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Diskutiere im Thema DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #211
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    pau schreibt:
    Was ist eigentlich, wenn der Betroffene Schule und Studium mitunter durch Betrügereien (Abschreiben, Spicken, Ghostwriten) geschafft hat?
    Auch Abschreiben, Spicken und eine Arbeit an einen Ghostwriter geben, erfordert den Einsatz der exekutiven Funktionen, die bei ADHSlern eingeschränkt sind. Dazu muss man im Vorfeld planen. Abschreiben und Spicken gehen auch nur, wenn einem die Mitschüler das erlauben. Und da ADHSler oftmals eher zu den unbeliebten Kindern gehören, kann das Probelme geben. In meinem vorherigen Studium und auch in meinem aktuellen ist das Abschreiben bei Klausuren fast unmöglich. Und selbst wenn es möglich wäre, muss man ja auch wissen, was man abschreiben muss. So einfach ist das ja auch nicht.

    Ist ja auch noch mal ein interessanter Fakt. Da kenne ich aus meinem Freundeskreis einen Fall. Der hat sein Studium neben der Arbeit nur gemacht, weil sein Arbeitgeber ihm mehr Gehalt in Aussicht gestellt und das Studium finanziert hat. Der Typ hat jetzt nix mit AD(H)S zu tun, nicht falsch verstehen, aber unter Umständen könnte ein Betroffener ja auch so an sein Ziel kommen... ;-) mal so als Denkanstoß
    Dazu müsste ein ADHSler ja den Job solange behalten wie ein Studium dauert. Das halte ich bei den typischerweise eher häufigen Jobwechseln bei ADHS für eher unrealistisch. Außerdem gehören auch in der Arbeitswelt ADHSler nicht zu den beliebtesten Mitarbeitern und man will sie daher eher loswerden als sie zu unterstützen.
    Und selbst wenn ein ADHSler ein solches Angebot von seinem Chef erhält, ändert das nichts an den exekutiven Funktionen, die man braucht um ein Studium erfolgreich zu absolvieren.

    Sicher gibt es Möglichkeiten, wie man als unentdeckter und unbehandelter ADHSler Abi machen kann und ein Studium absolvieren kann. Das hat keiner bestritten. Und da wird dann in der Diagnostik auch genau hingeschaut, wie es dazu gekommen ist. Aber man muss halt auch schauen, ob in diesen Fällen nicht eine andere Störung vorliegt. Denn die Probleme, die bei ADHS auftreten, haben auch normale Menschen ab und an. Und auch bei anderen psychischen Störungen kommen sie vor. Aufschieben kennt eigentlich fast jeder. Daher müssen die Probleme in einer gewissen Qualität und Quantität vorliegen und sie müssen den Betroffenen in mehreren Lebensbereichen einschränken.
    Bei meiner Diagnostik wurde da ganz genau nachgefragt, eben weil ich studiert habe. Da wurde dann auch versucht noch an die Berichte der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin zu kommen, bei der ich als Jugendliche war. Damit man eben schauen kann, ob diese die Problematik damals auch schon bemerkt hat, ADHS aber nicht diagnostiziert hat, weil sie sich damit nicht auskannte. Und ich weiß auch nicht, ob ich ADHS diagnostiziert bekommen hätte, wenn einer der behandelden Ärzte von damals einige typischen ADHS-Probleme nicht in seinen Bericht aufgenommen hätte.

  2. #212
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Müsste es dann nicht auch als Hinweis gelten das jemand eine andere Störung hat wenn er den Führerschein erlangen konnte?

  3. #213
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    HumanStapler schreibt:
    Müsste es dann nicht auch als Hinweis gelten das jemand eine andere Störung hat wenn er den Führerschein erlangen konnte?
    Dagegen sprechen schon mal mindestens zwei Gründe:
    1. Auto fahren ist etwas, das einen ADHS so dermaßen begeistert, dass er das durchziehen kann.
    Seine Begeisterung dafür bringt ihn in einen Zustand, der fäschlicherweise als "Hyperfokus" bezeichnet wird
    (was besonders in diesem Fall vollkommen falsch ist, es handelt sich vielmehr um den Zustand hoher Begeisterung
    eines AHDS-Betroffenen, welcher es ihm ermöglicht, so zu funktionieren, wie es ein Nichtbetroffener sonst auch kann,
    eben auch Theorie zu büffeln).

    2. Einen Führerschein zu erlangen bedeutet bei weitem nicht die gleichen Anforderungen an die Exekutiven Funktionen,
    wie das bei einem Studium der Fall ist.
    Auch hier wird die Theorie in Form von Frontalunterricht vermittelt, die Stunden sind vorgegeben, der Stundenplan
    ebenfalls, das ist nichts anderes als in der Schule.

    Darüberhinaus dauert eine Fahrausbildung nicht sonderlich lange, das ist noch irgendwie überschaubar.


    Allerdings gibt es dennoch reichlich Problemstellen bei ADHS und Autofahren ... allein die Unfallstatistiken hier sind schon erschreckend.
    Auch hierzu hat Barkley mal mit einigen Forschern ein Experiment gemacht, ebenfalls im Rahmen einer Studie (ich weiß nicht welcher, er hat das mal in einem Vortrag erzählt).
    Sie hatten da einen Fahrsimulator, so einen, wie auch der TÜV z.B. ihn verwenden.
    Man hat dann Vergleiche zwischen Nicht-ADHS-Betroffenen und ADHS-Betroffenen gemacht und die Unterschiede waren so frappierend wie erschreckend...
    Gerade die ADHS-typische Ungeduld und Impulsivität haben sich in der Fahrweise und den daraus resultierenden Konsequenzen deutlich widergespiegelt.


    Einen Führerschein zu bekommen ist also für einen ADHS-Betroffenen nicht grundsätzlich das große Problem (sicherlich dennoch trotzdem in vielen Fällen), ihn zu behalten und eine ruhige besonnene Fahrweise an den Tag zu legen dagegen schon ...

    Kurioserweise kommt auch hier das Problem mit der Selbstwahrnehmung zum Tragen, denn wenn man das Alter bedenkt, in dem man einen Führerschein machen kann und dann das Exekutive Alter berechnet, weiß man, dass die Selbstwahrnehmung da noch nicht sonderlich weit ist, was dazu führt, dass die Betroffenen selber gar nicht erkennen, wie gefährlich sie fahren, und sowohl sich, als auch andere gefährden.
    Ich habe mich damals selbst immer für einen ruhigen und besonnenen Fahrer gehalten, ... aber als ich in der Klinik in Bad Bramstedt mal so die Unfälle aufzählen musste, wurde mir plötzlich ganz anders, denn das war mir gar nicht bewusst, was da so alles passiert ist, vor allem: warum.
    Und ich war im Vergleich zu so manch anderem Fahrer wirklich noch harmlos ...

  4. #214
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 160

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Als "ADS ohne H"-Fall kann ich von mir berichten, dass ich in 25 Jahren Autofahren bislang genau einen Punkt (alte Zählung) in der Verkehrsünderkartei in Flensburg hatte, der inzwischen wieder verjährt ist.

    Meine Fahrweise halte ich für defensiver als die meiner Durchschnitts-Mit-Männer ohne ADHS.

    Ich hoffe, das stellt jetzt nicht meine Diagnose in Frage...

    Erst recht hoffe ich, einen nicht zu strukturierten und fokussierten Eindruck zu hinterlassen, wenn ich sage, dass wir uns vom Thema des Threads gerade etwas entfernt haben.

  5. #215
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Hirnjogger schreibt:
    Als "ADS ohne H"-Fall kann ich von mir berichten, dass ich in 25 Jahren Autofahren bislang genau einen Punkt (alte Zählung) in der Verkehrsünderkartei in Flensburg hatte, der inzwischen wieder verjährt ist.

    Meine Fahrweise halte ich für defensiver als die meiner Durchschnitts-Mit-Männer ohne ADHS.

    Ich hoffe, das stellt jetzt nicht meine Diagnose in Frage...
    Ich finde es faszinierend, wie leicht man hier in diesem Thread gleich auf die Schiene gerät, dass alles und jeder gleich die Diagnosen anderer in Frage stellt .
    Und das finde ich wirklich sehr faszinierend, da wir doch alle wissen, dass ADHS eine Spektrumsstörung ist und somit sowohl die Ausprägung, als auch die Zusammenstellung der Symptome sich unterscheiden können, wohl aber, um überhaupt zur Diagnosereife zu gelangen, gewisse Anforderungen erfüllen müssen.
    Impulsivität im Straßenverkehr ist EIN Symptom und EIN Problem bei ADHS, nicht DAS entscheidende, welches bei Nichterfüllung gleich die Diagnose in Frage stellt.

    Aber diese und andere Reaktionen zeigt sehr schön, wie unsicher wir uns sind.... (und wieviel Angst wir davor zu haben scheinen, dass man unsere Diagnose anzweifelt oder sie uns gar "wegnimmt", was aus mehrerlei Gründen auch nur allzu verständlich ist, das würde aber einen eigenen Thread füllen können)



    Dabei würde ich mir bei einem hypoaktiven ADHS'ler weniger darüber Gedanken darüber machen, ob die vernünftige und besonnene Teilnahme am Straßenverkehr wirklich ein Ausschlussgrund wären oder vielmehr die Tatsache, dass es eigentlich viel zu viele Männer mit der Diagnose hypoaktive ADS gibt, denn das ist bei Männern eher untypisch und das ist schon ein Grund, nachzuhaken, ob auch etwas anderes zu Grunde liegen könnte.
    Wobei hier ebenfalls gesagt werden muss, dass dies nicht bedeutet, dass es keine hypoaktiven männlichen ADS-Betroffene gibt, sondern sie nicht so häufig sind.

    Dazu sei ebenfalls gesagt, dass man inzwischen davon ausgeht, dass das Bild einer ADHS sich im Laufe der Entwicklung des Betroffenen ändern kann.
    So erkannte man bei Langzeitstudien, die von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter gingen, dass es eine Art Symptomverschiebung zu geben scheint.
    Jemand, der vorher hyperaktiv war, konnte im Laufe der Pubertät und danach durchaus nach außen hin ruhiger werden, zeigte dann aber deutlichere Symptomatik eines hypoaktiven ADS'lers.

    Eine mögliche Erklärung könnte nach aktuellen Vermutungen sein, dass im Kindesalter die Gehirnbereiche für die Motorik überentwickelt sind und die für die Selbstregulation unterentwickelt.
    Mit zunehmendem Alter nun entwickelt sich der Bereich für die Motorik möglicherweise langsamer, also deutlich verzögerte, während sich die Fähigkeit zur Selbstregulation, also zur Impulskontrolle nach und nach weiterentwickelt und dem Betroffenen so die Möglichkeit gibt, seinen Bewegungsdrang äußerlich zu kontrollieren, innerlich dagegen bleibt er bestehen, bzw. er wendet sich nach Innen.

    Was Deine Fahrweise betrifft, so schreibst Du, dass Du sie für defensiver hälst.
    Das kann auch stimmen, es erinnert mich aber auch an meinen Fahrlehrer, der mal im Unterricht einen sehr weisen Spruch gelasen hat:
    "Wenn Euch Jemand sagt, dass er 30 Jahre unfallfrei gefahren ist, dann kann das genausogut bedeuten, dass alle anderen immer rechtzeitig für ihn gebremst haben, es muss deshalb nicht gleich sein, dass er so ein toller Fahrer ist".

    Wie gesagt, ich hatte mich auch für einen defensiven Fahrer gehalten und im Grunde bin ich das auch, sehr sogar und fahre streng nach Vorschrift, wahrscheinlich sogar zu streng (autistisch streng eben).
    Aber wenn ich dann meine Impulsivität nicht kontrollieren konnte, obwohl es angebracht gewesen wäre, dann war es auch immer gleich übel ...


    Hirnjogger schreibt:
    Erst recht hoffe ich, einen nicht zu strukturierten und fokussierten Eindruck zu hinterlassen, wenn ich sage, dass wir uns vom Thema des Threads gerade etwas entfernt haben.
    Den hinterlässt Du gewiss nicht, alles gut, allerdings sehe ich nicht, dass wir hier schon OT sind, denn es geht letztlich immer noch um das Gleiche, nämlich ADHS und EF, um edukative Aufgaben zu erfüllen.
    Der Vergleich zwischen einem Studium und einer Fahrschule ist ja nicht falsch, da macht es schon Sinn, sich anzusehen, warum das Eine klappt und das Andere nicht, genauso wie Berufsausbildungen, allein schon um zu erkennen, wo die Unterschiede in den Anforderungen vorliegen und in wie die ADHS dort reinspielt.
    Geändert von Fliegerlein ( 7.07.2015 um 14:53 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur/ Satz ergänzt

  6. #216
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 226

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    @: Hirnjogger: Nein, du hinterlässt den ADHS-konformen Eindruck eines Menschen, der sich auf einer Schiene festgefressen hat

    Ich habe versucht, noch einmal von vorn anzufangen, so weit das möglich ist.


    • Herr Rossi postuliert, dass Menschen mit Studienabschluss und Tagungsteilnehmer "mit großer Wahrscheinlichkeit" kein ADHS haben.

      - ich habe erleichtert festgestellt, dass meine Diagnose nur halb in Gefahr ist, da ich mit abgebrochenem Studium ja gar kein Akademiker bin (allerdings habe ich bereits an Tagungen teilgenommen, so dass ich mich nach wie vor ausreichend angegriffen fühlen kann, um dem Gefühl des persönlichen Angriffs weiter nachfühlen zu können).
      Da hatte ich so viel Rot vor den Augen, dass ich nicht mehr durchschauen konnte.

      - ohne blödes Gejuxe: Wie das mit der "Wunschdiagnose" ist, kann ich nach wie vor nicht beurteilen.
      Es ist auch völlig unerheblich, denn im Zusammenhang mit Herrn Rossi ist nur wichtig, dass er diese Erfahrung gemacht hat. Es ist seine Sicht und wenn er das so sieht, dann sieht er hier auch Handlungsbedarf.

      --> auch wenn ich kein abgeschlossenes Studium mehr verteidigen muss, das ich gar nicht in der Tasche habe, ändert das nichts an der Tatsache, dass Wissenserwerb für mich nie ein Problem war.
      Hätte Herr Rossi es so formuliert: "jemand, der Stoff LERNEN kann, der ihm öde und dröge erscheint und der nicht durch logische Ketten oder Interesse oder leidenschaftliches Dagegen-sein zu erschließen ist, jemand, der Arbeiten ZUVERLÄSSIG und PÜNKTLICH oder abgibt und nicht immer wieder Lehrer und Professoren milde stimmen muss wegen verpasster Abgabetermine usw. usw., der hat wohl nur in Ausnahmefällen ADHS", dann wäre der Aufschrei wohl viel leiser gewesen.

      Hm. Mögliches Gegenargument: Darum geht es nicht. Es geht darum, ob er auch Interessantes wiedergeben kann, ob er überhaupt jemals Arbeiten abgibt und seinen Lehrer kann er gar nicht milde stimmen, weil er so ein Ekel ist, dass er null soziale Fähigkeiten hat, wenn er tatsächlich ADHS hat???

      Dann sprechen wir aber tatsächlich nicht von derselben Störung.

      --> bei der Wunschdiagnose bin ich stur aus einem Bauchgefühl heraus gegen alle Aussagen, die du, creatrice wiedergegeben hast, weil mir eine solche Haltung einfach nur in Ausnahmefällen plausibel erscheint.
      Warum sollten sich signifikant viele Menschen freiwillig eine Behinderung zulegen (bitte keine verletzten Gefühle - das war eine absichtlich überspitzte Formulierung)?
      Aber mir ist bewusst, dass ich hier einfach nur beharre, ohne belegen zu können und glaube nicht, dass mein Bauchgefühl ein großartiges Argument für Andere ist.
    • creatrice: Es tut mir leid, dass jetzt du emotional angepiekt bist.
      Ich bin es nicht mehr (war es auch nie durch das, was du vertrittst, da du ein Privatmensch mit Privatmeinung bist - es ging mir immer um das, was Fachleute öffentlich vertreten) und will dir als Person nicht ans Bein pinkeln. Ich bin nur nicht deiner Meinung.

      Zu Kurzsichtigkeit und Blindheit:
      Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das Beispiel passend ist.
      Vielleicht bin ich falsch informiert, aber ich habe gelernt, dass ADHS ein Syndrom ist mit vielen Bestandteilen, deren Ausprägung höchst individuell ist.
      Das zieht zwangsläufig unterschiedliche Beeinträchtigung nach sich, je nach Situation - selbst wenn man unterschiedlichen Schweregrad der jeweiligen Symptome vorerst außer Acht lässt.

      Lege ich eine Einheitssituation zugrunde - hier Studium - dann kann der Eine besser sülzen als der Andere (Professor / Abgabetermin / um den Finger wickeln). Der Eine kann besser klugscheißen als der Andere, erklärt dem Kommilitonen, was der Kommilitone mitgeschrieben hat und versteht / speichert den Stoff dadurch selber (von der Arbeit Anderer profitieren) usw.
      D.h. Die unterschiedliche Ausprägung der Symptome ergibt unterschiedliche Cocktails - der eine Cocktail schmeckt unserer mitteleuropäischen Gesellschaft besser, der andere weniger gut und der dritte wird auf der ganzen Welt sofort ausgespuckt.

      Der dritte Fall wäre der Vergleich mit der Blindheit.
      Und ich habe es ernst gemeint, als ich - politisch nicht korrekt - geschrieben habe, dass der Vergleich mit Blindheit für mich bedeuten würde, dass ein "echter" ADHSler nicht allein aus dem Haus gehen kann.

      Dass es wesentlich schwerere Fälle von ADHS gibt als ich es abbekommen habe, ist mir klar.
      Und ich bin froh und glücklich, dass ich vergleichsweise gut weggekommen bin.
      Noch einmal: ohne ADHS-wirksame Behandlung und Medikation hätte ich trotzdem mittlerweile mein Leben finanziell, beruflich und privat in den Sand gesetzt.
      Und das, obwohl ich bis Mitte 40 dachte, ich hätte nur biographische Defizite.

      Ich verstehe, wenn man zwischen verschiedenen Schweregraden der Kurzsichtigkeit unterscheidet.
      Meinetwegen kann man auch den Extremfall "Blindheit" abkoppeln - wird er ja bereits,denn mit ambulanter Therapie und MPH allein kann einem Extremfall nicht geholfen werden - und ob ein solcher Fall dann einen anderen Namen hat oder nicht und welchen, ist auch mir wurscht.

      Ich finde es nur als spät Diagnostizierte ganz persönlich bedenklich, alle Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte in Klump und Asche hauen zu wollen, indem man das Erreichte von hinten durch den Rücken in die Brust wieder kaputtmachen und widerrufen will, indem man - als Fachmann !!! - sagt: wer in einem Teilbereich durchkommt, hat kein Problem.
      Und wer Strategien findet, den braucht man nicht zu unterstützen, weil er ja beweist, dass er auch so klar kommt.
      Ob er dann noch 20 Jahre vor dem Rentenalter reif für die Klapse oder das Grab ist, scheint hier zweitrangig zu sein - oder zumindest kann es dann nicht am ADHS liegen, denn er hat ja bewiesen, dass wenn er will usw. ... und dann kann es ja kein ADHS usw. ... das klingt nach großem Rückschritt für mich.

      Und bevor jetzt wieder kommt: "Das ist ja gar nicht so", frage ich weiter (noch einmal): WARUM oder eher WOZU soll man dann - außer im Schweregrad und der Zusammensetzung des Symptomcocktails nach Hauptkomponenten - unterscheiden?
      Bzw. wenn es nur darum ginge, dass hier neue Namen verteilt werden sollen, wäre dieser lange Strang sinnlos.
      Es geht nämlich durchaus um etwas anderes - sonst wäre das Ding mit der Wunschdiagnose nicht in diesem Zusammenhang aufgetaucht.

  7. #217
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Ganz nüchtern warum eine ADHS-Diagnose für Erwachsene attraktiv sein könnte:
    - eine Störung mit neurologischem Hintergrund klingt für viele besser und akzeptabler als eine psychische Störung
    - der sagenumwobene underachiever mit exorbitantem unerkanntem Intellekt und kreativen Fähigkeiten lockt auch so manchen
    - seit Sheldon Cooper etc sind Asperger und ADHS einfach bei manchen "hip"
    - eine Erklärung warum das Leben so ist wie es ist, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen
    - eine Erklärung wieso man nicht dauerhaft seine eigenen überzogenen Anforderungen einhalten kann, ohne sich eingestehen zu müssen, das man vllt. geistig oder anders überfordert ist....
    - man hat nicht das Gefühl, wie bei anderen psychiatrischen Störungen das man etwas ändern könnte oder gar müsste
    - Aussicht auf Medikamente, die, egal ob gesund oder krank, eine gewisse stimulierende Wirkung haben
    - Aussicht auf Medikamente die eine gewichtsreduzierende Wirkung haben
    - eine Erklärung warum die Kinder ja doch ADHS haben
    - eine Erklärung wieso die Therapie anderer psychiatrischer Diagnosen scheitert
    - der Glaube das andere wirklich langweilige, schwierige Dinge gleichgültig oder gar mit Eifer tun, das andere nur 2x im Leben etwas vergessen, das Beziehungen immer gut laufen etc.... halt die Verblendung durch die Heute extremen Oberflächlichkeiten
    Geändert von creatrice ( 7.07.2015 um 18:14 Uhr)

  8. #218
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.935

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    AD(H)S ist hipp (Man selbst dann eigentlich auch? ), man ist auf einen Schlag kreativ, hat exorbitanten unerkannten Intellekt und man wird aus der Verantwortung entlassen? DAS hätte ich vorher wissen müssen ...

    Blöd, das nichts davon wahr ist ... Menno ...

  9. #219
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 499

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    creatrice schreibt:
    - Aussicht auf Medikamente die eine gewichtsreduzierende Wirkung haben
    Ja, da bin ich ja voll enttäuscht worden, ne?

    War auch erst kurz davor mich aufzuregen, dann dachte ich mir, was soll's? Ich empfand die Diagnose übrigens tatsächlich als eine Art Erleichterung, als eine Erklärung für manche Dinge in meinem Leben. Die beiden großen Examina hätte ich ohne Meds vermutlich nicht geschafft. Nach dem Studium konnte ich dann in einen Job, in dem andere Mitarbeiter einige meiner Defizite kompensieren, weil das Organisationszeug, dessen Durchführung (nicht dessen Planung) mich überfordert, andere für mich machen. Gelobt sei die Aufgabenteilung.

  10. #220
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: DSM-5 Können Akademiker wirklich ADHS haben?

    Zugegeben die Idee hat auf den ersten Blick etwas verlockendes Aber schon kommen ein paar (bekannte) Gründe die das Ganze nach hinten losgehen lassen.
    Unverständnis in der Familie /Umfeld
    Als Faulpelz und Versager dargestellt
    werden.
    Vorwürfe an einer erfundenen "Krankheit" zu leiden.

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