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Diskutiere im Thema Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Kai


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 6

    Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Hallo Leute!

    Ich bin der Kai und noch neu hier. Ich hoffe ich beachte alle Regeln und mache nun nichts falsch. Bitte nehmt es mir nicht übel, irgendwie fühl ich mich als Neuling hier ganz schön überfordert von all den Richtlinien die ich zu lesen habe. Die beachte ich zwar beruflich ganz gerne, nach meinem Arbeitstag geht mein Hirn aber schnell zum träumen in den Feierabend-Modus.

    Ich darf mich ja erst später vorstellen aber ihr bekommt hier schon mal die knappe Variante. Ich bin gerade knackige 22 und habe mir nie Gedanken über meine 'Andersartigkeit' gemacht. Klar denke ich wie wohl viele Menschen das ich die spezielle Schneeflocke bin. Irgendetwas war immer seltsam, es hat mich aber nie gestört. Letzten Endes müssen wir eben alle damit klar kommen, was uns auch immer zudem macht was wir sind. Zu meiner kleinen Vorgeschichte, ich bin Student im Naturwissenschaftlichen Bereich, studiere nicht gerade das leichteste Fach. Drücke mir das ganze Berufsbegleitend mit einer 40 Stundenwoche auf, welche dann doch eher zu 50 werden. Alles ging ziemlich lange gut. Durch den berufsbegleitenden Ansatz kam weniger Langeweile auf wie man es durch die Schulzeit gewöhnt war, die Regelstudienzeit war länger als beim normalen studieren wodurch die Klausuren etwas mehr verteilt waren. Nur gerade jetzt wo es gegen Ende geht und ich die ganzen Klausuren nachholen muss die so liegen geblieben sind wird es langsam Eng. Dazu kommt noch das auch meine Abschlussarbeit geschrieben werden muss.

    Ohne weiter um den heißen Brei zu reden, was danach passierte war unmoralisch und möchte ich hier nicht weiter erörtern. An dieser Stelle dürft ihr aber gerne den Detektiv in euch ausleben. Was ich dann machte endete im schlimmsten bzw. unangenehmsten Gespräch welches ich je führen musste. Ich sprach mit meinem Allgemeinmediziner über meine Probleme und Lösungen.
    Im Gespräch erzählte er mir auch von ADHS Patienten die er öfters sah und ich meinen Problemen mal nach gehen sollte. Noch nie hatte ich mich ernsthaft damit beschäftigt warum ich mich für die spezielle Schneeflocke hielt. Ich bin auch nie wirklich auf die Idee gekommen das es etwas so greifbares sein könnte da ich nicht der typische ADHS Charakter bin. Das es auch die Formen von reinem ADS gibt unterdrückte mein Geist wohl recht gut.

    Nun das ist der Grund warum ich nun bei euch gelandet bin, vielleicht könnt ihr meinem Kopf nun etwas Erleichterung verschaffen. Dieser ist nach dem Gespräch nämlich ziemlich voll und ständig am grübeln.

    Was ich bisher hier mitbekommen habe ist das es ein unglaublich langwieriger Prozess sein kann eine Diagnose bzgl. ADS/ADHS zu erhalten und genau dort setzten meine Fragen an.


    • Warum habt ihr den Kampf begonnen? Wolltet ihr Aufklärung, Medikamente oder war es einfach nur der Kopf der nicht nachgeben wollte?
    • Hat sich der Kampf um das ganze gelohnt? Geht es euch heute deutlich besser nach der Diagnose?
    • Was trug dazu bei? War es die Erleichterung oder doch nur die Medikamente?
    • Falls es die Medikamente waren, sind diese überhaupt langfristig eine Lösung? Wie hat sich dieser Aspekt über die Zeit verändert?


    Ich hoffe ihr könnt mir erst einmal meine anfängliche Neugierde nehmen. Zur Zeit bin ich noch am Zweifeln ob ich überhaupt an einer Diagnose interessiert sein könnte.

    Gruß

    Kai

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Hallo Kai,

    ich sehe gerade deinen ersten Beitrag.

    Deine Fragen kann ich jetzt nicht beantworten, aber soweit
    zu mir: Ich bin wegen meiner beiden Kinder zu meiner Diagnose gekommen
    und konnte die unangenehmen Seiten der ADHS lange Zeit kompensieren.
    Meine Diagnose bekam ich mit 45 und Medikamente durchgängig nehme ich
    erst seit einigen Jahren, hat natürlich auch was mit dem Alter zu tun.

    Du scheinst außerordentlich begabt zu sein, was ich so lese.
    Das schaffen viele ADHS-Betroffene nicht.

    Ich bin ein großer Anhänger von Dr. Hallowell, der zusammen mit Dr. Ratey das Buch
    "Zwanghaft zerstreut" geschrieben hat. Darin sind die Lebensgeschichten von verschiedenen
    Personen beschrieben.

    In dem link in meiner Signatur findest du "50 Punkte ...." aus diesem Buch.

    Kommt dir da was bekannt vor?

    Beste Grüße
    Gretchen

  3. #3
    Kai


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Hallo Gretchen,

    erst einmal danke für deine Antwort auch wenn du keinen dieser Wege gegangen bist.

    Ob eine Begabung vorliegt kann ich nicht sagen. Diese wurde weder von einem Spezialisten getestet, noch habe ich irgendwann einen IQ Test gemacht.
    Eine direkte Form von ADHS schließe ich aus. Eine Hyperaktivität oder Impulsivität liegt bei mir garnicht vor, Unruhig bin ich nur in mir selbst. Nach außen hin würden mich die meisten Menschen wohl als unglaublich ausgeglichen und ruhig betrachten.

    Folgende Punkte aus deiner PDF kann ich so kommentieren:

    4. Ermutigung
    [...]Er arbeitet oft für andere in einer Weise, wie er nicht für sich selbst arbeiten würde.

    Die von mir abgelieferte Arbeit ist tadellos, etwas das ich für mich selbst mache ist leider eher unstrukturiert und oft auch mit vielen Versuchen verbunden


    19. Ergreifen Sie Herausforderungen.
    25. Es ist in Ordnung zwei Dinge gleichzeitig zu tun
    28. Führen Sie Notizblöcke mit sich in Ihrer Tasche oder Jacke,
    32. Legen Sie sich,, gute", nützliche Süchte zu, zum Beispiel körperliche Bewegung.
    43. Betreiben Sie regelmäßig und kräftig Sport. Nehmen Sie körperliche Betätigung mit in IhreLebensgewohnheiten auf und bleiben Sie dabei.

    Sind die Punkte die ich ohne weiteres meiner eigenen Kompensationsstrategie, zum dar sein als spezielle Schneeflocke, entwickelt habe.
    Andere Punkte hingegen, wie eine überemotionale Verhaltensweise kann ich eigentlich mit einem Kopfschütteln abtun. Ich bin die meiste Zeit über ein ziemlicher Eisblock.

    Was mir in dem Werk erneut aufgefallen ist, das der Rat der Lebensstrukturierung hier recht häufig vorkommt. Gerade diese Dinge hatte ich in der Vergangenheit für sehr schwer empfunden. Ist das einfach nur die bedingte Schwierigkeit die Auftritt wenn man versucht neue Verhaltensmuster anzunehmen?

  4. #4
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Hallo Kai,
    ich komm noch mal drauf zurück, aber heute abend habe ich keine Zeit mehr.

    LG Gretchen

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Hallo Kai,

    ich bin gerade versucht, mit einer Gegenfrage zu antworten ... ok, ... ich erliege der Versuchung

    Kai schreibt:
    Was ich bisher hier mitbekommen habe ist das es ein unglaublich langwieriger Prozess sein kann eine Diagnose bzgl. ADS/ADHS zu erhalten...
    Ja, das kann so sein, ... muss nicht, kann aber und zugegebenermaßen ist das auch oft so.

    Kai schreibt:

    • Warum habt ihr den Kampf begonnen?
    • Hat sich der Kampf um das ganze gelohnt?
    Hier kommt nun die Gegenfrage:
    Mich irritiert die Bezeichnung "Kampf".
    Warum meinst Du, dass es ein Kampf ist/ werden wird?
    Was macht es für Dich zu einem Kampf?

    Kai schreibt:

    • Geht es euch heute deutlich besser nach der Diagnose?
    Hmm ... "besser" ... ja sicher.
    Nicht, weil die ADHS durch das Wissen um sie "besser" wird, sondern weil ich viele Dinge nun anders sehe, sie verstehe und die Hintergründe kenne und mit den syndromtypischen Beeinträchtigungen besser, anders, oder präsiser ausgedrückt: funktionaler umgehen kann.

    Der für mich wichtigste Teil ist der, die Beeinträchtigungen zu kennen und sie zu akzeptieren.
    Das bedeutet für mich, dass es Dinge gibt, die aufgrund der ADHS einfach nicht funktionieren, was aber nicht bedeutet, dass ich sie nicht kann, ich kann nur nicht so, wie man sie sonst üblicherweise von einem Menschen ohne ADHS erwarten würde.

    Ich verwende durch das Wissen um die ADHS nicht mehr unnötig Energie, um die Dinge so zu können, wie die anderen, sondern kenne die Besonderheiten/ Beeinträchtigungen und manage sie anders.
    Nur als ganz simples Beispiel:
    Mit einer Dyskalkulie als Komorbidität, kann ich schnell an meine Grenzen geraten.
    Früher hat man versucht, mir mit Mathenachhilfe zu helfen und mir das Rechnen beizubringen, aber das alles hat nicht geholfen.
    Das ist etwas, das ich schlicht nicht erlernen kann.
    Nun muss ich mich aber nicht hinsetzen und Trübsal blasen und verzweifeln, denn ich kann mit Hilfsmitteln arbeiten.
    Wenn man mir z.B. erlaubt/ ermöglicht, dort einen Taschenrechner zu verwenden, wo andere noch problemlos im Kopf rechnen können, komme ich durchaus zurecht.
    Ich muss mir Formeln aufschreiben und kann sie nicht einfach umstellen, sondern habe entweder eine Tabelle mit umgestellten Formeln oder ich rechne mit "Hilfszahlen", sozusagen eine "Problelauf", an dem ich sehen kann, ob die Formelumstellung aufgeht.

    Wenn ich im Restaurant das Trinkgeld nicht berechnen kann, macht das entweder meine Frau oder sie hilft mir.

    Was andere im Kopf behalten können, muss ich aufschreiben.
    Da kann man mit mir Gedächtnistraining machen, bis ich umfalle, das wird nicht besser.
    Aber ich kann einen Notizblock bei mir tragen plus einen "Chefkalender", in die ich mir alle nötigen Notizen und Zeitplanungen eintrage.
    Klar, das kostet Zeit, aber die nehme ich mir dafür.

    Das sind nur Kleinigkeiten, aber mein Verständnis um die ADHS und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen hat sich grundlegend gewandelt.

    Wüsste ich nichts von der ADHS und dass ich davon betroffen bin, würde ich wohl noch immer versuchen, so zu sein wie die Anderen, mit dem Ergebnis, immer wieder gegen die selben Wände zu rennen.


    Kai schreibt:

    • Was trug dazu bei? War es die Erleichterung oder doch nur die Medikamente?
    Das ist schwer zu beantworten.
    Nur die Medikamente auf jeden Fall nicht, das ist nur ein Teil der ADHS-Behandlung/ des ADHS-Managements und nicht mal der größte würde ich sagen.
    Erleichterung:
    Anfangs ja ....

    Aber das ist so ein Prozess, den wahrscheinlich sehr viele durchlaufen.

    Zu Beginn hat man diese Erleichterung, ... "Juhuu ...Jetzt weiß ich, woran es liegt!"

    Dann folgt aber unter Umständen:
    "Jetzt, wo ich darum weiß, kann ich es auch angehen, wenn ich meinen "Gegner" kenne, kann ich es auch mit ihm aufnehmen".

    Kann man aber nicht ....
    Man verfällt leicht in eine Phase, in der man meint, man könne die ADHS "wegmachen" ... kann man aber nicht, auch nicht mit der Medikation.

    Man muss sie kennen, verstehen und man muss sie managen.


    Kai schreibt:

    • Falls es die Medikamente waren, sind diese überhaupt langfristig eine Lösung? Wie hat sich dieser Aspekt über die Zeit verändert?
    Sie sind keine "Lösung", weder kurz- noch langfristig.
    Sie sind ein Teil der Behandlung/ des Managements und das sicherlich auch langfristig.

    Aber eben nur ein Teil.
    Ein erfolgreiches ADHS-Management funktioniert selten nur mit Medikation, sondern bedarf immer auch therapeutischer Hilfe.

    Kai schreibt:
    Zur Zeit bin ich noch am Zweifeln ob ich überhaupt an einer Diagnose interessiert sein könnte.
    Das kann ich verstehen.
    Daher eine Rückfrage:

    Was wäre denn, wenn es eine ADHS ist? Was würde sich für Dich dadurch ändern?
    und:
    Was wäre, wenn es keine ADHS ist? Was würde sich dann für Dich ändern?

    Viele Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (23.06.2015 um 22:32 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  6. #6
    Kai


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Guten Abend Fliegerlein,

    auch dir danke ich für deine Aufmerksamkeit.

    Gegenfragen begrüße ich natürlich gerne, nur so kommt die Diskussion überhaupt zustande.
    Deswegen auch direkt zur Erklärung bzgl. des Wortes Kampf. Es geht hierbei lediglich um die langwierige Suche und Auseinandersetzung mit Spezialisten. Gerade der Teil mit der Suche scheint sich, durch die Erfahrungen hier bestätigt, als recht unkomfortabel zu zeigen. Als recht passiver Mensch ist es für mich keine Angenehme Sache so ein unterfangen anzugehen. Mir war schon das erste Gespräch mit meinem Hausarzt sehr unangenehm, obwohl ich von diesem eher bestätigt wurde. Gerechnet hatte ich wohl mit Ablehnung.

    Ich verstehe das die Behandlung sich aus einem Umfangreichen Konzept zusammensetzt. Wie lange hast du den in deinem Fall gebraucht um nach der Diagnose deine vorhandenen Probleme in den Griff zu bekommen? Bist du vielleicht immernoch dabei Teilprobleme aus dem Weg zu schaffen, unabhängig natürlich von dem alltäglichen Kampf gegen die schon bezwungenen Probleme?

    Die letzten beiden Fragen will ich etwas umfangreicher beantworten. Natürlich ist, in dem Status in dem ich mich befinde, garnicht klar woran ich eigentlich bin. Möglicherweise bin ich hier falsch, vielleicht aber auch am richtigen Ort angekommen.
    Wie ich oben erläutert habe verlief mein Leben bisher recht zufriedenstellend, um nicht das Wort problemlos zu verwenden. Das hat jedoch den Hintergrund das ich meine Erfolge anderen Charakterzügen zu verdanken habe. Vielleicht eine Begabung wie es Gretchen angesprochen hatte, vielleicht nur eine Glückliche Verkettung von Zufällen. In dem Bereich bin ich wohl nicht fachkundig genug um mich darüber zu äußern.
    Die Probleme die mich plagen prägen sich rein innerlich aus. Am besten beschreibt es wohl das Wort 'brain fog'. Vielleicht kannst du dir darunter ja was vorstellen. Ich neige extrem schnell zum Multitasken. Im Büro sind neben meinem Arbeitsprogramm, noch zwei aktive Tabs im Browser offen und vor mir liegen noch ein paar Dokumente zum durcharbeiten. Kaum habe ich 5 Sätze einer Arbeit geschrieben kommt mir ein Gedanke der einfach wichtiger erscheint. Ich kann recht glücklich darüber sein das mich dieses Verhalten im Büro so gut wie gar nicht negativ beeinflusst. Wenn ich aber beispielsweise für eine Klausur lernen will oder die Wohnung putzen will klappt am Ende gar nichts mehr. Dabei ist wohl kaum zu erwähnen das mich diese Charakterzüge immer wieder in extremen Stress laufen lassen.
    Eine Diagnose wäre dahingehend für mich also nicht zwingend nötig. Vielleicht würde es mir aber auch helfen genau diese Probleme aus der Welt zu schaffen um meine innere Ruhe zu finden. Wenn es kein ADS ist, bin ich vielleicht doch nur genau die spezielle Schneeflocke mit der seltsamen Form.
    Um das Thema abzuschließen werde ich wohl noch einige Zeit brauchen.

    Gruß

    Kai

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Kai schreibt:

    • Warum habt ihr den Kampf begonnen? Wolltet ihr Aufklärung, Medikamente oder war es einfach nur der Kopf der nicht nachgeben wollte?
    Bei mir war es immer wieder das Psychiatr. Umfeld was mich drauf ansprach, ich habe/ hatte sehr viele Diagnosen, von daher war ich eigentlich nicht geneigt noch eine weitere zu bekommen, es war eher damit endlich Ruhe ist.

    Kai schreibt:



    • Hat sich der Kampf um das ganze gelohnt? Geht es euch heute deutlich besser nach der Diagnose?
    Ja! Allerdings war es bei mir kein Kampf. Es geht mir nicht nach der Diagnose besser, sondern nach der Medikation und der nun endlich noch besser greifenden Verhaltenstherapie, und wie Fliegerlein schreibt, ist auch das genaue Wissen um die Defizite gut, denn ich kann meine Ressourcen besser aufteilen.


    Kai schreibt:

    • Was trug dazu bei? War es die Erleichterung oder doch nur die Medikamente?
    Wie oben geschrieben, Erleichterung war bei mir gar nicht vorhanden.

    Kai schreibt:

    • Falls es die Medikamente waren, sind diese überhaupt langfristig eine Lösung? Wie hat sich dieser Aspekt über die Zeit verändert?
    Die Medikamente helfen mir sehr gut mich selbst, und damit auch meine Grenzen besser wahrzunehmen, ich kann mich besser an mir und meinem Körper orientieren was gut für mich ist und was nicht. Ich verbrauche auch weniger Energie für die Anstrengung der Aufmerksamkeit, somit habe ich mehr Energie für andere alltägliche Dinge. Auch die Verhatenstherapie ist für mich unter Medikation weitaus hilfreicher als ohne. Ich bin auch allgemein viel ausgeglichener, was meiner Kraft und auch dem Umfeld sehr zu Gute kommt.

    Ob es eine Dauerlösung ist, weiß ich nicht, die Nebenwirkungen sind bei mir nicht ohne, trotzdem geht es mir mit weitaus besser als ohne. Daher nehme ich, solange es vertretbar ist, auch die eine oder andere hin.

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 189

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Hallo Kai

    Auch ich bin hier ein Neuling und habe bisher einfach mal alles Lesetechnisch eingesogen. Auch möglich, dass ich über die Forums-Regeln stolpere, aber das Feedback wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Ich bin es mir mittlerweile gewohnt, dass ich die Grenzen nicht wahrnehme und ich immer wieder ins Fettnäpfchen trete.

    Nach meinen 39 Jahren Überlebenskampf, habe ich die Diagnose ADHS mit 40 Jahren, im Januar 2015 erhalten.

    Ich fühlte mich schon als Kind "anders", wusste aber nicht wieso. In einer tollen Familie auf dem Land aufgewachsen. Ich war sehr, sehr wild, eigenwillig, trotzig, unfallgefährdend, sehr oft krank, hatte viele schwere Allergien, hatte nicht viele Freunde, sehr schlecht in der Schule, aber ich war auch sehr fröhlich, nicht nachtragend, Tierliebend, sehr sensibel, emphatisch und einfach immer wieder ein Stehaufmännchen.

    Ich habe 20 Jahre einfach alles gemacht, was ich machen wollte. ALLES!! Ohne Rücksicht auf mich, meinen Körper oder meine Mitmenschen. Ob Beruflich oder in der Freizeit. Ich habe alles ausprobiert. Bis ins Jahr 2011.

    Dann hat es mich für 9 Monate komplett zusammen gelegt und mein Leben hing an einem Seidenen Faden. Burnout, Depression, Schmerzstörungen. Es folgten mehrere Physiotherapien und dann auch eine Psychotherapie. In dieser Therapie haben mich zwei verschiedene Psychologen gefragt, ob ich als Kind auf ADHS abgeklärt worden sei. Nein, natürlich nicht.

    Da die Therapie nicht wie gewünscht vorwärts ging, habe ich mich für die Abklärung entschlossen. In der Zwischenzeit habe ich mir Fachbücher besorgt, die dann auch mehrmals durch die Küche geflogen sind. Ich habe gedacht, die Autorin beschreibt mich. Ich war sehr wütend, aber auch glücklich. Ein totales Gefühlschaos in mir. Die Abklärungszeit war für mich die Hölle. Diese Fragebögen, Interviews, Tests, MRI, EEG und Bluttests. Es ging mir einfach viel zu langsam. Geduld ist ja nicht meine Stärke. Ich habe immer gedacht, wenn es nicht ADHS ist, was dann? Bin ich total verrückt? Bis alle Test Ergebnisse vorlagen, war ich echt nicht zum aushalten.

    Als ich den Bericht in den Händen hielt, fiel eine riesen Ballast von mir ab. Endlich sah ich, schwarz auf weiss, was Sache ist. Obschon ich noch heute mühe habe, dass es schon wieder so eine Diagnose ist, die von der Gesellschaft belächelt wird. Jetzt hatte ich schon ein Burnout und jetzt noch eine ADHS. Also bitte!!

    Ich war sehr offen gegenüber den Medikamenten. Ich sage mir immer, wenn es sie braucht, dann braucht es sie. Ich hatte zuerst ein Antidepressiva, danach ab und zu etwas gegen meine Panik Anfälle. Seit Januar 15 nehme ich, wenn ich arbeite, täglich 15mg Focalin XR und wenn ich frei habe, täglich 10mg. Als ich die Erste Tablette einnahm, konnte ich die Wirkung kaum glauben. Es brauchte ein paar Tage, bis ich begriff, dass das was ich mit der Medikamenten Wirkung erlebte, normal ist und dass sich die "anderen" wahrscheinlich immer so fühlen.

    Endlich hat sich meine innere Anspannung gelegt und ich habe das Gefühl, dass ich diese mit jedem Atemzug ausatmen kann. Ich kann jetzt tatsächlich mal in einem Liegestuhl entspannen, ohne nach zwei Minuten wieder herum zu hetzen und mein ganzes Umfeld verrückt zu machen. Auch gelingt es mir, meine Zeit vernünftig einzuteilen und mich an den Arbeitsplan zu halten. Ich kann sogar am Abend die Arbeit weglegen! Und ich habe nicht mehr den unbändigen Drang, ALLES immer perfekt abzuliefern.

    Es ist für mich immer noch unglaublich....ein neues Lebensgefühl....!!!!

    Meine Therapie geht weiter und es gibt noch viel zu tun für mich, aber die Diagnose ist für mich ein Meilenstein! Wenn es einen Knopf gäbe, wo ich die ADHS abstellen könnte, ich würde es nicht tun.

    Liebe Grüsse
    Snoopy

    Ich werde wahnsinnig, wieso könnt ihr so schnell schreiben und antworten? Ich bin glaub zu doof um mit dieser Geschwindigkeit im Forum mitzuhalten......!

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Kai schreibt:
    Deswegen auch direkt zur Erklärung bzgl. des Wortes Kampf. Es geht hierbei lediglich um die langwierige Suche und Auseinandersetzung mit Spezialisten. Gerade der Teil mit der Suche scheint sich, durch die Erfahrungen hier bestätigt, als recht unkomfortabel zu zeigen. Als recht passiver Mensch ist es für mich keine Angenehme Sache so ein unterfangen anzugehen.
    Ok, das verstehe ich, auch dass das Gespräch mit dem Arzt unangenehm ist, das ist sicherlich auch mehr als verständlich.
    Kann aber gut sein, dass es nur am Anfang ein Problem ist, letztlich geht man Schritt für Schritt nach vorn weiter und kommt so ans Ziel.
    Es ist ADHS-typisch, dass man das anfangs nicht überblicken kann, die "berühmte" Zeitblindheit halt, man sieht nur den großen Berg vor einem und nicht, dass jeder Schritt ein Schritt weiter ist.

    Kai schreibt:
    Wie lange hast du den in deinem Fall gebraucht um nach der Diagnose deine vorhandenen Probleme in den Griff zu bekommen? Bist du vielleicht immernoch dabei Teilprobleme aus dem Weg zu schaffen, unabhängig natürlich von dem alltäglichen Kampf gegen die schon bezwungenen Probleme?
    Ich bin, fürchte ich, nicht unbedingt das beste Beispiel.
    Meine Diagnose kam erst recht spät zustande, ich habe immer versucht, gegen diesen "unbekannten Geist" anzukämpfen, was letztlich in einem Burnout geendet hat und wenn man versucht, den auch noch zu ignorieren, dann ziehen Körper und Geist irgendwann die Notbremse und das bedeutet nicht, einfach abzubremsen und wieder losfahren zu können, sondern das bedeutet, dass einem der Motor und das Getriebe umd die Ohren fliegt ...
    Dazu kommt, dass meine lebenslangen Versuche, die ADHS zu kompensieren, zu weiteren Komorbiditäten geführt haben, darunter auch eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung und ich bin wohl auch von Asperger betroffen.
    Kurz gesagt: Beruflich bin ich durch die ganze Geschichte aktuell in der Erwerbsunfähigkeit gelandet.

    Das soll aber nicht abschrecken.
    Das ist nicht der Regelfall, ich hatte eben einfach nur Pech und wollte oder konnte nicht auf die Signale hören und da gibt es auch noch andere Gründe, das dürfte aber entschieden zu lang und weilig werden .

    Auch sind solche Verläufe immer auch vom Schweregrad der ADHS und den Komorbiditäten abhängig, das ist also keineswegs repräsentativ .

    Kai schreibt:
    Möglicherweise bin ich hier falsch, vielleicht aber auch am richtigen Ort angekommen.
    Ich sags mal so:
    Selbst wenn Du am Ende erkennst, dass ADHS nicht die Antwort auf Deine Frage ist, so bist Du dennoch nicht falsch, wenn Dir hier ein wenig dabei geholfen werden konnte, diese Antwort zu finden .


    Kai schreibt:
    Ich neige extrem schnell zum Multitasken. Im Büro sind neben meinem Arbeitsprogramm, noch zwei aktive Tabs im Browser offen und vor mir liegen noch ein paar Dokumente zum durcharbeiten. Kaum habe ich 5 Sätze einer Arbeit geschrieben kommt mir ein Gedanke der einfach wichtiger erscheint.
    Ich zitiere mal einen bekannten ADHS-Spezialisten, Russell Barkley:
    "Die Kunst des Mulitasking ist, dass man die mehreren, gleichzeitig laufenden Tasks auch erfolgreich beendet" .
    Wie ist das bei Dir?
    Bleibt da vieles offen oder bekommst Du das relativ gut hin und würdest auch sagen, dass das, wegen dieser ganzen Multitaskerei, nicht alles auf den letzten Drücker und mit hohem Stress fertig wird, wenn es denn überhaupt fertig wird?
    Geändert von Fliegerlein (23.06.2015 um 23:28 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  10. #10
    Kai


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Erfahrungen zum Kampf für die Diagnose

    Guten Abend Leute,

    Danke für eure Erfahrungen creatrice und Snoopy, schön das man euch so gut helfen konnte und ihr euren richtigen Weg eingeschlagen habt.

    Zum Multitasking, Fliegerlein, das unterscheidet sich sehr stark was ich tue. Wie schon beschrieben, auf der Arbeit habe ich kaum Probleme mit dieser Multitaskerei. Möglicherweise dauern die Aufgaben für sich so länger oder könnten zu besseren Ergebnissen kommen. Aber woher weis man das bevor man die andere Seite der Münze nie kennengelernt hat.
    Im Privaten Bereich, wo die Motivation bekanntermaßen lockerer sitzt, zähle ich bis 3 und bin am prokrastinieren. Meine Kollegen halten mich für Irre wenn ich Ihnen davon erzähle das ich extrem Faul sein kann.

    Habt ihr vielleicht ein paar Tipps zur Arzt suche? Komme aus dem unteren Niederrhein und habe gar keine Ahnung wo ich anfangen soll. Der letzte Neurologe/Psychiater den ich aufgrund anderer Probleme kontaktiert habe war mit echt unsympathisch.
    Soll ich bis zum Termin auf bestimmte Dinge in meinem Alltag achten die ich später wiedergeben muss? Ich hab auch schon gehört Grundschulzeugnisse mit Kommentaren zu benötigen. Leider habe ich wirklich keine Ahnung wo diese stecken. Dort wird wohl auch nicht mehr drauf stehen als "Er gehörte zu den ruhigen Kindern".
    Geändert von Kai (24.06.2015 um 20:07 Uhr)

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