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Diskutiere im Thema ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    Frage ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Moin,

    da meine Frage - finde ich - nicht wirklich in eine Kategorie passt, versuche ich es mal hier :-)
    Ich hatte diese Woche meinen ersten Termin beim Psychiater und - nachdem schon ein Therapeut vorher etwas ähnliches gesagt hat - meinte auch der Psychiater, dass ich nach meinen Schilderungen ein klarer ADS-Fall bin, wobei mir das "H" noch schleierhaft ist - ich bin innerlich sehr unruhig, nicht aber äußerlich, das war ich nur als Kind. Ich weiß nicht, ob ich daher als ADSler oder ADHSler durchgehen würde. Jedenfalls sollen aber gleichwohl noch die Testungen gemacht werden, um die Diagnose zu sichern, was ich sehr begrüße. 30 Minuten Arzttermin und ein BtM-Rezept würde ich nämlich etwas komisch finden.

    Ich habe nun folgendes Problem: Ich möchte später gerne in den Staatsdienst und man hört ja allerhand über das Thema psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung und Verbeamtung. Hier gibt es wohl - von Bundesland zu Bundesland - verschiedene Praktiken hinsichtlich der Beiziehung der Akte von der Krankenkasse (teils Stichprobenartig, teils bei Verdacht auf irgendwas - woher der sich auch immer gründen soll, teils immer). Jedenfalls meinte der Psychiater, dass ich mir überlegen soll, wie ich verfahren, als Kassenpatient oder Selbstzahler. Für den Ersttermin sei das wohl nicht schlimm, wenn da irgendwann mal ein Psachiaterbesuch drauf steht, aber bei Dauerbehandlung und auch Dauerbezug von Medikation könnte das heikel werden, wenn denn später meine Akte überprüft werden sollte.

    Langer Rede kurzer Sinn. Hier meine Fragen:
    1. Hat jemand von euch Erfahrung mit dem Thema, ob AD(H)S bei einer Verbeamtung einer Rolle spielen kann? Auf der einen Seite stehen ja die Chancen für andere psychische Erkrankungen wegen der hohen Komorbidität "nicht schlecht" (im negativen Sinne), auf der anderen Seite geht eine AD(H)S ja - nach meinem bisherigen Kenntnisstand - nicht in besonders hohem Maße mit einem Risiko dauerhafter Arbeitsunfähigkeit einher, wenn man gut eingestellt ist und kein "Extremfall" ist (sorry, wenn ich damit jetzt jemandem auf den Schlips trete, aber so viel Erfahrung habe ich in dem Bereich nicht)
    2. Gibt es hier Privatpatienten bzw. Selbstzahler, die mir sagen können, wie viel die Medis ohne Kassenübernahme (wo man dann ja nur 5-10,- € zuzahlt) kosten? Nur damit man mal weiß, wie viel da so im Monat auf einen zukommt. Was die regelmäßigen Termine beim Psychiater kosten, habe ich schon in Erfahrung bringen können. Da sagte er auch, dass er - so lange ich noch nicht so viel verdiene (muss noch ins Referendariat) - mir bei der Abrechnung entgegen kommt und den gerinsten Satz nach GOÄ abrechnen würde. Das fand ich schon mal sehr nett. Jedenfalls soll ich mir Gedanken darüber machen, ob ich das als Seblstzahler durchziehen will. Er meinte auch, dass viele statt einer Verhaltenstherapie auch nur mit Selbsthilfegruppen gut zurecht kommen.


    Ich freue mich auf eure Antworten! :-)

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Bezüglich chronischer neurologisch-psychiatrischer Erkrankungen stimme ich Deinem Psychiater vollumfänglich zu. Ist schon blöde, wenn die KV die Rechnungen bekommt, auf denen die Diagnose steht. Auch wenn die Diagnose nicht exakt ADHS heißt!

    Schwierig wird es auch bei einer Dauerbehandlung, Deine Rechnungen als Beamter gehen ja auch an die Beihilfestelle!

    Grundsätzlich wird vor der Verbeamtung eine entsprechende Untersuchung durchgeführt, wenn Du Pech hast, dann fällt es dem untersuchenden Arzt ohnehin auf, dass da was nicht stimmen kann. Passiert aber meist nicht, geht in der Regel alles ganz schnell.

    Aber Du darfst bei der Untersuchung natürlich nicht lügen und eine regelmäßige Medikamenteneinnahme darfste schon gar nicht verschweigen! Bliebe noch die GdB-Schiene, denn auch für den Staat als Arbeitgeber gilt, dass er sich an die entsprechenden Gesetze zu halten hat und einen bestimmten Prozentsatz an Personen einstellen muss, die gewisse Einschränkungen haben.

    Mit dem ADHS alleine steigt ein GdB nicht in fürchterliche Höhen, weil Mensch unter Medikamenten gut leben kann und dem Staat ist es natürlich lieber, er erfüllt seine Quoten mit Beamten, die nur einen geringen GdB haben! Denk einfach mal drüber nach!

    Was die Kosten angeht, das ist grundsätzlich recht einfach. In der Regel übernimmt die Beihilfe 50% davon, die anderen 50% Deiner Gesundheitskosten musst Du über eine private Krankenversicherung abdecken - auch hier gilt, dass ein gründliches Nachrechen notwendig ist. Das ist aber ne andere Baustelle!

    Bei mir werden alle Kosten übernommen, leider muss ich aber auch die Rechnungen sehr genau kontrollieren und notfalls Widerspruch einlegen. Die GOÄ ist zwar an einigen Punkten veraltet, aber sie ist auch an vielen Punkten übergenau. Falls Du eine Rechnung bezahlst und die Kostenträger entdecken einen Fehler, kann es Dir passieren, dass Du auf einem Teil der Ausgaben sitzen bleibst. Das gilt aber für alle Ärzte!

    Bezüglich der Zuzahlungen ist das in jedem Bundesland, abhängig von den Beamtenregelungen, anders! Du liegst aber definitiv nicht höher als ein Kassenpatient. In Berlin wird das Ganze als Kostendämpfungspauschale bezeichnet und die beträgt einen bestimmten Prozentsatz Deines Einkommens. Was die Medikamente angeht, so habe ich es selten erlebt, dass irgendwas nicht übernommen wurde.

    Das hängt aber auch von den Empfehlungen des gemeinsamen Bundesausschusses ab! Die Beihilfe orientiert sich knallhart an der GKV und da kann es schon mal passieren, dass Du bei einem Medikament ein paar Cent nicht zurück bekommst, weil es den gleichen Wirkstoff auch preiswerter gibt. Es liegt in Deiner Verantwortung, in der Apotheke genaue Anweisungen zu geben.

    Die Ärzte schreiben bei Privatpatienten ohnehin immer das teuerste Medikament auf!

    Bei den Medikamenten für/gegen ADHS zahlen Beihilfe und KV mehr als die GKV. Beispiel "Elvanse", das wird von der GKV eigentlich nicht übernommen, meine Kostenträger übernehmen es aber, wie mir mein Shrink glaubhaft versicherte!

    Eigentlich ist alles ganz einfach! Es gilt, was immer gilt: Keine Lügen bei den Einstellungsuntersuchungen und alles mal klar durchrechnen!

    Was mir nicht gefällt ist, dass Dein Arzt mit Dir darüber spricht und Dir die Option zur Selbstzahlung anbietet - ist sowieso ne blöde Bezeichnung, als Nicht-GKVler bist Du aus der Perspektive des Arztes immer Selbstzahler - er soll mit Dir über Deine Befindlichkeiten, über die Wirkung der Medikamente usw. reden. Was die Kohle angeht, da ist der niedergelassene Arzt immer befangen!
    Ich werde jedenfalls immer ganz schnell hellhörig, wenn solche Themen im Arztgespräch aufkommen!

    Die Sache mit der Verhaltenstherapie ist ne andere Baustelle, mein Shrink hat mir keine empfohlen. Erstens hatte ich schon eine gemacht, die mich auch nicht wirklich weiter gebracht hat - das bezieht sich aber vor allem auf meinen innerpsychischen Zustand, zweitens habe ich von einem anderen Patienten gehört, dass er es wirklich nicht bei allen seinen Patienten empfiehlt. Was ich aber von ihm immer kriege, das ist ne Verordnung für Physiotherapie. Ich bekäme auch eine für Ergotherapie, allerdings im Sinne einer erweiterten Physiotherapie, wenn es mit der Atemmuskulatur mal wieder gar nicht klappt und alles nur noch ein fester und verspannter Panzer ist!

  3. #3
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Hey Waldsteinie!

    Vielen Dank für deine umfassende Antwort!

    Waldsteinie schreibt:
    Schwierig wird es auch bei einer Dauerbehandlung, Deine Rechnungen als Beamter gehen ja auch an die Beihilfestelle!
    Stimmt, nur wenn man einmal verbeamtet ist, kann einem die psychische Erkrankung das ja nicht mehr nehmen. ;-)

    Waldsteinie schreibt:
    Grundsätzlich wird vor der Verbeamtung eine entsprechende Untersuchung durchgeführt, wenn Du Pech hast, dann fällt es dem untersuchenden Arzt ohnehin auf, dass da was nicht stimmen kann. Passiert aber meist nicht, geht in der Regel alles ganz schnell.

    Aber Du darfst bei der Untersuchung natürlich nicht lügen und eine regelmäßige Medikamenteneinnahme darfste schon gar nicht verschweigen!
    Ne, das würde ich auch nicht machen. Nur was die Einstellungsutnersuchung angeht, ist es ja auch sowohl von Job zu Job als auch von BL zu BL unterschiedlich. Bei Richtern/Staatsanwälten kann man halt Glück haben, dass die sich nach einem oberflächlichen Gespräch gar nicht weiter für dich interessieren oder sich eben eine Krankenakte ziehen und dann ggf. nach Aktenlage entscheiden und nur dann Gespräche führen, wenn sie Auffälligkeiten entdecken. Da wäre dann nämlich die Möglichkeit des legalen Verschweigens eröffnet, denn wenn sie in der KH-Akte nichts sehen, weil du ja Selbstzahler bist, sie dich aber auch nicht weiter nach Krankheiten fragen, dann bist du fein raus, weil du nicht verpflichtet bist, von dir aus zu sagen, dass du bestimmte (psychische) Erkrankungen hast.

    Waldsteinie schreibt:
    Mit dem ADHS alleine steigt ein GdB nicht in fürchterliche Höhen, weil Mensch unter Medikamenten gut leben kann und dem Staat ist es natürlich lieber, er erfüllt seine Quoten mit Beamten, die nur einen geringen GdB haben! Denk einfach mal drüber nach!
    Danke, das hatte ich noch gar nicht in Erwägung gezogen!

    Waldsteinie schreibt:
    Eigentlich ist alles ganz einfach! Es gilt, was immer gilt: Keine Lügen bei den Einstellungsuntersuchungen und alles mal klar durchrechnen!


    Waldsteinie schreibt:
    Was mir nicht gefällt ist, dass Dein Arzt mit Dir darüber spricht und Dir die Option zur Selbstzahlung anbietet - ist sowieso ne blöde Bezeichnung, als Nicht-GKVler bist Du aus der Perspektive des Arztes immer Selbstzahler - er soll mit Dir über Deine Befindlichkeiten, über die Wirkung der Medikamente usw. reden. Was die Kohle angeht, da ist der niedergelassene Arzt immer befangen!
    Ich werde jedenfalls immer ganz schnell hellhörig, wenn solche Themen im Arztgespräch aufkommen!
    Sorry, da hatte ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Das kam ausdrücklich auf meinen Wunsch hin, da ich die Problematik psychische (bzw. psychisch "wirkende" organische) Erkrankung + Verbeamtung schon öfter gehört und einmal auch im Bekanntenkreis erlebt habe. Daher habe ich ihn um seine ehrliche Einschätzung gefragt, woraufhin er mir aber auch sagte, im Grundsatz wolle er mich als jungen Menschen am Anfang des Berufslebens nicht in Kosten treiben, denn wenn ich diagnostisch eine Krankheit hätte, solle ich mich behandeln lassen und im Zweifel meine berufliche Perspektive überdenken, anstatt mich finanziell in zu hohe Kosten zu stürzen, wenn ich es mir nicht leisten kann. Er kam mir daraufhin ja bei seinen Abrechnungssätzen entgegen. Ich halte ihn nicht für einen "Geier" ;-)

    Bleibt noch die Frage offen: Was wären denn bei Selbstzahlern für Medis die ungefähren Kosten, wenn ich 100 % selbst trage? Liegt man da eher im Bereich unter 100, von 100-150 oder (weit) darüber? Klar, das ist immer vom konkreten Medi und der Packungsgröße abhängig, aber eine grobe Hausnummer würde mir schon helfen, damit ich für mich eine gute Entscheidung treffen kann.

  4. #4
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    pau schreibt:
    Stimmt, nur wenn man einmal verbeamtet ist, kann einem die psychische Erkrankung das ja nicht mehr nehmen. ;-)
    Nicht ganz. Es gibt ein neues Gesetz bzw. Gesetz zur Gesetzesnovelle.


    In diesem Forum haben wir erst kürzlich gemerkt, dass dieses Thema noch gar nicht diskutiert wurde.

    https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-st...tml#post626140

    Im Einzelnen:

    Amtsarzt

    In Niedersachsen entscheidet der Amtsarzt über die Eignung des Anwärters:

    Niedersächsisches Beamtengesetz mit Verwaltungsvorschriften: § 8 Auslese schreibt:
    (5) Die gesundheitliche Eignung für die Berufung in ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit oder in ein anderes Beamtenverhältnis mit dem Ziel der späteren Verwendung im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ist auf Grund eines amtsärztlichen Gutachtens festzustellen;
    Quelle: Niedersächsisches Beamtengesetz mit Verwaltungsvorschriften: § ..8 Auslese

    Ich nehme an, dass es in anderen Bundesländern ähnliche Gesetze gibt.

    Die Frage ist nun, ob ADHS ein Ausschlusskriterium ist. Die Diskussion in dem o.g. Gesprächsfaden kam zur Mutmaßung, dass bei Beamten mit Schusswaffengebrauch (Polizei, Bundeswehr) und Beamten der Feuerwehr kein ADHS-Diagnose vorliegen darf. Bei den Beamten Bundeswehr hat das Verteidigungsministerium Stellung bezogen.

    Ruhestand

    Dann heißt es im Bundesbeamtengesetz:

    Bundesbeamtengesetz (BBG) § 44 Dienstunfähigkeit schreibt:
    (1) Die Beamtin auf Lebenszeit oder der Beamte auf Lebenszeit ist in den Ruhestand zu versetzen, wenn sie oder er wegen des körperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung der Dienstpflichten dauernd unfähig (dienstunfähig) ist. Als dienstunfähig kann auch angesehen werden, wer infolge Erkrankung innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat, wenn keine Aussicht besteht, dass innerhalb weiterer sechs Monate die Dienstfähigkeit wieder voll hergestellt ist. In den Ruhestand wird nicht versetzt, wer anderweitig verwendbar ist.
    Quelle: BBG - Einzelnorm

    Bundesbeamtengesetz (BBG) § 47 Verfahren bei Dienstunfähigkeit schreibt:
    (1) Hält die oder der Dienstvorgesetzte die Beamtin oder den Beamten aufgrund eines ärztlichen Gutachtens über den Gesundheitszustand für dienstunfähig und ist eine anderweitige Verwendung nicht möglich oder liegen die Voraussetzungen für die begrenzte Dienstfähigkeit nicht vor, teilt sie oder er der Beamtin oder dem Beamten mit, dass die Versetzung in den Ruhestand beabsichtigt ist. Dabei sind die Gründe für die Versetzung in den Ruhestand anzugeben.
    Quelle= BBG - Einzelnorm

    Staatsausgaben reduzieren

    Zudem wurde 2009 das Dienstrechtsneuordnungsgesetz geschaffen, um Geld zu sparen. In diesem heiße es:

    Dienstrechtsneuordnungsgesetz schreibt:
    Zur Vermeidung von Frühpensionierungen werden die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Dienstfähigkeit der Beamten verstärkt, der Grundsatz „Rehabilitation vor Versorgung“ wird verbindlich festgeschrieben.
    Quelle: Das Dienstrechtsneuordnungsgesetz im Überblick

    Dann heißt es in der Präambel zum Dienstrechtsneuordnungsgesetz:

    Erläuterung zum Dienstrechtsneuordnungsgesetz schreibt:

    Mit dem Ziel, das Berufsbeamtentum an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und dadurch zukunftsfest zu machen, soll auf der Grundlage des Koalitionsvertrages der CDU, CSU und SPD vom 11. November 2005 für den Bund ein modernes transparentes Beamten-, Besoldungs- und Versorgungsrecht geschaffen werden, das

    * das Leistungsprinzip fördert,

    * die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes stärkt,

    * einen flexibleren Personaleinsatz ermöglicht und die Mobilität verbessert,

    * Chancen und Perspektiven eröffnet, um Eigenverantwortung, Motivation und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken,

    * die Beamtenversorgung langfristig sichert und Maßnahmen in der gesetzlichen Rentenversicherung unter Berücksichtigung der Unterschiedlichkeit der Systeme wirkungsgleich in das Versorgungsrecht überträgt,

    * aufwendige Bürokratie und Regelungsdichte vermeidet.
    Somit hat der Amtsarzt zu entscheiden, ob der Anwärter diese Voraussetzungen erfüllt. Kommt später zutage, dass ein Beamter ADHS hat, kann er herunter gestuft werden. Ein Beamter muss den Dienst erfüllen, der ihm zu Beginn zugetragen wurde. Falls er den Dienst nicht versehen kann, wird er weiterhin beschäftigt, aber bekommt weniger Geld. In den Ruhestand kommt er nicht mehr.
    Geändert von Steintor ( 4.07.2015 um 18:53 Uhr)

  5. #5
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Danke für die ausführlichen Hinweise. Auf die Idee, im Beamtenrecht und den dazugehörigen Kommentierungen nachzuschauen, bin ich Leuchte noch gar nicht gekommen

    Hier mal - für die, die es interessiert - ein paar "law facts" aus Hamburg:

    § 10
    Stellenausschreibung, Feststellung der gesundheitlichen Eignung, dienstliche Beurteilung



    (1) [...]
    (2) Die gesundheitliche Eignung für die Berufung in ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit oder in ein anderes Beamten- oder Beschäftigungsverhältnis mit dem Ziel der späteren Verwendung im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ist auf Grund eines ärztlichen Gutachtens (§ 44) festzustellen.
    (3) [...]
    (4) Eignung, Befähigung und fachliche Leistung der Beamtinnen und Beamten sind anhand der mit dem konkreten Arbeitsplatz verbundenen Anforderungen und unter angemessener Darstellung eines gegebenenfalls von der Aufgabenwertigkeit abweichenden Statusamtes regelmäßig und wenn es die dienstlichen oder persönlichen Verhältnisse erfordern durch Vorgesetzte zu beurteilen. Das Nähere regelt die oberste Dienstbehörde oder mit ihrer Zustimmung die von ihr bestimmte Behörde. Hierbei können Ausnahmen von Satz 1 für bestimmte Beamtengruppen oder Fallgruppen sowie geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung einheitlicher Beurteilungsmaßstäbe vorgesehen werden.
    Und weiter:

    § 44
    Ärztliche Untersuchung


    (1) Die ärztliche Untersuchung wird von Amtsärztinnen und Amtsärzten, beamteten Ärztinnen oder Ärzten oder sonstigen von der zuständigen Behörde bestimmten Ärztinnen oder Ärzten durchgeführt.
    (2) Die Ärztin oder der Arzt teilt der zuständigen Behörde die tragenden Feststellungen und Gründe des Ergebnisses der ärztlichen Untersuchung mit. Das ärztliche Gutachten ist in einem gesonderten und verschlossenen Umschlag zu übersenden. Es ist verschlossen zu der Personalakte zu nehmen. Die an die zuständige Behörde übermittelten Daten dürfen nur für die zu treffende Entscheidung und ihre Überprüfung verarbeitet oder genutzt werden.
    Das Gesetz legt (wie auch in anderen Bundesländern) schon auf abstrakter Ebene fest, dass bei der Bewertung auch auf die künftige "Verwendung" zu achten ist. Und ein Verschweigen von Vorerkrankungen kann auch - so die Rspr. - die Rücknahme der Verbeamtung rechtfertigen, allerdings in der Tat nur, wenn gefragt wurde; ich bin nicht verpflichtet, von mir auch Vorerkrankungen zu nennen. Grund: das beißt sich mit meinem Persönlichkeitsrecht (konkret: Recht auf informationelle Selbstbestimmung). Ich müsste ja sonst als unwissender Laie einen "Seelenstriptease" hinlegen, weil ich gar nicht weiß, was wichtig und was unwichtig ist. Stattdessen muss ich nur auf Fragen antworten und bin sogar berechtigt, Nachfragen zu stellen, damit fragende Amtsarzt konkretere Fragen stellt. Zu alledem lehrreich: VG Hannover, Beschluss vom 26. Juni 2013, Az. 2 B 2658/13 –, juris.

    Wer einen Juris-Zugang hat (oder sonstwie an jur. Material kommt) kann ich auch den zweiteiligen Aufsatz von Hausotter in der MedR empfehlen (MedR 2012, 186 ff.; MedR 2013, 20 ff.). Hab ich gerade mal überflogen. Dort heißt es u.a.:
    Beamtenrecht
    Bei der Einstellung gilt nach dem Eignungsprinzip, dass der Anwärter körperlich und geistig soweit
    gesund sein muss, dass er seiner zukünftigen Tätigkeit gewachsen und vorzeitige Dienstunfähigkeit
    nicht zu erwarten ist. Bei ADHS-Betroffenen bedarf es einer sehr eingehenden Untersuchung, inwieweit
    das Krankheitsbild und vor allem die Komorbiditäten diesen Kriterien gegebenenfalls entgegenstehen.

    [...]

    Nach einem Beschluss des VGH Baden-Württemberg vom 03.02.2005 (Az. 4 S 2398/04 = NVwZ-RR 2006,
    200) reicht es zur Erfüllung des Begriffs der Dienstunfähigkeit aus, wenn die
    geistig-seelische Verfassung des Beamten mit Blick auf die Erfüllung seiner amtsgemäßen
    Dienstgeschäfte bedeutende und dauernde Abweichungen vom Normalbild eines in dieser Hinsicht
    tauglichen Beamten aufweist
    . [...]

    An die Dienstfähigkeit von Polizeibeamten und Feuerwehrleuten werden besonders hohe
    Anforderungen
    gestellt. Wird eine ADHS erst während des Dienstes diagnostiziert erfolgt kein
    Ausschluss aus dem Polizeidienst.
    Da das ein zweiteiliger Artikel ist, dürfte dieser Schnipsel vom Zitatrecht gedeckt sein ;-)

    Im Prinzip bestätigt das alles. Um es zusammen zu fassen:
    - AD(H)S ist halb so wild, die Anforderung sind schon recht hoch, damit man deswegen nicht verbeamtet wird
    - Es kommt immer auf die konkrete Verwendung an
    - Bei "gefahrgeneigten" Berufen ist die Schwelle schon geringer
    - Wenn erst nach der Verbeamtung die Diagnose gestellt wird (und man vorher auf Nachfrage nichts verschwiegen hat) erfolgt sogar bei "gefahrgeneigten" Berufen grundsätzlich kein Ausschluss.

  6. #6
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Prinzip ist, und das sagt schon das Dienstrechtsneuordnungsgesetz aus, man darf dem Staat nicht auf der Tasche sitzen.

    ADHS ist soweit okay. Aber der Arbeitgeber, der Staat also, achtet darauf, dass die potentiellen Angestellten möglichst nicht in Frühpension begeben. Wenn also ein Lehrer mit 40 fest stellt, dass er mit seinem Job überfordert ist, dann wird er eben Hausmeister´in der Schule. Der Amtsarzt hat nun im Vorfeld zu entscheiden, ob der Anwärter gesundheitlich fit ist, um bis 67 durchzuhalten. Falls nun Anzeichen bestehen - und ADHS ist so ein Anzeichen (immerhin zählt es ja nun als anerkannte Krankheit) - dass der Anwärter früher dienstuntauglich werden könnte, wird er nicht verbeamtet.
    Geändert von Steintor ( 4.07.2015 um 20:17 Uhr)

  7. #7
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Zufällig soeben auf Facebook gefunden:

    Arbeitsrecht - chronisch krank im Job - Karriere - Süddeutsche.de

    "Grundsätzlich sind chronisch Kranke nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber ihre Krankheit mitzuteilen", sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. "Eine allgemein gehaltene Frage nach chronischen Erkrankungen im Vorstellungsgespräch ist unzulässig, Bewerber dürfen hier lügen." Der Arbeitgeber könne das Beschäftigungsverhältnis deshalb auch nicht fristlos kündigen oder anfechten. Ein Fragerecht steht ihm nämlich nur dann zu, wenn er ein berechtigtes Interesse an der Beantwortung der Frage hat. Bredereck: "Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine Krankheit vorliegt, die so schwerwiegend ist, dass der Arbeitnehmer seine vertraglich geschuldete Arbeitsleistung gar nicht erbringen kann oder wenn etwa wegen einer Ansteckungsgefahr ein Gesundheitsrisiko für Kollegen oder Dritte besteht."

  8. #8
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 83

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Hm, bei meiner Vorgeschichte hab ich mir nie Hoffnungen auf Verbeamtung gemacht. Ist mir auch nich so wichtig.
    Mein Psychiater meinte, die Diagnose AD(H)S selber sei gar nich so das Problem, es geht eher um die Medikation und entsprechend den anfallenden Kosten. Als Selbstzahler ließe sich das regeln (inwiefern hab ich aber nicht nachgefragt), aber wenn ich die Kosten von der Kasse zahlen lassen will (worauf es bei dem hohen Preis der Medis hinaus läuft), sieht es schlecht(er) aus. Also mach ich mir halt weiterhin keine Hoffnungen

  9. #9
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Liliana, was bekommst du denn und wie viel würde das in etwa kosten? Weil die Frage, mit was man da im Monat rechnen müsste, konnte ich immer noch nicht klären :/
    "Dr. Google" hilft einem da auch nicht sonderlich weiter. Muss doch irgendwo eine Art Preisverzeichnis von Medikamenten geben, oder?

  10. #10
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 83

    AW: ADHS und Verbeamtung - Kosten als Selbstzahler - Erfahrungen?

    Ich hab keine Ahnung, was die Sachen kosten. Vor Jahren hieß es mal, das irgendeines der gängigen Medikamente etwa 1 € pro Kapsel kostet und man nimmt halt für gewöhnlich mind. eine am Tag, das sind dann 30€ pro Monat und du nimmst die ja mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre.
    Bei meiner Google-Durchstöberung (z.B. auf onmeda) kommen Zahlen von 30 bis über 100€ raus (je nach Medikament und Höhe des Wirkstoffes und Anzahl der Kapseln - bei Ritalin LA waren es dann für einen Monat etwa 30, bei Strattera 100€) und für viele ist das bestimmt vertretbar, man nimmt das Medikament ja aus gutem Grund.

    Aber ich nehm halt das teure Strattera, hab keinen festen Nebenjob, Studium kostet auch und mir ist es das einfach nicht wert, auch wenn ohne Medis zur Zeit nicht auskomme. Vllt. bin ich zu naiv, aber mir ist einfach auch die Verbeamtung nich so wichtig xD Und da AD(H)S halt wie bei so vielen nicht mein einziges psychisches und physisches Leidwesen ist und ich nur eine gute Leistung für den Staat erbringen kann, wenn ich was dagegen unternehm, soll das gefälligst die Kasse zahlen :p

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