Seite 2 von 3 Erste 123 Letzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 24

Diskutiere im Thema Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Klar schreib ich was zu mir! Möchte ja auch, das sich "beide Seiten" verstehen.

    Also erstmal ich habe keine Kinder und keine Partnerschaft. Mit Absicht nicht. Irgendwie stolpere ich eben immer genau über die beschriebenen Verhaltensweisen, nur halt von meiner Seite aus.

    Mein Freundeskreis...... heikles Thema, eigentlich pflege ich immer zu sagen ich habe nur einen "Bekanntenkreis". Da sind nur sehr wenige, die es mit mir langfristig aushalten.

    Bei mir ist das Problem, ich möchte gerne Kontakte, aber es wird mir schnell auch zu viel. Um dann den Gegenüber nicht zu verletzen, hält man es bis eigentlich über seine eigene Grenze aus (aus Erfahrung weiss ich einfach das ich mich "unnormal" schnell erschöpft/erdrückt fühle) und wird dann urplötzlich extrem grantig. Leider ist das immer ein Teufelskreis.
    Ich gehe ja dem Gegenüber zuliebe schon über meine Kräfte, opfere mich auf und der Andere ist dann auch noch beleidigt, wenn ich mal WIRKLICH nicht mehr kann. Leider ist es mir aufgrund der Überforderung dann auch manchmal wirklich nicht bewusst möglich mir freundlich schnell Abhilfe (Freiraum/Ruhe/ nicht alles sofort!) zu verschaffen.



    Und dann kommt natürlich die Scham. Hat man sich wieder daneben benommen. Also meldet man sich nicht mehr. Kein Anderer da, ist auch das Problem nicht da.

    Oder man hat man eben trotzdem das Gefühl man hätte sich doch aber schon für den Anderen aufgeopfert, also vergisst man auch irgendwie seine eigenen "Missetaten", denkt der Andere muss doch auch merken wie man sich aufopfert und dann ist man logischerweise so, als wäre nichts gewesen. Für mich selbst ist ja dann irgendwie auch nichts Dramatisches gewesen. Eher im Gegenteil.

    Und dann noch was fordern? Was denn noch??? Ich reiss mir doch schon den ********* auf! WIRKLICH!

    Ignoranz....... na klar! Hab ja eh kaum Kraft, also schaff ich so den "Feind"/"Überforderer aus dem Weg...... ein effektiver und kräftesparender Weg.

    Mich über Probleme mit Anderen unterhalten? Wozu? Bisher hat mich keiner verstanden, warum jetzt? Ist doch eh nur wieder ein Angriff und keiner versteht mich. Und dabei bemüh ich mich wirklich! Sieht das denn keiner was ich den Anderen zuliebe alles aushalte?


    Verstehst du was ich meine?

    So ging es mir vor MPH. Leider geht es meinem Vater immer noch so.
    Ich bin auch immer noch dabei vieles zu verstehen, aber ich kann dir versichern, hätte ich anders gekonnt, ich hätte auch anders reagiert. Ich hatte wirklich immer eher noch das Gefühl ich gebe sogar mehr als der Gegenüber nur keiner sieht es. Wahrscheinlich war es sogar so.

  2. #12
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Darf man fragen, warum du für andere Menschen über deine Kräfte hinausgehst und dich aufopferst? Das ist nicht der Sinn eines sozialen Kontaktes. An einem Kontakt sollst du Freude haben. Es kann nicht sein, dass er dich auslaugt und zur Erschöpfung treibt. Das macht dich irgendwann kaputt.

    Es ist wichtig, dass du von Anfang an deutlich zu verstehen gibst, was du möchtest und was für dich nicht geht. Ich hatte mal zwei gute männliche Freunde, auf die das von mir beschriebene Verhalten exakt passt. Wir hatten 5,5 Jahre intensiven Kontakt, haben uns jede Woche 1-2x getroffen und auch jede Woche ein längeres Telefonat geführt. Als die ersten Probleme zwischen uns entstanden, machten sie mir Vorwürfe wegen der längeren Telefonate. Sie haben das Telefonieren noch nie gemocht und es trotzdem jahrelang getan, um mich nicht zu verärgern. Ich muss aber sagen, dass nicht immer ich als Erste angerufen hatte, es herrschte ein Gleichgewicht zwischen den Beteiligten. Wie hätte ich drauf kommen sollen, dass es ihnen auf die Nerven ging, wenn sie immer gut gelaunt mit mir redeten und selbst ebenso oft anriefen wie ich?

    Die meisten Leute in meinem Umfeld telefonieren nicht gerne. Nur im Gegensatz zu diesen beiden Männern haben es die anderen sofort kommuniziert, und ich habe das immer akzeptiert. Für mich war das nie ein Problem. Das habe ich den beiden Männern dann auch gesagt. Ihre Reaktion: eiskalte Blicke und Schweigen, ganz typisch.


    Stell´ dir mal die folgenden Situationen vor:

    1.) Ein Mensch beklagt sich immer wieder, dass ich ihm zu wenig Aufmerksamkeit schenke und zu sehr auf meine langjährigen Freunde fixiert bin. Ich mag diesen Menschen, bemühe mich mehr um ihn, schlage mehrere Treffen vor, bekomme aber jedes Mal eine Absage ohne Begründung oder werde ignoriert. Wenn ich dann nach den Gründen für dieses Verhalten frage, bekomme ich keine Antwort und werde eine ganze Weile ignoriert. Dann mache ich nichts mehr und konzentriere mich wieder auf meine Freunde (die meine Bemühungen zu schätzen wissen), weil ich das Verhalten als Desinteresse interpretiere und muss mir bei der nächsten Begegnung wieder anhören, ich würde zu wenig tun.

    2.) Ich bin mit einer Person fest verabredet. Wenige Tage/Stunden vorher sagt mir diese Person ohne Begründung ab. Ich bin der Ansicht, dass ein erwachsener Mensch die Absage einer fest zugesagten Verabredung begründen sollte. Das gehört für mich zum Respekt gegenüber der anderen Person einfach dazu. Die Art von Mensch, die ich hier beschreibe, erklärt aber nie die Gründe für ihre Absage, weil sie denkt sie wäre ihren Mitmenschen keine Rechenschaft schuldig. Dann soll sie sich eben nicht mehr verabreden und gut is.

    3.) Wenn ich meine Mitmenschen um Hilfe bitte, dann möchte ich das tun, ohne mich schlecht zu fühlen. Natürlich ist niemand dazu verpflichtet, immer „Ja“ zu sagen. Aber wenn ich frage, ob mir jemand beim Umzug oder beim Fernstudium behilflich ist, empfinde ich es ganz schön heftig, wenn die Person im Fall eines „Nein“ einfach nicht antwortet... oder erst „vielleicht“ sagt und dann die Situation durch Ignoranz aussitzt. Dann lieber ein ehrliches „Nein“ gleich am Anfang als so eine unverschämte Art, die sich über Wochen zieht. Ich habe kein Problem mit einem "Nein". Aber es regt mich gewaltig auf, wenn mir jemand falsche Hoffnungen macht und am Ende einfach abtaucht. Da könnte ich vor Wut in die Luft gehen.

    4.) Ich habe einen Menschen, der mir sehr sympathisch ist, schon mehrmals eingeladen... auf eine Tasse Kaffee, ein Bier oder eine Cola. Wenn wir zusammen unterwegs sind und ich mir eine Kleinigkeit zum Essen hole (z. B. Pommes), biete ich ihm jedes Mal an, davon zu probieren. Die andere Person nimmt jede Einladung an, macht aber keinerlei Anstalten, mir auch mal einen auszugeben oder mich von ihrem Essen kosten zu lassen. Ich finde das extrem unhöflich, wenn es sich um einen Mann handelt, der mich als Frau interessant findet und als Partnerin in Erwägung zieht. Ganz besonders peinlich finde ich es, wenn dieser Mann tatenlos dabei zusieht, dass seine Freunde die Frau seines Herzens einladen und trotzdem keinen Cent für sie ausgibt.
    Von knausrigen Leuten habe ich noch niemals eine ordentliche Erklärung für ihr Verhalten bekommen. Wenn jemand Geldprobleme hat oder auch sich selbst gegenüber prinzipiell sparsam ist, kann ich das noch nachvollziehen. Aber wenn ein Mann sein eigenes Geld nur für seine Hobbys ausgibt und sich immer mal wieder von seiner Herzensdame einladen lässt, ohne sich zu revanchieren, dann verletzt mich das wirklich sehr.

    Kannst du anhand dieser Situationen meine Enttäuschung verstehen?

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Hört sich an wie Borderline oder Narzissmus.
    Was das zwischenmenschliche betrifft sind die Grenzen da schwimmend.
    Ich habe eine BPS-Diagnose und finde ich mich auch teilweise wieder.
    Ich rechtfertige mein Verhalten manchmal auch nicht, also es wirkt so, wie du es oben beschreibst.
    Warum?
    Weil ich mich teilweise unfassbar schäme, weil ich mich selber hasse und nicht weiß,
    wie ich anderen Menschen klar machen soll, warum ich so handel wie ich handel.
    Oder die Launenhaftigkeit, mal lieb mal kalt, letzteres hat in aller Regel NIE was mit dem Gegenüber zu tun.
    Und Kritik einstecken, puh, schwierig.
    Allerdings kritisiere ich so gut wie nie andere Menschen, ich habe unglaubliche Angst andere Menschen aktiv zu verletzen.
    Ich weiß, dass ich es manchmal passiv tue, in Situationen, in denen ich z.B. nicht auf die Bedürfnisse meines Freundes eingehe
    und sogar beleidigt wirke, weil er mal von mir Hilfe braucht, weil ich mich in so einer Situation EXTREM unter Druck gesetzt fühle
    und einfach nicht mehr in der Lage bin, aktiv am Geschehen mitzuwirken.
    Sobald in mir dieser wahnsinnige Druck aufgebaut ist, kann ich meine Handlungen nicht mehr wirklich kontrollieren.
    Ich möchte hingehen, ihn in den Arm nehmen und gut zureden, stattdessen sitze ich da und wende mich ab,
    bekomme Angst und Panikattacken, möchte einfach nur noch weg und schäme mich gleichzeitig, so ein schlechter Mensch zu sein.
    Mein Freund kennt mich mittlerweile, er weiß, dass es keine eiskalte Berechnung ist und ja, ich schaffe es immer öfter,
    einfach für ihn da zu sein, auch wenn ich nach wie vor sehr unter Druck stehe.
    Was ich nie wusste und auch erst durch meinen Freund gelernt habe, ist, dass ich dabei so gefühlskalt wirke.
    Dieser innere Kampf wird einfach perfekt von einer Maske verdeckt, niemand ahnt, was da drinnen abgeht.

    Ob nun bei Kritik und Ablehnung, oder wenn jemand anderes mit seinen Bedürfnissen ankommt (warum? keine Ahnung)
    Das schon fast lustige, so als tägliches Beispiel:
    Ich bin auf dem Weg nach Hause, überlege mir wie ich meinem (an seiner Abschlussarbeit sitzenden) Partner was gutes tun kann,
    denke "oh, der hat bestimmt hunger, ich koche ihm heute was!".
    Gehe Richtung Supermarkt, er ruft an und sagt "Hey, ich hab hunger, gehst du einkaufen und kochst mir was?"
    Und ich? Bekomme Panik, reagiere unwirsch und weiß nicht mehr, wo oben und wo unten ist.
    Versteht das einer? Ne, ich selbst ja nicht einmal.
    Warum bekomme ich Angst, wenn er mir seine Bedürfnisse mitteilt?

    Definitiv NICHT, weil er mir egal ist. Und auch nicht, weil ich zu "faul" oder "egoistisch" bin.

    Persönlichkeitsstörungen entstehen i.d.R. in der frühen Kindheit.
    In den ersten Jahren ist das Kind komplett von seiner Mutter abhängig, für das Kind ist klar:
    "Meine Bedürfnisse sind die Bedürfnisse der Mutter" (also naja, es unterscheidet schlicht nicht dazwischen).
    Man redet auch von Symbiose in den ersten 2 Lebensjahren.
    Dann lernen Kinder langsam, dass es einen Unterschied gibt zwischen ihren Bedürfnissen und denen anderer (Trotzalter).

    Diese Lebenszeit ist maßgeblich für die Entstehung einer PS, in sofern ist es vllt. naheliegend,
    dass so jemand (ob NPS oder BL) Probleme damit hat, wenn ein anderer aktiv seine eigenen Bedürfnisse mitteilt.
    In dem Moment spielt sich im Kopf etwas ab, was wohl mit der Angst des Kindes zusammenhängt.
    Die Angst, nicht eins zu sein mit seiner Bezugsperson, dieses Wissen, dass man nicht in einer symbiotische Beziehung steckt.
    Warum genau ist in der Regel sehr speziell, aber bei mir persönlich spüre ich eben diese Angst.
    Und die Gefühle, die dann hinzukommen (Versagen, Scham, Wut auf mich selber etc.).

    So als kleiner Erklärungsansatz meinerseits.
    Was man mit solchen Leuten macht?
    Ich habe eine Bekannte mit einer NPS, da sage ich nur: Kontakt abbrechen oder reduzieren (manchmal gehts nicht anders).
    Narzissten haben leider den negativen Beigeschmack, dass sie in aller Regel zu keinerlei Selbstreflektion in der Lage sind.
    Gleiches gilt für alle anderen Fälle, in denen keinerlei Einsicht erkennbar ist, also Kontakt soweit wie möglich reduzieren.

    In anderen Fällen, wenn Selbstreflektion erkennbar ist, wird es schwierig, einen konkreten Umgangstipp zu geben.
    Es bringt nicht so viel, hier in "ich"-Formen zu reden, wenn es um eigene Bedürfnisse geht, auch wenn es oft empfohlen wird.
    Also prinzipiell hilft es schon, aber nicht in diesen Situationen bei Leuten mit einer NPS oder BL.
    Es kommt wohl drauf an, wie nahe die Person einem steht, wie viel man investieren möchte.
    Bei Leuten, die nicht so intensiv mit mir verbunden sind wie mein Freund, habe ich auch eigentlich keine Probleme.
    Wenn jemand fragt, ob ich hier und da helfen kann oder ein guter Freund anruft, weil er Beziehungsprobleme hat,
    nun, dann bin ich für diese Personen da, helfe, tröste, mache und tue.
    Nur in sehr engen Beziehungen ist es halt schwierig.
    Mein Freund findet Mittel und Wege, aber dafür musste er mich und meine Macken ziemlich intensiv studieren.
    Und ich eben lernen, wo meine Probleme sind und wie ich mit diesen umgehen kann, damit niemand anders drunter leiden muss.

    Da muss halt jeder für sich selbst entscheiden, in wiefern es sich lohnt, miteinander zu arbeiten und wieviel Geduld man hat.

    Ach ja, ich habe jetzt von Persönlichkeitsstörungen geredet, da ich nicht glaube, dass so schwerwiegende Defizite und Ängste durch "nicht gut erzogen"
    erklärt werden können. Fast alle Stichpunkte lassen auf sehr schwaches Selbstwertgefühl schließen.
    Und eben auf tieferliegende Probleme, z.B. diese Wut, das ausgeprägte gefallen-wollen (pünktlich, gute Manieren, höflich, zuverlässig etc.),
    die Launenhaftigkeit (lässt doch stark auf psychische Probleme schließen, wenn ich erst lieb und am nächsten Tag eiskalt bin) u.s.w.

    Wenn jemand wirklich wegen "schlechter Erziehung" so wird, dann müssen die Eltern schon ziemlich viel versemmelt haben.
    Und da fragt man sich wiederum, wenn jemand aus seinem Elternhaus so ein Verhalten mitnimmt,
    wurde diese Person als (Klein-)Kind auch angemessen behandelt? Emotionale Zuwendung, Bedürfnisbeachtung, Vertrauen?
    Wohl eher nicht, sonst würde so jemand Kritik annehmen können, Bedürfnisse anderer akzeptieren u.s.w.
    Und schwupps, sind wir ganz schnell wieder bei Persönlichkeitsstörungen, bzw. zumindest bei psychischen Problemen.

  4. #14
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Na klar kann ich das verstehen!
    Aber leider erst jetzt.......... und trotzdem handle ich manchmal noch genauso. Weil ich mich manchmal selbst nicht verstehe.

    Zu 4. kann ich nichts sagen, so bin ich nicht, aber 1.-3. mache ich oft genauso.
    Ich möchte auch oft gerne geben, mich treffen, auch Zuneigung zeigen und zurück geben. Aber ich kann es leider oft nicht. Weil eben mein Maß der Überforderung viel viel schneller voll ist und ich aus Erfahrung weiss, das dies andere nicht nachvollziehen können. Deswegen auch oft das Schweigen. Aus Erfahrung bringt es eben oft nichts, sich zu erklären, man wird einfach nicht verstanden, oder man glaubt einem dann nicht. Zusagen und dann Absagen oder aus Scham einfach nicht melden....... gaaaanz grosses Problem. Ich will, ja ich will oft wirklich, aber kurz vorher kommt dann doch wieder die grosse Angst überfordert zu sein. Oder man ist es schon von was anderem.
    Ein "Vielleicht" hält einem dann wenigstens noch die Option offen, auch mal helfen zu können. Mit einem "Nein" hat man eben schon so viele verprellt.

    Und weil man eben schon so viele verprellt hat, hält man manchmal auch einfach nur durch. Auch wenn es einen auslaugt, man tut es ja dem Gegenüber zuliebe. Und irgendwann dann platzt alles raus, meist wenn man eh gestresst ist, das es einen eigentlich schon die ganze Zeit ankotzt, das man eben die ganze Zeit was tut, was man eigentlich selbst nicht will. Das ist kein Vorwurf, eher ein Hilfeschrei, und auch ein (ganz blöder) Versuch nach Anerkennung.

    Auweia.... ich muss noch viel an mir arbeiten merk ich........

  5. #15
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Hallo zusammen,

    ich danke euch für die Erklärungen, die mich schon ein gutes Stück weiter bringen. Jetzt verstehe ich so einiges, was mir vorher lange ein Rätsel war.

    @ReRegenbogen: Narzissmus halte ich bei den Personen, mit denen ich solche Erfahrungen gemacht habe, für ausgeschlossen. Die Gründe habe ich bereits erwähnt. Ob sie eine BPS haben, kann ich nicht genau sagen. Ich bin keine Medizinerin. Wenn diese Menschen mal andere kritisieren, dann sind sie entweder betrunken oder sie tun es mit einem leicht sarkastischen Unterton. Meistens aber verziehen sie einfach nur das Gesicht, verdrehen die Augen und sagen nichts.

    Dein Beispiel mit dem Supermarkt und dem Kochen finde ich sehr gut ausgewählt. Ich gebe mir allgemein sehr viel Mühe, um andere Menschen nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Es interessiert mich, was dein Freund zu dir sagen müsste, damit du etwas für ihn kochst. Mir ist nämlich aufgefallen, dass solche Leute am ehesten etwas für mich tun, wenn sie es ohne Frage oder Aufforderung von sich aus machen. Andererseits fühle ich mich unwohl, wenn ich einen Partner oder gute Freunde nicht um einen Gefallen bitten kann, ohne den Rückzug meines Gegenübers zu riskieren. Das setzt nämlich wiederum mich unter Druck. Nur weil ich jemanden um etwas bitte, heißt das noch lange nicht, dass ich unverschämte Forderungen stelle. Ich wünsche mir, dass meine Mitmenschen auch mal meine Wünsche erfüllen und nicht immer nur ich auf ihre Bedürfnisse eingehe. Dann fühle ich mich unterdrückt, und ich hasse nichts so sehr wie die Tatsache, mich ständig fügen zu müssen. Das macht mich innerlich richtig aggressiv.

    In den letzten beiden Jahren habe ich mehrere Bücher zum Thema Persönlichkeitsstörungen gelesen, die ich sehr interessant fand und kenne mich ein wenig damit aus. Leider kann ich nicht sagen, wie das Verhältnis dieser Menschen zu ihren Eltern ist bzw. wie es in ihrer Kindheit war, weil ich die Eltern dieser Personen niemals kennengelernt habe. Aber ich kann dir vergewissern, dass sie alle ein schwaches Selbstwertgefühl haben. Es fällt auch auf, dass diese Leute die größten Probleme mit Menschen haben, mit denen sie ganz besonders eng verbunden sind. Wenn ich zu so einer Person einen gewissen emotionalen Abstand habe, gibt es auch keine Probleme. Schwierig wird es, wenn man sich anfreundet oder in so einen Menschen verliebt.

    Hat dein Freund eigentlich auch eine Persönlichkeitsstörung? Mich interessiert es sehr, wie er das geschafft hat, dich zu nehmen wie du bist und eure Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Muss dein Freund sich alles gefallen lassen bzw. nimmt er vieles hin, was eigentlich respektlos ist? Weißt du, eigentlich bin ich sehr zäh und kann vieles einstecken... ich bin nicht nachtragend und kann so einiges verzeihen, aber eben nicht alles. Irgendwann ist auch bei mir Schluss.

    @creatrice: Ich finde es wichtig, Menschen in meinem Leben zu haben, die ein "Nein" meinerseits akzeptieren können... also kann auch ich das hinnehmen, wenn ich nicht jeden Wunsch erfüllt bekomme. Wer sich wegen einem "Nein" von dir zurückzieht, dem brauchst du nicht hinterher trauern. Ein echter Freund hat Verständnis, dass du nicht immer alles bewältigen kannst. In deinem Fall halte ich es für notwendig, nicht mehr anderen Leuten zuliebe Dinge zu tun, auf die du absolut keine Lust hast. Damit wirst du nicht glücklich. Eines Tages platzt es aus dir raus, dein Gegenüber bekommt es volle Kanne ab, und es kommt zum endgültigen Bruch.

    Dass du dich manchmal aus Scham nicht mehr gemeldet hast, glaube ich dir sofort. Dieses Gefühl hatte ich bei diversen Leuten auch schon. Wenn dich etwas überfordert, wäre eine frühzeitige Notbremse wirklich das Beste... schließlich geht es auch um deine Gesundheit, und die möchtest du sicher nicht aufs Spiel setzen.

  6. #16
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    WeißeRose schreibt:
    Hallo zusammen,

    ich danke euch für die Erklärungen, die mich schon ein gutes Stück weiter bringen. Jetzt verstehe ich so einiges, was mir vorher lange ein Rätsel war.

    @ReRegenbogen: Narzissmus halte ich bei den Personen, mit denen ich solche Erfahrungen gemacht habe, für ausgeschlossen. Die Gründe habe ich bereits erwähnt. Ob sie eine BPS haben, kann ich nicht genau sagen. Ich bin keine Medizinerin. Wenn diese Menschen mal andere kritisieren, dann sind sie entweder betrunken oder sie tun es mit einem leicht sarkastischen Unterton. Meistens aber verziehen sie einfach nur das Gesicht, verdrehen die Augen und sagen nichts.
    Puh, da sagst du was. Diese indirekte Kritik habe ich auch gut drauf, da meckert mein Freund aber auch xD

    Dein Beispiel mit dem Supermarkt und dem Kochen finde ich sehr gut ausgewählt. Ich gebe mir allgemein sehr viel Mühe, um andere Menschen nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Es interessiert mich, was dein Freund zu dir sagen müsste, damit du etwas für ihn kochst. Mir ist nämlich aufgefallen, dass solche Leute am ehesten etwas für mich tun, wenn sie es ohne Frage oder Aufforderung von sich aus machen. Andererseits fühle ich mich unwohl, wenn ich einen Partner oder gute Freunde nicht um einen Gefallen bitten kann, ohne den Rückzug meines Gegenübers zu riskieren. Das setzt nämlich wiederum mich unter Druck. Nur weil ich jemanden um etwas bitte, heißt das noch lange nicht, dass ich unverschämte Forderungen stelle. Ich wünsche mir, dass meine Mitmenschen auch mal meine Wünsche erfüllen und nicht immer nur ich auf ihre Bedürfnisse eingehe. Dann fühle ich mich unterdrückt, und ich hasse nichts so sehr wie die Tatsache, mich ständig fügen zu müssen. Das macht mich innerlich richtig aggressiv.
    Ich kann dich da sehr gut verstehen.
    Mein Erinnerung sagt mir: bitten und warten. Einfach ganz neutral sagen: "Ich hätte gerne xy". Punkt. Nichts weiter. Wenn die Emotionen abflauen gehts einfacher.
    Ansonsten keine Ahnung, ich glaube da muss die andere Seite (also ich) an sich arbeiten, als Außenstehender ist diese Situation ziemlich verzwickt.
    Man spricht halt ein Gefühl an, dass mit der Situation und einem selbst als Person (in dem Falle die Person meines Freundes) nichts zu tun hat, weswegen der eigene Einfluss (also seiner) eben recht eingeschränkt ist.
    Es ist eine Problematik, die von mir Innen kommt, was will man da von Außen groß machen? Vorsichtig sein, hoffen, Geduld haben, klar.
    Aber besser wird es nur, wenn ich selber daran arbeite und mein Freund trägt eben durch sein Verständnis und seine Ausdauer dazu bei.


    In den letzten beiden Jahren habe ich mehrere Bücher zum Thema Persönlichkeitsstörungen gelesen, die ich sehr interessant fand und kenne mich ein wenig damit aus. Leider kann ich nicht sagen, wie das Verhältnis dieser Menschen zu ihren Eltern ist bzw. wie es in ihrer Kindheit war, weil ich die Eltern dieser Personen niemals kennengelernt habe. Aber ich kann dir vergewissern, dass sie alle ein schwaches Selbstwertgefühl haben. Es fällt auch auf, dass diese Leute die größten Probleme mit Menschen haben, mit denen sie ganz besonders eng verbunden sind. Wenn ich zu so einer Person einen gewissen emotionalen Abstand habe, gibt es auch keine Probleme. Schwierig wird es, wenn man sich anfreundet oder in so einen Menschen verliebt.
    Jep, das passt auch sehr zu meinen Erfahrungen. Je enger die Bindung zu einer Person, desto größer die Probleme.

    Hat dein Freund eigentlich auch eine Persönlichkeitsstörung? Mich interessiert es sehr, wie er das geschafft hat, dich zu nehmen wie du bist und eure Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Muss dein Freund sich alles gefallen lassen bzw. nimmt er vieles hin, was eigentlich respektlos ist? Weißt du, eigentlich bin ich sehr zäh und kann vieles einstecken... ich bin nicht nachtragend und kann so einiges verzeihen, aber eben nicht alles. Irgendwann ist auch bei mir Schluss.
    Ne, bei meinem Freund beschleicht mich höchstens der ADHS-Verdacht, aber das wars schon.
    Und keine Ahnung, wie er das macht. Starke Psyche und ein gewisser Masochismus, das sage ich jetzt mal *g*
    Nein, im Ernst, ich denke, er sieht dass ich nicht aus Bösartigkeit oder Egoismus so reagiere und er sieht, dass ich effektiv dran arbeite.
    Effektiv heißt insbesondere, dass positive Ergebnisse sichtbar sind.
    Außerdem ist er sehr stur, ehrgeizig und alles andere als nachtragend.
    Bezüglich Borderline gibt es auch einige Bücher für Partner, da hat er auch mal eins gelesen... obs ihm geholfen hat? Er sagt zumindest ja.
    Seine Worte: Es hat ihm geholfen, meine Handlungsweisen zu verstehen, was essentiell ist um mit mir und der Störung umzugehen.

    Aus meiner Sicht: ernsthaft, ich würde das nicht durchhalten mit mir... aber er tuts halt, worum ich einfach mal dankbar bin.
    Wir sind halt in sehr vielen Dingen auf einer Wellenlinie, Gerechtigkeitssinn, soziales und politisches Engagement, Familienmenschen u.s.w.
    Zum Thema "sich melden", bzw. "absagen", das Problem kenne ich ja auch.
    Da gibt es aber zwei verschiedene Ausgangspunkte.
    1. ich sage zu und vergesse es einfach. Falscher Tag, falsche Uhrzeit, oder komplett nicht mehr daran gedacht. Alles schon geschehen, in dem Forum hier bin ich damit bestimmt nicht alleine.
    2. ich sage zu, an dem Tag habe ich ein psychisches Tief und schaffe es einfach nicht.
    Wenn es noch halbwegs geht, schreibe ich eine knappe SMS, dass ich nicht komme.
    An ganz schlimmen Tagen funktioniert selbst das nicht.
    Warum? Aufraffen können, Überwindung, das ist schonmal ein großes Problem an sich.
    Dann fragt man sich oft, ob es die andere Person überhaupt interessiert (in depressiven Phasen denkt man nunmal so...).
    Und wenns zu spät ist um abzusagen, kommt wieder der Scham, wie creatice es eben auch beschreibt.

    Ich finde es interessant, was du zum "nein sagen" sagst.
    Auch sowas, kann überhaupt nicht nein sagen, bei Freunden habe ich noch eine recht stabile Außenfunktion.
    Sprich, ich sag immer ja, bin dann aber in aller Regel auch sehr zuverlässig (außer in sehr schweren depressiven Phasen, ist aber jetzt zum Glück nicht Standard).

  7. #17
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    @ReRegenbogen: Dann werde ich dir mal erzählen, was in mir nach so einer "indirekten Kritik" vorgeht. Mittlerweile ziehe ich es vor, die betreffende Person einfach stehen zu lassen, wenn sie die Augen verdreht oder das Gesicht verzieht. Ich fühle mich nämlich emotional erpresst, wenn ein Mensch sich so verhält. Bei mir kommt es an wie ein "Wenn du nicht funktionierst, dann bin ich beleidigt und entziehe dir meine Aufmerksamkeit". Früher habe ich leider zu oft nachgegeben, wenn Menschen mir mit ihrer Mimik Schuldgefühle eingeredet haben. Heute fühle ich mich nicht mehr so schnell schuldig und kann mich besser abgrenzen.

    Das Thema "Bedürfnisse ansprechen" ist ganz schön schwer, wenn ich schon vorher weiß, dass alles was ich äußere prinzipiell abgeblockt und ignoriert wird. Das tut mir sehr weh, also spreche ich meine Bedürfnisse selten bis gar nicht mehr an... aber auf die Dauer kann das nicht so weitergehen. Weißt du, ich habe das Gefühl, dass Menschen mit diesen Verhaltensweisen zu Machtspielchen neigen. Ich weiß nicht, ob das auch bei dir der Fall ist... Es beschleicht mich das Gefühl, dass sie mich sehr gerne haben, solange ich alles brav hinnehme, was sie sagen und machen sowie nichts in Frage stelle, nicht die kleinste Kritik ausübe und mir alles bieten lasse. Auf die Dauer halte ich das aber nicht aus, weil es mich innerlich kaputt macht, immer nur funktionieren zu müssen. Die Beziehungen und Freundschaften sind in der Tat auch immer genau dann in die Brüche gegangen, nachdem ich das erste Mal meinen Mund aufgemacht und offen ausgesprochen hatte, was ich mir wünschte oder was mich störte. Und zwar unabhängig vom Tonfall und von der Wortwahl. Ich habe es auch schon mehrmals in schriftlicher Form (Briefe, E-Mails) versucht, weil ich meinen Mitmenschen etwas Zeit zum Nachdenken geben und keinen Druck machen wollte, aber das Ergebnis war dasselbe.

    Mittlerweile habe ich an meiner Verlustangst gearbeitet und sie weitestgehend in den Griff bekommen. Wer keinen Wert auf meine Gesellschaft legt, der soll eben darauf verzichten. Ich lasse mich von niemandem mehr klein machen und ziehe auch stärker mein eigenes Ding durch. Außerdem grenze ich mich emotional von solchen Leuten ab und lasse sie nicht mehr so nah an mich heran wie früher... Selbstschutz eben. Wenn ich spüre, dass so eine Person immer öfter meine Nähe sucht, lasse ich mich zwar auf den Kontakt ein, wenn sie mir sympathisch ist... aber ich freunde mich nicht mehr so eng mit dieser Art von Mensch an, weil ich mich eben vor Machtspielchen schützen will. Schwieriger ist es, wenn sich zwei Menschen ineinander verlieben und die eine Person merkt, dass der Gegenüber ebenso tickt wie die hier beschriebenen Leute...

    Du schreibst, dass du dein Problem erkannt hast und freiwillig daran arbeitest. Das ist mit Sicherheit ein großer Vorteil für deinen Freund. Die Personen, die ich hier explizit meine, haben niemals auch nur mit einem Wort erwähnt, dass mit ihnen etwas nicht stimmen könnte. In ihren Augen war immer ich die Böse, sie gaben mir für alles die alleinige Schuld und waren völlig uneinsichtig. Wie gesagt, ich lasse mir nicht mehr so einfach Schuldgefühle einreden, wenn ich nichts verbrochen habe. Aber es ist schwer, sich auf jemanden einzustellen, der sein Verhalten für normal hält und sämtliche Probleme nur auf mich abwälzt, obwohl ich viel reflektiere und versuche, meine Mitmenschen besser zu verstehen.

    Was das Thema mit den Absagen angeht, kommt es ganz auf die jeweilige Person an. Es gibt Leute, die sind einfach verpeilt und vergessen hier und da mal eine Verabredung einzuhalten oder abzusagen. Wenn ich merke, dass sie generell so drauf sind und nicht nur im Umgang mit mir, dann nehme ich ihnen das nicht übel. Ich freue mich, wenn ich sie mal zufällig irgendwo treffe und unterhalte mich dann auch gerne mit ihnen. Ich mache keine festen Termine mehr mit ihnen aus und werde somit auch nicht mehr enttäuscht. Es gibt jedoch auch Menschen, die eigentlich sehr zuverlässig sind und auch großen Wert auf die Zuverlässigkeit ihrer Mitmenschen legen, aber sich bisweilen auch so eine Aktion erlauben. Bei ihnen muss es wohl an der Scham liegen, wenn sie es doch nicht hinbekommen... das kann ich jetzt nach deinen Erklärungen besser nachvollziehen.

  8. #18
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Da ich etwas faul bin, antworte ich mal im Zitat ;-)

    WeißeRose schreibt:
    @ReRegenbogen: Dann werde ich dir mal erzählen, was in mir nach so einer "indirekten Kritik" vorgeht. Mittlerweile ziehe ich es vor, die betreffende Person einfach stehen zu lassen, wenn sie die Augen verdreht oder das Gesicht verzieht. Ich fühle mich nämlich emotional erpresst, wenn ein Mensch sich so verhält. Bei mir kommt es an wie ein "Wenn du nicht funktionierst, dann bin ich beleidigt und entziehe dir meine Aufmerksamkeit". Früher habe ich leider zu oft nachgegeben, wenn Menschen mir mit ihrer Mimik Schuldgefühle eingeredet haben. Heute fühle ich mich nicht mehr so schnell schuldig und kann mich besser abgrenzen.
    Das lässt sich auch gut nachvollziehen. Mir ist meine indirekte Kritik lange gar nicht bewusst gewesen, mein Freund musste es wirklich erst ansprechen.
    Er zickt dann auch rum und ich gebe Ruhe, wenns wieder soweit ist. Es ist vermutlich gut, dass er sich da abgrenzen kann.
    Und es eben nicht einfach so aushält, sondern kontra gibt. Klar, ich wirke mit Sicherheit nicht dankbar, wenn ich dann kritisiert werde für mein Verhalten*g*
    Aber es kommt schon an, auch wenn es erstmal nicht so ausschaut.


    Das Thema "Bedürfnisse ansprechen" ist ganz schön schwer, wenn ich schon vorher weiß, dass alles was ich äußere prinzipiell abgeblockt und ignoriert wird. Das tut mir sehr weh, also spreche ich meine Bedürfnisse selten bis gar nicht mehr an... aber auf die Dauer kann das nicht so weitergehen. Weißt du, ich habe das Gefühl, dass Menschen mit diesen Verhaltensweisen zu Machtspielchen neigen. Ich weiß nicht, ob das auch bei dir der Fall ist... Es beschleicht mich das Gefühl, dass sie mich sehr gerne haben, solange ich alles brav hinnehme, was sie sagen und machen sowie nichts in Frage stelle, nicht die kleinste Kritik ausübe und mir alles bieten lasse. Auf die Dauer halte ich das aber nicht aus, weil es mich innerlich kaputt macht, immer nur funktionieren zu müssen. Die Beziehungen und Freundschaften sind in der Tat auch immer genau dann in die Brüche gegangen, nachdem ich das erste Mal meinen Mund aufgemacht und offen ausgesprochen hatte, was ich mir wünschte oder was mich störte. Und zwar unabhängig vom Tonfall und von der Wortwahl. Ich habe es auch schon mehrmals in schriftlicher Form (Briefe, E-Mails) versucht, weil ich meinen Mitmenschen etwas Zeit zum Nachdenken geben und keinen Druck machen wollte, aber das Ergebnis war dasselbe.
    Nun, das Grundproblem ist wohl, dass es nicht in deiner Verantwortung liegt, die Person zum richtigen reagieren zu bringen.
    Da kannst du dich auf den Kopf stellen, es ändert nichts, die Verhaltensänderung muss von der anderen Seite aus kommen.
    Machtspiele... hm, bei mir fällt es nicht so auf, weil mein Freund sich nicht unterbuttern lässt und ich da schonmal gegen die Wand renne.
    Sowas ist wichtig, je mehr man darauf eingeht, desto schlimmer wird es. Also Sturheit und Geduld sind essentiell.
    Man kann zwar das Lernen des Umgangs mit den Bedürfnissen anderer nicht durch "richtiges Verhalten" erzwingen,
    aber man kann dem Lernen entgegenwirken, indem man immer kuscht und sich unterdrücken lässt.
    Denn, überspitzt gesagt: wieso sollte man sein Verhalten ändern, wenns funktioniert?


    Mittlerweile habe ich an meiner Verlustangst gearbeitet und sie weitestgehend in den Griff bekommen. Wer keinen Wert auf meine Gesellschaft legt, der soll eben darauf verzichten. Ich lasse mich von niemandem mehr klein machen und ziehe auch stärker mein eigenes Ding durch. Außerdem grenze ich mich emotional von solchen Leuten ab und lasse sie nicht mehr so nah an mich heran wie früher... Selbstschutz eben. Wenn ich spüre, dass so eine Person immer öfter meine Nähe sucht, lasse ich mich zwar auf den Kontakt ein, wenn sie mir sympathisch ist... aber ich freunde mich nicht mehr so eng mit dieser Art von Mensch an, weil ich mich eben vor Machtspielchen schützen will. Schwieriger ist es, wenn sich zwei Menschen ineinander verlieben und die eine Person merkt, dass der Gegenüber ebenso tickt wie die hier beschriebenen Leute...
    Zwar schade, dass es soweit kommen muss bei manchen Menschen, aber vollkommen richtig, was du tust.
    Abgrenzen ist immer wieder das Zauberwort, ansonsten geht man zugrunde.
    Man kann nicht immer kuschen, sich erpressen lassen etc., ohne nicht selber irgendwann psychisch krank zu werden.


    Du schreibst, dass du dein Problem erkannt hast und freiwillig daran arbeitest. Das ist mit Sicherheit ein großer Vorteil für deinen Freund. Die Personen, die ich hier explizit meine, haben niemals auch nur mit einem Wort erwähnt, dass mit ihnen etwas nicht stimmen könnte. In ihren Augen war immer ich die Böse, sie gaben mir für alles die alleinige Schuld und waren völlig uneinsichtig. Wie gesagt, ich lasse mir nicht mehr so einfach Schuldgefühle einreden, wenn ich nichts verbrochen habe. Aber es ist schwer, sich auf jemanden einzustellen, der sein Verhalten für normal hält und sämtliche Probleme nur auf mich abwälzt, obwohl ich viel reflektiere und versuche, meine Mitmenschen besser zu verstehen.
    Weißt du, mittlerweile bin ich da recht hart.
    Wo keine Einsicht ist, hat man eigentlich verloren.
    Ich habe in der Verwandtschaft eine Person mit einer ausgeprägten NPS und die einzige Möglichkeit ist, den Kontakt wirklich auf ein Minimum zu bringen.
    Das klingt vllt. hart, aber man muss sich selber im Blick behalten und jemanden ohne Einsicht kann man eh kaum helfen.
    Persönlichkeitsstörungen sind in der Regel ich-synton, nach wie vor entdecke ich auch an mir selber Eigenschaften, die nicht normal sind,
    von denen ich aber immer dachte, dass die jeder hat und wenn ein anderer die nicht hat, dann ist diese Person unnormal, nicht ich.
    Selbst wenn man drunter leidet, denkt man doch, dass es eben so sein muss.
    Jemand, der nicht einsieht, dass andere unter seinem "normabweichenden" Verhalten leiden und die Fehler immer nur in der anderen Person sieht,
    so jemand kann eine ziemliche Belastung werden.
    Denn man macht und tut, versucht sich hier anzupassen, dort vorsichtiger zu werden, dessen Gefühle zu schützen (man möchte ja nunmal nicht,
    dass der andere unglücklich ist!), nicht zu belasten und weiß der Geier was noch alles.
    Und die andere Person sieht das als Selbstverständlichkeit und verlangt auf Dauer immer mehr und mehr.
    Da heißt es dann nur noch, sich selber zu schützen und die Reißleine zu ziehen.

  9. #19
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Ich habe mich inzwischen in einem Forum mit dem Thema Persönlichkeitsstörungen angemeldet und dort dieselbe Frage gestellt, wenn auch ein wenig anders formuliert. Mir haben einige Betroffene geantwortet. Sie sehen das nicht unbedingt so, dass all diese Leute auch betroffen sein müssten. Sie glauben eher, dass es an meinem schlechten Durchsetzungsvermögen liegt, wenn sich irgendwelche Leute mir gegenüber so benehmen. Ich kann in der Tat nichts mit Machtspielchen anfangen und hasse sie wie die Pest. Harmonie ist mir in einer Freundschaft/Beziehung sehr wichtig. Natürlich sage ich offen, wenn mir etwas nicht passt. Im Umgang mit meinen jetzigen guten Freunden klappt das auch bestens - aber vermutlich auch deshalb, weil diese Menschen genauso wenig wie ich mit Machtspielchen anfangen können und ebenfalls bemüht sind nach Lösungen zu suchen, mit denen alle Beteiligten leben können. Ich weiß genau, dass ich die Freundschaft nicht aufs Spiel setze, wenn ich meine Bedürfnisse offen ausspreche oder meine Freunde kritisiere - und umgekehrt verhält es sich ebenso.

    Im Umgang mit Personen, die nach einer Kritik eher schweigen und zum Rückzug tendieren, bin ich leider nicht so konsequent wie im Umgang mit meinen Freunden. Ich habe schon öfters den Mund gehalten oder nachgegeben, weil ich irgendwelche Leute nicht verletzen oder verlieren wollte. Tief in meinem Inneren hat mich ihr Verhalten total fertig gemacht.

    Meine Art der Abgrenzung ist wahrscheinlich ganz anders als die Art deines Freundes. Wenn ich merke, dass jemand so tickt wie die von mir beschriebenen Personen, dann laufe ich ihm nach einer Funkstille nicht hinterher und ziehe mich auch zurück. Ich bin dann nicht mehr so euphorisch, wenn er sich meldet und bin dann auch zurückhaltender als vorher. Ich gebe auch nicht mehr immer nach, wenn jemand etwas von mir erwartet. Aber ich geige so einem Menschen nach wie vor nicht offen die Meinung, weil ich befürchte, er könnte mich dann bei anderen schlecht machen und ich weitere Kontakte verlieren.

    Ich bin im Umgang mit so einem Menschen hin- und hergerissen zwischen den folgenden 3 Optionen:

    1.) Der Mensch mag mich sehr gerne, hat aber Angst vor zu viel Nähe.
    2.) Der Mensch nutzt mich aus, weil ich "zu nett" bin.
    3.) Der Mensch ist krank.

    Ich habe schon öfters gehört und gelesen, ich solle mir keine Gedanken über das Verhalten anderer Leute machen und mehr bei mir bleiben... das tue ich auch. Ich spüre schon genau, ob ich mich in der Gegenwart einer anderen Person wohl fühle und ob sie mir gut tut. Aber selbst wenn ich ein Gefühl habe, welches nicht besser sein könnte und mir absolut sicher bin, dass ich mich in diesem Menschen nicht getäuscht habe, kommt irgendwann wieder etwas, das mich verletzt. Und dann zweifle ich wieder und schwanke zwischen den 3 Optionen.

    Ich kann schwer einschätzen, ob mich jemand wirklich mag oder ob das nicht der Fall ist... d. h. es klappt gut, wenn ich diese Person in meiner Nähe habe. Wenn das aber nicht der Fall ist und dieser Mensch wieder etwas macht, was mir weh tut, dann weiß ich nicht mehr weiter.
    Geändert von WeißeRose (21.10.2013 um 18:38 Uhr)

  10. #20
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten?

    Was mich in deinem Eingangspost aufhorchen hat lassen war diese Mischung aus gefallen-wollen und abweisend sein.
    Natürlich, jeder Mensch hat - je nach Tagesform - mal mehr, mal weniger Probleme mit Kritik.
    Was du beschreibst, hört sich aber schon auffällig an.

    Klar, wenn ich immer ja und Amen sage, dann kann es sein, dass die andere Person mich ausnutzt.
    Vllt. nicht bewusst sondern einfach, weil sie sich daran gewöhnt hat...
    Allerdings sollte ein "gesunder" Mensch kein Problem damit haben, wenn die andere Seite dann auch mal eigene Bedürfnisse erwähnt.

    Es sind weniger die einzelnen Punkte sondern vielmehr das Zusammenspiel dieser Auffälligkeiten,
    die hier darauf hindeuten, dass zumindest psychische Probleme vorliegen.

    Ich würde nicht soweit gehen und sagen, dass da definitiv eine Persönlichkeitsstörung hintersteckt, das wäre unangebracht.
    Aber in meinem Fall (mit Diagnose) kann ich eben vieles bei mir wiedererkennen,
    Persönlichkeitsstörungen sind ja sozusagen Anhäufungen von Selbstschutzmechanismen, die jeder mal anwendet,
    nur dass einer mit BL oder einer NPS (von den anderen Störungen habe ich nicht so die Ahnung...) diese eben extrem verwendet.
    Oder anders gesagt: Die Ausprägung machts. Da gibt es massig Grauzonen.

    Zu 2.) muss man noch sagen, dass gerade Narzissten bspw. ein sehr gutes Gespür für "schwache" Menschen haben.
    Ein Lieblingsbeispiel ist oft das BL-NPS-Paar, wo der Narzisst sich den (doch meist sehr labilen) BLer zum Partner nimmt,
    viele BLer neigen nämlich auch dazu, ihre Bedürfnisse komplett anderen unterzuordnen und nur die der anderen zu erfüllen,
    aus Angst, sonst verlassen zu werden. Für einen bedürftigen Narzissten natürlich perfekt ;-)

    Man sollte sich generell sicher fragen, warum man selber immer wieder an solche Leute gerät.
    Das unsichere Auftreten fällt z.B. mit Sicherheit schnell auf, vllt. stecken aber auch ganz andere Dinge dahinter.
    Man selber ist bei der Partnerwahl ja auch nicht allzu unbeteiligt...

Seite 2 von 3 Erste 123 Letzte

Ähnliche Themen

  1. (gestoertes) Sozialverhalten in der Kindheit
    Von Octoroo im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
    Antworten: 21
    Letzter Beitrag: 12.04.2013, 14:22
  2. MP, Diss oder einfach nur bekloppt?
    Von Andycgn78 im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
    Antworten: 46
    Letzter Beitrag: 24.08.2012, 00:03
  3. ADS oder einfach nur Enttäuschungen?
    Von Kotek im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 18.10.2010, 19:18

Stichworte

Thema: Persönlichkeitsstörung oder einfach nur Defizite im Sozialverhalten? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum