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Diskutiere im Thema Doch nicht nur ADHS? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
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Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 113

    Doch nicht nur ADHS?

    Hallo zusammen,

    ich bin kürzlich in der psychiatrischen Klink stationär aufgenommen worden, weil dort die Umstellung von Strattera auf Medikinet erfolgen sollte. Mittlerweile bin ich draußen und es läuft tatsächlich etwas besser mit dem Medikinet, wobei die Wirkung leider viel zu schnell nachlässt. Dieses Problem kennen viele Betroffene, denke ich. Durch das Medikinet sehe ich einiges klarer und während das Medikament wirkt, komme ich auf beruflicher Ebene besser zurecht, obwohl mir in dieser Hinsicht eine konkrete Aussage schwer fällt, da ich mich gerade in einer stressigen Zeit befinde, in der es beruflich für mich um "alles" geht. In der nächsten Zeit muss ich mich mehreren Prüfungen stellen, wobei eine davon eine Nachholprüfung ist, die ich unbedingt bestehen muss. Sollte mir das nicht gelingen, waren zumindest die letzten Jahre meiner Ausbildung, die meine Familien und mich sehr viel Kraft kosteten, für die Katz.
    So langsam werde ich das Gefühl nicht los, im Laufe der letzten Jahre neben dem ADHS eine Angststörung entwickelt zu haben, die mir insbesondere dann den letzten Nerv raubt, wenn die Wirkung des Mediknets nachlässt und mich die Gedankenflut einholt. Im Grunde sind das immer die gleichen Gedanken, die mich quälen: "Du schaffst deine Prüfungen nicht", "Du hast in der Vergangenheit durch deine mangelnde Organisation deine Prüfer so verärgert, dass sie in der Prüfung eher gegen dich sind", "Wie finanziere ich meine Familie, wenn ich die Prüfungen nicht bestehe?", "Bin ich überhaupt arbeitsfähig?". Das sind Gedanken, die mich zermürben und viel Kraft kosten, die ich anderweitig gut gebrauchen könnte. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass ich diese Ängste latent schon sehr lange habe. Im letzten Jahr musste ich meine Psychotherapie beenden, weil mein Therapeut für längere Zeit ins Ausland gegangen ist. Um Ersatz habe ich mich gekümmert, aber leider ist der Neue ziemlich ausgebucht und meine Arbeitszeiten so, dass wir nur sporadisch miteinander sprechen können. Blöderweise habe ich gerade auch den Hausarzt gewechselt, weil der letzte Arzt die ADHS-Baustelle nicht ernst genommen hat. In der nächsten Woche habe ich einen Termin bei der neuen Hausärztin, die sich mit ADHS auskennen soll und würde sie fragen, was sie zu der Angstgeschichte meint und ob ich zumindest für die Zeit der Prüfungen ein Medikament gegen die Angst nehmen sollte. Venlafaxin hatte ich mal in der Vergangenheit bekommen, bekam aber recht heftige Nebenwirkungen davon.

    Beste Grüße

  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Doch nicht nur ADHS?

    Hallo Schrottkopf,

    die von Dir geschilderten Schwierigkeiten kenne ich alle sehr gut. Sorgen, Getriebenheit, empfundener Druck und die Befürchtung, zu versagen, hatten sich immer mehr verselbständigt und sich gegenseitig hochgeschaukelt. Ich habe dann auch gedacht: das ist eine "Angststörung" und habe das in der Psychotherapie (neben den Depressionen) immer wieder zum Thema gemacht.

    Es war aber keineswegs eine "latente Angst", obwohl ich darunter schon sehr lange litt. Ich war und bin überhaupt kein ängstlicher Mensch. Ob Du Dich als ängstlichen Menschen bezeichnen würdest, wenn Du mal an frühere Zeiten zurückdenkst?

    Ich habe herausgefunden, daß das Thema "Angststörung" in meiner Therapie in die Irre führte. Das meinte auch der Therapeut.

    Es handelte sich vielmehr um eine Wahrnehmungsstörung. Weil ich nur noch die Sorgen, die Getriebenheit, den Druck und die "gefürchteten" Anforderungen wahrgenommen habe - gefühlt pro Tag 24 Stunden lang - geriet ich täglich immer mehr in einen Strudel aus inneren Abwehrmechanismen.

    Ich konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren als dieses ständige "Tun-müssen", "Genügen-müssen" und "Leisten-müssen". Ich fühlte mich in diesem Strudel gar nicht mehr ganz selbst - außer in der festgefahrenen Rolle als jemand, der auf Teufel komm raus "genügen muss".

    Dieses Empfinden war nicht nur akut durch aktuelle Sorgen bedingt, sondern ein bereits in der Kindheit gelerntes Empfinden. Ich habe es nie als einen "lenkbaren Gedanken" wahrgenommen, sondern als eine Empfindung mit überwältigender emotionaler Komponente.

    Daraus hat sich eine reflexhafte innere Abwehr gebildet, die über die Jahre nicht etwa schwächer, sondern immer noch stärker geworden ist. Die späteren "äußeren Forderungen" spielten ja noch in einer "ganz anderen Liga" als jene in der Kindheit.

    In der therapeutischen Übergangsphase vom unbeschützten "Inneren Kind" zum "Inneren Erwachsenen" habe ich aber schon einiges gelernt, was ich in weniger depressiven Phasen für mich anwenden kann.

    Wesentlich war für mich, die Alternative zur inneren Abwehrhaltung gefunden zu haben: das kindliche "Sich-entziehen" und "Sich-einkapseln" lernte ich langsam, durch ein anderes "inneres Verhalten", also eine "endlich eigene Haltung" zu ersetzen. Dazu gehört für mich u.a. die "Erlaubnis", allein selbst zu bestimmen, was für mich aktuell Priorität hat. Ich habe mir früher diese Erlaubnis nie selbst geben können, denn ich war (natürlich uneingestanden) besessen davon, von der Erlaubnis anderer abhängig zu sein.

    Erst als mir eine andere innere Wahrnehmung (ein endlich anderes Empfinden) möglich wurde, konnte ich überhaupt ein "anderes Denken" herbeiführen. Vorher war mir das nicht möglich. Die durch Medikinet adult und später mit Ritalin adult gewonnene innere Befreiung von emotionalen Mustern und alten Denkschablonen hat dazu geführt, mich allmählich fast wieder wie "das Original von vor 20 Jahren" zu fühlen. Das wirkt sich offenbar auch positiv auf meine psychotherapeutischen Fortschritte aus.

    Das dann zusätzlich erhaltene Citalopram hat (nach etwa fünf Wochen) auch den Serotoninspiegel merklich normalisiert, und es gibt nun häufiger Momente, die ich so zuletzt vor 30 Jahren erlebte. Therapeutisch habe ich allerdings noch einen Weg vor mir, denn auch wenn das Medikament hilft, heißt das nicht, daß ich es als vollständigen Therapieersatz ansehe.

    Daneben nehme ich auch noch Lioran gegen die innere Angespanntheit, damit ich tagsüber gelassener bin und nachts besser schlafen kann. Es macht nicht müde, sediert nicht, und ist für mich erste Wahl - gegen jede Form von Nervosität und Ablenkbarkeit. Ich habe auch schon andere Präparate mit Passionsblume probiert, aber Lioran mit 260 mg pro Kapsel kann ich am besten über den Tag verteilt für meinen Bedarf dosieren. Es gibt auch noch viele andere Produkte mit dem selben Wirkstoff. Da ich von dem Passionsblumenextrakt inzwischen ziemlich begeistert bin, werde ich mir auch mal andere Präparate mit diesem Pülverchen anschauen - vorzugsweise solche, die nicht mit Baldrian o.ä. kombiniert sind.

    Zu Deiner angedachten Medikation und der weiteren Behandlung wünsche ich Dir viel Glück.

    Sonnige Grüße

    Talis


    Geändert von Talis (24.05.2017 um 11:39 Uhr)

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 113

    AW: Doch nicht nur ADHS?

    Hallo Talis,
    ich danke dir sehr für deinen ausführlichen und super zu lesenden Beitrag! Den von dir erwähnten Konflikt zwischen Selbstbestimmung und der Meinung der Anderen, die erfahrungsgemäß alle recht haben müssen, kenne ich ebenfalls sehr gut. Ich habe es immer auf mein schüchternes Wesen geschoben, dass ich häufig nicht in der Lage dazu bin, das Ruder zu übernehmen und selbstbestimmt zu handeln, woraus auf Dauer - so ist zumindest mein Empfinden - Ängste erwuchsen, die mich seit Jahren begleiten und die ich aktuell als unerträglich empfinde.

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