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Diskutiere im Thema Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 10

    Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Liebe Mit-Chaoten,

    ich möchte mich für den Roman entschuldigen, der jetzt folgt.
    Nach langer Zeit schreibe ich hier nun mal wieder. Ich weiß aktuell einfach nicht mehr weiter, es geht mir sehr schlecht .

    Zur Vorgeschichte - ich habe seit längerer Zeit den Gedanken, ADS zu haben. Es passt einfach alles, wenn ich mir anschaue, welche "Symptome" man als Erwachsener mit ADS hat. Dazu später mehr. Zudem wurde bei meinem Sohn bereits vor längerer Zeit ADS ohne Hyperaktivität diagnostiziert und er bekommt auch Medikamente.

    Nun habe ich es nach langer Wartezeit endlich geschafft, einen Termin hier bei uns im Klinikum Aachen zu bekommen und ich habe ein Vorgespräch gehabt. Leider komplett anders, als ich es mir vorgestellt habe. Sicher - ich bin nicht mit der Überzeugung in das Gespräch gegangen, sofort und auf jeden Fall den Stempel ADS zu bekommen. Aber ich hatte erwartet, dass man sich mit mir als Person auseinandersetzt, sich die Symptome anschaut und das irgendwie auch testet, wenn das möglich ist. Das ist aber meiner Meinung nach nicht passiert. Natürlich habe ich wie gewünscht meine Schulzeugnisse mit zum Termin genommen. Und ich wusste auch, dass diese nicht typisch für eine ADS Erkrankung sind. Schaut man sich nur die Zeugnisse an, deutet auch für mich nichts darauf hin, dass ich ADS haben könnte. Keine Bemerkungen, die darauf hindeuten könnten. Es sind relativ gute Zeugnisse, wenn auch die Noten von der 1. Klasse (1er und 2er) an jedes Schuljahr schlechter werden und dann auch später einige 4en und 5en dabei sind, hin zu einem Abitur mit einem schlechten 3er Schnitt. Auch jetzt im Berufsleben bin ich durchaus erfolgreich.

    Wenn man aber etwas hinter die Noten schaut, ist es meiner Meinung nach nicht mehr so ganz eindeutig. Ich hatte schon in der Grundschulzeit den Spitznamen "zerstreuter Professor". Unsere Klassenlehrerin hat irgendwann mal, es muss so etwa in der 7. Klasse gewesen sein, allen Schülern vor den Ferien eine Postkarte mit einer persönlichen Widmung geschrieben. Für mich gab es ein Bild einer schlafenden Katze mit den Worten "Nach den Ferien musst du ganz ausgeschlafen sein." Auch das hatte ich den Zeugnissen beigelegt. Ich war kein unangenehmer Schüler, unauffällig, galt aber als Träumer. Ich denke, dass ich das immer schon war, ein "Hans-Guck-In-Die-Luft" . Gute Noten hatte ich, solange mir diese einfach zufielen und ich nicht viel dafür tun musste. Zur Grundschulzeit hatte ich auch eine recht dominante Mutter, die mich bei den Hausaufgaben beaufsichtigt hatte und diese quasi mit mir gemeinsam gemacht hat. Später auf dem Gymnasium hatte ich die Hausaufgaben dann alleine gemacht, ohne Anleitung. Anfangs auch nicht so das Problem, später zu Abizeiten dann kann ich mich erinnern, dass ich mich fürs Lernen nur schlecht konzentrieren konnte und mich leicht und gerne ablenken lies. So, dass ich oft bis spät in die Nacht und auf den letzten Drücker vor Klausuren noch versuchte, den Stoff reinzupauken.

    Nach dem Abi habe ich dann eine Ausbildung gemacht, diese auch abgeschlossen. Dann etwas komplett anderes angefangen zu studieren, während des Studiums gejobbt. Und das Studium dann später abgebrochen, weil ein Kind unterwegs war und ich eh nicht wusste, was ich mit dem Studium eigentlich später machen sollte. Bin dann wieder in den Job zurück, den ich im Grunde heute noch ausübe, habe es hier aber sogar bis zum Abteilungsleiter geschafft.

    Was mich bei dem Gespräch im Klinikum wundert - ich hatte das Vorgespräch mit einer Ärztin (?), die sich alles angehört hat, meine Geschichte, warum ich überhaupt da bin, welche Probleme ich habe. Das ich vorher ein Gespräch mit meinem Hausarzt hatte, der auch meinte es deute einiges auf ADS hin, einiges (unauffällige Zeugnisse, Erfolg im Job) aber eben auch nicht. Und sie meinte auch - ok, da könnten ein paar Sachen passen, meinte aber auch, dann müsste schon was in den Zeugnissen stehen. Sie hat mich dann für ein paar Minuten entschuldigt, weil sie mit dem Oberarzt das weitere Vorgehen besprechen wollte. Dann kam sie zu mir und meinte sie hätte mit dem Oberarzt gesprochen und aufgrund der Zeugnisse, die er sich angesehen hat, hätte ich auf keinen Fall ADS. Wenn ich Bedarf hätte, sollte ich zu nem Therapeuten gehen, sie würde eher auf eine leichte Depression oder eine Angststörung tippen.

    Und jetzt meine Frage in die Runde - sind die Zeugnisse wirklich so ausschlaggebend, das man allein anhand der Zeugnisse feststellen kann, dass da was ist oder eben nicht? Der Oberarzt hat mich nicht mal gesehen, nicht mit mir gesprochen, gar nichts. Eine Depression würde ich bei mir eigentlich ausschließen und eine Angststörung das passt auch nicht.

    Warum meine ich überhaupt, ich könnte ADS haben?
    Sämtliche Selbsttests, die es so im Internet gibt, geben eine große Wahrscheinlichkeit wieder, dass ich AD(H)S haben könnte.
    Ich bin häufig unkonzentriert, zerstreut, vergesslich, handle impulsiv, bin chaotisch, lasse mich sehr leicht ablenken, bringe selten etwas zuende, schiebe Dinge auf, bis es nicht mehr anders geht. Ich habe Probleme, Menschen in die Augen zu sehen, höre bei Gesprächen nicht richtig zu, sage Dinge, die dann nicht zu der Unterhaltung passen.
    Ich bin in zweiter Ehe verheiratet. Habe mehrere Kinder aus erster und zweiter Ehe.
    Meine erste Frau hat sich unter anderem von mir getrennt, weil sie, wie sie sagte, in mir keinen Partner gesehen hat, sondern das Gefühl hatte, ein weiteres Kind zu haben.
    Nun will sich auch meine zweite Frau, die ich über alles liebe, von mir trennen. Sie sagt, dass sie einfach mit meiner Art, mit mir als Mensch nicht mehr zurecht kommt. Ich bin für sie extrem unzuverlässig, was sie über alles hasst. Ich halte mich nicht an Absprachen, vergesse Termine, selbst wenn ich mir diese aufschreibe. Ich mache mir Notizen und vergesse, dass ich mir diese gemacht habe. Alles an Planungen im privaten Bereich geht von ihr aus. Sie wünscht sich seit langem, dass ich hier auch aktiver bin aber ich kann es nicht. Ich bringe es nicht fertig. Jetzt will sie sich trennen. Ich habe Angst alles zu verlieren. Ich kenne das schon aus meiner ersten Ehe. Und ich liebe sie über alles aber sie versteht mich und meine Probleme nicht. Sie glaubt auch nicht, dass ich ADS haben könnte, glaubt auch nicht, dass es diese Krankheit überhaupt gibt.
    Leider bemerke ich auch im Berufsleben, dass ich hier und da Schwierigkeiten habe. Wegen des starren Rahmens und der immer gleichen Arbeitsabläufe fällt dies aber nicht so auf. Dennoch habe ich immer wieder mal Probleme, wenn ich mir keine Termine und Erinnerungen mache. Mein Arbeitsplatz sieht aus wie ein Schlachtfeld. Ich bin nervös und zappelig, trinke Unmengen Kaffee.

    Ach ich könnte stundenlang weiterschreiben, es gibt so unendlich viele Dinge, die einfach passen.

    Was soll ich nun machen? Wie könnte ich noch einmal einen Anlauf starten, dass man sich wirklich mal anschaut, ob ich sicher kein ADS habe? Wenn eine weitergehende Untersuchung zum Resultat hat, dass man das wirklich bei mir ausschließt, dann ist das mehr oder weniger ok. Zumindest weiß ich dann, woran ich bin. Auch wenn ich dann nicht weiß, wie es mit mir weitergeht. So habe ich jetzt aber das Gefühl, man hat mich nicht ernst genommen und das nur aufgrund der Zeugnisse.

    Sorry nochmal für den Roman aber ich bin wirklich verzweifelt, weil ich nun auch privat das Gefühl habe, das alles in die Brüche geht. Und ich kenne das Gefühl nur zu gut. Ich weiss nicht, wie ich noch einmal eine Trennung durchstehen kann.

    Danke euch und sorry für den "Wall of Text"...

  2. #2
    Celestis

    Gast

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Erstmal
    Worf schreibt:
    Ich bin häufig unkonzentriert, zerstreut, vergesslich, handle impulsiv,
    bin chaotisch, lasse mich sehr leicht ablenken...
    Das ist Typisch AD(H)S
    Worf schreibt:
    Ich habe Probleme, Menschen in die Augen zu sehen, höre bei Gesprächen nicht richtig zu, sage Dinge,
    die dann nicht zu der Unterhaltung passen.
    Menschen nicht in die Augen schauen, ist m.E ein Zeichen von
    ängstlichem oder verschlossenem Menschen. Gesprächen nicht richtig
    zu hören, passiert mir auch ab und zu, aber durch Medis gehts.

    Worf schreibt:
    Ich bin in zweiter Ehe verheiratet. Habe mehrere Kinder aus erster und zweiter Ehe.
    Meine erste Frau hat sich unter anderem von mir getrennt, weil sie, wie sie sagte, in mir keinen Partner gesehen hat, sondern das Gefühl hatte, ein weiteres Kind zu haben.
    Boar was
    Worf schreibt:
    Nun will sich auch meine zweite Frau, die ich über alles liebe, von mir trennen.
    Sie sagt, dass sie einfach mit meiner Art, mit mir als Mensch nicht mehr zurecht kommt.
    Ist die noch ganz dicht? Sorry musste raus...
    Wenn man Heiratet, tut man das aus Liebe.....in Guten wie auch in schlechten Zeiten!


    Worf schreibt:
    .......Sie glaubt auch nicht, dass ich ADS haben könnte, glaubt auch nicht,
    dass es diese Krankheit überhaupt gibt.
    Das ist Typisches STINO denken

    Ich kann Dir nur empfehlen, mit Ihr zur Eheberatung zu gehen
    und auch zusehen, dass Du eine Diagnostik z.T. AD(H)S machst!
    Sobald Du die Diagnose hast, bekommst Du Medikamente, die
    Dir im Leben sehr viel weiter helfen, dass gilt auch für das
    behalten von Dingen, die man schnell vergisst.

    Ich kann Dir nur Glück für deine Zukunft wünschen. :daumdrück:

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Ich denke, das Problem bei ADHS ist, dass man es nur hat, wenn man es auch in der Kindheit schon hatte. Das ist - laut meinem Arzt - die Definition. Ich bekam einen Fragebogen, wo Fragen zu meinem Verhalten im Alter von 8-10 Jahren gestellt wurden, den sollte ich zusammen mit meiner Mutter ausfüllen.

    Ich würde auf jeden Fall nochmal einen alten Arzt aufsuchen. Falls Du Angst wegen Deinen Zeugnissen hast, dann sag einfach, dass Du sie nicht mehr hast. Dann müssen sie auf jeden Fall andere Mittel zur Diagnose hernehmen...

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Ganz toll jadzia, Lügen bei der Diagnostik empfehlen um ein positives Ergebnis zu bekommen erleichtert es ungemein, das Adultes ADHS und die Behandlung aus der Neuroenhacementecke und der Ecke einer erfundenen Krankheit rauskommt.

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    creatrice schreibt:
    Ganz toll jadzia, Lügen bei der Diagnostik empfehlen um ein positives Ergebnis zu bekommen erleichtert es ungemein, das Adultes ADHS und die Behandlung aus der Neuroenhacementecke und der Ecke einer erfundenen Krankheit rauskommt.
    Tut mir leid, das habe ich nicht so gemeint und war ein blöder Vorschlag.

    Aber was würdest denn Du vorschlagen, damit man sich mit dem Menschen beschäftigt und herausfindet, wie es wirklich war? Scheinbar waren die Zeugnisse hier der Aufhänger, sich nicht näher mit der Situation auseinander zu setzen.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 145

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Also nur die Beurteilung durch Zeugnisse für die Diagnose ADS heranzuziehen, ist schon der hammer (finde ich).
    Ich habe dazu viele viele, verdammt viele Fragebögen ausgefüllt, ebenso die Eltern und die Ehepartnerin.

    Dazu kamen Gespräche und diverse Reaktionstests in der Klinik mit/ohne MPH.(Metylphenidat)

    Eindeutiges Ergebniss gewesen....

    Vielleicht mal eine andere Klinik oder Arzt (mit Erfahrung ADHS) versuchen, nicht das ich dir jetzt unbedingt die Diagnose AD(H)S aufdrängen möchte....,
    aber ich habe das jetzt schon öfter erlebt, das ADS von vielen "Medizinern" erstmal angezweifelt/belächelt wird, oder es nur eine "Modeerkrankung" ist ...

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Da es eine Ambulanz mit mehreren Ärzten und sicherlich Leitlinen und Erfahrung war, würde ich davon ausgehen, das es eben nicht nur um die Zeugnisse ging, da waren bestimmt auch noch weitere Faktoren, denn auf den Verdacht einer Depression oder Angststörung kommt man auch nicht aufgrund fehlender Zeugnisse.
    Ich würde zumindest erstmal einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen und mich dahingehend untersuchen und behandeln lassen. Ist dann immer noch was von der Symptomatik so stark, das es Leiden verursacht könnte man nochmal eine Diagnostik machen.
    Viele Ambulanzen vergeben während einer aktiven Depression sowieso keine Diagnose, weil eben die Symptome sehr ähnlich sind. Immerhin soll es ja auch Menschen geben die kein ADHS haben. Es kommt nicht auf eine ADHS Diagnose an, sondern auf eine richtige Diagnose.

  8. #8
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Worf schreibt:
    Liebe Mit-Chaoten,

    Nun habe ich es nach langer Wartezeit endlich geschafft, einen Termin hier bei uns im Klinikum Aachen zu bekommen und ich habe ein Vorgespräch gehabt. Leider komplett anders, als ich es mir vorgestellt habe. Sicher - ich bin nicht mit der Überzeugung in das Gespräch gegangen, sofort und auf jeden Fall den Stempel ADS zu bekommen. Aber ich hatte erwartet, dass man sich mit mir als Person auseinandersetzt, sich die Symptome anschaut und das irgendwie auch testet, wenn das möglich ist. Das ist aber meiner Meinung nach nicht passiert. Natürlich habe ich wie gewünscht meine Schulzeugnisse mit zum Termin genommen. Und ich wusste auch, dass diese nicht typisch für eine ADS Erkrankung sind. Schaut man sich nur die Zeugnisse an, deutet auch für mich nichts darauf hin, dass ich ADS haben könnte. Keine Bemerkungen, die darauf hindeuten könnten.

    Was mich bei dem Gespräch im Klinikum wundert - ich hatte das Vorgespräch mit einer Ärztin (?), die sich alles angehört hat, meine Geschichte, warum ich überhaupt da bin, welche Probleme ich habe. Das ich vorher ein Gespräch mit meinem Hausarzt hatte, der auch meinte es deute einiges auf ADS hin, einiges (unauffällige Zeugnisse, Erfolg im Job) aber eben auch nicht. Und sie meinte auch - ok, da könnten ein paar Sachen passen, meinte aber auch, dann müsste schon was in den Zeugnissen stehen. Sie hat mich dann für ein paar Minuten entschuldigt, weil sie mit dem Oberarzt das weitere Vorgehen besprechen wollte. Dann kam sie zu mir und meinte sie hätte mit dem Oberarzt gesprochen und aufgrund der Zeugnisse, die er sich angesehen hat, hätte ich auf keinen Fall ADS. Wenn ich Bedarf hätte, sollte ich zu nem Therapeuten gehen, sie würde eher auf eine leichte Depression oder eine Angststörung tippen.

    Und jetzt meine Frage in die Runde - sind die Zeugnisse wirklich so ausschlaggebend, das man allein anhand der Zeugnisse feststellen kann, dass da was ist oder eben nicht? Der Oberarzt hat mich nicht mal gesehen, nicht mit mir gesprochen, gar nichts.
    Hi worf,

    ich habe mir erlaubt,den "Roman" mal auf die Passage zu kürzen,die ich kommentieren möchte.

    Zu den Zeugnissen:
    Sehr häufig findet man hier gute Hinweise auf vorhandene Probleme. Sehr häufig,aber durchaus nicht immer. Es kommt vor,dass es Problemverhalten tatsächlich nicht in die Bemerkungen schafft.

    Ich bin im Rahmen meiner eigenen Diagnostik die Zeugnisse zusammen mit meiner Mutter durchgegangen(Anfall von Nostalgie?), und sie war,nach nun relativ langer Zeit, geschockt,wie wenig da drin vermerkt war,von all den Problemen.

    Nun zur eigentlichen Hauptsache:

    Sollte das wirklich so abgelaufen sein,war das mit Sicherheit nicht leitlinienkonform. Die Zeugnisse sind ein Baustein der Fremdanamnese.

    Nun ist es nicht möglich,von hier aus zu ermitteln,ob nicht vielleicht ein Kommunikationsproblem aufgetreten ist,der OA also tatsächlich nur aufgrund der Zeugnisse eine ADHS ausgeschlossen hat,oder ob nicht doch noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben,die evtl.schlicht nicht richtig kommuniziert wurden.

    Denn,wie gesagt,den Leitlinien gemäß sind die Zeugnisse allein nicht ausschlaggebend.
    Es gibt auch Menschen,die gar keine mehr vorweisen können und denen wird,bei vorliegen eindeutiger anderer Hinweise,auch nicht-mit Verlaub-die Diagnose verweigert.

    Wenn es so gelaufen ist und es Dir wichtig ist,Hilfe zu bekommen,würde ich zweigleisig fahren.
    Zweiter Anlauf und zusätzliche Abklärung möglicher anderer Störungen.

    Denn, egal wie es heißt,es geht Dir nicht gut damit.

    Ich wünsche Dir,dass Du die Sache für Dich klären kannst und die Unterstützung bekommst,die Du brauchst.

    LG

  9. #9
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 20

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    Hey Worf

    Mein Fall ist deinem recht ähnlich, nur das ich mehr Glück hatte. Auch mein Zeugnis war überhaupt nicht Aussagekräftig. Im Gegenteil! Mein Grundschulzeugnis war so gut, dass es ADHS vollkommen wiederspricht. Auch der Fragebogen meiner Mutter war nicht signifikant und sprach somit nicht eindeutig für ADHS. Bei mir wurde jedoch die Tatsache, dass meine direkten Verwandten (Geschwister) ADHS haben, in die Diagnosestellung einbezogen.
    ADHS vererbt sich auf die eigenen Kinder mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit, die im Gegensatz zu den meisten anderen psychischen Krankheiten sehr hoch ist, weil die Ursachen genetischer und biologischer Natur sind. Zumindest soweit ich weiß. Es gibt unter anderem ca. 40 verschiedene Zwillingsstudien, die diesen Befund unterstreichen. Auch alle anderen Ursachen befinden sich im bereich der Biologie. Russel Barkley, den viele auf dem Gebiet sehr schätzen, rät sogar die Eltern von Kindern mit ADHS auf ADHS zu untersuchen.

    Außerdem wurde meine Intelligenz in die Diagnose einbezogen:
    Es gibt eine Studie von Dr. Thomas E. Brown, der ebenfalls ein Experte auf dem Gebiet ADHS ist. In dieser Studie wurde der Zusammenhang von Intelligenz und ADHS untersucht. Bei über 100 Erwachsenen mit einem gemessenen IQ von 120 oder höher stellte man fest, dass viele in der Grundschule überhaupt nicht negativ auffielen. Zerstreuter Professor ist hier ein gutes Stichwort. Es ist also sinnlos, bei sehr überdurchschnittlich intelligenten Menschen mit ADHS auf die Grundschulzeugnisse zu gucken und deswegen machen gute Kliniken immer einen IQ Test. Ungereimtheiten und große Schwankungen in den einzelnen Testbereichen können auch auf ADHS hindeuten. Das Arbeitsgedächtnis ist zum Beispiel meistens sehr schlecht.

    Beim ersten drüber lesen bekommt man schon den Eindruck, dass hier ADHS dahinter stecken könnte, besonders deswegen, weil dein Sohn diagnostiziert wurde. Die Chance ist dann glaube ich schon 1/3 oder so, dass du das auch hast. Ich weiß nicht, wie du räumlich begrenzt bist. Aber ich habe gehört, in Münster soll eine gute und umfangreiche Diagnosefeststellung gemacht werden. Ich war leider in Bremen, dass wird dir also nicht wirklich weiter helfen. Ansonsten findest du hier im Forum bestimmt noch Informationen, wo eine gute Diagnose gemacht wird. Ich würde an deiner Stelle auf jeden Fall nicht einfach aufgeben und mich mit einer anderen Diagnose zufrieden geben, wenn man das Gefühl hat, das die überhaupt nicht passt. Ich kenne zudem das Gefühl, wie sehr man sich mit ADHS und den Aussagen identifizieren kann. Aus eigenen leidvollen Erfahrung in einer Psychatrie und bei einem Neurologen/Psychater kann ich bestätigen, dass Ärzte teilweise sehr schlechte Diagnosen treffen, nachdem sie Patienten überhaupt nicht gesehen haben oder nur kurze Gespräche geführt wurden.

    Mit deiner Frau kann ich dir nicht wirklich weiterhelfen. Es gibt nur den Versuch, sich selber möglichst gut darüber zu informieren, warum es ADHS nach der Meinung von Wissenschaftlern und Ärzten gibt. Vielleicht hilft es darauf hinzuweisen, dass die Bundesärztekammer schon 2005 ein Statement herausgab, weil sich diese Sichtweise in Medien und teilweise auch bei Ärzten verbreitete. (http://www.bundesaerztekammer.de/fil...s/ADHSkurz.pdf) Es steht zudem nicht umsonst im DSM V, nach dem fast alle psychischen Erkrankungen diagnostiziert werden. Auch die WHO sagt alles andere, als das es ADHS nicht gäbe......

    sowas regt mich einfach nur mega auf.

  10. #10
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Doch kein ADS aufgrund unauffälliger Zeugnisse? Was dann...?

    In meinem Diagnoseschreiben steht sogar, dass meine Grundschulzeugnisse unauffällig waren und trotzdem steht da am Ende, dass ich ADS habe. Und zwar, weil die Zeugnisse nur einen TEIL der gesamten Diagnose ausmachen. Solange Struktur von außen da war in Form von Schule/Elternhaus, habe ich relativ gut funktioniert, ich fiel da eher im Sozialen auf, nicht bei den schulischen Leistungen.
    Ich finde schon, dass du die Diagnostik noch einmal ganz durchlaufen solltest, so dass alle Aspekte einbezogen werden können. Auch ich habe mit der EOS-Klinik in Münster gute Erfahrungen gemacht, auch, wenn ich den Verdacht hege, dass die nicht alles an Testungen herangezogen haben, was möglich gewesen wäre.

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