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Diskutiere im Thema Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #21
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    alice_s schreibt:
    Nun ja, es hat ja auch keiner gesagt, dass der Kinderarzt dafür die richtige Fachperson ist.
    Das wusste ich aber als junge Mutter, die vorher keine Ahnung von ADS hatte, leider nicht. Von SPZ habe ich erst gehört, als meine Schwiemu mir offenbarte, der Cousin meines Sohnes habe im SPZ die Diagnose "Konzentrationsschwäche" erhalten.

    Ich dachte naiverweise, ein KIA hätte eine Ahnung und könnte zumindest ADS erkennen (nicht diagnostizieren). Bis mir eine Freundin, selbst seit Kurzem Allgemeinärztin, offenbarte, sie habe im Studium nichts über ADS gelernt. Dann war mir plötzlich alles klar.

    Mit meinem heutigen Wissen würde ich mich gleich an einen auf ADHS spezialisierten Kinderpsychiater oder Kinderpsychologe (-in) wenden.

    Ich halte das Alter von 3 Jahren aber auch für ein fachgerechte Diagnostik für zu früh.
    Klar. Aber ADS entsteht plötzlich nicht mit 6 Jahren wie aus dem Nichts heraus, es ist wie ein roter Faden. Wenn ein KIA den Verdacht einer möglichen ADS nicht jahrelang verneint, sondern die Hinweise der Mutter ernst nimmt und das Kind spätestens beim 6.Lebensjahr einem Spezialisten überweist, dann hat das Kind eine Chance auf eine fachgerechte frühe Diagnostik und Behandlung.

    M.E. stinkt aber der Fisch vom Kopf: es ist absolut unverständlich, warum ADS im med.Studium nicht unterrichtet wird, denn KIÄ sind ja für die meisten Eltern die 1.Anlaufstelle und müssten deswegen ausreichende Kenntnisse über dieses Krankheitsbild verfügen, um als Lotsen dienen zu können, die die Kinder an weitere Spezialisten überweisen.

    ADS ist ja keine seltene Erkrankung, sondern betrifft mindestens 5% der Kinder, und kann echt schlimme Folgen für sie und ihre Familie haben.

    Auf viele dieser Probleme habe ich ja hingewiesen (sag mal, hast du gelesen, was ich geschrieben habe?).
    Nein, ich lese definitiv nicht alle Beiträge hier.

    Und weil das so ist, gehört die Diagnostik in die Hände einer erfahrenen Fachperson (Psychiater, Psychologe) und auch das Betrachten alleine ist noch zu wenig, eine gewisse Objektivierung durch (verschiedene!) psychologische Testverfahren und fremdanamnestische Daten muss auch sein.
    Im SPZ werden Konzentrations-und Intelligenztests systematisch durchgeführt, dazu Gespräche mit Arzt/Psychologen geführt, neurologische Tests beim Kind gemacht, usw. Das Problem war nicht die Diagnostik, sondern die Beratung/Therapie: der 1. Assistenzarzt (der sein Wissen vor Vorgänger hatte) ging eine Woche, nachdem er uns Ritalin verschrieben hatte, in Vaterschaftsurlaub, ohne Vorankündigung und das SPZ wollte mir 2 Monate lang keinen Termin mit einem anderen Arzt geben, obwohl mein Kind unter einem sehr starken Rebound-Effekt litt und ich dringend eine kompetente Beratung brauchte. 2 Monate später bekam ich einen Termin bei einer Assistenzärztin, weil der 1. Arzt laut Sekretariat die Kinderklinik verlassen hatte. Die junge Dame war nach eigenen Angaben 3 Wochen (!!!) vorher in der Uni, hatte ein ADS Kind mit oppositionellem Trotzverhalten vorher nie gesehen, hatte einen "Spickzettel" auf dem Tisch, auf den sie nach jeder meiner Frage einen Blick warf, bevor sie antwortete. Sie konnte den Wirkstoff von Strattera nicht auswendig.

    Das war die fachqualifizierte Beratung im SPZ!LOL

    Macht leider Gottes den Eindruck, als wärst du Jahr für Jahr die Kriterien durchgegangen und dann endlich war es so weit.
    Nein. Mit 4, 5 und 6 Jahren waren fast alle Kriterien erfüllt.

  2. #22
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 593

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Wie Rossi Leistungsbeinträchtigungen in der Schule notwendig zu erachten entspricht dann auch nicht ICD-10 Kriterien, wenn da von deutlichem Leiden oder Beeinträchtigung der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit die Rede ist. Sorry, aber dass damit auch eine ganze Reihe anderer Beeinträchtigungen gemeint sein können, ist doch eigentlich klar dem Text entnehmbar. Außerem sind Schulleitungen nunmal von mehreren Faktoren abhängig, nicht nur von ADHS.

    Ja, Herr Rossi ist ein ADHS-Experte, aber auch die sind nicht unfehlbar. Und an offiziellen Diagnosekriterien auf diese Weise entgegen rumzuschnippeln... keine Ahnung, man kann da vielelicht unterscheidlicher Meinugn sein. Ich halte es für recht unverfroren.

    @ Addy
    Ich glaube, dimensional und dynamisch ist durcheinandergeraten? Oder habe ich ungenau gelesen? Ich würde das ADHS an sich gar nicht so sehr für dynamisch (im Sinne von veränderlich über die Lebensspanne) halten, sondern die Auswirkugnen im Leben (die natürlich diagnoserelevant sind, insofern verstehe ich dich wahrscheinlich schon, es ging ja um Diagnosestellung.)

    Ich arbeite u.a.gerne mit einem Diagnose-Instrument namens ADHS-LE, in dem der Unterschied zwischen subklinisch und klinisch signifikant gut ersichtlich wird, und zwar für jede Skala (derer es sieben gibt incl. Aktivität, Aufmerksamkeit, Impulsivität), und zwar als signitifkant= auffällig aber sublinisch bzw. hochsignifikant=klinisch auffällig abweichend.

    @Addler
    super, danke für die neuen ICD-11 Kriterien, ich kannte sie noch nicht, obwohl ich mal was von Änderung der altergrenze hab läuten hören. Die wirken in sich ja doch etwas runder.

    Die Gruppierung und die Altersgrenze machen ja schon mal mehr Sinn.

    Außer vielleicht man hat einen früh so eindeutigen Kandidaten wie Yasemine; wobei es immer drauf ankommt... ich hielt ja vieles für im Rahemn des Normalen bei meinen kids im Alter unter sieben, von Remo Largo und Konsorten beeinflusst ... --> deshalb wäre mein Rat an Diagnostiker fragen, fragen, fragen. Und sich gut auskennen, damit man die Antworten einschätzen kann .

    Das machen übrigens oft die Psychologen mehr als die (Fach-)Ärzte. Sie sind es gewohnt, mit Kommunikation und Beobachtung zu arbeiten und das auf Teufel komm raus. Das ist ihr Mittel schlechthin, ergänzt mit einigen psychologischen Tests und sie sind da etwas anders sozialsiert und ausgebildet als die Ärzte

    Einige Ärzte habe ich auch getroffen, die da spitze sind, aber ich glaube nicht, dass sie das von vorneherein durch das Curriculcum des Medizinstudiums mitgenommen haben.

  3. #23
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 593

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    @Yasemine
    Okay, jetzt wird mir vieles nachvollziehbarer. Stimme dir zu, und den Begriff Lotse finde ich da sehr passend. Mir fehlte es auch fortlaufend an Lotsen (selbst mein Psychologie-Studium hat mir da nix gebracht) und vieles hätte sonst vermutlich im Weiteren besser laufen können.

    Nein, ich lese definitiv nicht alle Beiträge hier.
    DAS tue ich auch nicht. Ich meinte den, auf den du dich bezogen hast incl. Zitat in deinem Beitrag

    Im SPZ werden Konzentrations-und Intelligenztests systematisch durchgeführt, dazu Gespräche mit Arzt/Psychologen geführt, neurologische Tests beim Kind gemacht, usw. Das Problem war nicht die Diagnostik, sondern die Beratung/Therapie: der 1. Assistenzarzt (der sein Wissen vor Vorgänger hatte) ging eine Woche, nachdem er uns Ritalin verschrieben hatte, in Vaterschaftsurlaub, ohne Vorankündigung und das SPZ wollte mir 2 Monate lang keinen Termin mit einem anderen Arzt geben, obwohl mein Kind unter einem sehr starken Rebound-Effekt litt und ich dringend eine kompetente Beratung brauchte. 2 Monate später bekam ich einen Termin bei einer Assistenzärztin, weil der 1. Arzt laut Sekretariat die Kinderklinik verlassen hatte. Die junge Dame war nach eigenen Angaben 3 Wochen (!!!) vorher in der Uni, hatte ein ADS Kind mit oppositionellem Trotzverhalten vorher nie gesehen, hatte einen "Spickzettel" auf dem Tisch, auf den sie nach jeder meiner Frage einen Blick warf, bevor sie antwortete. Sie konnte den Wirkstoff von Strattera nicht auswendig.

    Das war die fachqualifizierte Beratung im SPZ!LOL
    Okay, das lief wirklich nicht gut im zweiten Teil! Eine lange Odyssee kann da draus werden...

  4. #24
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 254

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Addy Haller schreibt:
    Ob Martin Winkler oder Cordula Neuhaus ADHS haben, weiß niemand - geoutet haben sie sich jedenfalls nicht

    OT: doch.
    Martin Winkler zuletzt und für jeden hörbar in seinem Vortrag auf dem Münsinger Symposium, Cordula Neuhaus laut Ohrenzeuge während eines ihrer Seminare.

  5. #25
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    alice_s schreibt:
    Okay, das lief wirklich nicht gut im zweiten Teil! Eine lange Odyssee kann da draus werden...
    Ich habe einfach mal Pech gehabt und zuerst leider dem Kinderarzt vertraut. Die Diagnose bekamen wir letztendlich dank der Lehrerin der 1.Klasse, übrigens wie der Kindergartenfreund meines Sohnes, der in der anderen 1.Klasse war. Offensichtlich wurden die Lehrerinnen dieser Grundschule sehr gut geschult, um ADS, Legasthenie erkennen zu können (mein Sohn hatte erste Anzeichen, das hat sich aber nach ein paar Monaten gelegt.Mein Mann ist wie seine 2 Geschwister Legasthenie.Ich vermute ADS bei ihm, seiner Schwester und ihrem Vater). Eine Freundin und ihre Freundin, beide Grundschullehrerinnen, haben nach eigenen Aussagen wenig Ahnung von ADS (keine Vorlesungen über ADS im Studium, keine Fortbildungen).

    Die (ältere) Kollegin des Kinderarztes war aber fit: sie hat mir gleich einen ADS Fragebogen (wahrscheinlich ICD 10) gegeben und mich danach gleich ins SPZ überwiesen.

    Es verging allerdings gut 9 Monate, bevor wir den 1.Termin bekam. Für den Assistenzarzt war ADS gleich nach dem 1.Gespräch klar, die Ergebnisse der Konzentrationstests eindeutig.

    Vom KIA wurde ich NIE ausführlich über die Verhaltensstörungen meines Sohnes gefragt, nie.

    Später habe ich ihm gesagt, dass ich es für sinnvoll halte, wenn dieser ADS Fragebogen allen Eltern vor der Einschulung gegeben werden würden. Dann könnte man auffällige Kinder viel früher an Spezialisten überweisen und sie früher behandeln. Der Cousin meines Sohnes (Sohn der Schwester meines Mannes, selbst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit betroffen) hat die Diagnose erst mit 10 Jahren bekommen. Das ist leider kein Einzelfall. Der KIA war so beleidigt, dass er mich im Flur der Praxis anschrie, er hätte mir doch diesen Fragebogen bei der letzten Vorsorgeuntersuchung (vor Einschulung) gegeben. Das war eindeutig falsch, was mir die Arzthelferin übrigens bestätigt hat. Er sagte mir sogar, mein Kind habe nie ADS gehabt.

    Ich denke, das SPZ macht einen folgenschweren Fehler, indem die Behandlung dieser Kinder an unerfahrenen, ahnungslosen Assistenzärzten überlassen wird. Vor Allem, wenn oppositionelles Trotzverhalten zusätzlich vorliegt, was immerhin bei 50% der Kinder der Fall ist. Solche Kinder müssten nur durch erfahrene, gut geschulten Kinderärzte oder Kinderpsychiater behandelt werden. Aber sogar die KIÄ im SPZ sind im Grunde keine AD(H)S Spezialisten, denn AD(H)S ist nur einer der vielen Erkrankungen, die sie behandeln müssen. In unserem SPZ gibt es übrigens keine Kinderpsychiater.

    Damals wusste ich übrigens nicht, dass es ein auf AD(H)S spezialisierten Kinderpsychiater in der Nähe (3/4 Std Autofahrt) gab. Das habe ich erst erfahren, als mein Sohn (damals 9) in der stationären Kinderpsychiatrie war. In meiner Verzweiflung habe ich nach einer SHG in der Nähe gesucht, die Leiterin empfahl mir diesen Arzt. Leider war er gerade umgezogen, die neue Praxis war 1,5 Std Autofahrt entfernt.

    Die Kirsche auf dem Kuchen war aber die Antwort der Kinderpsychologin auf der stationären Kinderpsychiatrie (ich werde diese Worte mein Leben lang nicht vergessen), nachdem ich ihr von den vielen Hinweisen auf ADS am Tel. erzählt hatte (inkl. auffälligen Konzentrationstests mit 7 Jahren, Diagnose des Cousins mit 10 Jahren) : ADS sei eine "Modediagnose", "Ritaline eine gefährliche Droge" (!!!), die sie "niemals Kindern verabreichen würde"...Ja, es gab 2009 Fachleute, die solche Vorurteile hatten!

    Ich habe damals leider nicht geahnt, dass manche Fachleute wie KIÄ. Kinderpsychologen keine Ahnung von ADS haben und habe zuerst mal diesen Leuten vertraut. Das war mein Fehler. Hätte ich mich von Anfang an (vor Einschulung!!!!!!) einem auf AD(H)S spezialisierten Arzt/Psychologen gewandt, wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit alles besser verlaufen.

    Dazu kam die sture Ablehnung der Diagnose und der Behandlung durch meinen (mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst betroffenen) Mann, der am Elterntraining nicht teilnehmen wollte, das Buch von Prof.Döpfner nicht lesen wollte, die Erziehungstipps nicht in die Praxis umsetzen wollte, beim Fehlverhaltens des Kindes entweder gar nicht reagierte oder gleich explodierte und/oder mir die Schuld gab, beschimpfte, anschrie, was bei mir immer wieder starke depressive Tiefs mit Selbstmordgedanken ausgelöst hat.

    Eine Ehetherapie wollte er auch nicht machen, eine Familientherapie (von einem Kinderpsychiater empfohlen) auch nicht. In den Arztbriefen des SPZ stand "divergierender Erziehungsstil". Der Assistenzarzt wollte mit ihm sprechen, nachdem ich ihn über seinen inkonsistenten Erziehungsstil informiert hatte. An diesem Tag musste ich leider um 16 Uhr aus dem Haus. Ich legte ihm die Karte des Arztes auf dem Tisch, sagte ihm, die Sprechstunde sei von 16.15 bis 16.30 Uhr. Als ich um 17 Uhr wieder nach Hause kam, fragte ich ihn, wie das Telefonat verlaufen sei. Seine Antwort: "Ich habe es vergessen..."

    Leider habe ich dann aufgegeben. Der Assistenzarzt ist kurz darauf in Vaterschaftsurlaub gegangen, das Ritalin habe ich wegen des starken Rebounds nach 3 Tagen auf eigener Faust abgesetzt, da das Sekretariat mir partout keinen Termin mit einem anderen Arzt geben wollte.Zum Elterntraining und den weiteren Gesprächen mit der Psychologin fuhr ich allein hin, das Kind bekam aber zum Glück 3 Monate lang (1,5 Std/Woche) ein Elterntraining, das sehr erfolgreich war, so dass die Konzentrationsfähigkeit laut Tests kurz danach deutlich gebessert wurde, 1 Jahr später sogar im normalen Bereich lag.

    Die Noten in der 2.Klasse (die ersten Noten bekam er ja erst nach dem Training) waren gut bis sehr gut, er durfte sogar ins Gymnasium, wo er weiterhin 2 Jahre lang gute Leistungen erbrachte.

    Leider führte aber das oppositionelle Trotzverhalten weiterhin zu starken Spannungen in der Ehe, welche zur Trennung führte, als unser Sohn 9 Jahre alt war. Dies löste bei ihm noch gravierende Verhaltensstörungen aus (heftige Wutanfälle mit Äußerung von Selbstmordabsichten), da blieb mir keine andere Wahl, als das Kind einweisen zu lassen.

    Nach 6 Wochen musste er ins Internat, weil die Verhaltensstörungen angeblich durch die Ehestreite und die mütterlichen Depressionen ausgelöst worden waren. Er habe kein ADS, da die Konzentrationstests mittlerweile (seit dem Konzentrationstraining mit 7 Jahren!!!) unauffällig waren und er gute Schulleistungen hatte.

    Die KIÄ im SPZ war fassungslos, konnte aber nichts machen. Sie wollte vor der Einweisung einen neuen Versuch mit Ritalin wagen, trotz unauffälligen Konzentrationstests mit 9 Jahren, weil MPH ja nachweislich gegen das oppositionelle Trotzverhalten helfe. Sie durfte aber nach der Diagnose der Kinderpsychiatrie kein MPH mehr verschreiben.

    Zum Glück hat sich das oppositionelle Verhalten (und die Hyperaktivität) mit Eintritt in die Pubertät langsam aber stetig verbessert. Da mein Mann partout nicht mitarbeiten wollte (Elterntraining, Ehetherapie, Familientherapie) war das Internat im Grunde die beste Lösung. Es hat uns psychisch sehr entlastet, denn es gab nicht mehr diese täglichen Auseinandersetzungen zwischen Kind und Mutter, Kind und Vater, Kind und Schwester und Mutter und Vater. Außer am WE, als unser Sohn zu Hause war.

    Mein Mann hat übrigens der KIÄ im SPZ (sein einziger Besuch im SPZ, 2 Jahre nach der Diagnose) gesagt, das Kind streite nur mit der Mutter. Deswegen habe ich eines Tages einen lautstarken Streit zwischen Mann und Sohn heimlich mit dem Handy gefilmt.

    Ja, es ist bei uns fast alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte....Manchmal kann ich es nicht fassen, wenn ich daran denke...

    Ich habe natürlich mit einem stark betroffenen Mann, der wie seine Schwester die Diagnose von Anfang an abgelehnt hat, die Mitarbeit verweigert hat, Pech gehabt. Aber vielleicht hätte ein kompetenter, aufmerksamer KIÄ und ein kompetenter, engagierter Kinderpsychiater/-psychologe diese "Odysee" verhindern können.

    Ich vermute mittlerweile, dass es manchen Fachleuten nicht bewusst ist, was für ein "Pulverfass" eine ADS Familie sein kann, wenn einer der beiden Elternteile oder wie in unserem Fall beiden Elternteile betroffen sind. In diesem Fall ist die alleinige Behandlung des betroffenen Kindes m.E. unzureichend, vor Allem wenn dieses Kind an oppositionellem Trotzverhalten leidet. In so einem Fall müssten die Fachleuten versuchen, herauszufinden, ob der Vater, die Mutter oder beiden betroffen sind und sie in der Therapie miteinbeziehen. Die Psychoedukation der Eltern, aber auch der Großeltern, wenn diese einen großen Anteil an der Erziehung haben (was auf dem Land nicht unüblich ist) ist m.E. ein unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen ADS Behandlung. Denn erst das Wissen über die Ursachen der Verhaltensstörungen, also das Beseitigen der häufig vorhandenen Vorurteile, kann helfen, den Sinn der notwendigen Strategien (Medikation, Elterntraining, Konzentrationstraining, Sozialkompetenztraining, usw.) zu erkennen und die Motivation fördern, um sie in der Praxis umzusetzen.

    Diese Tatsachen werden momentan von manchen Fachleuten nicht anerkannt/berücksichtigt. Mich wundert es persönlich nicht mehr, dass 50% der Eltern von ADS Kindern sich trennen und 40% der Mütter depressiv werden. Ich frage mich nur, wie die restlichen Ehepaare, die zusammenbleiben und Mütter, die nicht depressiv werden, es überhaupt schaffen...für mich waren diese 15 Jahre die Hölle auf Erde...

    Ich würde übrigens meine Hand ins Feuer legen, dass viele Fachleute nicht wissen, welche schweren Konsequenzen ADS für das Kind (Schulversagen, Außenseitertum/Mobbing, Substanzmißbrauch, Kriminalität, Fremdunterbringung) bzw. die Familie (Depression der Mutter, Ehestreite/Trennung) haben kann.
    Geändert von Yasmine (21.11.2017 um 10:46 Uhr)

  6. #26
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    tusnelda schreibt:
    OT: doch.
    Martin Winkler zuletzt und für jeden hörbar in seinem Vortrag auf dem Münsinger Symposium, Cordula Neuhaus laut Ohrenzeuge während eines ihrer Seminare.
    Danke. Ich wusste nicht mehr, woher ich das wusste. Lobenswert finde ich dieses Video von Dr.Winkler, der haargenau beschreibt, was ich seit der Kindheit erlebe:

    https://www.youtube.com/watch?v=6KEpCEKD98U&t=2s

    Meinen Diagnosen waren jahrelang: "wiederkehrende Depressionen", "Bipolare Störung" (Rapid Cycling), "Borderline Störung", für die 2 ersten Diagnosen, 5 Min. Diagnosen ohne ausführliche Anamnese.

    Erst als ich merkte, dass ich zahlreiche ADS Symptome habe (extreme Vergesslichkeit, starke Verzettlung im Alltag/Organisationsschwierigkeiten, impulsives Verhalten (Geldausgeben z.B.), Unaufmerksamkeit im Alltag/Straßenverkehr, Trödeln, kein Zeitgefühl, usw.), dieses Video ansah, verstand ich plötzlich, dass diese Stimmungsschwankungen durch starke emotionale Verletzlichkeit (extreme depressive Tiefs nach Zurückweisungen, z.B durch mobbende Kollegin, nach Ehestreiten, aber nur 1-2 Tage andauernde Tiefs) wahrscheinlich Teil einer vermutlichen ADS seien. Depressionen verschwinden nicht nach 1-2 Tagen, kehren bei BP nach einem bestimmten Zeitmuster wieder (außerdem habe ich nie unter Manie gelitten) und gegen BP sprechen die fehlenden selbstverletzenden Verhaltensweisen.

    Leider habe ich seit diesem Verdacht keinen Arzt/Psychologen gefunden, dass sich mit AD(H)S auskennt.
    Geändert von Yasmine (21.11.2017 um 10:14 Uhr)

  7. #27
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 593

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Addy Haller schreibt:
    Wäre die Frage: Kann ADHS in der Kindheit so kompensiert werden, dass kein Leidensdruck vorhanden ist? Aber wäre es dann nach den Diagnosekriterien überhaupt ADHS?

    Für eine Diagnose müssen selbst nach dem viel kritisierten aktuellen DSM-V retrospektiv immer noch erhebliche, die Lebensqualität beeinträchtigende Probleme in der Kindheit vorgelegen haben. Zur Möglichkeit der Kompensation sagt z.B. Rossi:

    "Das sind aber Ausnahmen, denn in der Regel führt eine ADHS schon deutlich vor dem siebten Lebensjahr zu handfesten syndromtypischen Regulations- und Verhaltensstörungen (gilt auch für Mädchen)."

    Nicht falsch verstehen: Es geht mir nicht darum, Rossi oder andere Experten sowie das DSM-V infrage zu stellen.

    Es geht mir einzig und allein um die Frage, ob das Kriterium "Leidensdruck/Beeinträchtigung durch ADHS in der Kindheit" als Diagnosekriterium (wie im aktuellen DSM-V) noch gültig sein kann, wenn heute gleichzeit ADHS als dynamisch im Hinblick auf Ausprägungsgrad bei verschiedenen Personen sowie als dynamisch im Hinblick auf die Lebensspanne eines Menschen gesehen wird.

    Und es wäre natürlich interessant zu wissen, wie z.B. eine Diagnostik C. Neuhaus abläuft, wenn sie für sich den "childhood onset" entgegen der Leitlinien nicht mehr berücksichtigt.
    Ich weiß jetzt gerade nicht, ob ich das eigentlich schon geschrieben habe, weil ich so viel geschrieben habe und nicht sicher bin, ob ich ich deine Punkte wirklich getroffen habe.

    An dieser Stelle sehe ich es eigentlich ähnlich sehen wie Rossi (wobei ich nicht weiß, wie er das konkretisiert). Ich gehe aber davon aus, dass diese Störungen automatisch von Betroffenen spontan und als handfest geschildert werden. Auch das "deutlich vor dem siebten Lebensjahr" würde ich mit Vorsicht betrachten.

    Ich denke, dass da tatsächlich in aller Regel grundsätzlich beobachtbare sydromtypische Regulationsstörungen vorgelegen haben bei bestehenden ADHS (egal ob hyper oder hypo). Aber wie und ob sie wahrgenommen, als solche eingeschätzt und erinnert werden, ist schwer zu sagen. Sowieso sind retrospektive Aussagen störanfällig, die von eigenen alten Eltern sowieso.

    Wenn ich erwachsene Personen untersuche, werde ich nicht zwangsläufig ihre Mutter oder einen nahen Angehörigen befragen (manchmal bietet es sich auch an, meine Mutter hat da z.B. so einiges zu erzählen, tatsächlich im Gegensatz allerdings zu Lehrern, diesbezüglich kann ich selbst die verwertbareren Aussagen liefern).

    Ich befrage zunächst mal die Person genauer zu ihren Beziehungen früher und heute, Beziehungsproblemen, Leistungsfähigkeit und Leistungsproblemen, typischen Erlebnissen in Alltag und Alltagsgestaltung, wiederkehrenden Schwierigkeiten etc. und versuche zu erfassen, ob darin ADHS-Spezifika liegen oder nicht. Und so bezüglich ihres ganzes Lebensumfelds in Kindheit und Jugend.

    Da denke ich, muss man wirklich sehr genau explodieren und viele Details in Erfahrung bringen über das eigene Erleben und Charakteristika und Reaktionen der Umgebung.

    Aussagen von Betroffenen oder Eltern können eindeutige Hinweise liefern oder verschleierte, die von Erziehern oder Lehrern können Hinweise liefern oder völlig nutzlos sein.

    Um mir ein gutes Bild zu machen, muss ich also sehr genau und gründlich vorgehen. Wenn dann aber so gar nichts in Erscheinung tritt, ist das schon auffällig unauffällig.

  8. #28
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    alice_s schreibt:

    Da denke ich, muss man wirklich sehr genau explodieren und viele Details in Erfahrung bringen über das eigene Erleben und Charakteristika und Reaktionen der Umgebung.
    .
    Daran merkt ein Patient, ob sein Therapeut an ADS leidet oder nicht!

    Nachtrag: ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass nur eine gründliche, mehrstündige Anamnese erforderlich ist, um die ADS Diagnose stellen zu können. Wahrscheinlich kann das sogar nur im Rahmen einer stationären oder ambulanten Psychotherapie gelingen.

    Ein Psychiater oder Psychologe, der nur 15-30 Min Zeit hat, kann das m.E. nicht schaffen.

    Wobei hier das Ausfüllen von ADS spezifischen Fragebögen dem Diagnostiker wahrscheinlich schon gut Anhaltspunkte geben könnte.
    Geändert von Yasmine (21.11.2017 um 10:33 Uhr)

  9. #29
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Dein explorierendes Verhalten würde ich als "musterhaft" bezeichnen.

    Leider sieht es bei den meisten Ärzten (egal ob Hausärzte, Psychiater) und Psychologen ganz anders aus.

    Ich wurde persönlich NIE über ADS typische Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Vergesslichkeit, Organisationsverhalten gefragt, NIE. Dabei habe ich einige Besuche, Krankenhausaufenthalte hinter mir!

    Die Ärzte sahen (fragte nur nach) nur die depressive Verstimmung, die Ehestreite, die Probleme mit meinem Vater (PTBS laut 1.Psychologin) und ich sah diese ADS Eigenarten bis ich das Buch "Zwanghaft verstreut" las, nie als Puzzleteil eines Syndroms, der für diese starke emotionale Verletzlichkeit und Stimmungsschwankungen verantwortlich sein kann und habe deswegen nie einem Arzt oder Psychologen davon erzählt.

    Aber ich glaube, jemand, der nur oberflächlich von ADS gehört hat, nicht weiß, dass Affektlabilität ein Symptom sein kann, wird grundsätzlich bei depressiven Patienten nicht nach ADS Symptomen fragen.

    Und ich glaube, dass viele Fachleute diese Zusammenhänge nicht kennen bzw. die Inzidenz von ADS in der Erwachsenenbevölkerung und die folgenschweren Konsequenzen für die Betroffenen nicht wissen.

  10. #30
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 880

    AW: Diagnosekriterium Kindheit: Kann aus ADHS subklinisch ADHS klinisch werden?

    Darf ich mal fragen, was subklinisch und klinisch bedeutet?

    Neugierige Grüße
    Hyper

    Ach so, ich wollte noch ergänzen, dass mir nachdem meine Ärztin mich darauf aufmerksam machte, dass AD(H)S bei mir sehr wohl schon in der Kindheit vorlag, danach plötzlich noch ganz viel einfiel.....Das war ganz schön hart. Schützend war bei mir aber, dass ich in allen Kontexten immer für sehr intelligent gehalten wurde und man mir meine geringe Frustrationstoleranz z.B. Ausraster bei den Hausaufgaben im Hort nie übel nahm.

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