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Diskutiere im Thema Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    Liebes Forum,

    ich habe mich erst heute hier angemeldet und bin sehr froh, diese Plattform gefunden zu haben.
    Kurz zu mir: Ich bin w, mittlerweile 31, und mein größtes Problem ist, dass ich sehr unter der Vorstellung leide, in meinem bisherigen Leben immer hinter meinen Möglichkeiten geblieben zu sein. Nachdem ich vor zwei Jahren beruflich gar nicht mehr klar kam, habe ich mich erst lange krank schreiben lassen und dann auf eine Kündigung hingewirkt. Derzeit versuche ich mich an dem Aufbau einer Selbstständigkeit, welche aber durch viele innere Konflikte massiv ausgebremst wird.

    Ich könnte nun zu einem Psychiater gehen und es abklären lassen, davor jedoch habe ich große Bedenken. Nach allem was ich gelesen habe, wird es schwer einen geeigneten Facharzt zu finden, der ADS bei Erwachsenen überhaupt kennt geschweige denn ernst nimmt und diagnostizieren kann. Meine Psychotherapeutin (bin seit 3/4 Jahr wg Depressionen in Therapie) ist mittlerweile auf dem Trichter, dass sie auch meinte, dass ich nicht "Nur" depressiv sei. Sie hat mir angeboten mit mir herauszufinden, was los ist. Natürlich könnte ich das auch durch einen Psychiater abklären lassen, sie bezweifelt aber, dass mir das etwas bringen würde (das sehe ich grundsätzlich auch so, würde jetzt aber ausarten, das näher zu erörtern).

    Mir geht es mit meinem Text um eine bessere Standortbestimmung und ich glaube fest daran, dass andere, die ähnliches erlebt haben und erleben wie ich mir zwar keine Diagnose, dafür aber gute Impulse und Denkansätze liefern können. Ich habe darum im Folgenden Stichwortatig Dinge zu meiner Kindheit und meinem heutigen empfinden aufgelistet. Ich würd emich wirklich sehr rieisig über das eine oder andere Feedback drauf freuen! Auch wenn jemand Spezialisten im Raum Berlin kennt, wäre ich um info dankbar, gern auch via PN.

    Ich heute:

    - starke Reizempfindlichkeit, trage fast immer draußen Sonnenbrille (es sei denn, es wäre vom Wetter her so peinlich, dass ichs dann lieber lasse)
    außerdem bin ich fast schon Oropax-süchtig, trage sie bei jeder Gelegenheit (mit ähnlichen o.g. Einschränkungen)

    - Starker Enthusiasmus und ausblenden der Umwelt, wenn mich ein Thema sehr beschäftigt (und es mich eben einfach interessiert).
    Oft leider auch genauso schnelles Desinterresse, wenn ich merke, dass es nicht gleich so läuft wie ich es will, bzw große Schwierigkeiten, dann am Ball zu bleiben, wenn sich nicht sofort sichtbare Erfolge einstellen.

    - Schwierigkeiten, mich mit etwas zu beschäftigen, das mich nicht interessiert. Insbesondere Texte kann ich nur schwer erschließen bzw wenn ich mich zwinge (würde trotzdem grundsätzlich eine hohe Textkompetenz mir zusprechen).

    - schweife leicht ab, wenn ich länger an etwas arbeiten muss und muss mich stark kontrollieren, mich dann nicht doch anderen Dingen hinzugeben

    - auf der Arbeit sehr chaotisch: Wurde früher in der Ausbildung von Vorgesetzten öfter darauf aufmerksam gemacht

    - habe oft (nicht täglich, aber nahezu) starke Stimmungsschwankungen und bin auch manchmal sehr depressiv, missmutig und denke, ich tauge nichts, habe keinen Platz in der Welt

    - kann gut aus Menschen zugehen, wenn ich in der richtigen Stimmung bin. Oft möchte ich mich aber am liebsten nur Zuhause verkriechen. Wenn ich mich einmal überwunden habe, unter Leute zu gehen, habe ich fast immer Spaß am Kontakt mit anderen. Paradox, aber so ist es leider.

    - sage oft unüberlegt verletzende Dinge zu anderen, was mir selber nicht immer bewusst ist. Wenn es mir bewusst ist, schäme ich mich hinterher sehr dafür und es tut mir ehlrich leid.

    - Ich bin oft sehr ungeduldig, insbesondere, wenn jemand etwas nicht gleich versteht. Oder auch wenn ich auf etwas warten muss, bsp. auf einen Zug (ich habe kürzlich beobachtet, dass alle am Bahnsteig ruhig stehen, während ich stets herumstreife, bis der Zug kommt)

    - Mit Kritik kann ich gar nicht gut umgehen! Ich wittere auch überall Kritik gegen mich und dass die leute in Wahrheit denken, ich tauge nichts / bin faul/ nicht gut genug und es mir nur nicht sagen, um mich nicht zu verletzen. Es fällt mir sehr schwer mir bewusst zu machen, dass das alles vermutlich nur in meinem Kopf ist.

    - Ich nehme in Gesprächen die (vermeintlichen) Gedanken/Äußerungen anderer Vorweg, sage sogar zum Teil Sätze wie "ich weiß schon, dass du das so und so siehst, aber..." obwohl das Gegenüber bisher stille schwieg.

    - Ich sammel gern viel Zeug von dem ich denke, dass ich es noch verwerten kann. Dazu bin ich aber defitnitiv KEIN Messie! Ich lege einen großen Wert auf eine gewisse Ordnung und Sauberkeit (das habe ich eventuell aber so durch meine Mutter eingetrichtert bekommen, was ich aber nicht schlimm finde, ich denke, mir hilft eine geordnete Struktur).

    - Habe sehr viele/vielfältige Interessen, von denen ich phasenweise manche sehr intensiv verfolge und dann für eine gewisse Zeit manchmal wieder "fallen lasse"

    - Höre öfter mal den Spruch "Du hast wohl zu viel Druck im Gehirn/Kopf"

    - Ich muss mich oft zusammenreißen, mir nicht noch mehr "Projekte" oder Interessen aufzuhalsen. Aktuell beschäftigen mich zum Beispiel neurowissenschaftliche bzw interdisziplinäre Fragen zur Evolution des Gehirns und ich habe mir sogar Fachlitaertur dazu besorgt (Ebooks, aber immerhin).

    - Habe eine starke innere Abneigung gegen die kapitalistische Gesellschaft, die den Einzelnen nur ausbeutet (so sehe ich das, bestimmt hat es aber auch gute Seiten, in der heutigen Zeit zu leben).

    - Es k*tzt mich an, wenn andere nur scheinbar oberflächliche Interessen haben, sich nicht für unser Dasein zu interessieren scheinen und nur fürs Geld arbeiten gehen, das sie dann für sinnlosen Sch*iss ausgeben. Einerseits geht mich das nichts an und ich verurteile mich etwas dafür, andere auf diese Weise zu verurteilen. Andererseits denke ich, ich habe doch Recht ;-)

    - Scheinbar bin ich einigermaßen intelligent (IQ Tests im Internet lagen immer bei 125-130 Punkten) und habe trotzdem das Gefühl, bisher hinter meinen Möglichkeiten geblieben zu sein. Das ist für mich sehr bitter, denn es hat beeinflusst, wie ich mich schulisch/beruflich entwickelt habe

    Ich als Kind:

    - Bis zum vierten Lebensjahr beim Vater aufgewachsen, danach trennung der Eltern, Ganztagssschule, neuer Partner der Mutter, Trennungen etc. Kontakt zum Vater besteht heute keiner mehr (seit mehr als 13 Jahren, dazwischen auch nur selten)

    - Als Kind häufig unkonzentriert gewesen, kann mich erinnern, dass ein Arzt (Psychologe?) meiner Mutter autogenes Training vorgeschlagen hat. Daran kann ich mich so gut erinnern, weil ich das Wort damals nicht kannte und es als etwas bedrohliches wahrnahm. Ich war so also auch nie beim autogenen Training (wenn ich etwas nicht wollte, konnte ich mich meist gegen den Willen meiner Mutter durchsetzen)

    - oft weinerlich, wütend, bei gleichzeitigem aufgehen in kreativen Unternehmungen und Basteleien

    - Spaß an sportlichen Aktivitäten, die ich alleine machen konnte (auf Bäume klettern etc.) Schulsport habe ich mehr als gehasst und später noch viele Fehlstunden auf dem Zeugnis dafür vermerkt bekommen.

    - Mobbing ab etwa der 5 Klasse, was in einer Zurückstufung für mich endete (die "Täter" wurden nicht bestraft, dafür ich, das "Opfer" noch zusätzlich).


    Hier einige Auszüge aus Grundschulzeugnissen:

    1. Klasse:

    - "...konnte anfänglich distanziertes Verhalten abbauen, wurde zutraulicher und freundlicher."

    - "Sie arbeitete noch nicht gerne mit anderen zusammen"

    - "konnte Arbeitsanweisungen verstehen, brauchte aber gelegentlich eine Aufforderung, mit ihrer Arbeit zu beginnen oder fortzuführen"

    - "Es fiel ihr noch schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren"

    - "geübte Wörter schreibt sie aus der Vorstellung heraus fast fehlerfrei...auf ihre Schrift könnte sie noch mehr sorgfalt verwenden"

    - "arbeitet insbesondere in Mathematik noch recht langsam"

    2. Klasse:

    "xy war in diesem Jahr Kontaktfreidiger zu Mitschülern und Lehrerinnen. Sie veränderte ihr Verhalten in der Klassengemeinschaft, störte nicht mehr so oft durch Albernheit oder unpassende Bemerkungen, ihr Umgangston war freundlicher"

    - "Bei schriftlichen Aufgaben arbeitet sie recht langsam, aber selbstständig, oft auch mit eigenen Ideen, abweichend von der Vorlage"

    "mit der Rechtschreibkartei arbeitet sie recht langsam, aber selbstständig und sicher. Sie muss öfter zur Weiterarbeit aufgefordert werden"

    "xy malt gerne und ideenreich"

    3, Klasse:

    (Schulwechsel von zweiter zur dritten Klasse durch Umzug in eine andere Stadt. Hier fielen die Schriftlichen Ausführungen der Lehrer eher mager aus bzw gab es ab dann auch richtige Noten und weniger Platz für die schriftlichen Vermerke)

    - "dem Unterricht folgte sie meist aufmerksam und störte nicht mehr so oft"

    - "hat an der Franzöisch-AG teilgenommen"

    Zeugnisse in der weiterführenden Schule (Gesamtschule) weisen starke Notenschwankungen auf. In Deutsch, Englisch, Kunst von sehr gut bis ausreichend. In Mathematik nie besser als befriedigend (-). Schule mit dem Abitur verlassen (3,0).

    Puh, das war jetzt ein megalanger Text. Ich danke jedem, der sich die Zeit genommen hat, bis hierhin zu lesen. ich weiß, dass das gerade für ADSler eine große Anstrengung bedeuten kann.

    Was denkt ihr zu meinen Stichpunkten: habe ich wohl ADS, oder ist eine Sorge eher unbegründet?

    LG, black.bird

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.726

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    black.bird schreibt:
    Ich könnte nun zu einem Psychiater gehen und es abklären lassen, davor jedoch habe ich große Bedenken. Nach allem was ich gelesen habe, wird es schwer einen geeigneten Facharzt zu finden, der ADS bei Erwachsenen überhaupt kennt geschweige denn ernst nimmt und diagnostizieren kann.

    (...)

    Natürlich könnte ich das auch durch einen Psychiater abklären lassen, sie bezweifelt aber, dass mir das etwas bringen würde (das sehe ich grundsätzlich auch so, würde jetzt aber ausarten, das näher zu erörtern).

    (..)

    Was denkt ihr zu meinen Stichpunkten: habe ich wohl ADS, oder ist eine Sorge eher unbegründet?

    LG, black.bird
    Hallo Blackbird,

    wieso Sorge? Die meisten Leute fühlen sich entlastet, wenn ihr Problem einen Namen hat. Und ADHS ist gut behandelbar.

    Eben deswegen bringt es dir auch nichts, auf eine ärztliche Abklärung zu verzichten, denn ohne Diagnose gibt es keine Behandlung. Dass es schwer ist, einen ADHS-erfahrenen Facharzt zu finden, stimmt allerdings. Zum nächstbesten geh nicht, erkundige dich besser vorher bei einer Selbsthilfegruppe.

    Deine Symptome und deine Kindheitsgeschichte reichen jedenfalls aus dafür um zu sagen, ja, es ist sinnvoll ADHS abklären zu lassen.

    Ich schreibe aus Gewohnheit ADHS, meine aber die Variante ohne Hyperaktivität mit, bitte nicht irritiert sein. Ich könnte das H auch in Klammern setzen.

    Viele Grüße und herzlich willkommen
    4. Klavierkonzert

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 57

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    @ blackbird: schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast! Mir geht/ging es ähnlich wie dir, habe meine EVD* aber erst seit relativ kurzer Zeit. Für mich weiß ich noch nicht, ob ich mir eine fachärztliche Diagnose hole, weil ich bislang eigentlich ganz gut durch's Leben gekommen bin. In nächster Zeit komme ich aber eh nicht dazu, da ich ab nächster Woche ein Vollzeitpraktikum in einer anderen Stadt (etwa eine Autostunde entfernt) absolvieren werde. Hast du auch schon so Online-Fragebogen für dich ausgefüllt? Mir hilft übrigens das hier Lesen und Schreiben auch bei der eigenen Selbstfindung. Bei deinen Stichpunkten hab ich auch an PTBS denken müssen, kenne deinen Vater nicht und hoffe, dass meine Gedanken da unbegründet sind. Aber man kann nie wissen... manche traumatischen Erfahrungen können so gut weggespalten sein, dass man das für völlig unmöglich hält, die Inhalte können aber später irgendwo plötzlich auftauchen, bestenfalls im Rahmen einer Therapie.

    @ 4. Klavierkonzert: bitte setze das H in Klammer, wenn du bei AD(H)S beide Subtypen meinst, finde ich irgendwie respektvoller, danke!

  4. #4
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    Hallo und lieben Dank für eure Antworten

    Für mich ist das Thema AD(H)S sehr neu und wenn ich natürlich schon früher davon gehört habe, so doch dann immer in einer eher negativen Konnotation wie "Modeerscheinung", "Kinderkrankheit", oder (wohl die schlimmste Unterstellung) auch als eine Möglichkeit, um bequem an BTM zu kommen.

    Leider habe ich, nachdem ich mir einen kurzen Überblick verschafft habe, den Eindruck gewonnen, dass es nicht wenige Zeitgenossen geben muss, die scharf auf BTM durch eine AD(H)S Diagnose sind. Dafür, dass das Syndrom bei Erwachsenen so fürchterlich unbekannt ist, gibt es erstaunlicherweise so gut wie keine freien Kapazitäten für eine Diagnosestellung, nicht mal hier in der Großstadt Berlin (und Angebote gibt es hier theoretisch durchaus sehr viele). So häufig kann AD(H)S doch dann auch wieder nicht sein, oder tue ich den Menschen Unrecht?

    @4. Kl.Konzert

    Du hast Recht, "Sorge" liest sich für mich heute auch irgendwie seltsam. Es ist keine richtige Sorge und mir wäre es eher eine Erleichterung zu wissen, dass ich eben an "etwas leide", als dass es eine Last wäre. Wobei ich leiden in dem Zusammenhang auch schon wieder komisch beschrieben finde. Ich bin mir nicht sicher, ob ich leide. Oft wünsche ich mir, in einer Welt zu leben, die nicht so hochtechnologisiert ist, wie es unsere ist. Ich leide also wenn dann unter den Eindrücken der Umwelt, nicht an meinem "Sosein". Ich glaube, dass ich ganz ok bin und möchte das durch Medikamente auch nicht kaputt machen. Ich würde gerne die AD(H)S, sollte ich eine haben, in mein Leben integrieren und positiv daraus schöpfen können. Beruflich könnte ich glaube ich sehr viel leisten, wenn ich denn nur einmal das richtige für mich gefunden hätte (definitiv keine monotone Arbeit, hohe Hierarchien und auf alle Fälle viel Eigenverantwortung).

    @samo

    Die Frage ist ja, was bringt einem eine "fachliche Diagnose"? Ich glaube ja persönlich, dass wir alle so wie wir sind eigentlich ganz okay sind ;-)
    Die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Medikamenten der Gesellschaft etwas mehr anzupassen und besser in ihr zu funktionieren, wäre ein Grund, es diagnostizieren zu lassen.
    Bin in dieser Frage sowieso ganz hin und hergerissen, wie man sicher auch an meinem Schreiben erkennen kann.

    Ich für mich habe jedenfalls schon jetzt entschieden, dass ich nicht zu einem x-beliebigen Psychiater gehen werde. Damit habe ich sehr schlechte Erfahrungen schon im Bereich Depression gemacht und das ist hier für mich maßgeblich (wie wäre das Ganze dann erst bei erwachsenen AD(H)S??)

    @Alle anderen

    Wer sich berufen fühlt, darf mir gern noch weitere Einschätzungen zu meinem Anliegen im Eingangsposting schreiben. Ich lese alles sehr interessiert und schaue mich auch gleich noch eine Runde hier bei euch im Forum um.

    LG, blackbird.

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.726

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    black.bird schreibt:
    Leider habe ich, nachdem ich mir einen kurzen Überblick verschafft habe, den Eindruck gewonnen, dass es nicht wenige Zeitgenossen geben muss, die scharf auf BTM durch eine AD(H)S Diagnose sind. Dafür, dass das Syndrom bei Erwachsenen so fürchterlich unbekannt ist, gibt es erstaunlicherweise so gut wie keine freien Kapazitäten für eine Diagnosestellung, nicht mal hier in der Großstadt Berlin (und Angebote gibt es hier theoretisch durchaus sehr viele). So häufig kann AD(H)S doch dann auch wieder nicht sein, oder tue ich den Menschen Unrecht?
    Sehr viele Angebote gibt es nur theoretisch. Immerhin haben 4 % aller Erwachsenen ADHS. Zwar wissen noch immer die allermeisten davon bisher nichts, aber es wird in den letzten 10-15 Jahren bekannter. Die wenigen Fachärzte, die davon wirklich Ahnung haben, haben alle Hände voll zu tun, und das nicht durch Pseudo-ADHS-ler- die werden schnell wieder weggeschickt, wenn es sie überhaupt in nennenswerter Anzahl gibt.

    Zwar besteht theoretisch die Chance einer positiven Fehldiagnose. Die wird sich aber im Verlauf einer medikamentösen Behandlung schon nach wenigen Monaten als solche herausstellen. "Hirndoping" mit Stimulanzien für Nicht-ADHS-ler wird fast immer eine Enttäuschung sein. Andererseits ist es für wirkliche ADHS-ler völlig legitim, scharf auf BTM durch eine AD(H)S Diagnose zu sein, da Stimulanzien eine sehr gute Hilfe sein können.

    Hier im Forum wird allerdings immer wieder von negativen Fehldiagnosen berichtet. Also Betroffenen, die erst beim zweiten oder dritten Arzt eine sich als zutreffend erweisende ADHS-Diagnose bekommen.

    Wobei ich leiden in dem Zusammenhang auch schon wieder komisch beschrieben finde. Ich bin mir nicht sicher, ob ich leide. Oft wünsche ich mir, in einer Welt zu leben, die nicht so hochtechnologisiert ist, wie es unsere ist. Ich leide also wenn dann unter den Eindrücken der Umwelt, nicht an meinem "Sosein". Ich glaube, dass ich ganz ok bin und möchte das durch Medikamente auch nicht kaputt machen. Ich würde gerne die AD(H)S, sollte ich eine haben, in mein Leben integrieren und positiv daraus schöpfen können. Beruflich könnte ich glaube ich sehr viel leisten, wenn ich denn nur einmal das richtige für mich gefunden hätte (definitiv keine monotone Arbeit, hohe Hierarchien und auf alle Fälle viel Eigenverantwortung).
    Du hast recht, aber trennen kann man das auch nicht. Klar, jeder Betroffene, ob medikamentös behandelt oder nicht, muss lernen, die Störung in das eigene Leben zu integrieren und eine berufliche Nische zu finden. Das wird durch Medis auch nicht kaputt gemacht, sondern im Gegenteil erleichtert. Auch mit Medis bleibt man ja immer noch ADHS-ler und wird nicht plötzlich zum Normalo.

    Und dann stört uns die ADHS 1. auch selbst. Ich ärgere mich auch ganz unabhängig von anderen Menschen darüber, dass ich viele Dinge im Leben nicht so geregelt kriege wie ich das möchte. 2. müssen wir ja auch mit den Leuten auskommen so wie sie sind, wir können uns keine anderen designen. Wobei klar ist, dass wir diejenigen meiden, mit denen es gar nicht klappen würde. Aber auch die übrigen können durchaus ein Mindestmaß an Zuverlässigkeit und Verantwortlichkeit erwarten. Mit einem ADHS-ler als Ehepartner oder Elternteil zu leben ist belastend genug, da wäre es in gewisser Weise auch rücksichtslos, zu sagen, ich lasse mich nicht behandeln, die Anderen müssen sich auf mich einstellen. (Nicht dass ich dir diese Gedanken unterstelle, ich will nur fortspinnen wohin das zuendegedacht führt.)

    Ich war ja schon lange mit meiner Frau und meinem ersten Kind zusammen, als meine ADHS festgestellt wurde. Und die Behandlung hat sich sehr positiv auf das Familienleben ausgewirkt, ich hatte vorher eher verdrängt wie schwierig ich für die Beiden war (und teilweise noch bin).

    Viele Grüße
    4. Klavierkonzert

    P. S.: Ich krieg das mit dem H in Klammern nicht hin, alte Gewohnheit. Es ist aber bis auf dieses eine Symptom dieselbe Störung, von daher finde ich die Bezeichnung auch nicht falsch und schon gar nicht respektlos.
    Geändert von 4.Kl.konzert ( 2.07.2016 um 14:36 Uhr)

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.726

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    black.bird schreibt:
    Ich für mich habe jedenfalls schon jetzt entschieden, dass ich nicht zu einem x-beliebigen Psychiater gehen werde. Damit habe ich sehr schlechte Erfahrungen schon im Bereich Depression gemacht
    Oh, da steht noch mehr.

    Nein, geh bloß nicht zu einem x-beliebigen Psychiater. Das wird sehr wahrscheinlich enttäuschend, da hast du völlig recht, das kann man in diesem Forum auch vielfach nachlesen. Nicht nur, dass es nichts bringt, es ist wenn man Pech hat auch demütigend, so dass man halbe bis ganze Jahre braucht bis man sich aufrafft zu einem neuen Versuch.

    Die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Medikamenten der Gesellschaft etwas mehr anzupassen und besser in ihr zu funktionieren, wäre ein Grund, es diagnostizieren zu lassen.
    Bin in dieser Frage sowieso ganz hin und hergerissen, wie man sicher auch an meinem Schreiben erkennen kann.
    Also, die Gesellschaft ist mir sowas von egal, es geht mir um meine Lebensqualität und die meiner Familie.

    Na gut, für die Gesellschaft ist es nützlich, wenn ich ohne größere Lücken arbeiten kann, wenn meine Ehe nicht scheitert, wenn ich nicht durch Unachtsamkeit schwere Unfälle erleide. Netter Nebeneffekt, aber nicht vordergründige Absicht.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    Häufigkeit von ADHS bei Erwachsenen bei Geschlechterverhältnis Männer : Frauen von in Wahrheit 1:1 eher 8% der Bevölkerung in Deutschland und nicht bloß 4%.

    @ black.bird: Versteh´s nicht falsch, aber du scheinst ziemlich hinter dem Mond zu leben, was ADHS insgesamt angeht.

    lg

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    Zur Häufigkeit von ADHS bei chronisch verlaufenden Depressionen schrieb z.B. Dr. Martin Winkler (hier im Forum unterwegs als web4health) jüngst das hier:

    "
    AW: Beim Psychiater/Neurologe heute wegen Vermutung ADHS

    Bei uns in der Klinik ist es ein Dauerthema, dass ich zufällig oder unauffällig gerade bei Frauen ein ADHS diagnostiere. Die haben auch seit Jahrzehnten Depressionen bzw. das, was die Psychiater dafür halten. Aber die Antidepressiva helfen nicht.

    Ein Blick in die Zeugnisse und man hat dann schon lehrbuchmässige Beschreibungen. Dann noch nachgefragt, wie viele Jobwechsel (gestern 1 in den letzten 20 Jahren) und zufällig noch ein ADHS-Sohn.

    Ja, klar. Ist Depressionen. Soll mit Venlafaxin noch höher dosiert behandelt werden. Laut dem behandelnden Psychiater....

    Derzeit gibt es erste Untersuchungen, die bei 30 Prozent der chronisch verlaufenden Depressionen ein nicht erkanntes ADHS beschreiben. Ich glaube dass der Anteil noch höher ist.

    Ab morgen wird diese Frau jedenfalls erstmal mit MPH und nicht allein mit noch einem neuen Antidepressivum plus einem weiteren Neuroleptikum therapiert.


    "



    Und zwar in diesem Thread:


    https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-er...ng-adhs-2.html




    @ black.bird: Umlesen hier im Forum und dran bleiben.

    lg

  9. #9
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    @black.bird: Aus der Hüfte geschossen klingt das für mich eher nach unterfordertem Hoch/Überdurchschnittlich-Begabten,als nach ADHS. Wenn ich wirklich nicht an meinem "So-Sein" litte und eigentlich keine Probleme hätte,wenn sich die Arbeitsumstände anpassen ließen,würde ich persönlich gar keine Diagnostik anstreben.

    Die Veränderungen,die Du Dir wünscht,gehen von keinem Medikament aus und ob es wiederum so klug ist,ein Psychopharmakon ausschließlich deshalb zu nehmen,weil man dann ordentlich in der Reihe steht...nunja,ich finde das nicht sinnvoll.



    Nachtrag: So langsam finde ich Hrn. Winkler's Aussagen irgendwie grenzwertig. Mein Eindruck ist,dass (fast) alles,was nicht bei Drei auf'm Baum ist,ADHS hat. Pardon ADS. Die sind nämlich so unauffällig,dass sie keiner erkennt und da AD selbstverständlich bei jeder Art bzw. Ausprägung von Depressionen greifen,müssen die Leut' ja Paradebeispiele für Fehleinschätzung durch inkompetente Fachpersonen sein....

  10. #10
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Viele Hinweise, aber ist es ADS? Wer mag eine Einschätzung geben?

    Ihr Lieben,

    vielen Dank für eure Beiträge! ich versuche gerade gedanklich, mir ein Süppchen aus allem zusammen zu kochen, mehr oder weniger aber unbewusst (klingt komisch oder?).
    Auf alle Fälle weiß ich nun, dass ich mir hier in Berlin einen Facharzt suchen werde, auch wenns einige Zeit in Anspruch nehmen wird, einen solchen aufzutreiben.

    Und ja, ich habe bestimmt eine naive Vorstellung von AD(H)S, das liegt daran, dass ich mich erst seit Kurzem damit ernstlich befasse. Bis vor einigen Wochen war ADHS für mich ein Synonym für verwöhnte Kinderchen von Helikopter-Eltern, die einfach alles gemacht bekommen und sich langweilen / dann mit ADHS Symptomen reagieren. Ich dachte sogar, das A in ADHS stünde dafür, dass man Aufmerksamkeit bekommen wolle, nicht, dass man diese nicht geben könne. Tja, jetzt hab ich mich geoutet :-)

    @4.Kl.Konzert, vielen Dank für deine sehr persönlichen Schilderungen!

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