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Diskutiere im Thema Du Opfer! im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 151

    Du Opfer!

    Hallo!

    Ich kannte diesen Ausdruck bislang nicht. Habe ihn vor kurzem unter Jugendlichen gehört. Identifiziere mich irgendwie damit, obwohl es nicht direkt zu mir gesagt wurde. Also wenn man sich nicht durchsetzen kann, nicht schlagfertig ist....

    In den meisten Beziehungen hatte ich das Gefühl, ich tue eigentlich nur für die anderen. Und wenn ich nicht tat, wurde ich als egoistisch beschrieben. Jemand hatte eine Erkrankung, ich tat für ihn/sie, allerdings, wenn es mir mal nicht gut ging, hörte ich, also "hab dich nicht so".

    Und ich dachte, ja ich übertreib, obwohl es mir echt schlecht ging. Und ständig tat ich was, und hatte
    selten das Gefühl, das mal was zurückkommt. Nun hab ich schon fast alle Beziehungen aufgegeben,

    unter Medikation merkte ich noch viel mehr, wie sch..... viele zu mir waren, habe zum Geburtstag mal ein
    Geschenk bekommen, das geklebt war, zwar im Original nicht billig, aber (heimlich) geklebt, und dies eindeutig, ich war vollkommen fertig, weil es eine langjährige Freundin war, und ich damit nicht umgehen konnte, hab mich nicht mehr gemeldet, sie aber auch nicht.

    Jetzt bin ich schön langsam ziemlich allein. Eigentlich fehlt mir nichts, außer dass ich das Gefühl habe, scheinbar war eh alles gefaked, ich sah es aber als Freundschaft an.

    Wahrscheinlich fehlt auch mir etwas, vielleicht etwas "Würze", würde mir einfallen, aber viele andere
    sind auch nicht sooo besonders.

    Jedenfalls habe ich nicht mehr vor, weiterhin " Opfer" zu sein. Ich brauche ja nicht unbedingt Leute dauernd um mich, aber Irgendwas läuft komisch. Menschen sind
    ja nicht nur ausnützerisch. Ich steh etwas an. Was könnte mir fehlen, bzw. Was tue ich, dass ich so auf Menschen wirke, dass sie mich nicht ernst nehmen.

    Also dieser Ausdruck " du Opfer", wenn ich das so unter Jugendlichen höre, finde ich echt sehr nahegehend. vielleicht thematisiert man das jetzt immerhin und sie können lernen, rauszufinden, was was bewirkt, oder ist es wieder nur ein Angriff?

    Es gibt ja alpha persönlichkeiten, Führungspersönlichkeiten, und andere. Hat mit Selbstwert etc. zu tun. Ich weiss das alles vom kognitiven her. Hab auch schon jahrelang Therapie hinter mir.

    Ich weiss nicht wie ich das ändern soll, dass manche eine Empfindlichkeit merken, und darauf reagieren,
    dass sie einen leiten, beeinflussen wollen, und irgendwie strahle ich das aus, obwohl ich das nicht möchte.

    Manchmal denke ich mir im Moment - ich Laufe mit einem Schild herum, "Schlag mich!".


    Das merke ich jetzt unter Medikation viel mehr, früher taten sie es und ich merkte es nicht einmal, war der Berater, Helfer. Nun merke ich, was da abging. Hab aber noch keine andere Verhaltensweise gelernt,
    außer mich zu schützen und abzugrenzen, aber dann ist man immer mehr allein.

    Es ist echt etwas irritierend, irgendwas stimmt bei mir nicht. ich bin sensibel, ich kann mich einfühlen, ich spür viel, hab das auch schon im beruflichen rückgemeldet bekommen. Andererseits merke ich, dass viele meine Grenzen übersteigen, Grenzen müsste man ständig setzen, und eigentlich denke ich, eigentlich
    müssten die ja auch spüren, was geht
    und was zu viel ist.

    Versteht das jemand? Es ist echt total anstrengend und am wohlsten fühl ich mich wenn ich heimkomme und allein ich selbst sein kann. Aber dann bin ich wieder allein. Es ist ok, aber alle haben Familien, etc.
    Irgendwas fehlt bei mir. Ich weiss nicht was...

    Hmm, etwas durcheinander,
    Ianna
    Geändert von ianna (11.05.2012 um 02:52 Uhr)

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: Du Opfer!

    Da fällt mir spontan der Buchtitel "Suche dir Menschen, die dir gut tun" ein.

    Ich war früher ein komplettes Opfer: Leicht angreifbar, schnell am Boden zerstört, immer schuldig.
    Dann hatte ich meine Chance (Jobwechsel), diese Menschen (zum Großteil) hinter mir zu lassen und kam in eine völlig neue Welt: Da wurden dumme Sprüche gekloppt und ausgekontert. Quer durch das Großraumbüro. Ich war gerade erst ein paar Tage dort, zog den Kopf ein und verfolgte erschrocken den Dialog.
    Irgendwann fiel das den Kollegen auf und sie beruhigten mich, dass es nur Spaß sei und ich gerne mitmachen dürfe. Ich konnte mir das nicht vorstellen, erklärte aber erst mal, ich müsse erst auftauen - dann würden sie schon sehen. Immerhin war ich als Kind für meine große Klappe bekannt, aber das ist 20 Jahre her gewesen.

    Und tatsächlich gab es solche und ähnliche Wortgefechte fast täglich. Nach und nach gewöhnte ich mich an den Tonfall und erkannte das Muster. Und dann hab ich was rausgehauen. Es war schlagartig still und ich dachte schon: "Nein, hättest du nur den Mund gehalten. Jetzt bist du unten durch." Aber es kam nur von allen Seiten: "Hey, willkommen im Team."

    Das war der Moment, wo ich erkannt habe, dass ich dort ICH sein darf. Dass meine große Klappe erwünscht ist. Das war völlig neu.
    Ich bin dort regelrecht aufgeblüht und diese Gruppe wo ich ganz normal sein kann, die gibt mir insgesamt einen riesigen Rückhalt.


    Es ist aber nur dort so. In anderen Mengengruppen fühle ich mich unwohl, denn dort treffe ich zuverlässig jede soziale Tretmine die es gibt. Ich bin unfähig Freundschaften aufzubauen oder zu pflegen. Oft hört man monatelang nichts von mir. Ich schalte mich bei Facebook offline, weil ich nicht weiß, was ich mit denen reden soll...

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Du Opfer!

    Hallo

    Ich finde es ganz schön, dass Du diesen Thread eröffnet hast, denn es zeigt wieviel mehr Gedanken um Dinge wir uns manchmal machen als andere....

    Dieser Ausspruch "Du Opfer" finde ich ganz furchtbar! Die Jugendlichen heute sprechen sowas ständig aus, OHNE drüber nachzudenken und meistens in Situationen wo es gar nicht passt und ohne darüber nachzudenken WAS sie da eigendlich sagen und, dass es Menschen gibt die sich das wirklich zu Herzen nehmen.
    Es ist für mich ein Schimpfwort und die werden ja leider benuzt ohne Ende und eben ohne darüber nachzudenken.
    Zeigt für mich leider auch wie sehr sich unsere Gesellschaft verändert hat. Als ich Kind war gab es keine "Opfer" wie es sie heute gibt. Es gab sicher auch Kinder die geärgert wurden, es gab welche die nicht so beliebt waren, aber auch diese hatten sehr oft irgendwen der sie mochte und für sie eingetreten ist und auch wenn nicht ging es nicht so extrem ab wie es heute ist. "Mobbing" das Wort gab es damals noch nicht auf Kinder bezogen.... heute...... naja ich habe es miterlebt wie schlimm es heute zugeht schon in der Grundschule...heftig!

    Ich denke das wichtigste ist sich nicht selber mehr und mehr zum Opfer zu machen.
    Ich hatte in der Schule auch Zeiten wo ich fertig gemacht wurde (zum Glück schneller Schulwechsel) und auch in meiner ersten Ausbildung ging es recht hoch her, aber ich habe immer zugesehn (auch wenn es weh tat und ich verletzt war) mir Menschen und Quellen zu suchen die mir Kraft gegeben haben und mir klar gemacht haben, dass es Menschen gibt die mich nehmen wie ich bin/war. Somit war ich für die (zB Ausbildung) vielleicht ein Opfer, aber ich habe mich nicht grundlegend dazu machen lassen und ich denke das ist sehr wichtig!
    Das kann aber nur klappen, wenn man sich eben nicht verschließt und sich Menschen sucht die einem gut tun und die einem aufzeigen, dass die Meinung von EINER Gruppe nicht die Meinung der gesammten Menschheit ist....! Ich habe die Ausbildung damals abgebrochen und das war die richtige Entscheidung, manch einer würde sagen, das war feige und Flucht, ich sage es war der Weg mich nicht weiter zum Opfer zu machen!

    Nach meinem Einbruch im letzten Jahr ging es mir auch wieder so, dass ich mich als Opfer gesehen habe, auf der Arbeit und auch ansonsten. Mein Selbstwert war einfach nicht mehr vorhanden und dann ist es für JEDEN total leicht Dich zum Opfer zu machen und wenn Du dann darin "aufgehst" und Dich als Opfer fühlst und verhälst, dann bist Du es auch.
    Mitlerweile bin ich auf einem guten Weg und weiß, dass ich definitiv kein Opfer bin. Ich habe vielleicht Schwächen, aber ich habe auch Stärken und das mache ich mir immer bewußt, wenn ich mich mal wieder so fühle!


    LG

    Rose

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 21

    AW: Du Opfer!



    Halloianna,

    ich kann sehr gut nachfühlen wie es dir geht.

    Und zu deinem Schreibstil gerade,
    brauchst du dir gar keine Gedanken zu machen.
    Ich schreibe manchmal sehr chaotisch, das hat aber meist damit zu tun,
    dass mich etwas sehr berührt, aufwühlt, durcheinander macht.

    Es ist sehr gut zu sprechen bzw. zu schreiben, wenn etwas in uns vorgeht,
    das raus muss. Das geht manchmal einfach nicht wohl sortiert.
    Dann müssen andere Menschen sich auch bemühen,
    zu verstehen wie du es meinst.
    Es wird immer einen Menschen geben, der es wirklich wissen will.
    Der dir "gut tun will" (wo wir bei diesem klasse Buch sind).

    Was unsere Opfer angeht, frage ich mich,
    sehe ich mich als Opfer oder sehen mich andere als Opfer
    oder vermute ich, dass mich andere als Opfer sehen.

    Du solltest dich fragen, welche Sichtweise dir am meisten weh tut,
    vielleicht können dir neue Gedanken auf deinem Weg den Rücken stärken.

    Es gibt oft Menschen im Leben, die einem vorgeben wollen,
    wie viel Hilfe man anderen anbieten sollte.
    Es hört sich so an, als hätten schon viele Menschen dir in dieser Hinsicht
    das Gefühl gegeben, durch deine "Opferbereitschaft" bewertet zu werden.

    Lass dich hier nicht kirre machen.
    Keiner kann von dir verlangen, stets an andere zu denken,
    bevor die Fürsorge um dein eigenes Wohlergehen ein Recht bekommt.

    Ich habe lange Zeit versucht mich an hilfsbereiten Menschen
    wie meiner Mutter zu messen, was mich nur unglücklich gemacht hat.
    Nach beschwerlichem Weg habe ich herausgefunden,
    habe ich begriffen: "Das bin ich nicht". Ich bin nicht "die Anderen".

    Meine größte Freude wird nie die Hilfsbereitschaft sein,
    die Sorge um andere allein kann mich nicht glücklich machen.

    Es ist ok,nicht dauernd für andere da zu sein.
    Ich habe andere Talente,
    die mich ausmachen und mit denen ich ein gutes Werk tue.
    Und wenn mich jemand um Hilfe bittet, bin ich der letzte,
    der andere im Stich lässt.

    Was deine Einsamkeit angeht und die Würze die dir fehlt,
    so musst du sicher einfach Geduld haben.
    Jeder Mensch der sich und sein Leben betrachtet
    sehnt sich nach "der Fülle des Lebens".
    Diese zu empfinden, zu leben, ist häufig ein langer Weg,
    da man herausfinden muss, was einen erfüllt, was einen glücklich macht.

    Die Einsamkeit kommt womöglich nur dadurch,
    dass du dich neu sortieren musst, ohne die anderen
    die dich möglicherweise nicht verstehen (möglicherweise doch).
    Wichtig ist zu lernen "abzugrenzen ohne abzublocken".
    So hat mein erster Therapeut das damals genannt.
    Dieser Begriff begleitet mich seit jeher und immer wieder muss ich begreifen,
    wann ich mich abgrenze und wann ich abblocke.
    Hab Geduld mit dir. Du bist kein Opfer...


    Es grüßt dich
    Niccy

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Du Opfer!

    Ich habe inzwischen die Befürchtung, sollte ich mich beizeiten mal wieder unter "arbeitende" Bevölkerung begeben müssen, beim ersten Ausruf solcher Art alles hinzuschmeißen oder gar schlimmeres zu tun.
    Ich habe 7 Jahre massive anfeindungen in der Schule(von 14, wobei ich die anderen 7 auch extremer Außenseiter war) ertragen und mir platzt inzwischen schon der Kragen, wenn meine Freundin sowas wie "du trottel " aus Spaß sagt(mir fällt was um etc pp, kennt man ja ^^ ).
    Ich schätze, unter "Fremden", die dies ernst meinen, könnte ich mich dann wirklich nicht mehr halten. 14 Jahre unterdrückte Aggressionen(man sagte mir in der 3. Klasse, wenn ich nicht reagiere, wird man mich schon in Ruhe lassen- scheiß idee -.-) wollen irgendwann auch wieder raus

    Viel schlimmer, für mich, aus psychologischer Sicht finde ich aber, dass ich zum "Selbstschutz" fast schon eine 2., arrogante, Persönlichkeit im Unterbewusstsein habe.
    Denn auch wenn ich auf die meisten und auf mich selber erbärmlich wirke, so sind die anderen doch, sagt mir mein Unterbewusstsein, im Grunde nur armseliges, niederes Getier, ein dreckiges Pack mit dem man sich nicht abgeben muss, ein elendiger Haufen der nur so vor Idiotie und primitivem Verhalten strotzt, der einen aufs tiefste anwiedert.

    Konnte es zwar bisher nicht verifizieren, aber jetzt, wo ich mich "normaler" benehmen kann, wird sich das vielleicht ändern.


    Als "Selbsttherapie" bei mir gegen solche misanthropie und mangelndes Selbstbewusstsein sehe ich nun erstmal vor, ein bisschen überdurchschnittlich sportlich zu werden- vielleicht halte ich es diesmal dank MPH auch durch.
    Also: Wampe weg, Muskeln her(normale und funktionale, will ja nicht zu einem diese affigen Schrank-Spinner werden) und letztlich noch dafür sorgen, dass mein Gesicht mal wieder schönere Haut hat.
    Das wäre vielleicht auch ein Ansatz für andere, dass sie gucken, ob sie es nicht schaffen, mit ihrem Aussehen zufrieden zu sein.
    Und nein, ich glaube nicht, dass richtig dicke Leute "zufrieden" sind.
    Haben sie Angst, nicht mehr hemmungslos essen zu dürfen, wenn sie abnehmen wollen? Sport hilft, Muskelaufbau sogar nachhaltig. Man schaue sich mal diverse Hinweise z.B. von Prof. Froböse an. Viel essen kann man auch als sportliche/schlanke Person.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 151

    AW: Du Opfer!

    Hey ihr lieben!

    Ich finde es mal total schön, dass
    1. Dieses Thema auch andere berührt
    2. Ich merke, dass sich wer mit meinem Text auseinandersetzt. Das ist echt schön, tut gut. Danke!
    3. Ich nicht allein bin.
    4. Danke für den Input " abgrenzen, nicht abblocken", den muss ich mir merken, der ist gut, schwierig mal in der Ausführung, vielleicht, aber wichtig. Und das es da einen Riesenunterschied gibt.
    5. Interessant auch, dass sich ganze Gruppen so unterscheiden können, je nachdem, wo man hineingerät
    6. Auch das körperliche wichtig ist, das man sich in sich wohl fühlt, ja.
    7. Menschen, die dir gut tun, allein der Satz macht ein gutes Gefühl, und, auch wenn ich nur wenige davon hab, zumindest hab ich die, die mir nicht gut tun, mal, gehen lassen. Die Leute, die mir gut tun, es gibt ein paar, ja, und wenn ich mal das von euch hier lese, ich kenne euch zwar nicht persönlich, aber das, was ihr geschrieben habt, war liebevoll, auch mit eigenen Beispielen, also offen, und das hilft, wenn man sieht, dass es sensible Leute gibt. schööön!
    8. Beginne gerade, darüber nachzudenken, warum Menschen als Opfer benützt werden - weil sich die Täter da ihr eigenes Opferdasein abladen können, ihre angestauten Agressionen, wahrscheinlich meist unbewusst (ausser wahrscheinlich bei absichtlich manipulierenden Personen, Narzissten oder so), wenn ich nachdenke gab es in meinem Leben früher auch eine Person, wo ich im Nachhinein gemerkt habe, wie weh ich ihr getan habe, unbewusst zu dem Zeitpunkt. Es tat mir total leid und hatte Schuldgefühle, und letztendlich ist es recht gut ausgegangen, ich habe selbst irgendwann nachzudenken begonnen, aber ich brauchte Zeit dafür. Wahrscheinlich muss man als "Opfer" mal einen Schupps geben, und "nette" Täter erkennen dann, oder gehen in sich.
    Jetzt sehe ich mich nicht nur als Opfer sondern auch als nette Täterin, ist so viel unbewusst gelaufen. Schlimm, was man Menschen antun kann, wenn man nicht reflektiert.
    Was ist das eigenartiges, was jemand als "Opfer" erscheinen lasst? Manchmal kann es einseitige Liebe sein, oder? Oder Angst vor Verurteilung? Angst, alleine nicht zu genügen und jemand anderen zu brauchen - oder tatsächlich jemanden zu brauchen (Arbeit, Geld). Konkurrenz in Leistungssituationen..

    Soziales Leben ist echt eine Herausforderung, manchmal, speziell in Gruppen, finde ich, weil dann vieles zusätzlich nicht mehr vorraussagbar ist, zusätzlich noch Missverständnisse dazukommen können, Personen an gewisse Ereignisse unterschiedliche Erinnerungen, Teilerinnerungen, haben, und sich dann oft der mächtigste durchsetzt. Wenn man nicht mehr 100% sicher ist, ob man jetzt recht hat, sich 100% daran erinnert, dann ein anderer in der Gruppe etwas (manchmal zeitlich eine Spur anderes versetzt) erinnert, dann hat man das Chaos. Und wenn es um was echt ernsthaftes geht, hätt ich gern manchmal eine Aufnahme, die alles aufnimmt, wo man nicht ständig alles erinnern muss, sich an jede einzelne Besprechung zurückerinnern muss. Schwierig das ganze.

    Selbst mit Medikation kann ich mich nicht an alles erinnern, ich steige zwar inzwischen aus Diskussionen gedanklich nicht mehr ganz aus, bekomme also viel mit, dennoch hab ich das alte Nicht-Selbstbewusstsein noch so in mir, dass ich noch nicht ganz glauben kann, dass ich recht habe, wenn ich glaube, dass ich recht habe.

    So nun genug. Ich bräuchte nach dem ganzen Leben echt viel Bestätigung, Liebe, und das ich ok bin. eine Umarmung, ein bedingungsloses " ich mag dich"
    wer sollte mir das geben? Wer kenn mich so gut? Ich kann's mir nur selbst geben, obwohl ich ein bisschen unsicher bin. Vielleicht gibt es auch deswegen Religionen. Jemand der dich kennt, alles gleichzeitig im Blick hat.

    Also ein bisschen abgeschweift - vertrau ich mir selbst? War ich Täter? Ja. War ich Opfer? Ja.

    Wie kann ich dauernd so bewusst bleiben, spüren, gegenwärtig bleiben, und bleiben, dass ich nicht von mir abweiche und etwas werde, was ich eigentlich nicht bin, ist alleine vielleicht noch etwas einfacher, zumindest übersichtlicher, in Gruppen ist es, zumindest bislang, manchmal noch etwas unübersichtlich, sehr viel Info, und viel zu verarbeiten... Auf jeden Fall: contra Opfer!

    Danke Euch und Schönen Abend!

    ianna

  7. #7
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.456

    AW: Du Opfer!

    Hallo,

    Das thema spricht mich auch an! Diese spruch kenne ich auch von jungentlichen. Es scheint mich wirklich dass heute, noch mehr als früher, nett sein und sich bicht wehren können nicht gut gesehen wird. Man muss sich wehren.

    Als kind bin ich schnell im ofperrolle gekommen, einfach zu ärgern, heult schnell, kriegt schnell angst und wehrt sich nicht. Ich hatte gedacht, ich sollte stark sein und eben keine sensibelchen. Ich merke viel später dass es keine gute weg ist...

    Irgendwann als erwachsene lerne ich mich zu wehren und lasse mich imemr weniger gefallen. Was mich am meistens hilft ist wirklich zu was ich fühle zu stehen, meine bedürfnissen ernst zu nehmen, ob andere es auch haben oder nicht. Niemand darf mich vorschreiben wieviel ruhe ich brauche oder wieviel zeit oder... Meine bedürfnissen ernst zu nehmen heisst auch mich erlauben so zu sein wie ich bin, eben auch mal anders.

    Mobbingerfahrungen musste ich durch eine therapie aufarbeiten, weil sie mich in eine rolle auch festgehalten hatten.

    Da kommt mal auch der ADS-diagnose dazu und durch mal mein leben aus ein andere blickwinkel zu sehen ist spannend. Zuerst eine erklärung wieso ich einiges brauche und die bestätigung dass es ok ist. Aber ich merke auch dann wie ich selber andere nerven kann und als täterin sein kann. Aber am meistens nervig bin ich auch wenn ich im falsch umfeld bin und zu wenig gut zu mich schaue und dadurch gestresst bin. Wenn es mich gut geht (und dafür kann ich etwas tun) bin ich vielleicht anstregend, aber nicht so nervig... Anstregend werde ich sicher immer bleiben, da ich oft "sonderwürsten" brauche und daher von andere eine gewisse anpassung der nicht so üblich ist. Aber ich kann nichts dafür! Alte menschen, kleine kindern, behinderten haben auch ihre spezifischen bedürfnissen und niemand stellt es im fragen dass sie darauf recht haben. Also, bei ADS sollte gleich sein...

    Ich lasse mich immer weniger gefallen, setzte mich durch und achte immer mehr auf mich. Meine neigung zu rechtfertigen oder unsicher sein ob ich etwas bekommen darf oder nicht wird immer kleiner.

    lg

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.101

    AW: Du Opfer!

    Ich kann davon auch ein Lied singen.

    Als erstes zu der Aussage "du Opfer"
    Ich finde es zum aus der Haut fahren wenn ich so was höre. Ich kann nicht nachvollziehen wie jemand so etwas sagen kann egal ob Spaß oder nicht. Für mich ist es eine Beleidigung.

    Nun zu meinen Erfahrungen:
    Ja ich habe mich auch in die Opferrolle schieben lassen.
    Das war nachdem ich durch Krankheit die 5. Klasse wiederholen musste. Ich muss dazu sagen, dass ich durch die Krankheit mit 12 einen mir erst später bewusst gewordenen Suizidversuch hatte, der aber von vorneherein zum scheitern verurteilt war. Wer anfängt im Krankenhaus die Nahrung zu verweigern, der wird halt zwangernährt.
    Aber um mal aufzuzeigen wie aussichtslos für mich die Situation damals war.
    Ich kam in eine neue Klasse mitten im Halbjahr.
    Ich hatte damals eine Gehirn- und Gehirnhautentzündung na ja und für Kinder ist das gleich zu setzen mit Zitat:"Krank im Kopf".
    So erlebte ich es dann auch in der neuen Klasse. ich war die neue eine Aussenseiterin. Mein Selbstwertgefühl war bei 0 und das nutzen die Kinder aus.
    Auch auf der Oberschule änderte es sich nicht sonderlich.
    In der Ausbildung genau das selbe.
    Von "Freunden" wurde ich ausgenutzt. Bis ich irgendwann die Notbremse zog und alle die mir nicht gut getan haben aus meinem Leben gestrichen habe.
    Das war kein bewusster Vorgang nur ich brauchte zu dem Zeitpunkt alle Kräfte für mich alleine.
    Soweit die Sicht aus damaliger Perspektive.

    Heute sehe ich das ganze anders. Menschen die es nötig haben andere klein zu machen haben selber zu viele Komplexe. Sie benutzen ihre coolnes und solche Aussagen sowie das Mobbing um ihre eigenen Unzulänglichkeiten zu verbergen.
    Nun frage ich mich demnach also wer ist der schwächere der, der solche Dinge nötig hat oder der, der dem ausgesetzt ist?
    Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass viele die andere so versuchen zu zerstören dies oft in Gruppen tun. Sie suchen sich andere die mit ihnen ins selbe Horn blasen um stärker/größer zu wirken. Auch das soll nur von ihren eigenen Fehlern ablenken. Oft sind die "Freunde" von solchen Menschen keine wirklichen Freunde sondern nur erkauft. Erkauft mit dem Versprechen stärker zu sein, erkauft mit einer Fassade, erkauft mit materiellen Dingen.
    Ich kann nicht sagen was aus den meisten die sich mir gegenüber so verhalten haben geworden ist aber ich denke sie sind mittlerweile sehr einsame Menschen, die ein Selbstwertgefühl haben was in richtung Eiszeit geht.

    Ich weis, dass ich die Behandlung von ihnen überlebt habe. Also bin ICH stark und nicht sie.
    ICH erkenne die Warheit dahinter, die sie nie sehen wollen weil sie dann ja ihre Unfehlbarkeit aufgeben müssten.
    Dadurch hab ICH das größere Selbstvertrauen gewonnen, nachdem diese Menschen immer gesucht haben.

    Ich hatte auch eine sehr lange Zeit keine Freunde aber mit viel Geduld habe ich mittlerweile einige wenige liebe Menschen die ich als echte Freunde bezeichnen kann. Solche Freunde die ich auch nachts um 3 anrufen könnte um mein Leid zu klagen.

    Hab geduld bei der Suche nach Freunden.

    Da fällt mir übrigens ein Spruch aus meinem Poesiealbum ein, der es gut beschreibt.

    Wenn du dir Freunde suchst, dann suche dir nur Echte, denn unter 100 Freunden sind 99 Schlechte

  9. #9
    Lysander

    Gast

    AW: Du Opfer!

    Wotemer schreibt:
    Viel schlimmer, für mich, aus psychologischer Sicht finde ich aber, dass ich zum "Selbstschutz" fast schon eine 2., arrogante, Persönlichkeit im Unterbewusstsein habe.
    Rollenspiele. Eine andere "Persönlichkeit" aufzubauen, kommt mir sehr bekannt vor :-). Wenn ich anderen Mneschen versuche zu erklären, dass ich eigentlich schüchtern bin, glauben sie es mir nicht, weil ich in vielen Situationen eine Rampensau bin. Mich würden keine zehn Pferde auf eine Party eines Telekommunitkationsunternehmen s in Berlin ziehen können, aber als ich dort mit versteckter Kamera, einem Smoking und Visitenkarten auftauchte und mich als Graf ausgab, um ohne Einladung hineinzugelangen, spielte ich eine Rolle. Das war ein Test mit einer versteckten Kamera. Ich bekäme als Lysander auf solchen Events Schweißausbrüche. Als Graf (den "Titel" kann man sich online kaufen) quatschte ich mit dem Deutschland-Chef des Unternehmens und mit einem IT-Vorsitzenden einer Klinik-AG. Als Ich hätte ich das nicht gekonnt, selbst mit offizieller Einladung. Viele Menschen auf einem Haufen, warm, Ettiquette, gutes Benehmen, Axel Schulz oder Ex-Ministerpräsident Althaus.... ich wäre gestorben!

    Die Rollen sind mein Schutz, aber es sind nicht meine Persönlichkeiten. So habe ich das bisher interpretiert. Ich habe sie erlernt, weil ich als Kind selbstverständlich ab und an in Situationen kam, die mich zum Opfer machten. Ich hab dann herausgefunden, dass ich mich verbal sehr aufplustern kann um mich so zu schützen. Dabei kann ich männliches Gockelverhalten überhaupt nicht ab.

    Als ich vor Jahren bei einem Arbeitgeber gemobbt wurde, halfen mir diese Rollen nicht mehr. Ich versuchte mit den Mobbern zu reden, deutlich zu machen, dass sie mir die Schuld für etwas gaben, dessen Verursacher ich nicht war. An deren Grundannahme war jedoch nicht zu rütteln. Meine Stärke war dann, mir einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Und plötzlich wurden jene Ex-Kollegen meine Dienstleister, kamen angeschleimt, wollten Aufträge von mir. Eine schöne Genugtuung und die schreckliche Erkenntnis, wie falsch das Spiel der Menschen sein kann.

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Du Opfer!

    Gedanke:
    Man muss nicht "verkehrt" sein, nur weil einem andere das Gefühl (unabichtlich oder durch unser Verhalten bedingt) geben?

    Das schlussfolgere ich mal aus diesem (von mir nun nochmal hochgeschobenen) Thread.

    Aber das Nachdenken darüber...das macht mich anders?

    Viele die ich kenne, die "Nicht"-ADS sind, erzählen von ähnlichen Situationen, unter denen ich leiden würde.
    Sie sind davon genervt, oder sagen, der oder die, mit dem muss man immer so und so umgehen...Sie gehen leichter damit um, ohne sich zum Opfer zu machen, sie erkennen, wann sie gemeint sind, sollten sie etwas bewirkt haben, lachen sie, es ist ihnen peinlich, aber ihre Welt geht nicht davon unter...
    Ich glaube, ohne adhs kann man manchmal genügsamer sein, wie schon erwähnt, sich abgrenzen ohne den Fehler bei sich zu suchen.

    Reizfilterschwäche, nur eben bezogen auf Menschen, Umgangsformen, Normen?

    Ich habe bisher immer versucht, logisch zu denken, vernünftig damit umzugehen, mich solchen Situationen wieder und wieder zu stellen, je öfter ich mich "behaupten" kann, desto weniger habe ich Angst, aber es gibt Tage, da hab ich dazu keine Kraft.
    Wenn ich es nicht schaffe, dann fühl ich mich als Opfer, nicht als ihres, sondern mein eigenes.

    Fallen manchen von Euch die richtigen Sprüche zum kontern auch immer erst abends zuhause ein?
    Mir fehlen manchmal wirklich die Worte, kann nicht genau einschätzen, ob sich jemand über mich lustig macht, oder wie ich mich verhalten soll.

    Fettnapf ist meine Schuhmarke.



    Was helfen kann ist "Augen zu und durch", wenn jemand was nicht passt wird er es schon sagen, "hinter dem Rücken" Gerede ignoriere ich.

    Und ja, ein "das seh ich auch so" von meiner Freundin abholen, wenn ich manchmal solche Situationen reflektiere.
    Wenn ich ihr Situationen aus meiner Wahrnehmung schildere, stellen wir oft genug fest, die andern sind die Dummen. Das tut gut.
    Wenn ich übers Ziel hinaus bin, sagt sie es mir auch, das hilft genausoviel, gibt mir Möglichkeit mich zu "balancieren".

    Manchmal denk ich aber, das dieser Kampf um meine Selbstsicherheit, Persönlichkeit doch irgendwann mal zuende sein sollte.
    Erwachsensein habe ich früher immer gedacht, würde bedeuten, nicht mehr sich selbst in Frage zu stellen, zumindest nicht mehr so wie in der Schulzeit.

    Tja. Man lernt eben immer dazu.

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