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Diskutiere im Thema (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5

    Frage (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Moin moin ich wollte mich auch mal hier zu Wort melden,
    ich befinde mich gerade in therapeutischer Behandlung, nachdem sich in den letzten Monaten einiges in meinem Leben getan hat. Mein Therapeut hat bei mir Zwangsgedanken und Zwanghaftes Grübeln diagnostiziert, sich allerdings gewundert, dass meine Zwangsgedanken so schnell das Thema wechseln konnten. Zusätzlich war es nicht so, dass negative Gedanken nur bei einem bestimmten Reiz auftreten, sondern teilweise willkürlich bzw. bei unterschiedlichsten Reizen, die allesamt aber zu dem gegebenen "Oberthema" passen. Weiterhin war es auffällig, dass ich nicht mehr "aufhören" konnte zu denken, sodass er den Verdacht ADS geäußert hat (Eventuell eine Folge des Hyperfokus?). Früher war ich wohl besser in der Lage abzuschalten aber dieses Gedankenrasen merke ich momentan viel mehr und die Zwangsgedanken tun den Rest, sodass ich momentan gar nicht mehr abschalten kann.
    Nachdem wir ein paar Fragebögen bearbeitet haben, konnte ich durchaus mehrere Parallelen feststellen:
    Dazu gehören das "nicht-sitzen-bleiben-können" ,das ständige Rumspielen mit Stiften (Vor allem kommt sowas bei Vorlesungen in der Uni zu tragen. Dabei konnte ich meistens mir einen Vortrag anhören, danach war ich allerdings so hibbelig und ungeduldig, dass es mir schwer fiel aufzupassen.)
    Weiterhin neige ich zu Flüchtigkeitsfehlern und verlege gerne mal meinen Schlüssel. Impulsives Verhalten und aggressives Verhalten ist allerdings kaum ausgeprägt. Ich war auch bis die Zwangsgedanken aufgetreten sind immer ziemlich zufrieden und glücklich. Allerdings war es durchaus so,dass ich zur Hypochondrie und zu starken Sorgen neigte.
    Unordentlich war ich ebenfalls, habe allerdings mein Leben ziemlich gut geregelt bekommen. Eigentlich ist mir vieles leicht gefallen.
    Ich habe auch starke soziale Kompetenzen, d.h. sehr kontaktfreudig und offen. Zusätzlich habe ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ich habe ein Talent dafür andere Menschen zu analysieren und deren Gemütslage zu analysieren.
    In der Schule war ich immer der Klassenclown, allerdings hatte ich kaum Stress mit Lehrern oder Mitschülern (Das hätte mich auch sonst wohl verrückt gemacht -> Haromiebedürftig).
    Was mich wirklich verwundert ist der Umstand, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die typischen Charakteristika einer Zwangserkrankung aufweiste. Mein Therapeut war leider für 5 Wochen im Urlaub, sodass ich nach 3 Sitzungen einen Break hatte und relativ viel Zeit ohne fachmännische Unterstützung hatte. Meine Frage ist also: Gibt es auch sowas wie eine abgeschwächte ADS Symptomatik? Zwangsgedanken können ebenfalls als Begleiterscheinung des ADS auftreten. Ich habe mich daher gefragt, ob diese bei ADSlern anders sind als bei typischen Zwangspatienten? Gibt es auch gegen diese wirren Zwangsgedanken, die eine Expositionstherapie erschweren, Behandlungsmethoden (am besten ohne Medikamente)? Oft denke ich mir ich werde nie wieder ein unbefangenes Leben führen können, weil ich nicht genau weiß, ob die speziellen Zwangsgedanken sich gut behandeln lassen. Hat jemand einen guten Ratschlag parat?
    Naja, vielleicht kann ja wer helfen.
    Cheers

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Na ja, Zwangsgedanken lassen sich durchaus auch behandeln.

    Zumindest kann ich von mir sagen, dass mir Sertralin an dem Punkt sehr geholfen hat. Hab die Krücke noch immer und bin momentan dabei, die Dosis langsam zu verringern. Leider hatte ich bei der höheren MPh-Dosis noch den Eindruck, dass dies Grübeleien und das Jammern noch schlimmer geworden sind.

    Mittlerweile sind sie schon enorm reduziert, so dass ich im Alltag auch wieder deutlich konzentrierter bin z.B. wenn es nicht nur am ganz alltägliche Dinge geht, die mir ohnehin leicht von der Hand gehen!

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 2

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Hey Juhann,

    ist es nicht möglich dass du früher einmal als Kind impulsiv, du jedoch gemerkt hast, dass dieses Verhalten von deiner Umwelt nicht als positiv wahrgenommen wird und du in der Folge Zwangsgedanken entwickelt hast.

    Ich erkenne viele Parallelen zu mir. Bin ständig im Konflikt mit mir selber, habe ausgeprägte Katastrophengedanken und auch Zwangsgedanken. Katastrophengedanken sind sehr typisch für ADS, habe ich nach dem Lesen des Buches "Zwanghaft Zerstreut" erkannt, das würde ich dir auch wärmstens ans Herz legen. Ich denke irgendwie, dass diese Resultat einer fehlenden Impulsivität sind und sich in der Folge die Symptomatik nach innen in den Kopf verlagert.

    Prouscht

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Heyho TenFeetTall,

    Danke für deinen Beitrag. Ich glaube als Kind war ich eher ängstlich und nicht sonerlich impulsiv. Das weiß ich aber natürlich auch nicht mehr. Mein Therapeut hat es zumindest auch so gesagt, dass meine Impulsivität im Kopf stattfindet. Kann also gut sein. somit hast du wohl Recht

    Zur Literatur:

    Ich habe mir 2 Bücher zum Thema Zwangsgedanken und auch das Buch Zwanghaft zerstreut durchgelesen. Ich konnte sehr viele hilfreiche Informationen daraus ziehen. Durch die ganzen Informationen konnte ich viele Dinge für mich klären.

    Zum Thema Zwangsgedanken habe ich die Bücher: "Kobold im Kopf" und "Freiwerden von Zwangsgedanken" gelesen. Haben mir beide sehr gut gefallen. Zusätzlich finde ich diesen Erfahrungsbericht sehr ansprechend: Ich denke es wird sehr gut das Innenleben eines Zwänglers beschrieben: http://www.zwangserkrankungen.de/ind...&threadID=5894 .


    Konnte mich da in vielen Sachen wiederfinden. Vor allem fand ich die Gründe für die Entwicklung der Zwänge in dem Beispiel sehr gut. Das automatische Gedankensortieren und Gedanken in Gut oder Böse einordnen, negative Gedanken direkt abwerten und nichts anderes zulassen. Wie gesagt habe ich mich in dieser Beschreibung wiedergefunden. Ein weiterer Grund für die Zwangssymptomatik sehe ich in der Tatsache, dass Betroffene kaum Selbstsicherheit haben. Dieses Phänomen ist bei ADSlern aufgrund der Flüchtigkeitsfehler, etc. besonders schnell gegeben, sodass ich glaube, dass Zwangsgedanken sich besonders schnell einstellen können.


    Beim Zwanghaft zerstreut habe ich ebenfalls ein paar interessante Textpassagen gefunden. Zum einen habe ich das Gefühl, dass bei ADSlern eine Zwangssympotmatik, inklusive Grübeln, etc. aus Langeweile aufrecht erhalten wird. Weil man damit so schön was zu tun hat, die Gedanken sich auf etwas wieder fokussieren können und man somit wieder eine gegebene Struktur im Kopf hat. Dafür spricht, dass wenn ich ein Thema habe, welches mich besonders interessiert oder ich in einer sehr spannenden Konversation bin, bei mir nur wenige Zwangsgedanken auftreten. Kann aber genausogut sein, dass das normal ist. Zu dem Thema finde ich diesen Artikel ganz nett : http://ads-muenster.de/index.php/zwaenge-adhs


    Zusätzlich ist es bei mir so, dass ich durch mein ADS und die dadurch gegebene schnelle Assotiationsgabe, ständig Impressionen und Bilder bzw. Zwangsgedanken zu dem Thema, welches mich momentan beschäftigt habe. Das hatte ich ja auch oben beschrieben. Dadurch hat man im Vergleich zum normalen Zwängler nicht einen Reiz, der immer den gleichen Gedanken auslöst, sondern tausend verschiedene Reize, die immer wieder Gedanken auslösen und mich so zum Grübeln bringen können. Gleichzeitig habe ich aber kaum den Drang die Gedanken zu neutralisieren. Ich bekomme nur immer sehr viele Impressionen in den Kopf und sehr viele absurde Ängste (Sind aber wohl ebenfalls Zwangsgedanken). Ich glaube das ADS spielt da auch ne ganz gute Rolle mit.


    Weiterhin habe ich noch weiter Sachen im Internet gelesen. Beispielsweise fand ich es interessant, dass 20% aller ADSler auch eine Zwangssymptomatik aufweisen ( Zwang und ADHS : Zusammenhänge von HKS und Zwangsstörung ). In mehreren Foren habe ich von der positiven Wirkung von Medikinet gehört. Ich bin gespannt, werde bald damit anfangen. Momentan nehme ich nur Johanniskraut. Das hilft in der Weise, dass es die Gemütslage stabilisiert. Ich merke soweit keine Nebenwirkungen und es geht mir damit deutlich besser auch wenn die Zwangsgedanken kaum weniger geworden sind.


    So Zwangsgedanken sind nervig, aber gleichzeitig glaube ich, dass man da gut was gegen machen kann. Mir haben vor allem die Zwangsspezifischen Bücher geholfen, um zu lernen damit umzugehen. Danach kann man dann sich damit beschäftigen, wie man die Zwangssymptome auf ein Minimum reduziert. Dieser Prozess zieht sich zwar, allerdings glaube ich, dass man dadurch nur stärker wird. Durchhaltevermögen ist halt angesagt

    Juhann
    Geändert von Juhann (23.10.2015 um 00:14 Uhr)

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 405

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Also für Erklärungsansätze was da in dir vorgehen könnte würde ich auch noch folgendes Buch empfehlen:

    https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-bu...tml#post657911


    Es gibt darin ein langes Kapitel zum Thema Emotionen im Kontext ADHS. Welche Funktion diese erfüllen, wie das oft von Therapeutenseite fehlinterpretiert wird. Warum manche "Komorbiditäten" eigentlich gar keine Komorbidität, sondern lediglich ein weiteres Gesicht der ADHS sind (aus Sicht des Autors).

    Der Autor ist Arzt (wenn auch kein Psychiater) und selbst Betroffener.


    Wenn du dich in seinen Ausführungen wiederfinden kannst, könnte dir das nochmal einen neuen Blick geben. Wenigstens im Sinne eines besseren Störungsverständnisses. Das ist ja manchmal auch schon die halbe Miete..


    PS:

    Eine fundierte ADHS-Diagnostik wurde bei dir noch nicht durchgeführt? Es steht also nur die Verdachtsdiagnose im Raum?

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Heyho,
    ja das ist ja schonmal ein weiterer interessanter Anhaltspunkt. Ich werden dem mal nach gehen. ADS-Diagnose ist soweit vom Experten (über 20 Jahre Berufserfahrung) gestellt und bestätigt worden.

    Bei mir liegt neben der ADS-Diagnose auch eine Hypersensibilität und teilweise daraus resultierend auch eine Zwangsstörung in Form von Zwangsgedanken vor.

    Das ist der Stand bis jetzt. WErde bald zum ersten Mal Medikinet nehmen. Bin gespannt, ob das hilft

    LG

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 132

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Also ich finde das klingt eigentlich sehr typisch nach adhs. Ständiges grübeln, zwangsgedanken/ Handlungen. Kenne das sehr gut. Daraus können sich auch zwangshandlungen entwickeln. Ich guck z.b. bevor ich gehe mehrfach nochmal durch die Wohnung um zu sehen ob alles aus is. Oder ziehe mehrmals an der Autotür und drück die zentralverriegelung mehrmals um sicher zu sein das mein Auto wirklich zu is.

    Sehr schlimm ist es beim lernen. Hab schon meine Küche neu gemalt obwohl am nächsten tag Prüfung War, nur weil der Gedanke einer neuen küchenfarbe nich aus dem kopf wollte ^^'

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 405

    AW: (untypische?) Zwangsgedanken und Gedankenrasen

    Ich denke solche Zwangshandlungen sind halt der Versuch der Seele in das bei ADHS omnipräsente Gedanken- und Emotionschaos irgendwie eine Ordnung herein zu bringen, eine Art (Pseudo-)Kontrolle zurückzugewinnen...

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