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Diskutiere im Thema AD(H)S oder bloss Faulheit? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Guten Abend zusammen

    Aktuell bin ich in einer Phase des verstärkten Reflektierens, möchte mich endlich besser kennen und verstehen lernen und auch die Ursachen finden, die mich seit Jahren frustrieren und/oder belasten.

    Ich habe mich nun (wieder) vertieft mit AD(H)S auseinandergesetzt und habe etliche Passagen gefunden, die in mir so ein Gefühl von „ja, genau so geht es mir“ auslösen. Wirklich etliche!

    Viele meiner ursprünglichen Defizite konnte ich mit den Jahren beseitigen. Mit einigen scheint es, trotz des eigentlichen Willens, einfach nicht zu klappen. Mein Problem dabei: Ich WILL, aber ich KANN einfach irgendwie nicht. Das ist extrem belastend. Und ich bin ein Mensch, der sich ständig verbessern will, aber es ist ein Kampf, der irgendwie nicht gewonnen werden kann. Primär geht es hierbei darum, dass ich es als extreme Last empfinde, dass ich keine Motivation/Konzentration aufbringen kann für Aufgaben, die mich entweder nicht interessieren, bei denen nicht sofort ein Resultat ansteht, bei denen ich nicht sicher bin oder die mich „erschlagen“, wenn ich an deren Erledigung denke. Ich bin oftmals stark überfordert damit, auch scheinbar „banale“ und einfache Dinge in die richtige Reihenfolge zu bringen und zu erledigen. Wenn ich aber mal eine solche Aufgabe dann nach langem Warten in Angriff nehme, passiert es entweder, dass ich a) am Resultat zweifle und mir denke „das hat jetzt nicht so lange gedauert – du hast das sicherlich nicht so gemacht, wie es gemacht werden sollte“ oder aber b) mir sage „war ja gar nicht so schlimm, und hat gar nicht so lange gedauert, wie du gedacht hast“. Das Problem bei Letzterem: Irgendwie scheine ich dieses „Coping“ bis heute nicht auf die Reihe zu kriegen, denn ich mache diesen „Fehler“ immer und immer wieder. Ich lerne in Bezug darauf einfach nicht dazu.

    Trotz meines jungen Alters habe ich schon viel erlebt. Dabei fällt bei mir eines auf: Es sind immer Extreme. Ob positiv oder negativ. Es gibt bei mir kein Mittelmass. Ich bin wie ein Pendel, dass zuerst stark in die eine, dann in die andere Seite schlägt, bis es - das muss aber auch nicht immer so sein – die Mitte „findet“. (und meistens klappt das auch nur, wenn sich sonst nichts verändert, das meine scheinbare Ordnung durcheinanderbringt) Dies gilt für so ziemlich alles. Wenigstens finde ich aber immer wieder auf den richtigen Weg zurück.

    Das scheinbar Paradoxe: Ich brauche ständige Veränderung. Aber gleichzeitig sehne ich mich nach Beständigkeit. Gewissermassen einem Rahmen, an dem ich mich orientieren kann.

    Wenn man jemanden, der mich kennt, auf typische ADHS-Symptome ansprechen würde, so würden die meisten Personen mit Sicherheit verneinen. Sie kennen mich ohne meine Macken. Man könnte sagen: Sie kennen meine Fassade. Was drin ist, das kenne nur ich. Und drinnen sieht es ziemlich chaotisch aus. Ich kann heute mittlerweile Ordnung halten, aber häufig habe ich das Gefühl, dass mich das sau-viel Energie und verhältnismässig viel Zeit kostet. Teilweise schlage ich sogar ins Gegenteil über, und verliere mich in Details oder verliebe mich gar in diese Feinheiten.

    Ich habe objektiv absolut keinen Grund, unzufrieden zu sein. Ich fresse mich aber innerlich auf, dass ich es bis heute nicht hinbekomme, einen geregelten Alltag zu haben und ruhig und konzentriert meiner Arbeit nachzugehen – vor allem mit Freude und Motivation. Andererseits lehne ich es irgendwie ab, weil es meinem Streben nach Freiheit zuwiderläuft. Jedenfalls meine ich das... Wenn ich besser nachdenke, ist das etwas, das mich so stark belastet, dass ich mir jeglichen „wahren Genuss“ verbiete, so lange ich das nicht hingekriegt habe.

    Es ist diese innere Unruhe, diese Getriebenheit, dieses Gefühl der Rastlosigkeit, ein Gefühl des „Nicht-Ankommens“ - Fluch und Segen zugleich. Ich habe haufenweise Ideen und dränge nach vorne. Aber ich kann das, was ich an Ideen habe, einfach nicht so umsetzen, wie ich es möchte, weil es dazu Durchhaltevermögen und Kontinuität braucht. Ich kriege es bis heute (!) nicht hin, morgens rechtzeitig aus dem Bett zu kommen und ins Büro zu fahren. Entweder höre ich den Wecker nicht oder nutze extensiv die Schlummerfunktion. Und wenn ich mal aufgestanden bin, dann trödle ich stundenlange rum (wenigsten frühstücke ich mittlerweile) und fahre teilweise erst mittags ins Büro. Oder aber auch gar nicht. Oftmals tue ich nur so, als würde ich arbeiten. Teilweise ist mir langweilig, teilweise habe ich keine Lust auf die Aufgaben und teilweise habe ich auch irgendwie „Angst“ vor den Aufgaben. Teilweise bin ich vor meinem Rechner, und klicke nur wild herum. Ich habe immer die Vorstellung, eine Aufgabe in einem Stück abschliessen zu müssen, weil ich mittlerweile weiss, dass ich – sollte ich es nicht an einem Tag fertig stellen können – für Tage liegen bleibt. Dann passiert es nämlich, dass ich die nächsten Tage ständig daran denke und mich damit gedanklich beschäftige, es aber nicht gebacken kriege, die Aufgabe stattdessen in Angriff zu nehmen.

    Ein weiteres Problem von mir: Kritik und „scheinbar negative Erlebnisse“. Ersteres vertrage ich gar nicht. Entweder nehme ich dann eine defensive Haltung ein und werde „ganz klein“. Oder ich schiesse zurück. Wenn etwas passiert, das für mich „Gegenteil von Erfolg“ bedeutet, dann ist der Tag (oder auch mehrere) für mich oftmals gelaufen. Dann bin ich niedergeschlagen.

    Ich habe teilweise ziemliche Schwierigkeiten, Situationen und Aussagen zu deuten. Dies gilt gleichermassen für positive wie auch negative. Ich weiss nicht, woran das liegt. Weil ich kritische Aussagen vermeiden will, meide ich grössere Gruppen. Ich kann damit nicht umgehen. Mir geht vieles, was jemand sagt, nahe. Ich würde sagen, ich habe Schwierigkeiten im Umgang mit anderen. Oftmals bin ich „erstaunt“, wie positiv jemand über mich denkt, weil ich totale Mühe habe mir realistisch vorzustellen, wie andere mich sehen.

    Ich habe so viele Dinge in meinem Leben angefangen, die ich oftmals nach sehr kurzer Zeit abgebrochen habe. Die Gefühlslage dabei ist „gemischt“. Es ist – je nach Situation - Angst, Abneigung, Langeweile, der Gedanke an etwas anderes Interessantes, ausbleibende sofortige „Resultate“ uvm.

    Ein kleines Beispiel ab meinem 14. Lebensjahr: In der Schweiz kann man bereits ab der 8. Klasse ans Gymnasium. Ich bin also ans Gymnasium. Nach 1 Woche rumgeheult. Bin dann zurück in die Oberstufe. Dann wusste ich nicht, was ich machen soll. Also beworben für eine kaufmännische Ausbildung, 3 Zusagen erhalten, alle ausgeschlagen, nochmals Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium. Nochmals hin. Wieder abgebrochen. Kurzerhand Ausbildungsplatz gesucht und erhalten. Dort angefangen. Nach einem halben Jahr in die Berufsmatura gewechselt. Bedingung war ein 5.3-Schnitt. Hingekriegt, danach nichts mehr gemacht, da gelangweilt. (und „aufgelehnt“) Nach einem Jahr Wechsel des Ausbildungsbetriebs. Ausbildung irgendwie abgeschlossen. (wenn ich mein Ausbildner gewesen wäre, hätte ich mich rausgeschmissen) Nach einem Jahr Erwachsenenmatura begonnen. Nach kurzer Zeit abgebrochen. Danach Studium begonnen. Wieder nach kurzer Zeit abgebrochen.

    Mittlerweile studiere ich wieder. Diesmal ziehe ich es auch durch. Ich habe mich mittlerweile dran gewöhnt, dass ich dafür etwas tun muss, da es sonst nichts wird. Die „Strukturen“ geben mir wenigstens irgendwie eine „Richtung“ vor. Und die erfolgreich abgelegten Klausuren zeigen mir, dass ich es kann. Und ich mag es sogar. Aber auch hier: Ich weiss von anderen, dass sie stunden- und tagelang lernen. Ich nehme mir jeweils auch 2 Wochen frei, um mich intensiv vorzubereiten. Die meiste Zeit aber vertrödle ich meine Zeit; effektiv und produktiv lerne ich höchstens 1-2 Tage. Ich "tue oftmals" so, als würde ich etwas machen. Dabei mache ich gar nichts. Denn wenn ich es mal hinkriege, mich hinzusetzen, bin ich gedanklich schon wieder „weiter“. Als würde mich innerlich etwas daran hindern wollen, mich dieser Aufgabe in diesem Moment zu widmen. Ich kann es nicht beschreiben.

    Mein Glück im Leben ist, dass ich mit ein wenig Intelligenz gesegnet wurde und es immer „irgendwie“ hingekriegt habe. Teilweise sogar erstaunlich gut. Mir ist im Leben extrem Vieles "zugeflogen" und irgendwie hatte ich immer auch Glück.

    An beruflichen Projekten (selbständig) habe ich mich schon an etwa 10 Projekten versucht, die ich zum grössten Teil nach kurzer Zeit fallen liess, weil ich dann doch keine Motivation aufbringen konnte, mich mit dem „langweiligen Zeug“ zu befassen. Eine Firma habe ich dann aber irgendwie aufgebaut, weil ich mir einen disziplinierten Partner ins Boot geholt habe, den ich aber bereits nach kurzer Zeit nicht ausstehen konnte, da er das komplette Gegenteil von mir ist. Die Firma habe ich mittlerweile verkauft und widme mich anderen Dingen. Dieser Geschäftspartner ist „Fluch und Segen“ zugleich. Einerseits war ich so gezwungen, disziplinierter zu werden, mein Leben „auf die Reihe zu kriegen“ usw. Aber andererseits war es auch „zuviel“, da ich das so nicht mitmachen kann. Es ist kein Umfeld, das ich will. Nach etlichen Jahren habe ich mich nun endlich davon gelöst. Ich habe für mich mittlerweile Strategien gefunden, wie ich meine Schwächen und Probleme kompensieren kann. Dazu zählen Mitarbeiter. Trotzdem mache ich mir Sorgen, wie ich die nächste Zeit bestreiten soll. Finanziell habe ich „ein wenig“ Ruhe, aber der Gedanke daran, wie ich bin, sorgt regelmässig für „Panik“.

    Was dagegen spricht:

    - Gemäss meinen Eltern wies ich als Kind keine der allgemein bekannten Symptome auf; ich war ein „vorbildliches“ Kind, das ordentlich war und nicht negativ auffiel. Schulisch hatte ich nie Schwierigkeiten. Ob ich mich konzentrieren konnte, weiss ich ehrlich gesagt nicht mehr. Ich hatte aber immer gute Noten. Andererseits musste ich dafür kaum etwas machen. Die „Schwierigkeiten“ gingen allesamt so ab 14/15 los. Sozial war ich immer zurückgezogen. Viele Freunde hatte ich nicht. Ich hatte immer das Gefühl, andere Kinder würden mich meiden. (bin ein Migrantenkind) Damit habe ich mich abgefunden und war „zurückgezogen“. Bloss ein Klassenlehrer (müsste mit 9-12 Jahren gewesen sein) meinte (das teilte mir kürzlich meine Mutter mit), ich würde meine Mitschüler stören. Ich kann mich daran aber absolut nicht erinnern. In der 7. Klasse und weiter hiess es, ich wäre „nicht nett“/sozial zu meinen Mitschülern. Auch das verstehe ich bis heute nicht.

    Von Zeit zu Zeit, wenn sich mein Befinden veränderte, war ich bei Fachpersonen, die immer wieder etwas Neues feststellten. Von Burnout resp. mittelschweren Depressionen über eine generealisierte Angststörung bis hin zu ADHS (mit Anfang 20, auf meinen Verdacht hin, aber damals war ich nicht wirklich reif, mich damit auseinanderzusetzen) Zwei andere sagen (einen kann ich eh nicht ernst nehmen und ein anderer meinte das anhand von zwei Fragebögen), ich hätte kein ADHS.

    Bin ich also einfach nur faul oder kann sich AD(H)S auch erst später „entwickeln“ resp. zeigen?

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.744

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Entwickeln nein. Zeigen eigentlich auch nicht ...

    Aber ...
    1. sind die Aussagen von früher (Schule) fast immer "gefärbt".
    2. Betroffene erinnern sich oft verkehrt.
    3. Eltern relativieren uU aus den verschiedensten Gründen oder verschliessen auch mal völlig die Augen.
    4. Weiss man oft gar nicht, was das AD(H)S genau bei einem macht, weil es ja in alle Lebensbereiche eingreift und wie soll man etwas als "falsch" erkennen, wenn man es doch gar nicht anders kennt und das normal für einen (und manchmal auch für das (ebenfalls betroffene) familiäre Umfeld ist.

    Und man kann sich tatsächlich durchmogeln. Nicht unbemerkt, aber doch dann auf den einzelnen Teilen unerkannt. - Was ein grosser Unterschied ist.

    Fragebögen reichen alleine zur Diagnostik nicht aus! Dazu sollte schon etwas mehr gehören.

    Dennoch ist es möglich, dass man Symptome zeigt, aber kein AD(H)S hat. Es gibt andere Sachen, bei denen auch ein Teil der Symptome auftreten können.

    Hast du dich ernsthaft bemüht, konntest es aber nicht umsetzen, dann würde ich auf ein Problem mit den exekutiven Fähigkeiten tippen.

    Hast du dich anfangs bemüht und dann einfach die Lust verloren, dann wäre der Übergang von "normal" zu "da stimmt was nicht" sehr fliessend. Da müsste man dann wohl tiefer gucken, aber dazu müsstest du zumindest zu dir dann auch ehrlich sein.


    Ich könnt noch ein bisschen ... aber ich geh jetzt dann doch schlafen. Mag ein anderer Mensch hier noch wirken.

    Gute Nacht!

  3. #3
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 887

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Faulheit nein .. nur manchmal ist mir alles zuviel da muß ich langsam machen wie sollen das die Stinos verstehen

  4. #4
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    ChaosQueeny schreibt:
    Hast du dich ernsthaft bemüht, konntest es aber nicht umsetzen, dann würde ich auf ein Problem mit den exekutiven Fähigkeiten tippen.
    Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du, ob ich einfach nicht die Fähigkeiten habe. Oder anders formuliert: Ich gebe alles, aber es klappt nicht. Falls ja, so ist das bei mir kein Thema.

    ChaosQueeny schreibt:
    Hast du dich anfangs bemüht und dann einfach die Lust verloren, dann wäre der Übergang von "normal" zu "da stimmt was nicht" sehr fliessend. Da müsste man dann wohl tiefer gucken, aber dazu müsstest du zumindest zu dir dann auch ehrlich sein.
    Ich habe absolut keine Schwierigkeiten damit, ehrlich zu mir zu sein und mir auch meine "Schwächen" einzugestehen. Die Angst davor habe ich längst überwunden.

    ChaosQueeny schreibt:
    Ich könnt noch ein bisschen ... aber ich geh jetzt dann doch schlafen. Mag ein anderer Mensch hier noch wirken.
    Trotzdem danke!

  5. #5
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Mopet schreibt:
    Faulheit nein .. nur manchmal ist mir alles zuviel da muß ich langsam machen wie sollen das die Stinos verstehen
    Hallo Moped, leider verstehe ich deinen Beitrag inhaltlich nicht. Was sind "Stinos"?

  6. #6


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 5.965

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Stinos (Stinknormale)
    So bezeichnen einige ADHS-Betroffene Menschen ohne ADHS die uns immer wieder weissmachen wollen, wir müssen uns nur genug anstrengen dann geht es schon.


    Zuerst einmal habe ich das Gefühl du beschreibst in vielen Abschnitten mein Leben.

    Gemäss meinen Eltern wies ich als Kind keine der allgemein bekannten Symptome auf; ich war ein „vorbildliches“ Kind, das ordentlich war und nicht negativ auffiel. Schulisch hatte ich nie Schwierigkeiten. Ob ich mich konzentrieren konnte, weiss ich ehrlich gesagt nicht mehr. Ich hatte aber immer gute Noten. Andererseits musste ich dafür kaum etwas machen. Die „Schwierigkeiten“ gingen allesamt so ab 14/15 los.
    Das ist gar nicht so selten. Wie ChaosQueeny schon geschrieben hat, kann man sich lange durchmogeln. Viele bekommen die Diagnose erst als Erwachsene, z.B wenn die Energie nicht mehr langt um Stratergien aufrecht zu erhalten, die einen vorher geholfen haben, oder wenn plötzlich zusätzliche Anforderungend dazu kommen.

    Aber gerade die anderen Dinge die du beschrieben hast, z.B. Ich habe teilweise ziemliche Schwierigkeiten, Situationen und Aussagen zu deuten.oder Es ist diese innere Unruhe, diese Getriebenheit, dieses Gefühl der Rastlosigkeit, und andere sind bei Menschen mit ADHS keine Seltenheit.

    Ein Kriterium dazu ist noch der Leidensdruck. Immer das Gefühl haben, irgendwie geht es nicht so, wie ich gern möchte, immer wieder "versage" ich.

    Das kann dann mit der Zeit zu Depressionen führen, die dann von Fachpersonen als Depressionen diagnostiziert werden ohne als Ursache eine unerkannte ADHS zu bemerken.

    Daher ist es wichtig, eine sorgfältige Differenzialdiagnose machen zu lassen, von einer Fachperson, die sich sehr gut mit ADHS auskennt.

    Adressen von solchen Fachpersonen bekommst du bei elpos oder bei ADHS 20 +

    Alles Gute und liebe Grüsse
    Pucki

  7. #7
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 39

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Lieber BoruBoru

    Mir kommt vieles, was Du schreibst sehr bekannt vor, obwohl ich mehr als doppelt so alt bin wie Du.

    Bei mir ist die Diagnose ADS erst jetzt mit 61 herausgekommen und ich war anfänglich recht schockiert.

    Bis jetzt hatte ich mich immer irgendwie durchgeschlagen und meine Neugier und mein Humor haben mir immer wieder geholfen. Nach schlechten Phasen kamen auch immer wieder gute.

    Wenn bei mir letztes Jahr nicht Brustkrebs diagnostiziert worden wäre, hätte ich das ADS wahrscheinlich gar nie herausgefunden.

    Die Operation und die Bestrahlungen hatte mir die ganze Kraft, die ich immer schon für die ganze Kompensation brauchte, um einigermassen zu funktionieren, genommen.
    Ich konnte mich überhaupt nicht mehr konzentrieren und war extrem müde und vergesslich, was ich zuerst auf die Narkose und Bestrahlung zurückführte.

    Als ich wieder an den Arbeitsplatz zurück wollte, kamen Vorwürfe, dass ich schon vorher ziemlich viele Flüchtligkeitsfehler mache und vergesslich und unkonzentriert sei und alles auf den letzten Drücker erledigte, resp. immer zuerst das machte, was mir Spass machte und so die To Do Liste nicht einhalte. Wegen des Chaos auf meinem Tisch oder in den Unterlagen, brauchte ich immer wieder viel Zeit zum Suchen der Dinge.

    Ich dachte zuerst an Mobbing und man wolle mich auf Grund des Alters und der Erkrankung loswerden. Nach längerer Krankschreibung wegen nicht endender Erschöpfung musste ich mich neben der normalen vertrauensärztlichen Untersuchung auch psychiatrisch und neurologisch abklären lassen, da ich auf der körperlichen Ebene wieder hätte arbeitsfähig sein sollen.

    Da wurde ich erstmals mit dem Verdacht auf ADS konfrontiert und all die Vorwürfe machten plötzlich Sinn. Der Psychoonkologe, bei dem ich wegen dem Brustkrebs war, fand zwar, das könne nicht sein und wollte mir verschiedene Antidepressiva verschreiben, damit ich wieder zurück an meine Arbeitsstelle könne. Ich wusste aber, dass ich nicht depressiv war und sagte ihm, dass ich eine Fachperson für ADHS suchen werde und dies abklären wolle. Obwohl ich nach aussen geordnet wirke habe ich in meinem Kopf aber auch zuhause ein ziemliches Chaos und mache erst Ordnung, wenn sich jemand zum Besuch anmeldet.

    So kam ich auch auf dieses Forum. Ich fand auf der ADHS 20+ Seite eine Ärztin und versuche es jetzt seit etwas über einem Monat mit Medikinet.

    Auch bei mir finden viele, die mich seit Jahren kennen, das hätte man doch früher merken müssen, das könne nicht sein. Ich könne doch Filme schauen und mich im Gespräch konzentrieren, habe ja auch noch mit Mitte 30 die Matura (zwar mit Ehrenrunde) nachgeholt und es gebe viele andere, die das Studium auch nicht abgeschlossen haben oder im Job mal gekündigt worden sind, etc.

    Bei vielen Filmen merke ich aber erst zum Schluss, dass ich den schon mal gesehen habe. Hihi.
    Wenn mich ein Thema wirklich interessiert, kann ich mich auch total reingeben und die Zeit total vergessen.

    Also lieber BoruBoru, ich wäre froh gewesen, wenn ich früher auf die Diagnose gestossen worden wäre. Dann hätte ich mir wohl auch spannendere Jobs gesucht oder mich motivieren können, doch noch ein Studium abzuschliessen.

    Du hast bis jetzt alles sehr gut gemeistert und wirst es sicher auch in Zukunft schaffen.

    Kläre die Diagnose bitte möglichst schnell und gründlich ab und zwar bei jemandem, der sich wirklich in AD(H)S auskennt.

    Hast Du denn bei den früheren Diagnosen wie Angststörung oder Depression Medikamente genommen?

    Lieber Gruss
    Lunatic

  8. #8
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Pucki schreibt:
    Stinos (Stinknormale)
    So bezeichnen einige ADHS-Betroffene Menschen ohne ADHS die uns immer wieder weissmachen wollen, wir müssen uns nur genug anstrengen dann geht es schon.


    Zuerst einmal habe ich das Gefühl du beschreibst in vielen Abschnitten mein Leben.


    Das ist gar nicht so selten. Wie ChaosQueeny schon geschrieben hat, kann man sich lange durchmogeln. Viele bekommen die Diagnose erst als Erwachsene, z.B wenn die Energie nicht mehr langt um Stratergien aufrecht zu erhalten, die einen vorher geholfen haben, oder wenn plötzlich zusätzliche Anforderungend dazu kommen.

    Aber gerade die anderen Dinge die du beschrieben hast, z.B. Ich habe teilweise ziemliche Schwierigkeiten, Situationen und Aussagen zu deuten.oder Es ist diese innere Unruhe, diese Getriebenheit, dieses Gefühl der Rastlosigkeit, und andere sind bei Menschen mit ADHS keine Seltenheit.

    Ein Kriterium dazu ist noch der Leidensdruck. Immer das Gefühl haben, irgendwie geht es nicht so, wie ich gern möchte, immer wieder "versage" ich.

    Das kann dann mit der Zeit zu Depressionen führen, die dann von Fachpersonen als Depressionen diagnostiziert werden ohne als Ursache eine unerkannte ADHS zu bemerken.

    Daher ist es wichtig, eine sorgfältige Differenzialdiagnose machen zu lassen, von einer Fachperson, die sich sehr gut mit ADHS auskennt.

    Adressen von solchen Fachpersonen bekommst du bei elpos oder bei ADHS 20 +

    Alles Gute und liebe Grüsse
    Pucki
    Danke für deine Antwort. Das mit dem Leidensdruck ist schon "omnipräsent". Lange habe ich das so direkt gar nicht wahrgenommen. Allgemein war es bis vor kurzem bei mir so, dass ich, auch wenn ich es versuchte (und heutzutage wird Selbstreflexion ja propagiert wie nichts anderes), vieles einfach nicht einordnen konnte. Seit einigen Jahren beschäftgie ich mich intensiver mit mir selbst und sehe auch gewisse Dinge nüchterner. (liegt vielleicht auch an den Erfahrungen und der Reife; mit 30 ist das natürlich etwas anderes als mit 20)

  9. #9
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Lunatic schreibt:
    Bis jetzt hatte ich mich immer irgendwie durchgeschlagen und meine Neugier und mein Humor haben mir immer wieder geholfen. Nach schlechten Phasen kamen auch immer wieder gute.
    So ähnlich geht es mir auch. Mit dem Alter verinnerlicht man das. Das einzig „Belastende“, das bleibt, ist das Wissen, dass die Handbremse angezogen ist. Jedenfalls geht es mir so.

    Lunatic schreibt:
    Wenn bei mir letztes Jahr nicht Brustkrebs diagnostiziert worden wäre, hätte ich das ADS wahrscheinlich gar nie herausgefunden.
    Das tut mir leid zu hören, aber etwas „ketzerisch“: Das ist ein Beispiel dafür, dass alles auch seine guten Seiten hat.

    Lunatic schreibt:
    Als ich wieder an den Arbeitsplatz zurück wollte, kamen Vorwürfe, dass ich schon vorher ziemlich viele Flüchtligkeitsfehler mache und vergesslich und unkonzentriert sei und alles auf den letzten Drücker erledigte, resp. immer zuerst das machte, was mir Spass machte und so die To Do Liste nicht einhalte. Wegen des Chaos auf meinem Tisch oder in den Unterlagen, brauchte ich immer wieder viel Zeit zum Suchen der Dinge.
    Damit habe ich mittlerweile überhaupt keine Schwierigkeiten. Bei mir ist das mittlerweile sogar überordentlich. Ich muss das ordentlich machen, ansonsten bin ich gefrustet. (ich will nicht von einem Zwang sprechen, aber unordentliche Ablage ist für mich gleichbedeutend mit Frust) Was aber bei mir häufig passiert: Ich stelle die Ordnung nicht sofort her, sondern lege es oftmals auf einen Stapel, und befasse mich dann irgendwann mal mit der „sauberen Ablage“.

    Lunatic schreibt:
    Obwohl ich nach aussen geordnet wirke habe ich in meinem Kopf aber auch zuhause ein ziemliches Chaos und mache erst Ordnung, wenn sich jemand zum Besuch anmeldet.
    Kommt mir alles sehr bekannt vor.

    Lunatic schreibt:
    Du hast bis jetzt alles sehr gut gemeistert und wirst es sicher auch in Zukunft schaffen.
    Danke, das ist lieb.

    Lunatic schreibt:
    Kläre die Diagnose bitte möglichst schnell und gründlich ab und zwar bei jemandem, der sich wirklich in AD(H)S auskennt.
    Werde ich machen. Muss mir Zeit nehmen, und eine passende „Stelle“ suchen.

    Lunatic schreibt:
    Hast Du denn bei den früheren Diagnosen wie Angststörung oder Depression Medikamente genommen?
    PN. (sobald ich freigeschaltet wurde)

  10. #10
    Chef - Knuddler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.335

    AW: AD(H)S oder bloss Faulheit?

    Klingt für mich weder nach dem Einen,noch dem Anderen,sondern nach einem sehr leistungsfähigen Menschen mit extrem hohen Ansprüchen an sich selbst-wobei Ansprüche jetzt ja an sich nix Schlimmes sind. Es wirkt auf mich nur leider schon zwanghaft.

    Also,wenn pathologisch,dann in dieser Richtung,keiner anderen!

    Hauptsächlich wiederum aufgrund der einfachen Tatsache,dass die Aufrechthaltung einer derart perfekten Fassade a)einem Kind und von Kindesbeinen an nicht möglich ist,wenn wirklich Defizite vorhanden sind und b)die Fassade an sich ebenfalls irgendwie als "unnatürlich" auffallen müsste,wäre sie wirklich das Ergebnis entsprechend ausgeprägter Defizite und nicht eher Subjektiver.

    Es scheint ja aber-selbst im engsten Bekanntenkreis- gar nichts aufzufallen und was mal als merkliches Problem da gewesen sein mag,wurde bereits selbst "therapiert". Und DAS ist, bei Vorhandensein irgendeiner krankheitswertigen Störung,durchaus merkwürdig. Wie gesagt,abgesehen von den Zwängen und -einem schwachen Selbstwertgefühl.

    An dieser Stelle möchte ich sehr deutlich machen,dass ich nicht daran zweifle,DASS Du leidest! Nur kann man tatsächlich auch am Selbstbild leiden,was therapiebedürftig ist! Und das ist mein persönlicher Eindruck.
    Geändert von luftkopf33 (23.12.2016 um 19:36 Uhr)

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