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Diskutiere im Thema ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 4

    ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    Hallo ihr Lieben,
    bei mir wurde Anfang 2015 ADS mit 21 jahren diagnostiziert, nach dem ich mich eigenständig Testen lassen habe.
    Für mich waren meine Schulzeit unglaubliche Qualen. Meine Eltern (Lehrer) und Lehrer haben mich als ignorant und faul wahrgenommen und mir das Jahrelang eingeredet. Egal wie sehr ich immer versucht habe, meine Situation zu ändern, es hat zu viel Kraft gekostet um es durchzuhalten. Ich bin seit 5 Jahren depressiv, sitze gerade zum 2x in der Psychatrie, da ich einfach mit allem komplett überfordert bin. Für mich ist es ein Erfolgserlebnis wenn ich die Wäsche mache oder es schaffe regelmäßig zu essen.

    Ich studiere Seit 2 Jahren Informatik, allerdings habe ich erst 3Klausuren geschrieben (alle bestanden), da ich einfach ständig so eine Angst und Panik habe da alles so unglaublich Überfordernt auf mich wirkt. Langsam habe ich wirklich Angst das ich einfach Lebensunfähig und einfach wirklich faul bin?

    Egal wie sehr mir etwas am Anfang gefällt, ich verliere so schnell das Interesse. Selbst Bücher die ich super finde, kann ich nur über Wochenhinweg (im besten Fall) zuende lesen. Mich würde es sehr interessieren wie eure Erfahrungen mit der Diagnose und dem darauf folgendem Lebenswandel waren.

    Ich überlege momentan das Studium erstmal abzubrechen und einfach erstmal versuchen überhaupt irgendwas hinzubekommen, nur Wie und Wo fange ich damit an?

    lg

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.210

    AW: ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    Hallo lupo94,

    eigentlich wollte ich grad den PC ausschalten und endlich was schaffen,
    aber dein Beitrag hat mich jetzt stark gefesselt.

    Eine Frage, hast du denn schon einmal Medikamente bekommen wegen deiner AD(H)S?

    Oder wegen deiner Depression und Ängste? Z. B. Elontril.

    Wie ist es eigentlich mit Bewegung bei dir?
    Informatiker sitzen ja gerne viel rum (Mein Bruder wurde erst nach Abschluss des Studiums depressiv,
    aber ich kann mich da ein bisschen reindenken.)

    Du schreibst ja, dass dir das Lesen schwerfällt.

    Trotzdem setze ich mal diesen link hinein,
    ich denke mit 21 (toll, was du alles geschafft hast) bist du noch nicht zu alt.

    http://myadhs.com/einleitung/

    Ich wünsch dir, dass du bald auf die Beine kommst,
    und hier ins Forum zu gehen, ist schon ein toller Anfang.

    Beste Grüße von einer alten Schachtel,
    die zwei ADHS-betroffene Kinder großgezogen hat.
    Geändert von Gretchen (10.01.2016 um 13:01 Uhr) Grund: war noch nicht fertig.

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 86

    AW: ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    also wenn therapeuthische Maßnahmen hilfreich sind, dann solltest Du Urlaubssemester nehmen. Dass setz aber aber eine entsprechende Behandlung voraus.

    Ich musste mein Studium durchstehen, weil ich nicht wusste, dass ich an dieser Störung leide. Diagnose kam erst mit 35.

  4. #4
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 998

    AW: ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    lupo94 schreibt:
    ................... Langsam habe ich wirklich Angst das ich einfach Lebensunfähig und einfach wirklich faul bin?

    Egal wie sehr mir etwas am Anfang gefällt, ich verliere so schnell das Interesse............
    Dass man selbst oder andere über einen denken, dass man faul ist, als ADHSler, das ist vollkommen "normal" und wird auch so in Fachkreisen beschrieben. Auch ich dachte immer, dass ich faul sei, da ich niemals wirklich etwas angefangen habe oder ziemlich schnell die Lust daran verloren habe. Viel lieber als in die Schule oder zur Arbeit zu gehen bleib ich lieber morgens im Bett liegen und habe weiter geschlafen. Abends wollte ich einfach solange aufbleiben wie ich es wollte und nicht von Schule oder Arbeit bestimmen lassen. Termine, egal was, waren für mich immer eine Belastung und eine Qual (geht mir alles heute noch so). Nur heute weiß ich, dass es an ADHS & Co liegt, dass ich so empfinde.

    Noch heute werde ich oft deprimiert, wenn ich sehe, dass die Dinge die mir so schwer fallen für andere eine Normalität sind und im Allgmeinen sehr gut damit zurecht kommen. Ich habe mich immer gefragt (heute nicht mehr) warum es nicht bei mir möglich ist so "normal" zu sein.

    Ich habe mein Lebenlang alles nur als langweilig empfunden und mich nicht wirklich lange für Dinge interessiert. Teilweise machte mir diese Langeweile wirklich Angst. Diese und andere Dinge begleiten mich bis heute.

    Heute würde ich "Angst" eher mit "resignieren" ersetzen, da ich nie einen wirklichen Ausweg gefunden habe. Seit ich denken kann wollte ich mein Leben ändern und habe es dennoch nie geschafft.

    Du bist noch sehr jung und solltest nicht die gleichen "Fehler" machen wie ich. Neben ADHS habe ich noch andere Defizite wie Soziale Phobie, Anpassungsstörungen usw.

    Ich weiß nicht wie es ist, wenn man "nur" ADHS hat (ich habe es erst vor kurzen erfahren). Ich kann nur sagen, dass ich heute versuchen würde vieles zu ändern - vielleicht sogar gegen meine ethischen lebensprinzipien, da ich gerne ein anderes Leben gelebt hätte.

    Verlasse Dich keineswegs zu sehr auf irgendwelche Instituten. Ich selbst jedenfalls bekam dort niemals wirkliche Hilfe und fühlte mich oft eher vera....... Ich habe den Eindruck, dass sie gut von unsere Defizite leben, während wir "untergehen" (so kommt es mir jedenfalls oft vor).
    Geändert von spacetime (10.01.2016 um 19:20 Uhr)

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 301

    AW: ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    Als ich früher noch nicht von meiner Diagnose wusste, da steckte ich auch ab und zu in einem echt tiefen Loch und wusste nicht mehr raus.
    Ich habe mir dann immer auf ganz einfache Weise geholfen. Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag etwas zu tun, was mir gut tut. Das war
    aber auch nicht immer das, was mir gefällt. Ich bin im Winter oft ins Schwimmbad gegangen, habe dort ein paar Bahnen geschwommen und
    daran gearbeitet, die 25m Bahn mit immer weniger Zügen zu schaffen. Es war toll wie sich die Erfolge einstellten. Ich habe mich danach für
    3x15 Minuten im Dampfbad ausgeschwitzt, um danach mit Sauerstoffmangel im Aussenbecken auch noch die Luft etliche mal für 1 Minute
    unter Wasser anzuhalten. Das war tolles Training, das Erfolge brachte, die wiederrum meine Belohnung waren. Manchmal bin ich danach
    noch kurz auf den Tussi-Toaster gegangen, weil ich mal hörte, dass viele Leute zum einen wegen der Lichttherapie und zum anderen gegen
    Depressionen Solarien aufsuchen. Ebenso bin ich joggen gegangen, was ich eigentlich hasse und als "blöd rumlaufen für nix sehe".
    Google-Maps gab es schon, ich maß mir Strecken aus, kaufte mir einen Pulsmesser mit Stoppfunktion und auf ging es zum laufen. Auch hier
    beobachtete ich langsam aber stetig Erfolge. Ich steigerte meine Laufkilometer, ich wurde schneller, mein Puls wurde niedriger. Ich notierte
    immer meine Daten. So hatte ich einen prima Überblick über meine Erfolge und das Laufen befreite mich geistig, der Stress wurde abgebaut
    und nach ein paar Kilometern schossen mir die positiven Gedanken nur so durch den Kopf, dass ich immer wieder lächeln musste. Nach vier
    Monaten hatte ich meine Strecke verdoppelt und meine Laufgeschwindigkeit von Anfangs 6kmh auf 12kmh angehoben. Mit einer ebenfalls
    bewussten Ernährungsumstellung und totalem Verzicht auf tierische Fette, was anfangs sehr schwer fiel, habe ich neben der sportbedingten
    geänderten körperlichen Wahrnehmung auch noch das Essen anders wahrgenommen. Ich schmeckte nicht nur das Essen anders, ich schmeckte
    plötzlich das Leben. Natürlich bin ich auch ins Kino gegangen, habe Freunde getroffen. Entscheidend war aber, dass ich meinen inneren Schweine-
    hund überwunden habe und mich wenigstens zeitweilig umgekrempelt habe, auch wenn es nur um Spaziergänge oder Radltouren ging.
    Heute war ich als Frau alleine im Wald. Ich habe die Forstwege verlassen und habe die Wildschweine gesucht und nach 15 Minuten habe ich
    die erste Wildsau 20m vor mir gehabt, das Handy aus gepackt, gebellt, die flüchtende Sau gefilmt und hatte einen irren Spass dabei, haha!

    Man kann so viel mit einfachen Mitteln erreichen, was Medikamente alleine nie schaffen werden. Wenn nur darauf wartet, dass sich wegen der
    Medikamente etwas ändert, dann stopft man die sich lebenslänglich rein, weil die Medikamente nur eine innere Reflektion ermöglichen, das
    anzugehen, was einem fehlt, was einem gut tut und allerhöchstes der Zündfunken zur erfolgreichen Selbstmedikation sind. Dem wahren Leben!
    Geändert von Brrrzz (10.01.2016 um 19:57 Uhr)

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 101

    AW: ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    das ist doch nicht spät!!! ich werde dieses Jahr schon 40 und weiß es ungeföhr zwei Jahre, habe noch immer keine gesicherte Diagnose, mein Leben ist ein einziger Trümmerhaufen aber auch jetzt gehts immer irgendwie weiter.

    in deinen jubgen Jahren hast du doch noch alle Möglichkeiten

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 8

    AW: ADS spät erkannt - Wie/Wo anfangen damit zu Leben?

    Ich habe meine Diagnose erst mit über 50 bekommen...

    Schule war für mich auch sehr mühsam, habe dann Matura (wie's bei uns in der CH so schön heisst) auf dem 2. Bildungsweg nachgeholt. Das Studium war so lange schleppend, bis ich mein Thema gefunden habe. Dann setzte ein ziemlicher Hyperfokus ein (typisch ADS) und ich habe mich dann zu höheren akademischen Weihen durchgearbeitet. )AD(H)S ist also nicht nur hinderlich beim Studieren, sondern hat auch positive Aspekte.) Von diesen profitiere ich bis zum heutigen Tag und drüber hinaus.

    Zudem habe ich mir schon vor der Diagnose Coping-Strategien zugelegt, also Strategien, die mir halfen mit meinen Beeinträchtigungen (z.B. Vergesslichkeit, organisatorische und soziale Schwierigkeiten etc.) besser umzugehen. Zusammen mit dem MPH das ich jetzt ein paar Monaten nehme lebe ich so eigentlich ganz gut (wobei verbleibende Schwierigkeiten zu verkraften sind, weil's im Verlaufe der Zeit weniger geworden sind und weil jetzt das MPH Erleichterung verschafft.

    Was ich damit sagen will? Es gibt auch mit AD(H)S die Möglichkeit zu studieren, die richtige Fächer-/ Themenwahl und ein Set an Coping-Strategien sind wichtig. Und: Es ist möglich, zu lernen mit dem AD(H)S besser umzugehen. Ich sehe darin eine meiner wichtigsten Lebensaufgaben. Und schön: ich habe mir eine berufliche Situation geschaffen, in der ich Teile dessen, was ich teils recht mühsam erlernt habe, weitergeben kann. Auf diese Weise bekommt meine persönliche Entwicklung noch zusätzlich Sinn.

    Lupo 94 wünsche ich viel Mut, Energie und - wenn möglich - Gelassenheit.

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