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Diskutiere im Thema sich ausgegrenzt fühlen... im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    sich ausgegrenzt fühlen...

    Dass ich eine Aussenseiterin bin, ist schon in meiner frühen Kindheit aufgefallen.
    Und es zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden.

    Aber komischerweise fühle ich mich oft auch ausgegrenzt, wenn ich es gar nicht bin. Oder ich meide Gesellschaft von mir aus. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob mein Gefühl nicht doch richtig ist.

    An grösseren Anlässen muss ich mich richtig anstrengen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Niemandem würde es auffallen, wenn ich nicht da wäre. Und niemand würde von sich aus auf mich zukommen oder auf mich warten. Gehe ich zwischendurch mal auf die Toilette, muss ich damit rechnen, dass sie ohne mich weitergezogen sind, wenn ich wieder zurück bin. Dann stehe ich wie bescheuert da...
    Wenn diese Anlässe eine Übernachtung einschliessen, gehe ich manchmal früher ins Bett, als ich eigentlich möchte, bloss weil ich mich nicht zugehörig fühle. Die Leute denken dann vielleicht, ich brauche einfach mehr Schlaf, aber in Wahrheit gibt es mir einen Stich ins Herz, vom Zimmer aus dem Gelächter der anderen zuzuhören.

    In meiner WG oder auf Parties fühle ich mich ausgegrenzt, wenn ich später dazustosse und alle andern schon lustig beisammen sind. Dann meine ich, etwas verpasst zu haben und mich generell nicht in diese Stimmung hineinfühlen zu können. Ausserdem komme ich mir manchmal vor wie ein Alien, weil ich bei gewissen Themen einfach nicht mitreden kann oder will.

    Ich hasse es, als Streberin oder Workaholic oder Langweilerin zu gelten. Das stimmt einfach nicht. Ich bin auch nicht übermässig scheu und verschlossen, glaube ich zumindest. Rede wie ein Wasserfall, wenn ich mal angefangen habe. Wenn das Umfeld stimmt, drehe ich auf und werde vielleicht ein bisschen verrückt. Dann liebe ich es, die Sau rauszulassen. Aber eben auf meine Art.

    Es kommt auch vor, dass ich mich von einer Gruppe nicht ausgegrenzt fühle. Aber das ist eher selten der Fall. Meistens habe ich dann entweder eine Leitfunktion oder eine stärkere Verbundenheit zu einer der Personen.
    Oft ziehe ich mich auch zurück, weil alles andere einfach nicht passt. Einen Würfel bringt man schliesslich auch nicht durch ein dreieckiges Loch.... Ist es da ein Wunder, dass ich wie Luft wahrgenommen werde?


    Findet sich jemand in meinem Beitrag wieder? Oder bin ich vielleicht auch in dieser Hinsicht ein Alien?

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 281

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Liebe jetztaber!

    In deinem Text habe ich mich total wieder gefunden! Mir geht es auch schon seit ich denken kann so. Gruppen mit mehr als drei Leuten überfordern mich total! Auch wenn sie nett zu mir sind, habe ich immer das Gefühl, ich gehöre nicht dazu und sie würden nur mit mir reden, weil man das eben so macht. Dabei wurde mir schon oft vergewissert, dass das gar nicht so ist! Neulich zum Beispiel war ich mit einem Kommilitonen spazieren und er meinte plötzlich, dass die anderen mich total schätzen würden - dabei hatte ich immer das Gefühl, sie würden mich entweder einfach nicht wahrnehmen, oder eben nicht leiden können und ausgrenzen.

    Auch bei den Themen, die andere so haben... Ich sitze auch oft daneben und kann/will nicht mitreden, oder wenn ich mich dann doch mal zu Wort melde, habe ich das Gefühl, dass mein Beitrag einfach übergangen wird. Oder ich was ganz falsches gesagt habe... Vielleicht checke ich auch einfach nicht, worum es in den Gesprächen wirklich geht? Oder rede ich so, dass mich keiner versteht???

    Vielleicht passe ich auch einfach nicht in diese Welt... Wer weiß? Meine Freunde waren meistens auch eher Leute, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben und ähnlich fühlen. Hatte echt Glück, ein paar Freunde zu finden, die so ticken wie ich und auch ein bisschen "nerdig" sind und immer die Außenseiter waren. Mit denen klappt es auch ganz gut, wenn es - wie gesagt - nicht mehr als 3 oder 4 sind! Oder, wie es bei dir ist, wenn ich mich mit einer Person sehr verbunden fühle oder der "Boss" bin^^

    Es bilden sich auch immer ziemlich schnell Cliquen, wo Menschen sich neu begegnen und ich versteh dann immer nicht, wie das schon wieder möglich war oder ich bin selbst in so einer, halte es aber meistens nicht lange aus und ziehe mich zurück, bis es sich daraus ergibt, dass man nicht mehr die gleichen Themen hat und auch irgendwie nicht mehr dazu gehört...

    Deswegen bin ich auch nur bei ganz wenigen Menschen so, wie ich wirklich bin. Dann aber richtig: Ich rede dann wie ein Wasserfall und überhaupt nicht mehr zurück gezogen! Danach ist mir das dann zwar öfters peinlich und ich habe wieder Angst, dass ich es mir nun mit den Leuten vermasselt habe, aber die Freunde, die ich jetzt noch habe, scheinen mich ja trotzdem irgendwie zu mögen... Jedenfalls melden die sich meistens bei mir^^

    Puh... Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel geschrieben...

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Anitüta schreibt:


    Puh... Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel geschrieben...
    Überhaupt nicht, ich habe von Anfang bis Ende jedes Wort aufmerksam und gespannt gelesen!
    Du hast dasselbe nochmals anders beschrieben und auch ich finde mich in deinem Text wieder.... Ich könnte jeden Satz hundertprozentig unterschreiben!

  4. #4
    Chaoten-Weib

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 2.544

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Ich kann auch beides von euch unterschreiben....

    Mittlerweile gehe ich gar nicht mehr oft weg, vielleicht 1-2 mal im Jahr. Und wenn, dann nur zu sehr guten Bekannten, die sich eh drastisch reduziert haben, weil ich mich zurück gezogen habe.

    Mittlerweile mit 50 und dank MPH seit 1,5 Jahren habe ich mich dafür entschieden grössere Menschenansammlungen zu meiden, weil sie mir nicht gut tun. Also lasse ich es. Vorher, also ohne Diagnose und Medis habe ich sehr gelitten, wenn ich das alles so wie ihr erlebte. Es kann halt auch nicht jeder Mensch gleich sein oder?

    Von mir aus bin ich dann halt ein Langweiler, ein Alien, eine Spassbremse, ein Berg-auf-Bremser...

  5. #5
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Ich kann mich in allem was ihr geschrieben habt absolut wiederfinden.

    Ich war als Kind "mittendrin aber nie wirklich dabei". Bin immer so im Strom mitgeschwommen, aber wenn ich abgesoffen wäre hätte das auch keinen interessiert. Darum hat keiner gemerkt, dass ich einsam war - weil irgendwie bin ich ja schon mitgeschwommen und hatte auch Freunde. Aber nur immer einzelne auf die ich mich dann ganz konzentriert habe. Oder wir haben auf dem Schulhof gespielt, aber am Nachmittag haben wir uns nie getroffen. In so einer richtigen Clique, was ja eigentilch spätestens ab dem Teeniealter dazugehört, war ich nie. Am liebsten war ich aber seitdem ich 10 Jahre war mit meinen Gassihunden zusammen - das waren die besten Kameraden die mich durch meine Pupertät begleitet haben.

    Was ich immer besonders schlimm fand waren die Geburtstagslieder z.B. in der Schule "... wie schön dass du gebohren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!" So ein Sch***, kein Mensch hätte mich vermisst, dann wären wir halt nur 25 Kinder in der Klasse gewesen!

    Heute ist es so, dass ich zwar schon Kontakte habe und auch einige wirklich schätze, aber allzuoft will ich mit denen auch nix zu tun haben. Auch merke ich, dass ich mich bewusst und ohne schlechtes Gewissen von Leuten zurückziehe die mich nerven und zu denen ich früher immer so gezwungen den Kontakt gehalten hab nach dem Motto "Ich kann mich doch jetzt nicht einfach nicht mehr melden, wir haben uns doch mal so gut verstanden" Mir egal, wenn sich die nicht auch mal melden, dann hab ich jetzt auch keinen Bock mehr!

    Befinde ich mich in größeren Gruppen bin ich unterschiedlich. Manchmal hab ich kein Interesse mich zu beteiligen, manchmal schon. Aber eigentlich hat sich mein Freundeskreisinzwischen so eingependelt, dass ich nur noch mit Leuten zusammen bin die ich mag, die mich mögen und mit denen ich einfach "kann". Manchmal bin ich zwar immer noch ein bisschen abseits, aber das stört mich nicht und die anderen auch nicht... also ist es ok!

    Auch habe ich manchmal das Gfühl, dass ich bei Gesprächen nicht mitkomme oder es mir einfach nicht interessiert... keine Ahung, schwer zu beschreiben aber manchmal scheinen mir Teile der Unterhaltung zu fehlen...

    Früh schlafen geh ich eigentlich meistens - manchmal sogar wenn keine Übernachtung zum Treffen gehört. Ich leg mich dann einfach aufs Sofa und penn. Bei den Leuten mit denen ich Kontakt habe ist das ok. Ich wills meinem Freund halt auch nicht verderben, soll der doch bis 12 Uhr oder so lustig sein. Sonst müsste er um spätestens 10 Uhr mit mir heimgehen, weil ich dann müde werde. Und so kann ich mich hinlegen, er kann Spaß haben und wir sind beide zufrieden.
    Manchmal bin ich auch gar nicht müde, kommt ganz auf die Unterhaltung und die Stimmung drauf an... meine Müdigkeit verhält sich proportional zur Stimmung. Ist die Luft raus, werde ich müde.
    Ich kann das gar nicht verstehen wie Leute am Freitag nach einer stressigen Arbeitswoche am Abend auch noch weggehen können und dann bis Samstag früh druchmachen... vollkommen unverständlich.

    So richtig weg mit Bar, Disco o.ä. war ich schon Jahre nicht mehr. Es geht mir auch nicht ab. Das hat mir eigentlich nie Spaß gemacht und ich bin nur mit weil die anderen hin sind. Ich bin auch sooo froh dass mein Freund das auch so sieht und wir uns da absolut einig sind. Auch ist es mir da zu laut, stickig und heiß. Man muss sich i.d.R. anbrüllen damit man sich unterhalten kann... nenene, sowas brauch icht nicht.

    Ich glaube dass mich andere auch deswegen und wegen meinem Schlafbedürfniss als Spaßbremse bezeichnen, aber nicht die Leute mit denen ich viel Kontakt habe, sondern nur welche die dann "mal so" dabei sind... aber die können mich mal!

    In diesem Sinne noch einen wunderschönen Abend
    lg Susilein

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.692

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    kenne ich auch einiges...
    dieses gefühl in gruppen.

    es gibt so klassenfahrtbilder aus der grundschule...
    eins von den dingen passt nicht zu den anderen...
    sumasu macht ihren eigenen kram, sondert sich ab,
    konnte mit blümchenkränzen nichts anfangen,
    und auch sonst fühlte ich mich eher nicht dazu gehörig.
    oder nicht adäquat genug, anders, Alien,
    irgendwie den anschluss nicht bekommend.
    ich hab das oft nicht verstanden was die da machen...
    das war so weit weg von mir.

    das setzte sich fort.
    ich war mehr für mich allein unterwegs.
    freundInnen immer eher phasenweise.
    und gruppen ein greuel.
    da kam ich immer schief drauf.
    zu still. oder das gefühl dem nicht folgen zu können,
    nicht wissen was reden...etc.

    es ist noch heute eher anstrengend.
    am schlimmsten, wenn es nur so vor
    sich hin plätschert, nichts passiert.
    keine gespräche, hier ein bisschen
    was rumölen und dann dort ein bisschen essen.

    dann beginne ich mich richtig schlecht zu fühlen,
    weil ich mit diesen situationen nicht zurecht komme
    weil ich gespräche benötige, unterhaltungen...
    und dann aber merke die menschen sind mit dem
    was ich als furchtbar erlebe zufrieden,
    erleben es als angenehm.

    meine stimmung geht dann ziemlich schnell in den keller.
    ich kann es dann kaum aushalten und dieses gefühl
    nicht adäquat zu sein, nicht zu passen kann dann
    wieder auftauchen.
    ich muss dann weg.
    ganz schnell für mich sein.

    vor diesem weihnachtsmarktdingens oder weihnachtsfeiern
    scheue ich mich auch.
    das ist alles viel zu viel. zu laut, zu viele gerüche,
    einfach zu viele menschen.
    ich weiß dann nichts mit mir anzufangen
    fühle mich unwohl und nicht dazu gehörig.

    partys waren auch oft ein greuel.
    dann wenn die stimmung mal wieder
    unversehens umschlug und ich mich
    dann gefragt habe, wieso das die anderen
    immer so hinbekommen,
    konsequent spaß haben können,
    aber mir das nicht so gelingen will.

    teamsitzungen....
    alles situationen in denen ich meine
    stimmungsunkalkulierbarkeit
    richtig zu spüren bekam und
    es mir einfach und partout nicht erklären konnte...

    heute fühle ich mich nicht mehr so ausgegrenzt.
    ich merke, das ich mich selber oft in mir ausgegrenzt
    habe, weil ich mich nicht hinsortieren konnte,
    kein einfluss auf mich, ausgeliefert und nicht
    kompatibel mit anderen.
    es mir immer zugeschrieben habe, falsch zu sein.

    ich versuche gruppenzusammenkünfte nun zu vermeiden
    die, die mir nicht gut tun.
    die medis helfen da auch, mehr dabei sein zu können.
    aber es ist auch zeitlich begrenzt.
    erschöpft mich schnell
    langweilt mich.....
    ist nach wie vor schnell zu viel.

    dennoch immer wieder auch ein thema
    was mich noch beschäftigt...
    wie gegensteuern in situationen die ich nicht meiden
    kann....teamsitzungen, supervision etc....
    Geändert von Sumasu (15.10.2014 um 23:06 Uhr)

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Ich kann das alles auch nur unterschreiben, was Susilein, jetztaber, sumasu und Anitüta schreiben.
    Am quälendsten finde ich dabei diesen Gedanken: "Wäre ich jetzt weg, würde es niemandem auffallen."
    Hab das einmal Silvester gemacht. Zu der Zeit hatte ich einen heftigen Burn-Out, es ging mir richtig dreckig.
    Haben Silvester in meiner WG gefeiert mit so 15 Leuten.
    Irgendwann ging bei mir gar nichts mehr, alle waren in der Küche oder im Zimmer meiner Mitbewohnerin.
    Ich bin in mein Zimmer und hab nur noch geheult.
    War etwa 1h allein. Wenige Minuten vor Mitternacht kam dann tatsächlich ein Kumpel von mir in mein Zimmer.
    Eine Stunde, die ich alleine WÄHREND der Party heulend in meinem Zimmer saß und NIEMAND hat was mitbekommen!
    Ich war so froh, als dann doch besagter Kumpel auftauchte, meinte, das Leben ist scheiße, wir betrinken uns jetzt. Da die Alternative "vorm Zug springen war" (war akut suizidal in der Zeit), fand ich das die angenehmere Lösung. Er hat sich dann um mich gekümmert, als ich dann wieder zu den anderen ging, war es, als wäre ich nie weggewesen.
    Also für die, ich wusste ja, dass ich weg war. Aber die habens echt nicht gemerkt...

    In Gruppen von mehr als 3-4 Leuten komme ich einfach nicht klar. Es ist zu viel. Bin überfordert, rede nur noch wirres Zeug (falls ich es überhaupt schaffe, einen grammatikalisch richtigen Satz zu formulieren) und wenn ich mal was erzählen möchte, werde ich nach spätestens 10 Sekunden von jemand anderem unterbrochen und danach hören alle anderen nur noch der anderen Person zu.
    Hab meinen Freund mal gefragt, ob ich wirklich so langweilig bin, wenn ich rede.
    Er meinte, ich verharre zu sehr in den Details und komme nicht zum Punkt. Wenn ich mit ihm rede kann er sich drauf einstellen, aber wenn noch 3-4 weitere dabei sind und jeder davon auch was zum Thema beitragen möchte, dann ist es zu anstrengend für die Zuhörer und deswegen wird man dann einfach übergangen...

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Du, das mit Silvester erinnert mich gerade an etwas...

    Letztes Mal war es besonders schlimm. Ich hatte niemanden, habe mich im Zimmer betrunken und als das Feuerwerk losging, bekam ich einen Weinkrampf. Ich habe mich dann in den Schlaf geheult... Denkste, irgendwer hätte was mitbekommen? Natürlich nicht, alle andern waren ja schön am feiern.
    Schon zuvor habe ich mich öfters betrunken oder verletzt. Ich mache das auch im Geheimen, wenn mich niemand sieht, aber niemand ahnte, dass es mir schlecht geht. Dass ich mir in meinem Zimmer das Leben nehmen wollte, hat niemand gemerkt. Meinen Abwesenheit durch Aufenthalt auf der Kriseninterventionsstation und in der Klinik wurde nie kommentiert. Als ich stationär behandelt wurde, war ich drei Monate lang weg, manchmal kam ich am Wochenende nach Hause. Ein einziges WG-Mitglied hat mich jemals darauf angesprochen. Und an dieser Situation hat sich nichts geändert.

    Ja, der Gedanke, der dich am meisten schmerzt, schmerzt auch mich am meisten. Das war schon als Kind so.
    Zur Suizidalität mag ich mich gerade nicht äussern, es würde zu viel aufwühlen. Aber zur Zeit habe ich wieder mehr Kraft, dagegen anzukämpfen.

    Puh, ich hoffe, das hat euch jetzt nicht zu sehr getriggert...
    Geändert von jetztaber (16.10.2014 um 00:34 Uhr)

  9. #9
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    ReRegenbogen schreibt:
    Hab meinen Freund mal gefragt, ob ich wirklich so langweilig bin, wenn ich rede.
    Er meinte, ich verharre zu sehr in den Details und komme nicht zum Punkt. Wenn ich mit ihm rede kann er sich drauf einstellen, aber wenn noch 3-4 weitere dabei sind und jeder davon auch was zum Thema beitragen möchte, dann ist es zu anstrengend für die Zuhörer und deswegen wird man dann einfach übergangen...
    Ich bin total perplex - H - A - A - R - G - E - N - A - U die selbe Konversation hat sich zwischen mir und meinem Freund vor gut einem Jahr auch abgespielt.

    Ich war total deprimiert und wütend auf eine Freundin, weil die die blöde Angewohntheit hat mich manchmal im Satz einfach zu unterbrechen um von etwas ganz anderem zu erzählen oder gar einfach aufzustehen und wegzugehen. Wenn sie mich unterbricht, sag ich inzwischen "Hey, ich erzähl grad was und würde das gern fertig erzählen" Bemühe mich auch schon bewusst mich kurz zu halten. Aber wenn sie einfach aufsteht, schreie ich ihr nicht hinterher.

    Ich hab auch nochmal zur Gruppenstärke nachgedacht:
    Bei mir gibts da zwei Grenzen. 1 Person (außer mir natürlich) ist ok, schlecht sind 2 und 3 Personen gehen gar nicht. Alles was drüber ist ist wieder ok, weil dann die Gruppe groß genug ist damit wieder Untergruppen gebildet werden und dann fällt es mir leichter. Außerdem fällt es dann nicht so auf wenn ich eine kleine Auszeit für mich mit "Luftlöcher starren" oder "auf dem Klo verschwinden" einlege.

    Auch ich hatte und habe immer noch oft das Gefühl, dass ich vom Kopf her gar nicht mitbekomme bzw. keine Zugang zu den Themen der anderen finde... das mit den Blumenkränzchen ist ein gutes Beispiel. Was wollen die eigentlich alle? Für was für einen Schwachsinn interessieren die sich?
    Manchmal hab ich ernsthaft das Gefühl irgendwie aufm falschen Planeten gelandet zu sein!
    Vielleicht sind wir wirklich eine bestimmte Alienart und haben nur unseren Heimatplaneten vergessen, weil wir schon so lange auf der Erde sind...

    lg Susilein

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: sich ausgegrenzt fühlen...

    Neben der Gruppengröße an sich ist natürlich auch wichtig, was für Menschen man da sitzen hat.
    Einige neigen mehr zum "dazwischenreden", andere weniger.
    Ich habe 2-3 Geschichten, die ich mittlerweile perfektioniert habe und auch in größeren Gruppen erzählen kann, ohne unterbrochen zu werden. Und mit denen ich meine Mitmenschen erheitere.
    Leider kann ich die Geschichten nicht immer wieder erzählen.
    Bei Diskussionen mit anderen, bei denen jeder seine Argumente vorlegen möchte, bin ich hingegen völlig verloren.
    Oder wenn mehrere gesprächige Menschen am Tisch sitzen und ich was erzählen möchte, dann weiß ich eigentlich schon vorher, dass ich es gar nicht versuchen brauche.

    Ich weiß nicht, in wiefern es mit ADHS zusammenhängt (da vllt. die Eigenschaft, manchmal nicht zum Punkt zu kommen*g*) oder nicht viel eher mit der Asperger-Diagnose.
    Habe einige wenige Leute im Freundes-/Bekanntenkreis mit auffälligen ADHS-Symptomen, die aber nicht dieselben Probleme haben, sondern oft sogar im Gegenteil die "Sprachführer" in einer Gruppe sind, die, um die sich alle anderen sammeln. Die, die besonders lustige und spannende Geschichten erzählen und viel im Mittelpunkt stehen.
    Nicht, weil sie um Aufmerksamkeit buhlen, sondern weil sie einfach so eine Art an sich haben, die von vielen gemocht wird. (Direkt, lustig, kreativ, redsam, liebenswert verpeilt...)

    Wenn ich in kleinen Gruppen (also zu zweit oder maximal zu viert) bin, mit den richtigen Menschne, dann fühle ich mich auch nicht ausgegrenzt. Okay, zu viert ist oft grenzwertig, da ist es Glückssache.

    Ich glaube also nicht, dass ich mir mein "nicht dazugehören" einbilde.
    Mein Freund hat mir am Anfang der Beziehung immer wieder versucht "einzureden", dass ich doch beliebt bin, "viele" Freunde habe etc.
    Nach 4 Jahren Beziehung hat er irgendwann zugegeben, dass er mein Gefühl teilt und auch merkt, dass ich nicht richtig dazugehöre.
    Eine mögliche Erklärung seinerseits war, dass ich distanziert wirke (obwohl ich es de facto nicht bin), manchmal auch gefühlskalt und unsensibel. Er selber, so sagt er, brauchte über ein halbes Jahr, bis er das Gefühl hatte "mich zu erreichen"- also im emotionalen, zwischenmenschlichen Sinne.
    Es kommen viele Faktoren zusammen, z.B. das fehlen von Höflichkeitsfloskeln, ich würde niemals jemandem während eines Gespräches berühren, auch nicht zum trösten o.ä., ich umarme Menschen selten von mir aus, frage oft nicht nach ihrem befinden, bevorzuge Sachthemen, melde mich manchmal wochenlang nicht, meide Situationen in denen andere Emotionen zeigen und dann gibt es wohl noch viele andere nonverbale Signale, die ich nicht benutze (z.B. Mimik, Prosodie, ist zwar beides bei mir vorhanden, aber viel weniger vielfältig als bei anderen).
    Die anderen merken also schlicht nicht, dass ich sie mag und sie mir was bedeuten. Und somit bleibe ich für sie nur eine gute Bekannte.
    Derzeit habe ich vier enge Freunde, bei denen ich weiß, die mögen mich so wie ich bin. Die selber alle etwas "merkwürdig" sind. Zwei davon sehe ich etwa einmal die Woche, den dritten ca. alle 2-3 Wochen, den vierten alle paar Monate.
    Ansonsten habe ich zwar einige weitere Freunde/Bekannte, manche sehe ich auch wöchentlich, aber ich merke, dass da diese "unsichtbare Wand" besteht und ich nicht weiß, wie ich die durchbrechen soll. Mittlerweile habe ich mich mehr oder weniger damit abgefunden. Zumindest deutlich mehr als an diesem besagten Silvester vor einigen Jahren.

    Manchmal hab ich ernsthaft das Gefühl irgendwie aufm falschen Planeten gelandet zu sein!
    Vielleicht sind wir wirklich eine bestimmte Alienart und haben nur unseren Heimatplaneten vergessen, weil wir schon so lange auf der Erde sind...
    So wird es meist vor allem unter Autisten beschrieben. Trifft es wohl ganz gut...
    Ich weiß, dass ich mit "normalen" Menschen immer Probleme haben werde. Ich lebe ein wenig wie "unter eine Käseglocke", habe meinen Kreis von Leuten mit autistischen Zügen, von Nerds, von ADHSlern. Verlasse ich diese Käseglocke, stoße ich unweigerlich auf fast unüberwindbare Hindernisse.
    In deinen Worten gesagt: es lebt sich am besten, wenn man Menschen trifft, die vom gleichen Planeten stammen.
    Zum Glück habe ich ein Studienfach gewählt, in dem überdurchschnittlich viele Aliens versammelt sind und mit denen ich mich sehr gut verstehe.
    Wäre dem nicht so, wäre ich wohl noch viel verzweifelter. Und einsamer.

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