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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5

    Unglücklich Meine Geschichte....

    Hallo liebe Community,

    ich vermute ADS zu haben und wollte endlich einmal meine Gedanken zu Papier bringen und mich euch mitteilen. Ich hoffe der lange Text schreckt euch nicht ab.


    Ich bin 27 Jahre alt und studiere BWL/VWL in Stuttgart.


    Privat:

    Privat sagt man mir nach ein Einzelgänger zu sein. Ein Aussenseiter war ich jedoch nie. Immer beliebt, immer mittendrin. Ich bin seit ich denken kann verrückt nach Sport und Musik. Mein „Zustand“ schränkt mich sozial in keinster Weise ein. Keinerlei Probleme in der Familie, bei Freunden oder Frauen.

    Dennoch hatte ich noch nie in meinem Leben das Gefühl wirklich geerdet zu sein. Immer war da diese seltsame Unsicherheit. Habe schon immer das Gefühl gehabt meine Umgebung viel intensiver wahr zu nehmen als die Anderen, emotionaler und nachdenklicher zu sein. Viele Menschen kommen mir vor als liefen sie mit Scheuklappen auf den Augen durch ihr Leben. Es ist schwer zu beschreiben wieso ich das so empfinde. Mir scheint es als würde ich vielschichtiger und intensiver Denken. (Damit meine ich nicht, dass ich intelligent bin und alle anderen dumm, bitte nicht falsch verstehen
    )

    Würde mein Alltag es zulassen könnte ich den ganzen Tag damit verbringen auf

    meiner Bettkante zu sitzen und nachzudenken. Über alles und nichts. Ich kann nicht aufhören nachzudenken. Wirklich abschalten kann ich nur im Schlaf.

    Ich beneide die Menschen, die sich einfach nur hinsetzen und ihren Aufgaben nachgehen. Was würde ich nicht alles geben so zu sein... Aus dem Thread über „Positive Eigenschaften von ADS’lern“ in diesem Forum treffen 90% der Eigenschaften absolut auf mich zu.



    Schule:

    Ich war nie besonders gut in der Schule. Ich habe nie Hausaufgaben gemacht oder mich hingesetzt und gelernt. Ich bin 2 Mal sitzengeblieben. Das erste mal in der siebten Klasse. Rückblickend scheint es so trivial. Ich habe in den „bedeutenden“ Fächern wie Deutsch, Mathe und Englisch keine Probleme gehabt. Sitzengeblieben bin ich wegen den „Auswendiglernfächern“ Biologie und Erdkunde.

    Selbst unter großem Druck schaffte ich es nicht mich hinzusetzen und was zu tun. Habe Fächer am Tag der Abiturprüfung (!!), morgens zum ersten mal angeschaut. Irgendwie hat es dann doch für das Abitur gereicht. Schlechter Durchschnitt (3,3) aber immerhin Abi dachte ich mir damals.



    Universität:

    Die ständige Nachdenkerei kombiniert mit meiner Unfähigkeit mich auf nur eine Sache zu konzentrieren macht mich fertig. Ich habe bereits ein Studium abgebrochen und bin auch in diesem Studium sehr schlecht. Mich macht es deswegen fertig, weil ich nicht einer derjenigen bin, die nichts tun und schlechte Noten kriegen, sondern weil es trotz meiner strengen Disziplin und Hingabe nicht klappt.

    Ich habe viele Bücher über die verschiedensten Lerntechniken gelesen. Ich plane und strukturiere den Stoff gründlich, nehme mir genug Zeit, eliminiere jede potenzielle Ablenkung. Wenn ich dann jedoch vor den Unterlagen sitze schaffe ich es einfach nicht bei der Sache zu bleiben. Ich schweife ständig ab. Gefangen in scheinbar unendlichen Assoziationsketten.


    Um die gleiche „Menge an Wissen“ zu lernen brauche ich gefühlt drei bis vier mal länger als meine Kommilitonen. Dies zehrt sehr an meiner Kraft und belastet mich auch psychisch. Ich mache mir andauernd Sorgen wegen der Uni. Ich stand schon zwei/drei mal kurz davor exmatrikuliert zu werden. Natürlich sagen jetzt welche, dass ich mich nicht auf das Wesentliche konzentrieren kann, weil ich Angst habe zu versagen. So empfinde ich es aber nicht, weil das schon immer so war. Lange vor der Angst exmatrikuliert zu werden.



    Diagnose:

    Vor ca. einem halben Jahr habe ich mich entschieden der Sache auf den Grund zu gehen. Ich habe es satt gehabt nicht zu wissen was mir fehlt. Ich bin zwar kein großer Fan von Medikamenten (wer ist das schon?!), aber auch mit diesem Gedanken habe ich mich angefreundet. Hauptsache ich kriege das endlich in den Griff. Es belastet mich so sehr nicht das heraus zu kriegen was ich hineinstecke.
    Also hin zum Hausarzt. Nach einem Blutbild, EKG und EEG konnte er mir auch nichts sagen. Überweisung zur Neurologin. Wieder nichts. Dann habe ich im Internet viel zum Thema gelesen und war verblüfft, dass es doch so vielen Menschen wie mir geht. Es folgte eine Überweisung zur „Memory Clinic“ des Bürgerhospitals Stuttgart, da es dort ADS-Tests gäbe. Die Dame am Telefon sagte dann, dass der Test nicht von der Krankenkasse übernommen werde und ich die 500 Euro (!!) selber bezahlen müsste. Da ich als Student, finanziell praktisch chronisch am Abgrund stehe kann/konnte ich den Test dort nicht machen.

    Überweisung zu einer Psychologin. Sie hat meinen Fall zum Glück ernster genommen als die Ärzte zuvor. Wir haben es erfolglos mit diversen Medikamenten probiert. (Cipralex, Elontril, Edronax...). Ich sprach dann das Thema Ritalin an, worauf meine Ärztin überhaupt nicht gut reagierte, da sie gelesen habe, dass Ritalin zur „Modedroge“ mutiere und sie selber auch schon einen Patienten hatte der süchtig wurde. Als ich ihr versicherte, dass es mir wirklich um die Heilung meiner vermuteten Krankheit ginge, willigte sie das nächste mal ein und verschrieb mir Concerta 36mg (Retard).


    Heute habe ich es zum ersten Mal genommen. Ich konnte mich definitiv länger konzentrieren. Habe natürlich nicht durchgepowert, sondern regelmäßig Pausen gemacht. Nach vier/fünf Stunden viel ich regelrecht in ein Loch. Konzentration und Laune im Keller. Meine gute Laune von zuvor war weg und ich wollte nicht einmal mehr mit meinem Lernpartner reden. Wurde total schlapp. Die zuerst leichte Übelkeit wurde etwas schlimmer, klang nach dem Essen aber wieder ab. Habe es dann für heute gelassen mit dem Lernen.


    Ich zweifle etwas an der Kompetenz meiner Ärztin, weil ich eher den Eindruck habe, ihr geht es darum sich im „Zweifelfall“ nicht vor irgendjmd rechtfertigen zu müssen warum sie mir das Medikament verschrieben hat, anstatt zu versuchen mir zu helfen.


    Laut vielen Foreneinträgen beginne eine solche Behandlung üblich mit kleinen unretardierten Dosierungen von Ritalin. Dementsprechend bin ich verunsichert.


    -----------


    Was könnt ihr mir als „ADS-Neuling“ raten?

    Sollte ich die Ärztin wechseln? Ist eine richtige Diagnose wirklich so teuer? Kann ich keinen „gewöhnlichen“ Arzt aufsuchen der auf ADS spezialisiert ist ohne so viel Geld investieren zu müssen?

    Vielen Dank für jeden Beitrag.

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 34

    AW: Meine Geschichte....

    hallo KingJames,
    deine Geschichte hat viele Parallelen mit meiner.

    Gut, in der Schule hatte ich kaum Probleme, obwohl ich weder gelernt noch großartig Hausaufgaben gemacht hatte.
    Meine größten Probleme lagen und liegen hauptsächlich in der "Ordnung" und in den mündlichen Prüfungen. Das sog. "Black-out" schlug jedesmal zu.

    Abi-Prüfung Geschichte wäre ich mündlich fast durchgefallen. Zum Glück hat der Lehrer meine Aufzeichnungen von der Prüfungsvorbereitung gelesen - da stand fast alles drauf. Bin ich nochmal davongekommen, dank dem Lehrer.

    Habe WiWi studiert (Wirtschaftswissenschaften). Habe glatte 7 Jahre dazu gebraucht. Gut, bin zwischendurch mal "abgewickelt" worden, aber habe trotzdem ein Hauptfach - mündlich - ganz geschmissen (das Vakuum im Kopf war wieder da); ein anderes grade so bestanden (weil der Prof. ein einsehen hatte und ich mir dann ein Thema aussuchen durfte). Die Diplomprüfung habe ich dann "erfolgreich" mit 4.0 wiederholt (ab 4.1 biste raus).
    Die letzte Möglichkeit, mein Diplom zu versemmeln habe ich dann auch fast noch war genommen: Die Verteidigung meiner Diplomarbeit (wieder mündlich). Schriftlich gut, mündlich katastrophe.

    Zum Glück hat sich mein damaliger Chef nicht um Zensuren geschert, sondern hauptsächlich darum, wie passe ich als Mensch in die Truppe. Bin jetzt seit 10 Jahren bei der Firma (nur der Chef hat gewechselt - altersbedingt). Die Arbeit macht mir - meistens - Spaß; komme mit Kollegen und Mandanten gut aus und meistens auch mit dem - neuen - Chef. Der macht nur manchal solche Bemerkungen wie - beseitigen sie mal das Chaos in ihrem Kopf - oder: räumen Sie mal Ihr Tobit (firmeninternes I-Net) auf....

    Fazit: ich habe zwar meine Möglichkeiten nicht ausgeschöpft - was ich eigentlich nicht wirklich bedaure, bin aber meinen - beruflichen - Weg gegangen.

    Da ich selbst noch nicht diagnostiziert bin, kann ich dir auf deine Fragen leider keinen Rat geben; bin jedoch selbst auf die anderen Antworten gespannt. Kann mir allerdings vorstellen, dass ich ähnliche Probleme bekommen werde.

    VG twins-mam

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 10.928

    AW: Meine Geschichte....

    Hallo KingJames

    Es tut mir leid,dass es auch für dich so schwer ist einen geeigneten
    Arzt zu finden.

    Ich habe es in kauf genommen die 600.- für den Test bei
    einem privaten Psychologen zu zahlen.

    Da es in Tübingen für erwachsene keinen therapeuten gibt
    der von den kassen gezahlt wird.

    Wenn du dir so unsicher bist mit deiner Therapeutin
    frag doch bei anderen nach
    oder informiere dich doch bei einer selbsthilfegruppe.
    Die haben bestimmt erfahrungen damit.


    Ich finde mich in deinem text wieder.

    Auch mir ging und ergeht es so,
    dass ich das gefühl habe,
    dass andere anders fühlen,denken,
    mit scheuklappen durch das leben laufen.

    Lernen war immer der absolute alptraum für mich.

    Und entspannen kann ich mit jedem lebensjahr weniger.

    Ich bin noch nicht soweit wie du.
    Bei mir wurde die diagnose erst zum teil erstellt
    und therapie hab ich noch keine begonnen.

    Bei dem sohn meiner freundin habe ich die vor-&
    nachteile von verschiedenen medis bei adhs miterlebt.

    Und ich habe mich schon vor monaten entschlossen,
    dass ich auf jeden fall medis in kompie mit therapie nehmen werde.

    Denn mein chaos wird mit jeder verantwortung grösser
    und wie gesagt entspannung ist ein luxus denn ich nur schwer finde.

    Alles gute für dich!

    liebe grüsse

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Meine Geschichte....

    @twins-mam: Genau die Sorgen habe ich auch. Irgendwann zu bedauern nicht früh genug gehandelt zu haben um mein potenzial besser auszuschöpfen.
    @butterblume: ich wünsche dir alles gute... hoffentlich klappt es bei dir.

    Ich möchte nach vier Tagen Concerta 36mg Einnahme jetzt einmal meine ersten Eindrücke schildern.

    Ich habe die Pille aufgrund meines Tagesablaufs ca. zwischen 10 und 12 genommen. Einen schlagartiges Einsetzen der Wirkung, wie ihn hier manche im Forum beschreiben, konnte ich überhaupt nicht bemerken. Das einzige, dass sich mit der Zeit einstellt ist "dieses Gefühl" im Kopf. Ich kann es nur schwer erklären. Vllt vergleichbar mit ganz ganz leichten Kopfschmerzen ohne dass es weh tut. Ich spüre es, aber es ist nicht wirklich unangenehm.

    Ob meine Konzentration sich nun wirklich verbessert wird sich ab heute zeigen, da ich bis heute kein fach gelernt habe, dass ich mich wirklich fordert. Ich kann länger sitzenbleiben ohne den innerlichen drang zu spüren schneller aufstehen zu müssen.

    Beobachtete Nebenwirkungen:

    - Ich hatte nie zuvor Probleme mit dem Schlaf. Seit dem Tag der ersten Einnahme habe ich trotz Müdigkeit nicht wirklich das Bedürfnis zu schlafen. Hört sich komisch an. Fühlt sich auch so an.
    Früher habe ich mindestens 8,5h gebraucht um richtig ausgeschlafen zu sein. Seit dem Sonntag kann ich schwerer einschlafen und mich seltsamerweise morgens auch nicht "zwingen" länger zu schlafen.

    - Ich hatte immer einen sehr gesunden Appettit (um nicht zu sagen ich war ein Vielfrass). Seit dem Sonntag ist mir ständig flau im Magen. Manchmal nur ganz leicht spürbar. Gegen Ende des Tages kann man das aber schon Übelkeit nennen. Ich merke auch, dass ich Hunger habe, habe aber keinen Appetit. Und wenn ich mich dann zwinge etwas zu essen kann ich nur wenig essen.


    Mein Tagesempfingen:


    - Bis ca. 14:30 / 15:00 Uhr läuft es gut und komplett ohne körperliche Auffälligkeiten.
    - Dann setzt mein Hunger ein. Ich zwinge mich etwas zu essen und setze mich nach der Pause wieder an die Arbeit.
    - Dies läuft bis ca. 17:00 / 17:30 Uhr gut. Dann kommt, dass für mich schlimmste der ganzen Geschichte. Wie im ersten Post beschrieben gehts dann mit allem extrem tief in den Keller. Konzentration, Laune, allg. Wohlbefinden.
    - Das muss wohl dieser Rebound-Effekt sein von dem viele berichten. Danach bin ich wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen. Wenn ich mich dann total schlapp nach Hause geschleppt habe habe ich nicht mal mehr Nerven mich mit meiner Familie zu unterhalten. Ich will einfach nur noch die Tür zu machen und in Ruhe gelassen werden.
    - Diese Schlappheit hält ca bis 22 Uhr an und dann gehen die oben beschriebenen Tiefs wieder weg.


    Ich weiss nicht ob es nun den Effekt mit sich bringt den ich mir erhofft hatte. Ich habe gelesen Concerta soll 10-11 Std wirken. Laut meinen Beobachtungen wirkt es bei mir nur 7-8 Std. Kann man daraus und aus den Anhaltspunkten oben auf eine falsche Dosierung schließen? Oder ist sogar das Präparat das falsche?

    Wie ist es eigtl mit Concerta. Wirkt es ab dem ersten Tag mit voller Wirkung oder muss man es auch wie andere solcher Medis mehrere Wochen nehmen damit es seine komplette Wirkung zeigt?

    Liebe Grüße

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 25

    AW: Meine Geschichte....

    Hallo!

    Dies hab ich an anderer Stelle in diesem Forum aus einem Thread kopiert, vielleicht hilft es dir weiter ...

    LG, Krätzchen


    AW: Psychologisches Institut Stuttgart?? Anlaufstelle Umgebung
    hallo mokuren,

    also den neurologen in schwäbisch gmünd kann ich dir nur wärmstens empfehlen. er ist auf ads/adhs im erwachsenen alter spezialisiert. mit dem termin ist das so ne sache, hast ne warte zeit bis zu 3 monaten, am besten machst gleich einen termin aus

    wenn du sonst noch infos benötigst, kannst mich gerne per pn anschreiben

    lg
    heinzi

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