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ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    Unglücklich Chronische Unzufriedenheit...

    ... ist ein Problem unserer Gesellschaft im materiellen Überfluss?!! Weil wir immer mehr wollen und somit nie genug haben können?!!

    Aber ich habe nicht das Gefühl, zu diesen Menschen zu gehören. Dennoch bin ich fast immer unzufrieden.

    Wenn ein Kind mich anlächelt, ist das ein schöner Moment, ich lächle unwillkürlich mit, aber mehr dringt die Emotion auch nicht zu mir durch.
    Wenn ich eine Leistung vollbracht habe, bin ich stolz auf das Ergebnis und stolz darauf, es geschafft zu haben - stolz bin ich auf mich als funktionierende und lernfähige Maschine, aber nicht auf mich als Mensch.

    Ich bin nicht die hobbylose Langweilerin. Ich weiss mich zu beschäftigen. Und es gibt tatsächlich Dinge, die ich gerne mache. Aber sie geben meinem Leben auch keinen Sinn. Einerseits, weil sie zur mechanischen Ablenkung von der bedrückenden Leere geworden sind: Sie haben eine Funktion zu erfüllen. Andererseits, weil sie mich ständig daran zu erinnern scheinen, wie schön das Leben doch sein könnte.........

    Vielleicht bin ich mir selbst manchmal eine zu harte Richterin. Meine Ansprüche an mich sind hoch und es stimmt, dass ich meinen Fehlern mehr Gewicht gebe als meinen Qualitäten.

    Aber dann zu sagen, dass dies allein der Grund für meine chronische Unzufriedenheit sei, ist dann doch wieder zu einfach gestrickt!!

    Ich habe ein Studium auf dem Buckel. Doch ob ich mir dafür jetzt auf die Schulter klopfen kann oder nicht, in jedem Fall macht mich diese Tatsache nicht zu einem glücklichen Menschen.
    Vielleicht sollte ich dankbar sein für jede einzelne Tür in meinem Leben, die sich für mich geöffnet hat. Aber ich bin nicht unzufrieden, weil mir das nicht genug ist, sondern weil die Quantität nicht die Qualität wettmachen kann.

    Seit ich denken kann, lebe ich mit der Hoffnung, eines Tages vom Leid erlöst zu werden.
    Irgendwann hörte das Leid auf, aber anstatt dass ich aus einem Albtraum erwachte, wurde der Albtraum ein Teil von mir. Meine Fassaden habe ich darauf aufgebaut. Er ist zu meinem Fundament geworden, weil ich kein anderes Fundament habe. In Panik versuche ich krampfhaft, mich von diesen Wurzeln zu lösen.

    Die Stimmen aus dem Albtraum sind weit weg, kaum hörbar, aber ihr Echo hallt mir noch in den Ohren.
    Ich sehe mich gefangen in einer engen, dunklen Höhle, ein Felsblock versperrt mir den Ausgang. Die Felswände sind kahl, feucht, modrig und mit tausenden von Augen bestückt. Da hinein dringt fast kein Licht - nur so viel, dass ich noch weiss, wo ich bin -, keine Wärme. Der Felsblock lässt sich nicht bewegen, und das Gestein verschluckt meine Hilferufe. In der Verzweiflung kauere ich mich hin und weine. Irgendwann versiegen die Tränen und ohnehin wird mir bald klar, dass es nichts nützt zu weinen. Die verhöhnenden Stimmen aus der Tiefe sind die Geister der Einsamkeit, die mich auf ihre Seite locken. Sie warten nur darauf, dass ich kapituliere. Ihr Echo hallt an den Wänden der Höhle wieder:

    "Ha! So fühlt Einsamkeit sich an! Du bist allein! Du hast absolut niemanden! Niemand wird dich vermissen! Deine Träume können nichts als Illusionen sein, denn von hier wirst du nie wieder herauskommen! Und glaub nicht, dass du dich durch einen unglücklicher Zufall hierher verlaufen hast! Nein, wir haben dich schon erwartet - du bist unserem Ruf gefolgt, weil du hierhin gehörst! Schau dich an! Ein armseliges, jämmerliches Etwas; ein halbfertiger Mensch! Du gehörst nicht zu ihnen; kein Wunder, dass sie dich abstossen! Haha! Weine nur, es wird dir nichts nützen! Niemand wird kommen, um dir zu helfen! Du wirst in diesem Loch zugrunde gehen, ohne jemals gelebt zu haben, denn das Leben ist da draussen!"

    Aus diesem Albtraum bin ich nie erwacht - stattdessen wurde er ein Teil von mir, als das Leid allmählich verebbte.
    Ich habe das alles nur überlebt, weil mir nichts als die Hoffnung blieb, dass ich eines Tages davon erlöst würde. Vielleicht habe ich noch nicht genug gelitten. Aber das wäre das kleinste Problem. Denn jetzt melden sich die Stimmen des Albtraums aus meinem Innern. Sie versuchen mich zu überzeugen, dass ich mit der Einsamkeit eins geworden bin, meinen Kampf für immer verloren habe. Dass mich die Leere nicht mehr nur umschlingt, sondern sie geradezu aus mir heraus wächst.

    Ich will diesen Stimmen nicht glauben. Aber sie bilden den Kern meines unterbewussten ICHs. Das Bewusstsein ist manipulierbar, aber das Unterbewusstsein hat immer das letzte Wort: Es ist der Kern Wahrheit, der unversehrt geblieben ist. Daher rührt meine Angst, am Ende einer Hoffnungsphase stets einzusehen, dass die traurige Wahrheit genau diejenige ist, vor der ich mich zu verschliessen versuchte, obwohl ich sie im Grunde die ganze Zeit über kannte.

    In diesem Kern wohnen meine Ur-Ängste: Es ist dies die Befürchtung, dass die Stimmen aus meinem Albtraum, der ein Teil von mir geworden ist, Recht haben könnten.

    Ich habe trotz ADHS eine Uni besucht und in mehreren Bereichen mit einigen Leistungen die Erwartungen anderer übetroffen. Einige sind von meiner raschen Auffassungsgabe beeindruckt. Andere haben mir eine Ehrenauszeichnung für mein Durchhaltevermögen oder meine Willenskraft verliehen. Mein unermüdliches Engagement wurde beachtet und belohnt. Viele Türen habe ich mir selbst geöffnet, aber bei anderen habe ich auch einfach Glück gehabt - dafür sollte ich dankbar sein. Weder über meine Gesundheit noch meine finanzielle Situation kann ich mich beklagen; auch die häuslichen Umstände sind in Ordnung, mit niemandem in der WG habe ich Streit. So gesehen habe ich es viel besser als ein Grossteil der Menschheit.

    Und doch kann ich das Leben nicht geniessen. Nicht, weil mir das, was ich habe, zu wenig ist. Es ist nur nicht das Richtige.
    Was ich leiste, vollbringe, erreiche oder erhalte - das bin ich als funktionierendes Mitglied in der Maschinerie der Gesellschaft. Aber als "Mensch" bin ich ganz woanders. Das Gefühl der Leere, das Fehlen von Geborgenheit, das Echo der Stimmen der Einsamkeit -- ich fühle wieder den kalten Boden unter meinen Knien. In Wahrheit bin ich also immer noch hier. Wahrheit, weil ich sie im Wesen der Menschen suche. Alles andere interessiert mich nicht.

    Mit keiner objektiven Leistung in der Gesellschaft kann ich meine Seele aus diesem Loch befreien. Solange sich an dieser Situation nichts ändert, kann ich weder einen Sinn im Leben sehen noch Freude darin empfinden - die Leere verschluckt alles. Wenn ich auch auf meine Leistungen stolz sein könnte - zufrieden mit mir selbst werde ich erst sein, wenn ich der Einsamkeit bewiesen habe, dass ich stärker bin als sie. Erst dann wäre die Grundlage dafür geschaffen, einmal glücklich zu werden.

    Meine chronische Unzufriedenheit rührt also weder von einem Lebensstil in materiellem Überfluss noch von zu hohen Ansprüchen an mich selbst her.

    Ich bin ein ehrgeiziger, leistungsorientierter Mensch - aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, was sich dahinter verbirgt. Ich habe nur zwei Herzenswünsche: Zu lieben (d.h. auch lieben zu dürfen) und geliebt zu werden. Erfolg, Äusserlichkeiten, Intelligenz - all das ist wertlos hinter dem Felsblock, der mein Schicksal besiegelt haben will.

    Vor Jahren habe ich mir im Radio ein Interview mit einer Frau angehört, die ohne Arme und Beine zur Welt gekommen ist. Als sie geboren wurde, war ihr Vater nicht zu Hause; als er von der Behinderung des Mädchens hörte, reagierte er mit Verachtung und Enttäuschung. Ein anderer Verwandter, der bei der Geburt dabei war, hob die Kleine hoch, drückte sie an sich und spürte ihr Herz schlagen. Aus seiner Sicht war ein Mensch geboren, ohne wenn und aber - ein kleines grosses Wunder des Lebens, das man in die Arme nehmen und lieben kann.

    Diese Anekdote berührt mich nicht zuletzt deshalb so tief, weil sie zeigt, dass ein Mensch so selbstverständlich liebt und geliebt wird, wie er ein Mensch ist und als solcher wahrgenommen wird. Leistungen, Erfolg, Äusserlichkeiten - lächerliches Beigemüse. Die einzige Möglichkeit für mich, ein vollwertiger Mensch zu werden, ist, die emotionale Abgeschottetheit zu überwinden. Aber dazu müsste ich aus dem Albtraum erwachen, der ein Teil von mir geworden ist.

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
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    AW: Chronische Unzufriedenheit...

    Das Leben rutscht einem durch die finger

    Normalerweise muß man einfach nur die hand schließen und zugreifen,
    aber mit genügend kraft das man sich auch drann festhalten kann

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