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Diskutiere im Thema Ist immer AD(H)S schuld? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.091

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Ein junger Mann stand vor Gericht. Anklage "Trunkenheit am Steuer mit Unfall in drei Fällen"

    Fall 1.
    Richter: warum sind sie betrunken Autogefahren?
    Mann: ich wußte nicht, dass ich betrunken so schlecht fahre.

    Fall 2.
    Richter:warum sind sie beim zweiten Mal wieder betrunken Autogefahren?
    Mann: ich wußte nicht, dass ich betrunken immer so schlecht fahre.

    Fall 3.
    Richter: sie wußten nicht, dass sie betrunken immer so schlecht fahren. Ok, für das erste und zweite Mal spreche ich sie frei - sie sind nicht schuldig
    beim 3. Mal wußten Sie es aber und haben nicht danach gehandelt - dafür sind sie schuldig.



    Ja, eine AD(H)S kann das lernen schwerer machen, sie kann einiges Anderes machen. Wenn ich aber davon weiß, dann ist es meine Aufgabe danach zu handlen - wenn ich das aber nicht tue, dann ist nicht die AD(H)S schuld - dann habe ich die Verantwortung.

  2. #12
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Ich muss gerade an meinen Vater denken, wie der mit 51 Jahren vor mir stand und sagte: "Kind, du bist für dich selbst verantwortlich!" Er sagte das nicht so, sondern anders und ich habe es gehasst, wie er das sagte.

    Und er hatte Recht. Ich wollte mir das nie eingestehen und habe mich von ihm abgewandt.

    Damals, als mein Vater 51 Jahre alt war.

  3. #13
    Apollo_1012

    Gast

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Ich habe schon mal in einem anderen Beitrag geschrieben: Flöhe schließen Läuse nicht aus.

    Das beantwortet die Eingangsfrage.

    Wir haben beide ADS und unsere beiden Kinder auch. Wir lassen es bei den Kindern nicht als Ausrede gelten und sie nutzen es auch nicht. Sie bekomme alle Unterstützung, die wir organisieren können und sie machen sich richtig gut. Dahinter steckt unsere Überzeugung, dass in der Kindheit noch das eine oder andere verbessert / korrigiert werden kann, das Gehirn entwickelt sich ja noch. Wir gehen offen und direkt damit um. Mach den Strom an, sage ich meiner Tochter, wenn sie plötzlich die einfachsten Matheaufgaben nicht kann, weil Mathe sie langweilt, dann macht sie den Strom an und es geht besser.

    Als Partner spornen wir uns auch eher an, selbst, wenn wir wissen, das Verhalten des anderen kommt vermutlich durch ADS. Es ist keine Ausrede. Dann suchen wir halt eine Bewältigungsstrategie. Also Beispiel: Wir brauchen beide Zeit alleine, Zeit zum Auffüllen der Batterie. Davon können wir nicht genug bekommen. Aber wir haben auch Kinder. Also verabreden wir 4 ADSler am Frühstückstisch unsere Tagesplanung und spulen das Programm dann ab. Das stellt sicher, dass wir auch was zusammen machen, und zwar zu vereinbarten Zeiten. Das ist künstlich oder irgendwie für Dritte komisch, aber genau so funktioniert es für uns alle. Das sind die Flöhe.

    Dazu kann man aber auch als ADSler eine Scheiss-Partnerschaft haben, vollkommen unzufrieden sein, sich gerne und oft streiten. Das sind die Läuse. Die können aus jeder Ecke kommen, das muss nicht ADS sein. Läuse haben wir nicht.

    LG
    Apollo

  4. #14
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 617

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    ADHS ist nicht schuld. Leute sind erstmal Leute mit Namen und weiteren eigenen Daten, die Sachen machen, die sich gut oder schlecht auswirken. Ob man wegen dessen einen Job verpasst, einen Abschluss nicht erreicht und trotz dessen etwas Gutes hinbekommt, was soll letzten Endes unter dessen genau fallen? Kann alles sein, von den schlechten gestrigen Nudeln bis zu einem angeborenen Syndrom. Solange Defizite nicht eingeordnet werden können bzw Negatives an was anderem liegen kann, ist es zu einfach sich darauf niederzulassen, dass dies oder das "an dem ADS liegt". Der Satz bietet für meinen Geschmack eine zu grosse Gelegenheit, zu schnell Durchbeissfähigkeit aufzugeben

  5. #15
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 214

    Ist immer AD(H)S schuld?

    coccinelle schreibt:
    ADHS ist nicht schuld. Leute sind erstmal Leute mit Namen und weiteren eigenen Daten, die Sachen machen, die sich gut oder schlecht auswirken. Ob man wegen dessen einen Job verpasst, einen Abschluss nicht erreicht und trotz dessen etwas Gutes hinbekommt, was soll letzten Endes unter dessen genau fallen? Kann alles sein, von den schlechten gestrigen Nudeln bis zu einem angeborenen Syndrom. Solange Defizite nicht eingeordnet werden können bzw Negatives an was anderem liegen kann, ist es zu einfach sich darauf niederzulassen, dass dies oder das "an dem ADS liegt". Der Satz bietet für meinen Geschmack eine zu grosse Gelegenheit, zu schnell Durchbeissfähigkeit aufzugeben
    Denke ich auch!
    Man kann sich ins Entschuldigen und Rechtfertigen durch Ad(h)s reinsteigern...

    Die Diagnose dient dem Zweck das man sofern man dazu in der Lage ist mit therapeutischer Unterstützung lernt mit evtl. Defiziten z.B. Verhaltenstherapie umzugehen.

    @Apollo
    Finde deine Regelung innerhalb der Familie wirklich vorbildlich!

    Wünschte bei mir in der Familie ginge es ebenfalls derart strukturiert vor.
    Find ich wirklich Spitze!

    ----
    Was mir an meinem Therapeuten besonders gut gefällt ist das er analytisch vorgeht.
    Er nimmt sich Zeit und sieht Diagnosen nur als Anhaltspunkte -Diagnostiziert jedoch keine Krankheitsbilder.

    Unvoreingenommenheit und Ehrlichkeit findet man bei guten Psychotherapeuten.

    Hhhmm...
    Und nun zur Überschrift:
    "Immer" -nich dein ernst jetze?!? :lol:



    MfG
    BoxwoT



    Gesendet von iPhone mit Tapatalk
    Geändert von BoxwoT (12.05.2015 um 23:57 Uhr)

  6. #16
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Ich denke, daß die Schuldfrage schlechthin der falsche Ansatz ist.

    Ich habe von jemandem hier mal ein Barkley-Zitat geliefert bekommen, in dem von "intention deficit disorder" die Rede war.
    Das läßt einen an dieser Stelle eher vermuten, wo der Hase im Pfeffer liegt:
    Theoretisch wäre es ohne weiteres möglich, daß wir dies oder jenes tun könnten, aber wir tun es nicht.
    Terminplaner, Erinnerungszettel, Schwarze Bretter,... sie alle erinnern uns zwar an die anstehenden Aufgaben, aber sie geben uns nicht die nötige Energie und Motivation.
    An dieser Stelle greift oftmals das für uns so wichtige Methylphenidat ein, je nach Individuum, Diagnose, Begleiterscheinungen, etc.

    Bei einigen reicht das allein, um die Motivationsschranken einzureißen.
    Bei anderen nicht.
    Mittel und Wege sind und bleiben offenbar eine individuelle Angelegenheit, aber keine pauschale Utopie.

    Wenn ich meinen Fall betrachte:

    Ich arbeite an mir selbst.
    Ich weiß wo das Problem liegt.
    Aber auch die Lösung des Problems ist eine Aufgabe.
    Eine Aufgabe, die Motivation und Konzentration erfordert, und zwar auch dann, wenn beides gerade überhaupt nicht vorhanden ist.

    Eine wichtige Erkenntnis: es hilft nicht im Geringsten, sich Vorhaltungen zu machen (und die mache ich mir trotzdem auch weiterhin; aber vielleicht nicht mehr so oft).
    Aber es hilft, von den betroffenen Situationen, kleine Momentaufnahmen zu machen und sich vielleicht mit einer Person, die kompetent helfen kann, über mögliche Lösungswege auszutauschen.
    Auch wenn die dann kein Allheilmittel sind.
    Es wird einfach immer wieder passieren, daß dieses oder jenes einfach liegenbleibt.
    Aber es läßt sich vielleicht verringern.

    AD(H)S ist nicht an allem schuld, aber Du auch nicht!
    Ja, Du hast etwas in der Hand, um Veränderung zu schaffen!
    Nein, Du hast NICHT ALLES in der Hand, um JEDES mit AD(H)S einkehrende Problem zu jeder Zeit zu lösen!
    Und nein: Es ist keine Ausrede, die Ursache im AD(H)S zu suchen! Aber es ist eine Täuschung, im AD(H)S selbst die Lösung zu sehen.

    Ändere was Du ändern kannst.
    Akzeptiere, was Du nicht ändern kannst.
    Und lerne beides voneinander zu unterscheiden.
    Und... glaube nicht, daß Letzteres ein abschließbarer Vorgang sei...

  7. #17
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 281

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Ich denke Bummel hat das ganz gut auf den Punkt gebracht.

  8. #18
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Und ich denke, daß Bummel diesen Punkt vor allem sich selbst immer mal wieder vor die Nase halten sollte!
    Immer und immer wieder...

  9. #19
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 281

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Das werde ich in Zukunft auch tun!

  10. #20
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Ist immer AD(H)S schuld?

    Also, dieser Satz stach mir ins Auge:

    Irre schreibt:
    Ich hätte mich schon während oder besser vielleicht noch davor um mein ADHS und meine Depressionen kümmern. Hab ich aber nicht gemacht.
    Ein Symptom von ADS ist, dass man sich eben NICHT um Dinge kümmert, deshalb kann ja eben dieses typische Chaosleben entstehen - Briefe nicht geöffnet, Rechnungen nicht bezahlt, sich nicht um ADS gekümmert...das IST ADS.

    Desweiteren hapert es bei ADS an der Selbststeuerung und das kann auch dazu führen, dass man will, aber nicht kann oder vergisst oder abgelenkt wird oder oder oder...

    Guck dir mal folgenden Link an: ZNL Fex - Exekutive Funktionen
    Bei uns ADSlern sind genau diese exekutiven Funktionen beeinträchtigt. Und das führt eben zu gewissen Motivations- und Selbststeuerungsproblemen. ADS ist eine Behinderung - und genau wie jmd. im Rollstuhl nichts dafür kann, dass er keinen 100-Meter-Lauf hinkriegt, kannst du nix dafür, wenn du dich nicht ausreichend oder früh genug um deine Probleme kümmerst. Was du erreichst, ist das Ergebnis dessen, was du erreichen kannst und alles, was du nicht erreicht hast, konntest du nicht erreichen, weil du es nicht erreichen konntest! Wenn du nicht genug Willen aufbringst, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, dann liegt es daran, dass du nicht genug Willen aufbringen konntest, dir war es nicht "gegeben". Und nicht, weil du noch mehr Willen hättest aufbringen müssen. Dinge passieren so, wie sie passieren. Ich hoffe, man versteht, was ich sagen will.

    Insofern würd ich sagen, bist du an gewissen Dingen nicht Schuld. Gewisse Dinge kannst du rein von deiner biologischen Ausstattung nicht. Und ironischerweise kannst du auch gewisse Dinge, die mit dem "freien Willen" zusammenhängen, nicht, das gehört eben zum ADS dazu, das ist die eingeschränkte Selbststeuerung. Man kann aber lernen, seinen Willen quasi zu "befreien" und dem ADS nicht mehr so ausgeliefert zu sein. Aber auch das braucht Jahre und Reifung - ich kenn da so nen Spruch: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht. Wenn du dich selber unter Druck setzt, dass du ja schon viel mehr hättest tun können, um mit deinem ADS zurechtzukommen, dann ist das einzige, was du erntest, Frust. Du kannst dein ADS besser beherrschen lernen, aber das braucht Zeit.

    Ich würde auch weniger nach der Schuld fragen, als pragmatisch nach möglichen Lösungen zu suchen, um in Zukunft besser klarzukommen. Und überhaupt nützt es niemandem etwas, wenn man diese ADS-Sache moralisch angeht, finde ich. Ich finde zB nicht, dass es meine "Schuld" ist, wenn ich etwas wichtiges übersehe oder vergesse, sondern das ist einfach Ergebnis des gestörten Gehirnstoffwechsels. Ich finde übrigens schon, dass ADS eine Entschuldigung sein kann - man kann nicht alles, was man theoretisch besser könnte, auch de Fakto besser machen. Wenn man es anstrebte, alles so gut zu machen, wie man es theoretisch könnte, dann würde man ganz sicher bald im Burn Out landen. Manchmal gibt es einfach Tage, an denen man nicht gut kompensieren kann und dann kann man sich auch ruhig mit ADS entschuldigen, so wie man sich auch mit nem Schnupfen entschuldigt, wenn man mal nicht so viel leisten kann und neben der Spur ist. Mein Gott, wir müssen doch nicht auch noch den Anspruch an uns stellen, das ADS zu allen Zeiten bestmöglichst zu kompensieren. Ich finde, was hier im Thread sehr deutlich wird, ist dieser Leistungsanspruch, den man bei vielen ADSlern findet: Ich habe eine Krankheit, aber ich muss bestmöglichst mit ihr zurechtkommen, denn ohne Leistung bin ich ja nichts wert. Gott, manchmal geht das halt nicht. Wir sollten uns nicht so unter Druck setzen, es ist halt schwierig mit ADS und das dürfen wir uns auch mal zugestehen. Das heißt ja nicht, dass wir uns dauerhaft auf unseren faulen Hintern setzen.
    Geändert von Chamaeleon (14.05.2015 um 01:29 Uhr)

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