Seite 3 von 47 Erste 12345678 ... Letzte
Zeige Ergebnis 21 bis 30 von 464

Diskutiere im Thema DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #21
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    So ein Unfug! Kann man fast nicht ernst nehmen, was der da in dem Blogeintrag von sich gibt. Die Formulierung "leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS" ist Quatsch. Gerade im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich würde ich sogar proportional viele Wissenschaftler mit einer (nicht diagnostizierten) ADHS vermuten, unter der sie sehr stark leiden - ohne zu erkennen, was der Grund ist. Es ist fast schon die optimale Umgebung für kreative, begeisterungsfähige ADHSler - und die fatalste Umgebung zugleich, weil man die Defizite so gut verstecken kann! Man wird kaum kontrolliert, weil man meist am eigenen Schreibtisch sitzt, kann im wenigen Kontakt mit Mitwissenschaftler_Innen sehr viel Inkompetenzkompensationskompet enz betreiben, man kann seinen Arbeitsalltag fast komplett selbst bestimmen (also dann arbeiten, wenn es am wenigsten schlecht konzentrieren kann), man kann genau die (Foschungs-)Themen auswählen, die einen stimulieren (beste Bedingungen für "Hyperfokus"), man kann auf ungewöhnliche Weise Konzepte/Begriffe verknüpfen, um die Ecke denken etc., was andere positiv überrascht und wissenschaftliche Innovation ermöglicht.

    Klar: Schwierig wird es, wenn man langweilige Texte vollständig lesen muss (fast immer reicht aber selektives Querlesen!) oder wenn man auf langweilige Tagungen muss (hier kann man ohne Probleme innerlich abschalten und an seinem einen Projekt träumerisch arbeiten) oder wenn man eine Vorlesung halten muss (hier kann man einfach die Studierenden mehr einbinden, viel mit ihnen spaßen/kommunizieren - wer will schon einen linearen 90-minütigen Vortrag hören)?

    Zu mir: Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter und promoviere mit einem anspruchsvollen Thema und ich leide sehr stark an einer ADHS, seit ich denken kann. Ohne das zu wissen. Denn leider wurde diese erst vor einiger Zeit diagnostiziert. Lange galt ich einfach als "intelligent, aber verpeilt und unorganisiert", eben ein "zerstreuter Professor", was in unserem kollektiven Gedächtnis einer der wissenschaftlichen Archetypen ist. Wie ich die Schule geschafft habe, ist mir ein Rätsel - ich habe seit der 5 Klasse keine Hausaufgaben mehr gemacht, war der größte Träumer der Stufe und niemand hätte je gedacht, dass aus mir überhaupt mal etwas wird. Nicht weil ich zu blöd war, sondern wegen der deutlichen ADHS-Symptome, die nur niemand so gedeutet hat, weil die Krankheit da noch nicht so bekannt war. Dann habe ich meine Leidenschaft für die Wissenschaft entdeckt und wurde zum Glück von einem Professor gefördert, weil er gemerkt hat, dass in mir Potential steckt, was durch meine Konfusität und Kreativität etwas gehemmt wurde. Er hat mich dann gezwungen, nur einen Gedanken auf einmal zu formulieren - und einen nach dem anderen. Das war sehr schwer und gelingt mir immer noch nicht ganz, aber er hat unterbewusst genau die richtigen Methoden angewendet, um mich auf eine gute Bahn zu bringen. Trotzdem hatte ich dann irgendwann ein Burnout, als ich die Dissertation angefangen habe, weil ich hier endgültig an Grenzen gestoßen bin. Dann kam die Diagnose und jetzt geht es wieder bergauf.

    Natürlich bin ich als "Einzelbeispiel" keine Widerlegung der Formulierung "leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS", aber wie gesagt: Der "zerstreute Professor", der eine der bekanntesten stereotypen Wissenschaftsfiguren ist, könnte man vermutlich sehr gut als ADHSler bestimmen. Verplant und ohne Sekretär_in völlig hilflos, chaotisch, Zettelchaos mit wirren Notizen, die nur so aus ihm raussprudeln, Begeisterungsfähigkeit, geniale aber ungewöhnliche Verknüpfungen, depressive Phasen, Hyperfokus, hohe Impulsivität, Unfähigkeit, sich auf andere einzustellen, motorische Unruhe und Überaktivität wie ständiges wirres Umherlaufen etc. pp...

    ADHS in der Wissenschaft ist Fluch und Segen zugleich

  2. #22
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 173

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Verplant und ohne Sekretär_in völlig hilflos, chaotisch, Zettelchaos mit wirren Notizen, die nur so aus ihm raussprudeln, Begeisterungsfähigkeit, geniale aber ungewöhnliche Verknüpfungen, depressive Phasen, Hyperfokus, hohe Impulsivität, Unfähigkeit, sich auf andere einzustellen, motorische Unruhe und Überaktivität wie ständiges wirres Umherlaufen etc. pp...

    ADHS in der Wissenschaft ist Fluch und Segen zugleich
    Das bin genau ich, nur ohne Sekretärin.

  3. #23
    hästkrake

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 766

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Sehr geehrter Herr Dr. Rossi,
    Ihre geschätzte Meinung zum DSM-5 in allen Ehren.

    Allerdings werden Sie durch Ihre Äußerungen nicht erreichen, dass ich mein ADHS zurücklegen werde.
    Ich habe mein ADHS in einem Tauschgeschäft gegen Depressionen, bipolare Tendenzen, Borderlinertendenzen und eine hoffnungslose Familiengeschichte erhalten. Bei diesem Handel bin ich so gut ausgestiegen, dass ich um Verständnis bitte, wenn ich dabei bleibe.

    Sie schreiben (Seite 1, Punkt 1): "Die neue Zuordnung kann dazu beitragen, die ADHS moralisch von sozial gestörtem Verhalten zu entkoppeln und damit zu 'entkriminalisieren'." Es ist sehr höflich von Ihnen, dass Sie die kriminelle Seite des ADHS erst jetzt ansprechen, wo das Problem gelöst ist. Sie haben damit vielleicht vielen ADHSlern das Gefängnis erspart. Andere Randgruppen sind für ihre Daseinsweise jahrelang ins Gefängnis gegangen, bis sie durch die Revision des DSM (1994) entkriminalisiert wurde.

    Falls es für Sie weiterhin ein Problem sein sollte, dass dieselbe Person ADHS und gleichzeitig gute Zeugnisse und eine Hochschulausbildung besitzt, würde ich mich für ADHS entscheiden. Sie können sich meine Zeugnisse gerne bei mir abholen. Ich schenke sie Ihnen und berichte Ihnen dann auch gerne, wie ich dazu gekommen bin. Ich schlage vor, dass wir uns dann auch über sozial gestörtes Verhalten unterhalten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    M.A. Skywalker


    #Achtung Satire!

  4. #24
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.838

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    habitbreaker schreibt:
    Bin ich dann nicht mehr krank, wenn ich durch Medikation und Behandlung die Auswirkungen der Krankheitssymptome umgehen kann?
    Danke! - Nur weil z. B. ein Diabetiker eingestellt ist und auf die Ernährung usw. achtet, so dass seine Werte im Normbereich liegen, hat er trotzdem noch immer Diabetis - um es mal platt zu sagen.

    "leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS" - ist vielleicht viel eher einzuschränken in: leidet vielleicht an dieser Stelle nur eingschränkt oder nicht unter AD(H)S! - Das Leben besteht aber normalerweise aus mehr als nur einem oder zwei Bausteinen. Und manchmal ist einfach etwas Erreichen und Leiden durchaus auch im Zusammenhang stehend. - Für alle, die es trotzdem geschafft haben hoffentlich ein Grund mehr darauf stolz zu sein!

  5. #25
    Rettich

    Gast

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Ich verstehe Dr. Rossi schon so, dass er bemängelt, dass durch die Neudefinition des DSM-5, die Diagnose "leichter" gemacht wird, was er hauptsächlich dem Zusammenwirken von Ärzten und Pharmalobby zuschreibt. Damit wirft er der Pharmakonzernen schon vor, ein eigenes Interesse an einer leichteren Diagnose durchgesetzt zu haben. Erstaunlich finde ich allerdings seine Ansichten, dass Menschen mit der Diagnose eigentlich nicht in der Lage sein sollten, ein Studium erfolgreich abzuschließen, da die Symptome langfristig diesen Weg ja unmöglich machen. Die Schlussfolgerung daraus ist dann eben :

    "... DSM 5 behält die 18 Kernsymptome, ergänzt diese aber teilweise. Beispiel: “Hat bei Aufgaben oder Spielen oft Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit längere Zeit aufrechtzuerhalten” wird neu ergänzt mit: “z.B. Schwierigkeiten während Vorlesungen, Tagungen, Unterhaltungen, Lesen längerer Texte fokussiert zu bleiben”.
    Kommentar: Diese Ergänzung ist bezüglich ADHS vollkommen sinnlos. Wer es schulisch soweit bringen konnte, dass er Vorlesungen und Tagungen besuchen kann, leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS. Ausserdem: Auch diese Ergänzung führt über kurz oder lang zu einem ungerechtfertigten Anstieg der ADHS-Diagnosen und somit zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für ADHS-Medikamente (Neuroenhancing für unkonzentrierte Akademiker und Fachpersonen in der Fortbildung auf Kosten der Krankenkassen?) ..."

    Seit Bologna ist es ja nun so, dass der akademische Zugang weitestgehend "verschult" wurde und so viel Menschen wie nie zuvor machen Abitur und studieren. Da ist ein akademischer Abschluss heutzutage eigentlich nicht mehr so besonders.

    Was von ihm nicht berücksichtigt wird, ist meiner Meinung nach auch die Tatsache, dass man sich auch mit ADHS sehr gut konzentrieren kann - wenn es etwas gibt, dass das eigene Interesse lange genug fesseln kann. Warum sollten Menschen mit ADHS nicht auch ein Schwerpunktinteressen haben können? Auch nicht berücksichtigt wird in diesem Zusammenhang die Tatsache, wie viel Mühe sich ein ADHS-Betroffener (vom Zeitaufwand) oft machen muss, um gewisse Sachen (dann eben in der Rückschau) sich aneignen zu können. Das erschwert gewiss vieles, macht es aber nicht unmöglich.


    Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Menschen mit ADHS schon gewisse Kompensationsstrategien im Laufe der Jahre lernen. Eine Kompensationsstrategie scheint es aber auch zu sein, sich auf gewisse Anforderungen erst gar nicht einzulassen. Soll heißen: Besser, ein Verkäufer in einem Baumarkt zu sein, ein geregeltes Einkommen zu haben, um sich geistig nicht überfordern zu müssen anstatt zu studieren (...du bleibst immer unter deinen Möglichkeiten, ... du könntest mehr erreichen, wenn du nur wolltest).

    Da ist dann die Frage, wer entscheidet darüber, für wen eine Medikation Neuroenhancement ist und für wen eigentlich nur die Herstellung ungefähr gleicher Voraussetzungen? Ein underachievement kann m. E. eben auch darin bestehen, vielleicht nur eine Lehre gemacht zu haben, sein Leben im großen und ganzen zufriedenstellend und ohne soziale Auffälligkeiten zu führen, anstatt, ohne ADHS, vielleicht doch eine akademische Laufbahn eingeschlagen zu haben.

    Vielleicht ist es eben auch bei diesen Menschen oft der Fall, dass Gefühl zu haben, trotz scheinbar geregelten Jobs, und Einkommens, irgendwie am falschen Platz zu sein und unter den eigenen Möglichkeiten geblieben zu sein?

    Tja, und da ergibt sich für mich das Bild, dass selbst unter Fachleuten ADHS für jeden etwas anderes bedeutet und die Schweregrade auch unterschiedlich gewertet werden.


    Ich halte die Aussage, dass Menschen, die in der Lage sind, Vorlesungen zu folgen oder sich gar mehrere Stunden konzentrieren zu können, vermutlich gar kein ADHS haben können, für ausgemachten Blödsinn. An etwas teilzunehmen, heißt noch lange nicht, alles aufgenommen zu haben. Hier sollte eher mal geschaut werden, wie viel es kostet, das Gehörte oder Gesehene anschließend zu verarbeiten und wie groß der Unterschied in Vergleich zu neurotypischen Menschen ist.

  6. #26
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Habit ich stelle auch nicht in Abrede, das es keine Symptome bei betreffenden gibt, ich bezweifle aber, das diese so stark in der Kindheit waren, das erst nach Jahrzehnten alles auffällt. Es gibt genug andere Erkrankungen die auch Symptome machen.
    Ich denke auch nicht, das Vorlesungen oder Tagungen für ADHSler generell nichts sind, sondern das es, wie auch Rossi meint, eher extrem selten ist, das ein unentdeckter ADHSler es so weit im Berufsleben/Ausbildungsleben schafft, um an diesen jahrelang teilzunehmen.
    Wenn ich mich in Menschenmengen unwohl fühle, ist es etwas anderes als wenn ich eine klinische Angststörung habe. Bei dieser kann man eben die Angst/Panik in bestimmten Situationen nicht kompensieren. Das geht nur in ganz minimalem Maße. Sämtliche psychiatrische Diagnosen zeichnen sich durch eine Klinik aus, die eben nur zu Tage tritt, weil man die Symptome nicht kompensieren kann. Denn ohne Symptome hat man nun mal keine Klinik. Für mich ist das eben bei ADHS nicht anders.

    Wieso sollte man nicht mehr krank sein, wenn man erfolgreich Medikamente nimmt? Ich verstehe den Vergleich nicht..... ein Diabetiker hat ohne Medis Symptome die er nicht kompensieren kann. DAS ist ja der Vorteil an einer Behandlung, das man damit ein besseres symptomgemindertes Leben führen kann.
    Kompensation aus eigener Kraft und Symptomverminderung durch Medikamente sind für mich ein himmelweiter Unterschied.

  7. #27
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Ich sehe das Pragmatisch. Jemand der vollkommen Problemlos durch Schule und Studium kommt hat sicher kein ADHS. Aber das heißt nicht dass ein Studienabschluss ADHS ausschließt.

    Ansonsten sollten sich die Ärzte in Europa an die ICD Kriterien halten und DSM 5 einfach ignorieren finde ich.

  8. #28
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 226

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Heute früh habe ich aus der Hüfte geschossen, ohne zu denken.

    Mein Beitrag sollte aussagen:
    Dass ich immer wieder nicht verstehe, wie man nicht kapieren kann, dass gute Kompensationsstrategien nicht Symptomfreiheit bedeuten.
    Dass dauernde (jahrzehntelange) Kompensation kraft- und energiezehrend ist.
    Dass man eine Baustelle bekümmert und eine Modellwohnanlage draus macht ... und andere Lebensbereiche werden vom Dschungel gefressen, weil die Energie dafür nicht reicht.
    Dass gutes Funktionieren nicht automatisch gesunder Mensch bedeutet, sondern dass ein (scheinbar) gut funktionierender ADHSler unter Umständen eine ganz arme Sau sein kann.

    Mit anderen Worten: DAS:
    Wer es schulisch soweit bringen konnte, dass er Vorlesungen und Tagungen besuchen kann, leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS. Ausserdem: Auch diese Ergänzung führt über kurz oder lang zu einem ungerechtfertigten Anstieg der ADHS-Diagnosen und somit zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für ADHS-Medikamente (Neuroenhancing für unkonzentrierte Akademiker und Fachpersonen in der Fortbildung auf Kosten der Krankenkassen?).
    empfinde ich als Akademiker mit ADHS als persönliche Beleidigung (weil mir unterstellt wird, ich nehme Medikamente zum Zweck des Neuroenhancing und nicht, um Defizite einigermaßen auszugleichen, die nun nicht ausgerechnet auf dem Sektor Wissenserwerb liegen), allerdings hätte ich sie innerhalb von 5 Minuten wieder vergessen, wenn es nur darum ginge (nicht, weil ich so blöd wäre, sondern weil es mich nicht ausreichend interessiert).

    Ich habe mich kaum zum Arzt getraut wegen einer Diagnose, weil ich dachte: der nimmt mich ja sowieso nicht ernst.
    Mittlerweile weiß ich, dass es ganz vielen spät Diagnostizierten so ging.
    Hätte ich damals einen Artikel eines Facharztes gelesen, der ADHS bei Akademikern als Einbildung bezeichnet, wäre ich evtl. nicht hingegangen.
    Ich fürchte, in diesem Fall ginge es mir jetzt gar nicht gut.

    In diesem Sinne, @Irre: lass dich nicht irre machen.
    Natürlich hast du nichts von einer Fehldiagnose in die eine Richtung - von einer Fehldiagnose in die andere Richtung hast du aber auch nichts.

  9. #29
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Miss Taik schreibt:
    Mein Beitrag sollte aussagen:
    Dass ich immer wieder nicht verstehe, wie man nicht kapieren kann, dass gute Kompensationsstrategien nicht Symptomfreiheit bedeuten.
    Dass dauernde (jahrzehntelange) Kompensation kraft- und energiezehrend ist.
    Dass man eine Baustelle bekümmert und eine Modellwohnanlage draus macht ... und andere Lebensbereiche werden vom Dschungel gefressen, weil die Energie dafür nicht reicht.
    Dass gutes Funktionieren nicht automatisch gesunder Mensch bedeutet, sondern dass ein (scheinbar) gut funktionierender ADHSler unter Umständen eine ganz arme Sau sein kann.
    Ich glaube genau DAS meint er ja. Eben wenn jemand so kompensiert, dann kann er es eben nicht ohne extreme Ausfälle jahrzehntelang. Es hätte bei dieser Erkrankung schon in der Schulzeit zu Erscheinungen kommen müssen, die eindeutig zeigen, das da jmd kraft- und energieleer ist. Ob es nun andere psychiatrische Diagnosen sind, oder eben starke Defizite in anderen Lebensbereichen, aber irgendwie hätte es seinen Tribut gezollt. Und mit diesem Tribut ist man dann so ausgebrannt, das man nur in Ausnahmefällen für eine solche akademische Laufbahn die Kraft hat. Das man eben entweder underachiever ist, oder körperlich und/oder seelisch zusammenklappt, weil man eben alle Kraft aufbraucht, um die Konzentration/Aufmerksamkeit für die Prüfungen und Wissensnachweise wenigstens so weit aufrecht zu erhalten, das man es schafft.

    Also eigentlich das, was hier einige beschreiben wieso sie zum Arzt gegangen sind. Nur das eben bei einer Erkrankung die sich im Kindesalter manifestiert das auch schon im Kindesalter so passieren muss, nicht erst bei, und vor allem nicht nach einem Studium. Für ihn (und auch für mich) ist ADHS eben ein gewisser Mindestschweregrad von Symptomen, die sich ziemlich gleichbleibend stark und auffällig durch das gesamte Leben ziehen, (seit der Kindheit), und ziemlich gleichbleibend ihre verheerenden Auswirkungen zeigt.
    Geändert von creatrice (27.06.2015 um 18:26 Uhr)

  10. #30
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 160

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Die Formulierung "leidet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer ADHS" ist Quatsch. Gerade im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich würde ich sogar proportional viele Wissenschaftler mit einer (nicht diagnostizierten) ADHS vermuten, unter der sie sehr stark leiden - ohne zu erkennen, was der Grund ist. Es ist fast schon die optimale Umgebung für kreative, begeisterungsfähige ADHSler - und die fatalste Umgebung zugleich, weil man die Defizite so gut verstecken kann! Man wird kaum kontrolliert, weil man meist am eigenen Schreibtisch sitzt, kann im wenigen Kontakt mit Mitwissenschaftler_Innen sehr viel Inkompetenzkompensationskompet enz betreiben, man kann seinen Arbeitsalltag fast komplett selbst bestimmen (also dann arbeiten, wenn es am wenigsten schlecht konzentrieren kann), man kann genau die (Foschungs-)Themen auswählen, die einen stimulieren (beste Bedingungen für "Hyperfokus"), man kann auf ungewöhnliche Weise Konzepte/Begriffe verknüpfen, um die Ecke denken etc., was andere positiv überrascht und wissenschaftliche Innovation ermöglicht.
    Bingo.


    Nein, ich konnte den Vorlesungen nicht folgen.

    Ich musste Texte immer mehrfach lesen.

    Ich konnte nur ein Fach studieren, dass mich wirklich durchgehend brennend interessiert hat.

    Rein berufstrategische Gründe für meine Studienwahl hätte ich mir nicht leisten können, weil ich sicher an den "trockenen" Stoffen gescheitert wäre.

    Die lose Studienstruktur meines Faches war super für mich, weil ich ohne Zeitdruck meine Scheine sammeln konnte.

    Wie unendlich frustrierend es war, lauter gute Ideen zu haben, dann aber zu vergessen, sie in die Tat umzusetzen.

    Ich war zwar gut darin, Kompensationsstrategien zu entwickeln. Die haben mich aber nicht vor Depressionen und Angsterkrankungen bewahrt.

    Wieviel Zeit und Geld draufgegangen ist, weil es so schwierig war den Alltag zu strukturieren.

    Ja, ich habe ADS ohne H, und ich habe seit meiner Schulzeit sehr unter meiner Unfähigkeit zu dauerhafter Konzentration gelitten.


    Die erste Tablette MPH war eine totale Offenbarung für mich. Wie schön es ist, einen Text fokussiert lesen zu können. Diesen Tag in der Bibliothek werde ich nie vergessen.
    Geändert von Hirnjogger (27.06.2015 um 19:26 Uhr)

Seite 3 von 47 Erste 12345678 ... Letzte

Ähnliche Themen

  1. ADHS und die Verhandlen können.
    Von Timotheus im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 28.01.2014, 19:43
  2. Wirklich ADHS?
    Von shadowgolf im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 28.12.2012, 09:02
  3. Ziehen Erwachsene mit ADS / ADHS wirklich so oft um
    Von Sandy1972 im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 40
    Letzter Beitrag: 31.03.2011, 14:45

Stichworte

Thema: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum