u.v.a. war, dann rueckfaellig wurde und dann noch spaeter wieder zum Ex zurueckging, weil der (selbst Dealer und nicht abhaengig) sie mit Stoff versorgte. Aber solche aeusseren Umstaende, die einen runterziehen wird es oefter mal geben, das Elontril hat nach 4 Monaten schon eine ganze Menge geholfen.
    Eine vorherige ACP-Psychotherapie ueber 2,5 Jahre hatte viele meiner Probleme geloes (Wutausbrueche, Selbstakzeptanz), aber die Depression wurde trotzdem mal staerker, mal schwaecher.
    Man kann uebrigens lernen, mit einer Depression anders umzugehen, es ist alles eine Frage von Fokus und Frame. Achtsamkeit ist unglaublich maechtig, Du kannst Dich aus jeder Gruebelei in einer Sekunde herausholen, und wenn man Akzeptanz erstmal verinnerlicht hat, sind auch innere Grabenkaempfe vorbei, diese ganze Selbstdefinition ueber den Job, das Statusdenken, Vorstellungen wie was zu sein hat usw. kann man nicht mehr ernst nehmen. Allerdings kommen einem grosse Teile der normalen Welt dann wie kurioses Kaspertheather vor;-)
    ZUm Thema Zypralex, hab ich auch mal n paar Monate genommen, hellt die Stimmung schon auf, aber hat so eine LMAA-Wirkung, alles wird egal und die Libido geht gegen Null. Eher was fuer Angststoerungen.

    Bin sehr neugierig, wie es bei Dir weitergeht.

Ähnliche Themen

  1. Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!
    Von jetztaber im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 9.10.2012, 18:09
  2. Stationäre Therapie/dringend/wie kann man eventuell aufnahme beschleunigen
    Von ChaosKater im Forum ADS ADHS Erwachsene: Ärzte und Kliniken
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 29.06.2011, 11:59
  3. Wie soll es weitergehen, nach der Diagnostik?
    Von Lori.Meyers im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 6.05.2011, 20:52
  4. Wie soll es weitergehen???
    Von breakin im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 9.02.2010, 20:30

Stichworte

Thema: Depression - wie kann die Therapie weitergehen? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum