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Diskutiere im Thema Ausschnitte aus Schulzeugnissen - Haben meine Eltern ein Warnsignal übersehen? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
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  1. #1
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    Ausschnitte aus Schulzeugnissen - Haben meine Eltern ein Warnsignal übersehen?

    Liebe "Forengemeinde" (ich liebe dieses Wort ja...),

    seit einigen Tagen beschäftige ich mich nun recht intensiv mit dem Thema ADHS. Mir ist das ja schon mal in den Sinn gekommen, ich habe aber immer dran gezweifelt und tue das auch - wenn ich ehrlich bin - jetzt noch, denn ich frage mich immer, wie ich es so weit gebracht haben kann, wenn ich ADHS hätte. Das spielt auch ein wenig auf den Parallelthread an Akademiker und ADHS, den ich aufmerksam verfolge; das Thema scheint ja durchaus kontrovers zu sein.

    Nun ja, ich habe tatsächlich schon am Donnerstag einen Termin bei einem Psychiater bekommen, was mich echt wundert. Ich hätte jetzt mit einer Wartezeit von mehreren Wochen gerechnet. Aber ich hatte wohl Glück, dass gerade ein Patient abgesagt hat. Mal ein bisschen was zu meinen Problemchen:

    Meine depressiven Schübe, was mich am meisten beschäftigt, habe ich in der Vergangenheit ja immer auf körperliche Symptome geschoben. Beim Arzt war ich alle Jubeljahre mal, um mich checken zu lassen. Es gab aber nie Auffälligkeiten. Es gab schon Verdacht auf Eisenmangel, schließlich treibe ich viel Sport und das war immer eine plausible Begründung, die auch mein Arzt immer plausibel fand (ohne je den Eisenwert zu messen), auf Schilddrüsenunterfunktion, auf Pankreasschäden und und und. Allerdings war körperlich alles in Ordnung und ich kam nie auf die Idee, dass irgendwas anderes dahinter stecken könnte. Ich habe mich schlicht für dumm bzw. dümmer als andere gehalten. Meine Aufmerksamkeitsschwächen habe ich also nie wirklich ernst genommen und außer den Phasen, in denen ich mal zum Arzt gerannt bin, nicht verfolgt. In den schlimmen Phasen, in denen ich wieder sehr traurig und abgeschlagen war, habe ich mich dann zurückgezogen und fleißig Eisentabletten geschmissen oder mir eingeredet, ich hätte eine kleine Winterdepression, je nachdem was mir gerade plausibler erschien. Nie hat aber auch nur irgendwas wirklich geholfen. Irgendwann gingen ja die Phasen, in denen es sehr intensiv war (Hausarbeiten/Klausuren). Wenn man jahrelang mit den Problemen lebt, stellt man sich ja so darauf ein, dass man die wirklich krass problematischen Zeiten nur noch als Problem identifiziert und die "normal problematischen" Phasen (in denen man ja "nur" in seinem Alltags- aber nicht in seinem Berufs- und Studienchaos versinkt) als Normal bezeichnet.

    Als es jedenfalls im Zuge meiner Doktorarbeit dann aber immer schlimmer wurde und ich in einen Teufelskreis geriet, entschloss ich mich daher, zum Arzt zu gehen und das ein für alle Male genauer checken zu lassen. Der Teufelskreis sah ungefähr so aus: keine Konzentration -> führt zu: Frust -> führt zu: Essen -> führt zu: noch gefrusteter, weil Gewichtszunahme (was bei meiner Vergangenheit als "fettes Kind" - ich habe als Jugendlicher 120kg gewogen und dann binnen 10 Monaten 50kg abgenommen) nicht gerade förderlich war -> führt zu: noch schlechtere Konzentration -> führt zu: keine Lust mehr auf all' das, Gefühl von Wertlosigkeit und größere Probleme als ohnehin schon im sozialen Bereich -> führt zu: Essen -> führt zu: keine Konzentration und so dreht sich der Kreis fleißig weiter. Im Prinzip wie damals im Studium auch, nur schlimmer. Größeres Projekt, größere Probleme. Im Studium war es ja so, dass Abgabetermine (Hausarbeiten) oder Klausurtermine irgendwann kamen, dann konnte ich auch irgendwann "leisten" und dann waren die Termine rum und alles war wieder "normal" (was in dem Fall normal heißt, steht oben).

    Der Arzt hat mich jedenfalls diesmal untersucht, nachdem ich ihn schon sehr genervt habe, dass es mir schlecht geht. Er hat mich dann zum Hämatologen geschickt und so alles an Blutwerten testen lassen, was man testen kann: Zucker, Schilddrüse, Eisen, Ferritin (Speichereisen), und und und. Fünf Seiten voller Blutwerte und fast alles optimal (das, was geringfügig abweicht, war aber nicht mit meinen Symptomen zu erklären). Der Gastroenteorologe, bei dem ich danach war, konnte auch eine Darmkrankheit ausschließen, die ja auch zu Depressionen führen könne. Eine Darmspiegelung (genau wie eine Magenspiegelung) habe ich übrigens schon hinter mir, da ist ein Arzt vor ein paar Jahren auch schon mal drauf gekommen, aber auch da war alles i.O.

    So, nach langer Vorrede komme ich zum Punkt. Was ich eigentlich wollte ist, euch mal ein paar Zeugnisaussagen zu präsentieren und fragen, ob es bei euch ähnlich war. Donnerstag ist es ja soweit. Ich werde die Blutwerte und meine Lebensgeschichte einpacken. Eben habe ich dann mal meinen Schulzeugnis-Ordner zur Hand genommen und meine gesammelten Werke gelesen. Ich war echt erstaunt, ich musste fast schon lachen, als ich manche Zeilen davon gelesen habe. Hier mal ein paar Auszüge:

    Klasse 1 - hier war im Prinzip noch alles gut: "[...] Anfängliche Schwierigkeiten, sich in die Gemeinschaft einzufügen, haben sich weitgehend gegeben. [...] X beteiligte sich aktiv am Unterricht und arbeitete [...] meistens zügig, aber nicht immer sorgfältig. [...] Das Schreiben bereitet ihm noch etwas Mühe, doch ist sein Schriftbild zunehmend klarer geworden."

    Klasse 2 - nicht so gut wie Klasse 1, aber ich denke alles noch im Rahmen: "X beteiligte sich nur dann aufmerksam und auch mitgestaltend und bereichernd am Unterricht, wenn sein Interesse geweckt war. Er arbeitete meist zügig und mit Ausdauer und konnte Gelerntes schnell und gut behalten. Er konnte sich (nur) bei Interesse auch über einen längeren Zeitraum auf eine Arbeit konzentrieren. [...] Er versuchte immer wieder durch Auffälligkeiten, die Aufmerksamkeit der Mitschüler auf sich zu lenken. [...] Er schreibt aber schnell und flüchtig und macht dadurch immer wieder Fehler. Seine Schrift ist noch unausgeglichen."

    Klasse 3, 1. Halbjahr - neue Lehrerin, neues Glück : "X ist ein aufgeweckter, freundlicher und hilfsbereiter Schüler. Im Unterricht zeigt er sich vielen Themenbereichen gegenüber interessiert und aufgeschlossen, muß sich aber noch darum bemühen, dem Unterricht gleichbleibend aufmerksam zu folgen und konzentriert zu arbeiten."

    Klasse 4, 2. Halbjahr: "[...] Im schriftlichen Bereich arbeitete er meist selbstständig, jedoch nicht immer gewissenhaft genug. Er sollte sich bemühen, konzentrierter, ausdauernder und ernsthafter zu arbeiten, um so einige unnötige Fehler zu vermeiden."

    In der 4. Klasse gab es keine Fließtexte mehr. Ich wurde für das Gymnasium als "vielleicht geeignet" einkategorisiert. Im Gutachten ist von "Aufmerksamkeitsschwächen " und "häufiger Ablenkung" die Rede.

    Klasse 5: "X stört häufig den Unterricht. Außerdem muss er dem Unterricht aufmerksamer folgen."

    Klasse 8: "X muss seine häufige Teilnahme an massiven Störungen des Unterrichts einstellen."

    Klasse 9: "X hat mehrfach den Unterricht gestört und die Leistung verweigert."

    Also, ich bin wirklich gespannt, was der Arzt am Donnerstag dazu sagt. Wie eingangs schon erwähnt, bin ich sehr zwiegespalten. Kann ADHS sein? Ist das bei meiner Lebensgeschichte möglich? Mein Lehrer in der 5. Klasse hat damals übrigens auch gesagt, ich sollte mal auf ADHS untersuchen lassen. Die Reaktion meiner Eltern: "Wir gehen mit dem Jungen doch nicht zum Psychologen! Dann denken doch alle, der sei bescheuert!" Jaja, das Dorfleben, da tickt die Welt noch ein bisschen anders.
    Ich freue mich auf eure Reaktionen

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 160

    AW: Ausschnitte aus Schulzeugnissen - Haben meine Eltern ein Warnsignal übersehe

    Hi Pau,

    wie sich die Texte gleichen. Zum Teil aufs Wort, wie abgeschrieben aus meinen Zeugnissen.

    Meine Prognose: Dein Psychiater wird Deine Zeugnisse als starken Indikator für eine AD(H?)S- Symptomatik bewerten. Wichtig dabei scheint mir die Kontinuität der inhaltlich ähnlichen Aussagen über alle Zeugnisse hinweg.

    Die Aussagen von Dr. Rossi sind leider sehr unglücklich. Lass Dioch davon nicht irritieren, meiner Erfahrung nach sind akademische Karrieren für bestimmte AD(H)S-Charaktere sehr viel besser als andere Jobs, weil Wissenschaft oft (nicht immer, ich weiß) weniger Routinearbeiten enthält als andere Berufsfelder.

    Noch eine Prognose: Du kommst mit einer veritablen und verifizierten AD(H)S-Diagnose davon.

    Toitoitoi und schöne Grüße!
    Hijo

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