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Diskutiere im Thema Keine Ahnung wohin, denn mein Gehirn will mir in alle Richtungen davonlaufen im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
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  1. #1
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 4

    Keine Ahnung wohin, denn mein Gehirn will mir in alle Richtungen davonlaufen

    Grüßt Euch liebe Mitglieder,

    ich bin neu hier und brauche einen Rat von Euch - aus diesem Grund möchte ich einen Text verfassen,
    der Euch den Zustand, in dem ich mich gefühlte 1000 Jahre befinde, zeigt.

    Vor ca. 2 Jahren, als ich 18 Jahre alt war, habe ich mich das erste mal überhaupt mit der Bezeichnung AD(H)S auseinander gesetzt -
    das geschilderte "Leiden" der Betroffenen hat mich schockiert, denn ich habe mich in allen AD(H)S-Geschichten selber wiedergefunden,
    aber war zu dem Zeitpunkt (noch) nicht so stark an Hilfe interessiert, denn es lief (noch) alles "ordnungsgemäß" - ich absolvierte
    mein Abitur mit mittelguten Noten. Aus dem Grund dachte ich, alles wäre in Ordnung, denn das war (nahezu) der einzige Maßstab,
    der von meinen Eltern an mir angelegt wurde. Meine Schulkarriere machte alles wett: das unregelmäßige Besuchen der Schule,
    mein chaotischer Lebensablauf inkl. Schlafrhythmus, mein "unberechenbares" Verhalten usw.

    Heute aber befinde ich mich - mit 20.5 Jahren - leider in einer schwierigeren Situation:
    Ich studiere zwei MINT-Fächer, bin bald am Ende des 2.Semesters angekommen und habe genau 1 Prüfung (die mit der höchsten Durchfallquote) bestanden,
    mich zu 3 von 8 angemeldet und 2 davon nicht besucht - weil ich es VERGESSEN habe.
    Ich führe ein SEHR chaotisches Leben, schlafe sehr unregelmäßig und folge keiner Ordnung, die man mir von außen vorgibt, weil ich in meiner eigenen Ordnung lebe - um ganz ehrlich zu sein, trotz meiner Misserfolge im Studium, bin sehr ZUFRIEDEN mit meinem Leben. Aus folgenden Gründen:
    -> ich finde, es ist (noch) nicht zu spät etwas zu verändern
    -> mein höchst chaotisches Leben hat mir zahlreiche Lehren/Erfahrungen beschert, die mich zu dem gemacht haben, wer ich heute bin

    Ich sehe es mittlerweile ein, dass ich mir helfen lassen muss, aber andererseits würde ich gerne den Verlauf meines "kranken Lebens" weiter beobachten,
    denn ich spüre etwas, das in mir schlummert und nur darauf wartet geweckt zu werden, um einen lauten Schrei von sich zu geben und damit die ganze Welt zu verändern.

    Was ich damit meine, ist, dass ich ein unendlich großes Potenzial in mir erkenne und glaube, dass es vielleicht eine Möglichkeit gibt, dieses Potenzial effizienter zu nutzen.
    Ich nutze dieses Potenzial bereits - laut meinen Mitmenschen auch nicht gerade uneffektiv - aber leider bleibt die Ausführung dieses Potenzials, bis auf wenige Ausnahme-Aktionen in meinem Leben, nur in meinen Gedanken. Ich kann mich allein durch wildes Assozieren von meiner Umwelt abkapseln, sie nahezu nicht-existent machen,
    um mein Bewusstsein KOMPLETT meinen Gedanken zu widmen, dabei jede Schattenseite meines Gehirns zu beleuchten, das bestehende Problem visuell darlegen und das Gedachte - leider verlustreich - in Worten abbilden, um mir und meinen Mitmenschen eine Lösung des Problems bieten zu können.

    ABER, das Problem ist, dass ich währenddessen nicht HIER bin. Ich weiß nicht, was links und rechts von mir abgeht, wenn ich dies tue. Aus dem Grund bin ich gezwungen stetig nervös in Anwesenheit anderer Menschen eine Show abzuziehen (schauspielern), die in Wirklichkeit nicht mich, sondern die Person abbildet, die meine Umgebung sehen möchte. Ich kann nicht Ich sein, denn sonst bin ich viel zu unkonzentriert und bekomme das Wesentliche kaum mit, denn ich bin dann zu dem Zeitpunkt, indem ich Ich bin, im Unwesentlichen - den Teil der Existenz, den andere nicht folgen können, denn für sie besteht der Weg dorthin nicht.
    Ich starre dann den Menschen während einem Gespräch tief in die Augen, um Ihnen das Gefühl zu geben, dass ich auf sie fokussiert bin, aber in Wirklichkeit ringe ich mit mir selbst, um konzentriert zu bleiben und verliere mich währenddessen in meinen Gedanken, sehe Muster und Strukturen meiner Gedanken und nicht mehr die Augen, der mir gegenüberstehenden Person.

    Ich weiß, das o.g. liest sich vielleicht ein wenig extrem, aber zum Glück ist es nicht die ganze Zeit so. Ich bin wirklich ein sehr guter Schauspieler und kann den Menschen
    in meiner Umgebung sehr erfolgreich das Gefühl geben, auf das Wesentliche fokussiert zu sein, aber ich bin es nicht immer - leider immer seltener.
    ___

    Der Grund, warum ich noch keinen Arzt deshalb besucht habe, ist der, dass ich Angst habe mit einer Behandlung meine Fähigkeiten zu "verspielen".
    Ich habe zwar noch nie Medikamente gegen ADHS zu mir genommen, aber ich stelle es mir so vor, dass die Wirkung darauf abzielt,
    mich weniger reizoffen zu machen, um mich den "wesentlichen Reizen" zu widmen, ABER ich sehe die "unwesentlichen Reize", die andere anscheinend filtern,
    nicht unbedingt als Belastung, sondern auch als eine Art Geschenk. Ich möchte etwas aus diesem Geschenk machen, aber meine Unfähigkeit mich sinnvoll zu organisieren hindert mich daran. Wenn ich mich nur organisieren könnte...

    Was soll ich machen..?

    verzweifelte Grüße vom Totalchaoten

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 142

    AW: Keine Ahnung wohin, denn mein Gehirn will mir in alle Richtungen davonlaufen

    Hallo Totalchaot,

    herzlich willkommen hier

    Mir kommt vieles bekannt vor von dem was Du schreibst. Ich hab meine Diagnose leider erst mit 37 bekommen. Oft beschäftigt mich die Frage was gewesen wäre, wenn...Im Laufe der Diagnostik kam ein IQ nahe der Hochbegabung heraus, dabei habe ich die Realschule mit Ach und Krach geschafft. Mich aber immer gefragt warum ich nix auf die Reihe bekomme.
    Wie Du habe ich gespürt, daß ich eigentlich ein größeres Potenzial habe.

    Man merkt, daß Du ein intelligenter junger Mann bist.

    Zum Thema Medikamente kann ich Dir nur sagen, daß Du Dich dadurch nicht völlig veränderst. Aber Du kannst deine Potenziale viel besser nutzen. Es wird einfacher beim Thema zu bleiben. Es ist nicht mehr so anstrengend sich zu konzentrieren.

    Möchtest Du Dich denn testen lassen?

    Liebe Grüße

  3. #3
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 4

    AW: Keine Ahnung wohin, denn mein Gehirn will mir in alle Richtungen davonlaufen

    Hallo Glüxxkind!

    Danke für deinen Beitrag. Ob ich mich testen lasse, oder nicht, habe ich eig. vor 2 Jahren meiner Zukunft überlassen und wenn es mir nach mir ginge,
    würde ich weiter aufschieben, bis mein Leben vorbei ist, aber ich werde diese Woche meinen Hintern aufreißen und mich zum Arzt bewegen,
    weil ich mir endlich Ruhe im Kopf erhoffen - ich hoffe, ich werde diesen Plan auch umsetzen können. Die langen Wartezeiten, bis man einen Termin beim Fachmann
    bekommt, lässt mich zwar ein wenig zusammenzucken, aber ich muss es endlich mal angehen.

    Wie ein solcher Zustand (Ruhe im Kopf) aussieht, kann ich mir momentan absolut gar nicht vorstellen und mein Unvermögen, mir dies nicht vorstellen zu können,
    gibt mir das Gefühl, dass es einen solchen Zustand gar nicht gibt, aber wenn ich mich umsehe, dann erkenne ich, dass ich falsch liege.
    Das ist ein echtes Problem, wenn der "unnormale Zustand" einem "normal" vorkommt und man zwischen im Käfig des "Unnormalen" gefangen ist.
    Erinnert mich ein bisschen an Platons Höhlengleichnis.

    Eine Frage zum Thema Medikamente. Bedeutet das nicht, dass einem die Kreativität beschnitten wird, wenn man sich dann besser auf ein Thema fokussieren kann? Ich finde gerade die Gedanken-Flut, der wir ausgesetzt sind, förderlich für Idee-Entwicklung. Und zur Idee kommt es bei mir auch noch,
    aber die Umsetzung findet nicht statt. Ich verfolge das Ziel leider nicht mehr, nachdem ich es gesetzt habe.
    Also muss ich mich, wie es aussieht, für "Idee" oder "Umsetzung" entscheiden? "Umsetzung" bedeutet natürlich nicht, dass ich keine Ideen mehr
    entwickeln kann, aber man büßt doch an Komplexität der Idee ein, oder nicht?

    LG
    Geändert von Totalchaot ( 3.07.2016 um 11:03 Uhr)

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 39

    AW: Keine Ahnung wohin, denn mein Gehirn will mir in alle Richtungen davonlaufen

    Hallo (nochmal) Totalchaot,

    also das mit dem Schauspielern und so weiter kann ich schon einmal zu 100% nachempfinden.
    Bei mir ging das eine Zeit so lang, dass ich nur aus Spaß bei drei fast unabhängigen Gruppen (Berufsschulklasse und Arbeit, Nebenjob und privates Umfeld) drei völlig unterschiedliche "Rollen" eingenommen habe, nur um zu experimentieren, wie sich das so entwickelt.
    Wenn zwei Leute dieser Gruppen durch Zufälle mal zueinander gefunden haben, war es spannend zu merken, wie unterschiedlich die Wahrnehmung meiner "Person" war.

    Ebenfalls mit der "vermuteten" Begabung und dem Gefühl den anderen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken habe ich so meine Erfahrung gemacht.

    Selbst mit dem Maßstab der Eltern war es auch so bei mir, sehr viele Schwierigkeiten (nicht der Lerninhalt nur ringsherum) in der Schule, sehr unregelmäßig da (es gab sogar mal einen Lehrer der mich nach der 5ten bei ihm immer zu 6ten eskortiert hat, damit ich nicht abhaue), dennoch hatten Lehrer und Eltern das Gefühl der kann das Alles eigentlich und nach dem Abi (Ergebnis auch eher mau), waren alle der Meinung geht doch und alles Gut. "Unberechenbares Verhalten" und Lebensablauf inkl. Schlaf kann ich auch bestätigen.

    Nun zu den Medikamenten. Seit etwa 4 Wochen nehme ich Medikinet adult, erst 5-5-0, jetzt 10-10-0. Bisher merke ich schon einige positiven Veränderungen,
    ohne dass ich Einschnitte bei den grundsätzlich "positiven" Fähigkeiten erlebe.

    Ich hatte zu Beginn der Behandlung ein extrem ausführliches und verdammt gutes Gespräch mit einer Psychologin, die meinte, dass ich aufgrund des unbehandelten ADHS eine... naja "Persönlichkeitsstörung" entwickelt habe, die genau zu diesen Eigenschaften geführt hat. Sie sagte dazu, dass die ADHS Medikamente dass wahrscheinlich nicht ändern werden, sondern ich dafür eine Therapie in Anspruch nehmen müsste.

    Fairer Weise, hat sie direkt darauf hingewiesen, dass ich das aber erst einmal nicht in Betracht ziehen solle, da ich Anscheinend aus dieser "Störung" in meinem Fall deutlich mehr positives als negatives erziele und dies gewinnbringend (also für mich, nicht für Andere) bei agieren mit Menschen z.B. im Beruf einsetzen kann und auch ihrer Ansicht nach schon tue.

    >Ich mag das Wort Störung in dem Zusammenhang so gar nicht, daher die " ", weil mich stört das so gar nicht, ich mach mir das ja zu Nutze. Aber sowas wie "positiv genutzte Persönlichkeitseinschränkung/-erweiterung bzw. -abweichung" gibt es ja leider nicht.<

    Von daher würde ich subjektiv dazu sagen, dass du wenig Angst vor einer möglichen gesicherten Diagnose und Medikation haben musst, ich habe bisher zumindest nix negatives dadurch erlebt. Ich kann mich bisher etwas besser sortieren und habe nichts verspielt, im Gegenteil habe ich das Gefühl in entscheidenen Momenten, meinen Fokus noch etwas mehr auf meine Fähigkeiten legen zu können.

    Hoffe das hilft ein Wenig, aber da ich nahezu die gleichen Bedenken anfangs hatte und eine ähnliche Sichtweise zu meinen Fähigkeiten, hilft es ja vielleicht etwas eine Meinung dazu zu lesen.

    Freundliche Grüße und lieben Gruß an den Fernseher (ich find das so unfassbar amüsant )

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