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Diskutiere im Thema Sozialphobie ohne(?) Angst? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 15

    Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Ich bin seit Kurzem in Behandlung. Ursprünglich hatte ich dort wegen einer depressiven Phase Hilfe gesucht, aber dank der langen Wartezeit und veränderter Umstände hatte sich das inzwischen so ziemlich erledigt. Nicht so die "chronischen" Gründe für diese.

    Das erste strukturierte Interview, das ich außerhalb eines Therapiekontexts im Februar schon gemacht hatte, hatte einen Verdacht auf Sozialphobie ergeben. Dieses Interview mache ich mit meiner Therapeutin nun wieder und ich denke, mit meinen Antworten wird diese Diagnose möglicherweise wieder gestellt werden.
    Mein Problem: Ich habe diese typische, übersteigerte Angst nicht. Ich habe Angst vor manchen sozialen Situationen, aber (soweit ich das einschätzen kann) nicht in ihnen. Oder anders gesagt: Wenn ich in einer sozialen Gruppe bin, mit der ich nicht völlig vertraut bin, dann ist das, wovor ich Angst hatte, vielleicht schon eingetreten.

    Ich kann zwar oft ein Herzklopfen in solchen Situationen fest stellen, aber eigentlich achte ich seit meiner Jugend eben gerade nicht mehr auf meine körperlichen Stressreaktionen. Als Jugendliche hatte ich sicher eine soziale Phobie - mit einer Erythrophobie, also dem Angst vor dem Erröten. Daher kenne ich auch schwitzige Hände und den Fokus auf den Körper und wie sich die Aufmerksamkeit ganz auf die Angstsymptome verengen kann.
    Irgendwie habe ich geschafft, diesen Teufelskreis selbst zu durchbrechen und seitdem tue ich all das gerade eben nicht mehr: Herzklopfen? Uninteressant. Interessanter ist, wie ich meine Körperhaltung bewusst steuern kann. Wie klinge ich, wenn ich diesen Satz sage? Bloß nicht darauf achten! Besser darauf achten, ob ich auch alles im Kopf habe, was ich sagen möchte! Erröte ich? Egal, lieber zuhören, was mir entgegnet wird.

    Nun zeige ich aber durchaus starkes Vermeidungsverhalten: In einen Raum, in dem andere Menschen bereits sitzen, gehe ich lieber nicht und im Zweifelsfall entscheide ich mich lieber dagegen, etwas in einer Gruppe zu sagen. In der Mensa essen? Ohgottneindanke! Dank meiner Beschäftigung mit ADHS denke ich nun aber, dass dahinter Überforderung stehen könnte. Reizüberflutung, Selbstunsicherheit aufgrund der erlebten sozialen Unreife in der Jugend und deswegen vielleicht ein verstärkter Drang, mein Auftreten "perfekt" zu kontrollieren (man will ja nie wieder die komische Außenseiterin sein müssen).
    Ob das jetzt tatsächlich mit ADHS in Zusammenhang stehen könnte, wird sich hoffentlich noch zeigen. Vielleicht ist es auch dieser Perfektionismus und Kontrollzwang, den man sich näher anschauen sollte.
    Meine Frage jetzt ist eher:

    Gibt es so etwas wie eine Sozialphobie ohne diese phobische Feedbackschleife aus Angst und Angstsymptomen? Gibt es Phobien ohne bewusst wahrgenommene Angst? Ist ja schließlich auch nicht so, dass ich meine Gefühle immer klar benennen könnte. (Es gibt allerdings soziale Situationen, in denen ich klar Angst habe, aber dann steht eigentlich auch immer etwas auf dem Spiel.)
    Oder sollte ich besser aufpassen, dass ich nicht in die falsche Schublade gesteckt werde, weil eine solche Verwechslung meinen Weg zu einer richtigen Diagnose versperren oder weil ich dann falsch behandelt werden könnte?

    Ich habe wirklich Schwierigkeiten, meine sozialen Probleme überhaupt in Worte zu fassen, eben weil krasses Vermeidungsverhalten damit kontrastiert wird, dass ich so gar keine Gründe oder spezifischen Gedanken dazu nennen kann (also außer ein dickes "Nope!"-Gefühl). Ich glaube, bisher habe ich meine Therapeutin eher verwirrt mit meiner Aussage, gar nicht so recht zu wissen, ob ich tatsächlich "Angst" habe.

    Übrigens versucht meine Therapeutin die Möglichkeit eines AD(H)S einzuschätzen - Grundschulzeugnisse sowie einen ausgefüllten Fragebogen habe ich schon eingereicht. Aber ich war eine gute Schülerin in der Grundschule, entsprechend bezweifle ich, dass das so leicht abzuklären ist und "Sozialphobie" erscheint vielleicht einfach naheliegender...

  2. #2
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Hallo Jackdaw Ich bin weder Psychiater noch Psychologe. Mir fällt aber auf dass du glaubst eine versteckte, verdrängte oder ignorierte Angst
    existiert dadurch nicht mehr. Das wäre echt schön niemand brauchte noch Therapeuten um die Angst zu verarbeiten. Nur funktioniert das
    eben nicht so und was du beschreibst ist einer Sozialphobie schon sehr ähnlich. Das schließt aber nicht aus dass du von AD(H)S betroffen sein kannst.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 15

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Hallo Sunpirate,

    verdrängte Ängste sind mir schon ein Begriff. Nach meinem Laienverständnis sind die durch Phobien ausgelösten Ängste aber eben gerade übermäßig bewusst und schaukeln sich dadurch auf. Möglicherweise ist das aber auch nur ein Modell und kein Fakt?
    Ich gehe ja auch durchaus davon aus, Angst zu haben. Und ich empfinde Angst. Vorher. Ich bin immer wieder überrascht, wie locker ich dann die meisten der Situationen nehme, vor denen ich vorher Angst hatte. Vielleicht habe ich auch einfach noch nicht raus, wovor genau ich Angst habe. Deswegen auch meine Idee, es könnte (Reiz-)Überforderung sein, die ich fürchte, da diese ja vorhersehbar immer wieder mit sozialen Situationen kommt und ja auch tatsächlich unangenehm ist. Aber ich bezweifle, dass ich das an dieser Stelle hier heraus finden werde

    Dasss sich AD(H)S und Sozialphobie nicht ausschließen, ist mir auch klar, aber das hält einen Therapeuten im Zweifelsfall auch nicht davon ab, sich mit einer naheliegenden oder vertrauten Diagnose zufrieden zu geben.

  4. #4
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Jackdaw schreibt:
    Hallo Sunpirate,

    verdrängte Ängste sind mir schon ein Begriff. Nach meinem Laienverständnis sind die durch Phobien ausgelösten Ängste aber eben gerade übermäßig bewusst und schaukeln sich dadurch auf. Möglicherweise ist das aber auch nur ein Modell und kein Fakt?
    Dasss sich AD(H)S und Sozialphobie nicht ausschließen, ist mir auch klar, aber das hält einen Therapeuten im Zweifelsfall auch nicht davon ab, sich mit einer naheliegenden oder vertrauten Diagnose zufrieden zu geben.
    Das stimmt aber so auch nicht ganz. Eine Phobie hat mit den wirklichen Ängsten nichts gemeinsam. Die Angst wird darauf projeziert.
    Der Therapeut wird dir dann eine Sozialphobie und kein ADS diagnostizieren wenn du keine AD(H)S Symptome hast.

  5. #5
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Hi,

    beides schließt sich nicht aus. Soll heißen,es ist möglich,dass Du vor bestimmten Situationen eine Heidenangst hast-die sich bis zum äh...Maximum hochschaukelt-und dann schlagartig merkst,dass Du ja gar keine Angst haben musst.
    (Geht mir oft so )

    Möglich ist auch eine Dissoziation in der Situation,weil die Angst sonst überwältigend wäre.
    Das ist,glaub' ich,oft schwer voneinander zu unterscheiden.

    Was immer nun zutrifft,es würde durchaus zur Sozialphobie gehören.

    LG v. Luftkopf

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 15

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Das mag natürlich sein... Die Möglichkeit der Dissoziation werde ich in der nächsten Sitzung mal ansprechen.

    Psyche... is halt nie so ganz einfach, nech?

  7. #7
    Lou


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 254

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Hey,

    naja, dass es Angst vor einer möglichen Reizüberflutung ist, kann schon sein.....das kenne ich, präventiver Koffein-Konsum vor sozialer Interaktion....aber nur, wenn ich nicht wusste, wie viele Menschen es werden würden usw.

    Eine Ex-Freundin von mir litt unter einer Soziophobie (und ADS war ebenfalls im Spiel), aber die Befürchtungen bzgl. zu vieler Reize, waren nur ein Teil.

    Auch in kleinen Gruppen mit minimalen äußeren Reizen mochte sie nicht sprechen, gab es etwas mit der Kassiererin zu klären o.ä., habe ich mich darum kümmern müssen.

    Das fällt mir gerade dazu ein.

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.933

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Also die Schulnoten selbst sind nicht so interessant, wie der Zeugnistext. Oft steckt dort viel mehr drin, was Aussage über AD(H)S geben könnte. Und ich sage extra könnte, denn manchmal sind die Lehrer sehr wohlwollend und formulieren es - in diesem Fall dann leider - recht positiv. Normalerweise gehört aber auch ein Fragebogen zur Kindheit dazu, der von den Eltern (oder anderen Personen, die einen sehr gut aus der Kindheit kennen) oder von einem selbst oder im besten Fall jeweils von den Eltern oder entsprechenen Personen und von einem selbst ausgefüllt werden sollte. - Das zusammen ergibt dann eigentlich das Kindheitsbild, wobei das halt auch mit - ich sage mal freundlich - Wahrnehmungsfehlern behaftet sein kann.

    Zu deiner Frage selbst kann ich dir leider nicht viel sagen. Tut mir leid.

    Ich kann nur ergänzend dazu anfügen, dass ich selbst etwas im Sprechen stotter - also eher "hängen bleibe". Daher rede ich nicht gerne vor grösseren Menschenansammlungen. (Unbekannt ist das normalerweise ab 2 Personen ohne mich. ) Ich mag auch keine vollen Räume und meide sie gerne. Seit Jahren fahre z. B. nicht mehr unbedingt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn ich nicht muss und nehme Essen in Restaurants lieber mit, wenn sie voll sind. Mensa & Co sind mir seit je her ein Gräul - zu gross, zu laut, zu voll, zu unstruckturiert ....

    Als Angst würde ich es bei mir nicht bezeichnen, weil ich es machen würde, wenn ich müsste - ich muss aber nicht unbedingt.

    Ich rede auch vor mehreren Menschen, wenn ich muss, nicht gerne, nicht ungehemmt, aber wenn es muss, geht es, wenn auch oft mehr schlecht als recht ... Ich kann mich oftmals gerade so überwinden, wenn es wirklich wichtig ist. Ist es nicht wichtig, lass ich auch das bleiben. Manchmal kommt mir da die mangelnde Impulskontrolle dann doch zu Gute, weil ich so nicht immer überlege - obwohl manchmal das auch nicht wirklich gut ist.

    Ich glaube, das ist die Frage, wenn du wirklich müsstest, würdest du oder nicht? Wenn du es keinesfalls tun würdest, selbst dann, wenn du wirklich müsstest, dann könnte es Angst sein ...


    Edit: Die Mitchaoten kamen mir zuvor, aber ich wollte jetzt nicht den ganzen Text umschreiben ...

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 39

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Hey Jackdaw,
    verstehe ich dich da richtig, wenn du meinst, du hast Angst vor sozialen Situationen, nicht in Ihnen, mit du hast bevor du dich in diese Situationen begibst Angst, aber dann nicht mehr wenn du bereits in Ihnen steckst?
    Also wenn du das so gemeint hast, kenne das teilweise.

    Ich habe in letzter Zeit auch oft richtig Schiss vor sozialen Situationen in der Uni, weil ich mir erstens eh total als Außenseiterin vorkomme und zweitens voll oft Schiss habe als blöd dazustehen.
    Ich male mir dann vor dem Uni Tag, dem Referat oder der Exkursion voll die schlimme Situation aus, wenn ich mich dann aber gezwungen habe, hinzugehen, mitzumachen etc. ist es eigentlich immer eh überhaupt nicht so schlimm, wie ausgemalt. Trotz der eigentlich positiven Erfahrungen, meide ich den Kontakt so gut es geht zu den anderen (Mensa, no thanks; Small Talk im Seminra Raum -äh ich bin dann mal weg)

    Anders ist es da bei meinen anderen Ängsten, wenn ich weiß ich muss in ein Auto steigen und 500 Kilometer mitfahren, dann male ich mir vorher auch die schlimmsten Dinge aus, die zwar dann bisher nicht passiert sind, aber ich hab trotzdem während der gesamten Autofahrt extrem Angst, die sich auch nicht legt.

    Liebe Grüße
    Vanille

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 39

    AW: Sozialphobie ohne(?) Angst?

    Ich war in der Grundschule übrigens auch eine gute Schülerin, nur immer viiiiiiieeeel zu langsam,
    weil heah kuck mal da draußen ein Vögelchen und boah was ein cooler Schulranzen, hm was gibts heute abend wohl zum Essen und wann besuchen wir Oma....

    Ich war und bin immer ultra leicht ablenkbar, von meinen eigenen Gedanken und äußeren Einflüssen, außer ich bin gerade hyperfokussiert,
    denn dann höre ich auch nicht mehr, wenn mich jemand anspricht, beziehunsgweise ich bekomme es am Rande schon irgendwie mit, kann oder will dann aber nicht reagieren.

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