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Diskutiere im Thema Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #31
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 365

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Hallo Alice,

    danke für deine ausführlichen Erläuterungen.

    U.a. schriebst du:

    alice_s schreibt:
    Ich glaube, dimensional und dynamisch ist durcheinandergeraten? Oder habe ich ungenau gelesen? Ich würde das ADHS an sich gar nicht so sehr für dynamisch (im Sinne von veränderlich über die Lebensspanne) halten, sondern die Auswirkugnen im Leben (die natürlich diagnoserelevant sind, insofern verstehe ich dich wahrscheinlich schon, es ging ja um Diagnosestellung.)
    Ja, so hatte ich es gemeint: Nicht, dass sich die ADHS einer Person an sich im Laufe des Lebens verändert, sondern die Auswirkungen. Danke fürs Rückfragen.

    alice_s schreibt:
    Ich arbeite u.a.gerne mit einem Diagnose-Instrument namens ADHS-LE, in dem der Unterschied zwischen subklinisch und klinisch signifikant gut ersichtlich wird, und zwar für jede Skala (derer es sieben gibt incl. Aktivität, Aufmerksamkeit, Impulsivität), und zwar als signitifkant= auffällig aber sublinisch bzw. hochsignifikant=klinisch auffällig abweichend.
    Wäre meine Ausgangsfrage: Bliebe subklinisch subklinisch (bzw. klinisch eben klinisch) über die Lebensspanne oder hinge das vom Leidensdruck bzw. von den konkreten Auswirkungen in der jeweiligen Lebensphase ab?

    Viele Grüße

    Addy


    tusnelda schreibt:
    OT: doch.
    Martin Winkler zuletzt und für jeden hörbar in seinem Vortrag auf dem Münsinger Symposium, Cordula Neuhaus laut Ohrenzeuge während eines ihrer Seminare.
    Ah, Ok. Das wusste ich noch nicht.
    Haben sie denn auch gesagt, bei wem sie die Diagnostik gemacht haben?*






    * Und jetzt bitte nicht Neuhaus bei Winkler und umgekehrt!

  2. #32
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 591

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Yasmine schreibt:
    Daran merkt ein Patient, ob sein Therapeut an ADS leidet oder nicht!
    Oh Mist, ertappt...

    *explorieren*
    Explodieren kommt nicht so gut an

  3. #33
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 591

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Yasmine schreibt:
    Ein Psychiater oder Psychologe, der nur 15-30 Min Zeit hat, kann das m.E. nicht schaffen.

    Wobei hier das Ausfüllen von ADS spezifischen Fragebögen dem Diagnostiker wahrscheinlich schon gut Anhaltspunkte geben könnte.
    Das coole als Psychotherapeut ist: Du hast deutlich mehr Zeit. Mehrere Termine je 50 Minuten, je nach Bedarf (es gibt sicher eine Grenze, aber je na Diagnoseanliegen). Diagnostik-Termine können nich so gut abgerechnet werd wie Psychotherapie-Sitzungen, aber schon okay.

  4. #34
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 591

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Yasmine schreibt:
    Dein explorierendes Verhalten würde ich als "musterhaft" bezeichnen.
    ...
    Aber ich glaube, jemand, der nur oberflächlich von ADS gehört hat, nicht weiß, dass Affektlabilität ein Symptom sein kann, wird grundsätzlich bei depressiven Patienten nicht nach ADS Symptomen fragen.
    Danke! Ich "leiste" mir das, weil ich es wichtig finde.

    Es stimmt, was du schreibst, viele haben wenig Ahnung.

    Ich habe selbst mal eine Kollegin infomiert, nachdem wir in einer Gruppensupervision damit zu tun hatten. Sie hat sich eingearbeitet und hinterher bei einem ihrer Patienten, bei dem es nie voranging, obwohl er motiviert war, und sie wusste einfach nicht, wo das Problem lag, eine eindeutige ADHS-Diagnose stellen können. Allein die Biografie war ein Musterbeispiel. Wir fanden das beide sehr cool. Ich hab von ihr was über Zwänge gelernt, wo ich wenig weiß, einfach, weil ich noch nie einen Zwangspatienten hatte. Aber: Zwangsstörungen kommen im Ausbildungscurriculum vor, adultes ADHS nicht.

    Ich bin der Meinung, ein Screening-Instrument für ADHS (= kurzer Fragebogen über die gesamte Symptombreite --> und man je nach Ergebnis ggf. genauer rangehen) gehört in jede Probatorik (neben der Anamnese und der Exploration versteht sich ) wie es für praktisch alle anderen Störungen Usus ist. Bis jetzt unüblich, obwohl es mehrere gute gibt, z.B. den ADHS-E, der genau dafür entwickelt wurde und sehr gut diskriminiert. Eine Seite Fragen, schnell bearbeitet, schnell ausgewertet.

    Na ja, ich denke das wird kommen. Ich arbeite jedenfalls darauf hin

  5. #35
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 591

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Zu subklinisch vs. klinisch auffällig: Seid ihr mit der Normalverteilung vertraut? Wie z.B. beim IQ? Beim IQ ist der Mittelwert 100, ab 115 (Mittelwert + eine Standardabweichung) spricht man von überdurchschnittlicher, ab 130 (Mittelwert + 2 Standardabweichungen) von hoher Intelligenz (Hochbegabung), ab 145 von sehr hoher (Höchstbegabung), analog nach unten (100 -15; 100-30; ...).

    Zwischen 85 und 115 ist der sog. Normbereich, da sind die meisten Individuen anzutreffen (68 irgendwas Prozent, soweit ich weiß), über 130 nur 2,2 %, die Verteilung wird üblicherweise mit der Gaußschen Glockenkurve dargestellt.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Intelligenzquotient

    Jut. Viele psychische Merkmale oder Merkmalskombinationen weisen eine solche Verteilung auf, dann werden die Testinstrumente so normiert.

    Der ADHS-LE ist ein gutes Beispiel: Er umfasst sieben Skalen, Aufmerksamkeitssteuerung, Unruhe & Überaktivität, Impulskontrolle & Disinhibition, Emotion & Affekt, Stresstoleranz, Extraversion, Retrospektive Angaben.

    Normbereich ist für alle Skalen T-Werte (= statistische Kennwerte, die aus den Rohwerten abgeleitet werden) zwischen 40 mg 60 (bei einem Mittelwert von 50 und Standardabweichung von 10.

    In diesem Falle gelten Werte ab 60 als auffällig (subklinisch), aber erst Werte ab 70 als hoch auffällig (klinisch).

    Je nachdem wie sich sich Werte für die einzelnen Skalen verteilen, habe ich dann ein

    - durchgängig klinisch auffälliges Bild,
    - ein gemischtes Bild (z.B. lauter Werte über 70, aber etwas darunter für Unruhe & Überaktivität und Extraversion, so könnte das beim vorrangig unaufmerksamen Typus sein),
    - ein subklinisch auffälliges Bild (d.h. die meisten Werte zwischen 60 und 70, breite Tendenz in Richtung ADHS)
    - oder so gemischte und viele Normwerte, dass ein ADHS kaum wahrscheinlich ist, obwohl z.B. Affektlabilität und Aufmerksamkeit auffällig sind. Derjenige hat vielleicht eher eine Depression oder so, was ich dann auch auch abkläre.

    Der ADHS-LE ist jetzt nur ein Instrument von mehreren, aber ich finde es dort recht anschaulich. Ist es das für euch auch geworden?

    Wenn ich diese Instrumente schon so ausführlich erwähne, hier mal die Referenz:

    *******, S. (2009): Konstruktion, Validierung und Normierung des ADHS-Screening für Erwachsene: Die psychometrischen Eigenschaften der Fragebögen ADHS-LE und ADHS-E. Dissertation. Universität Bremen

    Sören ******* ist ein renommierter ADHS-Experte, der sich viel mit ADHS über die Lebensspanne hinweg befasst hat und m.E. eine sehr vernünftige Auffassung vertritt, z.B. „ADHS wächst sich nicht einfach aus“ - adhibeo. Der Wissenschaftsblog der Hochschule Fresenius


    Leidensdruck oder Beeinträchtigungen kommen da erstmal gar nicht vor, die werden extra beurteilt. Ich fände es problematisch, wenn jemand ein durchgängig klinisch auffälliges Symptombild eines der drei Typen zeigt über die gesamte Diagnostik hinweg und dann wegen fehlendem Leidensdruck oder Beeinträchtigungen keine Diagnose gestellt werden soll. Andererseits landet so einer kaum in der Diagnostik.

    Ich hoffe übrigens, dass ich nicht völligen Schrott erzähle, ich check die Statistik nicht bis in den letzten Winkel, aber für die Anwendung und Interpretation taugts so.

    Zudem, dass es nicht zu umständlich ist, dazu neige ich leider.
    Geändert von alice_s (22.11.2017 um 01:53 Uhr)

  6. #36
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    alice_s schreibt:
    Das coole als Psychotherapeut ist: Du hast deutlich mehr Zeit. Mehrere Termine je 50 Minuten, je nach Bedarf (es gibt sicher eine Grenze, aber je na Diagnoseanliegen). Diagnostik-Termine können nich so gut abgerechnet werd wie Psychotherapie-Sitzungen, aber schon okay.
    Genau. Mit 5 probatorischen Sitzungen kann ein Psychologe schon mal eine Ahnung bekommen, ob ein AD(H)S vorliegen könnte oder nicht. Im Grunde ist dann egal, welche Diagnose auf dem Therapieantrag steht, Hauptsache, er erkennt die Störung relativ schnell und handelt dementsprechend.

    Meiner leidvollen Erfahrung nach (2 abgebrochene ambulante Psychotherapien, 6 Wochen stationäre Therapie in einem psychosomatischen Krankenhaus) ist eine Therapie, die nur die Folgen dieser Störungen (Stimmungsschwankungen, Depression, Angst, usw.) berücksichtigt, aber nicht die Ursache, zum Scheitern verurteilt.

    Voraussetzung für eine Diagnose ist allerdings, das der Therapeut an die Möglichkeit einer AD(H)S von Anfang an denkt und GEZIELT nach AD(H)S Symptomen fragt. Wie vorher geschrieben, wurde ich nie danach gefragt und dachte selber bis vor ein paar Monaten nicht, dass manche Symptome eben an einer solchen Störung liegen könnten.

    Ebenfalls hat mich keiner gefragt, ob jemand in der Familie aufbrausend/cholerisch/impulsiv/ungeduldig war (mein Vater, dazu 2 Onkel, allerdings Brüder meiner Mutter). Mittlerweile vermute ich , dass AD(H)S bei meinem Vater vorlag, und wahrscheinlich bei meinen beiden Onkel und meinen beiden Cousins (Söhne der ersteren).

    Bei meinem Sohn (Diagnose mit 7 anhand von ADS Fragebögen, Beobachtungen im SPZ/Eltern-Arzt-Gespräche und Konzentrationstests) hat auch keiner nach AD(H)S Symptomen bei Verwandten des Kindes gefragt.. Dabei hat der Cousin (Sohn der Schwester meines Mannes) die Diagnose mit 10 Jahren bekommen, hat von Baby an (Schreibaby, Schlafstörungen) bis zum Erwachsenenalter typische Symptome gehabt , mein Mann, seine Schwester und ihr Vater haben auch eindeutige Symptome (Ungeduld, Impulsivität, chaotisches Organisationsverhalten, mein Mann ist dazu sehr aufbrausend) auch von Kindheit an.

    Daher halte ich eine Familienanamnese bei einer Erkrankung, die meist genetisch bedingt ist, für sehr sinnvoll für die Diagnostik. Dafür braucht man natürlich noch mehr Zeit und die haben viele Ärzte/Psychologen leider nicht.

  7. #37
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    alice_s schreibt:
    Danke! Ich "leiste" mir das, weil ich es wichtig finde.
    Super! Eine richtige Diagnose ist ja die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung!

    Es stimmt, was du schreibst, viele haben wenig Ahnung.
    Ich fürchte, die meisten Ärzte und Psychologen. Wobei ich recht überrascht war, als ich vor ein paar Monaten auf der Webseite des psychosomatisches Krankenhauses las, dass sie jetzt eine AD(H)S Gruppe haben. Als ich vor ein paar Jahren dort war, gab es keine, ich ging in eine Gruppe von Patienten mit rezidivierenden Depressionen und fühlte mich irgendwie deplatziert, ohne zu wissen, warum. Dort bekam ich übrigens die Diagnose Borderline, die AD(H)S relativ häufig bekommen (Ratgeber von Krause, "ADHS im Erwachsenenalter").

    Ich habe selbst mal eine Kollegin infomiert, nachdem wir in einer Gruppensupervision damit zu tun hatten. Sie hat sich eingearbeitet und hinterher bei einem ihrer Patienten, bei dem es nie voranging, obwohl er motiviert war, und sie wusste einfach nicht, wo das Problem lag, eine eindeutige ADHS-Diagnose stellen können. Allein die Biografie war ein Musterbeispiel. Wir fanden das beide sehr cool.
    Cool ist ein Euphemismus! Das ist ja wieder ein musterhaftes Verhalten, das ich leider bei vielen Ärzten/Psychologen bisher vermisst habe. Allein mein ex-HA hat meinen Verdacht auf AD(H)S bei mir ernst genommen und von ihm habe ich zum ersten Mal nach fast 50 Jahren Leiden Adressen von AD(H)S Ärzten bekommen (zum Glück habe ich bald einen Termin bei einem dieser Ärzte). Alle anderen haben mit den Achseln gezuckt (so mein bisheriger Psychiater), als ich diese Möglichkeit erwähnt habe. Ich war aber bis zum Termin mit dem AD(H)S Arzt ab, um die Diagnose meinem aktuellen Psychotherapeuten zu offenbaren, falls sie gestellt werden sollte. Bin dann sehr gespannt auf seine Reaktion!

    Ich hab von ihr was über Zwänge gelernt, wo ich wenig weiß, einfach, weil ich noch nie einen Zwangspatienten hatte.
    Das finde ich echt toll, dass Psychologen untereinander lernen können!

    Aber: Zwangsstörungen kommen im Ausbildungscurriculum vor, adultes ADHS nicht.
    Tja, da liegt wohl der Hacken. Und ADHS bei Kindern? ADHS kommt im med.Studium überhaupt nicht vor! Wem wundert es, wenn ein KIA dann Zeichen einer AD(H)S bei einem Kind nicht erkennen kann?

    Und was ich über ADHS von Erzieherinnen gehört habe, ist schlicht und einfach haarsträubend (Gesellschaft/Mutter ist Schuld, Mode-Krankheit, Ritalin = Droge, usw.).

    Ich bin der Meinung, ein Screening-Instrument für ADHS (= kurzer Fragebogen über die gesamte Symptombreite --> und man je nach Ergebnis ggf. genauer rangehen) gehört in jede Probatorik (neben der Anamnese und der Exploration versteht sich ) wie es für praktisch alle anderen Störungen Usus ist. Bis jetzt unüblich, obwohl es mehrere gute gibt, z.B. den ADHS-E, der genau dafür entwickelt wurde und sehr gut diskriminiert. Eine Seite Fragen, schnell bearbeitet, schnell ausgewertet.
    MEINE MEINUNG! Ich denke (vermute), ADHS kommt im Erwachsenenalter viel häufiger vor als bis jetzt vermutet und steckt relativ häufig hinter Depressionen/Stimmungsschwankungen, Borderline, BP, Drogenmissbrauch vor. Aber da viele (die meisten?) Therapeuten das nicht wissen, wird AD(H)S wahrscheinlich häufig übersehen und nicht behandelt.

    In der Psychosomatik waren auf unserer Station (ca 20 Patienten) 4 Eltern von Kindern mit AD(H)S [ 3 Kinder mit ärztlicher Diagnose, 1 Kind mit Verdacht von mir-daran ahnt man, welches Leid AD(H)S bei den Eltern verursacht.40% der Mütter erleiden irgendwann Depressionen]. 2 der Kinder (jungen Erwachsenen) waren Drogenabhängig (harte Drogen, ich glaube Cannabis und Kokain), einer war gerade an einer Überdosis verstorben. Bei dem einen Jungen lag eigentlich laut Mutter (meine Zimmernachbarin) keine AD(H)S Diagnose vor, aber im Laufe der 6 Wochen hat sie mir viel über ihren Sohn erzählt und ich bin davon überzeugt, dass beiden (Mutter und Sohn) an AD(H)S litten. Aber sie verließ das KH ohne AD(H)S Diagnose. Sie wurde übrigens in der Arbeit gemobbt.
    Na ja, ich denke das wird kommen. Ich arbeite jedenfalls darauf hin
    Echt? Bist du im ADHS-Deutschland.de Verein aktiv?

  8. #38
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 114

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Addy Haller schreibt:
    1. Wenn es verschiedene Ausprägungen von subklinisch bis klinisch gibt, wäre das Merkmal ADHS dann nicht dynamisch anstelle von statisch? Wäre dann der Leidensdruck nicht das einzig sinnvolle Kriterium für eine Diagnose?
    Es ist ein notwendiges Kriterium.

    Genauer gesagt nicht ist nicht Leidernsdruck das Kriteriums sondern eine Beeiträchtigung des Funktionierens (engl. functioning) im sozialen, beruflichen, schulischen oder privaten Bereich: "D: There must be clear evidence of clinically significant impairment in social, academic, or occupational functioning" (DSM4) bzw. "D: There is clear evidence that the symptoms interfere with, or reduce the quality of, social, academic, or occupational functioning" (DSM 5)

    Addy Haller schreibt:
    2. Wenn die Ungebungsbedingungen usw. (s.o.) ebenfalls eine Rolle spielen, wäre dann nicht auch der Leidensdruck dynamisch? Wäre es dann nicht möglich, dass aus subklinisch bei einem Kind klinisch beim Erwachsenen wird?
    Ja, ich denke, das ist möglich, genauso wie umgekehrt.

    Addy Haller schreibt:
    3. Und schließlich: Wäre dann nicht das Diagnosekriterium "Leidensdruck muss in der Kindheit vorgelegen haben" obsolet?
    Genau das scheint der Fall zu sein. Im DSM 5 heißt es "B: Several inattentive or hyperactive-impulsive symptoms were present prior to age 12 years." Also einige der unter Punkt A genannten Symptome müssen in der Kindheit aufgetreten sein, die unter Punkt D genannte Beeinträchtigung dagegen nicht.

    Im DSM 4 hieß es noch: "Some hyperactive - impulsive or inattentive symptoms that caused impairment were present before age 7 years." Auch hier bezieht sich das auf die unter Punkt A genannten Symptome. Es wird aber hinzugefügt, dass diese Symptome Beeinträchtigungen verursachen mussten, wobei nichts davon steht, dass diese behandlungsbedürftig (clinically significant) sein mussten, wie es im Punkt D, der sich auf die aktuelle Situation bezieht, beschrieben wird.

    Demnach konnte auch nach DSM 4 ein subklinisches ADHS klinisch werden.

    Quelle für die Zitate aus dem WWW ergoogelt:
    https://totallyadd.com/wp-content/up...c-Criteria.pdf
    https://images.pearsonclinical.com/i...teria_ADHD.pdf

  9. #39
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    alice_s schreibt:
    Zu subklinisch vs. klinisch auffällig: Seid ihr mit der Normalverteilung vertraut? Wie z.B. beim IQ? Beim IQ ist der Mittelwert 100, ab 115 (Mittelwert + eine Standardabweichung) spricht man von überdurchschnittlicher, ab 130 (Mittelwert + 2 Standardabweichungen) von hoher Intelligenz (Hochbegabung), ab 145 von sehr hoher (Höchstbegabung), analog nach unten (100 -15; 100-30; ...).
    Ein Kind mit einem Gesamt-IQ von 128 gilt also als hochbegabt (meine Tochter)?

    Ich wusste nicht, dass man bei einem IQ ab 145 von Höchstbegabung spricht. Mein Sohn hat ein IQ von 148 im sprachlichen Bereich, wurde aber als hochbegabt eingestuft, da sein IQ im mathematisch-logischen Bereich im überdurchschnittlichen Bereich liegt ( Gesamt-IQ über 130, aber unter 145, genaue Zahlen weiß ich nicht mehr).

    Hat diese Diskrepanz zwischen IQ im sprachlichen und mathematisch-logischen Bereich eine Bedeutung? Ist das bei AD(H)S Kinder häufig der Fall? Oder kann etwas Anderes dahinter stecken (die Psychologin meiner Tochter dachte an Asperger, mein Mann wollte aber unseren Sohn nicht testen lassen)?

    Bei meiner Tochter (die vom SPZ als überdurchschnittlich begabt eingestuft wurde) lag keine solche Diskrepanz vor (genaue Zahlen habe ich nicht mehr im Kopf).

    über 130 nur 2,2 %, die Verteilung wird üblicherweise mit der Gaußschen Glockenkurve dargestellt.
    Der Kinderpsychiater, der die HB bei meinem Sohn diagnostiziert hat (er war 9, die AD(H)S Diagnose bekam er 2 Jahre früher vom SPZ) meinte, dieser hohe IQ sei die Ursache für seine soziale Schwierigkeiten (Außenseiter). Er hat in der Tat mehr Kontakt mit Gleichaltrigen, seitdem er im Gymnasium ist. Mit 6 Jahren fragte ich ihn, ob er ein paar Freunde in seiner Klasse hätte, da antwortete er: "Nein, Mama, die anderen Jungs sind so doof, sie interessieren sich nur für Fußball und Autos". Er interessierte sich damals für Planeten, Vulkanen, usw und ich Doofie verstand nicht, dass dahinter eine HB stecken könnte.

    Im Nachhinein denke ich, dass beiden (ADS und HB) eine Rolle bei seinen sozialen Schwierigkeiten gespielt hat.

    Ich war übrigens auch bis zum Gym eine Außenseiterin, wurde in der Grundschule von den schlechten Schülern übel gemobbt, bis jetzt weiß ich nicht, woran es lag. Aber dieses Gefühl, intellektuell nicht auf der gleichen Wellenlänge wie die Gleichaltrigen zu liegen, hatte ich ein Leben lang. Irgendwie schwierig, wenn man ganz andere Interessengebiete (Psychologie, Medizin) hat und das Gefühl hat, die Anderen damit zu nerven/überfordern. Meine Tochter sagte mir übrigens vor Kurzem, sie verstelle sich oft vor anderen Menschen, stellte sich als "dummer" vor als sie ist, um nicht aufzufallen, ausgegrenzt zu werden. Ich vermute, da liegt einer der Schlüssel für ihre soziale Integration. Während ich diesen "Small talk" nur mit großer Mühe kann, bzw. solche oberflächliche Situationen inzwischen lieber vermeide.

    Der ADHS-LE ist jetzt nur ein Instrument von mehreren, aber ich finde es dort recht anschaulich. Ist es das für euch auch geworden?

    Wenn ich diese Instrumente schon so ausführlich erwähne, hier mal die Referenz:

    *******, S. (2009): Konstruktion, Validierung und Normierung des ADHS-Screening für Erwachsene: Die psychometrischen Eigenschaften der Fragebögen ADHS-LE und ADHS-E. Dissertation. Universität Bremen



    https://www.deutsche-digitale-biblio...N27/full/1.pdf



    Sören ******* ist ein renommierter ADHS-Experte, der sich viel mit ADHS über die Lebensspanne hinweg befasst hat und m.E. eine sehr vernünftige Auffassung vertritt, z.B. „ADHS wächst sich nicht einfach aus“ - adhibeo. Der Wissenschaftsblog der Hochschule Fresenius
    Toller Artikel!

    Die Kernsymptome Unaufmerksamkeit und auch Impulsivität bleiben bei ADHS im Erwachsenenalter bestehen, sie wirken sich dann auf die typischen Lebensbereiche des Erwachsenenalters aus. Dadurch treten viele zusätzliche Probleme auf, die im Kindesalter noch keine Rolle gespielt haben.

    Welche Probleme sind das?Die betroffenen Erwachsenen haben beispielsweise Schwierigkeiten, sich zu organisieren, den Alltag und den Beruf zu managen oder sich an Termine zu halten. Zudem kommen oft Probleme im Umgang mit Stimmungen und Emotionen hinzu. Viele Betroffene sind sehr sensibel für die Stimmung der Menschen um sie herum, haben aber gleichzeitig Probleme, eigene Emotionen in konkreten Situationen unter Kontrolle zu halten. Außerdem können sie weniger gut mit Stress im Alltag umgehen, man spricht in diesem Zusammenhang von erhöhter Stressintoleranz


    Auf den Punkt gebracht!
    Geändert von Yasmine (22.11.2017 um 12:19 Uhr)

  10. #40
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 809

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Yasmine, es freut mich sehr für dich, dass du endlich einen Termin bei einer auf AD(H)S spezialisierten Fachperson bekommen hast! Ich bin sehr gespannt, was dabei heraus kommt!

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