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Diskutiere im Thema Soziale Ängste und ADS im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Stefanus

    Gast

    Soziale Ängste und ADS

    Hey
    Ich bin nun seit letztem Oktober dabei MPH zu nehmen. Es hat sich einiges verändert und es fühlt sich unglaublich gut an mit diesem neuen Gefühl.
    Ich bemerke immer mehr kleine Details die sich langsam in mir verändern, z.B. dass ich es für notwendig halte Checklisten zu machen und Terminpläne zu erstellen. Zudem kann ich viel besser mit Menschen ohne größere Anstrengung reden und meine Meinung auch vertreten. Ich kann mehr zu mir selbst stehen.

    Dennoch ist mir auch klar geworden, dass das ADS nur die Wurzel von anderen Komborditäten ist. So vermute ich bei mir eine leichte soziale Phobie, wobei ich da auch noch bei einer Vermutung bin. Genau hier brauch ich auch eure Hilfe.

    Ich selbst studiere angewandte Psychologie die aber nicht weitreichend in den klinischen Bereich geht so dass ich da auch nicht ganz selbst an das Problem gehen kann.

    Wodurch kommt der Verdacht auf die soziale Angst?
    Der wohl größte Faktor ergibt sich daraus dass ich noch keine Freundin bis zum heutigen Tag hatte. Ich habe selbst bei offenen Angeboten immer Angst gehabt zu versagen wenn ich sie Küsse oder dass sie mich dann vllt. blöd findet usw.
    Demnach habe ich auch ein sehr verstelltes Verhalten wenn ich eine attraktive Frau vor mir habe. Ich kann dann meist nicht klar denken und werde sehr Emotionskalt (aber eher im Sinne eines Abwehrmeachanismus).
    Ich würde sagen, dass sich das Ganze auch schon gebessert hat durch das MPH. Dennoch ist die Angst vorhanden. Bei neuen männlichen Bekanntschaften ist es gerade durch das MPH kaum noch eine Verstellung des Verhaltens. Aber ich erwische mich trotzdem noch oft wie ich darüber nachdenke was die anderen wohl über mich denken bzw. dass ich ein möglichst positives Bild nach außen präsentiere.

    Die konkrete Problemstellung für mich ist folgende:

    Ich weiss durch meine Kindheit, dass ich schon von menien Genen her ein sehr ängstlicher bzw. sensibler Mensch bin.

    Wie komm ich drauf?
    Ein schönes Beispiel ist der Jahrmarkt auf dem ich mit geschätzen 5 oder 6 Jahren war. (vllt. auch 8 oder 9) Ich stand vor einem riesigen Kunststoffaffen der sich langsam bewegte und diese typischen Werbesprüche für die Attraktion rausposaunte. Ich traute mich nicht an diesem Affen vorbei zu laufen. Mein Bruder und alle anderen gleichaltrigen Kinder hatten keine Angst an dem Affen vorbei zu laufen.
    Gleiches Spiel bei meiner Höhenangst. Mein Bruder hat keine, ich jedoch schon seit ich lebe.
    Denke in der Hinsicht sind meine Basalganglien stark auf Tour.
    Dennoch ist so eine Angst ja auch abtrainierbar durch typische Konfrontationsverfahren.

    Was habe ich bisher dazu getan?
    Ich kenne einige der üblichen Konfrontationsverfahren und würde sagen, dass ich sehr gute Methoden habe mich "runter zu fahren" dennoch fällt es mir dann schwer den letzten Schritt zu machen auch wirklich durchweg in solche "unangenehme" Situationen zu gehen.

    Meine Problemstellung auf den Punkt ist also:

    Ich weiss nicht wo ich richtig anfangen soll. Ich will eine Freundin und muss daher aktiv werden auf Frauen bzw. Leute zuzugehen. Ich denke die sinnvollere Variante wird es erstmal sein generell mehr auf Leute zuzugehen bzw. die generelle soziale Angst zu verkleinern.
    Dennoch fällt es mir da schwer einen Plan festzulegen in dem ich Schrittweise diese Angst ablegen kann.

    Meine Frage an euch ist deshalb?

    Habt ihr selbst eine soziale Phobie bzw. Probleme mit dem zugehen auf andere Menschen wegen z.B. belanglosen Dingen und einen Plan der auch funktioniert hat? Unter einem Plan verstehe ich sowas wie eine Festlegung von Schritten wie z.B. 1. Woche: jeden Tag 2 Leute nach der Uhrzeit fragen 2. Woche: ...

    Ich möchte wegen diesem Problem nicht zu einem Therapeuten zumal die Wartezeiten einfach ungemein groß sind und meiner Meinung nach gerade so ein Problem auch selbst zu lösen geht.

    Wenn ihr selbst schon Erfahrungen gemacht habt oder irgendwas dazu sagen wollt würd ich mich freuen

    Danke!

  2. #2
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Stefanus schreibt:
    Wodurch kommt der Verdacht auf die soziale Angst?
    Der wohl größte Faktor ergibt sich daraus dass ich noch keine Freundin bis zum heutigen Tag hatte. Ich habe selbst bei offenen Angeboten immer Angst gehabt zu versagen wenn ich sie Küsse oder dass sie mich dann vllt. blöd findet usw.
    Demnach habe ich auch ein sehr verstelltes Verhalten wenn ich eine attraktive Frau vor mir habe. Ich kann dann meist nicht klar denken und werde sehr Emotionskalt (aber eher im Sinne eines Abwehrmeachanismus).
    Ich würde sagen, dass sich das Ganze auch schon gebessert hat durch das MPH. Dennoch ist die Angst vorhanden. Bei neuen männlichen Bekanntschaften ist es gerade durch das MPH kaum noch eine Verstellung des Verhaltens. Aber ich erwische mich trotzdem noch oft wie ich darüber nachdenke was die anderen wohl über mich denken bzw. dass ich ein möglichst positives Bild nach außen präsentiere.
    Was hast Du zu verlieren wenn Du eine Frau ansprichst? Entweder sie mag Dich mit Deinen Eigenheiten, oder eben nicht, dann passt es nicht. Du kannst Dich in einer Beziehung nicht dauerhaft verstellen, das wäre zum Scheitern verurteilt...
    Die konkrete Problemstellung für mich ist folgende:
    Ich weiss durch meine Kindheit, dass ich schon von menien Genen her ein sehr ängstlicher bzw. sensibler Mensch bin.
    Ein sehr gebildetes Forenmitglied hat mir vor einiger Zeit erklärt, dass es bewiesen wurde, dass das Angstzentrum, in der Amygdala (Mandelkern) bei einem AD(H)S'ler bereits im "Leerlauf" aktiver ist, als bei den Leuten aus der symptomfreien Vergleichsgruppe. Du bist damit also in "bester Gesellschaft"

    Konfrontation mit den Ängsten sollte zumindest so (kontrolliert) stattfinden, dass die Angst nicht noch weiter verstärkt wird... (z.B. Konfrontation: Sprich eine Frau an und die reagiert komisch, oder so...)

    Meine Problemstellung auf den Punkt ist also:
    Ich weiss nicht wo ich richtig anfangen soll. Ich will eine Freundin und muss daher aktiv werden auf Frauen bzw. Leute zuzugehen. Ich denke die sinnvollere Variante wird es erstmal sein generell mehr auf Leute zuzugehen bzw. die generelle soziale Angst zu verkleinern.
    Dennoch fällt es mir da schwer einen Plan festzulegen in dem ich Schrittweise diese Angst ablegen kann.
    Sicherlich kannst Du Dich z.B. durch Konfontation konditionieren, effektiver finde ich die Arbeit an der eigen Einstellung zu sich und den Dingen...

    Mit einem konkreten Plan und bestimmten Erwartungen, strahlst Du diese Erwartungen auch auf Dein Umfeld aus (nichts ist schlimmer, als ein Typ, der taxierend durch die Gegend schaut, welche Frau er denn wohl mal ansprechen kann.... Das kommt 'rüber und wirkt eher abstossend (sage ich jetzt mal als Frau..))

    Gehe nicht mit der Erwartung 'raus, dass Du "heute aber" die Frau Deines Lebens treffen musst/willst....

    Wenn Du diese Erwartung ablegst, ändert sich auch Deine Ausstrahlung....

    Auch wenn Dir eine Frau gefällt und Du sie ansprichst, dann erwarte zunächst nicht mehr, als sie einfach kennen zu lernen, sie muss ja nicht Deine zukünftige Freundin werden....

    Mein Mann und ich haben uns zu einem Zeitpunkt kennengelernt (sind uns über den Weg gelaufen), als ich erstmal die Nase voll von Männern hatte und er die Suche nach der Partnerin eigentlich aufgegeben hatte.....

    Ausserdem, was kann Dir denn passieren? Sie sagt nein, ok, dann bleibt es wie es ist, also kein Verlust.... Im Grunde kannst Du doch nur gewinnen...
    Ist Dein Selbstkonzept davon abhängig, wie eine Frau reagiert?
    Dann solltest Du doch eher da ansetzen, Deinen eigenen Wert erkennen...

    Wie willst Du anderen zeigen, dass Du liebenswert bist, wenn Du das selbst nicht verinnerlicht hast? Das ist ein wesentlicher Aspekt Deiner Ausstrahlung.
    Meine Frage an euch ist deshalb?
    Habt ihr selbst eine soziale Phobie bzw. Probleme mit dem zugehen auf andere Menschen wegen z.B. belanglosen Dingen und einen Plan der auch funktioniert hat? Unter einem Plan verstehe ich sowas wie eine Festlegung von Schritten wie z.B. 1. Woche: jeden Tag 2 Leute nach der Uhrzeit fragen 2. Woche: ...
    Wie gesagt, willst Du Dich konditionieren oder an Deinem Problem arbeiten?

    Ja, mir fällt es schwer alleine in eine fremde Gruppe zu kommen, weil ich (aus Erfahrung) Angst vor Ausgrenzung, nicht angenommen-sein... habe

    Mein derzeitiger Umgang damit: Ich vermeide solche Situationen (Weshalb ich es z.B. seit einem Jahr nicht schaffe zu einem Treffen der SHG Münster zu gehen)

    Meine Strategie dagegen: Ich arbeite an mir, an meiner Selbstbewertung und damit auch an meinem Selbstvertrauen, ich bemühe mich, mich und andere in sozialen Interaktionen genauer zu beobachten, um "alte Fehler" zu vermeiden....
    Ich verabrede mich mit jemandem, dorthin zu gehen, bin dann aber auch davon abhängig, dass die nicht kurzfristig abgesagt wird...

    Ich bin da noch lange nicht am Ende, aber der Schlüssel liegt für mich nicht in der Selbstkonditionierung, sondern im Selbstvertrauen, was wiederum viel mit der inneren Selbstbewertung zu tun hat. Da liegt m.E. die Wurzel, die angepackt werden muss...

    Ich möchte wegen diesem Problem nicht zu einem Therapeuten zumal die Wartezeiten einfach ungemein groß sind und meiner Meinung nach gerade so ein Problem auch selbst zu lösen geht.
    Keiner hier im Forum kann Dir eine Therapie, die ich Dir durchaus empfehlen würde, ersetzen, da wirst Du wohl Wartezeiten in Kauf nehmen müssen..

    Trotzdem viel Erfolg
    LG Tanja

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Psychische Erkankungen wie eben eine Sozialphobie sind ja in aller Regel so eine Art "Stützkorsett". D.h. die Phobie bzw. das "phobische Verhalten" ist eine Kompensationsstrategie um mit der eigentlichen Problematik klarzukommen. In dem Fall ist die Kompensation das Vermeiden von zwischenmenschlichem Kontakt.
    Wenn man nun durch die Konfrontation das problematische Verhalten abbauen möchte, dann muss man eine adäquate "Ersatzstrategie" parat haben. Bei einer sozialen Phobie kann es sein, dass eine Selbstwertproblematik besteht. Da reicht es dann nicht aus, wenn man den Betroffenen mit anderen Menschen konfrontiert, sondern man muss parallel dazu daran arbeiten, dass das Selbstwertgefühl aufgebaut wird. Nur so kann man das Problemverhalten abbauen.
    Die reine Konfrontation reicht bei einer solchen tiefergehenden Problematik alleine nicht aus.
    Probleme mit dem Selbstbewusstsein, dem Selbstvertrauen oder allgemein gesagt Probleme mit dem Selbstbild kann man ohne Unterstützung und Feedback von einer Vertrauensperson nicht angehen, denke ich. Und diese Person sollte im real life sein. Ein Betroffener braucht da ehrliches Feedback, konkrete Hilfsangebote und Unterstützung.

    Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind lang. Allerdings gibt es auch Möglichkeiten Übergangsangebote anzunehmen oder eine Therapie außerhalb einer therapeutischen Praxis zu machen. Manche dieser Stellen arbeiten auch mit niedergelassenen Therapeuten zusammen und können bei Bedarf weitervermitteln. So erhält man schneller einen Therapieplatz.
    Als Student kannst du das kostenlose Angebot des Studentenwerkes in Anspruch nehmen. Ich habe dir mal den entsprechenden Link zum Studentenwerk Heidelberg herausgesucht: Psychosoziale Beratung für Studierende
    Auf dieser Seite findest du auch einen Link zur internetbasierten Beratung, wenn dir das erstmal leichter fällt.
    Zusätzlich bieten auch die Unis und FHs teilweise eine psychosoziale Beratung für ihre Studenten an. Da könntest du auch mal nachschauen. Manche Unikliniken haben auch spezielle Angebote für Studierende. Diese Angebote sind kostenlos, unverbindlich und anonym.

  4. #4
    ADHD-Squirrel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 437

    AW: Soziale Ängste und ADS

    und einen Plan der auch funktioniert hat? Unter einem Plan verstehe ich sowas wie eine Festlegung von Schritten wie z.B. 1. Woche: jeden Tag 2 Leute nach der Uhrzeit fragen
    Noch nie gezielt gemacht, viele Sachen die durch Wiederholung besser werden sollen werden bei mir nicht wirklich besser, das entmutigt etwas. Der Mut es richtig gezielt anzugehen fehlt mir total, auf Anweisung hin in soziale Situationen begeben löst bei mir richtige Panik aus. Sowas kann ich nur spontan wenn ich sehr gut gelaunt bin, dann flutschen manche Sachen als wäre meine Sozialphobie nicht existent. Sozusagen als wären "Übungen" und das "richtige Leben" völlig verschieden, also nicht wirklich einübbar. (die Übungen waren natürlich nur total vereinzelt in Therapie, also bestimmt etwas ganz anderes als eine richtige Verhaltenstherapie. Der bin ich nämlich gar nicht so abgeneigt)

  5. #5
    Stefanus

    Gast

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Hmm.. ich glaub ich hab hier ein evtl. falsches Bild von mir beschrieben. Ich arbeite schon Jahre an meiner Persönlicheitsentwicklung und solche Sachen wie Selbstwert, bewusstsein usw. sind mir alle bekannt und ich habe in der Hinsicht ein gutes Verhältnis zu mir selbst. Deswegen kann ich mich auch gut reflektieren und will an mir arbeiten. Ich akzeptiere es als einen Prozess. Ich sehe die Sozialphobie nicht als etwas, was mich als was schlechteres macht sondern vielmehr sehe ich es als eine Stärke von mir an Dinge auch wirklich anzugehen und zu verändern.
    Ich liebe meine Art so wie ich bin und ich liebe mein Verhältnis zu mir selbst, wenn man das so nennen kann, aber dennoch habe ich Ängste die ich bearbeiten will.
    Ich bin mir meiner Stärken und Schwächen bewusst und will daran arbeiten die Schwächen zu verändern. Teil davon ist es aber mich meinen Ängsten zu stellen.
    Wenn ich z.B. seit der Kindheit Höhenangst habe dann ist da kein schwaches Selbstbewusstsein hinter mir sondern eher eine unbegründete Angst die vllt. durch meine genetische "Konstruktion" vorhanden ist.


    Wenn ich momentan über mein Leben nachdenke will ich eigentlich nicht viel an mir ändern. Ich finde die Situation und mein eigenes Wohlbefinden super. Ich betreibe leidenschaftlich Kraftsport, würde behaupten dass ich ganz gut aussehe, habe eine WG mit Menschen die mich verstehen und ein nettes Elternhaus, ganz abgesehen vom Studium das soweit läuft. Das was mir schlussendlich fehlt ist eine Freundin und daran möchste ich arbeiten. Hmm...

  6. #6
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Stefanus schreibt:
    Das was mir schlussendlich fehlt ist eine Freundin und daran möchste ich arbeiten. Hmm...
    Es gibt Dinge, die passieren einfach, daran kann man nicht arbeiten... Solange Du "aktiv suchst" strahlst Du das auch aus..

    Du hast von Nervosität geschrieben, wenn Du mit Frauen sprichst...(die für die Partnerwahl in Frage kämen - "taxieren")
    In einem gewissen Rahmen ist das, denke ich, normal, und kommt genauso bei allen anderen Menschen vor,
    wenn dieser Rahmen überschritten wird (je nachdem wieviel Selbstkontrolle (in Form von z.B. Eloquenz statt kaum was 'rausbringen...) noch da ist),
    dann ist das für mich schon ein Indiz für mangelndes Selbstvertrauen.

    Letztendlich sind es Deine Selbstwirksamkeitserfahrungen, die dich hemmen, oder? Ich denke schon, dass sich die Selbstwirksamkeit auf das Selbstvertrauen auswirkt....

    LG Tanja

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Hallo Stefanus,

    ich kann dir das "Patentrezept", das du gerne hättest, leider nicht liefern.

    Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag verfasst, der auf deine Situation recht gut passt. Die Thematik war damals eine andere und der Threadersteller hatte andere Probleme als du, dessen bin ich mir bewusst.

    Damals schrieb ich:

    "Es ist eine Sache, die Hintergründe des eigenen Verhaltens zu verstehen und zu reflektieren. Und eine andere Sache ist es, das wirklich zu verstehen.
    Du kannst etwas rein theoretisch verstanden haben. Das heißt aber nicht, dass du das auch umsetzen kannst. Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Und eine Eigenbehandlung ist was anders als eine Fremdbehandlung.

    Ich studiere selber seit kurzem Psychologie, habe Unmengen an Psychologiebüchern gelesen und sehr viel ADHS Literatur. Natürlich auch die Fachliteratur. Man muss ja mindestens auf dem gleichen Wissensstand sein wie die behandelnden Ärzte.

    Mit diesem ganzen Wissen habe ich es, ähnlich wie du, geschafft mein Leben neu zu ordnen und zu strukturieren.
    Ich habe aber nicht geschafft, meine psychischen "Folgeschäden", die ich aufgrund meiner individuellen Biographie habe, in den Griff zu bekommen. Natürlich konnte ich diese Folgeschäden benennen und ich wusste auch, wie man diese therapieren sollte. Ich habe das auch selber probiert.
    Aber es ist so, wie wenn man versuchen würde sich selbst den Blinddarm zu entfernen. Ganz ohne Hilfe.

    Gerade bei diesen Dingen, die tief unter der Oberfläche sitzen, finde ich es wichtig, dass man Hilfe annehmen kann. Dass man diese Hilfe auch zulassen kann.
    Ich nehme die Hilfe meiner behandelnden Ärztin in Form von psychotherapeutischen Gesprächen in unregelmäßigen Abständen in Anspruch. Das Thema dieser Gespräche bestimme ich, die Richtung bestimmt meine Ärztin. Sie lenkt mich dabei in Bereiche, auf die ich selber nie gekommen wäre. Ganz einfach, weil sie eine ganz andere Perspektive hat.
    Ich stecke ja in mir drin. Sie sieht das ganze von außen. Und das ist sehr wichtig.
    Außerdem zwingt sie mich manchmal, dass ich mich mit Themen beschäftige, die mir einfach unangenehm sind und mit denen ich mich, wenns nach mir gehen würde, nicht beschäftigen würde. Und auch das ist wichtig. Auch wenn das für mich alles andere als einfach ist.
    "

    Ich kann deine Situation aus der Ferne nicht beurteilen. Es kann natürlich sein, dass ich das völlig falsch einschätze.
    Ich habe mir einige deiner früheren Beiträge durchgelesen. Und es scheint so, dass du schon eine ganze Weile versuchst mit dieser Phobie klarzukommen. Aber irgendwie bringt dich das wohl nicht weiter, so wie ich das verstanden habe. Vielleicht wäre es daher an der Zeit, das ganze mal mit einem Profi zu besprechen. Du kannst das ja erstmal ausprobieren, dort einmal hingehen und dann für dich entscheiden, ob dir das weiterhilft. Vielleicht sagt dir der Fachmann, dass du auf einem guten Weg bist und dass du das gut alleine in den Griff bekommst. Vielleicht hat er Tipps auf Lager, wie du dir selber helfen kannst. Vielleicht hilft es dir schon, wenn Jemand aus einer anderen Perspektive auf deine Problematik schaut.

    Ich wünsche dir alles Gute

  8. #8
    susiprincess

    Gast

    AW: Soziale Ängste und ADS

    bei mir wurde früher auch Soziale Phobie festgestellt aber ich wusste immer das da noch was ist, aber was genau weiß ich nun auch nicht. Ich hab gar nicht gewusst das es sowas gibt wie Sozial Phobie und ADS zusammen. Bei mir merkt man das ich fremden oder Leute die ich noch nicht lange kenne, komtm drauf an wer es ist, total verklemmt bin und schüchtern. WEenn ich die länger kenne dann bin ich meist offen, aber ich brauch immer sooo lang mich da einzuleben, grad bei den Schwiegereltern. Ja gut ich kenn die nun nen halbes Jahr und kann mich mit denen auch unterhalten aber manchmal kann ich nie miterzählen und bleib einfach ruhig. Ich denkl dann immer ,das ich was erzählen muss. Ich hatte früher auch Panik gehabt und sowas. Aber es ist schon besser geworden, ich kann ohne Probleme einkaufen gehen (außer das mich manchmal stört das es zu laut ist oder zu voll) und kann auch andere Menschen fragen wegen Geldwechsel oder nachn Weg fagen. Ich glaub zur Zeit ist istz die verstreutheit stärker und das Gefühl zu habe Ruhe zu brauchen, aber auich keine Lust auf Feiern zu gehen oder die Eifersucht oder Entscheidungen halt etc. udn das ich manchmal wenige Selbstbewusstsein habe, aber das schwank immer so hin und her mal mehr mal weniger, mal gar nicht.

  9. #9
    Stefanus

    Gast

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Vielen Dank für eure Hilfe und investierte Zeit
    Als ich Gestern im Bett lag und noch diese Beiträge hier nicht gelesen habe, habe ich mich mehrmals gefragt was denn das konkrete Problem ist, wenn ich zu einem Verhaltenstherapeuten gehe. Es gibt generell keine negative Seite nur die Wartezeiten eben und die Frage den Richtigen zu finden. In der Hinsicht hast du Recht, Fliegenpilz, und du bestätigst mich nochmal darin wirklich mal einen Therapeuten aufzusuchen. Es ist halt ein komisches Gefühl. Man ist noch bei der Krankenkasse der Eltern und hat schon mehrere Termine beim Neurologen gehabt ohne dass sie es wissen, nimmt MPH und nun eine Therapie. Ist für mich ehrlich gesagt auch eine gewisse Überwindung die ich aber wohl eingehen werden muss.

    @Fliegenpilz: wie lange musstest du auf einen Platz bei einem Therapeuten warten?

  10. #10
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 236

    AW: Soziale Ängste und ADS

    Fliegenpilz schreibt:
    "Es ist eine Sache, die Hintergründe des eigenen Verhaltens zu verstehen und zu reflektieren. Und eine andere Sache ist es, das wirklich zu verstehen.
    Du kannst etwas rein theoretisch verstanden haben. Das heißt aber nicht, dass du das auch umsetzen kannst. Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Und eine Eigenbehandlung ist was anders als eine Fremdbehandlung.

    Ich studiere selber seit kurzem Psychologie, habe Unmengen an Psychologiebüchern gelesen und sehr viel ADHS Literatur. Natürlich auch die Fachliteratur. Man muss ja mindestens auf dem gleichen Wissensstand sein wie die behandelnden Ärzte.

    Mit diesem ganzen Wissen habe ich es, ähnlich wie du, geschafft mein Leben neu zu ordnen und zu strukturieren.
    Ich habe aber nicht geschafft, meine psychischen "Folgeschäden", die ich aufgrund meiner individuellen Biographie habe, in den Griff zu bekommen. Natürlich konnte ich diese Folgeschäden benennen und ich wusste auch, wie man diese therapieren sollte. Ich habe das auch selber probiert.
    Aber es ist so, wie wenn man versuchen würde sich selbst den Blinddarm zu entfernen. Ganz ohne Hilfe.
    Fliegenpilz schreibt:
    Probleme mit dem Selbstbewusstsein, dem Selbstvertrauen oder allgemein gesagt Probleme mit dem Selbstbild kann man ohne Unterstützung und Feedback von einer Vertrauensperson nicht angehen, denke ich. Und diese Person sollte im real life sein. Ein Betroffener braucht da ehrliches Feedback, konkrete Hilfsangebote und Unterstützung.
    Was wäre jetzt eine effektive Vorgehendsweise?
    1. Therapieplatz besorgen
    2. während der Wartezeit auf den Therapieplatz sich mit Literatur beschäftigen + Selbstreflexion
    3. Therapie in Anspruch nehmen + Aufgaben von der Therapie konsequent bearbeiten
    4. nach der Therapie am Ball bleiben

    Bei mir ist es anders gelaufen und ich muss sagen, dass meine Forstschritte in Bezug auf soziale Ängste stärker aus dem Literaturstudium + Selbstbeschäftigung und Hinweisen von Leuten aus dem realem Leben beruhen, als auf die Therapie, die ich mal gemacht habe. Ich bin aber eher durch Zufall als bewusst zu der Therapie gekommen. Ich bin nicht von selbst darauf gekommen eine Therapie zu machen, sondern habe die Überweisung vom Arzt erhalten. Es gab noch andere Gebiete, die in der Therapie, bearbeitet wurden und da hatte sie mir mehr geholfen als in diesem Bereich. Ich habe mich erst gegen Mitte/Ende der Therapie mit Literatur beschäftigt und die Beschäftigung mit mir selbst musste auch erstmal anlaufen, wobei ich dazu mehr Anregungen aus der Literatur gefunden habe als aus dem Gespräch. Sowohl von der Literatur als auch von der Therapie hatte ich zu Beginn viele Begriffe nicht verstanden doch die Literatur bietet mehr Informationen. Im Nachhinein denke ich, dass ich in der Therapie die Erklärung der Begriffe hätte häufiger nachfragen müssen und vielleicht liegt genau da der Schlüssel.

    Meine größten Schwachpunkte in Beug auf soziale Ängste liegen im Bereich Studium/Beruf: eher im Kontakt mit 1-2 anderen Leuten mit denen ich direkt zusammenarbeite als mit einer größeren Gruppe oder Leute aus anderen Bereichen. Es geht um das Vertrauen zu Vorgesetzten und Mitarbeitern, fehlender Kommunikation mit Vorgesetzten und Mitarbeitern wegen Hemmungen, den Umgang mit Kritik meiner Arbeit, der Umgang mit der eigenen Leistung, das Zugeben von Fehlern.
    Und genau in diesem Gebiet habe ich Hilfe von außen bekommen, aber nicht in der klassischen Form von einem Arzt oder einem Psychologen, sondern von einigen Kollegen. Sie haben meine Probleme erkannt und direkt angesprochen, mit mir kurze Gespräche über das was ich über meine Arbeit denke geführt, Feedback bezüglich der Leistung gegeben. Sie haben mir gesagt, warum ich keine Hemmungen haben sollte Fragen zu stellen oder dass ich doch nur meiner eigenen Arbeit schade, wenn ich meine Fehler nicht zugebe. Ich denke, dass ich damit ein Riesen Glück hatte (so wie ich auch einige Zeit vorher sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe). Das hätte eine neutrale Person, die sich nicht mit dem beruflichen Fachbereich auskennt, gar nicht so gut einschätzen können und hätte dem weniger Glauben geschenkt. Neben den Hinweisen waren die Informationen aus der Literatur, der Therapie und der Selbstreflexion sehr nützlich für mich und es hat sich beides sehr gut ergänzt. Ich sage in Gedanken häufig "Stopp, das ist nicht..., sondern es kann auch... sein". Natürlich habe ich immer noch mit einigen Situationen zu kämpfen.

    Ich denke, dass die Ärzte und Therapueuten bei Alltagssituationen z.B. bei Besorgungen, Situationen auf der Straße oder Behördengängen besser eingreifen können. Dort haben sie einen besseren Einblick und können viel leichter real dabei sein und Übungen durchführen.

    Beim Umgang mit fremden Menschen und denen, von den ich gar nicht abhängig bin, konnte ich zuerst und schneller Fortschritte erreichen.

    Das sind meine persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen. Bei anderen kann es ganz anders sein.
    wohl weniger zum Fortschritt:
    1. alles selbst machen ohne Fachpersonen o.ä. einzubeziehen
    2. fremde Hilfe in Anspruch nehmen und zu wenig selbst mitarbeiten
    Geändert von verpeilt. (23.05.2013 um 18:34 Uhr)

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