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ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    Hochgradige Schwerhörigkeit kann nur noch unzureichend kompensiert werden

    Hallo Ihr Lieben!

    Bin momentan ziemlich mit den Nerven runter, weil ich merke, dass ich nur noch an meine Grenzen stoße und auch nicht mehr leistungsfähig bin. Ich habe neben psychischen Problemen eben auch eine erworbene Lärmschwerhörigkeit.

    Kurz zur Entstehung derselben: Als Kind hatte ich Entwicklungsstörungen, bin nicht gelaufen mit 2 Jahren und habe mit 3 Jahren noch kein Wort gesprochen; ich war sehr selbstzufrieden und hatte keine Kommunikation gewünscht. Meine Eltern waren verzweifelt und suchten krampfhaft nach einer Diagnose, die ihnen besser gefiel als Autismus und/oder geistige Behinderung, so dass meine Mutter sich von einem Phoniater hatte aufschwatzen lassen, dass ich Hörgeräte zu tragen hätte, damit ich überhaupt sprechen lernen könne (alle Vorbefunde auf mein gut funktionierendes Gehör und eine unauffällige Hirnstammaudiometrie wurden durch diese Person komplett ignoriert). Leider gab es damals noch keine differenzierte Diagnostik für Entwicklungsstörungen, so dass man nur Extremerkrankungen und -störungen kannte, die natürlich für meine Eltern und auch für mich sehr abschreckend und nicht passend wirkten. Den Therapien war ich trotzdem nicht offener gegenüber (insbesondere da mich diese Leute spüren ließen, dass sie mich für völlig verblödet hielten und auch keine ansprechenden Therapiemthoden wählten), aber durch entsprechende Frequenz und Zwang bei den Sprechenlernübungen (am Tag wurden mehrere Stunden damit verbracht, mit Festhalten und zwangsweise ins Gesicht schauen in Kombination mit extrem lauten Hörgeräten), wurde ich doch "weichgekloppt", und lernte das Sprechen. Später hatte ich überwiegend gute Therapeuten, die guten Zugang zu mir hatten und mich auf diese Weise bei der restlichen Entwicklung ungemein voran brachten.

    Leider hatte ich mich irgendwann an die Hörgeräte so gewöhnt, dass ich Lautstärke tolerierte, und sie auch brauchte. Die Geräte waren jedenfalls die ganze Kindheit über immer zu laut eingestellt. Ich hatte wohl insbesondere immer Probleme bei der Sprachverarbeitung, und der zunehmende Verlust des Hochtongehörs bewirkte zunächst eine Verbesserung des Sprachverständnisses, da der hochfrequente Störschall wegfiel. Die Schwerhörigkeit nahm dadurch immer mehr zu.

    Seit ca. 20 Jahren achtete ich auf die Lautstärke, um mein restliches Gehör noch zu schonen, aber schon damals war die Höreinschränkung hochgradig, jetzt ist sie an Taubheit grenzend.

    Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich kommunikativer geworden bin als früher und ich einen Beruf ausübe und gerne weiter ausüben möchte, wo die Kommunikation sehr im Vordergrund steht (Dozentin). Aber ich fühle mich jetzt - im Gegensatz zu früher - durch die Hörminderung extrem eingeschränkt, fühle mich ausgelaugt, merke, wie sehr sie mich am Ausleben meiner Möglichkeiten hindert (früher nahm ich sowas garnicht wahr, sondern fand es eher toll, schwerhörig zu sein, meine Ruhe haben zu dürfen, etc.), und ich bin schon durch wenige Arbeitsstunden in meinem Beruf total überlastet. Aber dann habe ich leider mangels Einsatzmöglichkeiten auch wieder sehr viel Freizeit, die ich nicht immer wirklich füllen kann, und mir graust vor dem Gedanken, meinen Beruf, so wie er ist, aufgeben zu müssen. Selbst bei Einzelgesprächen zwischen einem Prüfer und dem geprüften Schüler (ich war die Protokollantin), kann ich ein normales Gespräch nicht mehr verfolgen. Und dass alle sehr laut und deutlich sprechen, schien für die anderen schwierig oder unzumutbar zu sein, und ich mag die Bitte danach während eines Gesprächs nicht 2-3 mal wiederholen müssen. Ich hatte danach einen Nervenzusammenbruch - und es ist ja keine Sache, die nun plötzlich aufgetaucht ist - ich kenne das Hörproblem ja schon seit früher Kindheit!

    Wegen dieser Probleme beim Beruf war ich ja auch schon beim Arbeitsamt zur Berufeberatung - aber wir haben alles durch; ich finde einfach nichts anderes, was mir Spaß macht oder/und was ich kann mit meinem Ausbildungshintergrund.
    1) Als Ärztin im Klinikum arbeiten möchte ich nicht und kann ich auch nicht, weil ich im PJ nie trainiert habe, wie das so geht (ich saß die ganze Zeit nur im Arztzimmer herum und belas mich zu Krankheitsbildern, aber für die anderen war ich nur nervig, und ich wußte selbst nicht, was ich tun und wie ich mich verhalten sollte).
    2) Als Physiotherapeutin will ich auch nicht mehr arbeiten, habe keine Lust, die Leute immer nur zu massieren - und schon garnicht mit meiner Ausbildung als Ärztin.
    3) Würde gerne in einer kleinen, ruhigen Praxis für Psychiatrie und Neurologie oder in der neuropsychiatrischen Leistungsdiagnostik mitarbeiten, aber ich wurde immer fortgeschickt, meine Bewerbungen abgelehnt - es hieß u.a. diese Jobs seien rar und begehrt oder gar, dass ich zu kindlich in meinem Auftritt sei und von den Patienten nicht für voll genommen werden würde...
    4) Wissenschaftliche Tätigkeit liegt mir nicht
    5) Dokumantationsassistenz ist mir zu dröge und diese komplizierten gesetzlichen Vorgaben kapiere ich nicht
    6) Als Lektorin oder Autorin müßte ich mich selbstständig machen, bzw. in Vorkasse gehen - ich scheue solche Risiken
    7) Mein Vater möchte, dass ich Module für Studiengänge entwickle für seine eigene Hochschule: Das bedeutet, dass ich Stundenzahl, Fächer und ihre Inhalte, Creditpoints und so weiter mir irgendwie aus den Fingern saugen soll und irgendwie alles mit Dozenten und anderen Leuten koordinieren soll - was da genau meine Aufgabe sein soll, kapiere ich einfach nicht; der Hochschulleiter quasselt mich stundenlang voll, was ich da tun soll und gibt mir riesige Ordner mit gesetzlichen Vorgaben in die Hand, und ich fühle mich wie ein kleines dummes Schulmädchen, das nicht kapiert, was es da überhaupt soll.

    Ich bin wohl zu unflexibel als dass ich etwas anderes machen könnte als den Unterricht - ich habe früher theoretischen Unterricht immer geliebt und habe alle neuen, interessanten Infos zu Medizin und Psychiatrie/Psychologie aufgesogen; daher kann ich das selber auch gut erklären und beibringen. Und ich mag den Austausch mit anderen über diese interessanten Themen. Daher suche ich nach Möglichkeiten, ihn weitermachen zu können, evtl. auch zeitlich auszubauen.

    Ich habe überlegt, in eine Rehaklinik für Hörgeschädigte zu gehen, aber mein Mann meint, die würden mir da nicht weiterhelfen können. Was meint Ihr? Ich will mich dort auch mal über andere Hörhilfen, evtl. implantierbare Hörsysteme beraten lassen, auch mit Patienten darüber sprechen und erfahren ob mir auch ein Schreibdolmetscher für meinen Unterricht und in Prüfungen zusteht. Die im Arbeitsamt helfen mir da garnicht weiter, die wollen mir nur Umschulungen als Dokumentar im medizinischen Bereich oder gar für die Wissenschaft, etc. angedeihen lassen.

    Habt Ihr vllt. noch andere Ideen außer Reha, Integrationsfachhelfer und Arbeitsamt? Danke!
    Liebe Grüße von
    Hermine
    Geändert von Hermine1977 (16.02.2015 um 20:02 Uhr)

  2. #2
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Hochgradige Schwerhörigkeit kann nur noch unzureichend kompensiert werden

    3) Würde gerne in einer kleinen, ruhigen Praxis für Psychiatrie und Neurologie oder in der neuropsychiatrischen Leistungsdiagnostik mitarbeiten, aber ich wurde immer fortgeschickt, meine Bewerbungen abgelehnt - es hieß u.a. diese Jobs seien rar und begehrt oder gar, dass ich zu kindlich in meinem Auftritt sei und von den Patienten nicht für voll genommen werden würde...

    Ich wünsche dir sehr, dass du dem folgen kannst, was du von Herzen gern tun möchtest.

    "Immer fortgeschickt werden" ist kein Gegenargument gegen deine Wahl und "zu kindlich im Auftritt sein..." und son Zeugs ist doch überhaupt keine valide Aussage zu nix.


    .... und was mir noch auffällt ist, dass es vielleicht zu viele Leute in deiner Umgebung gibt, die zu wissen meinen, was gut für dich ist?! Wo du es doch eigentlich selbst längst weißt?


    Liebe Grüße

    Luzie

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