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Diskutiere im Thema DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 281

    DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Hallo,

    ich habe gerade folgenden Artikel gelesen: https://adhsspektrum.wordpress.com/2...ch-oder-segen/

    und folgender Abschnitt hat bei mir und in den Kommentaren für viel aufsehen gesorgt:

    3. DSM 5 behält die 18 Kernsymptome, ergänzt diese aber teilweise. Beispiel: “Hat bei Aufgaben oder Spielen oft Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit längere Zeit aufrechtzuerhalten” wird neu ergänzt mit: “z.B. Schwierigkeiten während Vorlesungen, Tagungen, Unterhaltungen, Lesen längerer Texte fokussiert zu bleiben”.Kommentar: Diese Ergänzung ist bezüglich ADHS vollkommen sinnlos. Wer es schulisch soweit bringen konnte, dass er Vorlesungen und Tagungen besuchen kann, leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS. Ausserdem: Auch diese Ergänzung führt über kurz oder lang zu einem ungerechtfertigten Anstieg der ADHS-Diagnosen und somit zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für ADHS-Medikamente (Neuroenhancing für unkonzentrierte Akademiker und Fachpersonen in der Fortbildung auf Kosten der Krankenkassen?).
    Der gute Herr Rossi hat seine Position in einem seiner Kommentare verteidigt.

    Wie denkt ihr darüber? Ich habe selber offenbar AD(H)S (zumindest sagen das die Ärzte) und habe es bis zu Studium geschafft habe da aber in den Vorlesungen deutlich Probleme gehabt und ich scheine hier ja nicht der einzige zu sein.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Ich gebe mich jetzt mal zum Abschuss frei, aber ich sehe das ganz genauso wie Rossi, und bin froh das das auch mal eine Fachperson öffentlich anspricht. Dabei ist es nicht damit zu verwechseln, das eine akademische Laufbahn nicht aufgrund von Intelligenz eingeschlagen werden konnte.

    Ich sehe es so:
    Eine Diagnose erfordert einen bestimmten Grad an Leiden der mit Einschränkungen verbunden ist. Bei ADHS liegt ein Aspekt auf der eingeschränkten Aufmerksamkeit. Alles muss aber auch in gewissem Ausmaß seit der Kindheit vorhanden sein. Ich frage mich ehrlich gesagt auch, wie man es mit Aufmerksamkeitsstörungen zu solch aufmerksamkeitsfokussierten Dingen wie Vorlesungen und Tagungen überhaupt geschafft hat mind. 20 Jahre lang, wenn man doch so stark eingeschränkt ist.

    Ja.... man kann jetzt davon sprechen, das man ja ein protektives Umfeld hatte, das man aufgrund des hohen Intellektes gut kompensieren konnte, aber hat man dann wirklich ADHS? Wie wäre denn dann eine Diagnose als Kind möglich wenn man alles kompensiert? Ist Kompensieren noch Krankheit? Für mich nein.
    Denn wer z.B. seinen Antrieb und seine Hoffnungslosigkeit etc kompensieren kann, hat auch keine Depression, der hat eine Verstimmung, aber für eine Erkrankung mit Kriterien für Symptome "reicht" es eben nicht. Die Krankheit ist ja eben das man es nicht kompensieren kann. Das es so einschränkend ist, das Kompensation eben nicht mehr geht, oder wenn dann nur kurzzeitig. Das typische underachievement bei ADHS ist durch solch eine Karriere auch nicht zu erkennen. Das underachievement, was ja eben vorhanden ist, weil man nicht kompensieren kann. Nicht in dem Ausmaß und nicht so lange.

    Nach 20 oder 30 oder 40 Jahren erst mit der Kompensation zu versagen halte ich für sehr sehr unwahrscheinlich, zumindest bei einer voll ausgeprägten ADHS, die sich hauptsächlich im Aufmerksamkeitsbereich abspielt, also der vorwiegend unaufmerksame Subtyp. Das ist ja meist das "Erklärungsmodell", weswegen man vorher nie auffiel. Weil man nicht hyperaktiv war. Aber die extreme Unaufmerksamkeit ist auch auffällig. Auch für andere. Das durchs Raster fallen heisst nicht, das man nicht auffiel, sondern das man für ADHS (damals oft nur als hyperaktiv gesehen) nicht auffiel.

    Das jmd vom rein impulsiv/hyperaktiven Subtyp es vllt in ganz seltenen Ausnahmefällen zu so einer Karriere bringen kann, räume ich ein, denn die haben lt. Diagnosekriterien nicht so extreme Probleme mit der Aufmerksamkeit. Aber auch da halte ich es für Ausnahmen.

    Aber das ist nur meine Meinung, es soll sich bitte keiner angegriffen fühlen.

    Ach so, alles natürlich ohne Medikation/Behandlung gemeint.
    Geändert von creatrice (27.06.2015 um 11:23 Uhr)

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 226

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Ich vertrete mal den Gegenpol aus eigenem Erleben

    Ich habe zwar nie lernen oder für die Schule arbeiten können (das kann ich nur mit MPH - und die Erfahrung habe ich erst mit 50 gemacht) aber ich habe es nach der Grundschule ohne Lernen und ohne Hausaufgaben selber machen und mit lückenhafter Aufmerksamkeit zu Abitur und Studium geschafft.
    Während der Grundschulzeit habe ich noch unter elterlichem Druck gearbeitet und daher meine Hausaufgaben selber gemacht.

    Und ich gehöre ganz eindeutig zum unaufmerksamen Subtyp, denn das Verpeiltsein war schon während der Schulzeit mein auffälligstes Problem ... so habe ich z.B. mehr als einmal Schulaufgaben und Klausuren unvollständig abgegeben (Teile einfach übersehen) oder mich während wichtiger Klausuren beim Stöbern im Wörterbuch verloren und bin eine halbe Stunde später wieder aufgewacht usw.

    Was ich für die Schule getan habe:
    - ich bin neugierig, d.h. ich konnte fast in jedem Fach etwas finden, an dem ich mich hochgezogen habe, weil ich zunächst einmal widersprochen oder nachgefragt habe und so einigermaßen aufmerksam geblieben bin oder zumindest Wichtiges mitgenommen habe.
    - ich habe aus Jux Schnellschreiben geübt und habe daher viel und detailliert mitgeschrieben, musste also umformulieren und daher mitdenken - das hat anscheinend gereicht, um es so weit zu behalten, dass es dann in Prüfungen nach kurzem Durchlesen wieder abrufbar war.
    - wenn ich Hausaufgaben abgeschrieben habe (warum habe ich mir JEDEN Morgen diesen Stress angetan???), war ich aufmerksam, denn ich habe immer abgerastert, ob ich mit dem einverstanden bin, was ich da gerade abschreibe, ob es mir wahrscheinlich erscheint und ich habe so weit wie möglich umgebaut, damit es nicht auffällt, dass ich abgeschrieben habe.
    - in Fächern, in denen ich stricken durfte, habe ich mehr mitbekommen als in anderen, bin ich weniger abgedriftet, musste weniger rumkaspern usw.

    Also: meine Verpeiltheit ist alt - mit 15 hatte ich Panik, ich könnte Alzheimer haben - aber sie hat mich nicht an guten Schulleistungen und ziemlich guten Leistungen im Studium gehindert (je nach Fach und Interesse).

    Anfangen konnte ich allerdings damit nie etwas, denn dazu war ich dann unfähig.

  4. #4
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Hier musst Du meinem unausgeschlafenen Gehirn bitte kurz mal auf die Sprünge helfen,ja?

    Abgeschossen wird hier hoffentlich niemand.

    Existiert die ADHS,als das,was sie ist(u.a.gestörte EF) nicht,wenn das Umfeld zufällig "passt"?
    Also,es feste Strukturen usw.gibt.

    Das es Auffälligkeiten geben wird,ist klar,auch klar ist jedoch,dass eine-auch ungewollt-gut "angepasste" Umwelt die Auswirkungen durchaus verringert.

    Wenn ergo ein Mensch zwar schusselig und impulsiv ist(stark reduziert )aber durch "Leitplanken" in der Spur gehalten lebt,ist es doch absurd,den Rückschluss "keine ADHS"zu ziehen,oder nicht?

    Wäre dann meine,Deine,unsere ADHS irgendwann auch nicht mehr existent(gesetzt den Fall,es würde eine solche Soziotherapie weitestmöglich erfolgen)oder bleibt nicht die Störung als solche bestehen,nur die Sichtbarkeit/Messbarkeit anhand von Checklisten nähme ab?

    Einfaches Beispiel: Existiert meine Zeitblindheit nicht,weil ich überall Uhren und Wecker aufgestellt habe und deshalb selten unpünktlich bin?

    Nimm die Uhren weg,und chaos rules...

    Äh,Mist,Faden verloren...

    ADHS ist zudem eine "Spektrumstörung" und "voll ausgeprägt" müsste mir mal definiert werden.

    Nicht,dass ich mich selbst unter den Ausnahmen finden könnte,ich bin nie auf einen grünen Zweig gekommen.

    Hoffnungslosigkeit kompensieren...?

    Kompensation ist selbstverständlich keine Krankheit,wird jedoch definitionsgemäß erst durch eine solche nötig.

    Also,Beispiel, Rheuma:

    Ich habe mittlerweile Mittel und Wege gefunden,meinen Alltag auch dann noch hinzukriegen,wenn ich einen Schub habe-da werden dann bestimmte Dinge auch mal "outgesourced"-hab' ich nun deshalb kein Rheuma?

    Ich bin ein wenig durcheinander im Angesicht dieser Scheinlogik.

    Es ist jedoch gut möglich,dass ich gerade etwas Wichtiges übersehe.

  5. #5
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 968

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Also der Sichtweise von Hr. Rossi kann ich überhaupt nicht zustimmen.. und dass er schreibt, dass man nun einfacher ADS Diagnose bekommen kann und dass dahinter die Pharmalobby steckt... das ist so ein bißchen... mhm.. wie soll ich sagen. was man sonst so von ADS Gegner hört.. .. also so ein bißchen emotional gefärbt....

    Zurück zum Thread Thema - für mich liest sich das so, dass ADS nur bei denjenige anerkennen will, die einer Form stark eingeschränkt sind. Und deshalb fallen Akademiker und im Beruferfolgreiche per se heraus.

    Und genau diesen Punkt kann ich ihm nicht zustimmen - ADS bedeutet nicht automatisch starke Einschränkung. Es handelt sich dabei um eine Spektrum über mehrere Merkmale, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Nur auf die mit starker Ausprägung mag das zu treffen, was Hr. Rossi schrieb. Aber diejenigen mit leichter bis mittler ADS Ausprägung können sogar relativ erfolgreich durchs Leben gehen... und trotzdem aufgrund ADS Symptomatik stark leiden. .. oder ihre Erfolge dadurch zu nichte machen.

    Bei starker Ausprägung wird ADS sicherlich immer ein Problem sein, aber bei mittlerer bis leichter Ausprägung spielt das Umfeld - wie adstolerant ist es? eine größere Rolle.. und natürlich, wie sich die ADS-Symptome bei jedem einzeln ausprägen. Da kann es auch sein, dass eine Ausprägung mal weniger, mal stärker stört. Z.B. Probleme mit der Pünktlichkeit können mal als großes Makel mal als nur kleine Macke empfunden werden. Wenn man ab einer bestimmten Zeit einen Laden eröffnen muss, ist es schlimm, bei Gleitzeit wiederum weniger problematisch.

    Und wenn sich die Situation/Umwelt ändert, können auf einmal die ADS Probleme plötzlich aufpoppen - so ist der erste Zeitpunkt für die Diagnose im Erwachsenenalter oft die erste eigenen Wohnung, die erste Ausbildung.. also wo man sich nach und nach vom Elterhaus loseist.. Oder noch später, wenn man Kinder bekommt.. Mit ADS aufpoppen meine ich Sachen, die zwar vielleicht auch schon vorhanden waren, aber nie so deutlich wahrgenommen wurden.. oder eben keine Problem darstellten

    Dann kam mir noch die Überlegung - dass es doch eigentlich fest steht, dass das das Wort Aufmerksamkeitstörug in der Bezeichnung ADS mißverständlich ist - da die Aufmerksamkeit nicht an sich gestört ist, sondern die Fähigkeit, diese zu steuern. Was aber nicht ausschliesst, dass man längere Sachen hochkonzentriert verfolgen kann, dass man dicke Wälzer lesen oder Vorlesungen besuchen kann. Es muss halt nur ausreichend aktraktiv sein.. das kann das Thema sein, dass können aber auch die Kommiltonen sein, idealistische Vorstellung etc..




    Also wie gesagt, da kann ich Hr. Rossi überhaupt nicht zu stimmen... vor allem hätten ja dann die meisten Leute hier überhaupt kein ADS .. und zwar alle dienigen nicht, die einen Job mit Fachqualifikation haben. Ebenso alle diejenigen, die zwar ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben, aber nun aufgrund ihrer Probleme keine Arbeit finden bzw. diese halten könen... Und alle die ihr Studium mittendrin abgebrochen haben, fallen dann natütrlich auch heraus.. Ebenso diejenigen, die in der Selbsthilfe aktiv sind und sich auf Tagungen und Seminaren fortbilden...

    Achja.. und eigentlich müssten ja dann auch all diejenigen die hier einen langen gut formulierten, fachlichen Beitrag schreiben rausfallen und natürlich auch alle, die sich durch Threads mit vielen solcher Beiträge lesen können! Also sprich große Teile der hier aktiven User hätten dann quasi eine falsche Diagnose...


    Also das nach DSM V vielleicht zu schnell eine ADS Diagnose gestellt werden kann, mag ja sein. Aber dann gleich alles dies abzusprechen, die etwas erreicht haben, ist falsch

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.728

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Ich schätze Piero Rossi sehr, aber das bedeutet nicht dass ich finde er hätte immer recht.

    Und deswegen müssen wir diesen seltsamen Blogeintrag auch nicht wieder ausgraben.

    Sagen wir mal so: Wer ein Studium abgeschlossen hat und eine langjährige glückliche Ehe führt und ein aufgeräumtes Zuhause hat und seine Steuererklärung immer pünktlich abgibt und immer geduldig mit seinen Kindern umgeht- naja, es wird bei jedem zusätzlichem Punkt unwahrscheinlicher.

    Schule und Studium scheinen nicht das Schwerste im Leben zu sein. Da kann manch ein ADHS-ler besser (wenn auch mühevoll) kompensieren als im privaten Bereich.

  7. #7
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 83

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Naja eines ist für mich klar: Man kann man mit AD(H)S studieren.

    Aber ich wäre da auch etwas vorsichtig zu sagen, dass wenn man erst während des Studiums oder gar danach ernsthafte Konzentrationsprobleme kriegt, deswegen AD(H)S hat. Wenn man auf einmal merkt, dass mit der Konzentration nichts mehr läuft, und man ja eigentl. schon immer etwas schusselig war oder ähnliches, heißt das noch lange nicht, dass man AD(H)S hat. Mangelnde Konzentration kann an sooo vielem liegen. Und manche Menschen sind von Natur aus etwas schusselig, vergesslich ect. ohne dass gleich ein ernsthaftes "Defizit" vorliegt.

    Wenn ergo ein Mensch zwar schusselig und impulsiv ist(stark reduziert )aber durch "Leitplanken" in der Spur gehalten lebt,ist es doch absurd,den Rückschluss "keine ADHS"zu ziehen,oder nicht?
    Es ist aber eben auch absurd, deswegen automatisch den Stempel AD(H)S zu vergeben. Vielleicht hat diese Person ja nie gelernt, ohne "Leitplanken" von außen zu leben und ist auf einmal überfordert selbstständig "die Spur zu halten". Und dann macht es eben einen Unterschied, ob jene Person das dann irgendwann in den Griff kriegt und weiter leben kann, als hätte es das Problem nie gegeben, oder ob er es alleine nicht schafft UND auch mit Hilfe seine Schwierigkeiten hat, weil es bei AD(H)S ja nicht einfach nur mit Lernen zu tun hat und man das dann nachholen kann und alles ist in Butter, sondern es immer in irgendeiner Weise ein Problem bleiben wird. AD(H)S hat einfach so vielseitige Auswirkungen und unterschiedliche Erscheinungsformen, dass man da ganz genau hinschauen muss und ich mit solchen "einfachen Gleichungen" vorsichtig wäre.

    Zurück zum Studium: Hätte ich in der Schulzeit nicht noch so viele andere Schwierigkeiten bekommen (z.B. Prüfungsangst), hätte ich - wenn eben auch mit Schwierigkeiten - es vermutlich auch mit gutem Durchschnitt bis zum Studium geschafft, ohne dass ich zwischendurch Medikamente genommen hätte und überhaupt eine Diagnose erhalten hätte. Ich bin Mitten im Studium und bin erst jetzt dabei mir wieder Hilfe zu holen, weil ich zwar irgendwie durchkomme und sicher durchkommen werde, aber darunter leide (wenn man mal davon absieht, dass man mit einem 4er Zeugnis trotz eines akademischen Abschlusses nicht sehr weit kommt). Während den Vorlesungen, in den Pausen und daheim.
    Und das ist meiner Meinung nach der springende Punkt: Es gibt genug AD(H)Sler, die studieren, die sogar ohne Medis studieren und die überhaupt erst während des Studiums ernsthafte Probleme bekommen. Weil davor die Rahmenbedingungen anderes/besser für sie waren und weil sie mit ihrer Intelligenz/Begabung irgendwie alles soweit kompensieren konnten, dass sie mit viel Kraftaufwand durch die Schulzeit kamen.
    Ich glaube aber eben auch, dass man schon während der ganzen Schulzeit Symptome für AD(H)S gehabt haben muss und nicht einfach mit lauter 1er das Abi schafft und dann erst irgendwann im Studium merkt "huch, auf einmal tu ich mich ganz schön schwer mit der Konzentration".
    Wer es schulisch soweit bringen konnte, dass er Vorlesungen und Tagungen besuchen kann, leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS
    So gesehen finde ich diesen Satz totaler Mist. Natürlich kann man Vorlesungen besuchen. Aber eben mit Schwierigkeiten und genau das wurde ja in dem Absatz, den er kommentiert, geschrieben. Für mich geht dieser Kritikpunkt in Richtung: Man kann nicht intelligent genug sein, um trotz AD(H)S zu studieren. Oder aber: AD(H)S ist an sich so schwerwiegend, dass man kein Studium beginnen kann.
    Bei Ersterem unterschätzt er das menschliche Leistungsvermögen (wobei ich durchaus selber immer wieder mich darüber aufrege, wie dumm der Mensch an sich ist, Akademiker hin oder her xD), bei Zweiterem geht es in Richtung: (Nur als Beispiel!) Bei AD(H)S liegt ein Mangel von mind. so und so vielen Neurotransmittern vor, mit diesem Mangel kann der Mensch die entsprechenden Leistungen nicht vollbringen...ja, wer will denn sowas bitte beweisen?

    Schule und Studium scheinen nicht das Schwerste im Leben zu sein.
    Für manche kann es das durchaus sein - aber ich glaube auch, dass darauf viel zu viel wert gelegt wird

    Fazit: Man sollte bei hohen Leistungen durchaus genau hinschauen, warum man erst so spät an seine Grenzen kommt und inwieweit sich AD(H)S-Symptome davor schon äußerten, auch wenn man sie als solche nicht wahrgenommen hat - aber das sollte man eh bei jeder Diagnose. Ich finde es schon schwierig, wenn man erst als Akademiker diagnostiziert wird, aber ich sehe auch keinen Grund, warum AD(H)Sler nicht auch Akademiker sein sollten.

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.115

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Rossi, hmmm
    Hätte ich erlich gesagt, diese Aussage von ihm nicht erwartet.

    Meine Meinung: absoluter Blödsinn.
    Und dsm 5 betrachte ich sehr sehr kritisch.

    Der Mann hat also doch ADHS nicht kapiert, vor allem nicht in seinem Kern.

    Ob er Lust hat sich mit meinem Psychiater zu unterhalten :rolleyes:

    Die Leute reden viel. Interessant vor allem wie viel von Sachen, von denen sie selbst keine Ahnung haben. Ob ADHSler oder nicht, manche tragen gerne ihr Lied zum Unfug bei. Ich nenne es Zungenbeschäftigung. Macht Spaß, hat aber so seine Folgen.
    Geändert von Rosaceae (27.06.2015 um 14:00 Uhr)

  9. #9
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Vielen Dank Herr Rossi. Zu der Behauptung dass ADS nicht existiert, kommt also nun der Zusatz, AD(H)S gibt es zwar, aber nur der sozial und beruflich gescheiterte Teil unserer Gesellschaft ist davon betroffen. So einfach ist das also?
    Tja dann trifft ja das was Rina Oka schreibt zu und die meisten der Chaoten hier haben gar kein ADS
    Aber wie Rina Oka ebenfalls schon beschreibt gibt es verschiedene Ausprägungen mit mehr oder minder starken Einschränkungen. Herr Rossi scheint das ebenso wenig beachtenswert zu finden wie die Tatsache dass sehr viele Hilfsmittel existieren die das Leben vereinfachen können.Oder sagt er sich dass "echte AD(H)S ler" diese ebenfalls nicht nutzen können?

  10. #10
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 281

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Also ich bin einmal mit 15 positiv AD(H)S diagnostiziert worden und der Arzt in der Sprechstunde meinte, dass ich ein ziemlich typischer ADS Fall wäre.....

    Nur um das klar zu stellen, ich lege keinen gesteigerten Wert auf die Diagnose AD(H)S, also ich habe kein Problem damit, wenn ich kein AD(H)S habe.

    Wenn die Diagnose allerdings negativ sein sollte was ist dann mit mir los?


    Konzentrationsprobleme habe ich durchgehend mindestens vom ersten Schuljahr an. Auch bin ich impulsiv, wenn ich auch geschafft habe das weitgehend unterm Deckel zu halten. Hyperaktiv bin ich in meiner Jugend gewesen, heute eher weniger. (Es besteht auch noch der Verdacht auf Depression)
    In den schriftlichen Bemerkungen auf meinen Zeugnissen ist das oben genannte dominierendes Thema. Privat habe ich die Probleme im übrigen auch, vielleicht sogar mit noch größeren Auswirkungen, da da kein Druck von Lehren/Arbeitgeber besteht.

    Kumulieren tut das ganze in einer sehr ineffektiven Arbeitsweise, mit der ich schon im Studium kaum einen Blumentopf gewinnen konnte und im Berufsleben wird es sicher nicht besser. Oder kurz so kann ich einfach nicht arbeiten....

    Ich denke ich werde meinen Arzt mal auf den Kommentar von Herrn Rossi ansprechen. Eine falsch positive Diagnose von ADS hilft mir ja auch nicht weiter.
    Geändert von Irre (27.06.2015 um 14:17 Uhr)

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