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Diskutiere im Thema Fehldiagnosen sind keine Seltenheit... im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 38

    Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    Hallo,
    da ich nicht wusste, wo es am besten passt und ich hier und da schon viel las, dachte ich mir, ich mache mal auf eine Doktorarbeit aufmerksam. Sie ist zwar aus dem Jahre 2005 aber trotzdem aktuell. Verfasst wurde sie von Kristina Steckel, geb. Drewermann.

    Oft laufen AD(H)sler jahrelang mit einer falschen Diagnose durch die Welt. Das liegt daran, dass man einerseits psychische Störungen entwickelt, wenn das AD(H)S unbehandelt bleibt und andererseits es manchmal schwer abzugrenzen ist. Und in äußerst seltenen Fällen tritt auch beides auf.

    Es ist allerdings bekannt, dass es unzählige Erkrankungen gibt, die häufig als Diagnose gestellt werden, obwohl es sich eigentlich um AD(H)S handelt.
    Und ist das AD(H)S in Behandlung tritt plötzlich auch eine signifikante Besserung der Symptome ein, die ursprünglich dazu führten, dass der Arzt statt AD(H)S eine Fehldiagnose stellte. Es gibt immer noch zu wenige gut ausgebildete und erfahrene Ärzte in diesem Bereich, wenngleich es besser geworden ist.
    Und einige wollen immer noch nicht wahrhaben, dass es ADHS zum Beispiel bei Erwachsenen gibt.

    Ich möchte daher mal auf eine, meiner Meinung nach, hervorragende Doktorarbeit hinweisen. Darin wurde untersucht, was passiert, wenn Patienten mit AD(H)S, die zuvor diagnostisch bzw. von den Persönlichkeitsmerkmalen eigentlich auch anders einsortiert waren, mit Methylphenidat behandelt werden (heute gibt es auch viele andere Medikamente, aber dies war 2005 aktuell). Das Ergebnis war, dass die Symptome, die zu Fehldiagnosen führten, sich signifikant verminderten bzw. ganz verschwanden unter der Einnahme von Methylphenidat.


    Wer die Arbeit nachlesen möchte, dies ist der Link (pdf-Datei) zur Ruhr-Universität Bochum:

    http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de...stina/diss.pdf


    Macht Euch keine Gedanken, wenn eine Fehldiagnose gestellt wurde, sondern: Freut euch, wenn es jemand erkannt hat und ihr ab jetzt die richtige Behandlung erhalten könnt.
    Dies zeigt aber auch, wie wichtig es ist, zu einem Arzt zu gehen, der Erfahrung mit ADHS hat.

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 723

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    Missverständnis , sorry

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 723

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    vielen Dank für den Beitrag @ sporty: es gibt selten auch mal Überdiagnostik bei ADHS, aber wahrscheinlich ist die Unterdiagnostik von ADHS 10 bis 20 mal häufiger...

  4. #4
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 910

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    Hallo sporty,

    vielen Dank für den Link. Für meine Arbeit gut zu gebrauchen, da die Diss auf Deutsch ist. Die vielen englischsprachigen Publikationen kann ich meinen Patienten immer so gar nicht schmackhaft machen, weil so viele sich (noch) scheuen, englische Texte zu lesen.

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 38

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    ChaotSchland schreibt:
    vielen Dank für den Beitrag @ sporty: es gibt selten auch mal Überdiagnostik bei ADHS, aber wahrscheinlich ist die Unterdiagnostik von ADHS 10 bis 20 mal häufiger...
    Richtig. Das gibt es auch.
    Meist ist es andersherum, wie du sagst. Die Lobby derer, die es so sehen, dass ADHS zu oft diagnostiziert wird, ist größer, so ist zumindest mein Gefühl. Wenn ich manchmal sehe, wie in Dokumentationen oder Medien ADHS dargestellt wird, werde ich oft sehr sauer. Häufig ist es nur diese eingleisige Sichtweise. Und die Konsumenten wissen das nicht und nehmen es ungefiltert auf und verkaufen es dann auch als DIE WAHRHEIT.
    Also dachte ich mir, es ist auch mal aufmunternd, gerade in so einem Forum etwas Wissenschaftlich fundiertes zu erwähnen, was die Fehldiagnosen stützt. Denn auch sie gibt es und das gar nicht mal so selten.

    Und dem ein oder anderen hier macht es vielleicht Mut.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 723

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    ...wobei das in der Welt recht unterschiedlich ist:

    in den USA ist man Deutschland und Europa bezüglich ADHS kulturell um 20 bis 30 Jahre voraus...unter weißen Mittelklasse-Familien gibt es in USA keine nennenswerte Unterdiagnostik mehr...jedoch werden in den USA nach wie vor die nur unzureichend krankenversicherten (mal schauen, was sich da ändert mit Obama-Care) Afro-Amerikaner und Hispanics klar unterdiagnostiziert bezüglich ADHS.

    In Deutschland wird aktuell Stand 2016 gefühlt die Hälfte der Fälle von ADHS nicht erkannt bzw. unterdiagnostiziert...in allen Entwicklungsländern, Schwellenländern und kulturell ADHS-feindlichen Ländern wie Russland sieht´s noch viel schlimmer aus...

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 723

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    ich verweise bei dem Thema Fehldiagnostik mit anderen Diagnosen / Unterdiagnostik von ADHS auch wieder auf das bei statistischen Erhebungen der Diagnosehäufigkeit immer ungleiche Geschlechterverhältnis Jungen zu Mädchen von ca. 3 : 1 ....das Geschlechterverhältnis Jungen zu Mädchen beträgt in Wahrheit 1 zu 1 ...


    von wikipedia:

    """"""""""""""""""""""
    Eine Auswertung der Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) (14.836 teilnehmende Mädchen und Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren) durch das Robert Koch-Institut ermittelte ADHS-Prävalenzen nach Altersklassen. Demnach hatten im Studienzeitraum Mai 2003 bis Mai 2006 insgesamt 4,8 % (7,9 % Jungen; 1,8 % Mädchen) eine ärztlich oder von einem Psychologen diagnostizierte ADHS. Weitere 4,9 % (6,4 %; 3,6 %) der Teilnehmer galten als ADHS-Verdachtsfälle, da ihr berichtetes Verhalten auf der Unaufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsskala des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)[7] einen Skalenwert von ≥7 aufwies. Die Zahl der Diagnosen stieg von 1,5 % (2,4 %; 0,6 %) im Vorschulalter (3-6 Jahre) über 5,3 % (8,7 %; 1,9 %) im Grundschulalter (7–10 Jahre) auf 7,1 % (11,3 %; 3,0 %) im Alter von 11–13 Jahren. In der Gruppe der 14–17-jährigen sank sie auf 5,6 % (9,4 %; 1,8 %). Im Erwachsenenalter bestehe ADHS bei 30–50 % der im Kindesalter Betroffenen mit gewissen Veränderungen fort.

    """"""""""""""""""""""""

    "...auf 7,1 % (11,3 %; 3,0 %) im Alter von 11–13 Jahren..."


    also 11,3% der Jungen und 3,0% der Mädchen im Alter von 11-13 Jahren...bei der Unterdiagnostik bei Mädchen und einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1 zu 1 beträgt die Häufigkeit von ADHS im Alter von 11-13 Jahren somit in Wahrheit nicht nur 7,1% , sondern ca. 11,3%....

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.468

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    ChaotSchland schreibt:
    In Deutschland wird aktuell Stand 2016 gefühlt die Hälfte der Fälle von ADHS nicht erkannt bzw. unterdiagnostiziert...in allen Entwicklungsländern, Schwellenländern und kulturell ADHS-feindlichen Ländern wie Russland sieht´s noch viel schlimmer aus...
    Hallo Chaotschland,

    wie genau meinst du diese 50 %? Von allen Betroffenen, die einen Arzt oder eine Ambulanz aufsuchen und ausdrücklich nach ADHS-Diagnostik fragen? Das könnte hinkommen, hängt aber natürlich stark von den Ärzten ab.

    Aber du meinst sicher nicht 50 % aller ADHS-Betroffenen überhaupt. Das sind nach meiner Ansicht viel viel weniger. Die allermeisten erfahren nie im Leben davon, ADHS zu haben. Das bedeutet für viele leichter Betroffene, dass ihre Lebensqualität und die ihrer Angehörigen ohne angemessene Behandlung "nur" stark gemindert ist. Für schwerer Betroffene bedeutet es allerdings, dass sie viele Jahre offiziell wegen einer Sucht, Depression oder Persönlichkeitsstörung erfolglos behandelt werden, was sehr tragisch ist und die Gesellschaft außerdem sehr viel Geld kostet.

    Und nicht nur in den USA, auch in Deutschland ist ADHS eine Frage des Bildungs- und Vermögensstandes. Warum hält sich denn das Gerücht, ADHS-ler seien größtenteils hochintelligent, erreichen aber ihr Potenzial nicht? Nicht weil wir alle solche Superhirne sind, sondern weil bei Menschen mit Intelligenzminderung in aller Regel nicht nach ADHS gesucht wird. Dafür hat unsere Gesellschaft mehr oder weniger gute Abstellgleise. Für die Symptome des Abschweifens, der emotionalen Unausgeglichenheit und der Impulsivität wird schnell die Grundstörung oder aber die Schädigung durch ein eventuell vernachlässigendes Millieu verantwortlich gemacht.

    Macht Euch keine Gedanken, wenn eine Fehldiagnose gestellt wurde, sondern: Freut euch, wenn es jemand erkannt hat und ihr ab jetzt die richtige Behandlung erhalten könnt.
    Ja, ich selbst freue mich, die Trauer über Verpasstes in Kindheit und Jugend vergeht. Zornig macht es mich aber, an die zu denken, die noch viel später oder nie eine ADHS-Behandlung bekommen. Obwohl man es, anders als in früheren Jahrzehnten, heute besser wissen könnte.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

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    Forum-Beiträge: 723

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    ...bei den Kindern mit ADHS heute, also bei denen, die heute im Jahr 2016 die Schule besuchen, sind es gefühlt ca. 50%, die zumindest einmal eine Verdachtsdiagnose ADHS oder offizielle Diagnose bekommen (bei Jungen viel mehr als bei Mädchen...bei Mädchen ist es auch heute noch vielleicht nur 1/3 , eher nur 1/4, dessen ADHS erkannt wird)...bei allen Erwachsenen, die das Pech hatten, Kind gewesen zu sein, als man ADHS noch nicht kannte bzw. noch nicht in dem Ausmaß kannte, wie heute, bei denen liegt der Anteil an erkannten und diagnostizierten Fällen von ADHS bei nicht einmal 10%...

    ...mal angenommen, die tatsächliche Häufigkeit / Prävalenz von ADHS bei Erwachsenen liegt bei ca. 10%...das wären ca. 8 Millionen Menschen in Deutschland...

    ...wie viele Menschen haben in Deutschland im Jahr 2016 jemals ungefähr eine offizielle Diagnose "ADHS im Erwachsenenalter" erhalten...grob geschätzt vielleicht 200.000, das sind nur 2,5% von 8 Millionen...so schlecht sieht´s also bei ADHS im Erwachsenenalter in Deutschland aus...

  10. #10
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 385

    AW: Fehldiagnosen sind keine Seltenheit...

    (gelöscht, weil ich zu ungenau gelesen und ergo Blödsinn verzapft hab... )

    Ich habe irgendwo, wo weiß ich leider nicht mehr, mal gelesen, dass die teils vermutete Überdiagnostik in Zentren wie Würzburg und Umgebung mit gewisser Wahrscheinlichkeit eher recht realitätsnah die Prävalenzen widerspiegelt, sprich, in diesen Gegenden die "Dunkelziffer" (unerkannte Fälle, Fehl- bzw. unvollständige Diagnosen) geringer ist. Wäre meines Erachtens auch logisch, dass dort zwar häufiger, aber korrekt Diagnosen gestellt werden, da sitzen schließlich die Fachleute, die vermutlich weniger falsch negative noch falsch positive Diagnosen stellen als weniger geschulte und erfahrene Fachpersonen. So kann man die Daten, die in dieser Krankenkassen-Studie (wo ich gerade auch keine Quelle parat habe... Ich glaube, sie ist recht bekannt) auch verstehen.
    Geändert von alice_s (22.09.2016 um 23:55 Uhr)

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