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Diskutiere im Thema Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 141

    Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Hallo Zusammen,

    schon vor Jahren vermutete ich, dass ich AD(H)S habe. Ich bin damals zum Arzt und habe mich untersuchen lassen... Naja, die Untersuchung bestand aus einem Multiple Choice Text, einem Rezept für Medikinet und einem feuchten Händedruck.
    Medikinet habe ich gar nicht vertragen, das hat mein Blutduck mir sehr übel genommen und ich landete mit Blaulicht vom Büro im Krankenhaus. Ich hab mich danach nicht mehr getraut es zu nehmen und hab die Tabletten gleich vor Ort entsorgen lassen.

    Seitdem habe ich etliche Therapien und Arztbesuche hinter mir. Festgestellt wurden so schöne Dinge wie eine Agoraphobie (Vermeidungsangst), Angst- und Panikstörung und ich hatte immer mal depressive Episoden.
    Die Angst- und Panikstörung, sowie die Agoraphobie ist seit gut einem Jahr schon viel besser. Ich habe endlich eine tolle Therapeutin gefunden, die mir sehr geholfen hat und ich habe die Pille abgesetzt. Seitdem sind diverse Ängste (wie die Angst auf der Autobahn zu fahren) plötzlich wie weggeblasen.

    Soweit, so gut! Erst kürzlich wurde ein extremer Vitamin D Mangel festgestellt. Ich habe also Vitamin D in hohen Dosen zu mir genommen und habe mir damit auch die depressiven Episoden, vor allem im Winter, und z. B. die extreme Reizbarkeit etc.. erklärt. Naiv wie man ja so sein kann dachte ich, dass jetzt ja dann langsam mal alles gut sein müsste und ich vor Kraft und Elan meinen Alltag künftig wie am Schnürchen geregelt kriegen müsste... Tja.. Pustekuchen...

    Wie sagte mein Expartner immer so schön zu mir (liebevoll gemeint): "Schatz, du bist eine kleine Schlampe!"
    Aber mal im Ernst.. das bin ich wirklich! Ich kann einfach keine Ordnung halten! Am besten funktioniert es, wenn sich Besuch angekündigt hat. Unter Druck funktioniere ich dann, aber auch immer auf den letzten Drücker und manchmal muss ich mich echt arg in den Hintern treten, um mich zu motivieren. Nur gaaanz selten hab ich mal von mir aus irgendwie "Lust" auf Hausarbeit. Meist dann, wenn ich z.B. nen neuen Staubsauger habe, oder ein neues Reinigungsmittel was toll riecht und ich unbedingt ausprobieren möchte. Super oft kommt es dann auch vor, dass ich mich in Details verliere, statt erstmal das Grobe zu beseitigen. Aber dann sehe ich hier was und da was und dann geh ich mit den Q-Tipps durch die Fugen etc...

    Ich habe einfach keine Struktur drin. Wenn kein Besuch angekündigt ist, die Bude aber mal wieder aussieht wie unter aller Sau, dann sehe ich diesen riesigen Berg an Arbeit
    vor mir und weiß einfach nicht, wo ich anfangen soll. Das war im großen Haus wo ich vorher gewohnt habe fast noch schlimmer, da mehr Fläche die bewältigt werden wollte.
    Jetzt in meiner kleinen 50m2 Wohnung ist es schon etwas leichter, aaaber da ist auch weniger Platz und oft weiß ich nicht wohin mit den ganzen Sachen. Und da fängt das Übel dann schon an... Ich bin dann so überfordert, dass ich erst gar nicht anfange. Und mich unwohl fühle in meiner unordentlichen Hütte. Aber statt einfach mal irgendwo anzufangen, hab ich einfach keinen Plan im Kopf, oder bin vom drüber Nachdenken schon so gestresst, dass die Motivation laut Pfeiffend durch die Wohnungstür verschwindet und ein Eis essen geht.....

    Dann das Thema Reizfilter. Reizfilter? Gibt es sowas? Dann hab ich keinen! Ich kann mich absolut nicht auf meine Arbeit konzentrieren, wenn ich keine Ruhe habe. Ich habe vorher in einem Büro mit 8 Leuten gesessen. Ich musste da raus, bin ausgefallen wegen eines leichten Hörsturzes und war nur noch gestresst und genervt. Ich habe wichtige Dinge vergessen und habe viele Tätigkeiten auf die späten Abendstunden legen müssen, wo ich dann ENDLICH mal allein im Büro war. Später in einem viel ruhigeren Vierer-Büro ging es dann schon besser und momentan habe ich ein Einzelbüro. Ich LIEBE es, das ist für mich purer Luxus. Tür zu, Ruhe! Herrlich!

    Wie oft sitze ich in Meetings, wo dann noch kurz was gelesen werden muss, weil die Unterlagen zu spät eingereicht wurden. Scheinbar hat niemand ein Problem mit dem Lesen, wenn sich dabei ein paar Leute leise unterhalten. Ich könnte dann ausflippen, denn ich kann mich dann gar nicht konzentrieren und fange einen Satz manchmal 5 mal von vorne an, damit ich ihn verstehe. Somit bin ich dann auch längst nicht fertig mit Lesen, wenn alle Anderen sich schon langweilen und dann natürlich irgendwann alle anfangen zu quatschen. Ich habe mir angewöhnt, wenn es möglich ist, den Raum zu verlassen und auf dem Flur zu lesen. Geht nicht anders.

    Bestimmte Geräusche machen mich auch einfach agressiv! Wenn jemand etwas lauter Kaugummi kaut, zu laut atmet oder was auch immer, sorgt das bei mir leider manchmal echt für extremes Unwohlsein und ich kann das nicht lange aushalten. Schlimm, wenn ich dann muss... weil ich z. B. neben so jemanden in einer Besprechung sitze und da nicht so einfach gehen kann. Dann kann ich mich auf nichts anderes mehr konzentrieren und hoffe einfach nur noch, dass es bald zu ende ist. Bescheuert, oder??? :-(

    Auf Dinge, die mich total interessieren, kann ich mich sehr gut konzentrieren und kann mich da mitunter auch richtig festbeissen. Dinge, die mich nicht interessieren, die ich mir aber z. B. berufsbedingt anhören muss, oder die ich lesen muss.. da habe ich echt große Probleme. In unseren Sitzungen schweife ich regelmässig nach kurzer Zeit ab, bin sonst wo mit meinen Gedanken und schaffe es nur sehr, sehr schwer und mit viel Mühe, das Wichtigste mit zu bekommen. Wenn überhaupt. Wenn mich hinterher jemand fragt, was denn zum Thema XZ gesagt wurde, habe ich ein Problem und muss denjenigen vertrösten und in meine Unterlagen schauen... Peinlich!

    Ich schiebe unangenehme Dinge gern bis auf den allerletzten Drücker vor mir her. Erst neulich bekam ich ein Schreiben vom Finanzamt wegen meiner Selbständigkeit, dass ich dringend noch die Unterlagen für die Steuer-ID einreichen müsse. Nicht, dass ich das nicht schon längt hätte erledigen können. Nein, ich mache sowas auf den letzten Drücker. Wie oft nehme ich mir vor, morgen A und B zu erledigen und bin felsenfest davon überzeugt, dass ich das auch mache. Dann sitze ich da und.. verschiebe es auf morgen.

    Meine Nebentätigkeit, die sich auf ab und zu mal am Wochenende (etwa zwei Termine im Monat a ca. 5 - 6 Stunden) geht mir auch schon auf den Geist. Es ist mir zuviel! Ich habe ein extrem hohes Ruhebedürfnis habe ich das Gefühl und will am Wochenende am liebsten einfach gar nichts tun, bzw. Dinge, auf die ich dann auch Lust habe. Bloss keinen Stress, den hab ich unter der Woche genug.
    Ok, hab ich meist wirklich. Ich bin vollzeit berufstätig und habe noch ein Pferd. Ok, Pferd ist Hobby, dennoch bin ich unter der Woche meist erst gegen 20 Uhr zu Hause und an den Tagen wo ich nicht zum Pferd fahre, versuche ich Dinge zu erledigen, die ich sonst halt nicht schaffe. Da will ich am Wochenende einfach Ruhe. Aber wenn dem nicht so ist, dann schaue ich schon gestresst auf's Wochenende und bin schon echt genervt und manchmal fast weinerlich, weil ich eingetlich nur Ruhe haben wollen würde.

    Ich bin auch so manchmal sehr schnell gestresst und gereizt. Ich habe meine festen Abläufe im Büro. Werden diese gestört, stresst und nervt mich das ungemein. Z. B. schalte ich morgens im Büro zuerst den Rechner an, schaue in meine Mails und beisse dabei in mein Brötchen. Stört mich dabei jemand, oder ich komme erst später dazu, dann kann ich demjenigen eigentlich schon kaum folgen, habe Hunger, will mein Brötchen und erstmal Ankommen.

    Das klingt für mich alles irgendwie unglaublich albern und ich mache mir oft selbst Vorwürfe, dass ich einfach nur faul bin.... Das ich einfach eine "Schlampe" bin, wie mein Expartner das so nett gesagt hat...

    Was meint ihr? Könnte es auch AD(H)S sein? Wobei ich das H mal ausschließe ;-)

    LG Vennezia

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Was mir noch einfällt...

    Bei Dingen, die ich vor mir herschiebe... Die vergesse ich nicht etwa einfach. Manchmal schon, aber sie fallen mir immer wieder ein und es belastet mich, dass es noch nicht erledigt ist. Aber dann bin ich zu müde, hab vermeindlich "Wichtigere" Dinge zu tun - und wenn es nur Ausspannen auf der Couch ist. Wenn ich es dann endlich erledigt habe, ist es eine Erleichterung.
    Neulich hatte ich sogar Probleme, meine Krankmeldung rechtzeitig abzuschicken. Habe ich dann natürlich getan, aber mal wieder auf die aller letzte Minute. Und hinterher ärgere ich mich dann über mich selbst, dass ich immer alles aufschiebe und sage mir selbst, dass das besser werden muss. Wird's aber irgendwie nicht...

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 723

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    positiv !

    lg

  4. #4
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Ich hab mich gestern lange mit meinem Freund über das Thema unterhalten. Er arbeitet im medizinischen Bereich, hat viel mit Menschen zu tun. Das was ich schildere, hört sich für ihn eher wie ein Burnout an. Naja, das habe ich auch schon vermutet, aber ich glaube dann eher, dass die Strukturlosigkeit in meinem Leben (was eher für ADHS spricht) zu einem Burnout führen kann.
    Ich mach mir ja ständig Stress damit, was ich alles noch nicht geschafft habe, nehme mir viel vor und bekomm's dann oft einfach nicht auf die Reihe. Gut, Zeit hab ich auch nicht im Übermaß, aber ich schaffe es ja auch in 2 Wochen Urlaub oft nicht, zu schaffen was ich mir vorgenommen hab, auch wenn ich da dann Zeit hätte.

    Meine Diagnosen (Agoraphobie, depressive Episoden und Panikstörung) möchte ich gar nicht zwingend mit dem ADHS in Verbindung bringen. Ich bin da durch meine Kindheit vorbelastet. Meine Mutter hat selbst Agoraphobie und Panikstörung und da habe ich im Mutterleib schon die volle Ladung mitbekommen. Davon ab, dass meine Mutter eine Persönlichkeitsstörung (Borderline) hat und die Kindheit daher echt anstrengend war. Besonders die Pubertät.

    Ich bin früh zu Hause ausgezogen, hatte zig Nebenjobs um mich über Wasser zu halten, war körperlich am Ende und dann starb auch noch mein Vater, da war ich gerade 20 und in den Startlöchern ein eigenständiges Leben zu führen. Ich hab mich für meine Mutter verantwortlich gefühlt und mich neben Hauptjob, Nebenjobs (Kellnern bis in die Nacht, auch unter der Woche etc...) auch noch um sie gekümmert so oft es ging, obwohl jeder Kontakt mit ihr für mich stressig war. Da bin ich dann irgendwann zusammen gebrochen und hatte mehrere Nervenzusammenbrüche und die Panik ging los.

    Also.. ich möchte ADHS gar nicht unbedingt als Hauptursache für diese Diagnosen in einen Zusammenhang bringen.. Aber ich denke, es könnte seinen Teil dazu beigetragen haben. Bzw. jetzt wo die Diagnosten soweit behandelt sind und es mir schon viel besser geht (das Absetzen der Pille war DER Meilenstein - seitdem weiß ich, ich vertrage keine Hormone und wenn ich wieder damit angefangen hab, war ich sofort wieder nervös und ängstlich) dachte ich, müsste sich doch nach und nach alles regulieren. Tut's aber nicht. Also muss da ja noch irgendwas sein...

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 57

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    alsoooooo... wenn wir hier auch keine Ferndiagnose stellen - äh - können? dürfen? sollen? keine Ahnung, egal...

    Aber was du, Vennezia, beschreibst, passt, wie ich finde, extrem in das mir bekannte Bild von AD(H)S!

    Kenne diese zweifelnden Gedanken, aber wenn ich so Eigenarten von mir als syndromtypisch bezeichnet wo lese, erhärtet sich meine Eigenverdachtsdiagnose (EVD) , immer mehr. Hab mir auch überlegt, warum die Diagnose eigentlich so wichtig für mich ist und stelle fest, dass es schon sehr entlastend ist zu erkennen, dass ich a) nix für kann, b) bei dem Wunsch, da was zu verändern, Grenzen akzeptieren muss (was mir nach der EVD entschieden leichter fällt!) und c) dass ich sehr viel verändern kann, wenn ich mich innerhalb dieser Grenzen bewege!

    Was mir dabei hilft? Hier im Austausch mit anderen Betroffenen zu sein, momentan das Buch von Cordula Neuhaus "Lass mich - doch verlass mich nicht" und sehr viel einschlägige Internettexte zu dem Thema. Vor allem aber das Forum und das Buch, im Buch stehen ADS-bezogene Tipps für einen besseren Umgang mit den syndromtypischen Eigenarten, die Probleme verursachen.

    Du schreibst von Burnout - hatte ich auch schon, zählt aber zu den klassischen Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) von AD(H)S - was uns überfordert sind doch diese end vielen Reize, wo wir automatisch eben nicht priorisieren können und das mit extrem viel Energie bewusst zu steuern versuchen, dann noch die Probleme im Kontakt mit anderen, unser inneres und äußeres Chaos (beides will mal ausgehalten sein), Überforderung durch zuviel Beschäftigung wie zuviele Jobs undundund. Während meines Burnouts habe ich für mich Entscheidungen getroffen, mich zumindest beruflich nicht weiter zu überfordern. Hat u.a. zu einer Stundenreduzierung geführt, mit der ich bis heute gut leben kann.

    UND AD(H)S haben wir seit unserer Kindheit (für mich war u.a. so frappierend, soooo viele meiner Eigenarten als ADS-typisch beschrieben zu finden!), Burnout (oder andere Komorbiditäten wie z. B. Depression etc.) kommen (wenn sie denn kommen) später irgendwann dazu, das ist der Unterschied.

    Hoffe, dass ich zu deiner inneren Klärung bissi was beitragen konnte und wünsche dir, dass du für dich Wege aus der Überforderung findest, die du gut gehen kannst. Hast du schon mal an therapeutische Begleitung gedacht? Hatte das paarmal und kann nur sagen, dass mich das sehr weiter gebracht hat und daher dir sehr empfehlen.

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Hallo samo,

    vielen lieben Dank für deine Antwort. Und ja, sie ist hilfreich für mich ;-)

    Ich hatte auch schon überlegt, dass das Burnout, welches ich garantiert so latent seit Jahren vor mir herschleppe, eine Folge von AD(H)S sein könnte... Diagnostiziert ist mein Burnout nicht, aber
    dass da was nicht stimmt und ich ständig ein riesengroßes Bedürfnis nach Ruhe und Erholung habe und überdurchschnittlich viel Krank bin, weil ich einfach meine Auszeiten brauche, da brauch ich keinen Arzt für eine Diagnose. Naja, egal wie man es jetzt nennen mag.. ob Burnout, oder chronische Erschöpfung, depressive Episoden oder was auch immer.. aber irgendwas davon wird es sein.
    Eben weil man sich selbst viel mehr Stress und Druck macht, als nötig wäre...

    Ich muss mich mal mit AD(H)S bei Kindern beschäftigen. Vielleicht finde ich da auch schon Parallelen. Fakt ist, dass ich in der Schule eine faule Socke war. Also, wenn man das so nennen mag..
    In der Grundschule, die mir sehr viel Spass gemacht hat, ist mir alles so zugeflogen, super Noten. Dann kam ich auf's Gymnasium und ich bin abgestürzt. Mobbing - und plötzlich musste ich lernen! Ich hatte nie gelernt zu lernen und meine Eltern unterstützen das auch nicht, kontrollierten keine Hausaufgaben etc.. Ich bin dann irgendwann runter vom Gym, hab den psychischen Druck da nicht mehr ausgehalten. Auf der Realschule fand ich endlich tollen Anschluss und auch meine guten Noten wieder. Aber.. gelernt habe ich immer auf den letzten Drücker und nach der Klassenarbeit war das Wissen dann auch schnell wieder weg. Aber immerhin konnte ich mich so durchmogeln und die Realschule mit Quali für's Gym abschließen. Hab dann aber eine Ausbildung gemacht, die ich auch ganz gut abgeschlossen habe. Aber es gab Dinge, die wollten mir einfach nicht in den Schädel. Rechnungswesen (T-Koten.. herrjeeee) - da war Hopfen und Malz verloren. Und da es mich nicht ansprach, nicht interessierte und mir null Spass machte, hab ich auch das Lernen vernachlässigt. Bzw. ich konnte mich dazu einfach nicht motivieren. Schlussendlich hat's aber noch für die bestandene Prüfung gereicht :-D

    Was ich damit sagen will.. ich bin nicht blöd, halte mich für "normal intelligent" und ich hätte weitaus mehr erreichen können, vielleicht ein Studium machen können, wäre da nicht der innere Schweinehund und dieses ständige Gefühl der Überforderung.

    Therapien habe ich wegen der Panikstörung schon 4x gemacht, bzw. befinde mich aktuell noch in den letzten Zügen meiner Therapie. Die letzte Therapeutin war - neben dem Abestzen der Pille - mein Durchbruch. Bzw. sie ist es ja noch ;-) Ich zahle sie aber selbst, daher möchte ich da auch nicht mehr all zu lange bleiben - ich bin schon 1 1/2 Jahre bei ihr.
    Aber daher weiß ich, was eine Therapie bringen kann, wenn es der richtige Therapeut ist. Ich denke, wenn AD(H)S diagnostiziert werden sollte, hole ich mir auf alle Fälle hier auch wieder Hilfe. Aber ich glaube, dafür ist die jetzige Therapeutin nicht die Richtige, auch wenn sie mir in Sachen Panik echt ein Schutzengel und eine riesen Hilfe war!

    Mein Freund meinte gestern, dass er mir helfen will, Struktur in mein Leben zu bringen. Find ich super und je mehr er erzählte, desto mehr dachte ich hey... er hat Recht. Genau DAS fehlt mir!
    Ein Beispiel: Wir werden jetzt einen Putzplan aufstellen. Montag sauge ich staub, er wischt vorher staub. Dienstag wasche ich die Wäsche, er bringt den Müll runter und fegt den Flur. Mittwoch dann Wohnzimmer aufräumen etc... Also ist noch nicht durchdacht, aber das kann mir echt helfen glaube ich. Denn ich weiß ja nie, wo ich anfangen soll und denke dann z. B. Ach, den Flur musst du UNBEDINGT wischen. Aber dann sehe ich die Wohnung und denke, bevor ich das mache, muss ich dringend noch dies und das und jenes erledigen. Und zack bin ich überfordert und mache... nix! Oder fange wild irgendwo an und mache dann ALLES auf einmal, putze 4 Stunden bis dann wirklich alles perfekt ist und bin hinterher völlig im Eimer.
    Aber wenn auf dem Plan steht, heute nur staubsaugen, dann erledige ich das und kann mich danach auf die Couch setzen und gut ist. Alles Andere folgt dann im Rest der Woche und ich habe geschafft, was ich schaffen wollte, ohne mich zu überfordern. Weil nur mal eben staubsaugen ist schnell gemacht und überschaubar. Ich denke, das könnte wirklich helfen.....

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.485

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Ich vermute mal, der Arzt hat nicht nur die Diagnostik im Schnellverfahren durchgezogen (dennoch kann sie durchaus zutreffen), sondern sich auch mit der Dosisfindung keine Mühe gegeben und dir von jetzt auf gleich viel zu viel verordnet? Falls ja, solltest du dem Wirkstoff Methylphenidat durchaus eine zweite Chance geben, wenn du einen Arzt gefunden hast der etwas davon versteht.

    Sowohl Burnout als auch Angststörungen können durch unbehandelte ADHS verursacht sein, und da ADHS erblich ist (Angststörungen allein eher weniger), spricht viel dafür dass es bei deiner Mutter genauso war.

    Viele Grüße
    4. Klavierkonzert

  8. #8
    Ist öfter hier

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    Forum-Beiträge: 141

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Einem weiteren Versuch mit Medikamenten steht meine Panikstörung leider im Weg. Mir geht es zwar inzwischen schon sehr viel besser und ich bin weitestgehend stabil, aber ich glaube da muss ein Arzt schon sehr tief in die Liste mit den guten Argumenten schauen, um mich davon zu überzeugen ;-) Aber ok, man soll ja nie nie sagen...

    Begzüglich des Burnouts sehe ich es auch so, dass das die Summe vieler Details ist. Die Summe der Angststörung, aber auch des vermuteten AD(H)S-Themas.

    Die Ursache für die Angststörung würde ich bei mir ganz woanders suchen. Vielleicht bin ich da auf dem Holzweg, aber ein ADS würde ich bei meiner Mutter z. B. überhaupt nicht vermuten. Ich weiß auch, was ihre Angststörung und ihre Persönlichkeitsstörung ausgelöst hat. Ich hab's dann von klein an voll mitbekommen, ihre Panikattacken erlebt, das Verhalten nachgeahmt etc.. Und eben auch viel mit ihr erlebt, viel Negatives, was mir immer großen Stress bereitet hat. Aber ich denke, man kann ja Läuse UND Flöhe haben... Und das Eine begünstigt dann auch das Andere...

    Liebe Grüße

    Vennezia

  9. #9
    Wohnt hier

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    Forum-Beiträge: 1.485

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Vennezia schreibt:
    Vielleicht bin ich da auf dem Holzweg, aber ein ADS würde ich bei meiner Mutter z. B. überhaupt nicht vermuten. Ich weiß auch, was ihre Angststörung und ihre Persönlichkeitsstörung ausgelöst hat. Ich hab's dann von klein an voll mitbekommen, ihre Panikattacken erlebt, das Verhalten nachgeahmt etc.. Und eben auch viel mit ihr erlebt, viel Negatives, was mir immer großen Stress bereitet hat.
    Hallo Vennezia,

    wenn du AD(H)S hast, muss die irgendwo her kommen, vom Vater oder der Mutter. Das ist manchmal mehr eine Tendenz als eine ausgewachsene Störung, und manchmal überspringt es auch eine Generation.

    Sicher gibt es Auslöser. Aber ein solches Erlebnis macht bei dem einen eine Angststörung und bei dem anderen eben nicht.

    Ich weiß nicht allzu viel über Angststörungen, aber dass man die durch Nachahmen kriegt, kann ich mir nicht vorstellen.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Eure Meinung? AD(H)S - oder eher nicht?

    Hallo, hab über Deine Vorstellung hier her gefunden.



    Klingt für mich alles wie direkt aus dem Lehrbuch über ADHS.
    Hast Du irgendwo abgeschrieben ?

    Ist alles drin. Auch in der Kindheits/Schulgeschichte. Inklusive der kleinen Kleinigkeit in dem Wörtchen mobbing: AD(H)Sler werden besonders häufig in der Schule gemobbt, sie sind besonders "dankbare" Opfer - z.B. weil sie so schön reagieren, weil sie so schöne Fehler machen, etc.
    Die Erfahrung mit mobbing in der chule haben ziemlich viele hier hinter sich. (ich auch)

    Als ich mich frisch mit ADHS befasst habe wäre ich auch noch nicht draufgekommen, von welchem Elternteil ich es habe. (kann auch von beiden sein - ADHSler ziehen sich an).
    Inzwischen bin ich mir sehr sicher, dass es die Mutter ist.

    Wenn man mal einen Blick dafür hat, findet man sooo viele Details...
    Das Borderline bei Deiner Muter kann daher
    • entweder eine fehldiagnose sein oder
    • eine komorbidität

    Dafür wärs auch bei Deiner Mutter interessant, wie sie als Kind war.

    Andererseits gibts ja auch noch den Vater.
    Das ist natürlich schwieriger, wenn der schon getorben ist.

    Aber das braucht Dich am Anfang noch nicht so zu interessieren. Erst mal geht's um Dich.

    Der Putzplan ist eine richtig gute Idee.
    . Montag sauge ich staub, er wischt vorher staub. Dienstag wasche ich die Wäsche, er bringt den Müll runter und fegt den Flur.
    Prima.
    Und ich hoffe, ihr macht das auch GEMEINSAM. Also GLEICHZEITIG?
    Das wäre die halbe Miete.
    Dann geht das wie von selbst.

    Weil gemeinsam ist s viel schwieriger, in Nebentätigkeiten abzudriften.

    Erzähl mal, wie es damit klappt.

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