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Diskutiere im Thema Kein ADHS nur weil man Abitur hat? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #71
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Schnarchnase schreibt:
    So ist es.




    Tut sie auch nicht. Siehe oben: Eigentlich wären viel bessere Leistungen möglich.


    Kompensation findet eher durch günstige Bedingungen im Umfeld und intelligenzunabhängige Fähigkeiten statt.
    Jetzt bin ich noch verwirrter als vorher.
    Möglicherweise ist meine Leitung heute mal wieder besonders lang...

    Wenn es nicht die Intelligenz ist,die für die Kompensation der Defizite entscheidend ist,ist doch der Schluss,ADHS'ler würden generell der Intelligenz "angemessene" Abschlüsse erreichen können,so nicht haltbar,oder?

    Es träfe doch eher das zu,was...Fliegerlein glaub' ich...oder creatrice?...schrieb. Das also der Schweregrad der ADHS und sekundär das Umfeld das Zünglein an der Waage bilden.



    Leicht verwirrte Grüße vom Luftkopf

  2. #72
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Schnarchnase schreibt:
    luftkopf33 schreibt:
    Wenn ich das richtig verstehe heißt das dann,dass ein ADHS'ler mit "Abi-tauglichem" IQ das Abitur generell auch schafft,nur eben mit etwas mehr Aufwand und eventuell nicht ganz so gut?
    So ist es.
    Ja und nein ....

    Zunächst mal hat ADHS, wie wir wissen, nichts mit Intelligenz zu tun, denn weder die hyperkinetischen Symptome, noch die Beeinträchtigungen der Exekutiven Funktionen (EF) haben etwas mit Intelligenz zu tun.

    Wir alle kennen sicherlich den altbekannten Spruch:
    "Der kann wenn er will, der ist nicht dumm, der muss sich nur anstrengen"

    Oder die typische Beschreibung in der Fachliteratur:
    "Bleibt hinter seinen intellektuellen Möglichkeiten/ Fähigkeiten zurück."

    ABER:
    Schnarchnase schreibt:
    luftkopf33 schreibt:
    Mir hat auch noch niemand logisch erklären können,wie Intelligenz genau alle relevanten Defizite kompensieren soll.
    Tut sie auch nicht. Siehe oben: Eigentlich wären viel bessere Leistungen möglich.

    Kompensation findet eher durch günstige Bedingungen im Umfeld und intelligenzunabhängige Fähigkeiten statt.
    Richtig,das ist aber nur ein Teil von mehreren.
    Wer einen hohen IQ hat, egal ob mit oder ohne ADHS, der hat natürlich kognitive Vorteile, mithilfe deren er Vorsprünge anderen gegenüber haben kann.

    Das fängt beim Lernen schon an ... der eine muss lange lernen, der andere sieht sich das nur an und hat's intus und verstanden und kann sich das weitere Lernen sparen.

    Piero Rossi hat mal geschrieben, "Man kann eine ADHS nicht kompensieren".
    Damit hat er auch recht, andererseits aber auch nicht ganz.

    Denn zumindest kann ein ADHS-Betroffener damit eine zeitlang seine ADHS sozusagen "verschleiern".
    Tatsächlich ist das keine Kompensation.
    Denn wie Ihr schon schreibt, hätte der Betroffene bessere Noten/ Ergebnisse erzielen können.
    Er bleibt also auf einem Level unter seinen Möglichkeiten.
    Das ist keine Kompensation, nicht im eigentlichen Sinne, denn wenn ich etwas (funktional) kompensiere, ist es ja ausgeglichen und damit müsste man auch entsprechende Leistungen/ Ergebnisse erzielen.

    Der Haken ist ja, dass damit jemand, der eigentlich weit über dem Durchschnitt läge, im Ergebnis eher durchschnittlich oder gerade noch durchschnittlich wäre.
    Aber das merkt halt keiner, weil ja Durchschnitt ganz ok ist, die meisten sind das und insofern würde erstmal keiner auf Beeinträchtigungen kommen und fairerweise kann man das auch nicht unbedingt so bezeichnen, denn man bekommt's ja hin.
    Und auch wenn man unterm Strich mehr hätte erreichen können, .... wenn's hinhaut und man es ok findet, erzeugt das kein Leiden.

    Das kann aber sowohl bei einem Menschen mit normalen kognitiven Fähigkeiten und einer leichten ADHS, als auch bei einem mit hohen kognitiven Fähigkeiten und einer mittelgradigen ADHS der Fall sein.

    Vor allem kann das gut gehen, wenn man eben ein gutes Umfeld hat, welches für eine Kompensation sorgt.
    Das wäre dann auch eine echte und funktionale Kompensation.

    Die Frage ist nur:
    Wie lange geht das gut?

    Wenn diese Leistungen mit enorm hohen Anstrengungen verbunden sind, kommt irgendwann der Zusammenbruch, bzw. gesellen sich die Komorbiditäten dazu.
    Wenn die äußere Kompensation, z.B. die Eltern, irgendwann wegbricht, weil man z.B. in einer anderen Stadt studiert und eine eigene Wohnung hat, dann gehts bergab und die Beeinträchtigungen machen sich in voller Stärke bemerkbar.

    Menschen mit einer schwerergradigen ADHS kommen aber in der Regel nicht so weit und sind auch vorher schon "irgendwie auffällig", man hat nur vielleicht nicht so drauf geachtet.
    Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das gelesen habe, aber ich erinnere mich, dass man in etwa davon ausgeht, dass die Betroffenen die Grundschule noch schaffen (oft nur gerade so) und dann in der höheren Schule die Talfahrt so richtig beginnt.... wohlgemerkt: wir reden hier schon von hochintelligenten Kindern.
    Bei mir war das der Fall.
    Eigentlich hätte ich aufgrund meiner Fähigkeiten zum Gymnasium gehen sollen und wollte das selber auch, aber das stand nicht im Einklang mit meinen Leistungen in der 4. Klasse.
    Daher Realschule, aber der Absturz folgte trotzdem und am Ende war ich, reichlich unterfordert, auf der Hauptschule gelandet, was aber im völligen Widerspruch zu meiner angeblich hohen Intelligenz stand...

    Wie gesagt: das Umfeld kann da noch eine große Rolle spielen.
    Mit guter Unterstützung und viel Aufwand, lässt sich das durchziehen.
    Mein Aufwand war horrend, aber gehilft hat's da dann auch nüx mehr .

    Hohe Intelligenz gibt einem natürlich auch mehr Möglichkeiten an die Hand, die aber die Beeinträchtigungen in den EF nicht wirklich kompensieren.
    Es ist ja mitunter durchaus wörtlich zu nehmen, wenn man sagt, dass man sich da so durchgemogelt hat .
    Nur ist das weder funktional, noch hilft das einem auf Dauer ... irgendwann kommt die Wand, gegen die man rennt.

    Aber bei diesen Fällen kann man dann in der Vergangenheit auch diese "Spur" sehen.
    Die Älteren unter uns, jene, die in den 60igern/ 70igern Kinder waren und erst im späten Erwachsenenalter auffielen, werden wohl diese Spur überdeutlich sehen können und sich immer wieder fragen, warum das keiner bemerkt hat ... aber die Umstände der Zeit erklären das eben.
    Bei mir haben die z.B. einfach gesehen, "Oh, da war eine Trennung der Eltern ... na das war ja einfach" und man kannte ADHS halt auch nicht.


    Aber wie auch immer ... eine wirklich schwerwiegende ADHS bis ins Erwachsenenalter so zu "verschleiern", dass man sie nicht bemerkt .... das ist einfach extrem selten.
    Zumindest in der heutigen Zeit, in der man da doch schon deutlicher drauf achtet.
    Es ist aber nicht ausgeschlossen.

    Es gibt also leider keine klare Grenze, kein Ja oder Nein, kein Schwarz oder Weiß.
    Geändert von Fliegerlein ( 8.03.2016 um 12:28 Uhr) Grund: Satzkorrektur

  3. #73
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Also,zusammengefasst:

    Die Gleichung "Hohe Intelligenz sorgt für akademische Leistungsfähigkeit auch beim ADHS'ler" geht so nicht auf?

    Sie KANN lediglich-abhängig von Schweregrad und Umfeld funktionieren?

    Entschuldige,dass ich hier so nachhake,mein Gehirn ist heute irgendwie langsam.

  4. #74
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    luftkopf33 schreibt:
    Also,zusammengefasst:

    Die Gleichung "Hohe Intelligenz sorgt für akademische Leistungsfähigkeit auch beim ADHS'ler" geht so nicht auf?

    Sie KANN lediglich-abhängig von Schweregrad und Umfeld funktionieren?
    Jap ... so würde ich es auch sehen und sagen.
    EF und Intelligenz stehen in keiner Abhängigkeit zueinander.
    "Akademische Leistungsfähigkeit" bedeutet aber auch Fähigkeiten in den EF zu haben, die bei ADHS-Betroffenen aber nun mal beeinträchtigt sind.

    Schweregrad und Umfeld sind Faktoren, die sich entsprechend negativ oder positiv auswirken und Beeinträchtigungen kompensieren können.

    Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber "damals" gab es noch den Unterschied zwischen einer Fachhochschule und einer Universität.
    Letztere z.B. stellte weitaus höhere Anforderungen an die EF, weil man dort so ziemlich alles selbstständig machen muss, also auch seine Kurse und Vorlesungen planen etc, während eine Hochschule doch eher einer Schule wie einem Gym ähnlich war.
    Soll heißen:
    Wenn ich einen Stundenplan vorgesetzt bekomme, dann merkt man meine Beeinträchtigungen in der Planung eines solchen nicht, während jemand, der das komplett selber planen und zusammenstellen muss, da dann schon ganz schnell an seine Grenzen stößt.

    Gehen wir von der (gängigen) Annahme aus, dass die Entwicklungsverzögerung der EF ca. 30% beträgt, also dass das "Exekutive Alter" 30% hinter dem Lebensalter herhinkt, dann wäre ein 21 jähriger Student in den EF gleichauf mit einem etwa 15-jährigen.
    Und kein Mensch würde von einem 15-Jährigen erwarten oder verlangen, dass er seinen Stundenplan komplett selbst koordiniert...

    Aber es ist eben abhängig von Ausprägung und Umfeld.

    Nehmen wir als bekanntes Beispiel den Comedian Eckart von Hirschhausen.
    Von ihm wissen wir, weil er es selber geschrieben hat, dass er eine leichte Form der ADHS hat.
    Er hat sein Studium geschafft, sogar ziemlich gut, promovierte immerhin magna cum laude ... muss man erstmal schaffen ..., aber im klinischen Alltag kamen dann seine Beeinträchtigungen doch mehr zur Geltung, als es letztlich auf Dauer gut gewesen wäre.
    Ich weiß allerdings nicht, ob das bei ihm schon in der Kindheit entdeckt wurde, er ist ja auch schon Baujahr 67 und inwiefern bei ihm das Umfeld eingewirkt hat und dadurch dann da schon sowas wie ein ADHS-Management stattgefunden hat.

    Solange das klappt, ist's ja gut.
    Wenn's am Ende aber mehr Energie kostet, als man nachtanken kann, ...

    luftkopf33 schreibt:
    Entschuldige,dass ich hier so nachhake,mein Gehirn ist heute irgendwie langsam.
    Allet jut

    Das ist ja auch nicht wirklich einfach und da grübel ich noch immer wieder drüber nach und hinterfrage es immer wieder.

    Mit der Kompensation ist das so eine Sache ....
    Zum einen:
    Ist es wirklich eine "Kompensation" oder mehr eine "Verschleierung"?
    Wenn ersteres:
    Ist es eine funktionale oder eine dysfunktionale Kompensation?

    Wenn ich ein Modell von einem Kettenkarussell baue und will es elektrisch antreiben und benötige dafür einen 1W Motor, dann kann das Teil wunderbar und schön über viele Jahre funktionieren.

    Wenn ich aber nur einen Motor mit halber Leistung habe, dann läuft das Ding alles andere als rund ....
    Ich hätte aber nun die Möglichkeit, z.B. einfach die Spannung am Motor zu erhöhen, mehr Spannung bedeutet auch mehr Strom, dann läuft er schneller und hat auch mehr Leistung.
    Aber dafür ist der Motor nicht gemacht.
    Er wird auf Dauer einen Schaden davon tragen, er wird überlastet, läuft warm oder heiß und gibt irgendwann vorzeitig den Geist auf, während er, genau wie der passende Motor, bei richtigem Betrieb, eine viel längere Betriebsdauer hätte.
    Das wäre also eine dysfunktionale Kompensation.
    Vordergründig habe ich das gleiche Ergebnis erzielt, richte damit aber Schaden an, der nur erst später auffällt.

    Wenn ich aber einen zweiten, von den kleinen Motoren einbauen kann, dann habe ich funktional kompensiert.
    Weder muss ich die Spannung erhöhen, noch wird zu viel Strom verbraucht, noch wird der Motor zu sehr belastet.
    Sowohl das Ergebnis in Form eines lange und rund laufenden Karussells, als auch die Betriebsdauer der Motoren sind die gleichen, wie bei dem Karussell mit dem einen, doppelt so starken Motor.

    Wir brauchen also solche kleinen, externen "Extramotoren", damit wir uns nicht überlasten und wenn und solange die da sind, läuft alles soweit rund und gut .
    Das ist genau das, was Barkley so nett mit "kleine Prothesen" bezeichnet ...
    Geändert von Fliegerlein ( 8.03.2016 um 14:20 Uhr) Grund: Korrektur

  5. #75
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 275

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    luftkopf33 schreibt:
    Also,zusammengefasst:
    Die Gleichung "Hohe Intelligenz sorgt für akademische Leistungsfähigkeit auch beim ADHS'ler" geht so nicht auf?
    Sie KANN lediglich-abhängig von Schweregrad und Umfeld funktionieren?
    Naja, die Intelligenz funktioniert immer, nur wenn ich eben auf Lehrer treffe, die aus welchem bewußten oder unbewußten Grund heraus mich triggern und ich auf Durchzug oder Blockade schalte, dann hülfts nix. Hab ich Lehrer die einen irgendwie lassen, dann kann das was man so aufschnappt reichen um ohne Aufwand und ab und zu ne Standpauke so bis zum Abi ggf. mit nem Wechsel auf ne andere Gymnasialform, z.b. Wirtschaftsgymnasium grad so durch zukommen, oder sogar nen 2er zu haben, wenn der Hyperfokus in der Vorbereitung mal gut klappt.

    Sind aber solche Blockaden durch Lehrer oder ggf. heftige Umfeldereignissse dabei, wie z.B. eine Scheidung bei der ggf. noch die Kínder instrumentalisiert werden, oder ggf. Freunde oder Freundinnen in die Sucht gleiten und man zum hilflosen Kümmerer wird, dann kommt das Hirn in die Gedankenkreise. Wird das wie meist nicht gesehen und bleibt idR ohne Hilfe dann sind die exekutiv Funktionen massiv blockiert und die Intelligenz kreist ums Problem und verstrickt sich darin. Oder die Intelligenz selbst wirft in eine kafkeske Pubertät mit höchsten Ansprüchen und Erwartungen und Realitätsenttäuschungen ggf. vielleicht Essstörung oder Depressiom und vielleicht einem ersten Pausenjahr mit klinischem Aufenthalt. Das kann dann total aus den Bahnen werfen und durch die Schulsyteme purzeln lassen, aber mitunter wird dennoch Abi und Studium geschafft.

    Wenn ich so die letzten Posts durchlese, dann habe ich den Eindruck, wer Abi und Studium schafft, ist kein schwerer Fall. Also ich kenne Menschen, die haben zwar solche kognitiven Leistungstests in diesen doch irgendwie strukturgebenden Umgebungen absolviert, scheitern aber gepaart durch ihre inneren Leistungsansprüche, ihre extreme Gefühlslabilität und daraus entstandenen Versagenserfahrungen und mehr oder weniger verdeckt oder offen sichtbarer Angst- und Panikstörungen an jedem beruflichen Einstieg. Die sind häufig Mitte Ende dreißig und haben heftige Lebensfähigkeitszweifel, suizidale Phantasien oder Tötungsversuche hinter sich. Manchmal schützt das familiär Ersparte, im anderen Fall nur Harz 4. Sucht kann auch immer wieder trösten manchmal folgt auch da das Schicksal des Clochard. Sind das nun weniger schwere Fälle als der Raubauz mit cholerisch hyperaktivem ICD F90 Vollbild, der schon in der Grundschule massiv auffällt. OK auch da lassen sich ganz unterschiedliche weiter Entwicklungen vorstellen, von zeitlebens Gelegenheitsjobs aber irgendwie passts bis hin zu massivem Alkoholismus und Raubbau.

    Für mich ist ein schwerer Fall der, daß jemand aus den Ausbildungssystemen egal ob nach Grundschule, Berufsvorbereitungsjahr, Hauptschule bis hin zur Uni rauskommt und strukturell nicht in der Lage ist, sein Leben und seine Arbeit selbständig zu organisieren, sondern hier in die Unfähigkeit abgleitet, psychische Probleme bekommt und ohne fremde Hilfe nicht sein kann.
    Geändert von Wapi ( 8.03.2016 um 14:22 Uhr)

  6. #76
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Dass die Intelligenz immer funktioniert habe ich auch nicht bestreiten wollen.Nur hat sie eben keinen so großen Einfluss auf die Defizite in den EF,bzw.nur in Teilbereichen,wie spontaner Gedächtnisleistung oder Ählichem.

    Wie sollte der Einfluss auch aussehen? Die reine Intelligenz/Denkfähigkeit macht Zeitblindheit und Impulsivität nicht wett. Ebenso wenig Ablenkbarkeit,Unorganisierthei t etcpp. Und ein Kind-egal wie intelligent-kann sich wohl kaum echte Kompensationsstrukturen aufbauen,die selbst Erwachsene noch kaum hinkriegen.

    Was Du beschreibst sind sicher "schwere Fälle"-aber sind das auch schwere ADHS-Fälle? Oder sind hier nicht am Ende die Komorbiditäten das Problem?

  7. #77
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Wapi schreibt:
    Also ich kenne Menschen, die haben zwar solche kognitiven Leistungstests in diesen doch irgendwie strukturgebenden Umgebungen absolviert, scheitern aber gepaart durch ihre inneren Leistungsansprüche, ihre extreme Gefühlslabilität und daraus entstandenen Versagenserfahrungen und mehr oder weniger verdeckt oder offen sichtbarer Angst- und Panikstörungen an jedem beruflichen Einstieg. Die sind häufig Mitte Ende dreißig und haben heftige Lebensfähigkeitszweifel, suizidale Phantasien oder Tötungsversuche hinter sich. Manchmal schützt das familiär Ersparte, im anderen Fall nur Harz 4. Sucht kann auch immer wieder trösten manchmal folgt auch da das Schicksal des Clochard. Sind das nun weniger schwere Fälle als der Raubauz mit cholerisch hyperaktivem ICD F90 Vollbild, der schon in der Grundschule massiv auffällt. OK auch da lassen sich ganz unterschiedliche weiter Entwicklungen vorstellen, von zeitlebens Gelegenheitsjobs aber irgendwie passts bis hin zu massivem Alkoholismus und Raubbau.

    Für mich ist ein schwerer Fall der, daß jemand aus den Ausbildungssystemen egal ob nach Grundschule, Berufsvorbereitungsjahr, Hauptschule bis hin zur Uni rauskommt und strukturell nicht in der Lage ist, sein Leben und seine Arbeit selbständig zu organisieren, sondern hier in die Unfähigkeit abgleitet, psychische Probleme bekommt und ohne fremde Hilfe nicht sein kann.
    Gut möglich, dass es schwere Fälle sind, aber genausogut ist es möglich, dass es mittelschwere Fälle mit ebend er genannten dysfunktionalen Kompensation sind, welche letztlich Raubbau an den eigenen Ressourcen bedeutet und über kurz oder lang ist der Akku leer und wie der Motor des genannten Karussellbeispiels, ausgebrannt.

    Aber man muss da eben schauen, ob sich die "Schneise der Verwüstung" in der Vergangenheit zeigt, dann würde ich einen schweren Fall sehen, den aber keiner erkannt/ wahrgenommen hat, obwohl er offensichtlich war, oder ob es sich um Fälle handelt, in denen aufgrund der leicht- bis mittelgradigen Beeinträchtigungen durch die ADHS und dem damit verbundenen, höher als normalen, Energieaufwand, der Akku zunehmend leerer wurde und nicht mehr aufgeladen werden konnte, was dann letztlich in den Komorbiditäten endet.

    Da mag jemanden haben, der wirklich schwer erkrankt ist, aber der größte Teil davon durch die Komorbiditäten verursacht wurde.

    Das ist auch genau das, was Barkley mir erklärte:
    (sinngemäß, ich kann das aber gerne raussuchen)
    "Menschen, die im späteren Erwachsenenalter auffallen, haben durchaus eine hohe Zahl an Beeinträchtigungen, aber was wir sehen ist, dass diese im Laufe ihrer Lebenszeit zusammengekommen sind, während schwere Fälle diese Anzahl an Beeinträchtigungen schon sehr früh aufweist."

    Ich such das gleich mal raus ...

  8. #78
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 275

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    luftkopf33 schreibt:
    Dass die Intelligenz immer funktioniert habe ich auch nicht bestreiten wollen.Nur hat sie eben keinen so großen Einfluss auf die Defizite in den EF,bzw.nur in Teilbereichen,wie spontaner Gedächtnisleistung oder Ählichem.

    Wie sollte der Einfluss auch aussehen? Die reine Intelligenz/Denkfähigkeit macht Zeitblindheit und Impulsivität nicht wett. Ebenso wenig Ablenkbarkeit,Unorganisierthei t etcpp. Und ein Kind-egal wie intelligent-kann sich wohl kaum echte Kompensationsstrukturen aufbauen,die selbst Erwachsene noch kaum hinkriegen.

    Was Du beschreibst sind sicher "schwere Fälle"-aber sind das auch schwere ADHS-Fälle? Oder sind hier nicht am Ende die Komorbiditäten das Problem?
    In allen Fällen sind es ADHS Fälle, die erst im erwachsenen Alter diagnostiziert wurde. In der Tat hat sich da einiges an Komorbiditäten dazu entwickelt, doch für mich sind die Komorbiditäten eigentlich die Folgen oder eben dysfunktionale Strategien, die sich der Geist sucht um mit den Lebensumständen zu recht zu kommen. Bei rechtzeitigem sehen, ggf. auch des Schweregrades (aber woran mache ich den denn genau fest) und entsprechender Therapie und Edukation, wären diese m.E. nicht so entwickelt.
    Geändert von Wapi ( 8.03.2016 um 16:32 Uhr)

  9. #79
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Gefunden, hier die Antwort von Barkley:

    Age is only somewhat related to impairment because the older one is the greater the opportunities to experience various impairments (such as car accidents) so we would expect older adults with ADHD to report more lifetime impairment than younger ones but not necessarily more current impairment, though they could in some cases report that, too.
    But if all this were true and the only explanation, then the adult diagnosed group, who were older adults, should have been more impaired than the children followed to age 27 years, and they were not.
    Das war eine Antwort auf eine Rückfrage, zuvor schrieb er noch dies:
    Thanks for writing, Fliegerlein.
    You have to understand we are comparing large groups to each other.
    When we do so, the group diagnosed in childhood and followed forward are somewhat worse off in their impairments than those not diagnosed until adulthood.
    Of course, there are adults in the late diagnosed group who are as or more impaired than the children followed to adulthood but, on average, there are differences between the two groups.

  10. #80
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: Kein ADHS nur weil man Abitur hat?

    Wapi schreibt:
    In allen Fällen sind es ADHS Fälle, die erst im erwachsenen Alter diagnostiziert wurde. In der Tat hat sich da einiges an Komorbiditäten dazu entwickelt, doch für mich sind die Komorbiditäten eigentlich die Folgen oder eben dysfunktionale Strategien, die sich der Geist sucht um mit denen Lebensumständen zurecht zu kommen. Bei rechtzeitigem sehen, ggf. auch des Schweregrades (aber woran mache ich den denn genau fest) und entsprechender Therapie und Edukation, wären diese m.E. nicht so entwickelt.
    Sehe ich im Grundsatz auch so.
    Nun setze ich noch einen drauf:

    Die Defizite konnten immerhin noch (mehr oder weniger selbstständig und funktional) "kompensiert" werden,sodass Erfolg möglich war-z.B.im akademischen Bereich. Wobei ich natürlich nicht bestreite,dass es ohne ADHS leichter und und gesünder hätte klappen können.

    Der eigentliche Schweregrad der ADHS lässt sich,imho,am Besten über die bereits "von Anfang an" irgendwie sichtbaren,nicht eigenständig kompensierbaren Defizite definieren-da würde ich Barkley's Aussagen unterschreiben.

    Versteht man mein Geschreibsel noch?

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