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Diskutiere im Thema Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 79

    Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Moin zusammen,

    mich würde mal interessieren, was sich bei Euch nach der Diagnose ADHS und der Einnahme von Methylphenidad geändert hat. Was ist besser geworden? In welchen Bereichen hapert´s noch?

    Bei mir hat sich Schritt für Schritt schon so einiges geändert. Ich trinke seit über einem Jahr keinen Tropfen Alkohol mehr, habe vor ca. 2 Monaten mit Boxen angefangen und mir damit einen lang gehegten Traum erfühllt.

    Habe auch Gesangsunterricht genommen, was mir riesigen Spaß macht. Kurz gesagt: ich bin wieder ein wenig mehr ins Handeln gekommen.

    Als großes Problem sehe ich allerdings noch immer die Frage: Wer bin ich? Was will ich?. Die Medis haben mir erstmal die Augen geöffnet, um zu erkennen, dass ich durch meine Kompensationsstrategien gar nicht richtig lebe, sondern vieles an mir vorbei geht.

    Außerdem fühle ich mich in vielen sozialen Situationen trotz meiner fast vierzig Jahre oft noch wie ein kleines Kind. Merke durch die Medis halt, wieviel ich die letzten Jahre verpasst habe und lerne mich gerade erst richtig kennen. Das mach schon manchmal ein wenig Angst. Meine Konzentration ist nicht unbedingt wesentlich besser. Es ist eher so, dass ich langsam wieder an Sicherheit gewinne und neue Perspekitiven mir wieder Motivation geben.

    Das, was ich früher als Hypoaktiv wahrgenommen habe, schein mir heute oftmals eher Hyperaktivität mit Depression als (unbewusste) Strategie, um mich runterzufahren. Habe an guten Tagen Ausdauer, Willen und Motivation bis zum geht nicht mehr, was allerdings noch sehr abhängig von meiner Stimmung ist. Dann fühle ich mich richtig lebendig, habe aber auch wieder Angst, zu übertreiben und anzuecken.

    Durch die Medis erkenne ich mich also in erster Linie selbst besser, bin motivierter, sprich habe mehr Ausdauer, mehr Ruhe im Kopf. Die Konzentration steigert sich eher durch steigendes Selbstvertrauen, was den Kopf ein wenig ruhiger macht.

    Ich hoffe, ich konnte das einigermaßen verständlich rüberbringen.

    Wie ist das bei Euch so? Wie hat sich Euer Leben seit der Diagnose verändert?

    Steigert Medikinet bei Euch eher die Konzentration, macht es Euch eher emotional ruhiger, strukturierter, aktiver?

    LG

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 8.090

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Ich schreib was dazu, wenn ich zu Hause.
    Liebe Grüße
    Gretchen

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 188

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Kingofsorrow schreibt:
    Steigert Medikinet bei Euch eher die Konzentration, macht es Euch eher emotional ruhiger, strukturierter, aktiver?

    LG
    Hallo Kingofsorrow,

    ich kann Deine Erfahrung nur bestätigen, nehme MPH allerdings auch erst seit gut vier Wochen. Ich bin irgendwie wacher und fokussierter, aber eben auch emotional ruhiger und strukturierter.

    Wie Du sagst, auch ich fühle mich "erwachsener". Mir ist weniger wichtig, was die anderen denken und das finde ich bis jetzt mit am besten an der Medikamenteneinahme.

    Und auch ich trinke seit MPH keinen Alkohol mehr. Alkohol ist ja bekannterweise ein Depressivum und ohne Alk bin ich bislang eindeutig weniger depressiv. Ob die verbesserte Stimmung an der Abstinenz liegt oder am höheren Antrieb dank Medikament kann ich nicht sagen, ist mir aber auch egal.

    Hoffe, ich konnte Dir helfen.

    Grüße Korda

  4. #4
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 998

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Ein "Wunder" ist weder bei der Diagnose noch bei einen Medikament entstanden. Dennoch bin ich sicherlich froh, dass ich einigermaßen bescheid weiß was mit mir los ist und durch ein Medikament etwas "ruhiger" geworden bin.

    Medikinet hat bei mir auch nach vier bis fünf Woche gar nichts gebracht, so dass ich keinerlei Veränderung bemerkte. Dennoch meinte mein Psychater, dass ich Medikinet nicht ganz "abschreiben" sollte (???)

    Ich muss aber dennoch immer mehr feststellen, dass nicht ich mit der Gesellschaft Probleme habe, sondern die Gesellschaft mit mir. Ich selbst komme mit meinen Leben eher gut zurecht, wenn die nervlichen "Normalos" nicht wären

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 46

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Hi,
    für mich hat es auch so einiges verändert:
    Ich versuche jetzt weniger mich zu Sachen zu zwingen, die ich sowieso nicht kann oder gerne mag.

    Dazu gehören:
    Kuchen backen oder aufwändige Gerichte kochen.
    Außerdem zu lauten Veranstaltungen gehen oder Leute treffen, die mich eher anstrengen (und die ich nur wegen meinem Mann treffe).

    Ich habe neue Strukturierungs-Möglichkeiten dazu gewonnen.

    Außerdem versuche ich bewusst nochmal drauf zu achten, weniger in einen Tag zu pressen
    und vor allem auch entspannter zu sein, wenn ich weniger geschafft habe, als ich wollte.

    Durch Methylphenidat kann ich erstmals in höherem Maße Ordnung halten und schaffe viel mehr am Tag als vorher.
    Beim Kochen entsteht auch viel weniger Durcheinander.

    Außerdem bin ich weniger impulsiv.

    Und ich verstehe besser, wie meine Empfindungen zusammen hängen und woher (also vom ADHS) kommen.

    Und ich versuche mich beruflich neu zu orientieren, sprich, wie meine Arbeit sein muss, damit sie besser zu meinem Leben passt.

    Ich hätte früher nie gedacht, dass ADHS mal zu meinem Thema wird...
    Manchmal denke ich immer noch, dass ich im falschen Film bin... (ist ja bei mir auch erst etwas mehr als ein halbes Jahr, dass es KLICK gemacht hat.)

    Die negative Seite ist, dass ich eigentlich nie täglich Medizin nehmen wollte
    und mir diese Umstellung in meiner Einstellung immer mal zu schaffen macht, weil s nicht in mein Lebensbild passt
    und ich immer skeptisch wegen Nebenwirkungen bin und mich nicht richtig entspannen kann, was das angeht. Aber die positiven Seiten überwiegen...!

  6. #6
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 736

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Bei mir hat es Einiges verändert, zum Positiven...

    Man wollte mir das Methylphenidat nicht geben, obwohl es diagnostiziert wurde mit einer sehr starken Ausprägung...

    Der Grund war, dass ich untergewichtig war und zwar aufgrund einer leider früher langjährigen Essstörung -Magersucht-

    Da man es nicht verantworten wollte, weil wohl auch bekannt ist, dass Methylphenidat den Appetit reduziert,

    und dadurch ich noch mehr abnehmen würde...

    Da ich über 50 Jahre schon war, habe ich solange den Chefarzt bedrängelt, und gesagt, was habe ich denn nun noch

    zu verlieren...es doch stationär zu versuchen..

    Also hat man es mir, zähneknirschend, was auch notwendig war, verordnet.

    Und nun kommt der Hammer, es verging kaum eine Woche, dass alles Klarer, Strukturierter wurde, ich

    überhaupt keinen Kontrollzwang mehr hatte, nicht mehr abgelenkt wurde, es alles besser funktionierte,

    und nicht mehr mit Hungern kompensieren musste, es mir auch vollkommen Schnuppe war, was ich aß, ob ich zu nahm.

    Dies wurde zu einer Sensation, und ich durfte sogar bei einer Diskussion und Vortrag mit Reportern und

    Politikern in der Klinik mit dem Chefarzt dabei sein, der mich gefragt hat, ob ich diesbezüglich eine Aussage machen würde.

    Und dann habe ich nach dreißig Jahren eine einjährige Ausbildung gemacht, die ich mit Bravour bestanden habe.

    Ich kann nur sagen, richtig dosiert, hat es mir das Leben gerettet.

    LG Chaosfee

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 1.241

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Hallo,

    ich habe im Moment ja nur einen Verdachtsdiagnose, aber ich denke, wenn die Diagnostik abgeschlossen ist, werde ich hoffentlich ein entsprechendes Medikament
    bekommen und es wird mir dann, so lese ich es in euren Berichten, spürbar besser gehen.

    LG Murmel

  8. #8
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 47

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    spacetime schreibt:
    Ich muss aber dennoch immer mehr feststellen, dass nicht ich mit der Gesellschaft Probleme habe, sondern die Gesellschaft mit mir. Ich selbst komme mit meinen Leben eher gut zurecht, wenn die nervlichen "Normalos" nicht wären
    Großartig! Ich könnte es nicht besser ausdrücken!

    Was das Thema im Übrigen anbetrifft: Ich bin immer noch in der Einstellungsphase, aber ich merke, wie sich mein Leben schon zum positiven verändert hat: mehr Sturktur, ich kann Dinge dadurch besser anpacken und das hebt sie Stimmung. Na ja, es gibt noch vieles, das verbesserungsfähig ist, Konzentration zum Beispiel. Aber all das werde ich denke ich erst dann berurteilen, wenn die Medikation endlich richtig eingestellt ist

  9. #9
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 998

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Tiny76 schreibt:
    Großartig! Ich könnte es nicht besser ausdrücken!...
    So ist es ja auch! Ich habe sicherlich auch meine Fehler usw........dennoch kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich in meinen 53 Jahren jemals einen Gewalt angetan habe, betrogen habe, schlimme Lügen gesagt habe, Schulden hatte usw......

    Ich behauptet sogar, dass ich glücklicher und zufriedener bin als die meisten "Normalos" - obwohl einiges schief gelaufen ist und ich nicht viel habe.

    Ist man nur ein "Verlierer" oder wird man nur deshalb "verstoßen" weil man nicht in Kontext der Gesellschaft steht und dennoch wahrscheinlich besser mit seinen Leben zurecht kommt.....?

    Ich finde die Gesellschaft mittlerweile einfach nur noch verlogen und heulerisch, mit der ich nie wirklich klar kam

  10. #10
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 113

    AW: Auswirkungen von Diagnose und Medikation auf Euer Leben

    Hallo,

    das ist ein sehr, sehr interessantes Thema, das Du hier ansprichst. Beim Lesen Eurer Beiträge habe ich mich auch in vielen Eurer Schilderungen wiedergefunden. Ich nehme zwar kein MPH mehr,

    aber mit Elvanse ein Medikament, welches ich zur Behandlung meiner AD(H)S dringend benötige. Die Diagnose AD(H)S habe ich erst seit diesem Jahr, aber ich weiß seit meinen Kindertagen,

    dass ich irgendwie anders, sensibler, verpeilter und unkonzentrierter bin als die Menschen in meiner Umgebung. Ein Umstand, der mich in meinen Jugendjahren immer häufiger beschäftigte und

    mich in meiner Verzweiflung letztendlich in die Drogensucht trieb. Irgendwie habe ich es dennoch geschafft, einen schlechten Hochschulabschluss zu bekommen, der mich allerdings beruflich

    nicht wirklich weiterbringt. Um auf die eigentliche Thematik wieder zu sprechen zu kommen: In dem ersten Beitrag zu diesem Thema wird sehr schön beschrieben, dass die Medikamentengabe auf der einen

    Seite ein Segen sein kann, aber auf der anderen Seite zumindest auch bei mir zu der Erkenntnis führt, dass ich in den letzten Jahren nicht gelebt habe, weil ich all meine Energie in meine

    Ausbildung investierte, wo ich viele "Unzulänglichkeiten" kompensieren musste und ständig mit der Angst lebte, irgendwann als Unwissender aufzufliegen. Unter welchen Umständen ich die

    ganzen Jahre gelebt habe, realisiere ich jetzt erst und das ist wirklich nicht leicht, zumal mir die Medikamente nicht dabei helfen, grundlegende Strategien zu erlernen. Dass ich in meinen

    ganzen Studienjahren nie gelernt habe zu lernen, bereitet mir aktuell die größte Sorge, denn mit meiner fehlenden Effizient werde ich in meinem Job, da bin ich mir sicher, langfristig

    untergehen. Aus diesem Grund bin ich derzeit auf intensiver Suche nach einem neuen Therapeuten, der mich

    intensiver betreuen kann als mein jetziger Therapeut.


    Beste Grüße

    Schrottkopf

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