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Diskutiere im Thema Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Una


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 278

    Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Ich hatte letzte Woche meinen ersten Diagnostiktermin. Der Arzt wollte unbedingt von mir hören, dass ich nicht nur unaufmerksam und impulsiv, sondern auch hyperaktiv war. Da kam ich wirklich ins Schwitzen:

    Ja, ich habe ständig mit dem Stuhl gekippelt. Aber das haben andere auch gemacht; der Unterschied war, dass andere Kinder damit aufgehört haben, wenn man es ihnen gesagt hat - ich nicht.

    Ja, ich war im Unterricht ein Unruheherd, weil ich ständig in meinem Mäppchen die Stifte sortiert habe, das Fach unter der Bank aufgeräumt habe, etwas in den Ranzen gesteckt oder herausgeholt habe, geguckt habe, was hinter mir los ist. Ich hätte das nun unter "Unaufmerksamkeit" einsortiert, aber der Arzt schien willens, das als Anzeichen von Hyperaktivität zu werten.

    Ich bin nicht im Klassenzimmer herumgerannt, bestenfalls mal bei übereifrigem Melden halb aufgestanden oder ich saß eben nicht "ordentlich", sondern mit einem untergeschlagenen Bein - oder eben kippelnd. Ist das hyperaktiv?

    Ich habe mich als Kind oft zurückgezogen und habe viel gelesen - der Arzt meinte, das passe nicht so richtig ins Bild.

    Ich bin viel alleine mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren (das war mein Ersatz-Pony, der leere Schulhof diente als Reitbahn: Zirkel, Volte, durch die ganze Bahn wechseln ...), aber bergauf habe ich grundsätzlich geschoben, und ich bin nie elegant über Kreuz aufgestiegen, sondern immer ... wie 'ne Oma.
    Ich habe gerne auf dem Spielplatz geschaukelt, bin Karussell oder Seilbahn gefahren, aber Klettergerüste waren nicht mein Ding. Einmal habe ich mir an so einem Kletterding das Kinn aufgeschlagen, das musste genäht werden.
    Ich war Reiten, aber zum Voltigieren war ich viel zu ungeschickt; ich kam gar nicht aufs Pferd. Ich bin Rollschuh und Schlittschuh gelaufen, aber rückwärts fahren oder in einem kleinen Bogen abbremsen konnte ich nicht; außerdem bin ich recht oft auf die Nase gefallen. Ich bin gerne ins Schwimmbad gegangen, habe auch den Freischwimmer gemacht, aber Kraulen habe ich nie gelernt. Und den Sportunterricht habe ich schon in der Grundschule gehasst.

    Richtig hyperaktiv war höchstens meine Sabbelschnute ...

    Ich würde mir für das Alter von 8-10 Jahren vor allem Ablenkbarkeit und Impulsivität bescheinigen. Aber genau diese Kombination kommt in den Diagnosekriterien wohl nicht vor. Hyperaktive können zusätzlich noch impulsiv oder unaufmerksam oder beides sein, aber die Unaufmerksamen ohne Hyperaktivität können nicht impulsiv sein - kann das sein?
    Geändert von Una ( 2.05.2016 um 20:30 Uhr)

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.731

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Nein, das stimmt nicht. Selbstverständlich kann man impulsiv und nicht hyperaktiv sein. Und selbstverständlich kann auch ein Kind ADS gehabt haben, ohne hyperaktiv gewesen zu sein.

    Im Übrigen führst du tatsächlich auch Hinweise auf Hyperaktivität an. Und dass Rückzug, viel lesen und alleine Fahrrad fahren nicht zu ADHS im Kindesalter passt, ist Quatsch mit Soße, ich war als Kind und Jugendlicher ganz genau so.

    Manche ADHS-Kinder können sich nicht eine halbe Seite lang konzentrieren, aber das gilt eben nicht für alle. Manche tauchen in den Lesestoff ein und vergessen alles Andere, das nennt man Hyperfokus. Wenn dein Arzt sich das nicht vorstellen kann, dann hat er offenbar wenig Erfahrung mit ADHS-Kindern. Muss er als Erwachsenenpsychiater auch nicht, aber er sollte spätestens jetzt lernen dass das kein Ausschlussgrund für ADHS (mit oder ohne H) bei Erwachsenen ist.

    So ziemlich alles was du beschreibst ist einschlägig, natürlich auch die Ungeschicklichkeit in sportlichen Dingen.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 21

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Mir erschließt sich auch nicht so ganz, weshalb man nicht impulsiv sein kann ohne dabei hyperaktiv zu sein ... möglicherweise stimmt es, dass der Arzt einfach nicht die größten Erfahrungen in der Hinsicht hat

  4. #4
    Huiuiui

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 1.761

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Ein Diagnosekriterium ist Hyperaktivität nicht unbedingt. Man kann auch ADS ohne Hyperaktivität haben.
    Da ADS/ADHS angeboren ist, ist ein massgebendes Diagnosekriterium, ob sich ADS/ADHS-Symptome schon in der Kindheit gezeigt haben oder nicht. Das muss nicht unbedingt Hyperaktivität sein. Die ist halt in der Regel einfach am auffälligsten.

  5. #5
    Una


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 278

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Hyperaktive Kinder stelle ich mir etwa so vor: https://www.youtube.com/watch?v=SCr3ES97s4k

    Und so war ich nicht, jedenfalls nicht auf der motorischen Ebene - im Kopf schon eher. So habe ich auch gelesen: Langatmige Passagen habe ich nur überflogen, schnell weiter zu den spannenden Stellen. Oder ich habe beim Lesen im Kopf eine "Nebenbaustelle" aufgemacht, ein zusätzliches Kapitel mit mir in der Hauptrolle erfunden, während meine Augen weiter Zeile für Zeile dem Text folgten, inklusive Umblättern.

    Der springende Punkt ist wohl, dass die Kriterien für eine ADHS-Diagnose unterschiedlich gehandhabt werden: Da gibt es einerseits die konservative Fraktion, die auf die Triade Hyperaktivität + Unaufmerksamkeit + Impulsivität besteht, die vor dem 7. Lebensjahr auftreten muss. Der letzte Punkt wird heute wohl nicht mehr wörtlich ausgelegt; kaum ein Arzt wird seine Diagnose auf Berichte aus dem Vorschulalter stützen; die Grundschulzeit zählt.

    Der sog. hypoaktive Typ stellt eine weitere Aufweichung dieser klassischen Kriterien dar, und es sieht so aus, als sei ich an einen Arzt geraten, der den "Hypo" nicht oder nur als Ausnahme gelten lässt: Er hat nicht gesagt, dass sich Lesen und AD(H)S absolut ausschließen, sondern dass das "eher untypisch" sei. Und er hat ADHS auch nicht kategorsich ausgeschlossen, sondern sich wirklich Mühe gegeben, mein bisschen Gehampel als Hyperaktivität zu werten - also kein Grund, über den doofen Arzt zu schimpfen.

    Aber wie man's auch dreht und wendet: Die Kombination unaufmerksam + impulsiv ohne Hyperaktivität gibt es laut Lehrbuch nicht, weder nach ICD noch nach DSM. ADSler ohne H sind per definitionem nicht impulsiv, sondern still und brav - und das war ich ganz gewiss nicht.
    Unorthodoxere ADHS-Spezis wie Neuhaus, Simchen, Winkler mögen das wieder anders sehen, aber ich habe nun mal diesen Arzt erwischt.
    Geändert von Una ( 2.05.2016 um 18:49 Uhr)

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Meine Mutter war als Kind zurückgezogen, Träumerin, hat viel gelesen. Hyperaktiv war sie nicht. Und trotzdem musste sie irgendwann in die Burnout-Klinik nach Bad Bramstedt wegen Burnout, wo sie auch die gründliche ADHS-Diagnose bekommen hat. Ich hab dir wie gesagt noch Dr. Oehler in Würzburg als Alternative genannt.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Und meine Mutter ist definitiv impulsiv

  7. #7
    Huiuiui

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 1.761

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    ICD-10 und wahrscheinlich auch DSM werden laufend überprüft und angepasst. Das was da drin steht, muss nicht für alle Zeit gelten.

  8. #8
    Una


    Ist öfter hier

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    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 278

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    ChaotSchland schreibt:
    Meine Mutter war als Kind zurückgezogen, Träumerin, hat viel gelesen. Hyperaktiv war sie nicht. Und trotzdem musste sie irgendwann in die Burnout-Klinik nach Bad Bramstedt wegen Burnout, wo sie auch die gründliche ADHS-Diagnose bekommen hat. Ich hab dir wie gesagt noch Dr. Oehler in Würzburg als Alternative genannt.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Und meine Mutter ist definitiv impulsiv
    Hat deine Mutter denn offiziell ADS oder ADHS?

    Zur Hypoaktivität gehört "affektive Labilität" - was ist denn nun bitte der Unterschied zu Impulsivität?

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Trübeli schreibt:
    ICD-10 und wahrscheinlich auch DSM werden laufend überprüft und angepasst. Das was da drin steht, muss nicht für alle Zeit gelten.
    Ja, aber die Ausweitung der Kriterien wird ja auch sehr kontrovers diskutiert. Wenn ich an einen "Konservativen" geraten bin, habe ich halt Pech gehabt.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    In der Realität ist das eh Schwachsinn, das jeweils woanders hin zu verorten: Impulsivität zu ADHS und Affektlabilität zu ADS....wobei ich das jetzt nicht auswendig weiß, ob das so in ICD-10 etc. in der Trennung so überhaupt verlangt wird. Meine Mutter hat ganz klar alles davon: Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Affektlabilität, am wenigsten noch Hyperaktivität. Aber das mit der fehlenden oder nur latent vorhandenen oder weniger auffallenden Hyperaktivität ist ja auch der Grund, weshalb Mädchen gegenüber Jungen klar unterdiagnostiziert werden, das Geschlechterverhältnis aber in Wahrheit bei 1:1 liegen dürfte.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Im Übrigen stammt das ICD-10 meines Wissens von Anfang der 90er Jahre und somit aus der Steinzeit der ADHS-Forschung.

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.731

    AW: Hyperaktivität als Kind zwingendes Diagnosekriterium?

    Una schreibt:
    Hyperaktive Kinder stelle ich mir etwa so vor: https://www.youtube.com/watch?v=SCr3ES97s4k
    Hyperaktivität äußert sich sehr verschieden.

    Una schreibt:
    Und so war ich nicht, jedenfalls nicht auf der motorischen Ebene - im Kopf schon eher. So habe ich auch gelesen: Langatmige Passagen habe ich nur überflogen, schnell weiter zu den spannenden Stellen. Oder ich habe beim Lesen im Kopf eine "Nebenbaustelle" aufgemacht, ein zusätzliches Kapitel mit mir in der Hauptrolle erfunden, während meine Augen weiter Zeile für Zeile dem Text folgten, inklusive Umblättern.

    Der springende Punkt ist wohl, dass die Kriterien für eine ADHS-Diagnose unterschiedlich gehandhabt werden: Da gibt es einerseits die konservative Fraktion, die auf die Triade Hyperaktivität + Unaufmerksamkeit + Impulsivität besteht, die vor dem 7. Lebensjahr auftreten muss. Der letzte Punkt wird heute wohl nicht mehr wörtlich ausgelegt; kaum ein Arzt wird seine Diagnose auf Berichte aus dem Vorschulalter stützen; die Grundschulzeit zählt.
    Was aber eher daran liegt, dass es um so schwieriger ist, nachträglich Belege zu finden. Wer als Grundschulkind ADHS-ler war, war es als Vorschulkind auch.


    Una schreibt:
    Der sog. hypoaktive Typ stellt eine weitere Aufweichung dieser klassischen Kriterien dar, und es sieht so aus, als sei ich an einen Arzt geraten, der den "Hypo" nicht oder nur als Ausnahme gelten lässt: Er hat nicht gesagt, dass sich Lesen und AD(H)S absolut ausschließen, sondern dass das "eher untypisch" sei. Und er hat ADHS auch nicht kategorsich ausgeschlossen, sondern sich wirklich Mühe gegeben, mein bisschen Gehampel als Hyperaktivität zu werten - also kein Grund, über den doofen Arzt zu schimpfen.

    Aber wie man's auch dreht und wendet: Die Kombination unaufmerksam + impulsiv ohne Hyperaktivität gibt es laut Lehrbuch nicht, weder nach ICD noch nach DSM. ADSler ohne H sind per definitionem nicht impulsiv, sondern still und brav - und das war ich ganz gewiss nicht.
    Unorthodoxere ADHS-Spezis wie Neuhaus, Simchen, Winkler mögen das wieder anders sehen, aber ich habe nun mal diesen Arzt erwischt.
    Er macht es sich aber schwer, wenn er zuerst zu enge Kriterien aufstellt und sie dann großzügig auslegt.

    Seit wann ist hypoaktive ADS eine Aufweichung? Dass gerade Mädchen eher weniger hyperaktiv sind, sollte seit den 90-ern Allgemeingut sein, auch bei "orthodoxen" Experten. Und wenn du mehrere davon kennenlernst (von den verträumten Mädchen, nicht den Experten), bemerkst du auch bald, dass die sehr wohl impulsiv sein können, aber hallo.


    Und Bücherfresser unter AD(H)S-lern sind keineswegs untypisch, frag mal in diesem Forum herum.
    Geändert von 4.Kl.konzert ( 2.05.2016 um 19:35 Uhr)

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