Auch ich war einige Jahre (ca. 7) abhängig und dachte, es wäre gar nicht so schlimm. Harte Sachen habe ich nicht getrunken, "nur" Bier und Wein, in der Endphase allerdings auch schon vormittags (wenn ich nicht arbeiten musste). Dass ich schon körperlich abhängig war, merkte ich erst so:

Mir ging es vor einigen Jahren psychisch so schlecht, dass ich mich selbst in eine Psychiatrie einwies, ohne aber zuvor jemals eine Diagnose bekommen zu haben, dass ich dieses oder jenes hätte. Ich konnte einfach nicht mehr und wusste, ich brauche Hilfe.
Na ja, meine "Selbsteinweisung" kam auch dadurch zustande, weil es - wie ihr wisst - nicht so einfach ist, einen Therapeuten zu finden, der einem helfen kann. Einen Klinikplatz bekam ich damals aber recht schnell. In der Klinik angekommen zeigten sich ab Abend des Aufnahmetages Entzugserscheinungen (ich wusste zuerst gar nicht, was mit mir los war) und ich wurde zum körperlichen Entzug in ein Krankenhaus gebracht. Ich war geschockt, dass ich nicht mehr einfach so mit dem Alkohol aufhören konnte.

Aber die ca. 10 Tage Entgiftung haben mir gereicht, um dem Alkohol fern zu bleiben. Ich habe also keinen Therapeuten oder eine Fachklinik für Alkoholkranke gebraucht. Aber es war verdammt schwer! Dass ich dem Alkohol fern geblieben bin, ohne nach dem Entzug eine Therapie gemacht zu haben, ist wohl die Ausnahme. Macht mich aber stolz. Ansonsten bin ich auch auf kaum etwas (eigentlich nichts...) stolz.

Geholfen hat mir eigentlich nur mein eiserner Wille. Ich wusste gar nicht, dass ich so etwas habe - aber jetzt weiß ich es. Schade, dass ich erst durch meine Alkoholkrankheit von meinem eisernen Willen erfahren habe.

Alkohol habe ich übrigens getrunken, weil ich eine soziale Phobie habe und ich unter Leuten durch Alkohol endlich so sein konnte, wie ich sein wollte. Es sei denn natürlich, ich hatte zu viel gesoffen...
Seit ca. 2 Jahren bin ich wegen meiner sozialen Phobie in ambulanter Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten. Dieser hatte irgendwann die Vermutung ich könnte AD(H)S haben und riet mir, einen Spezialisten für Erwachsene mit AD(H)S aufzusuchen. Der wiederum stellte neben ADS auch noch fest, ich hätte Neurasthenie. Immer wieder was Neues.

(Mittlerweile stellt sich mir die Frage, was bei mir als 1. da war: Die soziale Phobie oder ADS.)