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Diskutiere im Thema MPH gegen Komorbiditäten, Soziophobie? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 25
    Forum-Beiträge: 16

    MPH gegen Komorbiditäten, Soziophobie?

    Hallo,

    Wenn euch der Text zu lang ist wäre ich dankbar wenn ihr einfach den letzten Absatz lest, dann könnt ihr mir vielleicht schon ein paar gute Tipps geben.

    Ich habe vor kurzem mein Studium begonnen, wie jedes mal in meinem Leben mit dem Ziel mich diesmal WIRKLICH anzustrengen. Und wie jedes mal in meinem Leben schaffe ich es auch jetzt wieder nicht. Also habe ich begonnen meinen Problemen auf den Grund zu gehen und bin sehr schnell hier gelandet.

    Als ich las das meine Soziophobie (oder Extreme Menschenscheu, ich kenne die Definition nicht) und Depressionen auch vom ADS kommen könnten rückten mein Studium und auch die Konzentrationsschwäche erstmal weit in den Hintergrund. Mein Studium ist mir eigentlich sehr wichtig und meine Konzentrationsprobleme schränken mich sehr ein, aber meine großen Probleme sind meine Menschenscheu und die Depressiven Stimmungen in die ich verfalle sobald ich mir Gedanken über mich selber und mein Leben mache.

    Meine Nervosität fremde Menschen betreffend schränkt mich in meinem Leben sehr ein und ich würde viel dafür geben sie loszuwerden oder zu verringern. Oft verpasse ich z.B. Vorlesungen einfach weil ich immer abwäge ob es nötig ist mich dem Stress auszusetzen, oder ob es nicht vielleicht reicht das Skript der Vorlesung zuhause nach zu arbeiten. Ich werde einfach immer nervös sobald Fremde bzw. nicht gut bekannte Personen in meiner Umgebung sind, und meist werde ich dann (vor allem in den letzten 1-2 Jahren) sehr Aggressiv im inneren.

    Der Stress den ich in den Vorlesungen ausgesetzt bin kommt nicht vom Inhalt der Vorlesung oder vom Professor, sondern von den Rahmenbedingungen, auch in der Schule war das schon so. Ich werde einfach nervös, als Kind bin ich vor dem Klassenzimmer oft umgedreht und habe geschwänzt, heute gehe ich einfach nicht mehr hin. Das Skript zuhause nachzuarbeiten nehme ich mir natürlich vor, und oft ringe ich mich auch dazu durch es zu öffnen, aber dann werden ein, zwei dinge behandelt die ich schon weis und ich kann es vergessen das Skript durchzulesen.

    Wenn der Druck vor den Prüfungen dann groß ist schaffe ich es meist die Dinge nachzuholen die ich gar nicht kann, die anderen Themen bewältige ich dann mit dem was ich ich so nebenbei mitbekommen habe. In der Schule bin ich so auch immer (wenn auch mehr schlecht als recht) durchgekommen. Am ende habe ich es sogar geschafft einen Studienplatz an der Hochschule und im Studiengang meiner Wahl zu ergattern.

    Ich interessiere mich für mein Studium und die Themen selber machen mir auch Spaß. Auch intellektuell fühle ich mich dem Studium eindeutig gewachsen. Die Konzentrationsprobleme alleine währen sicherlich ein lösbares Problem, aber ohne die Vorlesungen zu besuchen kann ich mir einen einigermaßen guten Schnitt abschminken. Kommt noch hinzu das zwei Professoren bereits jetzt Gruppenarbeit fordern, und zwar in selbstständig eingeteilten Gruppen.

    Ich habe es in zwei Wochen noch nicht geschafft überhaupt in irgend einer Weise mit meinen Kommilitonen in Kontakt zu treten. Ich habe am Anfang noch jede Vorlesung besucht und mir immer vorgenommen am Ende mit jemandem zu reden, um irgendwie einen Anschluss zu finden und in eine Gruppe zu kommen. Aber ich kann mich einfach nicht überwinden. Ich kann auch nicht auf die Professoren zugehen.

    Ich habe es schon ein Paar mal probiert, bin am ende der Vorlesung Richtung Professor gelaufen, habe aber immer wieder einen Rückzieher gemacht und bin vorbei gelaufen zur Tür um dann schnell Nachhause zu verschwinden. Ich werde wohl die bis Montag geforderte Gruppenaufgabe alleine machen und nur meinen Namen auf die Liste der Gruppenmitglieder setzen. Zum Glück kann man die aufgaben online abgeben, sonst hätte mein Studium wohl schon bald ein frühes Ende genommen.

    Ich habe bereits eine Ausbildung abgebrochen und ich möchte auch keine Ausbildung machen. Für mich kommen nur Berufe in Frage die keinen Kundenkontakt benötigen. Außerdem Fallen große Firmen bzw. große Abteilungen flach. Die berufe die Übrig bleiben sind Handwerkliche berufe in kleinen Betrieben ohne Montage und Baustellen. Meine angefangene Ausbildung war die zum Tischler (in einer Tischlerei die nur Möbel produziert und verkauft, die dann von Hilfsarbeitern montiert werden). Von den Rahmenbedingungen her war es eigentlich gar nicht übel für mich, objektiv betrachtet.

    Es war ein kleines Team in das ich mich nach ein Paar Monaten auch recht gut integriert hatte, und über meine Schwierigkeiten konnten bis auf den Chef auch alle hinwegsehen (mit dem Chef hatte ich fast nie zu tun). Das Problem war der Beruf an sich, immer wieder das gleiche langweilige tun, was mir einfach keinen Spaß macht. Jedes mal wenn ich auf dem Heimweg war bin ich fast geplatzt vor Wut und Aggression, ohne das ich einen wirklichen Grund hatte wütend zu sein.

    Ich sehe für mich in meiner jetzigen Verfassung auch keinen weg für mich in ein geregeltes Leben. Auch Nebenjobs kann ich nicht finden, ich kann einfach nicht auf Menschen zugehen. Ich habe mich bisher durch Ferienjobs bei einem guten Bekannten finanziert, was jetzt aber aufgrund der Wegfallenden Ferien so nicht mehr möglich ist. Ich glaube der einzige Weg ist etwas gegen diese Menschenscheu (oder auch Soziophobie) zu unternehmen.

    Nun erstmal danke für das viele Lesen! Die Frage die ich mir nun stelle ist folgende:

    Können MPH Medikamente nur das Konzentrationsproblem in den Griff bekommen, oder auch die Soziophobie? Ich glaube das mit dem Wegfall dieses Problems auch meine Depression "weg wäre". Aber wie bekomme ich meine Soziophobie in den Griff?
    Ich bin gerade dabei mich um eine ADS Diagnose zu kümmern, und ich bin auch gewillt Medikamente zu nehmen, sollte das denn möglich und sinnvoll sein. Ich würde auch gerne eine Therapie machen oder was immer sonst helfen kann. Ich bin beispielsweise momentan dabei mich um eine Behandlung meines Genickes zu bemühen da es ja Leute gibt die meinen das ein instabiler Atlas (oberster Halswirbel) ADS verursachen kann (Siehe dieser Artikel). Aber mein Studium läuft, und wenn ich es abbreche (mit dem Gedanken spiele ich momentan) habe ich später Erklärungsprobleme. Außerdem weis keiner ob ich nochmal einen Studienplatz bekomme. Wenn ich das Studium weiterlaufen lasse werde ich einige Prüfungen nicht bestehen, diese muss ich dann im nächsten Semester nachholen, außerdem fehlt mir dann die Basis für das nächste Semester. Ich weis einfach nicht was ich tun soll.

    Grüße,

    Severinus

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 38

    AW: MPH gegen Komorbiditäten, Soziophobie?

    Hmm.. blöd das bis jetzt noch niemand darauf geantwortet hat, ist allerdings auch keine Problematik auf die es jetzt auf die Schnelle ein Patentrezept gibt.
    Ich kann da nur von mir sprechen, denn ich hatte zu Beginn meines Studiums auch starke Ängste jedes Mal vor den Vorlesungen und den anderen Menschen, sodass ich später gar nicht mehr hin ging. Aber das ist genau der falsche Weg, da du dich damit nur selbst isolierst und ich weiß wovon ich rede, da zu dieser Zeit selbst einkaufen nur mit Lorazepam möglich war. Ich würde versuchen jeden Tag ein wenig raus zu gehen, auf keinen Fall komplett zuhause bleiben auch wenn man das am liebsten täte. Vllt eine Behandlung mit Antidepressiva+ mph in Erwägung ziehen denn wenn man sich psychisch etwas gefestigter fühlt und nicht wie ein "rohes Ei" ist der Kontakt zu Menschen auch einfacher.
    Versuch doch mal dich auf dem Weg zur Uni mit etwas Musik abzulenken. Ich würde mir die Tasche in Ruhe packen, eine Lunchbox machen und so "kleine Rituale" einführen, die dich von deinen Horrorvisionen (die man sich vor so einer Stresssituationen immer aufs genaueste zusammenspinnt) ein wenig ablenken. Dann etwas anziehen worin du dich wohl fühlst und dich auch für jeden kleinen Fortschritt belohnen und diesen auch als solchen anerkennen!

    Mir hat es immer geholfen mir zu sagen, dass die anderen mich ja gar nicht kennen Das klingt paradox aber von dem ganzen wirrwarr in deinem Kopf kriegen die ja nichts mit. Von daher kann man es dann auch mal mit einem Hallo oder ein paar (wenn auch nervigen) Sätzen smalltalk probieren. Was die Gruppen angeht würde ich mir Personen suchen die vllt auch ein wenig ruhiger erscheinen und da anknüpfen. Sie zu, dass ihr die Aufgaben verteilt und du deine Sachen rechtzeitig fertig kriegst, dann kann auch keiner meckern. Der Rest ergibt sich dann eigentlich von selbst. Ich hab jetzt auch nicht den megakontakt zu all meinen Kommilitonen aber ne gute Hand voll, die ich echt gerne hab oder auch "Bekannte" wo ich mich in der Vorlesung dazu setzen kann. Sobald du deine kleine "comfort zone" eingerichtet hast, wird es dann auch definitiv leichter. Das würde ich mir als 1. Ziel neben der Anwesenheit setzen.

    Achja also bei mir hat das MPH in Bezug auf Kontaktfreudigkeit eher das Gegenteil bewirkt. Das Interesse an engen zwischenmenschlichen Beziehungen ist bei mir merklich gesunken. Das kann aber auch damit zusammen hängen, dass ich nun besser mit mir klar komme und mir daher auch selbst eine "ganz gute Gesellschaft" bin. Eine kleine Hand voll Menschen sollte man dennoch versuchen in sein Leben zu lassen, witziger weise sind das bei mir auch Menschen, die selbst ein ads haben (was ich im Nachhinein erst erfahren habe aber man sucht und findet sich wohl automatisch ) oder ein wenig ruhiger sind. Untereinander schnacken und diskutieren wir dann aber auch mal sehr lebhaft und diese "Barriere" ist dann weg. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

  3. #3
    Pepperpence

    Gast

    AW: MPH gegen Komorbiditäten, Soziophobie?

    Hallo Severinus,

    entschuldige bitte die späte Antwort, ich sehe Deinen Beitrag erst heute. Ich glaubte bisher an einer sozialen Phobie zu leiden. Unter Menschen bin ich extrem angespannt, werde innerlich oft zunehmend aggressiver und aggressiver ohne ersichtlichen Grund. Wenn mir alles zu viel wird schalte ich komplett ab. Im Prinzip in den Modus einer Zimmerpflanze - es geht dann einfach gar nichts mehr (in Bezug auf Kommunikation)
    Zu meiner Überraschung hat sich gerade diese Schwäche mit MPH ganz besonders verbessert -MPH ist so ein bisschen wie eine schützende Wand zwischen mir und meiner Umwelt, so dass es einfach alles nicht mehr so anstrengend ist (und die Aggressionen deshalb auch ausbleiben) ... Große Mengen und viele Leute sind immernoch eine enorme Herausforderung für mich, aber viel, viel besser zu bewältigen.

    An eine echte soziale Phobie bei mir glaube ich nicht mehr, denn es ist bei mir eher die Reizüberflutung als Angst vor Menschen und Bewertung die mich plagt.

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