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Diskutiere im Thema ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
ADS/ADHS und Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Borderline, Abhängigkeit/Sucht, Messie-Syndrom und andere typische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen und Folgeerkrankungen)
  1. #141
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 46

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    Lieber Web4health

    Und wie schafft man es deiner Meinung nach dieses "geradezu Suchen" in ein gesünderes Verhältnis zu rücken?
    Nach dem Motto " es zieht mich an was mir im Endeffekt auch gut tut".
    Verhaltenstherapie?

  2. #142
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 207

    AW: ADHS und Dissoziation


    Was der Psychiater geflissentlich untersieht bei seiner Diagnose ist es zum Beispiel, dass die Empathiefähigkeit, d.h. die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen und ihnen nachzufühlen bei den allermeisten ADHSlern überdurchschnittlich gut ausgeprägt ist. Und die Fähigkeit zur Empathie stellt ein Ausschlusskriterium bei der Diagnose Narzisstische Persönlichkeitsstörung dar.
    Ich sehe da kein Ausschlusskriterium, ich halte den Adhs ler auch nicht für besonders empathisch, eher genau das Gegenteil.
    Dem Adhs ler geht es bei seiner "Empathie " darum herauszufinden ob er besser, schlauer oder beliebter ist als andere, kommt es hierbei zu Nachteilen ist der Adhs ler gar nicht empathisch sondern versucht seine Meinung mit allen Mitteln aufzudrängen bzw andere Menschen als Idioten oder Unwissend zu bezeichnen.
    Empathie hat meiner Meinung nach damit zu tun, das man andere Menschen versteht, nicht beurteilt und vor allem akzeptiert, ehrlich gesagt habe ich das bei Adhs lern nie erlebt. Anfangs kommt es einem so vor, aber das kann ganz schnell umschlagen wenn man dem Adhs ler das Gefühl gibt das man ihn nicht versteht, mag oder akzeptiert.
    Dieses Urteil fälle ich auch über mich, ist doch die Selbstreflektion eines der unangenehmsten aber wichtigsten Themen für den Adhs ler.

  3. #143
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    sascha36 schreibt:
    ...ich halte den Adhs ler auch nicht für besonders empathisch, eher genau das Gegenteil.
    Die Frage ist hierbei, ob er so ist oder so wirkt.
    Viele ADHS'ler wirken wenig empathisch, was aber oftmals nur ihrer nicht steuerbaren und sprunghaften Aufmerksamkeit geschuldet ist.
    Nicht mitzubekommen, was jemand anders gerade fühlt, weil man nicht richtig hingeschaut hat und es tatsächlich nicht merken zu können, sieht nach außen hin gleich aus, ist aber sehr unterschiedlich.
    Der ADHS'ler kann sich in andere hineinfühlen, er ist nur... naja schusselig und kriegt's nicht mit.

    Tatsächlich sieht das nach aussen hin so ähnlich aus, dass jemand ohne Erfahrungen mit ADS'lern schnell auf den Trichter kommt, eine (fälschliche) Diagnose auf narzisstische PS zu stellen.

    Empathie hat meiner Meinung nach damit zu tun, das man andere Menschen versteht, nicht beurteilt und vor allem akzeptiert
    Wenn man der Definition des Begriffes folgt, ist das so nicht korrekt.
    Empathie bedeutet zunächst einmal "nur" die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.
    Dabei gibt es zwei Arten der Empathie, die kognitive und die affektive Empathie.

    Die kognitive E, bezeichnet die Fähigkeit, sich willentlich in eine andere Person sozusagen "hineinzudenken", ihre Perspektive und ihre Denkweise anzunehmen.
    Auf die Weise kann man sich vorstellen, wie die Person auf etwas reagieren würde.

    Beispiel:
    Ein Kind sieht, wie ein Erwachsener eine Schachtel Pralinen nimmt, die Pralinen herausnimmt und stattdessen Bleistifte hineinlegt und die Schachtel wieder verschließt.
    Nun fragt der Erwachsene das Kind:
    "Wenn ich damit nun zu Deiner Mutter gehe (die Mutter sitzt im Nebenraum und bekommt von diesem Geschehen nichts mit und weiß auch nichts davon) und sie frage was drin ist, was glaubst Du, würde sie sagen?"

    Ein Kind mit normalen empathischen Fähigkeiten (das dafür übliche Alter vorausgesetzt) würde jetzt sagen:
    "Na sie wird sagen, dass da Pralinen drin sind"
    Denn es weiß, dass die Mutter von dem Tausch nichts wissen kann.

    Es kann sich also in die Person seiner Mutter hineinversetzen und von ihrem Standpunkt aus die Situation beurteilen und voraussagen, was die Mutter wahrscheinlich sagen wird.

    Ein Kind ohne diese empathische Fähigkeit aber wüde sagen:
    "Na Bleistifte"
    Denn es kann diesen inneren Perspektivwechsel nicht durchführen und daher nicht die daraus folgernden Rückschlüsse ziehen.

    Das ist natürlich ein sehr einfaches Beispiel, Empathie ist weitaus komplexer, aber es ist im Grunde genommen genau das selbe.
    Dieser Test ist übrigens Teil einer der Standardtests wenn es um Diagnosen von Asperger-Kindern geht, die eben genau mit dieser kognitive Empathie Probleme haben.

    Die affektive E. ist das direkte Mitfühlen.
    Jemand fährt auf Skatern an Dir vorbei, packt sich hin und fällt voll auf den Hintern und Du rufst instinktiv "Autsch" und fühlst auch regelrecht mit.
    Oder ein Mensch weint und ist traurig und man wird davon angesteckt.
    Wenn ein ganzer Kinosaal bei einer traurigen Szene heult, das ist affektive Empathie ...
    Man fühlt mit.

    Die Kunst ist nun zu erkennen, was man vor sich hat und das ist wirklich nicht ganz einfach, zumal ADS'ler per se recht egozentrisch wirken, naja und auch sind.

    Dem Adhs ler geht es bei seiner "Empathie " darum herauszufinden ob er besser, schlauer oder beliebter ist als andere, kommt es hierbei zu Nachteilen ist der Adhs ler gar nicht empathisch sondern versucht seine Meinung mit allen Mitteln aufzudrängen bzw andere Menschen als Idioten oder Unwissend zu bezeichnen.
    Das ist ein interessanter Aspekt.
    Wobei man sich da wieder die Frage stellen kann, ist das wirklich narzisstisch oder kommt da de ausgeprägte Gerechtigkeitssinn durch?
    Wenn ein ADS'ler sich im Recht glaubt, wird er zum Kämpfer und dann spielt es auch keine Rolle, ob er möglicherweise doch falsch liegt.
    Oft genug hat er aber auch recht.
    Nur wird ihm das selten zugestanden, da kommt dann seine oftmals vorhandene Erfahrung hoch, immer wieder abgewertet zu werden.
    Aber dennoch finde ich den Gedanken interessant, denn in der Tat, selbst wenn er falsch liegt, verteidigt er sich und seine Ansicht bis aufs Blut, da ist was dran.
    Allerdings denke ich, dass man diesen Aspekt unabhängig von der Empathie betrachten muss, denn das scheint mir weniger eine Frage des Einfühlungsvermögens zu sein, bin da aber auch nicht wirklich sicher.


    Anfangs kommt es einem so vor, aber das kann ganz schnell umschlagen wenn man dem Adhs ler das Gefühl gibt das man ihn nicht versteht, mag oder akzeptiert.
    Das stimmt, mag aber durchaus auch an seinen gemachten Erfahrungen liegen.
    Aber genau aus diesen Verhaltensweisen heraus entsteht ja oftmals die Diagnose narzisstische PS, obwohl da ganz andere Mechanismen als bei der PS ohne zu Grunde liegende ADHS eine Rolle spielen.
    Ich glaube, ein "echter Narzisst" würde da gar nicht erst in den Bereich der Selbstreflexion kommen.

    Ich denke schon, dass es da einige, vielleicht sogar deutliche, aber deswegen nicht unbedingt einfach zu erkennende Unterschiede zwischen einem narzissitsch wirkenden ADS'ler und einem Nicht-ADS'ler mit narzisstischer PS gibt.

    Viele Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (12.02.2013 um 14:00 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  4. #144
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 207

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    Danke für diese ausführliche und objektive Stellungsnahme .

  5. #145
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: ADHS und Dissoziation

    sascha36 schreibt:
    Ich sehe da kein Ausschlusskriterium, ich halte den Adhs ler auch nicht für besonders empathisch, eher genau das Gegenteil.
    Welchen ADHSler meinst du? Meinst du damit dich?

    Aus wissenschaftlicher Sicht ist es noch nicht eindeutig erwiesen, ob ADHSler weniger empathisch sind als "normale" Menschen. Die Studienlage dazu ist widersprüchlich. Es scheint allerdings Unterschiede in den einzelnen ADHS Subtypen zu geben. ADHS scheint also nicht gleich ADHS zu sein.

    Dem Adhs ler geht es bei seiner "Empathie " darum herauszufinden ob er besser, schlauer oder beliebter ist als andere, kommt es hierbei zu Nachteilen ist der Adhs ler gar nicht empathisch sondern versucht seine Meinung mit allen Mitteln aufzudrängen bzw andere Menschen als Idioten oder Unwissend zu bezeichnen.
    Das kann ich von mir selber nicht bestätigen.
    Ich halte mich eigentlich eher für weniger schlau als andere Menschen. Mangelndes Selbstbewusstsein ist eine Folge von ADHS. Ich versuche nicht herauszufinden, ob ich besser oder schlauer bin als andere. Ich weiß, dass ich es nicht bin. Bei mir steht dann eher die Angst im Vordergrund, dass irgendjemand merkt, dass ich gerade keinen Plan habe.
    Wenn ich also jemanden verbal angreife, dann passiert das bei mir eher aus Selbstschutz bzw. eben aufgrund meines mangelnden Selbstbewusstseins. Getrau nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.
    Und ich bin dabei auch in der Lage zu erkennen, dass ich meinen Mitmenschen damit sehr weh tue. Und es tut mir hinterher auch immer sehr leid und ich bemühe mich sehr das wieder gut zu machen.

    Das sind nur meine Erfahrungen mit mir selber. Ich kenne auch andere ADHSler und auch bei diesen habe ich den Eindruck, dass sie eher wenig selbstbewusst sind und dass sie das, was sie in solchen Situationen sagen, nicht so meinen. Empathie ist da grundsätzlich vorhanden, meiner Meinung nach.

    Bei Narzissten ist das anders. Die merken nicht, dass sie anderen weh tun. Und denen tut es auch nicht leid. Da besteht ein Mangel an Empathie.

    Empathie hat meiner Meinung nach damit zu tun, das man andere Menschen versteht, nicht beurteilt und vor allem akzeptiert,
    Andere Menschen zu verstehen, gehört zur Empathie. Darin stimme ich dir zu. Aber das Beurteilen und auch das Akzeptieren von anderen gehört nicht dazu.
    Wenn mein Freund schlecht drauf ist, weil es im Büro stressig und weil er mal wieder den ganzen Frust seines Chefs abbekommen hat, dann kann ich verstehen, dass er dann abends zuhause mal ausrastet. Akzeptieren kann ich das aber nicht. Und das ist auch mein gutes Recht, dass ich sowas nicht akzeptiere. Ich verstehe ihn, aber ich akzeptiere sein Verhalten nicht. Ersteres ist empathisch, letzteres gehört nicht zur Empathie.


    Dieses Urteil fälle ich auch über mich, ist doch die Selbstreflektion eines der unangenehmsten aber wichtigsten Themen für den Adhs ler.
    Wieso fällst du ein Urteil über dich? Das ist aus meiner Sicht eher kontraproduktiv.
    Selbstreflektion sollte grundsätzlich wertfrei erfolgen. Man sollte sich eben nicht beurteilen.
    Und Selbstreflektion meint ja auch, dass man die eigenen positiven Verhaltensweisen und Begebenheiten analysiert. Daher kann Selbstreflektion sehr schön sein und auch Spaß machen.

    Gerade ein ADHSler muss zunächst lernen, die eigenen positiven Seiten zu sehen. Und ich meine damit ausdrücklichen die positiven Seiten der eigenen Person. Nicht die vermeintlich positiven Seiten der ADHS, die ADHS für manche zu haben scheint.

    Und gerade das Entdecken der eigenen "richtigen" Verhaltensweisen halte ich für ADHSler für extrem wichtig. Als ADHSler hat man so oft schon zu hören bekommen, was man alles falscht macht. Und viele haben das internalisiert und machen sich selber für ihre Fehler fertig. Dazu kommt dann noch, dass das dann verallgemeinert wird. D.h. dass er ADHSler dann der Ansicht ist, dass er grundsätzlich alles falsch macht. Nur, wenn man aus der Spirale des "sich-selber-anklagens" und des "sich-selber-fertig-machens" heraus kommt, kann man ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Und erst dann kann man das "Prinzip: Angriff ist die beste Verteidigung" über Bord werfen. Man braucht es dann nicht mehr.

  6. #146
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 207

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    Sehr gut geschrieben, auch meine Meinung , trotzdem bin ich nicht kontraproduktiv. Eher war es ein Schritt nach vorne aus dem Schutz der Krankheit ADHS herauszugehen und zu sagen ich nehm mein leben jetzt selber in den griff und das was passiert ist allein ein Ergebnis meines eigenen Tuns.
    abgesehen davon halte ich jegliche Art von Angriff sei es verbal oder körperlich für indiskutabel. Da muss ich auch kein Verständnis für erwarten.
    Geändert von sascha36 (12.02.2013 um 17:11 Uhr)

  7. #147
    Simönchen

    Gast

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    Hallo

    Meine erste und auch hoffentlich letzte Begegnung mit einem Menschen, der u.a. an einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung litt, endete in zwei Jahren Stalking, (Mord-)Drohungen und letztendlich vor Gericht. Nun ist Ruhe. Endlich.

    Simönchen

  8. #148
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    sascha36 schreibt:
    Sehr gut geschrieben, auch meine Meinung , trotzdem bin ich nicht kontraproduktiv. Eher war es ein Schritt nach vorne aus dem Schutz der Krankheit ADHS herauszugehen und zu sagen ich nehm mein leben jetzt selber in den griff ...
    Das ist auch gar nicht kontraproduktiv und wenn ich Pilzi richtig verstehe auch nicht das, was sie damit gemeint hat.
    Wichtig ist, möglichst wertefrei zu betrachten und das ist gar nicht mal so einfach.
    Im Gegenteil, das kann in ein regelrechtes Dilemma führen:
    Was Simönchen gerade geschildert hat, ist ja extrem heftig und wie soll man solch ein Verhalten wertefrei betrachten?
    Für einen Betroffenen verständlicherweise unmöglich.
    Aber:

    und das was passiert ist allein ein Ergebnis meines eigenen Tuns.
    Wenn man betrachtet, dass Persönlichkeitsstörungen ja nun mal als Krankheit definiert sind, und eben auch nicht ohne Grund, zieht das auch die Erkenntnis nach sich, dass Dein Satz zwar vollkommen richtig ist, alles was passiert, ist Ergebnis des eigenen Tuns, ... aber eben auch nicht, ... weil der Betroffene auf das eigene Handeln gar keinen Einfluss hat.
    Das Dilemma ist hier, dass PS'en sich dadurch charakterisieren, dass die Betroffenen nur über ein eingeschränktes Reaktionsvermögen verfügen.

    Während gesunde Menschen in der Vielfalt möglicher Situationen die Auswahl haben, wie sie jetzt reagieren, hat ein Mensch mit einer PS diese Auswahl nicht.
    Es ist wie eine Art Werkzeugkasten, in dem verschiedene Werkzeuge liegen und je nach dem, was ich gerade machen will, greife ich mir das richtige Werkzeug.
    Das passt nicht immer, ab und zu vergreift man sich eben und macht trotzdem weiter, aber meistens schon und vor allem: Man hat die Auswahl.
    Ein Mensch mit einer PS hat diese Auswahl gar nicht.
    Wenn jemand vorsätzlich ein falsches Werkzeug greift, obwohl er das richtige im Kasten hat und das auch weiß und kennt, während ein Anderer nur dieses eine Werkzeug hat, dann ist der angerichtete Schaden am ende der Gleiche und in keinem der beiden Fälle entschuldbar.
    Aber der eine hatte die Wahl und hat entschieden, ob nun vorsätzlich oder versehentlich, das mag wieder auf einem anderen Blatt stehen.
    Der andere dagegen, der mit der PS, der hatte gar keine Wahl.
    Dem ist nie ein anderes Werkzeug gegeben worden, er kenn nur dieses eine,

    Und wie heißt es so schön:
    "Mit dem Hammer in der Hand sieht jedes Problem aus wie ein Nagel"

    Ja, .. das Ergebnis ist das Gleiche, und Betroffene wie Simönchen werden zu recht sagen können, dass es für sie keine Rolle spielt und da wird jeder zustimmen.

    Aber für den "Täter" (mir fällt kein anderes Wort dafür en, sorry) macht es einen Unterschied.

    Der, welcher vorsätzlich, also in voller Absicht das falsche Werkzeug genommen hat, war sich seines Tuns bewusst, ihm war egal, was er angerichtet hat:
    A: "Hey, das war jetzt nicht in Ordnung, was Du dem an den Kopf geknallt hast!"
    B: "Weiß ich, mir doch egal, der kann mich mal"


    Der, der es versehentlich genommen hat, wird darauf achten, dass es ihm nicht wieder passiert, er hat die Konsequenz erkannt, er hat es zwar angerichtet, er wollte das aber gar nicht.
    (Wie gesagt, das sind keine Entschuldigungen, sondern Erklärungsmodelle)
    A: "Hey, das war jetzt nicht in Ordnung, was Du dem an den Kopf geknallt hast!"
    B: "Ja, ... das wollte ich auch gar nicht sagen und es tut mir leid, ich werde um Entschuldigung bitten und künftig darauf achten, da anders zu reagieren, ich hätte auch ...(alternative Reaktion präsentieren)"


    Derjenige mit einer PS z.B. aber hatte gar kein anderes Werkzeug und wusste auch nicht mal, dass es überhaupt welche gibt.
    A: "Hey, das war jetzt nicht in Ordnung, was Du dem an den Kopf geknallt hast!"
    B: "Was hätte ich denn bitte sonst sagen oder machen sollen??"



    Das ändert nichts an der Handlung als solche, aber an der daraus folgernden Konsequenz:
    Bei dem mit der PS hilft es nicht, ihm klar zu machen, dass er das falsche Werkzeug genommen hat, er muss überhaupt erstmal die anderen Werkzeuge kennenlernen.
    Er weiß ja gar nicht, dass es die gibt. (Und dummerweise ist das keineswegs einfach, oftmals sogar gar nicht mehr möglich, was wiederum zu anderen Konsequenzen führt).

    Wer versehentlich das falsche genommen hat, wird aufgrund der eigenen Erkenntnis künftig bewusst auf solche Situationen achten und anders handeln.

    Der aus dem ersten Beispiel würde es genauso machen wie sonst, weil es ihm egal ist.

    Der Dritte würde es auch wieder so machen, vielleicht sogar schlimmer, weil er gar keine Wahl hat und nicht weiß, wie sonst er reagieren könnte.
    Er versucht sich zu schützen, denn er hat keine andere Wahl.

    Das ändert nichts an dem Ergebnis des eigenen Tuns und noch weniger an dem, was anderen damit, in welcher Form und welchem Ausmaß auch immer, zugefügt wurde und entschuldigt auch nichts davon, in keinster Weise.

    Aber wenn ich ein eigenes, sehr persönliches Beispiel anbringen darf:
    Meine Mutter, mein Bruder und ich haben sehr viel Gewalt seitens meines Vaters erfahren.
    Sowohl körperlich, als auch nicht weniger, wenn nicht sogar mehr, seelisch
    Da reden wir nicht von der damals üblichen "Tracht Prügel".
    Da wurde auch vor Kleiderbügeln, Gürteln und sonstigen gerade zur Verfügung stehenden Gegenständen gebrauch gemacht und da wurde meine Mutter auch durchaus schon mehr als einmal krankenhausreif geschlagen.

    Sowohl mein Bruder, als auch meine Mutter haben sich von ihm abgewandt und ich spüre bis heute diesen Hass in ihnen.
    Zu Recht!

    Ich habe mich anders entschieden und den Kontakt später wieder aufgenommen und bis zu seinem Tod gehalten.
    Sehr viele Jahre später haben wir auch immer wieder darüber geredet und besonders in dem Jahr, als ich meine ADHS Diagnose erhielt, wurde mir und uns mehr und mehr klar, dass ich meine ADHS von ihm habe.
    Er hat einen Musterlebenslauf eines AHDS'lers.
    Mit Narzissmus und vielleicht sogar Bordeline.
    Der erste Hinweis fand sich in seinem ersten Grundschulzeugnis aus dem Jahre 1942/43 "Fliegerlein Sen. ist zu unruhig"
    (Name vom Autor geändert)

    Nach vielen Jahren hat er gelernt und erkannt, was schief gelaufen ist, was er hätte anders tun können, aber eben auch nicht konnte.
    Ich habe für mich entschieden, dass sein Handeln in sehr vielen Fällen von den Krankheiten gesteuert war, er konnte gar nicht anders.
    Das ändert nichts an dem Schaden, den er angerichtet hat und u.a. wegen dem ich jetzt in der Situation bin, in der ich bin.
    Ich habe erlebt, wie sehr ihm das alles leid getan hat, nachdem er es, durch die Hilfe anderer, erkannt hat und den Schaden plötzlich wahrnehmen konnte.
    Er hat auch früher einiges davon erkannt, konnte aber sein Handeln dennoch nicht steurn, weil er als ADHS'ler eben keine oder nur kaum eine Impulskontrolle hatte, der Affekt hat sein Handeln bestimmt, nicht der Verstand.

    Für mich hat das eine grundlegend andere Bedeutung, denn ich weiß, dass sein Handeln zwar mich getroffen hat, aber nicht gegen mich gerichtet war, nicht wissentlich oder absichtlich, das war ihm nicht bewusst.
    Das entschuldigt nicht sein Handeln, aber meinen Umgang mit den Konsequenzen.
    Daher:

    abgesehen davon halte ich jegliche Art von Angriff sei es verbal oder körperlich für indiskutabel. Da muss ich auch kein Verständnis für erwarten.
    ... bin ich da hin- und hergerissen, denn auf der einen Seite gebe ich Dir vollkommen Recht, auf der anderen Seite hat mir das Verständnis des Ganzen auch eine andere Sichtweise und damit eine ganz andere Möglichkeit der Verarbeitung gegeben.

    Und viele ADHS'ler tun und sagen Dinge, die sie gar nicht tun wollen, eben wegen einer neurologisch bedingten mangelnden Impulskontrolle.
    "Even the smartest Guys do stupid things"
    Selbst die schlauesten und intelligentesten ADHS'ler machen blöde Sachen.

    Ich denke, dass gerade wir Verständnis bitter nötig haben.
    Frei von Bewertung, verstehen und helfen, damit umzugehen.

    Puh, ... das war mal wieder ein sehr langer und diesmal auch sehr persönlicher Text, ... ich hoffe nur, dass wer ihn bis hierher geschafft hat, nicht denkt, dass ich damit schlechts Handeln entschudligen will.
    Simönches Beispiel macht mir gerade sehr zu schaffen und hat mich sehr betroffen gemacht.
    Das ist nicht entschuldbar.
    Aber vielleicht kann mein Posting helfen, solche Dinge für sich anders zu verarbeiten.
    Das ist echt harter Tobak und ich habe mir lange übelegt, ob ich das hier alles nach ihrem Posting überhaupt schreiben kann, soll oder darf.

    Ich hoffe, es war in Ordnung und ich habe niemanden, vor allem Dich Simönchen, nicht vor den Kopf gestoßen.

    Liebe Grüße
    Marcus

  9. #149
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 207

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    Ich finde das was du schreibst sehr gut, da du Meinungen nicht verurteilst sondern sachlich reflektierst und nicht persönlich wirst, dafür danke ich dir .

  10. #150
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: ADS / ADHS und Narzissmus / Narzisstische Persönlichkeitsstörung

    sascha36 schreibt:
    Sehr gut geschrieben, auch meine Meinung , trotzdem bin ich nicht kontraproduktiv.
    Ich habe nicht geschrieben, dass du kontraproduktiv bist. Ich habe geschrieben, dass ich diese eine Verhaltensweise von dir (dass du über dich selber ein Urteil fällst) für kontraproduktiv halte.
    Es geht nur um dieses eine Verhalten, nicht um deine ganze Person. Und ich habe auch nicht gesagt, dass du so bist, sondern ich habe dir mitgeteilt, wie dein Verhalten bei mir ankommt. Ich kenne dich nicht, ich kann daher auch nicht sagen, wie du bist. Ich kann nur sagen, wie dein Verhalten bei mir ankommt.

    Das kommt bei ADHSlern leider sehr häufig vor, dass sie Kritik nicht auf das eigene Verhalten beziehen, sondern gleich auf die gesamte Person. Und damit werten sie sich als Person komplett ab.
    Aber nicht nur sich selber gegenüber verhalten sich ADHSler so, sondern auch bei ihren Menschen werden einzelne Fehler bzw. vermeintliche Fehler überdramatisiert und verkatastrophisiert.

    abgesehen davon halte ich jegliche Art von Angriff sei es verbal oder körperlich für indiskutabel. Da muss ich auch kein Verständnis für erwarten.
    Auch diese Ansicht geht für mich in genau diese Richtung.
    Ich denke, dass nicht jeder Angriff indiskutabel ist. Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand nach einem stressigen Arbeitstag zuhause seinen Frust verbal an seiner Partnerin auslässt und sich danach entschuldigt, oder ob Jemand seine Partnerin krankenhausreif schlägt und dann behauptet, dass die Partnerin das verdient hat.

    Bei letzterem würde ich mich sofort trennen, da gäbe es für mich keine Diskussion.
    Aber ersteres kann ich in einer Beziehung (auch in einer Freundschaft) aushalten. Und ja, ich habe da auch Verständnis für die Fehler und Schwächen meiner Mitmenschen. Und ja, ich erwarte auch von meinen Mitmenschen, dass sie Verständnis für meine Fehler haben. Das heißt nicht, dass ich erwarte, dass sie diese Fehler akzeptieren. Selbstverständlich meine ich damit eben nur solche eher "kleinen" Fehler.
    Für mich ist es wichtig, dass man in einer Beziehung darüber reden kann, dass sich der Partner, der den Fehler gemacht hat, dafür entschuldigt und dass er dann daran arbeiten, diesen Fehler nicht mehr zu machen. Wenn der gleiche Fehler immer wieder passiert und ich nicht erkennen kann, dass mein Gegenüber an sich arbeitet, dann habe ich kein Verständnis mehr. Und das ist für mich dann auch ein Grund die Beziehung oder die Freundschaft zu beeenden.

    Ich denke, dass man da sehr genau differenzieren muss. Und dass man anderen Menschen und auch sich selber Fehler zugestehen sollte. Ich bin keine Heilige, ich bin nicht perfekt und ich erwarte das auch nicht von anderen.

    Meiner Meinung nach sind einige Angriffe diskutabel und sollten in einer Beziehung auch ausdiskutiert und geklärt werden. Das gehört zu einer soliden Beziehung dazu. Meine Welt geht nicht unter, wenn einer meiner Freunde oder mein Partner mal seinen Frust verbal an mir auslässt. Darüber kann man reden. Da kann man sich entschuldigen. Das kann man klären. Man kann an sich arbeiten. Und solche Fehler sind menschlich und vollkommen normal.

    Eher war es ein Schritt nach vorne aus dem Schutz der Krankheit ADHS herauszugehen und zu sagen ich nehm mein leben jetzt selber in den griff und das was passiert ist allein ein Ergebnis meines eigenen Tuns.
    Ich finde deine Ansichten sehr extrem und rigide. Auf mich macht es den Anschein, dass es bei dir nur alles oder nichts, schwarz oder weiß, gut oder böse gibt und nichts dazwischen.

    Ich sehe es so, dass es Dinge gibt, die ich nicht kontrollieren kann. Ich kann nicht alles beeinflussen. Und ich kann mich selber auch nicht permanent und ständig unter Kontrolle haben. Das halte ich für ungesund.
    Sicher lenke und steuere ich mein Leben. Aber ich bin nicht alleine auf dieser Welt. Und manchmal ist es so, dass Dinge passieren, auf die ich keinen Einfluss habe. Das ist für mich in Ordnung so. Ich setze mich nicht mehr so unter Druck. Manche Dinge lasse ich einfach zu, ich lasse sie einfach geschehen. Und ich kann mittlerweile auch die Kontrolle abgeben. Ich muss auch nicht mehr alles im Griff haben. Ich bin nicht perfekt. Ich mache Fehler. Ich arbeite an mir. Das ist OK so. Ich bin OK so.

    Meine ADHS gehört zu mir. Das habe ich mittlerweile größtenteils akzeptiert. Und ich sage mir selber auch ganz bewusst, dass manche meiner Verhaltensweisen ADHS-bedingt sind. An meinen Defiziten bin ich nicht schud, dass macht die ADHS. Für mich ist das sehr wichtig gewesen, dass ich erkenne, dass ich diese Defizite habe und dass ich dadurch Schwierigkeiten habe, die andere Menschen nicht haben. Und da gibt es eben auch Defizite, die ich (momentan) nur schwer oder teilweise auch gar nicht kompensieren kann. Und dass ich da eben eingeschränkt bin und die Hilfe und Unterstützung meiner Mitmenschen brauche und auch deren Verständnis.
    Ich weiß, dass ich mir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren einige neue Kompensationsmethoden aneignen werde, damit ich besser im Leben klarkomme. Aber das braucht seine Zeit. Ich arbeite an mir, jeden Tag. Aber manche Dinge sind eben einfach so wie sie sind. Und manche Dinge kann ich (momentan noch nicht) ändern.

    Diese Einstellung und Vorgehensweise ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, die habe ich aus Nancy Rateys Selbstcoaching-Buch für ADHSler. Nancy Ratey ist selber ADHSlerin und hat in den USA das Coaching für ADHSler mitentwickelt und etabliert.

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