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Diskutiere im Thema Nach Diagnose noch verwirrter im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
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Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 74

    Nach Diagnose noch verwirrter

    Ich hoffe ihr könnt mir helfen.

    Letzte Woche Dienstag hatte ich einen (eindeutig) positiven ADHS-Test. Seitdem bekomme ich auch Medikinet Adult (zuerst 10mg, jetzt 20mg je morgens).

    Davor hab ich auf eine positive Diagnose gehofft, ein Ergebnis, dass meine ganze jahrelange Odyse erklärt. Mir erlaubt zu verstehen, warum ich immer der aufgedrehte Außenseiter war. Problem seit der Diagnose: Ich kann seitdem kaum an was anderes denken und beobachte mich tierisch genau.

    Ich führe ein tägliches Tagebuch wenn ich das Medikament einnehme, schreibe auf, was die Auswirkungen sind. Und ständig wechselt meine eigene Akzeptanz für die Krankheit.

    Beispiele wo ich mir denke "Tobi, du hast ADHS, der Doc hatte recht":
    - z.B. Handy auf den Tisch gelegt und keine Minute später ewig gesucht
    - Fünf bis 10 Reiter im Browser geöffnet und ständig zwischen den Themen springen
    - Leichte Ablenkbarkeit ohne Medis
    - Teils richtige Agressivität am Steuer/Straßenverkehr, rasante Fahrweise
    - Kaufrausch mit früher richtiger Verschuldung (mit 21 hatte ich 15k Schulden)
    - Ich bin Abends von einer inneren Unruhe getrieben, komme meist viel zu spät ins Bett weil ich noch "das und das" erledigen muss
    - Teilweise sitze ich in der Arbeit oder daheim und z.B. wackel mit dem Fuß, oder habe den Drang zu nem Kollegen zu gehen

    Und dann gibts da noch so Situationen wo ich mich richtig dran zweifeln lassen:
    - Ich kann hier im Forum auch längere Texte lesen und mir merken
    - Außenstehende beschreiben ADHSler als nicht auszuhalten. Meine Kollegen und Freunde halten es aber größtenteils mit mir aus (wenn ich ned zu viel rede )
    - Ich kann auch ohne Medis (und vor allem kurz vor Prüfungen) auch mal 30 min am Stück lesen oder lernen
    - Meine Finanzen stehen heute dank diverser Nebenjobs gut da
    - Wenn ich mir wichtige Dinge aufschreibe oder in den Kalender eintrage läuft meine Organisation ziemlich gut
    - Nochmal zum rumsitzen: Wenn ich irgendwie beschäftigt bin am Rechner und wenig abgelenkt (daheim beim zocken) kann ich stundenlang relativ ruhig sitzen bleiben
    - Ich konnte bereits vorher irgendwie alles auf die Reihe bekommen


    Das hat den Hintergrund, dass ich A) Angst davor habe es anderen zu erzählen, und später kommt heraus, dass ich das gar nicht habe und B) mich mit Medis "dope" und bessere Leistungen erbringe, aber wenn dann irgendwann alles "auffliegt" ich ein Hochstapler sein könnte

    Gings euch ähnlich? Trotz sicherer Diagnose Zweifel gehabt? Muss man das ganze vielleicht erstmal verdauen und man akzeptiert es mit der Zeit? Freu mich über hilfreiche Worte, mein Hirn bringt mich noch um meinen Verstand

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 8.091

    AW: Nach Diagnose noch verwirrter

    MissingNo schreibt:
    ....Das hat den Hintergrund, dass ich A) Angst davor habe es anderen zu erzählen, und später kommt heraus, dass ich das gar nicht habe und B) mich mit Medis "dope" und bessere Leistungen erbringe, aber wenn dann irgendwann alles "auffliegt" ich ein Hochstapler sein könnte

    Gings euch ähnlich? Trotz sicherer Diagnose Zweifel gehabt? Muss man das ganze vielleicht erstmal verdauen und man akzeptiert es mit der Zeit? Freu mich über hilfreiche Worte, mein Hirn bringt mich noch um meinen Verstand
    Hallo Tobi,

    wie geht's dir eigentlich mit der Medikation?
    Hast du gespürt, dass was anders ist?

    Also ich habe in deinem Alter und noch viel länger "irgendwie alles auf die Reihe bekommen".
    Na ja, früher war auch alles noch leichter .....

    Aber dass ich ein bisschen anders bin, das habe ich schon als Kind gemerkt.
    Und in der Arbeit sind mir manchmal grad die einfachen Dinge schwer gefallen.
    Mit meinen Kollegen bin ich immer prima zurecht gekommen, am liebsten habe ich andere vertreten,
    weil ich so neugierig war. Die fanden meine Arbeit immer vorbildlich.

    Irgendwann wurde mir alles ein bisschen viel, zu anstrengend, und da meine beiden Kinder die Diagnose hatten,
    ließ ich mich auch mal angucken und da merkte ich, dass sie das ADHS nicht nur von meinem Mann geerbt hatten.

    Und mir wurde auch klar, warum ich immer so viel Angst hatte, so ungefähr wie die Gallier, dass mir "der Himmel
    auf den Kopf fliegt". Inzwischen nehme ich das Medikament regelmäßig, ich merke, ich bin einfach "besser drauf".

    Aber schon allein zu lernen, wie man "ADHS-freundlich" lebt, hilft weiter, man kann z. B. diese blöden Selbstzweifel und
    das geringe Selbstwertgefühl abbauen. Früher hatte ich auch manchmal so ein Gefühls-Auf-und-Ab. Zum Glück habe ich
    dann nichts Blödes gemacht, höchstens meinen Balkongarten umgegraben oder ein Möbelstück farbig angestrichen.

    Ich setze mal einen Link rein, man kann das Buch im Internet lesen. Falls du es zu "kindisch" findest, ignoriere es einfach.
    Ich selbst lese immer wieder die Tipps aus dem Buch - s. unten. Habe sie mir abgeschrieben und trage sie immer bei mir.

    http://myadhs.com/

    Ich glaube erzählen musst du das niemanden, wenn du nicht willst und ein "Hochstapler" bist du bestimmt nicht.
    Es ist gut, auf sich acht zu geben! Oder "Vorsorge ist besser als bohren", ADHS-Betroffene sind nämlich sehr gefährdet,
    auszubrennen.

    Alles Gute!
    Gretchen
    Geändert von Gretchen ( 6.10.2016 um 17:53 Uhr) Grund: the missing link

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.652

    AW: Nach Diagnose noch verwirrter

    MissingNo schreibt:
    Das hat den Hintergrund, dass ich A) Angst davor habe es anderen zu erzählen, und später kommt heraus, dass ich das gar nicht habe
    Ich habe dir glaube ich woanders schon mal gesagt, dass es sehr unklug wäre, es jetzt Anderen zu erzählen.

    Nicht weil herauskommen könnte, dass du es nicht hast. Sondern weil du nicht sicher bist und man es dir gnadenlos zerreden wird, was dich weiter verunsichert.

    und B) mich mit Medis "dope" und bessere Leistungen erbringe, aber wenn dann irgendwann alles "auffliegt" ich ein Hochstapler sein könnte
    Ja und? Sind wir hier auf dem Sportplatz? Du kannst mit Methylphenidat keine besseren Leistungen vollbringen als du von dir aus auch so könntest, oder nur sehr sehr kurzfristig. Die ganze "Ritalin als Doping für Studenten"-Debatte ist völlig künstlich. Die "Studenten", die damit dauerhaft (also über den Placebo-Effekt hinaus) Erfolg haben, sind vermutlich ADHS-ler, nur wissen sie das nicht.

    Gings euch ähnlich? Trotz sicherer Diagnose Zweifel gehabt? Muss man das ganze vielleicht erstmal verdauen und man akzeptiert es mit der Zeit? Freu mich über hilfreiche Worte, mein Hirn bringt mich noch um meinen Verstand
    Nein, tut mir leid, mir ging es nicht ähnlich. Ich hatte Jahre vorher schon viel über ADHS gelesen und war mir schon sehr sicher.

    Es zu akzeptieren war trotzdem nicht leicht. Und zwar den Gedanken, wenn das als ich Kind war schon klar gewesen wäre, wieviel Leid und Selbstverurteilungen und Vorwürfe von Anderen wären mir erspart geblieben.

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 74

    AW: Nach Diagnose noch verwirrter

    Gretchen schreibt:
    Hallo Tobi,

    wie geht's dir eigentlich mit der Medikation?
    Hast du gespürt, dass was anders ist?
    Das definitiv! Ich quasel weniger, konzentier mich mehr, kann das Handy auch mal ne Stunde beiseite legen und meine Arbeit machen. Auch glaub ich, dass die Fehler weniger geworden sind. Aktuell haben wir aber nicht so viel zu tun...

    Gretchen schreibt:
    Aber dass ich ein bisschen anders bin, das habe ich schon als Kind gemerkt.
    Und in der Arbeit sind mir manchmal grad die einfachen Dinge schwer gefallen.
    Mit meinen Kollegen bin ich immer prima zurecht gekommen, am liebsten habe ich andere vertreten,
    weil ich so neugierig war. Die fanden meine Arbeit immer vorbildlich.
    Das ganze kenn ich, nur war ich vor fünf Jahren nach der Ausbildung noch kindlicher, meiner Entwicklung hinterher und hab mich ziemlich daneben genommen. Mittlerweile bekomm ich vom Chef sogar Lob, dass bei mir eine deutliche Entwicklung sichtbar war und ist. Härter trifft es mich wenn ich mal Kritik bekomme, weil ich es ja sehr versuche mich zu verbessern und ehrgeizig bin :/

    Danke dir für den Link

  5. #5
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.798

    AW: Nach Diagnose noch verwirrter


    Hey MissingNo/Tobi!

    Ich kann mich meinen klugen VorschreiberInnen inhaltlich nur anschließen-vielleicht mit der Ergänzung,dass Dein Dich so frech um den Verstand bringende Gehirn nach Möglichkeit anderweitig beschäftigt werden sollte,während Du versuchst,ein wenig "runterzufahren".

    Die Sache etwas mehr "auf Dich zukommen zu lassen" und "Dich nicht von anderen verrückt machen zu lassen" sind ja nun zwar sehr lobenswerte,jedoch weniger intellektuell (heraus)fordernde Bestrebungen!

    Ich steck' ja nicht in Deinem Kopf,aber ich kenne den MEINEN-und der tillt gern mal aus,wenn er dann nicht konstruktiv und bittebitte MIT ANDEREN DINGEN! beschäftigt wird.

    Gibt es die Möglichkeit,Dich intellektuell irgendwie abzulenken? Klingt vielleicht komisch,hilft erfahrungsgemäß aber recht gut!

  6. #6
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Nach Diagnose noch verwirrter

    Hallo,

    ich hab meine Diagnose auch noch nicht so lange. Aber auf dem Weg zur Diagnose war es mir wichtig, nicht vorschnell irgendwelche Wege einzuschlagen, die sich nachher als wenig hilfreich erweisen, also, den Ball flach halten, versuchen, den Kopf zu beschäftigen und das Rad im Hirn zu bremsen (klingt einfach, ist aber das große Problem) und einfach zu warten.

    Außenstehende in den Ablauf einbeziehen ist selten angebracht. Manche verstehen es nicht (Der hat was an der Birne...), andere wollen ihre Meinung loswerden und der Rest interessieret sie nicht. Und dann gibt es nich die Gruppe, die dir ins Gesicht freundlich tut, aber das Messer, das sie die in den Rücken stechen wollen, schon in der Hand haben...

    Ich hoffe, du findes DEINEN Weg!

    Viel Erfolg!

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